Dienstag, 2. Zebrar 1926,
Nr. 26
6ro Händen greifen.
Die schicksalsreiche 2000jährige Vergangenheit
der
immer
Am Samstag ist als äußeres Zeichen der Be- ftetung der 1. Besatzungszone m Köln auf dem bisherigen Hauptquartier der Engländer die britische Flagge niedergeholt worden. Mit Jubel haben die Rheinländer in der bisherigen 1. Zone das Ereignis ausgenommen. Das Urteil über die deutsche Befreiungspolitik, die durch Reichskanzler Dr. Marx seinerzeit in London ausgenommen wurde und dann unter Luther und Stresemann fortgeführt worden ist, lautet in den betroffenen Gebieten anders als in Pommern und Mecklenburg, wo man von dem Leiden des Rheinlandes sich keine greifbare Vorstellung machen kann. In Köln konnte «van jetzt den Erfolg der deutschen Außenpolitik mit
sozialdemokratische preußische Minister des Innern, Severina, habe vor den Pol,z,sten, die nach Köln gereist seien, von der demnächstigen Räumung des gesamten besetzten Gebiets gesprochen, und m England stelle man fest, daß ein Feldzug zwecks vollkommener Räumung der Rhemlande bereits beoonnen habe. In der .Fortnightly Remew werde erklärt, daß die Herabsetzung ber_ Effektivstärke der Besatzunastruppen b i s z u r v o l Ilgen Räumung der Rheinlande gehen muffe, wenn nach Locarno Deutschland fortsahre, den Dawesplan getreulich auszuführen. Man sieht also, erklärt der „Temps", welche Argumente die Deutschen vorbringen werden. Aber es le, wesen.Iich, daß man genau feststellt, daß die Räumung der Rheinlande vor den festgesetzten Zecken nicht unter dielen Gesichtswinkel gestellt werden kann, denn die Räumung des linken Rhsinufers sei nicht abhängig von der Ausführung des Dawesplans oder des Vertrags von Locarno, sondern von dem Friedensvcrtrag von V e r f a i l l e s, der in feinem ganzen Umfange fortbesteht.
Es ist leicht zu verstehen, daß in Frankreich die Anhänaer Poincares jetzt trübe Stunden erleben. Ihnen behagte es mehr, als die franzo- fische Außenpolitik im Zeichen des R u h r k a m p- f e s stand. Aber die Zeiten ändern sich!
Auf Einladung des Ausschusses für geistige Interessen der Studentenschaft der Technischen Hochschule Dresden sprach Reichsautzenminister Dr. Stresemann am Sonntag im Studentenhaus in Dresden über das Thema: „A k a d e m i s ch e Jugend und deutsche Zukunft". In seines- Rede führte der Reichsaußenminister u. a. aus:
„Gerade in einer Zeit der Demokratie kommt der geistigen Führung besondere Bedeutung zu. Wenn die Masse zum Träger weltpolitischen und staatspolitischen Geschehens gemacht wird, kommt es umso mehr darauf an, daß es Führer gibt aus den intellektuellen Schichten, die Persönlichkeiten sind, denn die Kraft ihres Wissens und Könnens den rechten Weg weist. Die geistige Lage einer Nation spiegelt sich nicht nur in den Parteien wieder, die geistigen Kräfte eines Volkes werden nicht nur gekennzeichnet durch die Arithmetik der Fraktionsstärken. Neben dem parteipolitischen Leben und Treiben wird das Fühlen eines Volkes bestimmt durch die unwägbaren geistigen Kräfte der Nation, die ihr Denken in den großen grundlegenden Fragen bestimmen. Selten war die Bedeutung der Verantwortung wichtiger für die, welche In der Leo? sind, geistiges Wirken zu erringen, größer als gegenwärtig. In der deutschen studentischen Lugend war in der alten Zeit die Tradckion des R e i ch s g e f ü h l s, als sie sich in Landsmannschaften im Ausland zusammenfand und den Begriff der deutschen Studentenschaft zum ersten Mal vertrat. Sie gab den großen Bewegungen ihre Färbung in den Freiheckskriegen ebenso wie bei Langemark im Weltkriege. Sie war die Trägerin eines starken politischen Einhetts- und Frei- heitsgedankens in denjenigen Zeiten der Bürgerschaft, die über die Paulskirche zum einigen deutschen Reiche führten.
Nach der Reichsgrüudung begann ein Abflauen des politischen Jnteresies und eine polltische Steri- lität, die parallel! ging mck der des deutschen Bürgertums. Diese Inakckvität ist in der deutschen Entwicklung sehr bedauerlich gewesen. ,Dem politischen Denken der Arbeiterschaft, die sich immer mehr den Ideen des Sozialismus zuwandte, stand das unpolttifche Empfinden der bürgerlichen und geistigen Schichten gegenüber. Unausgeglichen gingen beide in den großen Weltkrieg hinein. Diese Unsicherheit ist es nicht zum geringsten gewesen, die dazu geführt hat, daß die Niederlage in die Revolution ausmündete. Die deutsche Studentenschaft war an der Novemberrevolution nicht beteiligt. In der Geschichte ist es selten der Fall ge- wesen, daß die Umwälzung eines Staates ohne die studentische Jugend vor sich ging. Darin Negt die große Schwäche dieser Bewegung, die sich nur durchsetzen konnte, weil die alte noch bestehende eine noch größere Schwäche zeigte und sich nicht zu einer Verteidigung ihrer Ideale erhob und Kräfte, die ihr dafür zur Verfügung standen, nicht cnrfrief.
Nach der Umwälzung wurde der Studentenschaft hineingeworfen in die schwerste soziale Not. Sie sah das Reich außenpoliüsch ohnmächtig und innerpolitisch zerklüftet. Sie sah die Umwälzung Mer ethischen Begriffe und all die bizarren Erscheinungen nach dem Jahre 1919. Daher ist es verständlich, daß es ihr schwer wurde, eine einhettliche Haltung gegenüber dem heutigen Staat einzuneh-
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Das Telegraphenamt Köln hat an alle mit ihm eetbunbenen Telegraphenämter aus Anlaß der heute erfolgten Räumung folgenden Befreiungs- yru6 gesandt:
Es lodert der Himmel in roter Glut, Es brennen die Fackeln, es brennt das Blut, In den Glockensturm jauchzen die Lieder hinein:
< „Es lebe die Freiheit am deutschen Rhein!" Die Berge klingen, es braust der Strom, Die Glocken jubeln vom hohen Dom, Verrauscht die Jahre, die wir verbüßt, O, Freiheit am Rheine, sei gegrüßt!
Die preußische Staatsregierung wird fick dankbar und st o l z der in der Zeit nationaler Rot von der Bevölkerung ihrer westlichen Grenzprovinz bewiesenen mannhaften Treue und beispiellosen Opferwilligkeit erinnern und in dieser Erinnerung, die stets lebendig bleiben soll, ihre beson-
Innenpolitische und außenpolitischeZiele Dr. Stresemann spricht in Dresden.
scheu Volkes, der seit der Schaffung des republikanischen Preußen unter Besatzung leben mußte, die iireihect wiedererlangte. .
Möge die weihevolle historische Stunde, m der wir hier am Fuße des heiligen Kölner Domes zusammengetreten sind, uns in dem erneuten Gelöbnis vereinen, treu zu Preußen und treu zum Reich zu stehen, und nun, befreit von dem lähmenden Druck der Besatzung, in gemeinsamer zäher Aufbauarbeit unser deutsches Vaterland durch das Dunkel der trüben Gegenwart enter belferen Zukunft entgegenzufuhren.
Auch dieser Rede folgte stürmischer Beifall. Dann setzte von allen Kirchen Glockengeläute em. Die Menschenmassen aber brachen ergriffen m den Ambrosianischen Lobgesang aus: Großer Gott, wir loben Dich! Der Eindruck der gesamten Kundgebung war ganz überwältigend.
In D o n n wurde zu gleicher Zeit die ftanzösische Flagge niebergeholt. Nach einem Parademarsch der noch in Bonn anwesenden Truppen marschierten sie nach dem Güterbahnhof, von wo sie weiterbefördert wurden. Der Abzug ist ohne jeden Zwischenfall verlaufen.
Die Aachener Regierung erhielt Samstag nachmittag von dem kommandierenden General der belgischen Besatzungszone die schriftliche Mit- tellung, daß die erste Zone, soweit sie belgisch besetzt ist, ebenfalls zum 1. Februar als geräumt zu gelten hat.
Die Stimme aus Frankreich.
Der „Temps" schreibt anläßlich der Räumung der Kölner Zone, man dürfe sich nicht verheimlichen, daß diese Räumung in gewissem Maße die Garantie der französischen Sicherheit schwäche, weshalb es auch unklug wäre,. augenblicklich, bevor der Vertrag von Locarno in Kraft getreten sei, die Kruppen ft iirte in der zweiten und dritten Zone zu verringern. Man müsse sich übrigens darauf vorbereiten, daß die Deutschen sich nicht mit den Vorteilen, die sie bis jetzt erlangt hatten, begnügten, denn in ihren Augen bedeute d:e Räumung von Köln nur die erste Etappe der vollkommenen Räumung der Rheinlande. Selbst der
Die befreite Kölner Zone Jubel am Rhein.
Hus den Parlamenten.
Preußischer Landtag.
Da? Haus beschäftigte sich am Samstag lediglich mit dem Haushalt für das Jahr 1926. Nach der allgemeinen Aussprache, in der ferne neuen Ge- sichtspunkte hervortraien, wurde der Etat dem Haupt- aussckuß ubertoiefen. Die nächste Sitzung findet am Montag statt._______
— Die Sommerzeit in Belgien. Havas berichtet ans B'üffel: Ter ,Soir' kündigt an, daß m der Nacht vom 17. auf den 18. April tn Belgien tne Sommerzeit eingeführt wird.
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men. Mehr und mehr wächst in ihr die Unlust so- wie die starke Neigung zum Negieren des Neu- gewordenen und Sichgenügenlassen an den Zuständen der Vergangenheit. Demgegenüber darf ste das eine nicht vergessen, der heutige Staat und seine Verfassung slnd der Re,fen der das deutsche Volk zusammenhalt. Traditwn und Macht, die ihm früher das Leben sicherten und wehrten, sind dahingeschwunden. Negieren wir den Staat oder zerrütten wir seine Autorität, dann fallt de Reifen auseinander und die Einheit des d e u i* schen Volkes, das beste, was wir aus Niederlage und Zusammenbruch gerettet haben, ,st dahm. Einzelheiten der Verfassung sind keine Ewigkeitswerte. Ihre Verbesserung ist jederzeit möglich und auch rechtlich durch den Wortlaut der Verfassung gegeben. Aber der Begriff einer geistig führenden Jugend muß die S t aa t sbej a hun g m sich schließen, was gleichbedeutend ift mit der Anerkennung der Staatsautorität. Unser größter Fehler wäre, zurückzufallen in die alten Klassengegensätze oder die Entsesse- lung konfessioneller Kämpfe. Die schlimmste Vergiftung des deutschen Volkes ist die AberkennungdesNationalgefuhl5 gegenüber denjenigen, die auf einem anderen Weg als ihre Kritiker den Weg zu Deutschlands Frechen und Wiederaufrichtung gehen wollen.
In seinen Schlußausführungen tarn der Außenminister auf die Ziele der deutschen Außenpolitik zu sprechen und verbreitete sich insbesondere über die Räumung der nördlichen Rheinlandzone Der Minister führte aus: Sie ist nicht nm als das Aufhören einer Bedrückung und Dedrohmig von Millionen von Deutschen, die unter der Besetzung litten, sondern sie ist als das Ende derjenigen Politik von Poincare und Clemenceau zu werten, die am Rhein bleiben wollten. Die Auswirkungen des Weltkrieges haben gezeigt, wie tief er eingegriffen hat in die Lebensmöglichkeit auch berjem- gen Völker, die einst sich so stolz als die Siegerstaaten bezeichnet haben, aber anerkennen müssen, das sie in vielen Fragen ein gemeinsames Geschick mii ihren Gegnern verbunden hat, der vorher als zwei Welten sich gegenübergestanden haben, von denen eine glaubte, der anderen die Gesetze ihrer Entwicklung auferlegen zu können. Der Abzug der Bo satzungstruppen vom Niederrhein muß der Anfan; einer großzügigen Politi k d e r Der st ä w d i g u n g sein, welche die Freiheit, die in dieser Mit ternachtsstunde von den Glocken am Niederrheii gefeiert wird, überträgt auf die jetzigen deutschen Gebiete, die jetzt noch fremde Truppen bei fid sehen. Wenn alle diejenigen, die sich in Locarm vereinigten, um ein friedliches Europa zu sichern von dem guten Willen beseelt sind, ihre Gefühl« und Empfindungen in die Tat umzusetzen, dann wird wenigstens manche unscheinbar heilend, Wunde aus dem Kriege verharschen können. Dazn gehört ober im Innern das verständige Be g r e i- sen außenpolitischer Notwendigkeit t e n, die Zurückweisung derjenigen, die zwe Deutschland wollen, von denen das eine über bas andere herrscht, und das feste Zusammenhalten be» jenigen weiten Schichten des deuffchen Volkes, bi< erkannt haben, daß nur eine verantwortungsvoll Politik die alle staatsbejahende Kräft auf sich vereinigt, uns weiter vorwärts zi bringen vermögen.
rheinischen Metropole, so schreibt die „K. 23." unter dem 30. Januar, hat heute ein neues, denkwürdiges Ereignis in ihrer Geschichte zu verzeichnen. 6. Dezember 1918 — 30. Januar 1926! Wehmütig denkt die Bevölkerung an den unvergeßlichen Abend des 3. Dezember 1918 zu- rück, da auf dem von dichten Menschenmassen gefüllten Freiplatz vor dem Dom Teile des Jnf.-Regts. 371 als letzte Truppen des heimgekehrten Heeres die alte Cn- stmia verließen. Damals ein regenschwerer, düsterer Wintertag, der so recht die Niedergeschlagenheit der Bevölkerung, das schmerzliche Gefühl über die beginnende nationale Demütigung durch die bevorstehende Besatzung durch fremde Truppen widerspiegelnd. Heute wiederum gewaltige Menschenmassen auf dem Domplatz bis tief in die angrenzenden Straßen. Nicht wie damals ein grauverhangener, regendrohender Himmel, sondern breite Etrahlengarben der leuchtenden Frühlingssonne über, glänzen die ungeduldig harrenden Tausenden. Es ist als ob die Natur an dem Aufleuchten der Sonne der Freiheit für die rheinische Metropole Antell nehmen wolle.
Aller Augen sind auf das Hotel Exzelsior Ernst, das Hauptquartier der englischen Rheinarmee, gerichtet. Deutsche und englische Preffevertreter und Photographen sind herbeigseilt. Wenige Minuten vor 3 Uhr marschiert von der Trankgasie eine britische Musikkapelle und ge. folgt von einer Kompanie des King Shorshire Light Jnf.-Regts. das zweite Bataillon des Lincoln Jnf.- Regts. heran. Vor dem Hauptquartier nimmt die Kompanie Aufftellung. Aus der Ostseite erscheinen bald dar. auf Oberst Thorpe, der britische Generalkonsul Dünn von Köln, der bisherige britische Delegierte Birch der Rheinlandkommiffion, Major Thompsen, der Chef der Derwallungsabteilung des Hauptquartiers. Die Span- nung der Massen der deutschen Bevölkerung, welche auf dem Dom-Freiplatz, auf der nördlichen breiten Dom- terraffe, an den Fenstern und auf den Dächern der den Domplatz einsäumenden hohen Häuser den denkwürdigen Augenblick erwarteten, ist auf das höchste gestiegen. Alle Fenster des Hotels Exzelsior Ernst sind leer. Nur mt dem Mittelfenster der ersten Etage steht der Feldwebel Greenwood des genannten Regiments, des Befehles harrend zur Niederholung der seit sieben Jahr- ten die fremde, Macht kündenden Flagge. Dieser Mann war für diese Funktion besohlen, weil er vom ersten bis zum letzten Tage am Sitze des britischen Hauptquartiers Dienst getan hat.
Mit dem Glockenschlag 3 Uhr der Domuhr geht erneut Bewegung durch die Menschenmassen. In fiebernder Erwartung sind aller Augen auf die britische Flagg» gerichtet. Im gleichen Augenblick ertönt das Kommando des die Kompanie befehligenden Offiziers. Die {Truppe präfenttert, und auf ein Zeichen des Offiziers eoirb unter den Klängen des God save the King die Fahne heruntergeholt, während Oberst Thorpe »nd seine oben genannte Umgebung salutierten. Wahrend dieses feierlichen Moments brauten aus den Kehlen der ungezählten Taufenden Freudenrufe über t)en weiten Domplatz. Es jauchzt und jubelt das kölnische, rheinische Herz, es ist, als ob ein schwerer Alp- dnick von ihm gewichen. Die Besatzung der fremden Macht hat sinnfällig ihr Ende gefunden.
Ein gewaltiger Beifallssturm brach los, als nach Abmarsch der englischen Truppen vom Personal de- Hotels Exzelsior Ernst an Steile der bisherigen engl.- schon Flagge eine Fahne in den kölnischen Stadtfarben gehißt wurde.
Die britischen Truppen marschierten gleich nach Nie- Verholung zum Hauptbahnhof, wo sie verladen wurden. Als letzte Engländer verließen den Hauptbahn- Hof General Toepe mit dem fahrplanmäßigen Zuge 4.03 Uhr nach Ludwigshafen und um 4.10 der Bahn- Hofskommandant Eapt. Benour.
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Zahlreiche Kundgebungen sind aus Anlaß der Befreiung der ersten Zone erfolgt. Neben dem Glückwunschtelegramm des Reichspräsidenten steht ein Telegramm des Reichskanzler san der Spitze. Dr. Luther telegraphierte dem Oberprast- denten Fuchs: „Heute, wo es endlich gelungen ist, die Bestimmungen des Versailler Vertrags über die Räumung der ersten Rheinlanbzone zu verwirk- sichen, richten sich die Gebanken der Reichsregierung vor allem auf die noch andauernde Not der zweiten und dritten Zone. Ich weiß mich meinem Empfinden einig mit den Bewohnern oer befreiten ersten Zone, wenn ich gerade in dieser Stunde bestätige, daß die Reichsregierung weiterhin ihre ganze Kraft daran setzen wird, für die Reichsteile, die noch unter fremder Besatzung biet- den, die Lasten erleichtern und die Dauer ber Ve-
satzung zu vermindern. Den Bewohnern der ersten Zone aber, die nun am Ende des Leidensweges stehen, den sie aufrechten Hauptes um ganz Deutschlands willen gegangen sind, dankt die Reichsregierung von ganzem Herzen für ihre vaterländische Treue. Reichskanzler Dr. Luther.
Die Kölner Mitternacht-Feier.
Angesichts des Kölner Domes, des Wahrzeichens deutscher Einheit am Rhein und der unzertrennlichen Verbundenheit des Nheinlandes mit Preußen und dem Reich fand sich am Samstag um Mitternacht die Bevölkerung Kölns und der Umgegend zu einer Befreiungsfeier zusammen.
Der preußische Ministerpräsident Br aun war zur Teilnahme in Begleitung von Ministerialrat Amelungen in Köln eingetroffen. ,
Die Uhr kündigte die Mitternachtsstunde. Aus dem Domplatz stehen dichtgedrängt vi ele Zehntau sende Auch alle Nebenstraßen sind nut einer unübersehbaren Menge gefüllt Als der zwölfte Schlag verhallt, flammten auf hohen Pylonen rechts und links vom Haupteingang des Domes Feuer empor. Hunderte von elektrischen Lampen erhellten den Platz taghell. Die d eutsche Glocke am Rhein ,die P et ru sg l o cke d" Domes, begann zu lauten und kündigte Köln an, daß es frei ist. Hierauf betrat _ st
Oberbürgermeister Dr. Adenauer das Rednerpult und hielt die bereits gemeldete Ansprache. ,
„Die Stunde ist gekommen, die so heiß, so inbrünstig ersehnte! Der Tag der Freiheit ist angebrochen! Unsere Herzen fliegen empor zu Gott d em All in ach - tiqen! Dank sei ihm, der uns tn schwersten Tagen geführt hat durch Not und Gefahr. Vereint sind wir wieder mit unserem Staat, mit unserem Volk, unserem Vaterland, vereint und frei nach 7 Jahren Der Trennung und Unfreiheit. Aus gemeinsam getragener, gemeinsam überwundener Not erwächst dte treueste Ka- meradschaft. Ihr, deutsche Dolksqenosien, tn den noch be- setzten Gebieten habt mit uns Schulter an Schulter ge- standen. Euch, die ihr noch der Freiheit entbehrt, gru- ßen wir in dieser Stunde in Liebe und Treue. Schweres haben wir erdulden müssen durch die harte Faust Des Siegers in sieben langen Jahren. Heute in dieser weche- vollen Stunde laßt uns davon schweigen. W:r wollen gerecht sein trotz vielem, was uns widerfahren ist, wir wollen anerkennen, daß der geschiedene Gegner auf politischem Gebiet gerechtes Spiel hat walten lasten. Hoffen wir, daß unsere Leidenszeit nicht umsonst gewesen ist, daß nunmehr ein wahrhaft freier Seift bei den Völkern Europas einzieht.
Die Grundsätze des Rechts und der Moral, die für das Verhalten der einzelnen Menschen zueinander gelten, die jeden Menschen als frei und gleich und gleichberechtigt erklären, müsien auch in Wahrheit, nicht n ur in Worten Geltung erhalten für die Gesellschaft der Völker. Brüder! Schwestern! Wir sprechen die gleiche Sprache! Wir lieben die gleiche Heimat! Ob reich, ob arm. die innersten und tiefsten, die menschlichsten Gefühle sind uns allen gemeinsam. Gemeinsame Not haben wir getragen. Erfahren haben wir, was Schicksalsgemein schäft ist. Wenn jetzt die Last von uns genommen ist, wenn wir hincms- treten in die Freiheit, dann laßt uns das niemals Der« geflen. Dieser Platz wurde einst geweiht durch die Worte: „Dem Geiste deutscher Einigkeit und Kraft sollen diese Dompforteri Tore des herrlichsten Triumphes werden." 2(uf diesem geheiligten Platz haben die fremden Truppen gestanden. Laßt uns ihm von neuem die Weihe geben. Ein Snmbol deutscher Einheit und Einigkeit ist unser Dom. Wie Schwur- ftnger ragen seine Türme empor in den Nachthimmel. Wohlan! ‘ Heben auch wir zum Schwur die Hand und ihr alle in deutschen Landen, die ihr jetzt im Geiste bei uns weilt, schwört mit uns, schwören wir Einigkeit, Treue dem Volk, Liebe zum Vater- landi Ruft mit mir: Deutschland, unser geliebtes Vaterland, Hoch — hoch — hoch!"
Begeistert wurde sein Hoch auf das deutsche Vaterland ausgenommen. Aus mehr als hunderttausend Kehlen brauste das Deutschlandlied zum nächtlichen Himmel.
Alsdann ergriff der preußische
Ministerpräsident Braun
das Wort und sagte u. a.:
tere Fürsorge und Pflege dein rheinischen Volke angedeihen lassen. Die preußische Staatsregierung ist festen Willens, den sozialen und kulturellen Bedürs- nisien des Rheinlandes in größtmöglichem Umfange Rechnung zu tragen. So glaubt sie am ehesten, das ihr vor- fchwebende Ziel erreichen zu können und die letzten Ueberbleibfel des Mißtrauens im Rheinland aus einer früheren Zeit, die gegen Berlin noch vorhanden sein sollten, restlos zu beseitigen. Zu irgend welchem Mißtrau e n ist ja auch jeber Grund fortgefallen, nachdem durch die Verfassung des neuen Freistaates Preußen die Gesamtheit des Volkes, wie Görres, der große Sohn des Rheinlandes, schon vor mehr als hundert Jahren gefordert hat, zum Träger der Staatsgewalt geworden ist. Die Bevölkerung des Rheinlands stellt ein fünftel, die Bevölkerung des Rheinlands zusammen mit der in Wirtschaft, Kultur und Schicksal besonders verwachsenen Bevölkerung Westfalens ein Drittel der Gesamtheit des preußischen Volkes bar. Den politischen Willen imb die kulturelle Eigenart, die sozialen und wirsichastlichen Wünsche dieses Drittels des preußischen Volkes wird keine preußische Staatsregierung jemals vernachlässigen können, zumal es sich um ein Bolks- brittel handelt, das ein so entwickeltes Wirtschaftsleben und eine so hoch stehende Dolkskultur aufweist, wie sie sich in solcher Gedrängtheit, Fortgeschrittenheit und Mannigsalligkeit vielleicht an feinem Dünkte des Kontinents zum zweiten Male vorfindet. Dies stark zu unterstreichen, liegt mir im jetzigen historischen Augenblick vor- pehmlich am Herzen, wo ej» groß« Teil des Kteto»
— * MWnmneM M. WlMrM. F ellM N W.)
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