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Dienstag, 2. Zebrar 1926,

Nr. 26

6ro Händen greifen.

Die schicksalsreiche 2000jährige Vergangenheit

der

immer

Am Samstag ist als äußeres Zeichen der Be- ftetung der 1. Besatzungszone m Köln auf dem bis­herigen Hauptquartier der Engländer die britische Flagge niedergeholt worden. Mit Jubel haben die Rheinländer in der bisherigen 1. Zone das Ereignis ausgenommen. Das Urteil über die deutsche Befreiungspolitik, die durch Reichskanzler Dr. Marx seinerzeit in London ausgenommen wurde und dann unter Luther und Stresemann fortgeführt worden ist, lautet in den betroffenen Gebieten an­ders als in Pommern und Mecklenburg, wo man von dem Leiden des Rheinlandes sich keine greif­bare Vorstellung machen kann. In Köln konnte «van jetzt den Erfolg der deutschen Außenpolitik mit

sozialdemokratische preußische Minister des Innern, Severina, habe vor den Pol,z,sten, die nach Köln gereist seien, von der demnächstigen Räumung des gesamten besetzten Gebiets gesprochen, und m England stelle man fest, daß ein Feldzug zwecks vollkommener Räumung der Rhemlande bereits beoonnen habe. In der .Fortnightly Remew werde erklärt, daß die Herabsetzung ber_ Effektiv­stärke der Besatzunastruppen b i s z u r v o l Ilgen Räumung der Rheinlande gehen muffe, wenn nach Locarno Deutschland fortsahre, den Dawes­plan getreulich auszuführen. Man sieht also, er­klärt derTemps", welche Argumente die Deut­schen vorbringen werden. Aber es le, wesen.Iich, daß man genau feststellt, daß die Räumung der Rheinlande vor den festgesetzten Zecken nicht unter dielen Gesichtswinkel gestellt werden kann, denn die Räumung des linken Rhsinufers sei nicht abhängig von der Ausführung des Dawesplans oder des Vertrags von Locarno, sondern von dem Friedensvcrtrag von V e r f a i l l e s, der in feinem ganzen Umfange fortbesteht.

Es ist leicht zu verstehen, daß in Frankreich die Anhänaer Poincares jetzt trübe Stunden erleben. Ihnen behagte es mehr, als die franzo- fische Außenpolitik im Zeichen des R u h r k a m p- f e s stand. Aber die Zeiten ändern sich!

Auf Einladung des Ausschusses für geistige In­teressen der Studentenschaft der Technischen Hoch­schule Dresden sprach Reichsautzenminister Dr. Stresemann am Sonntag im Studentenhaus in Dresden über das Thema:A k a d e m i s ch e Jugend und deutsche Zukunft". In sei­nes- Rede führte der Reichsaußenminister u. a. aus:

Gerade in einer Zeit der Demokratie kommt der geistigen Führung besondere Bedeutung zu. Wenn die Masse zum Träger weltpolitischen und staatspolitischen Geschehens gemacht wird, kommt es umso mehr darauf an, daß es Führer gibt aus den intellektuellen Schichten, die Persönlichkeiten sind, denn die Kraft ihres Wissens und Könnens den rechten Weg weist. Die geistige Lage einer Nation spiegelt sich nicht nur in den Parteien wie­der, die geistigen Kräfte eines Volkes werden nicht nur gekennzeichnet durch die Arithmetik der Frak­tionsstärken. Neben dem parteipolitischen Leben und Treiben wird das Fühlen eines Volkes be­stimmt durch die unwägbaren geistigen Kräfte der Nation, die ihr Denken in den großen grund­legenden Fragen bestimmen. Selten war die Be­deutung der Verantwortung wichtiger für die, welche In der Leo? sind, geistiges Wirken zu errin­gen, größer als gegenwärtig. In der deutschen studentischen Lugend war in der alten Zeit die Tradckion des R e i ch s g e f ü h l s, als sie sich in Landsmannschaften im Ausland zusammenfand und den Begriff der deutschen Studentenschaft zum ersten Mal vertrat. Sie gab den großen Bewegungen ihre Färbung in den Freiheckskriegen ebenso wie bei Langemark im Weltkriege. Sie war die Trä­gerin eines starken politischen Einhetts- und Frei- heitsgedankens in denjenigen Zeiten der Bürger­schaft, die über die Paulskirche zum einigen deutschen Reiche führten.

Nach der Reichsgrüudung begann ein Abflauen des politischen Jnteresies und eine polltische Steri- lität, die parallel! ging mck der des deutschen Bür­gertums. Diese Inakckvität ist in der deutschen Ent­wicklung sehr bedauerlich gewesen. ,Dem politischen Denken der Arbeiterschaft, die sich immer mehr den Ideen des Sozialismus zuwandte, stand das unpolttifche Empfinden der bürgerlichen und geistigen Schichten gegenüber. Unausgeglichen gingen beide in den großen Weltkrieg hinein. Diese Unsicherheit ist es nicht zum geringsten gewesen, die dazu geführt hat, daß die Niederlage in die Revolution ausmündete. Die deutsche Studenten­schaft war an der Novemberrevolution nicht betei­ligt. In der Geschichte ist es selten der Fall ge- wesen, daß die Umwälzung eines Staates ohne die studentische Jugend vor sich ging. Darin Negt die große Schwäche dieser Bewegung, die sich nur durchsetzen konnte, weil die alte noch bestehende eine noch größere Schwäche zeigte und sich nicht zu einer Verteidigung ihrer Ideale erhob und Kräfte, die ihr dafür zur Verfügung standen, nicht cnrfrief.

Nach der Umwälzung wurde der Studentenschaft hineingeworfen in die schwerste soziale Not. Sie sah das Reich außenpoliüsch ohnmächtig und innerpolitisch zerklüftet. Sie sah die Umwälzung Mer ethischen Begriffe und all die bizarren Erschei­nungen nach dem Jahre 1919. Daher ist es ver­ständlich, daß es ihr schwer wurde, eine einhettliche Haltung gegenüber dem heutigen Staat einzuneh-

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Das Telegraphenamt Köln hat an alle mit ihm eetbunbenen Telegraphenämter aus Anlaß der heute erfolgten Räumung folgenden Befreiungs- yru6 gesandt:

Es lodert der Himmel in roter Glut, Es brennen die Fackeln, es brennt das Blut, In den Glockensturm jauchzen die Lieder hinein:

<Es lebe die Freiheit am deutschen Rhein!" Die Berge klingen, es braust der Strom, Die Glocken jubeln vom hohen Dom, Verrauscht die Jahre, die wir verbüßt, O, Freiheit am Rheine, sei gegrüßt!

Die preußische Staatsregierung wird fick dankbar und st o l z der in der Zeit nationaler Rot von der Bevölkerung ihrer westlichen Grenzprovinz be­wiesenen mannhaften Treue und beispiel­losen Opferwilligkeit erinnern und in dieser Erinnerung, die stets lebendig bleiben soll, ihre beson-

Innenpolitische und außenpolitischeZiele Dr. Stresemann spricht in Dresden.

scheu Volkes, der seit der Schaffung des republikanischen Preußen unter Besatzung leben mußte, die iireihect wiedererlangte. .

Möge die weihevolle historische Stunde, m der wir hier am Fuße des heiligen Kölner Domes zusammen­getreten sind, uns in dem erneuten Gelöbnis vereinen, treu zu Preußen und treu zum Reich zu stehen, und nun, befreit von dem lähmenden Druck der Besatzung, in gemeinsamer zäher Aufbauarbeit unser deutsches Va­terland durch das Dunkel der trüben Gegenwart enter belferen Zukunft entgegenzufuhren.

Auch dieser Rede folgte stürmischer Beifall. Dann setzte von allen Kirchen Glockengeläute em. Die Menschenmassen aber brachen ergriffen m den Ambrosianischen Lobgesang aus: Großer Gott, wir loben Dich! Der Eindruck der gesamten Kund­gebung war ganz überwältigend.

In D o n n wurde zu gleicher Zeit die ftanzösische Flagge niebergeholt. Nach einem Parademarsch der noch in Bonn anwesenden Truppen marschierten sie nach dem Güterbahnhof, von wo sie weiterbeför­dert wurden. Der Abzug ist ohne jeden Zwischen­fall verlaufen.

Die Aachener Regierung erhielt Samstag nach­mittag von dem kommandierenden General der belgischen Besatzungszone die schriftliche Mit- tellung, daß die erste Zone, soweit sie belgisch be­setzt ist, ebenfalls zum 1. Februar als geräumt zu gelten hat.

Die Stimme aus Frankreich.

DerTemps" schreibt anläßlich der Räumung der Kölner Zone, man dürfe sich nicht verheim­lichen, daß diese Räumung in gewissem Maße die Garantie der französischen Sicherheit schwäche, weshalb es auch unklug wäre,. augenblicklich, be­vor der Vertrag von Locarno in Kraft getreten sei, die Kruppen ft iirte in der zweiten und drit­ten Zone zu verringern. Man müsse sich übrigens darauf vorbereiten, daß die Deutschen sich nicht mit den Vorteilen, die sie bis jetzt erlangt hat­ten, begnügten, denn in ihren Augen bedeute d:e Räumung von Köln nur die erste Etappe der voll­kommenen Räumung der Rheinlande. Selbst der

Die befreite Kölner Zone Jubel am Rhein.

Hus den Parlamenten.

Preußischer Landtag.

Da? Haus beschäftigte sich am Samstag lediglich mit dem Haushalt für das Jahr 1926. Nach der allgemeinen Aussprache, in der ferne neuen Ge- sichtspunkte hervortraien, wurde der Etat dem Haupt- aussckuß ubertoiefen. Die nächste Sitzung findet am Montag statt._______

Die Sommerzeit in Belgien. Havas berichtet ans B'üffel: Ter ,Soir' kündigt an, daß m der Nacht vom 17. auf den 18. April tn Belgien tne Sommerzeit eingeführt wird.

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men. Mehr und mehr wächst in ihr die Unlust so- wie die starke Neigung zum Negieren des Neu- gewordenen und Sichgenügenlassen an den Zustän­den der Vergangenheit. Demgegenüber darf ste das eine nicht vergessen, der heutige Staat und seine Verfassung slnd der Re,fen der das deutsche Volk zusammenhalt. Traditwn und Macht, die ihm früher das Leben sicherten und wehrten, sind dahingeschwunden. Negieren wir den Staat oder zerrütten wir seine Autorität, dann fallt de Reifen auseinander und die Einheit des d e u i* schen Volkes, das beste, was wir aus Nieder­lage und Zusammenbruch gerettet haben, ,st dahm. Einzelheiten der Verfassung sind keine Ewigkeits­werte. Ihre Verbesserung ist jederzeit möglich und auch rechtlich durch den Wortlaut der Verfassung gegeben. Aber der Begriff einer geistig führenden Jugend muß die S t aa t sbej a hun g m sich schließen, was gleichbedeutend ift mit der Aner­kennung der Staatsautorität. Unser größ­ter Fehler wäre, zurückzufallen in die alten Klassengegensätze oder die Entsesse- lung konfessioneller Kämpfe. Die schlimmste Vergiftung des deutschen Volkes ist die AberkennungdesNationalgefuhl5 ge­genüber denjenigen, die auf einem anderen Weg als ihre Kritiker den Weg zu Deutschlands Frechen und Wiederaufrichtung gehen wollen.

In seinen Schlußausführungen tarn der Außen­minister auf die Ziele der deutschen Außen­politik zu sprechen und verbreitete sich insbeson­dere über die Räumung der nördlichen Rheinland­zone Der Minister führte aus: Sie ist nicht nm als das Aufhören einer Bedrückung und Dedrohmig von Millionen von Deutschen, die unter der Be­setzung litten, sondern sie ist als das Ende derjenigen Politik von Poincare und Clemenceau zu werten, die am Rhein bleiben wollten. Die Auswirkungen des Weltkrieges haben gezeigt, wie tief er einge­griffen hat in die Lebensmöglichkeit auch berjem- gen Völker, die einst sich so stolz als die Siegerstaa­ten bezeichnet haben, aber anerkennen müssen, das sie in vielen Fragen ein gemeinsames Geschick mii ihren Gegnern verbunden hat, der vorher als zwei Welten sich gegenübergestanden haben, von denen eine glaubte, der anderen die Gesetze ihrer Entwick­lung auferlegen zu können. Der Abzug der Bo satzungstruppen vom Niederrhein muß der Anfan; einer großzügigen Politi k d e r Der st ä w d i g u n g sein, welche die Freiheit, die in dieser Mit ternachtsstunde von den Glocken am Niederrheii gefeiert wird, überträgt auf die jetzigen deutschen Gebiete, die jetzt noch fremde Truppen bei fid sehen. Wenn alle diejenigen, die sich in Locarm vereinigten, um ein friedliches Europa zu sichern von dem guten Willen beseelt sind, ihre Gefühl« und Empfindungen in die Tat umzusetzen, dann wird wenigstens manche unscheinbar heilend, Wunde aus dem Kriege verharschen können. Dazn gehört ober im Innern das verständige Be g r e i- sen außenpolitischer Notwendigkeit t e n, die Zurückweisung derjenigen, die zwe Deutschland wollen, von denen das eine über bas andere herrscht, und das feste Zusammenhalten be» jenigen weiten Schichten des deuffchen Volkes, bi< erkannt haben, daß nur eine verantwortungsvoll Politik die alle staatsbejahende Kräft auf sich vereinigt, uns weiter vorwärts zi bringen vermögen.

rheinischen Metropole, so schreibt dieK. 23." unter dem 30. Januar, hat heute ein neues, denkwürdiges Ereignis in ihrer Geschichte zu verzeichnen. 6. Dezember 1918 30. Januar 1926! Wehmütig denkt die Bevölkerung an den unvergeßlichen Abend des 3. Dezember 1918 zu- rück, da auf dem von dichten Menschenmassen gefüllten Freiplatz vor dem Dom Teile des Jnf.-Regts. 371 als letzte Truppen des heimgekehrten Heeres die alte Cn- stmia verließen. Damals ein regenschwerer, düsterer Wintertag, der so recht die Niedergeschlagenheit der Be­völkerung, das schmerzliche Gefühl über die beginnende nationale Demütigung durch die bevorstehende Besatzung durch fremde Truppen widerspiegelnd. Heute wieder­um gewaltige Menschenmassen auf dem Domplatz bis tief in die angrenzenden Straßen. Nicht wie damals ein grauverhangener, regendrohender Himmel, sondern breite Etrahlengarben der leuchtenden Frühlingssonne über, glänzen die ungeduldig harrenden Tausenden. Es ist als ob die Natur an dem Aufleuchten der Sonne der Freiheit für die rheinische Metropole Antell nehmen wolle.

Aller Augen sind auf das Hotel Exzelsior Ernst, das Hauptquartier der englischen Rheinarmee, gerichtet. Deutsche und englische Preffevertreter und Photographen sind herbeigseilt. Wenige Minuten vor 3 Uhr marschiert von der Trankgasie eine britische Musikkapelle und ge. folgt von einer Kompanie des King Shorshire Light Jnf.-Regts. das zweite Bataillon des Lincoln Jnf.- Regts. heran. Vor dem Hauptquartier nimmt die Kom­panie Aufftellung. Aus der Ostseite erscheinen bald dar. auf Oberst Thorpe, der britische Generalkonsul Dünn von Köln, der bisherige britische Delegierte Birch der Rheinlandkommiffion, Major Thompsen, der Chef der Derwallungsabteilung des Hauptquartiers. Die Span- nung der Massen der deutschen Bevölkerung, welche auf dem Dom-Freiplatz, auf der nördlichen breiten Dom- terraffe, an den Fenstern und auf den Dächern der den Domplatz einsäumenden hohen Häuser den denkwür­digen Augenblick erwarteten, ist auf das höchste gestiegen. Alle Fenster des Hotels Exzelsior Ernst sind leer. Nur mt dem Mittelfenster der ersten Etage steht der Feld­webel Greenwood des genannten Regiments, des Be­fehles harrend zur Niederholung der seit sieben Jahr- ten die fremde, Macht kündenden Flagge. Dieser Mann war für diese Funktion besohlen, weil er vom ersten bis zum letzten Tage am Sitze des britischen Hauptquartiers Dienst getan hat.

Mit dem Glockenschlag 3 Uhr der Domuhr geht er­neut Bewegung durch die Menschenmassen. In fiebern­der Erwartung sind aller Augen auf die britische Flagg» gerichtet. Im gleichen Augenblick ertönt das Kom­mando des die Kompanie befehligenden Offiziers. Die {Truppe präfenttert, und auf ein Zeichen des Offiziers eoirb unter den Klängen des God save the King die Fahne heruntergeholt, während Oberst Thorpe »nd seine oben genannte Umgebung salutierten. Wah­rend dieses feierlichen Moments brauten aus den Keh­len der ungezählten Taufenden Freudenrufe über t)en weiten Domplatz. Es jauchzt und jubelt das köl­nische, rheinische Herz, es ist, als ob ein schwerer Alp- dnick von ihm gewichen. Die Besatzung der fremden Macht hat sinnfällig ihr Ende gefunden.

Ein gewaltiger Beifallssturm brach los, als nach Abmarsch der englischen Truppen vom Personal de- Hotels Exzelsior Ernst an Steile der bisherigen engl.- schon Flagge eine Fahne in den kölnischen Stadt­farben gehißt wurde.

Die britischen Truppen marschierten gleich nach Nie- Verholung zum Hauptbahnhof, wo sie verladen wurden. Als letzte Engländer verließen den Hauptbahn- Hof General Toepe mit dem fahrplanmäßigen Zuge 4.03 Uhr nach Ludwigshafen und um 4.10 der Bahn- Hofskommandant Eapt. Benour.

*

Zahlreiche Kundgebungen sind aus Anlaß der Befreiung der ersten Zone erfolgt. Neben dem Glückwunschtelegramm des Reichspräsidenten steht ein Telegramm des Reichskanzler san der Spitze. Dr. Luther telegraphierte dem Oberprast- denten Fuchs:Heute, wo es endlich gelungen ist, die Bestimmungen des Versailler Vertrags über die Räumung der ersten Rheinlanbzone zu verwirk- sichen, richten sich die Gebanken der Reichsregie­rung vor allem auf die noch andauernde Not der zweiten und dritten Zone. Ich weiß mich meinem Empfinden einig mit den Bewohnern oer befreiten ersten Zone, wenn ich gerade in die­ser Stunde bestätige, daß die Reichsregierung wei­terhin ihre ganze Kraft daran setzen wird, für die Reichsteile, die noch unter fremder Besatzung biet- den, die Lasten erleichtern und die Dauer ber Ve-

satzung zu vermindern. Den Bewohnern der er­sten Zone aber, die nun am Ende des Leidens­weges stehen, den sie aufrechten Hauptes um ganz Deutschlands willen gegangen sind, dankt die Reichsregierung von ganzem Herzen für ihre vaterländische Treue. Reichskanzler Dr. Luther.

Die Kölner Mitternacht-Feier.

Angesichts des Kölner Domes, des Wahrzei­chens deutscher Einheit am Rhein und der unzer­trennlichen Verbundenheit des Nheinlandes mit Preußen und dem Reich fand sich am Samstag um Mitternacht die Bevölkerung Kölns und der Um­gegend zu einer Befreiungsfeier zusammen.

Der preußische Ministerpräsident Br aun war zur Teilnahme in Begleitung von Ministerialrat Amelungen in Köln eingetroffen. ,

Die Uhr kündigte die Mitternachtsstunde. Aus dem Domplatz stehen dichtgedrängt vi ele Zehn­tau sende Auch alle Nebenstraßen sind nut einer unübersehbaren Menge gefüllt Als der zwölfte Schlag verhallt, flammten auf hohen Py­lonen rechts und links vom Haupteingang des Domes Feuer empor. Hunderte von elektrischen Lampen erhellten den Platz taghell. Die d eutsche Glocke am Rhein ,die P et ru sg l o cke d" Domes, begann zu lauten und kündigte Köln an, daß es frei ist. Hierauf betrat _ st

Oberbürgermeister Dr. Adenauer das Rednerpult und hielt die bereits gemeldete An­sprache. ,

Die Stunde ist gekommen, die so heiß, so inbrünstig ersehnte! Der Tag der Freiheit ist angebrochen! Un­sere Herzen fliegen empor zu Gott d em All in ach - tiqen! Dank sei ihm, der uns tn schwersten Tagen geführt hat durch Not und Gefahr. Vereint sind wir wieder mit unserem Staat, mit unserem Volk, unserem Vaterland, vereint und frei nach 7 Jahren Der Trennung und Unfreiheit. Aus gemeinsam getragener, gemeinsam überwundener Not erwächst dte treueste Ka- meradschaft. Ihr, deutsche Dolksqenosien, tn den noch be- setzten Gebieten habt mit uns Schulter an Schulter ge- standen. Euch, die ihr noch der Freiheit entbehrt, gru- ßen wir in dieser Stunde in Liebe und Treue. Schweres haben wir erdulden müssen durch die harte Faust Des Siegers in sieben langen Jahren. Heute in dieser weche- vollen Stunde laßt uns davon schweigen. W:r wollen gerecht sein trotz vielem, was uns widerfahren ist, wir wollen anerkennen, daß der geschiedene Gegner auf poli­tischem Gebiet gerechtes Spiel hat walten lasten. Hof­fen wir, daß unsere Leidenszeit nicht umsonst gewesen ist, daß nunmehr ein wahrhaft freier Seift bei den Völkern Europas einzieht.

Die Grundsätze des Rechts und der Moral, die für das Verhalten der einzelnen Menschen zueinander gel­ten, die jeden Menschen als frei und gleich und gleich­berechtigt erklären, müsien auch in Wahrheit, nicht n ur in Worten Geltung erhalten für die Gesell­schaft der Völker. Brüder! Schwestern! Wir sprechen die gleiche Sprache! Wir lieben die gleiche Heimat! Ob reich, ob arm. die innersten und tiefsten, die menschlichsten Gefühle sind uns allen gemeinsam. Gemeinsame Not haben wir getragen. Erfahren ha­ben wir, was Schicksalsgemein schäft ist. Wenn jetzt die Last von uns genommen ist, wenn wir hincms- treten in die Freiheit, dann laßt uns das niemals Der« geflen. Dieser Platz wurde einst geweiht durch die Worte:Dem Geiste deutscher Einigkeit und Kraft sollen diese Dompforteri Tore des herrlichsten Triumphes wer­den." 2(uf diesem geheiligten Platz haben die fremden Truppen gestanden. Laßt uns ihm von neuem die Weihe geben. Ein Snmbol deutscher Ein­heit und Einigkeit ist unser Dom. Wie Schwur- ftnger ragen seine Türme empor in den Nachthimmel. Wohlan! Heben auch wir zum Schwur die Hand und ihr alle in deutschen Landen, die ihr jetzt im Geiste bei uns weilt, schwört mit uns, schwören wir Einig­keit, Treue dem Volk, Liebe zum Vater- landi Ruft mit mir: Deutschland, unser geliebtes Va­terland, Hoch hoch hoch!"

Begeistert wurde sein Hoch auf das deutsche Va­terland ausgenommen. Aus mehr als hundert­tausend Kehlen brauste das Deutschlandlied zum nächtlichen Himmel.

Alsdann ergriff der preußische

Ministerpräsident Braun

das Wort und sagte u. a.:

tere Fürsorge und Pflege dein rheinischen Volke ange­deihen lassen. Die preußische Staatsregierung ist festen Willens, den sozialen und kulturellen Bedürs- nisien des Rheinlandes in größtmöglichem Umfange Rech­nung zu tragen. So glaubt sie am ehesten, das ihr vor- fchwebende Ziel erreichen zu können und die letzten Ueberbleibfel des Mißtrauens im Rheinland aus einer früheren Zeit, die gegen Berlin noch vorhanden sein soll­ten, restlos zu beseitigen. Zu irgend welchem Miß­trau e n ist ja auch jeber Grund fortgefallen, nachdem durch die Verfassung des neuen Freistaates Preußen die Gesamtheit des Volkes, wie Görres, der große Sohn des Rheinlandes, schon vor mehr als hundert Jahren gefordert hat, zum Träger der Staatsgewalt geworden ist. Die Bevölkerung des Rheinlands stellt ein fünftel, die Bevölkerung des Rheinlands zusammen mit der in Wirtschaft, Kultur und Schicksal besonders ver­wachsenen Bevölkerung Westfalens ein Drittel der Ge­samtheit des preußischen Volkes bar. Den politischen Willen imb die kulturelle Eigenart, die sozialen und wirsichastlichen Wünsche dieses Drittels des preußischen Volkes wird keine preußische Staatsregierung jemals vernachlässigen können, zumal es sich um ein Bolks- brittel handelt, das ein so entwickeltes Wirtschafts­leben und eine so hoch stehende Dolkskultur aufweist, wie sie sich in solcher Gedrängtheit, Fortgeschrittenheit und Mannigsalligkeit vielleicht an feinem Dünkte des Konti­nents zum zweiten Male vorfindet. Dies stark zu unter­streichen, liegt mir im jetzigen historischen Augenblick vor- pehmlich am Herzen, wo ej» groß« Teil des Kteto»

* MWnmneM M. WlMrM. F ellM N W.)

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