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53. Zahig.

Mittwoch, 10. Zebruar 1926

Nr. 33.

Das deutsche Aufnahmegesuch überreicht!

;en,

Würdige Abwehr der MWekl-Mhung

Stresemann

Die Interpellatton der deutschen Regierungsparteien.

antwortet im Reichstag. — Londons Wasserstrahl nach Rom

den und wird

zur

Das Reichskabinett hat in seiner Sitzung am Aontag die Absendung einer Note ein­stimmig beschlossen, durch die der Eintritt in den Völkerbund angemeld et wird.

Das Gesuch Deutschlands um Aufnahme in den Völkerbund ist noch am Montag abend an den deutschen Generalkonsul in Genf abgegangen, der die Note am Dienstag dem Generalsekretär des Völkerbundes überreichen roirt>._ Der Wortlaut der Note dürfte Mittwoch früh veröffent­licht werden.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: .SUaftrierte Bei­lage" unb .BnchenblStter". Rotationsdruck tmb Verlag der Nuldaer Vrtiendruckerei in Tknlda. Kernwrecher Nr. 9. Monatlicher Be,u«SvreiS: 1.50 Mk.

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Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt. —

besaß die Geschmacklosigkeit, diese Deutschen als eine „ethnische Reliquie" und sie als „letzten Rest aus der Zeit barbarischer Invasion" zu bezeichnen. Krasier hatte der Größenwahnsinn Mussolinis, seine Unkultur und seine Unbildung gar nicht an den Tag legen können, wie durch diese Worte.

Möchte uns dieser Vorgang lehren, daß wir zur Verteidigung deutscher Kultur nun erst recht einheit­lich und geschloffen zusammenstehen.

♦

Battisti, dem Mussolini in Bozen neben Walter von der Vogelweide ein Denkmal errichten will (er bat, wie die italienische Faszrstenpresse meldet, 5 Lire = 85 Pfennig dafür bereits gestiftet) ist ein Führer der italienischen Irredenta gewesen, kämpfte im Weltkrieg auf Seiten Italiens, wurde, wie nicht wenige der italienischen Helden gefangen genommen und von den Oesterreichern als Landes­verräter gehenkt.

(England und Italien.

Der ehemalige englische Premierminister Ram- say M a c d o n a l d soll auf der Durchreise ^durch Frankreich in einer Unterredung mit einem Redak­teur des fascistischen Mattes „Le Nouveau ©jede erklärt haben: Das englisch-italienische Schuldenabkommen ist ein Nonsens. Es kommt beinahe einer Annullierung der italienischen Schulden gleich. Nur ein Geheimvertrag kann so ein schlechtes Abkommen wie dieses recht- serügen. Ich bin vollkommen überzeugt, daß ein derartiger Geheimvertrag besteht. Man darf annehmen, daß in ihm von M u s s u l und vielleicht auch von Tunis bie Rede ist. Auf die Frage, ob Enaland und Italien sich etwa aus Kosten Frankreichs verständigt hatten, antwortete Macdonald, das sei möglich er möchte es allerdings nicht behaupten.

In der Unterhaussißung erklärte der englische Ministerpräsident Baldwin, daß zwischen England und Itilien kein Geheimvertrag irgend­welcher Art bestehe. — Die e n g l i s ch e Regierung erläßt offiziös eine scharfe Drohung gegen Ita­lien, wegen der Ankündigung, die italienische Fahne nördlich des Brenners zu tragen. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang, daß die wichtigsten englischen Blätter übereinstimmend von den „Ti­mes" bis zum „Manchester Guardian" ankündigen, daß die einzige Schwierigkeit der Sicherstellung des Ratssitzes für Deutschland in den italienischen Bedenken bestehen könnte, die aus An­laß der Verschärfung der Beziehungen Deutschlands zu Italien von der Consutta hervorgesucht werden könnten, und in dem Bestreben Polens, das augen­blicklich im stalienifchen Fahrwasser schwimme, nur dann für einen deutschen ständigen Ratssitz stimmen zu wollen, wenn es gleichfalls ständiges Mitglied werde.

Gleichzeitig erfolgte ferner die Ankündigung, daß die englische Großfinanz bereit fei, die Völkerbundanleihe für Albanien zu finanzieren, während Stellen stets die Lebensunfähigkeit Al­baniens betonte, solange es nicht an Italien ange­gliedert sei.

Der diplomatische Berichterstatter des „Daily T e l e g r a pH" sagt, an sehr hoher politischer Stelle sei ihm versichert worden, die Rede des baye­rischen Ministerpräsidenten sei ange­sichts der Lage unzeitgemäß und zum Teil kopflos gewesen. Wie berechtigt einige Bemer­kungen Helds auch sein mögen, seine Unvorsichtig­keit habe eine Aeußerung Mussolinis hervorgerufen, auf die der deuffche Reichskanzler oder der deutsche Außenminister wohl kaum eine Antwort vermeiden könnten. Die radikale „Daily News" bedauert, daß Muffolini zum natürlichen Sammelpunkt aller reaktionären Kräfte geworden sei, die die Welt in den Abgrund alter Feindschaft und Eifersüchteleien zurückzuziehen versucht. In Lon­don nehme man den Ausspruch Mussolinis über die Brenner-Grenz-Ueberschrertung weniger ernst als bi Paris. Er sei wohl mehr fürdeninnerpoli- tischen Gebrauch bestimmt gewesen, weshalb man ihm keine große Bedeutung schenken sollte.

2. Ist die Reichsregierung in der Lage, dem Reichstage über ihre Stellungnahme zu die­ser Ausführung Auskunft zu erteilen?

Der auswärtige Ausschuß des Reichstages ist für D i e n s t a q m i t t a g 12 Uhr einberufen wor- " ' sich mit der Vorbereitung für die Muffolinidebatte beschäftigen.

wtb paris, 9. Febr. (Eig. Funkm.) Der Lon­doner Berichterstatter des „pektt Journal" meldet: In britischen politischen Kreisen seien die Erklärungen Mussolinis über die Minderheiten in Süd-Tirol mik einer gewiffen Kühle ausgenom­men worden. Die Ansicht der öffentlichen Meinung gehe dahin, daß Mc von dem Führer einer Regie- rung, die Mitglied des Völkerbundes fei, gespro­chenen Morte Anlaß zu lebhafter Kritik geben, und daß der Vertrag Mussollni verpflichtet, seine Sprache zu mäßigen. Zum mindesten aber sei eine derartige Rede deplaziert in dem Augenblick, in dem Deuffchland seine Zulassung zum Völker­bund fordere.

Nationalisten aller Länder . . .

Aus Paris wird gemeldet: Während die Linkspresse die Ausführungen Mussolinis als einen Widerspruch mit der Politik von Locarno be­zeichnet ,bringt die Rechtspresse, soweit sie bis jetzt zum Wort gekommen ist, ihre Freude über die Rede des Duco zum Ausdruck. Die na­tionalistische „Liberte" schreibt, daß in der Praxis Mussolini tut, was er will, und daß man sich in Europa beugt, wenn er gesprochen hat. Was aber noch viel seltener sei, sei die Aufnahme, die seine giftige Rede, die gegen Deutschland gerichtet sei, in Europa gefunden habe. Es fei schon geraume Zeit vergangen, daß man eine derartige Sprache geführt habe. Das sei etwas ganz anderes als das Vokabularium des Geistes von LocarNo. Musso­lini habe klar aum Ausdruck gebracht, daL wenn

Die Fürstenabfindung.

Das Vorgehen der freien Gewerkschaften.

Nach einer Mitteilung des „Vorwärts" be- fchäftigte sich der Bunde sausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundes in eingehender Beratung mit der Durchführung des Volksbegehrens und des Volksentscheides über die entfchSd i gung s- los eEnteignungderfrüherregier en­den Fürsten. Es wurde eine Entschließung an­genommen, in der zwar betont wird, daß es sich hierbei um eine politische Angelegenheit Han- beit, deren Führung den polltischen Parteien ob-

Der fascistische Größewahn, verkörpert in M u s- solini und seinen hysterischen Phrasen, fangt nachgerade an, für die europäische Politik gefährlich zu werden. Was sich jetzt Muffolini in einer wohl- vorbereiteten und in ihrer ganzen Regie angekarie- ten parlamentarischen Aktion gegen Deutschand her- ausnahm, gehört zu dem Stärksten, was wir m den letzten Jahren erlebt haben. So sehr man auch geneigt sein mag, die Lächerlichkeiten, denen sich der Fascismus mehr und mehr aussetzt, als solche zu betrachten, so wenig kann man an dieser neuesten Leistung Mussolinis und des italienischen Fascinis- mus vorübergehen. Die Reichsregierung selber wird zu dem, was Mussolini dieser Tage in der italienischen Kammer gesagt hat, Stellung nehmen müssen.

Den Anlaß zu den Aeußerungen Mussolinis gab ein ihm von Farinacci, dem Generalsekretär des Fascistischen Partei, zugeworfener Ball in Ge­stalt einer Interpolation über die angebliche deutsche Hetze gegenüber Italien wegen der fascisti­schen Politik in Südtirol. Man weiß nun zwar nicht erst heute, daß sich zwischen F a r i icci als dem radikalsten und rabiatesten Dertt ..r des italieni­schen Faschismus und Mussolini nachgerade ein sehr gespanntes Verhältnis herausgebildet hat. Mussolini hat wiederholt versucht, die Geister des Radikalismus, die er rief, 3 ü bannen. Es ist ihm nicht möglich gewesen. Bestimmte Maßnahmen, die er gegen fascinistische Gewalttätigkeiten ergrei­fen wollte, sind entweder wirkungslos gemacht oder überhaupt nicht ausgeführt worden. So kann Mut-

Italien wolle, es seine Fahne jenseits des Bren­ners aufpflanzen werde. Dieses Bild habe keinen Skandal verursacht. Die Presse in Berlin bemühe sich den Diktator zu beruhigen und bittet Seme Majestät, doch nicht in Zorn zu geraten, wahrend die französische Presse die Behandlung billige die Mussolini dem unverbesserlichen Deutschland habe zuteil werden lassen. Jetzt, da Mussolini mit der Peitsche geknallt habe, werde die Tiroler Frage nicht so bald wieder aufgeworfen werden. Selbst der Anschluß Oesterreichs an Deutschland sei kom­promittiert. Durch eine einfache Kundgebung Der Energie habe Italien an seiner Grenze für mehrere Jahre Sicherheit gegenüber seinem deutschen Nach­barn geschaffen und im Trentino werde es keine autonomistische Kampagne geben, wie Frankreich sie im Elsaß beobachtet.

Es ist klar, daß alle Leute, die an Waffenrust- ungen und Zubehör Geld verdienen wollen, sich freuen, wenn man dem Geist von Locarno, dem Geist europäischer Friedensliebe, so zuwiderhan­delt wie Mussolini, der römische Theater-Napoleon.

* Erkrankung des Reichsernährungsministers Der Reichsminister für Ernährung und Landwirt, schäft Dr. Ha slinde ist neuerdings an den Folgen einer verschleppten Grippe nicht unerheblich erkrankt und muß auf dringendes Anraten seiner Aerste einen Erholungsurlaub an treten, der ihn vor­aussichtlich auf einige Wochen dem Dienste fern­halten wird. _____________

koreanisches (Eomplott in Tokio.

Wtb p a r i s, 9. Febr. (Eig. Funkm.) Eine nn „Journal" veröffentlichte Meldung aus Tokio befagf, daß die japanische Polizei ein von unzuftie- denen Koreanern geschmiedetes Komplott ausgedeckt hab«. Es habe sich darum gehandelt, Regietu ngs- Gebäude ln die Luft zu sprengen. Drei der hauptsächlichsten Verschwörer seien feftgenommen worden und eine große Menge von Bomben und revolufionären Flugschriften seien beschlagnahmt worden. _____________

* Die silberne Hochzeit in der holländischen Königsfamilie. Anläßlich des silbernen Hochzeits- tages in der königlichen Familie wurden in zahlreichen Orten kirchliche Gedenkfeiern abgehalten. An der Feier in der protestantischen Kirche von Apeldoorn nahm auch — vom königlichen Palais m Het Loo in Kutschen ankommend — die königliche Familie mit Gefolge teil. In Amsterdam und m anderen Orten fanden in Uebereinstimmung mit dem Wuniche der Königin, daß alle einlaufenden Gaben für die Linderung der durch die letzte Hochwasser­katastrophe angerichteten Not bestimmt toerben möge, öffentliche Sammlungen zugunsten der Hoch- wassergeschädigten statt.

* DaS englische Unterhaus hat die Antwort- adresse auf die Thronrede angenommen.

• Frankreichs Schwierigkeiten in Syrien. Der Korresponden der „Daily Mail" in Jerusalem meldet, er erfahre zuverlässig, daß die französische Regte- rung es abgelehnt habe, Truppen und Geld für eine weitere Offensive gegen dte aufständischen Drusen zu gewähren und den Oberkommiffar De Jouvenel angewiesen habe, alsbald einen Frieden unter bestmöglichen Bedingungen zu schließen.

In der Dienstagssitzung des deutschen Reichs­tages wird Außenminister Dr. Stresemann, der inzwischen den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held empfangen hat, auf dessen Rede Mussolini bei seinem parlamentarischen Vorstoß gegen Deutschland Bezug nahm, Mr Abwehr das Wort ergreifen. Er tut es auf die von den Regie­rungsparteien (Zentrum, Deutsche und Bayerische Volkspartei und Semotraten) einge­brachte Interpellation hin. Die Interpellation hat folgenden Wortlaut:

In der Parlamentssitzung vom 6. d. M. hat der italienische Ministerpräsident unter Bezugnahme auf die Sage in Südtirol Aus­führungen gemacht, die das Verhältnis des Deut­schen Reiches zu Italien berühren. Wir fragen an:

1. Ist der Reichsregierung der amtliche Wortlaut dieser Ausführungen bekannt?

gung der Diskrepanz im Rüstungsstande der eu­ropäischen Länder hinzuwirken.

Neben diesen allgemeinen Aufgaben hat der Völkerbund eine Reihe von Sonderausgaben über­nommen, die gerade für Deutschland von lebens­wichtiger Bedeutung sind. Dazu gehören zunächst die Verwaltung des Saargebiets und der Schutz Danzigs, zwei Fragen, deren be­friedigende Behandlung ohne deuffche Mitwirkung nicht denkbar _

Es kommt hinzu'die Frage der Kolonial­mandate, an denen beteiligt zu werden das deuffche Volk seinen berechtigten Anspruch erhebt. Endlich ist besonders auf das Problem der Minderheiten hinzuweifen, deren Schutz dem Völkerbünde anvertraut ist. Angesichts der großen Zahl von deuffchen Stammesangehörigen, bte m fremden Staatsverbänden leben, hat Deutschland die Pflicht, sich an der Gestaltung des Schicksals der Minderheiten nach seiner Kraft aktiv zu beteiligen. Deutschland muß in feiner bedrängten Sage m erster Linie nüchtern die Frage prüfen, ob ihm sein Eintritt konkrete Dorteile bietet, von denen es eine Besserung seiner Sage erhoffen kann. Diese Frage kann nach dem Stadmm, das in der polltischen Entwicklung jetzt erreicht ist, mcht mehr verneint werden. Nachdem die gleichberech­tigte Stellung Deuffchlands im Völkerbünde ge> sichert und seiner besonderen Sage für Konflikts- fälle Rechmmg getragen ist,,wird die Gefahr, in­folge unseres Mangels an äußeren Machtmitteln ein reines Objekt der Politik der anderen zu wer­den, durch die Zugehörigkeft zum Bunde und die Beteiligung an seinen Entscheidungen keinesfalls vergrößert, sondern sicherlich verringert. Selbstverständlich kann niemand erwarten, daß der Eintritt in den Völkerbund einen plötzlichen Umschwung der Dinge herbeiführen konnte. Mit schnellen Erfolgen kann kerne deutsche Autzenvolitik rechnen. Sie wird bei richtiger Ab­schätzung der ihr zu Gebote stehenden Mittel den mühsamen Weg des Wiederauffüegs und der Er­starkung nur Schritt für Schritt zurucklegen kon- neu. Auf diesem Wege bedeutet der Eintritt in den Völkerbund einen Fortschritt, da er Deuffchland neue Mittel und neue Möglichkeiten der Politik zur Verfügung stellt.

Die deutsche Regierung begleitet die Ueberret- 'Aung der Note mit einer halbamtlichen Verlautba­rung, worin nochmals die Gründe und Erwägun­gen für den Eintritt dargelegt werden. Sarin heißt es u. a.: Wenn auch angesichts der polltischen Gesamtlage nichts verkehrter wäre, als illusio­nistische Hoffnungen über das zu hegen, was Deuffchland erreichen kann, so wird doch Deutschland künftig bei all den großen Angelegen­heiten, für die der Völkerbund zuständig ist, zum mindesten mitberaten und mitabftimmen. Bei den zahlreichen Entscheidungen des Völker­bundsrates aber wird Deuffchlands Stimme darüber hinaus von enffcheidener Bedeu­tung sein. Da nach der Satzung des Völkerbundes der'Völkerbundsrat, soweit nicht in besonderen ein­zelnen Fällen anderes vorgesehen ist, einstimmig zu beschließen hat, was den Inhalt der Arbeit im Völkerbund betrifft, so steht bei allen politischen Spannungen ernster Art den Bundesmitgliedern das Recht zu, eine Beratung im Völkerbunde her­beizuführen und auf diese Weise ihren Standpunkt nur Geltung zu bringen. Dadurch wird Deutsch­land die Wiederbeteiligung an großen politischenEntscheidungen gesichert. Im Völkerbunde kann ferner die Nachprüfung unan- wendbar gewordener Verträge und solcher inter­nationaler Verhältnisse veranlaßt werden, deren Aufrechterhaltung den Welffrieden gefährdet. Auch für die allgemeine Abrüstung, die eines der wichtigsten Ziele des Völkerbundes ist, kann Deutschland als Mitglied nachdrücklich eintreten, während es außerhalb des Bundes kaum eine Handhabe besitzt, um von sich aus auf die Befeitt-

td angesehen werden, itm die radikalen Fascisten z u beschwichtigen.

Das entschuldigt aber nicht die unerhörten An­griffe und direkten Beleidigungen, die er gegenüber Deutschland ausspricht. Nicht genug damit, daß er die deutsche Kultur verhöhnt, daß er in maßloser Ueberspanntheit deutschen Geist herabzusetzen sucht, er unterstellt gewissermaßen dem deuffchen Volke kriegerische Absichten auf die Süd­grenze. Er stellt es so hin, als wenn die B r e n« nergrenze von deutscher Seite angetastet wor­den wäre oder ongetaftet werden sollte, und er ruft pathetisch aus, daß diese Grenze „von der unfehl­baren Hand Gottes festgelegt wurde!" Und die nationalistischen Seidenschasten der Fascisten peiffcht er dadurch auf, daß er erklärt, das fascistische Ita­lien würde, wenn es nötig fein sollte, die Tricolore auch noch weiter vortragen.

Als wenn jemals in Deuffchland irgend jemand die Brennergrenze hätte ftreitig machen wollen! Aber was wir Italien ftreitig machen, ist der Anspruch, die tausend Jahre alte deuffche Kultur Südtirols vernichten zu dürfen. Di« Unterdrückun­gen, die sich das fafzisttsche Italien gegenüber den Deuffchen Südtirols, dem deuffchen Eigen- und Geistesleben gegenüber, erlaubt, stehen in schärfstem Widerspruch zu allen nationalen Rechts- und Mo­ralgrundsätzen. Wie tarnt man freilich Wür­digung solcher Kräfte von einem pollffschen System voraussetzen, das sich einzig und allein durch rohebrntaleGewalt, durch Terror und Prügeleien aufreckst erhält. Die polltischen Ver­hältnisse in Jtallen ftnb durch den Fascismus zu einer Karrikatur geworden und Mussolini, der sich als „M ythos" feiern und proklamieren läßt, und der den Mund um fo voller nimmt, je weniger er zu sagen weiß, ist nachgerade der Typus des fascisti­schen Größenwahns geworden.

Wir können es aber nicht dulden und nicht er­tragen, zum Objekt solcher krankhaften Ausbrüche gemacht zu werden. Es wird auch regierungsfeitig ein ernstes und nachdrückliches Wort an Italien gerichtet werden müssen. Es liegt uns durchaus fern, politische oder wirtschaftliche Gegenfätze, die etwa zwischen den beiden Ländern enfftehen können, zu verschärfen oder zu vertiefen. Die deuffche Na­tion hat, wie kaum eine andere Nation auf der Erde, der italienischen Kultur, an der ein Musso- lini und das fascistische System wahrhafttg un- schuldig sind, stets die größte Hochachtung ge­zollt. Wir halten auch nichts von gewissen Boykott» beroegungen, wie sie in letzter Zeit von den ver­schiedensten Seiten nach der einen oder der anderen Richtung hin, etwa auch im Sinne der Vermeidung von Reisen nach Italien, nertreten worden sind. Damit macht man keine Politik und ändert auch die Verhältnisse nicht. Aber wft verlangen die Wahrung und den Schutz unserer Rechte und In- teressen, und wir werden ftrenge Gerechtigkeit ge­rade auch für die Minderheiten, zu denen auch die Deuffchen ho EÜckstal aehören, fordern. Mussolini

liegt, in der jedoch ale Verbände und Gewerk­schaftsmitglieder aufgefordert werden, alle Kräfte mtt einzusetzen, um dem Volksbegehren und gegebenenfalls dem Volksentscheid zu einem eindrucksvollen Erfolge zu verhelfen. Mr die Aufbringung der erforderlichen Mittel empfiehlt der Bundesausschuß den Parteien die Einleitung von Sammlungen, an denen sich zu beteiligen der Ausschuß allen Gewerkschaftsmitgliedern

Pflicht macht.________________________

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Vor eintritt in die Tagesordnung der Montag- Sitzung ergriff Reichsaußenminister Dr. Stresemann das Wort zu einer Erklärung, in der er unter Hinweis auf die bekannte Rede Musso- finis betonte, daß die Reichsregierung den dringen­den Wunsch habe, zu diesen Ausführungen Musso- linis Stellung zu nehmen.

Nachdem Präsident Loeb« zugesagt hatte, die dazu vorliegenden Interpellationen auf di« Tages­ordnung am Dienstag zu setzen, berichtete der Zen- trumsabgeorbnete Groß über die Verhandlungen des Ausschusses, der sich mit den Rechtsver­hältnissen der Reichsbahn zu befdjäfti- gen hatte. Der Ausschuß hat eine Entschließung vorgelegt, in der es heißt, daß die derzeittge Per- sonalpvlittk der Reichsbahn nicht die Billigung des Reichstags finden könne, weil di« bei der Beratung des Reichsbahn- und Reichsbahnpersonalgesetzesim Reichstag abgegebenen Erklärungen und Zusiche- rurmen nicht einsehalten worden, leist. Die Reichs-

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