Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

M 5t.

Sonntag, 7. Februar 1926,

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Acliendruckerei, Fuda.

Sparsamkeit im Parlament.

Don einem besonderen parlamentarischen Mit­arbeiter wird uns aus dem Preußischen Land­tag geschrieben:

In einer Zeit, die den Gedanken der Sparsam­keit in der öffentlichen Hand so stark auf ihre -kabne geschrieben hat, hat die Mgemeinheit ein LAresse daran, die Sparsamkeit in der Verwen­dung der Staatsgelder auch von den Parla­menten bei ihrer eigenen Verwaltung zu ver­langen. Diesem Gedanken trägt neuerdings der Preußische Landtag auf das stärkste Rechnung. Nach den bisherigen Voranschlägen wird er eine Verbilligung seiner eigenen Verwaltung ge- aenüber dem Vorjahre wahrscheinlich um 20 Prozent erreichen .Eine solche Einsparung be­deutet einen starken Schritt vorwärts, und wir glau­ben, daß, wenn man überall mit derselben Rigo- rosilät vorgehen könnte, man sehr rasch aus aller finanziellen Kalamität heraus wäre.

' Die Sparmaßnahmen des preußischen Parla­mentes ersttecken sich vor allem auf die Abhaltung von Ausschußsitzungen. Es wird in diesem Jahre eine ganz wesentliche Kürzung erreicht, und damit werden Tausende eingespart! Man hofft z. B. , daß die Zahl der Hauptausschußsitzungen gegenüber dem Vorjahre auf mindestens ein Drittel gekürzt wird; so wird, um nur ein Beispiel zu er- wähnen, der Kultusetat, der dort im allgemeinen 6 Tage in Anspruch nahm, diesmal sich mit 4 Ta­gen begnügen müssen! Ja, man erwägt sogar im allgemeinen, alle Ausschußsitzungen an Plenar­tagen abzuhalten, um damit' weitere großzügige Sparmaßnahmen einzuleiten. Es fragt sich aller­dings, ob diese Maßnahme stritte durchführbar ist, da auf der anderen Seite doch die Befürchtung aus­gesprochen werden muß, daß dadurch die Gründlich­keit der Verhandlungen hier und da leiden könnte. Aber es ergibt sich andererseits der redliche Wille dieser parlamentarischen Körperschaft, der Slot des Staates, soweit es an ihm liegt, in weit­gehendstem Maße Rechnung zu tragen.

Ferner hofft der Preußische Landtag, mit der Etatberatung im Laufe des Sommers voll­kommen fertig zu werden, wodurch auch eine Kürzung der Plenarsitzungen eintreten würde, was wiederum dazu Beitragen müßte, in dem oben ge­kennzeichneten Sinne zu wirken. Hält der Preußi­sche Landtag das von ihm entworfene Programm tatsächlich inne, so wird man ihm dafür vor allem dankbar sein müssen, denn er würde in einer Zeit, in der so manche berechllgte und noch viel mehr unberechtigte Kritik am deutschen Parlamentarismus geleistet wird, den Beweis dafür erbringen, wie vollkommen sich ein großes Parlament, das von starkem Verantwortungsbewußtsein geleitet ist, der Not der Zeit auch seinerseits anpassen kann. Voraus­setzung freilich ist, daß die gegenwärttge Regierung stabil bleibt, wofür allerdings die besten Aus­sichten bestehen, nachdem es int Laufe des vorigen Jahres gelungen ist, die Saboteure des Parlamen­tarismus zur Ruhe zu weisen. Auch aus dieser Beobachtung erkennt man wieder einmal klar, daß die Vermeidung politischer Krisen in der Zeit wirtschaftlicher Not eigentlich für die staats- polittsch eingestellten Parteien eine Selbstver­ständlichkeit sein sollte, weil ihre Nichtachtung auch dem betreffenden Laude Kosten auferlegt, die sehr gut bei einigem guten Willen vermieden wer­den könnten.

von der simultanen pädagogischen Akademie Frankfurt a. M.

Dem Proteste des Herrn Bischofs Dr. Kilian von Limburg sowie des Herrn Bisc^ifs Dr. Schmitt von Fulda gegen eine Lehrerakademie simultanen Charakters in Frankfurt a. M. haben alle Bischöfe Preußens sich angeschlossen.

In Frankfurt waren in der vorigen Woche Be­ratungen staatlicher und städtischer Vertreter über die Vorbereitungen zur Einrichtung der vom Preu­ßischen Landtag genehmigten simultanen Lehrer« akademie; auch der Herr Oberpräsident Dr. Schwander aus Kassel und der Regierungspräsident Ehrler aus Wiesbaden nahmen teil; einige Schul- häufer, die für die Aufnahme der Akademie in Be­tracht kommen können, wurden besichtigt. Es scheint, als habe die preußische Regierung es sogar eilig mit der scharf bekämpften Anstalt.

Des Geschickes Mächte.

Roman von Erich Bonde.

36] -------

Sanft löste er die Arme seines unter Tränen lächeln­den Vaters von seinem Halse. Mit festem Druck um­spannten seine Finger Maries Hand; er führte sie an die Lippen und küßte sie heiß und innig —

Dann preßte er auch Alfreds Hand stumm in der seinen.

„Herr Entzinger!"

Franz zuckte beim Klang der Stimme des Staatsan. walts zusammen. Ein schnelles Erkennen flog durch seine Sinne: das war ja der Mann, der ihn seinerzeit in das iurchtbare Haus hier schickte, der nicht ruhen und rasten zu wollen schien, bis man ihn schuldig befand —

„Herr Entzingerl Ich habe Ihnen mitzuteilen, daß Sie entlasten sind. Es hat sich herausgestellt, daß Sie unschuldig sind; eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Sie ist notwendig geworden."

Rach diesen feierlich gesprochenen Worten drückte der Staatsanwalt Franz die Hand und versicherte ihn seiner innigsten Teilnahme wegen des Mißgeschickes, das ihm wiederfahren war.

Auch der Direktor fand bedauernde Worte und er­klärte:

„Sie können die Anstalt unbehelligt verlassen. Die Posten sind entsprechend instruiert."

Dann zogen sich die Herren diskret zurück.

„Nun schnell aus dieser häßlichen Kluft," mahnte Dr. Schneider, und Franz eilte hinaus, ufn bald, schon nad) wenigen Minuten, in dem graugrünen Iagdanzug Lu erscheinen, den er trug, als man ihn verhaftet aus dem stulen Forsthause führte.

„Da haben Sie in der Tot einen Rekord im Um­kleiden aufgestellt," scherzte Dr. Schneider, indem die lleine Gruppe das häßliche graue Gebäude mit eiligen Schritten verließ. Der Anwalt war in bester Stim­mung und freute sich für seinen Klienten, den er in all 8en wahren nicht vergessen tonnte.

, "”n_B jetzt, Herr Doktor, nennen Sie dem Kutscher J*te die Adresse des besten Gasthofes Ihrer Stadt," oat Alfred Büren. „Wir wollen sogleich beginnen, Herrn utzmger der schmalen Gesängniskost zu entwöhnen."

•"sr A^scher schwang die Peitsche, und die uner- Suolichen Zapgen bemühten sich, aus dem Weichbilde

Rund um die Woche.

Zwischen zwei Stühlen. — Der genesende Patient. — Verständigungszeichen. — Die gute Anna aus

Amerika. — Föriter über Religio»

Gewiß hat die neue Regierung bei uns ein Stühlchen, worauf sie sitzt, aber ifmn bezeichnete ihre Lage am Ende doch besser als die des Unglück­lichen, der zwischen zwei Stühle geraten. Man kann auch sagen, sie sitze ständig auf des Messers Schneide, was nach Bismarcks bekanntem Wort auch keine be­sonders angenehme Lage ist. Ihre beste Stütze dürfte es auf die Dauer fein, wenn die wirtschaft­liche Entwicklung bei uns fortfchreitet. Und das ist nun doch nachgerade der Fall. Ja, es geht langsam aufwärts. Die Kredite werden ein wenig billi­ger. Der eine oder der andere Industriezweig ver­stärkt feine Produktion. Die Ausfuhr erhöht sich. Langsam geht das alles, und während neue Mauern steigen, fallen zwischendurch immer noch genug alte ein. Dann wird auch die Fieberkurve der Politik sich beruhigen, wenn nur der Kranke so­lange still und vernünftig bleibt, bis die grausame Operation wirklich zu Ende ist. In der „Contem­porary Review" schreibt ein Engländer, der es sich genau angesehen, über das Reue Deutschland u. a.: „Der Eindruck, den ich auf meiner Reise genommen, war der eines geistig geläuterten, demokratisch ge­sinnten, aufbauenden Deutschlands, einer Ration, deren Wille zum Leben so stark ist, daß ihre Wieder­geburt nach innen und nach außen nur eine Frage der Zeit ist. Und diese Wiedergeburt wird nicht nur ein Gewinn für Deutschland fein, sondern für die ganze Welt. . ."

Manche haben bei uns immer noch das Empfin­den, als ob das Streben nach ftiedlicher Entwick­lung und nach Verständigung irgendwie eine Schwäche fei. Viel richtiger könnte man es ein* nicht nur rein politische, sondern eine europäische Notwendigkeit schlechthin nennen. Man darf dabei auch die Vereinigten Staaten mit einbeziehen, die sich durch den Beitritt zum Weltgerichtshof deutlich zur Solidarität mit der Alten Welt bekannt haben.

Ob nicht im tiefsten Untergründe dabei das Ge­fühl mitfchwingt, als gelte es, die weiße Rasse zu sichern vor dem Schrecklichen, was ihr bevorsteht, wenn sie sich nicht verträgt? Vielleicht, daß gerade dieser Grundgedanke noch viel mehr als der rein wirtschaftliche die Zukunft der Weltpolitik bestim­men wird. Vor kurzem sagte ein afrikanischer Missionär, der viele Jahre dort gewesen war, daß innerhalb von 10 Jahren Afrika seine innere Organisation vollendet haben werde und den Europäer nicht mehr brauche. Wir werden schon aus dem Grunde der Selbsterhaltung heraus alles unterstützen und begrüßen, was dem großen Zwecke der Einigung Europas dienen kann. Mag ?ldolf Kerr nicht jedermanns Freund sein, wir freuen uns doch, daß er in Paris redete über „Das deutsche Theater der Gegenwart". Wir sehen es mit Ge­nugtuung, wenn ein Mann wie Professor Salben* fperger an der Sorbonne von Paris nun einen neuerrichteten Lehrstuhl für vergleichende Litera­turgeschichte einnimmt, denn dieser Mann verdankt seinen Ruf mehrfachen Arbeiten über die deutsche Literatur, Goethe besonders und Gottfried Steller. Es macht uns auch froh, daß in England die nach dem Muster der deutschen gegründete Goethegesell- schaft ihre Tätigkeit unter dem Vorsitz von Lord Haldane wieder aufnimmt. Gewiß, allerlei seelische Konflikte bleiben bei der augenblicklichen Sage nickst aus. Der Senior der deutschen Philosophie, Pro­fessor Eucken, hat eine Einladung zum Internatio­nalen Kongreß für sittliche Erziehung in Rom ab­lehnend beantwortet unter dem Hinweis darauf, „daß in direktem Widerspruch gegen elementare Gebote der Moral die deutsche Bevölkerung Süd­tirols auf das schwerste von der italienischen'Regie- rung unterdrückt werde". Das sind gewiß traurige Notwendigkeiten. Und doch werden wir mit äußer­ster Geduld das höhere Gut über das geringere setzen. Wir werden uns immer wieder erinnern, daß es nicht so sehr das Volk ist, das Kriege will und Streitigkeiten, sondern vielmehr einzelne Grup­pen und Führer, die ein Interesse daran haben. Das wurde mir wieder einmal recht klar bei einem wundervollen Brief, den ich soeben aus Amerika er*

des düsteren Gebäudes zu kommen. Von den Insassen des Wagens schaute niemand zurück —

Als die Nacht bereits vorgeschritten war, sah Franz fein Vaterhaus im Glanz des milden Sternenlichtes wieder.

Bitteres Weh mischte sich dabei in die überquel­lende Freude seines Herzens, denn er gedachte der toten Mutter, die das Leid bezwang —

Siebzehntes Kapitel.

Joseph Büren war bestattet. Nicht an der Fried­hofsmauer, wo viele schlummetten, die den Namen Ber­ger trugen, und Buchenbauern waren: auch nicht dieser Stätte schräg gegenüber an dem großen Kreuzwege, wo die Dorsahren der Leute vom Hof am Moor einen langen Schlaf schliefen.

Seine Ruhestatt lag abseits — weit ab von den Plätzen derjenigen, die in stiller Zufriedenheit lebten und in seliger Ruhe ins Jenseits hinüber schlummerten.

So, wie er im Leben abseits gestanden hatte von denen, die eine geheiligte Tradition ehrten, so war es auch im Tode.

Das Geheimnis, das er jahrelang im Herzen trug, hatte er nicht mit sich hinübergenommen 4n das ge­heimnisvolle Land der Toten, jenes dunkle Geheimnis, das nicht nur (eine eigene Seele in Verzweiflung er- stickte, sondern das auch die Luft über dem Buchenhofe vergiftete und die Gemüter krank und elend nud siech machte. Er hatte sterbend die Lösung des Rätsels sei- nes Saftens gegeben.

Man atmete freier auf dem Hofe, weil man fühlte, daß die Hand des Schicksals nicht mehr so unendlich schwer auf die toten Dinge und die atmenden Lebe­wesen drückte.

Man dachte nicht mehr mit Schaudern und Entsetzen an jeden neuen Tag, der über dem Walde hinaufzog, und man fürchtete nicht mehr in dunkler und beängsti­gender Vorahnung an das, was jeder dieser neugebore­nen Tage bringen könnte.

Die Lust floß freier und leichter um die trotzigen Mauern des Buchenhofes, und freier und leichter mür­ben die Gedanken.

Der Schicksalsengel, der jahrelang über dem Hofe feine Flügel schwang, war versöhnt und von bannen gezogen, als der Mörder des Buchenbauern freiwillig aus der Welt geschieden war, Der finstere Dämon,

>nd Charakter. — Madame Bvjani.

halten habe, und der in mehr als einer Hinsicht in­teressant ist. . .

Man denke sich, wie gute Menschen es doch auch heute noch gibt. Da hatte sich vor zwei Jah­ren eine amerikanische Herrschast an mich gewandt, ich möchte ihr ein braves und tüchtiges deutsches Mädchen verschaffen. Nach einiger Bemühung ge­lang mir das mit Unterstützung hilfsbereiter Schwe- ^->rn. Das Mädchen war abgereift, und ich dachte schon, daß nun alles zu Ende sei . Nein, da hatte ich mich getäuscht. Heute bekam ich einen dicken Brief aus Amerika. Natürlich von der guten Anna . . . Sie muß mir doch erzählen, wie es ihr gegangen. Die erste Herrschaft war zwar freundlich, aber doch nicht ganz das rechte, zumal in dem Mädchenzim­mer sich gar böte Tiere mit breitem Rücken auf» hielten. Anna hatte dann eine leichte Stellung gefunden und ist nun recht zufrieden. Um sich bantbar zu zeigen, sendet das immerhin doch noch arme Kind mir 20 Dollar für die Armen bei uns. Hoch klingt das Lied von der braven Frau. Wahr­haftig, dergleichen herrliche Züge findet man heute nicht oft. Gott segne dich, du gutes deutsches Mau­chen jenseits des großen Wassers! „Und nun wollen Sie auch gern wissen", so heißt es in dem Brief, „wie die Deutschen hier ausgenommen werden. So weit ich bis jetzt beobachten konnte, ist das Ver­hältnis zwischen dem amerikanischen Bolle und dem deutschen Einwanderer ein sehr gutes. Als Ar­beiter werden die Deutschen überall gern angenom­men, und auch die Hausangestellten, die jetzt zu Tausenden nach hier kommen, wie mir jüngst die hiesige Hauptstellenvermittlerin der deutschen Mad- chen selbst erzählte, werden überall mit offenen Armen empfangen, da sie bei weniger Ansprüchen mehr Arbeit leisten. Nirgendwo fand ich bis jetzt auch nur eine leise Spur von Feindseliokeiten, die noch vom Kriege herrühren könnten. Das ameri­kanische Volk hat den Krieg nicht gewollt, ebenso­wenig wie das deutsche Volk, darum harmonisiert auch alles so gut. Wie sich aber die Regierung dazu stellt, darüber kann ich nicht urteilen . - ." Ist das nicht ein netter und kluger Brief, ganz ab­gesehen von den 20 Dollar?

Wenn wir nur das Wort Verständigung nicht oberflächlich nehmen, sondern recht in der Tiefe, dann ist es kein schwaches, sondern ein star­kes, geradezu heldenhaftes Wort. Sie kann ja nur recht blühen, wenn jene Liebe wieder auf­keimt, die einst Eurovas größte Liebe gewesen ist. Romain Rolland und andere haben uns gewiß schöne Bücher über Dölkerversöhnung geschrieben, und wir feiern sie insofern mit Recht. Aber dieses tiefste Gesetz der europäischen Verständigung, das im Christentum liegt, das haben sie doch nicht '.be- griffen, und darum bedarf ihre Rede einer tie­feren Fundamentierung. Fr. W. Förster gibt sie in seinem jüngsten, reifen Buche „Religion und Charakterbildung". Es heißt dort in der Einleitung: „Dor einiger Zeit ging die Meldung durch die Presse, nach Ansicht der Fachgelehrten werde der SoMenoorrat der ErDe tuum noch 200 Jahre aus­reichen. Es werde daher die Zett kommen, wo man fid) ernstlich mit dem Einsatz der erfrfiopften Kraft- und Wärmequellen beschäftigen müsse. Diese Ver­legenheit ist ein Gleichnis für die große Ersgtzfraqe auf dem Gebiete der religiösen Begründung des menschlichen Gewissens." Förster zeigt dann, wie der religionsfreie Moralunterricht tatsächlich nicht gusreiefie zur Bildung wahrer und starker Charaktere. Es ist schon ein gewaltiger Appell an das europäische Gewissen, was der bc« rühmte Pädagoge da schreibt . . . Aber bas hat die Welf noch nicht erkannt. Sonst würde sie nicht ein ganzes Heer von Abgesandten nach Madras ge­schickt haben, wo eben die berüchtigte Madame Dö- fant einen iungen Inder, den in Frankreich er­zogenen Krishnamuti, zum neuen Messias erklärt hat ... So ist der Mensch. Ein ausgesuchter Schwindel nermug ihm die ruhige klgre Botschaft des Evangeliums zu verwirren. Und das im auf­geklärten zwanzigsten Jahrhundert!

DerMann imMonde.

den man nicht sah, aber desto deutlicher fühlte, war in die schwarzen Waldschluchten, die seine Heimstatt sind, zurückgeflüchtet. Und das Grauen und die düstere Ver­zweiflung hatte er mit sich genommen —

Das furchtbare Verbrechen jener stürmischen Nacht war gesühnt, und die Toten entstiegen nicht mehr den Grüften; sie hatten ihre Ruhe gefunden —

Ganz wie früher schritt Franz Entzinger den Weg zum Hofe hinunter, wie früher in glücklichen Kindheit-- tagen, wo in der traulichen Stube auf dem Hofe die ge­meinsamen Schulaufgaben erledigt wurden, oder wie zu der Zeit, wo der Jüngling tarn, um den Frauen auf dem Hofe die Eindrücke zu schildern, welche die große Stadt auf Ihn machten.

Nur die Zuge seines Antlitzes hatten sich verändert; sie waren ernster und männlicher geworden; das Schicksal hatte darin geschrieben mit seinem harten, schonungs­losen Griffel.

Er ging oft den Weg hinunter nach dem Hofe, denn so wünschten es Marie und ihre Mutter. Es gab fo unendlich vieles zu erzählen, so unendlich viele Erinne­rungen waren auszutauschen.

Jetzt saß Frau Berger aufgerichtet in ihrem Sessel. Sie verzichtete auf das Kissen, das sonst ihrem müden Haupte eine Stütze bot. Man mußte ihr den Sessel oft an das geöffnete Fenster stellen, durch das der Blick auf die stolzen Buchen, die grünen Weiden und den dunklen Wald schweifte, und durch das die Luft ein­strömte, fo mild und rein und leicht, wie nach einer belebenden Gewitternacht.

Auch jetzt faß sie dort und ließ das Auge über die in schweigender Pracht ruhende Umgebung des Hofes schweifen. Das belle Sonnenlicht flimmerte in goldenen Strahlen über dem wundervollen landschaftlichen Bilde und hob die satten Farben der Natur noch schärfer hervor.

Das Auge der Buchenbäuerin leuchtete auf in stillem und innigem Glanze. Ihr war, als ob die Wiesen und Bäum« dunkler und voller grünten und die Blumen­köpfchen heller und freudiger leuchteten, als in den letztvergangenen Jahren.

In vollen Zügen trank sie die warme, würzige, süße Luft, und es kam ihr vor, als ob sich ihre Seele an die­ser Atmung beteiligte und Ströme von Kraft und Le­benslust in sich aufnehme, - * - -

Gottesdienstordnung.

Sonntag, 7. gebt. Zulda. vo» Männer- apostolat, Kerqenweihe, PapsttrönungStag. 1. Beichtaeleaenheiten: Samstag morgens von */«6 Uhr ab, nackim. von 2—3 für Kinder, von */>5 Uhr ab für Erwachsene. Sonntag morgen» von l,«6 Ubr ob. 2. SonntagS-GotteSdienste: */«6, 6, */«7 und 7 Uhr hl. Messen mit Spendung der hl. Kommunion. W Uhr hl. Messe mit Ansprache und Männer»Komm. 8 Uhr Kerzenweihe, Prozession, Pfarramt mit Predigt und bl. Komm, de» 8. Schuljahre», */«10 Kerzenweibe, Bisckwfl. Hockiarnt mit Pred. und Te Deurn au» Anlaß der 4. Wiederkehr de» Krönungktage» unsere» Herligen Vater». */<U Christenlehre für die Jünglinge. */«12 Uhr ist die letzte hl. Messe mit Pred., */»2 Uhr Andacht zu Ehren de» hiesst. Sergen» Jesu. 2 Uhr Christen!, für die Jungfr. 4 Uhr Predigt mit Andacht und Segen. 6 Uhr abds. Andacht mit Segen in der Marien kapelle. Montag um 5 Uhr Sühne-Andackt zum hl. Herzen Jesu. — Stadtpfarrkirche. Die Kollekte wird für die neuen Glocken abgehalten. Beichtgelegenheiten: Am Samstag nachm. 3—7, 7vä—8V« Uhr und am Sonntag morgen von 5V»—?1/, Uhr. Hl. Kommunion: 5V», 6, 6V», 7, 71/» und 8'/, Uhr. Gottesdienste: 5*/« hl. Messe, 6=V« Uhr hl. Messe und Kommunion de» MännerapostolateS, 8 Ubr erster Schulgottesdienst, Predigt und Kommun, des 8. Sckuljahres, um 91/« Ubr vormittags ist Pfgrr- amt und Predigt, bor dem Amt Weihe der Kerzen, 11 zweiter Sckulgd. und Pred. Um 9*/« Christenlehre für die Jünglinge in der Severikirche. Um 1 /» Ubr Christen!, für die Jungfr. 2‘/s Rosenkranz-Bruderschaft. Werktags . Gottesdienste: 6*/», .7, 7.45 unb 8*/» Uhr. Freitag nachm. 5 Ubr Andacht. — Pfarrkirche zum heiligen Geist */»7 hl. Messe und Generalkomm. für die Sodalitat (Kollekte für die neue Kommunionbank). Frühmesse fällt auS. 8 Hochamt,'',5 Cbristenl., 5 Andacht. Mittwoch, den 10. Febr., abends um 5 Uhr Andacht. Beichtgelegenheit: An allen Wochentagen eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst, an den Tagen vor Sonn« und Feiertagen hon V»4—6 Uhr abends. Kommunton- AuSteilung: An den Wochentagen vor und nach dem Gottesdienst, an Sonn- u. S^eiertanen auch im Sodamt. Sobalität. Vormittags '/-7 Uhr Generalkommunion. — revertNrcke. 7 hl Messe, 8 Oberrealfchnlgottesdienst. — Rbttikirche d. Venedillttn-rinnen. Sonntags um 6 Ubr Conventamt, wochentags ,,<6 Uhr stille Messe, /»9 Uhr Covventamt, täglich 3 Uhr Vesper. — ßriedhss-kapelle am Kranzosemväldchen. Sonntags 6V« Uhr bl. Messe, Ansprache und Komm.-Austeilung. An den Werktagen 716 Uhr hl. Messe mit Kornrnun.-Austlg. — Herz-Jesu-Heim. Vor. mittags */,9 Uhr Predigt und ?tmt. naKrnittgg» 2 Ubr SegenSandacht. Werktags */»7 Uhr hl. Messe. Mittwoch abends 7*/« SegenSandacht. — Frauenberg. 5, *z»6, 6, ’/,7 und 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr BruderfchaftSmesse mit Pred. und liturgischen Gebeten, 9 Uhr ist Militar- gottesdienst, 2 Uhr Pred. und Andacht für die Ter- ziaren; Erteilung deS BlasiussegenS.

Mittwoch, 10. Februar, ghtettlirche der Vene- dlkkinerinnen. Fest der hl. Scholgstika. 8'/» Uhr feier­liches Hochamt, 3 Uhr feierliche Vefper.

Volksvereins-Versammlungen.

Momberg, Sonntag den 7. Februar.

Anzefahr, Montag den 8. Februar.

Gießen, Dienstag den 9. Februar.

Schröck, Mittwoch den 10. Februar.

Bauerbach, Donnerstag den 11. Februar.

Redner: Dr. Rommen von der Zentrale in M.» Gladbach.

Radio-Programm.

Sonntag, den 7. Februar.

Frankfurt (470 Meter), Raffel (273,5 Meter). 8.30- 9.30: Moraenfei-r veranstaltet vom Wartburqverem 12—1: Mittagsständchen vom Quartett des Memdolinen- klubs „Frischauf". 4—5: Jugendstunde: Die Märchen­tante lerzählt Schauermärchen. 5—6: Koloratur-Konz Lee Soma. Mitw.: K. Richter, Dr. Merten. 6—7: Rbein-Main. Verband f. Volksbldg., Rektor BartsKer! „Matthias Claudius, der Wandsbeker Bote". 7-7.30: Große Erzieher: Aus den Werken von Herbert Svencer. Spr.: Ob erreg. H. Hilpert. 8—8.30: „Die Stunde bei Frankfurter Zeitung": „Assisi" v. Efrann Frisch. Spr.: S. P. -8.30—9.30: Alle Flötenmusik. Ausführ.: bi< Herren Tibnrski, Meinet, Jtkes, Keller, Lange, Kellner Dr. Merten, Kohlhöfer. 9.30—10.30: Hermann Löns- Abend. Ausführ.: R. Taube, Geschwister Haaver- Weissenbach.

für Fänger, FporLSleute, Raucher

Tabletten

InaNm Apotheken».

Drogerien Mk. 1—

SJlarie beschäftigte sich im Zimmer. Sie sah das zu­friedene und stillglückliche Leuchten in den Zügen der Mutter, sie sah ein leichtes Rot, wie einen flüchtigen Schatten in ihre Wangen steigen, und sie wurde durch diese Beobachtung von einem Glücksgefühl umfangen, wie sie es in den langen Jahren des Leids und des Verzagens nicht mehr kennen gelernt hatte.

„3ci) glaube, da kommt Franz, Marie," klang der Mutter Stimme vom Fenster her.

Mit leichten Füßen, wie ein junges Reh, sprang Marie an ihre Seite.

„Du hast dich getäuscht, Mutter, ich sehe nichts."

„Watte, die Bäume verwehren im Augenblick Me Sicht. — Siehst du, bort kommt erl"

„Richtig!"

Sie nahm ihr Taschentüchlein und beantwortete damit das lustig-freundliche Hutschwenken des jungen Mannes, der sich dem Hoftore näherte. Dann eilte sie, um den Besucher an der Haustüre zu empfangen. Bald darauf betraten die beiden in fröhlichem Geplauder das Zimmer.

„Morgen früh muß ich zur Stadt," ertlärte Franz, nachdem er Frau Berger herzlich gegrüßt hatte, „und ich möchte mi chdanach erkundigen ob Sie nicht vielleicht einiges dort zu besorgen haben. Die Angelegenheit, bfe mich dorthin führt, ist bald erledigt, so daß ich voraussichtlich reichtlich Zeit habe um noch andere Auf­träge auszusühren."

„Du fährst zur Stadt", rief Marie erstaunt. Es lag in dem Ausruf eine Frage, gestellt von weiblicher Neu­gierde. Franz verstand den Ruf.

„Ja; es handelt sich dabei um eine Beschäftigung für mich."

Mit einem Schlage veränderten sich die Mienen Ma- ries. Sie wurde ernst, und in diesem Ernst spiegelte sich etwas wie ein leichter Schrecken.

„Eine Beschäftigung frü dich? — In der Stadt?" —

Ganz bestürzt tarnen diese Worte aus Maries Munde. Auch Frau Berger sah Franz fragend an.

„Die Untätigkeit tötet mich," erwiderte Franz. „Mir fehlt eine geregelte, verantwortungsreiche Tätigkeit. So, wie jetzt, einfach in den Tag hinein, mag und kann ich nicht leben. Aber in die Stadt — puh — er schüttelte sich, halb im Ernst, halb scherzhaft, — „nein, da mag ich nicht hin."

r - (Schluß folgt)