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Anzeiger für die Stadk und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Donnerstag, 11. Februar 1926,
Nr. 34
Stresemann gegen Mussolini
die
In
Das deutsche Aufnahme-Gesuch.
Wie die Schweizerische Depeschenagentur meldet, wird das Gesuch Deutschlands um Aufnahme in den Völkerbund dem Generalsekretär des Völkerbundes am Mittwoch durch den deutschen Generalkonsul in Genf, Afchmann, zugestellt werden. Der Völkerbundsrat ist für Freitag zu einer außerordentlichen Tagung unter dem Vorsitz des italienischen Vertreters einberufen, um über die Einberufung der außerordentlichen Vollversammlung Beschluß zu fassen, welche sich über die Zulassung Deutschlands auszusprechen und die damit im Zusammenhang stehenden Fragen zu beantworten hat. Diese Versammlung wird für den 10. März in Aussicht genommen.
* Der Stand der deutsch-französischen Wirtschafts- Verhandlungen. Die HavaSagentur stellt die Meldung des Berliner Korrespondenten des »Petit Parisien" über den Bereits erfolgten Abschluß eines deutschfranzösischen Abkommens über die Einfuhr von Frübgemüse und die von Frankreich gewährten Kompensationen richtig. Nach offiziöser Verlautbarung sollen die Verhandlungen an einem Punkte angelangt fein, der eine Berichterstattung in Berlin notwendig mache. In einer Kabinettssitzung, die in Berlin stattfinden werde, werde die Reichsregierung den ihr übersandten Entwurf prüfen.
* Eine französische Kolonialausfiellung. Der Senatsausschuß für Kolonialwesen hat eine Sitzung abgehalten, in der in Aussicht genommen wurde, im Jahre 1928 eine Kolonialausstellung zu veran- stallen. _____________
* Krassins Befinden. (Eig. Funkm.) Eine in Paris erscheinende russische Zeitung berichtet, der Gesundheitszustand des in Paris weilenden Sowjet- Botschafters in London, Krassin, habe sich verschlimmert. Am Montag habe Kraffin sein Testament ausgesetzt.
Die Abrechnung des deuffchen Volkes durch seins «^wählte Vertretung, den Reichstag, mit Musiolini und feinen Anmaßungen und Beleidigungen ge- stallete sich zu einer gewaltigen, gerade durch ihre Einheit imposanten Kundgebung.
Mehr noch als an den sogenannten großen Ta- gen"bei Vorstellungen neuer Regierungen war das chaus in Spannung und demgemäß besetzt. Die Divlomatenloge war noch selten so angefüllt wie diesmal. Von den Chefs der ausländischen Missionen war der englische Botschafter erschienen außerdem waren auch die anderen ausländischen Missionen durch zahlreiche Abgesandte vertreten. Auch Persönlichkeiten der italienischen Gesandtschaft hatten in ber Loge Platz genommen. Die Publikumsttibünen waren Kopf an Kopf dicht besetzt. Hinter der Regierungsbank, auf der sich mit dem Außenminister Stresemann der Innenminister Külz und der Justizminister Marx erngefunden hatten, drängte sich ein ganzes Heer von Abgesandten der verschiedenen Reichsämter. Die Abgeordneten selber waren ziemlich zahlreich' erschienen, am stärksten waren die M i t t e l p a r - teien vertreten. Auf der Rechten klafften freilich sehr große Lücken.
Sofort wird dem Außenminister das Wort erteilt. Das bedeutet ein Abweichen von den bisherigen Gepflogenheiten bei Jnterpellatio nsdebat- ten, bei denen die Begründung der eingebrachten Interpellation allen anderen Ausführungen vorangeht. Der vorliegende Fall aber ist fo außer» ordentllch, daß auch die Taktik der Reichsregierung eine ungewöhnliche Maßnahme rechtfertigte. Sie wird dementsprechend wohl auch in der ganzen Welt verstanden werden.
Stresemann spricht unter größter Aufmerksamkeit des Hauses, vielfach unterbrochen oon stärksten Kundgebungen des ganzen Hauses. Kein Mißton stört die Rede. Ruhig und würdig, dabei aber doch entschieden und eindeutig weist Stresemann die Ueberheblichkeiten, Maßlosigkeiten und Beleidigungen der deutschen Regierung durch Mussolini zurück. Unter stürmischen Kundgebungen im Hause lehnt er es ab, auf den van Mussolini eingeschlagenen Ton «nzugehen. Er erinnert dann, immer wieder durch lebhafte Kundgebungen unterbrochen, an die Versprechungen, die seinerzeit schon durch den Kommandierenden General bei der Besetzung von Bozen, ferner durch die italienische Regierung und durch den italienischen König der deutschen Bevölkerung Südtirols gemacht worden find. Man hatte ihr versprochen, die Gemeindeverwaltung auf deutscher Grundlage zu belassen, die deutschen Volksschulen zu sichern, die deutsche Unterrichtssprache zu gewährleisten und „sorgfältig und liebevoll alles zu schützen, was die Sprache und die Kulknr dieses Landes verlange". Alle diese Versprechungen sind schmählich gebrochen und jetzt von Musiolini auch noch obendrein verhöhnt worden. Systematisch wird die Ent-Rationallsierung Südttrols betrieben, und Stresemann hat ganz recht, wenn er erklärt, daß die Wandlung in der Sttnrmung der deutschen Bevölkerung gegen Italien erst seit der Zeit datiere, als die Mitteilungen über die Veränderungen des Regimes in Südtirol nach Deutschland kamen.
Stresemann bedauert, daß in die deutsche Presse (es handelt sich um jenen Teil der Presse, der j e d e r Meldung zugängig ist, wenn sich daraus Kapital für nationalistische Verhetzung schlagen läßt,) unwahre und falsch informierte Nachrichten über Südtirol gekommen sind, aber er weist den Versuch Mussolinis, dafür die deutsche Regierung verantwortlich zu machen, und ihr zu unterstellen, daß sie eine anti-italienische Bewegung entfacht habe, mit aller Entschiedenheit zurück. Mit derselben Entschiedenheit wendet er sich gegen die Besttebungen privater, aber unverantwortlicher Kreise, die von München aus zu einem Boykott italienischer Waren aufgefordert haben. Auch diese rein private Sache wird der deutschen Reichsregierung zur Last gelegt. Muffo- l'mi hat, wie unter lebhafter Entrüstung des Hauses Stresemann mitteilt, dem deuffchen Botschafter erklärt, daß e r amtlich zum Boykott deuffcher Waren auffordere, wenn diese Bestrebungen nicht unterbunden würden. Ein derartiges Vorgehen unverantwortlicher privater Kreise zum Anlaß für den Bruch internationaler Verträge und Abmachungen zu nehmen, bezeichnet Sttesemann unter der stärksten Zustimmung des ganzen Hauses als eine Unmöglichkeit. Und als er ausruft, daß auf solcher Basis em internationales Zusammenleben überhaupt nicht denkbar ist, hat er ebenfalls die einhellige Zustimmung des Reichstages.
Des weiteren erklärt Sttesemann das, was Mussolini Deuffchland bezüglich der Brennergrenze unterstellt, als einen hellen Unsinn. lieber die Brennergrenze hat allein Oesterreich zu ent« scheiden. Was er von dem Vortragen der Trikolore gesagt hat, war nichts anderes als eine Kriegsdrohung, die in der ganzen Welt als solche betrachtet wurde. Etwas derartiges im jetzigen Augenblick zu sagen, istemFrevel oder eine Stiebet» lichkeit. (Stürmische Zustimmung im ganzen Hause!)_ Sttesemann wendet sich endlich gegen die Verhöhnung der deutschen Touristen, deren „primttive Kleidung" Mussolini verspottet hat. Allerdings hätte Mussolini alle Veranlassung, m fernem eigenen Lande in dieser Beziehung Um- 5ÖU Zu halten. Dort gibt es auch heute noch eine Enge von nicht nur primitiv, sondern lumpig ge- «eibeten Elementen, die die Fremden auf Schritt
zu erhalten. Er hatte mit den Verhandlungen an sich nichts zu tun und erschien unaufgefordert und aus freien Stücken in Locarno. Es war wohl zu vermuten, daß er das nicht tue, bloß um feinen Namen unter einen Vertrag zu setzen, der ihn eigentlich nichts anging. Er wollte ein gutes Geschäft dabei machen, und das ist ihm miß- glückt. Den Aerger darüber haben die Südtiroler auszubaden.
Noch einmal findet sich das ganze Parlament nut inniger Bewegung zu einer einheitlichen Abwehr zusammen, als der Außenminister zum Schluß mit allem Nachdruck in Uebereinstimmung mit dem ganzen deuffchen Volke die Angriffe und Seiet« digungen Mussolinis zurückweist.
In einer gemeinsamen Erklärung, abgegeben von dem Führer der Deuffchen Volkspattet,
Scholz, stimmen die Regierungspar
te i e n der Stellungnahme der Reichsregierung zu und lehnen ebenfalls unter Protest das Verhalten
Mussolinis ab. > '
Für die Sozialdemokraten sprach Abg. Stampfer. Er eilte scharf gegen Mussolini persönlich vor. Mussolini dünkt sich ein Cäsar, aber er ist nur ein Caligula. Mit dem aufgeblasenen Hochmut des Emporkömmlings spottet er jetzt über die Leute in primitiver Kleidung. Als er früher solche Kleidung trug, war er uns lieber. Er war damals Sozialist. Wenn die Nationalisten einen Führer brauchen, müssen sie immer warten, bis ein Sozialist verrückt geworden ist. (Gr. Heiterkeit). Wir Deuffchen haben traurige Erfahrungen gemacht mit einem Herrscher, der Zerschmetterungsreden hielt. Weil wir Italiens Freunde sind, wünschen wir dem italienischen Volk, daß es sich bald ans der faszistischen Zwangsjacke befreien möge. Mussolini will Battfftt in Bozen ein Denkmal setzen. Battisti ist als Märtyrer der itallenischen Irredenta in Oesterreich gestorben, Sein Denkmal würde affo einen Mann zeigen, der die Volksgemeinschaft immer weit höher gestellt hat, als die durch Eroberungskriege künsttich geschaffenen Landesgrenzen. Battisti hat in einer Rede die Kriegshetzer und Säbelraßler als Wahnsinnige bezeichnet, die ein Volk unschädlich machen müffe. Wir werden uns gern an dec Sammlung für das Battisti-Denkmal beteill- gen, wenn am Sockel diese von Battisti über Leute wie Mussolini gesprochenen Worte angebracht werden. (Beifall.)
Für die Deutschnallonalen sprach bemerkenswerter Weise Prof. Dr. Martin Spahn, der die Angelegenheit vom historischen Gesichtspunkt aus an» griff. Der Kommunist Stöcker sieht in Mussolini den Vertreter der Interessen der itallenischen Vourgeosie. Der völkische Graf Reventlow erklärt: Die gegenwärtige Mißstimmung zwischen Deutschland und Italien sei auf falsche Nachrichten und welt-freimaurerische Kämpfe zu- rückzuführen. Damit schließt die Aussprache.
Präsident Loebe: Ich darf das Ergebnis der Aussprache für den Reichstag mit Ausnahme der Kommunisten wie folgt zusammenfassen: Der Reichstag wehrt die fachlich ungerechtferttgten und in der Form beleidigenden Angriffe und Ausfälle Muffolinis mitNachdruckzurück. (Lebh. Beifall). In der ganzen Welt gilt die rechtliche Auffassung, daß das Schicksal stammverwandter Minderheiten von ihrer Mutternatton mit aller Anteilnahme verfolgt und ihr Ringen um das eigene Volkstum unttrstützt wird. Obwohl das deutsche Volk nichts anderes wünscht, als in friedlichem Zusammenwirken mit den anderen Völkern seinem eigenen Aufbau zu dienen, wird es sich doch nicht davon abhalten laffsn, für die deutschen Minderheiten unter fremder Staatshoheit eine gerechte Behandlung zu beanspruchen. (Lebh. Sehr richtig!). Dieses Recht werden wir uns am allerwenigsten durch beleidigende Angriffe und sinnlose Drohungen beschränken lassen. (Lebh. Beifall!)
Damit ist dieser Gegenstand erledigt.
Es folgte die zweite Beratung des Gesetzent- wuffs betreffend das vorläufige Wirffchaftsabkom- tnen zwischen Deutschland und Spanien. Der han- delspolltische Ausschuß beantragt die Annahme der Vorlage.
Das Provisorium wird in zweiter und dritter Beratung angenommen.
Der Zusatzvertrag zum deutsch-niederländischen Handelsvertrag wird in zweiter und dritter Beratung angenommen.
Um %8 Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch 1 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Etats für 1926 mit der Einführungsrede des Reichsfinicmzministers. Außerdem die Anträge über die Hochwasserschäden,
Der Tiroler Landtag beschloß, die österreichische Bundesregierung aufzufordern, wegen
Erscheint feäSma! wesentlich. Wochenbeilageu: Illustrierte Beilage" und .Bucheublätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer »ctiendrnckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. Monatlicher BernaSvreiSr 1.50 Mk.
fion fei eine Folge und nicht die Ursache für deutsche Agitation gewesen.
England und die Stresemann-Rede.
wtb London, 10. Febr. (Eig. Funkm.)
Dr. Seipels Eindrücke.
In einer Versammlung des Christlich-sozialen Verbandes von Nieder-Oesterreich sprach Bundeskanzler a. D. Seipel über seine Eindrücke in Berlin. Er ftchrte u. a. aus: „Mit Befriedigung tonnte ich beobachten, daß die maßgebenden Männer im Deutschen Reich und wir uns in der Frage, welche Polittk im Interesse der Erhaltung des Friedens imb der Wiederherstellung der Wirtschaft in Europa gemacht werden müsse, viel näher stehen, als man auf Grund von Zeitungsstimmen glauben könnte. Man steht draußen, wie ich aus den Steuerungen des Reichspräsidenten von Hindenburg, des Reichskanzlers Dr. Luther und des Außenministers Dr. Sttesemann entnehmen konnte, im gwßen und ganzen auf derselben Linie, auf der wir uns 1922 bewegt haben. Daß wir über die Verträge, die uns nach dem Weltkriege dittiert wurden, nicht begeistert sind, ist sicher. Sicher ist aber auch, daß weder in Deutschland noch in Oesterreich jemand daran denkt, den Frieden zu stören, indem er sich gewaltsam den Verpflichtungen aus den Verträgen zu entziehen sucht. Was die immer wieder — mchr von der ausländischen als von unserer Presse — aufgeworfene Anschluß- frage angeht, so kann ich nur sagen, daß Sinn und Wert eines außerhalb des Deuffchen Reiches stehenden österreichischen Staates auch in Deuffchland verstanden werden.
der Frage der deutsch-italienischen Beziehungen beschränkt sich heute die Mehrzahl der Blätter auf eine ausführliche Wiedergabe der Rede Dr. Strafe- manns und kurze Kommentare dazu. Allgemein wird der ruhige und würdige Ton des deutschen Außenministers hervorgehobea.
Ja Men.
wtb Wien, 10. Febr. (Eig. Funkm.) Die von Außenminister Stresemann gestern im Reichstag erteilte Antwort an Musiolini findet hier ungeteilten Beifall und dankbare Anerkennung. Alle Blätter heben die Ruhe und Würde der Erklärung Stresemanns hervor, der es trotzdem in Entschiedenheit der Abwehr an nichts habe fehlen lassen.
Amerikanisches Urteil.
wtb Jtempört, 10. Febr. (Eig. Funkm.) In einem Leitartikel der „Eveningpost" zu der Musso- llniangelegeuheik heißt es: Diese imperalistischen Gelüste, die nnkersttichene Berufung auf die Ergebnisse des Weltkrieges lassen den Frieden von Locarno wie einen bedeutungslosen Scherz und die geplante Eutwaffnungskonsereuz des vösterbundes wie eine leere Geste erscheinen. Mussolini und der Faszismus mögen gut gewesen sein für die i n n e r e n Schwierigkeiten Italiens vom Jahre 1925. Außerhalb Italiens werden beide wohl nur eine Gefahr für den europäischen Frieden bedeuten und schließlich das erneuerte Jkallen zu Grunde richten.
der Rede Mufsolinis Schritte beim Völkerbund ein« zuleiten.
Der andere italienische Komödiant, Gabriele d' Annunzio, hat Mussolini zu seiner Rede beglückwünscht und durch fein Motorboot eine Freuden- lalvevon57Schüsfenauf dem Gardasee abfeuern lassen.
Mussolini antwortet.
Ans Rom meldet „Agenzia Stefani": In der Senatssitzung am Donnerstag wird Mussolini auf die Reichstagserklärungen Dr. Sttesemanns ant» roorten.
Das Echo in Italien.
Wtti Rom, 10. Febr. (Eign. Funkm.) „Mes- saggero" schreibt: Die Rede Stresemanns gibt im wesentlichen Italien Genugtuung, in dem sie anerkennt, daß die deutsche Agitation unbegründet war und daß die Agitatoren in keiner verantwortlichen Stellung sind. Stresemann habe von einer internationalen Moral gesprochen, aber man könne doch nicht sagen, daß die itallenischen Untertanen deut- scher Zunge in Italien vergewaltigt würden, solange man ihnen erlaubt, deutsch zu sprechen und solange sie deutsche Schulen hätten. Deutsche Verbote existierten aber nicht in Jkallen, sondern nut in den Fälschungen der alldeutschen Propaganda. Wenn die Strenge Italiens in Süd-Tirol in der letzten Zeit zugenommen habe, so kam das daher, daß gewisie Bewegungen, die Stresemann desavouiert habe, die aber von gewissen Gruppen der Süd-Tiroler gepflegt werden, sich immer mehr ausgebreiket haben. Aber diese itallenische Reak-
Als ein weiteres wichtiges, die Ausfuhr deuffcher Waren förderndes Mittel ist sodann auch die Exportkreditversicherung vorgesehen, die in der Haupffache in der Uebernahme von Ausfallbürgschaften besteht. Nach dieser Richtung haben in der letzten Zett Verhandlungen bezüglich der Finanzierung russischer Betriebe mit deutschen industriellen Unternehmungen stattgefunden, die auch zum Teil zu einem Ergebnis geführt haben, so insbesondere des russischen Austtags für Röhrenlieferungen zum Ausbau des russischen Pettoleumgebietes. Hierfür liegt ein besonderes Interesse Deutschlands vor, weil auch deutsche Unternehmungen selber finanziell und durch Investierung von persönlichen und materiellen Kräften an dem Ausbau dieses Petroleumnetzes stark inte« reffiert sind und die Reichsregierung als solche ebenfalls an dieser Frage mit Rücksicht auf die Versorgung der Deuffchen Industrie mit Oelen einen großen Anteil nimmt.
Die jetzt von der Reichsregierung angewandten Maßnahmen sind zunächst nur als Vorbereitung gedacht. Wenn sie zu einem praktischen, dauer, hasten und finanziell ausreichenden Erfolg gebracht werden sollen, dann müssen sie in ein einheitliches organisches System gebracht werden. Die hierfür erforderlichen Maßnahmen werden augenblicklich von der Reichsregierung im einzelnen überprüft und enffprechend einem großzügigen Arbeitsplan zur Ausführung gebracht werden.
wtb Paris. 10. Febr. (Eig. Funkm.) Zum Eintritts Deutschlands in den Völkerbund schreibt „Makin": Die Alliierten können nur mit Freude feststellen, mit welcher Promptheit das kaum wieder gebildete Kabinett Luthers darauf bestanden l>ak. den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund anzumelden trotz der schwierigen parlamentarischen Lage und der enk- gegenfiehenden Meinung. „Oeuvre" schreibt: Man könne sich freuen, daß Deutschland jetzt in den Völkerbund eintrele, aber ftanzösischerseiks müsse die Gelegenheit dazu benutzt werden, daß es endüch die Verträge von Locarno ratifizieren wird. „Figaro" fragt, ob die Atmosphäre von Genf die Men- taütät der deutschen Staatsmänner andern werde. Um Europa wieder herzusiellen, sei die Mitarbeit aller Rationen nötig.
Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:
Wie wir bereits mitgeteilt haben, sieht es die Reichsregierung als eine öfter Hauptaufgaben an, mit allen nur tauglichen Mitteln den Export der deutschen Industrie zu fördern. Diese Frage der Exportförderung hängt auch zusammen mit der Frage der Reparationsleistungen, weil diese ja zu einem großen Teil mit aus den Exportüberschüssen gedeckt werden sollen.
Als Mittel zur Expottförderung hat die Reichsregierung die Einführung von Exportprämien in den Bereich ihrer Pläne gezogen. Mit solchen Exportprämien wird nun für die deutsche Kohlenausfuhr der Anfang gemacht. Dabei folgt übrigens die Reichsregierung dem von der englischen Regierung schon seit längerer Zeit befolgtem System, dessen Anwendung und sehr nachdrückliche Durchführung mit eine der Hauptschwierigketten für die deutsche Expottindustrie bisher bedeutete. Man kann es nur oegrüßen, daß die Reichsregierung ebenfalls zu diesem Mittel greift, um sich nicht nur der Widerstände zu erwehren, die dem deutschen Exportgeschäft schlechthin erwachsen, sondern um auch andererseits die Förderung der wirtschaft - lichen Interessen der Expottindusttte und des Reiches selber wahrzunehmen.
Im einzelnen ist zunächst die Einführung einer Exportprämie für Kohlen beabsichtigt, daneben werden in absehbarer Zeit auch noch andere Produkte m dieses Prämiensystem mit embezogen.
Der Reichstag einmütig gegen die Schmähungen des Faschisten-Häuptlings. und Tritt mit ihrer Bettelei belästigen. Es ist denkbar geschmacklos, die Angehörigen einer Nation, die die Kultursthtitze eines ftemden Landes kennen lernen wollen und die die stärkste Propaganda für diese Kultur in der ganzen Welt werden, deratt zu verhöhnen. Mit Recht konnte Stresemann auch daran erinnern, daß die italienische Regierung seinerzeit selber die Welwölker und vor allem die Deutschen gebeten hat, das Hellige Jahr m Rom zu feiern. Und diese Leute nunmehr zu verhöhnen, das ist keine besondere Ruhmestat.
Sttesemanns Rede enthüllte, was man bis jetzt wohl ahnte, aber erst jetzt bestimmt weiß. Mussolini hat tatsächlich gehofft und versucht, bei Gelegenheit des Vertrags von Locarno von Deutfch- land die Garantie der Brennergrenze
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