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Heimat.

Fulda, den 27. Januar 1926.

Jubiläum -er Oblaten - Missionare.

Am 17. Februar d. I. begehen die Oblaten- Missionare Mutterhaus der deutschen Provinz in Hünfeld) den 100jährigen Gedächtnis- Kag der Gutheißung ihrer Regeln und Satzungen. Der Stifter der Genossenschaft ist der gottselige Eugen von Mazenod, der sich mit seinem Freunde Heinrich Tempier vom 11. April 1816 in der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag für immer dem Gekreuzigten durch Ordensgelübde weihte und das Kreuz als Abzeichen der Genossenschaft wählte. Die ersten zehn Jahre hatte die junge Genossen­schaft vielfaches Kreuz und Leid im Innern sowie Verfolgung und Stürme von außen zu erfragen. Am 17. Februar 1826 erteilte der Hl. Vater, Papst Leo XII., der neuen Gründung die kirchliche Ge­nehmigung und seinen apostolischen Segen.

Äuf das Jubiläum, das in Fulda durch eine große Versammlung im Stadtsaal begangen wer­den wird, kommen wir noch eingehend zurück.

= Hohes Alter. Frau Schlosser meister Franz Fleischmann Ww. konnte gestern bei bester Gesund­heit ihr 80. Lebensjahr vollenden. Im St. Josephs- heim, woselbst die hochbetagte Greisin wohnt, wurde dieser Tag im Kreise der Angehörigen und Bekannten geziemend gefeiert.

— Mütterberatungsstelle Fulda-Stadt. Auf den Donnerstag Abend 8 Uhr, Schulstraße 1 stattfin­denden Nähabend wird nochmals bingewiesen.

--- Die Rhabanusfeier zu Ehren des großen Meisters der Fuldaer Gelehrten-Schule im 9. Jahr­hundert wird auch in diesem Jahre von den Ful­daer Lehranstalten, die die Traditionen der ge­feierten Schule Fuldas fortführen, dem Priester- feminar und dem staatl. Gymnasium in ent­sprechender Meise begangen werden. Das Gym­nasium hält feine weltliche Rhabanusfeier am 3. Februar abends im Bürgervereinssaale ab.

== Ein neuer Weg zur Gewerbelehrerin. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat in einem Erlaß vom 4. September 1925 eine Uebersicht über die Ausbildung der Gewerbeleh­rerinnen an hauswirtschaftlichen und gewerblichen Fachschulen gegeben. Hiernach können sich auch Meisterinnen, sofern sie Lpeeal- oder eine gleichwertige Ausbildung nachweisen, zu Gewerbe­lehrerinnen an gewerblichen Berufs- und Fach­schulen ausbilden. Die Ausbildung der Meisterin (sachliche und pädagogische Ausbildung, Lehrvrobe- tätigfeit) beträgt zwei Jahre. In den Erläu­terungen, die den Grundsätzen beigefügt sind, wird sehr gewünscht, daß sich recht zahlreiche Meister­innen der Ausbildung unterziehen. (Besoldet wird die Gewerbelehrerin nach Gruppe 9).

= Neubauten und Hauszinssteuerpflicht. In einem Berliner Blatte war die Auffassung ver­treten, daß ein mit Hilfe einer Hauszinssteuer­hypothek errichteter Neubau nicht von der Haus­zinssteuer befreit fei, denn nach der 3. Steuer­notverordnung vom 14. Februar 1924 seien Neu­bauten, die mit Beihilfen aus öffentlichen Mitteln ausgeführt worden sind, hauszinssteuerpflichtig. I Demgegenüber weist der Amtliche Preußische I Pressedienst darauf hin, daß nach § 2 der 3. Ver- 1 ordnung zur Durchführung der preußischen Steuer­notverordnung vom 12. Juli 1924 die Hauszins­steuerhypothek nicht zu den „Beihilfen aus öffent­lichen Mitteln" im vorstehenden Sinne gehören und deshalb die Hauszknssteuerpflicht nicht be­gründen.

= Familienstammrollen. Bei den Standes- ürnrern ist dieser Tage eine wichtige Neuerung zur Einführung gekommen, namentlich fogenannte Fa­milienstammrollen. Der Zweck dieser Hinweise ist der, zwischen den Registereintragungen über ein und^ dieselbe Person oder dieselbe Familie eine 1 Verbindung herzustellen. Bisher war die Ein- I fragungen in die Register über Gebutt, Heirat und Tod ohne Zusammenhang, sodaß sie meistens an verschiedenen Aemtern vorgenommen werden muß- | ten, ohne daß diese von den Eintragungen der anderen rechtlich so wichtigen Vorfälle Kenntnis hatten. Eine amtliche Kontrolle war deshalb viel- fsich in Zweifelsfragen gar nicht möglich. Diesen Mangel beseitigt die neue Einrichtung, vorerst allerdings nur in Preußen. Grundsatz soll jetzt sein, daß alle für eine Person wichtigen Ein­tragungen an der Stelle gesammelt werden, an der sie zum erstenmal im deutschen Standesre- gister erscheinen. In der Regel wird also bei dem Standesamt, das die Geburt eingetragen hat, die eventuell von anderen Standesämtern zu mel­dende Eheschließung und der Todesfall vermerkt werden, wie andererseits bei diesen Eintragungen auf die Registernummer der Eeburteneinfragung hmgewiesen wird.

von den Gewerkschaften.

Wir erhalten folgenden Bericht zur Veröffentlichung: Der Christliche Metallarbeiterverband Verwaltungsstelle Fulda, hatte die Arbeiter, schäft am Sonntag zu einer öffentlichen Versammlung im Gesellenhaus znsammengernfen. Redakteur Wieder aus Duisburg sprach über „Die gegenwärtige Wirt- schaftskvise und ihre Auswirkung für die Arbeiterschaft". Der Redner» führte aus, daß in der Wirtschaft schon wieder Anzeigen einer Besserung zu verspüren seien. Der tiefste Punkt der Krisenkurve sei erreicht. Im Frühjahr würde wieder eine Besserung der Wirtschafts­lage eintreten. Der WirtschaftsvessimismuS, der weite Steife erfaßt habe, sei zum Teil künstlich hervorgerufen worden, um die Arbeiterschaft dauer»!, unter einem seelischen Drucke zu halten. Die Angst vor Entlassung geht bei einem Teil der Arbeiterschaft so weit, daß sie sich Lohnabzüge und Verschlechterungen des Arbeiter- Verhältnisses auszwingen läßt. Diese Politik gewisser Arbeitgeber kann unter keinen Umständen eine erhöhte Produktion herbeiführen. Ter Redner zeigte an Hand eines Artikels, den der Großindustrielle Robert Bosch in der .Deutschen Allgemeinen Zeitung- ver­öffentlicht hat, daß die Arbeitgeber selbst Schuld sind, wenn in manchen Betrieben sich keine höhere Leistung erzielen ließen. In Amerika sei es anders. Der ameri. kanische Arbeiter nehme grundsätzlich eine andere Stellung feinem Werke gegenüber ein wie der deutsche Arbeiter. Der Amerikaner sei stolz darauf, in einem Werke zu arbeiten, das eine möglichst hohe Leistungs- fähigkeit habe. Bosch kommt dann zu dem Ergebnis, daß nicht der einzelne Arbeiter an sich, das heißt aus seinem eigenen Innern heraus, mit der Leistung zu» rückhalte. Im Gegenteil: der einzelne sei fleißig und liebte es auch, gut zu verdienen. Es sei aber auch fest­zustellen, daß der Arbeiter aus Erfahrung wiffe, daß I er zum Beispiele im Stücklohn stehend (Akkord) gewär- tigt sein muß, daß fein Stücklohn (Akkordverdienst) her- untergesetzt wird, wenn er über einen gewissen Ver­dienst hinauskommt. Der Unternehmer steht in den meisten Fällen auf dem Standpunkt, man dürfe den Arbeiter über ein gewisses Matz hinaus nicht verdienen (affen. Er überlege nicht, daß er 1. durch einen Ar- j

I 3er Prozeß gegen öie

lieber den Beginn des vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig stattfindenden Hoch­verrats und Sprengstoffprozeß gegen die führen­den Fuldaer Kommunisten haben wir schon berich­tet. Den Vorsitz in den Verhandlungen führt Reichs­gerichtsrat Rosenthal. Die Anklage beruht in der Hauptsache auf Verbrechen gegen die §§ 81, 86 des Strafgesetzbuches und 9 und 10 des Republik- fchutzgefetzes, ferner in Einzelfällen auf Vergehen aus § 7 des Sprengstoffgefetzes. Am schwersten be­schuldigt sind die Vorsitzenden der Ortsgruppe Fulda der KPD. Ferdinand Köck und Hermann Haase. Haase war bekanntlich Stadtverordneter ebenso wie der Angeklagte P a p p e r t, der sogar von den sogenannten Minderheitsparteien auf die Vorschlagsliste für den Magistrat gesetzt worden war. Köck und Haase wurden im Oktober 1923 gemeinsam zu Kampfleitern im Unterbezirk Fulda bestimmt. Gleichfalls wegen Hochverrat haben sich zu verantworten der Schlosser Ioh. Lange, der Maschinist Otto Schüßler, der Lagerist Hoheisel und der Arbeiter Karl Ziegler. Weiterhin ist ange­klagt ein gewisser Sroner, der Geld zum An­kauf von Waffen gegeben haben soll. Hoheisel und Ziegler gehörten nach der Anklage ebenfalls der Kampfleitung an und auch Lange hatte mehrfach an deren Sitzungen teilgenommen. Köck holte sich die Anweisungen und Befehle aus Frankfurt am Main und gab s>e in Fulda an die einzelnen Ortsgruppen weiter. Hoheisel, der bis zum 1. Mai 1923 Gefreiter beim Artillerieregi­ment N r. 5 war, dann aber wegen Diebstahls entlassen wurde, wurde dazu bestimmt, Nach­richten von derReichswehr zu beschaffen. U. a. soll er einen genauen ßagejrfan der Kaserne mit Kennzeichnung der Ställe und der Geschütz-

beiter um so mehr verdient je mehr ihm dieser er- [ zeugt und 2. daß der Arbeiter schließlich auch errechnen kann, wieviel er erzeugen darf, ohne daß ihm der Stücklohn gekürzt wird. Die Folge einer drohenden Verkürzung des Stücklohnes sei also eine geringe | Leistung des Werkes im ganzen. Der Unternehmer | fäbe diese Nachteile auch ein, rechne aber darauf, den

Arbeiter genügend überwachen zu können, um eine Höchstleistung zu erzielen. Was die Hauptsache sei, der Unternehmer stehe auf dem Standpunkt, daß man den Arbeiter nicht über ein gewisses Maß hinaus verdienen lasten dürfe. Man mache ihn dadurch nur begehrlich und bekomme trotz Bewilligung großer Verdienste keine Ruhe im Betrieb. Die Ruhe im Betrieb sei also nur dadurch zu erhalten, daß man nicht ständig an den Lohnen kürzt. Der indirekte Nutzen der dadurch ent­steht, daß man den Arbeiter mehr verdienen ließe, sei nicht hoch genug zu schätzen, weil ein gut bezahlter Mensch zufriedener und sorgenloser und deshalb auch arbeitsfähiaer sei. Fnfölae eines guten Verdienstes kann der Arbeiter sich ein kleines Eigentum erwerben und gewänne dann die Ueberzeugung, daß er doch nicht nur ein enterbter Mensch zweiter Klasse fei. Der Redner erklärte, daß die Arbeiterschaft diesen Aus­führungen eines der größten Arbeitgeber nichts hinzu­zusetzen hätte. Dieselben Wahrnehmungen könne man fast in jedem Orte machen. Die Arbeiterschaft werde sich in eine geschloffene Kampffront stellen, um ein Ueberhandnehmen der sozialen Reaktion zu verhin­dern. Die Christlichen Arbeiter seien keine Staffen» kam pfei, doch brächten es die Verhältnisse mit sich, daß sie oft den Arbeitgebern in einer gewiffen Sampfstel- lung gegenüber stehen. Zum Betrieb steht der Christ­liche Arbeiter in keinem Sampfverhällniffe, weil er wohl wisse, daß seine Existenz nur in der Existenz des Betriebes begründet sei. Der Arbeiterstand verlangt die Gleichstellung gegenüber den anderen Ständen und sie will nicht unter oder über, sondern rieben den einzelnen Ständen stehen,nicht Jndustrieknecht, sondern Jndustriebürger sein. Der Redner forderte dann die Anwesenden zum engen gewerkschaftlichen Zu­sammenschluß auf, denn nur durch gewerkschaftliche Arbeit seien wirtschaftliche Vorteile für die Arbeiter­schaft zu erreichen.

In der Aussprache brachte noch der Bezirksleiter, Herr W e s p aus Darmstadt, interessante Ergänzungen zu den ersten Ausführungen.

Der Vorsitzende Gewerkschafts-Sekretär Schmitt dankte dem Redner, den Diskussionsrednern und schloß die wohlgelungene Veranstaltung mit der Aufforderung an alle, sich in erhöhtem Maße an dem SBerbano Sieben zu beteiligen und den letzten Unorganisierten dem Christlichen Metallarbeiler-Verbande zuzufuhren.

= Autounfall. An der Kurve bei der Fabrik von Wilhelm Hartmann, die in ihrer Gefährlichkeit unterschätzt wird, kam das von Kohlhaus kom­mende Mowrrad eines hiesigen Drogisten ins Schleudern und fuhr direkt in einen Last­kraftwagen. Das Motorrad wurde zerstört und der Fahrer erheblich am Kopf verletzt. Nur der Geistesgegenwart des Kraftwagenführers ist es zu verdanken, daß der Motorradfahrer mit dem Leben davon kam.

— Von der Wildfchwciujagd. In der letzten Zeit wurden in den Obersörstereien der Umgebung von Fulda fast wöchentlich Treibjagden aus Schwarz­wild zur Einschränkung des von diesem verursachten Wildschadens abgehalten. Hierbei wurde am 25. d. Mts. in der Oberförsterei Giesel wieder ein überlaufender Keiler erlegt. Es ist dies bis jetzt in dieser Oberförsterei das 5. Stück Schwarzwild, wel­ches in diesem Winter zur Strecke kam.

— Volkshochschule. Heute abend 8 Uhr wird im Zei- chensaale der Oberrealschule Herr Pater Dr. Ewald Müller über altchristliche Führergestalten sprechen und den ersten lateinischen Kirchenschriftsteller T e r t u l l i an behandeln. Eintrittskarten sind am Saaleingang zu haben. — Gleichzeitig wird an dieser Stelle darauf auf­merksam gemacht, daß die nächste Wagneroorstel- lung mit Rücksicht auf das am Montag den 1. Febr. stattfindende Künstlerkonzen auf Samstag den 30. Jan., abends 8 Uhr, verlegt werden muß. Die Vorlesungen finden in der Aula der Aufbauschule statt. Jede Vor­lesung ist ein abgeschlossener Vortrag mit musikalischen Erläuterungen. Es können deshalb Äbendkatten zu 1 M. ausgegeben werden. Schüler zahlen die Hälfte.

— (Eätilia-Ulufeum. In dem Montag den 1. Febr. stattfindenden ersten Solistenkonzett (oergl. heutige An­zeige) stellt Frau Else Bauer (Alt) sich dem Fuldaer Publikum vor. Frau Bauer ist langjährige Gesangs­schülerin von Beatrice Suller-Kottlar, der Hochdramati­schen des Frankfutter Opernhauses. Zum Vortrage ge­langen Lieder aus Schubetts Winterreise, ferner Lieder und Gesänge von Schumann, Brahms und Hugo Wolf, sowie ein Pastorale von Bizet, dem Komponisten der Oper ,Carmen". — Der Kartenverkauf findet in der Hofbuchhandlung von Aloys Maier statt.

— Wiedersehens feier. Man schreibt uns: Der dies- lährige Wiedersehenstag des ehemaligen 1. Ob. Elfäff. Feldartillerieregiments Nr. 15 findet vor­aussichtlich statt am 12. und 13. Mai (Himmelfahrtstag) in dem tn der Nähe der allen Garnison Straßburg am Fuße des Schwarzwaldes gelegenen badischen Städtchen Bühl. Um einen ungefähren Ueberblick über die er­wartende Teilnehmerzahl zu gewinnen, werden vorläu­fige Anmeldungen baldigst erbeten an Herrn Kanzlei- assisteMen Jakob Wilhelm Kaiser, Heidelberg, Augustiner- gasse Nr. 13. Weitere Nachrichten folgen.

— Sondervorstellung in den kümmerlich tspstlen. In den Kammerlichtspielen findet nächsten Donnerstag eine Sondervorführung des mit viel Beifall aufgenommenen Filmes »Onkel Bräfia" sowie des Beiprogramms

Fuldaer Koulinunistell.

und Mafchinengewehrftände angefertigt haben. Außerdem sollte er versuchen, Waffen und Muni­tion zu beschaffen.

Von der Kampfleitung wurde verschiedentlich versucht, durch Vermittlung der Zeugin Möh- ring, der Geliebten Köcks, Zerfctzungsarbeft in der Reichswehr zu lefftsn. Waffen und Spreng­stoffe wurden in ziemlich großem Umfange befckzafft, wofür die Geldmittel in Dollar vom Wumbo in Frankfurt a. M. gegeben wurden.

Haase hatte ein leichtes Maschinenge- wehr und sechs Militärgewehre aufge­kauft und im Elektrizitätswerk, wo er be­schäftigt war, v e r st e ck t. In seiner Wohnung fand man Munition und Konservenbüchsen zur Her­stellung von Handgranaten. Lange hatte in den Lagerräumen der Firma Adler fünf Behelfsgrana­ten, drei Eierbandgranaten, ein Mpschinengewehr- fchloß, zwei Revolver und Gewehrmunition ver­steckt. Durch Zeugenaussagen ist auch wahrschein­lich, daß durch Vermittlung Gronens ein schweres Maschinengewehr beschafft wurde, das aber nicht aufgefunden werden konnte.

Nach weiteren Zeugenaussagen hat Köck H a nd- granaten in größerer Zahl hergestellt, die zum Teil als Muster auf die umliegenden Dörfer der Rhön und des Vogelsberges verteilt wurden. Bei der Herstellung waren Schüßler und Ziegler durch Lieferung der Konservenbüchsen beteiligt. Bei Haase wurden auch helastende Schreiben gefunden, in denen ein gewisser Karl Wagner um genaue militärische und sonstige Auskünfte bat. Hierzu bestreitet Haase, daß die Schreiben für ihn bestimmt gewesen seien. Er habe darauf auch nickst ge­antwortet.

statt. Einheitspreis für sämtliche Plätze 75 Pf. Ver­gleiche Anzeige.

Sirchenbauverein Sk. Kunigundis. Mit Recht wurde in den letzten Tagen durch die Zeitungen vor den ausländischen Lotterien gewarnt. Um so mehr sei aber auf die heimischen Lotterien hinge- wiesen, besonders wenn es sich dabei um einen guten Zweck handelt. Eine solche Lotterie ist auch die Sachlokkerie, die der Kirchenbauoerein St. Kuni- gundis in Kaffel-Detenhausen zum Besten des Kir­chenneubaues veranstaltet. Die Ziehung findet nun­mehr unwiderruflich am 19. Marz in Kassel statt. Lose zum Preise von nur 1 Mark pro Stück sind noch in der Geschäftsstelle Kassel, Giesbergstr. 24 und beim kath. Pfararnt St. Kunigundis, Kassel-B., Stiststr. 27 zu haben. Es fei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Kirchenbauverein die Lotterie selbständig durchführt, daß kein Lottene-Unterneh- men an der Durchführung der Lotterie beteiligt ist, und daß damit alle Ueberschüsse dem Kirchenbau in Bettenhausen zugute kommen.

Sür das Roggenbrot.

Durch die Zentrumsfraktion des Reichstages ist' wie wir bereits mitgeteilt haben, ein Antraa an die Reichsregierung gerichtet worden, von Regierungs­wegen eine besondere Propaganda für "den ver- mehrten Verbrauch von Roggenbrot einzuleiten. Der Zweck dieses Antrages ist, den ganz außer ordentlichen Bedarf von Weizen einzuschränken, der uns zu erheb­licher Weizeneinfuhr aus dem Auslande und damit 3U_ ganz außerordentlich hohen Aufwendungen nötigt, während die deutsche Landwirtschaft den von ihr produzierten Roggen nicht unterbringen kann Die Preise, die heule die Landwirtschaft für den Roggen erzielt, stehen in keinem Verhältnis zu den Produktionskosten.

Es ist nun bemerkenswert, daß die Deutfche Volkspartei in der gleichen Frage, der Anregung des Zentrums folgend, mit einem Antrag an die Reichsregierung berangetreten ist. Auch in diesem Antrag wird gefordert, daß die Reichsregierung Maßnahmen ergreift, um den Roggenbau als die Ernährungsgrundlage des Volkes wieder sicher zu stellen und die Brotversorgung in stärkerem Maße als bisher mit Hilfe des gesünderen aus Inlands- mehl gebackenen Roggenbrotes zu gewährleisten.

Es ist weiter nicht minder bemerkenswert, daß von demokratischer und auch von sozialdemokratischer Seite diese vom Zentrum zuerst erhobene Forderung spöttisch behandelt wird, daß man darin ein Wieder­aufleben der Zwangswirtschaft nach den Methoden der Kriegszeit erblicken will. Davon kann natürlich gar frine Rede fein. Für das Zentrum ist vielmehr ausschlaggebend die Förderung der land­wirtschaftlichen Produktion, die sich nicht von heute aus morgen auf den allerdings notwendigen ver­mehrten Weizenanbau umstellen kann.

Die Geldfälschungen.

Die Zahl der Geldfälscher ist nach amtlichen Feststellungen in überaus rascher Zunahme be­griffen. Hierbei tritt besonders auffallend und für die Ermittlung der Fälscher erschwerend hinzu, daß sich der Kreis der Fälscher nicht mehr auf eine Stadt beschränkt, sondern daß die Erscheinung internationalen Charakter angenommen hat. Darm arbeiten die Fälscherbanden heute mit einer ungewöhnlich verfeinerten Technik, sodaß Fäl­schungen stets schwerer zu entdecken find. Selbst Saufen und Fachleute lassen sich immer häufiger täuschen. Ein weiteres erschwerendes Moment bei der Verfolgung der Fälscher tritt sodann insofern hinzu, daß, wenn wirklich einmal einer verhaftet wird, dieser gern die Strafe auf sich nimmt, seine Mitarbeiter aber niemals verrät. So ist es außer­ordentlich schwer, den Werkstätten auf die Spur zu kommen. Die Verausgabung des Falschgeldes jedoch, die durch besondere Vertrauensleute erfolgt, bietet keine besonderen Schwierigkeiten, da sie mei­stens auf der Straßenbahn, in starkbesuchten Ver­gnügungslokalen imd in kleineren Geschäften erfolgt.

Im Rhein-Maingebiet sind in den letzten Wochen namentlich gefälschte Zwanzigmarkscheine verbreitet worden, die sehr gut nachgeahmt sind und bisher weite Verbreitung gefunden haben. Der Laie erkennt in diesem Falle die Fälschung am sichersten daran, wenn er auf den Blick des Frauen- bildnisses achtet. Sehen die Augen den Beschauer an, bann ist der Schein gefälscht; sieht das Äugen­paar nach rechts, dann hat man einen echten Schein vor sich. Ferner ist die Ziselierung grob, die Papierfafern nachgeabmt, das Wasserzeichen ist in Fettaufdruck hergestellt.

Noch weit größere Verbreitung haben die nach­gemachten Ein-, Zwei- und Dreimarkstücke gefun­den. Ihre Zahl ist bereits Legion. Jeder Tag bringt neue Falschstücke auf den Markt. In der Hauptsache kommen neuerdings Zweimarkstücke auf den Markt, vorwiegend erfolgt ihre Verausgabung im Straßenlxchnverkchr an die Schaffner. Dieser j

Tage wurden in Köln zwei Personen auf her Straßenbahn festgenommen, als sie Falschgeld an den Mann zu bringen versuchten. Mle gefälschten Geldstücke find durch die schlechte Umrandung, den fettigen Druck und das oft schwarze Aussehen leicht kenntlich.

In Frankfurt war man dieser Tage zwei Ungarn auf der Spur, die mit den Fälschungen der jugo- flämischen Dinarnoten im Zusammenhang standen Sie wurden von jugoflawischen Beamten verfolgt Ihre Festnahme konnte am Freitag in Elberfeld «folgen. __________

vom Hochmeister des Iungdo.

Mahraun und feine völkischen Widersacher.

Der Jungdeutsche Orden veranstaltete am Montag abend in Bettin eine Kundgebung, auf der der Hoch­meister des Ordens, Atthur Mahraun, gegen den in Kassel ein Hoch- und Landesverratsoerfahren eingeleitet worden ist, das Wort ergriff. Die Polizei hatte umfangreiche Schutzmaßnahmen getroffen, da in unmittelbarer Nähe der Rote Frontkämpferbund eine Versammlung abhiett. Seine Rede beschränkte sich im allgemeinen auf staatstheoretische Darlegungen. Erst am Schluß kam er auf seine Verhandlungen mit fran­zösischen Politikern zu sprechen und sagte da­zu: „Wenn nun die jungdeutsche Bewegung sich auch mit Dingen der Außenpolitik befaßt hat, so gehöre dies nicht zu ihrem staatspolittschen Programm. Sie wurde aber durch die Entwicklung dazu gezwungen, weil von anderer Seite der Versuch unternommen wurde, ih: eine außenpolitische Ansicht aufzuzwingerp Eine starke Propaganda versuchte nämlich, die jungdeutsche Bewe- gung aus ihrer antibolschewistischen Einstellung in eine bolschewistisch freundliche Haltung hinüberzuleiten. Da dies nach den Grundsätzen zu einer Katastrophe von ungeheurem Ausmaße geführt hätte, waren die Füh­rer des Jungdeutschen Ordens gezwungen, Wege zu einer anderen Lösung zu suchen. Wir haben dies ge» tan, indem wir zu erkunden versuchten, wie es mit dem geistigen und politischen Umschwung in Frankreich aus- sieht. Wenn wir deshalb angegriffen worden sind, und wenn wir von unseren Gegnern verleumdet werden, so kann uns das an unserem Wege doch nicht irre machen."

Der Hochmeister fand stürmischen Beifall.

„Der Jungdeutsche" macht Angaben über die Ur­heber der gegen ihn in den Vaterländischen Verbän­den betriebenen Hetze. Als den Haupttreiber bezeichnet er den aus der Barmataffäre bekannten Herrn Bae­rn e i ft e r, den Herausgeber der „B e r g i f ch-M är k i- scheu Zeitung", der seinerzeit das Büro Kluge- Knoll finanziert hat. Mahraun berichtet, daß der Außen- Politiker der „Bergisch-Märkischen Zeitung", em Dr. Oldag, vor einiger Zeit bei ihm wegen eines Inter, views vorgesprochen habe. Dabei habe sich herausge- stellt, daß Dr. Dibag nur in dem Phrasenschatz der „bol- schewistischen Propaganda für das nationale Deutsch­land" geredet hab«. Als er, Mahraun, Dr. Oldag dar­aufhin als Bolschewisten bezeichnet habe, habe Oldag mit leidenschaftlichem Enthusiasmus bekannt: „Le- nin ist der größte Staatsmann der Weügeschichte, und Rußland ist der Hort der Freiheit. Wir haben jetzt nur eine einzige schwere Aufgabe, nämlich die na­tionale Bewegung aus ihrer einstigen antibolschewfftt- schen Haltung zu einer probolschewistischen um» zustellen." Wenn dies alles richtig ist, dann scheinen die Gegner Mahrauns, wenigstens zum Teil, in national» bolschewistischen Kreisen zu suchen zu fein.

= Kassel. Der in Mühlhausen i. Th. beschäftigte Joseph van Gruiten wurde von einem Fremden zu einer Fahrt an den Rhein verleitet, was um fo leichter möglich war, als der junge Mann dort eine Braut hat. Schon auf der Fahrt nach Kassel wurde der Entführte hypnotisiert. In der Nähe von Trier erwachte er in einem Auto. Ein Flucht­versuch mißlang. Er wurde bezwungen, enttarn üt der Nacht aber doch und wurde später in völlig er­schöpftem Zustande von Bahnarbeitern im Schnee aufgefunden. Zunächst fand er in Bonn Aufnahme. Von hier wurde er durch feinen Bruder abgeholt. Nach ärztlichem Befund ist der hypnotische Zustand noch nicht gelöst. Auch hat der Entführte einen Nervenschock davongetragen.

— Friedberg. Seit dem 23. November 1925 war der Geschäftsführer der Bäckereige­nossenschaft des Kreises Friedberg nach Unter­schlagung einer bedeutenden Summe flüchtig ge­gangen. Man sand zwar am nächsten Tage bet Biebrich am Rheinufer seinen Mantel und die Leder­tasche, glaubte aber nicht, daß der Flüchtige den Tod im Rhein gesucht hatte, hielt dies vielmehr für eine wohlberechnete Täuschung. Nunmehr hat man aber Freitag vormittag feine Leiche bei Biebrich aus dem Rhein geborgen. Die Leiche war durch die andauernde Kälte vollständig vereist.

Das Neueste.

Aus dem Reichskag.

— Berlin, 27. Jan. ((big. Junfm.) Das deulschnalionale Mißtrauen» - Vo­tum Hal folgenden Wortlaut: „Die Regierung be­sitzt nicht das vertrauen, dessen sie nach Artikel 54 der Reichsverfasiung bedarf".

Demonstrationen am 27. Januar?

wtb Berlin, 27. Jan. (Eig. Junkm.) An­läßlich der für heule als dem Geburkstag des Exkaisers geplanten Demonstrationen und Ver- famlungen, zu denen sowohl dieRechks-Orga- nif ationen wie auch die Kommunisten und das Reichsbanner aufgerufen haben, sind von sel­ten der Polizei, wie die „B.Z." berichtet, alle Vorkehrungen getroffen worden, um Störungen der öjfenklichen Ordnung und Zusam­menstöße zu vermeiden.

von den Hochschulen.

— Ein Lehrstuhl für Deutsch an der Amsterdamer Universität. Der Magistrat hat der Amsterdamer Stadt­verordnetenversammlung einen Antrag der Kuratoren der Amsterdamer Universität zugehen lassen, der nieder- iändisch-deutschen Vereinigung die Errichtung eines be­sonderen Lehrstuhles für den Unterricht in der deutscher Sprache und Literatur an der Amsterdamer Universität zu bewilligen. Der Magistrat befürwortete den Antrag.

Radio-Programm.

Donnerstag, den 28. Januar.

Frankfurt (470 m) und Kassel (273.5 m). 3.30—4: Jugendstunde, W. Klöppel: „Herz'ge Geschichten von hei- ligen Pflichten". 4.30—6: Operettennachm. 6—6.30: Die Lesestunde: „Das Abenteuer in der Silvesternacht" von E. Th. A. Hoffmann. Spr. O. W. Stubtmann. 6.30 bis 7: Stenographie. 7—7.30: Schachverein „An- berffen". 7.30—8: Die Stunde der „Frankfurter 3tg-': Fritz Schoithöfer spricht über „Romain Rolland". 8—9: Uebertragung von Kassel: Zweites Konzert im Zyklus „Die Kammermusik vom Beginn des achtzehnten Jahr­hunderts bis zur Gegenwart". 9—10: Konzert des Har-, monie-Orchefters des Frankfurter Orchcsteroereius. 1 • dis 12; Ucbertraguna von Berlin; Tanäzmusik,