* Gegen politische Prügeleien. Der Berliner Polizeipräsident erläßt eia» scharfe amt« Hdje Kungebun g gegen die tn letzter Zeit überhand nehmenden Prügeleien und Rohheitsdelikte mit politischem Hintergründe. Es könne unter keinen Umständen geduldet werden, daß politische Mei- nungsverschiedenheiten auf der Straße mit Mitteln brutaler Gewalt, mit Hieb- und Schußwaffen »usgetragen werden. Er werde auch fernerhin alle
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Dienstag, 9. Februar 1926. |
53. Zahrg.
Nr. 32
Zer Mritt ZeuWlallds in den Völkerbund
zahlreiche Mrtgttever Politiker teilnahmen.
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Die Wirtschaftskrise auf dem Höhepunkt
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verfügbaren Polizeikräfte einsetzen, um solche Ruhestörungen zu verhindern und in gewissen Fällen ein Verbot von Kundgebungen auf der Straße und auf Plätzen in Erwägung zu ziehen. Das Stock verbot werde nachdrücklich durchgeführt und gegen un- berechtigten Waffenbesitz unnachsichtig eingeschritten werden. Auch wer einen Waffenschein besitze, sei als Teilnehmer an einer Kundgebung gemäß Artikel 123 der Reichsverfaffung nicht zum Waffentragen berechtigt.
Bedenken haben geltend gemacht Mecklenburg, Thüringen und Bayern, drei Länder, in denen die Völkischen eine parlamentarische Bedeutung haben. Die Sprecher dieser Länder haben bei ihrer Stellungnahme zur Frage des Völkerbundes zweifellos ihre innerpvlitischen Verhältnisse nicht aus dem Auge gelassen, zumal ja ihrer Stellungnahme keine entscheidende Bedeutung zukam und sie sich so leicht „Bedenken" leisten konnten. „Bedenken" haben sicherlich auch die Vertreter der anderen Länder. Hier kommt es aber vor allem auf Verantwortung an.
Englische Stimmen.
Der Londoner Observer schreibt: lands Eintritt in den Völkerbund werde
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Deutsch -italienische Auseinandersetzun g.
Der Kampf um Südtirol. — Ein Rede Mussolinis. — vor einer Knt- wort im deutschen Reichstag.
trauensvolle Zusammenarbeit unter den vervollständigen, durch die Sieger und aus dem letzten Kriege wieder auf c Fuß gestellt würden. Erne entgegengefi „ denz finde ihren Ausdruck in der Fortdauer der srenchen Besetzung deutschen Gebiets. Es werde immer weniger die Möglichkeit bestehen, diese beiden Tendenzen miteinander zu vereinigen. Der Ob- server sagt weiter, mit dem Eintritt Deutschlands werde der Völkerbund für alle wesentlichen brauchbar, aber ohne die Teilnahme lands könne er nicht vollkommen sein. Wenn Rußland später Mitglied werden sollte, so werde Lies nicht der lleinste Vorteil sein, die Dentsch-
Er hielt eine Ansprache, in der er e. a. sagte niemals sei die Aktivität in Frankreich größer gewesen, als zur gegenwärtigen Stunde auf allen Gebieten. Bisweilen zeige sie nicht genügend Zu- sammenbang. Das sei aber zurückzuführen auf ihre Intensität und die Vielseitigkeit der Bedürfnisse, die sie unverzüglich zu erfüllen habe, um dte S ch a b e n zu heilen, an denen Frankreich vom Kriege her leide. Bemerkenswett jedenfalls fei der entschlossene Wille Frankreichs, sich durch eigene, beharrliche und kräftige Anstrenguna wieder aufzurichten und sich in der Welt die hervorragende Stellung zu bewabren, die ihm mit Recht feine Vergangenheit, seine Verdienste um die Zivilisation und fein Friedenswille gegeben haben. Dieser feste Wille werde zweifellos mannigfach auf Hindernisse und Schwierigkeiten stoßen, die sich bei der wirtschaftlichen und finanziellen Wiederbebung ergeben. Aber et werde auch den einen den Opfergeist, den anderen den Geist der Einigkeit und allen die strenge Wahrung der Disziplin zur gebieterischen Pflicht machen, die die Verteidigung der Interessen und der mit der Republik und dem Vaterland unlösbar verbundenen Geschicke erfordere. Das Wesentliche jedenfalls sei, daß Frankreich zu sich selbst Ver- trauen habe.
Die Kleine (Entente.
Die Konferenz der Kleinen Entente.
Ans Prag wird gemeldet:
Nach einer Meldung deS sozialistischen Blattes „Pravo Lidu" wird fick die bevorstehende Konferenz der Kleinen Entente mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund beschäftigen. In der russischen Frage hätten alle Mitglieder, der durchaus nicht gegen Sowjetrußland feindlich eingestellten Kleinen Entente, völlige freie Hand.
Der bisherige Chef der französischen Militär- miffion in Prag, General Mittelhauser, der sich nach Marokko begibt, wandte sich in einer Unterredung mit einem Zeitungsvertreter gegen die im tschechischen Wehrgesetz vorgesehene Herabsetzung der Dienstzeit auf 14 Monate. Nach der deutschen Zeituna „Bobemia" soll der tschechische Generalstab bereits fünf Parteien der Koalition für die Beibehaltung der 18 monatigen Dienstzeit gewonnen haben.
dauernden Sitzes im Dölkerbundsrat an Deutschland wieder wett zu machen, verlange Briand das gleiche Vorrecht für Polen. Frankreich, Polen. Belgien und die Tschecho-Slowakei hätten dann, zusammen den dritten Teil der Ratssitze inne und könnten damit einen festen antideutschen Block bilden. Da dies aber nicht ständig für eine Mehrheit genüge, würde Briand beantragen, daß Spanien und Brasilien ebenfalls ständige Sitze im Rat erhalten.
Frankreichs Präsident.
Der Präsident der Republik, Doumergue, führte den Vorsitz auf dem Iahresbankett der Vereinigung der republikanischen Journalisten in Paris, an dem zahlreiche Mitglieder der Regierung, sowie führende
land und dem Völkerbunde aus der wettblickenden und mutigen Politik der Wieder Versöhnung, ander Luther und Sttesemann so gwßen Anteil hätten, erwachsen.
Der diplomatische Berichterstatter der Sunday Expreß schreibt dagegen, die Hoffnug, daß Deutschlands Einttitt den Charakter des Völkerbundes völlig verändern und in der Richtung auf eine europäische Wiederversöhnung und faire Behandlung aller Nationen wirken werde, wäre erst bann gerechtfertigt, wenn Frankreich und Deutschland aufhören würden, zu mißtrauen. Die letzten und bevorstehenden Schachzüge der französischen Regierung deuteten jedoch auf das Gegenteil hin. Um die Zuteilung eines
Der italienische Faszismus, der ebenso unduldsam ist, wie die dem Faizismus entsprechenden nationalistischen und völkischen Bewegungen anderer Länder, führt bekanntlich einen scharfen Kamps Sgen das Deutschtum in Südtirol. In der italrem» en Kammer antwortet« der Häuptling der itahe« Nischen Faszisten, Mussolini, am Samstag auf eine von dem Faszisten-Führer Tarinacci eingebrachte Interpellation, worin im Anschluß an die Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held vom 5. Februar um Aufklärung über den gegenwärtigen Zustand der itallemsch-deutschen Beziehungen gebeten wurde: „ r , , . ,
Mussolini sagte: „Ich will die Anfrage sofort be- antworten, nicht, um gegen den Leiter der bayerischen Regierung zu polemisieren, sondern um Licht in Sie gte, danken derer zu bringen, die hartnäckig dabei bleiben» sie in Verwirrung belassen zu wollen. Ich will sprechen, denn ich denke, daß wie in den Beziehungen zwischen Einzelpersonen es auch in den Beziehungen zwischen den Völkern am besten ist, freimütig irn richtigen Moment zu sprechen. Die faszistische Reg,erung hat während dreier Jahre eine sehr gemäßigte Politik Deutschland gegenüber verfolgt. Sie hat sich niemals diesem von der Niederlage getroffenen Volke gegenüber hinreißen lassen. Sie hat sich allen scharfen Maßregeln widersetzt. Die Deutschen, soweit sie objektiv sind, haben seinerzeit das selbst anerkannt. Nach langwierigen Verhandlungen haben wir tm vergangenen Jahr einen Handelsvertrag> nnt Deutschland abgeschlossen, den ersten, den Deutschland nach dem Frieden von Versailles abgeschlossen hat. Jetzt nach dem Abkommen von Locarno und nach dem Abschluß des Handelsvettrages entwickelt sich in Deutschland plötzlich wie auf ein gegebenes Stichwort hm eine antiitälienifche Kampagne, die ebenso abscheulich wie lächerlich ist. Abscheulich, denn sie wird begründet mit der Zusammenstellung notorischer Lugen. Lächerlich, denn sie wiegte sich in dem Gedanken, auf unser junges, stolzes, faszistisches Italien Eindruck zu machen, das sich von niemanden beeinflussen laßt. (Langandauernder, einmütiger Beifall.) Es war eine Lüge, als man von der beabsichtigten Entfernung des Denkmals Walters von der Vogelweide in Bozen sprach. Wir respektieren die Poesie, selbst wenn sie mittelmäßig ist (Heiterkeit): aber wir können es nicht dulden, daß Walter von der Vogelweide und Dante gegenübergestellt werden, denn das hieße den Monte Pincio mit dem Himalaja vergleichen. Wir werden das Denkmal Walters auf seinem Platz belassen, aber wahrscheinlich wird Sch auf dem Platz von Bozen dank der Spenden des alienischen Volkes ein Denkmal für Eesare Batisti auf denselben Fundamenten erheben, auf denen sich em Denkmal des deutschen Sieges erheben sollte. (Lebhafter, allgemeiner Beifall. Alle Abgeordneten erheben sich, ebenso das Publikum auf den Tribünen.) Dieses Denkmal wird dem Andenken all der anderen Mättyrer ge- widmet sein, die mit ihrer Aufopferung und mit ihrem Blut das letzte Wort unserer Geschichte, soweit Südtirol in Frage kommt, geschrieben haben.
Es ist eine Lüge, daß das Denkmal der Kaiserin Elisabeth in Brixen durch Feuer zerstört worden sei. Lange sprach man von Ansammlungen und Expeditionen der Faszisten. In deutschen Zeitungen erfdjienen haar- sträubende Beschreibungen von Gewalttätigkeiten, die gegen deutsche Touristen unternommen worden seien, und von denen mir zwei mit viermonatiger Verspätung zur Kenntnis gebracht worden sind. Man sprach von einer Entschuldigung, die die italienische Regierung an die deutsche Botschaft in Rom wegen der studentischen Demonstrationen gerichtet habe. Auch das ist eine dumme Lüge. Aber wenn das alles genügt hätte, um das hervorzurufen, was die Deutschen „Stimmung" heißen, so reichte es doch noch nicht aus, um die sogenannte „Gemütlichkeit" (Mussolini wandte diese beiden deutschen Worte an) zu kitzeln, d. h. jene halb materialistische und halb weinerliche Sentimentalität. IHeiterkeit.) Man hat ein Verbot erfunden, das der Tyrann Mussolini gegen die Deutschen im Etschtal wegen der traditionellen Weihnachtsbäume erlassen hätte. Aber auch da» war eine dumme und lächerliche Lüge. Rach all diese« Lügen sprach man schließlich von einem Boykott per italienischen Waren und des Reiseverkehrs nach ßtaften. Lassen Sie mich ein für allemal über diesen Reiseverkehr folgendes sagen: Wir sind ein hervorragend gastfreundliches Volk. Das kommt von unserer tausendjährigen Kultur. Wir wollen fo bleiben, selbst wenn man diese unsere Gastfreundschaft mißbraucht und wenn man sehr pttmitiv gekleidete Individuen durch die Straßen unserer Städte wandeln steht. Aber niemand darf sich der Täuschung hingeben, Italien durch einen Boykott seines Reiseverkehrs gewinnen zu können. Italien lebt von ganz anderen Dingen und oerfügt über ganz andere Kraftquellen. Uebrigens kommen viele dieser Leute nicht nach Italien, um iflt» Geschenke zu machen, sondern um zu sparen. Auf jeben Fall aber will ich zu der Frage des Boykotts erklären, daß, wenn morgen dieser Boykott praktisch durchgeführt würde und wenn er die stillschweigende Zustimmung der verantwortlichen Behörde hätte, fo würden wir mit einem Boykott im Quadrat und auf eventuelle Repressalien in der dritten Potenz antworten. (Sehr lebhafter, langanhaltender Beifall.)
Wenn ich fo spreche, so glaube ich, aufs beste der Sache der Wahrheit und der Kultur und selbst der Sache des Friedens zu dienen. Einige haben geglaubt, daß nach Protesten verschiedener Deutscher, die in Italien ruhig von ihren Handelsgeschäften leben, all das ein Ende nehmen würde. Das ist aber nicht eingetreten. Im Gegenteil stehen wir jetzt vor der Rede, die gestern bet bayerische Ministerpräsident Held im Bayerischen Landtage gehalten bat. Er sagte: „Wir müssen alles tun, um zu einer Besserung der Sage in Südtirol zu gelangen und alles, was den Deutschen an der oberen Etsch die Freiheit geben kann. Von diesem meinem Platze mis muß ich den kräftigsten Protest gegen die brutalen Vergewaltigungen in Südtirol erheben." Ich erkläre, so sagte Mussolini, daß diese Rede einfach un- erhört ist, unerhört vorn diplomatischen Standpunkt aus, denn es bestand niemals, selbst vor dem Kriege nicht, eine Frage des deutschen Südtirol. Sodann aber wurde die Frage des oberen Trentin durch die Friedensverträge geregelt, und zwar durch den »ertrag von St. Germain mit Oesterreich. Es ist unerhört, von Vergewaltigungen und von brutalen Vergewaltigungen zu sprechen, die die faszistische Regierung im oberen Trentin begangen hätte. Wir machen im oberen Trentin eine Politik der Stglianität. Wir be
trachten seine Bewohner als italienische Staatsbürger, indem wir dort unsere Gesetze zur Geltung bringen. Würden wir anders handeln, so hatten wir an der Grenze einen Staat im Staate. Aber es find noch andere Punkte zu erwähnen. ...... .
In verschiedenen Fragen hat die faszistische Regierung für die Bedürfnisse jener Bevölkerung gesorgt, z. D. m der Frage der sogenannten lombardietten Anleihen. Ich mutzte selbst eine Bauerndelegation des oberen Trentin empfangen, die mir ein greifbares Zeichen ihrer Dankbarkeit übergeben wollte. Was Italien tat, ist nichts im Vergleich zu dem, was andere Staaten tun. Gerade heute setzt die Tschechoslowakei ihre Maßnahmen für den Gebrauch der tschechischen Sprache in der staatlichen Verwaltung und hinsichtlich der deutschen Zettun- gen fest. Ist es notwendig, dem italienischen Volke und der zivilisierten Welt die Absichten in das Gedächtnis zurückzurufen, die die Leiter des Pangermanis* mus für den Fall eines deutschen Sieges hatten?
In einer in Dipiteno zusammengetretenen Versammlung verlangten sie wenige Tage vor unserem großen Sieg an der Piave, der den deutschen Träumen die Flügel gebrochen hat, von Italien das folgende: „Natürliche Grenzen zur Erleichterung der Vetteidigung des Trentino und Oesterreichs, sowie Vereinigung der ehemaligen Gebiete der dreizehn Gemeinden und der sieben Gemeinden auf dem Plateau von Lavarene und Astago mit Oesterreich, eine Grenzberichtigung, infolge deren sich Oesterreich über den Oberlauf der Flüsse Adda und Oglio bis zu dem Südufer des Gardasees ausgedehnt hätte. Weiterhin eine große Kriegsentschädigung. Deutsch als Staatssprache, deutsche Hoheitstitel, Ableh- nung der Schaffung von frembftämmigen Grenzstaaten sowohl im Norden wie im Süden, Einheit und Unteilbarkeit des Gebietes von Kufstein bis zur Ctfchklase, Versagung der Antonomie für das itattenische Trentino, Einführung des Deutschen in sämtlichen Schulen, schärfster Kampf gegen die italienische Irredenta durch Begünstigung des deutschen Elements oder durch Dettrei- bung des irredentistifchen bis schließlich das italienische Trentino ganz und gar österreichisch geworden sei, keinerlei Amnestie ober Erlaubnis zur Rückkehr für die italienischen Emigranten, Beschlagnahme des Emigrantenbesitzes und Verwendung zum Ausgleich der Kriegsschäden und su einer Entschädigung der Oesterreich treu gediehenen Tiroler Soldaten." Das waren die Vorschläge derjenigen, die heute protestieren.
Ich glaube, daß der Angelpunkt dieser ganzen Kampagne die Naturerscheinung der Unwisienheit ist. Ich glaube, eine ganze Anzahl Deutscher kennen uns nicht, daß Italien 42 Millionen Einwohner auf dem begrenzten Raum seiner Halbinsel zählt und daß 9 oder 10 Millionen Italiener noch im Auslands wohnen. Aber vor allen Dingen kennen sie nicht das faszistische Italien. Da sie Italien noch unter dem Gesichtswinkel einer pittoresken politischen Episode sehen, haben sie unsere tief» wurzelnden Kräfte nicht begriffen, die traditionellen Instinkte, die die Wurzeln unserer Bewegung sind, die ihr Leben gewährleisten und ihre Zukunft sichern. Man muß hoffen, daß sie es noch lernen werden. Auf alle Fälle lege ich Wert darauf, zu erklären, daß die italienische Politik in der Südtiroler Frage nicht um eine Linie nachaeben wird.
Mussolinis Antwort an Dr. Held hat großes Auflehen erregt. Was die englische Preffe angeht, so bemerkt der diplomatische Korrespondent der „Sunday Times", in diplomatischen Kreisen bedauere man, daß dieser Zwischenfall sich in einem Augenblick ereignet habe, in dem Deuffchland zum Einttitt in den Völkerbund sich bereit mache. Man bezweifle jedoch nicht, daß diese Spannung vorübergehen werde.
Der Pariser „Temps" beschäftigt sich gleichfalls mit der Rede Mussolinis. Wenn auch die Sprache, die Mussolini gesühtt habe, etwas rüde gewesen sei, so habe sie doch den Vorzug der Offenheit. An dem Tage, an dem Deutschland in Wien herrschen werde, werde die Stellung Italiens in gefährlicher Weise kompromitiert sein. (Die Franzosen benutzen die Gelegenheit, um den Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu sabotieren und Italien scharf zu machen gegen den Anschluß.)
Der sozialistische,Peuple' urteilt: Muffolini bedroht jetzt Deutschland mitKrieg. Man kann nicht den Frieden organisieren, wenn man fortgesetzt vom Kriege spricht.
Gustave Hervd schreibt in der .Victoire': Haben unsere italienischen Freunde zu begreifen begonnen, warum es ihr direktes persönliches Jntereffe ist»
s ä tz e im öffentlichen Geldverkehr auf das normale Maß gebracht find. Und darum erstrecken sich die Maßnahmen der Reichsregierung gerade auch auf diesen Punkt. Es wird unter Umständen zu schärfsten Maßnahmen gegriffen werden müssen — und die entsprechenden Vorbereitungen dazu sind seitens der Reichsregierung bereits im Gang — um eventl. unter Zwang diese Herabsetzung herbeizuführen. An eine weitere Diskontermäßigung, wie sie gegenwärtig schon wieder als bevorstehend betrachtet wird, kann im Augenblick wohl nicht gedacht werden. Höchstens könnte in Frage kommen eine Ermäßigung des L o m b a rd- zinsfußes, und ein solches Vergehen würde die Bestrebungen zur Verringerung der Preisspannen nur fördern können. Mit Zwangsmaßnahmen, wie sie der Preisabbaugefetzentwurf einführen wollte, mit Maßnahmen überdies, welche lediglich einen einzelnen Stand für die Preis erböhungen verantwottlich machen, kämen wir nicht vorwärts, und die neue Reichsregierung war durchaus gut beraten, als sie, freilich nicht ganz freiwillig, sondern auf das starke Drängen der Handwerker- und Mittelstandsvertreter der Regierungsparteien, diesen Entwurf jetzt wieder zurückzog.
Alle unsere Bemühungen in Parlament und Oeffentlichkeit müssen jetzt darauf gerichtet fein, mit stärkster Kraftentfaltung der Ueberwindung der Wirtschaftskrisis uns zur Verfügung zu stellen und damit die Voraussetzungen zu schaffen, damit wir endlich in unser gesamtes innerwittschastliches Leben eine ruhige und zielsichere Linie hineinbringen, die auch wieder Dispositionen auf längere Sicht zuläßt.
daß wir die militärlf .
und an der Schwei», und von der Schweiz bis nach Holland hätten, fet es auch nur, um es dem französischen Heere zn gestatten, die Boches an dem Tage an Rockschößen festmhalten, wenn Großdeutschland, verstärkt durch Oesterreich, ein großes Heer nach dem Brenner oder vielleicht sogar nach Rom entsenden will? (Die französischen Nationalisten freuen sich anscheinend, eine Sache gesunden zu haben, um die italienischen Nationalisten gegen Deutschland aufzureizen. Hervö, der ehemalige Sozialist und Antimilitarist, allen voran!)
Vie deutsche Antwort.
Wie die Berliner Blätter schreiben, wird di» Debatte über die Interpellation im Reichstage, die sich mit Südtirol beschäftigt, in einer der nächsten Reichstagssitzungen den Parteien Gelegenheit geben, auch zu der Rede Mussulini Stellung zu nehmen. Der Montag, die Sonntagsausgabe des „Berl. Lokalanzeigers", nimmt an, daß der Reichsaußen- minister die Interpellation beantworten und dabei auch auf die Ausführungen Mussolinis eingehen werde.__________
FranzösischeSchiffsbeftellungen aufReparationskonto?
Die »Liberte' will toiffen, daß die französische Regierung die Absicht habe, aus Reparationskonto auf deutschen Wersten Schisse für französische Reedereien zu bestellen.
Amtlich wird mitgeteilt: Auf Einladung der Reichsregierung traten am Samstag die Staats« «nb Ministerpräsidenten der Länder •mter Vorsitz des Reichskanzlers mit den Mitgliedern des Reichskabinetts zu einer Aussprache über die außenpolitische Lage zusammen. Im Anschluß an einen Vortrag des Reichsministers pes Auswärtigen sowie an grundsätzliche Ausführungen des Reichskanzlers wurden die mit der Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund zusammenhängenden Fragen eingehend erörtert, wobei seitens einzelner Länder Bedenken geltend gemacht wurden. Abschließend wurden die einmütige Auffassung dahin festgestellt, daß, falls die Reichsregierung den Einttitt Deutschlands in den Döllerbund beschließt, fettens der Länder alles geschehen wird, was die Stellung Deutschlands im Völkerbünde zu stärken geeignet ist.
Von einem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Wenn nicht alles täuscht, so wird der Monat Februar den Höhepunkt der Wirtschaftskrisis darstellen. Das wird sich voraussichtlich ausdrücken in der Zahl der Konkurse und Geschäfts- a u f s i ch t e n. Schon der Monat Januar hat in dieser Beziehung einen Rekord aufgestellt, so zwar, daß nicht weniger als 15 5 3 Geschäftsaufsichten und 2095 Konkurse verzeichnet worden sind. Von der Krisis wurden fast alle Industriezweige betroffen. Tatsächlich aber geben diese Ziffern noch nicht einmal ein vollständiges Bild der Wirtschaftsnot, denn in einer ganzen Anzahl von Fällen, die ebenfalls in die vielen Hunderte gehen, ist es zu einer Konkurseröffnung überhaupt nicht gekommen, weil eben keine Masse vorhanden war. Auch die sonstigen Vergleiche, die geschloffen wurden, haben für die Gläubiger nur Bruchteile ihrer Forderungen, zum Teil bis herab auf 3 bis 5 Prozent ergeben. Im Monat Februar wird sich dieses Bild wohl noch etwas schärfer zu- spitzen, aber es wird doch angenommen, daß jetzt der Höhepunkt erreicht ist. Das gilt auch für die Lrbeitslosenziffer, deren Senkung man mit der Ankurbelung des Baumarktes erwartet.
Gegenwärtig ist man in der Reichsregierung Hamit beschäftigt, die Maßnahmen für diejenige Epoche zu treffen, die der Ueberwindung des Gipfels der Wirtschaftskrise zu dienen geeignet sind. Dazu gehört vor allen Dingen die Kredtthilfe für Landwirtschaft und Industrie, für die bereits besondere Einrichtungen getroffen werden. > Ein Effekt dieser Maßnahmen ist ater solange nicht | zu erwarten, als nicht die 3ins- und Spefen-
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FuldaerZettung
Anzeiger für die Sfabf und den kreis Fulda. Amtliches kreisblakt.____________