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53. Zahrg.

Mittwoch, 20. Januar 1926

Nr. 15

Wie derDerk. Lokalanzeiger" schreibt, scheint Dr. Luther nicht die Absicht zu haben, sein Man­dat in die Hände des Reichspräsidenten zurückzu- zeben. Er wolle dann vielmehr mit einem frei ge­bildeten Kabinett andere Blätter sprechen von

Vie slbrüstungsfrage in England.

DerStar" in London teilt mit, der Parlaments­ausschuß, der die Möglichkeit von Ersparniflen in den drei Hauptmasten untersuchte, schlägt im nächsten Budget die Streichung von 20 Millionen Psund Sterling vor, wovon sieben Millionen auf die Luft­fahrt entfallen würden. Churchill werde jetzt zu entscheiden haben, ob er diese Vorschläge dem Kabi­nett gegenüber vertreten wolle.

wtb Conbon, 19. 3an. (Glg. Junfm.). Der erste Cord der Admiralität, Bridgeman, erklärte, die gegen die Regierung gerichtete Anschuldigung, sie beginne einen neuen Wettbewerb mit an­deren Rationen der Well im Sriegsschiffbau, sei völlig ungereckst. England sei das einzige Cand, das, obgleich es mehr als jedes andere von der See abhänge, Reubauten bis zum lehkmögliäM Augen­blick verzögere. Die Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich und I tasten hätten nach dem Kriege über 300 Kriegsschiffe gebaut, während die britischen Reubauten nur 11 betragen.

fius dem Reich Mussolinis.

Angebliche Srste bei der katholischen Pottspartei.

wtb 2t o m, 19. Jan. (Gig. Funkm.s Die Blät­ter berichten, daß die Popolare-Abgeordneken, Gronlhi und Conginotte, aus der Celtung der po- polari-Frattion ausgeschieden sind, weil sie dagegen waren, daß die Fraktion wieder in der Sammer er­scheinen solle. Der Abgeordnete Sites soll nach fascistifchen Blättern aus der Partei der Popolarl ausgetreten sein, nm wieder in der Kammer er­scheinen zu können. Rach demPopolo di Roma" erwartet man, datz am nächsten Donnerstag etwa 5 Popolari-Abgeordnete, die sich in den letzten Mo­naten von der Partei getrennt haben, öffenttich in der Kammer ihre Zustimmung zu den drei von Mussostni gestellten Bedingungen abgeben werden.

einem B e a m t e n k a b i n e t t - vor den Reichs- tag treten. m .

DerVorwärts" erklärt, eme Deamtenregie- rung werde sich nur halten können, wenn sie we­nigstens das Z e n t r u m für sich gewinne. Schei­tere sie, so bleibe als einziger verfastungsmäßiger Weg dieAuflösungdesReichstages.

Ein letzter Rettungsversuch.

---Berlin, 19. Jan. (Gig. Funkm.). Hebet die Besprechungen Dr. Cuthers mit den Partei­führern am Mittwoch vormittag erfährt das Rach­richtenbüro deutfcher Zeilungsverleger, daß die Rücksprache mit den demokratischen Ver­tretern nur kurze Zeil dauerte, da diese erklärten, datz sie keine welkeren Vorschläge zu machen hätten. Der Reichskanzler hätte dann nach­einander Besprechungen mit den Vertretern des Zentrums, der Deutschen vollspartel und der Bay­rischen Volkspartei. 3m Anschluß daran fand eine gemeinsame Konferenz Dr. Cuthers mit den Füh­rern dieser drei Parteien statt. 3n dieser Konferenz soll noch einmal geprüft werden, ob eine Möglickflett besteht, die demokratische Fraktion zu einer Regierungsbildnng der Mitte hinzu- z n z i e h en. An diesen Besprechungen nehmen auch der Autzenminister Dr. Sfrefemann, der Arbeite- Minister Dr. Braune und der Reichswehrminister D. Getzler teil. Diese Verhandlungen dauern zur Zeit noch an. .

Ob derReichstag am Mittwoch zur Cntge- gennahme der Regierungserklärung zusammentreten kann, ist noch fraglich. v

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Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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Die Mühe Wat umsonst?

Das Rabmett -er Mitte erledigt? - Vie Bayerische Voltzspartei zer­schlagt auf Münchener Weisung das bisherige Einigungswertz. Vie Wühlereien der Deutschnattonalen am Ziel.

Ratifikation deS deutsch-finnischen SchiedSver- tragrS. Der finnische Reichspräsident hat de« deutsch- finnländischen Vertrag über Vergleichsverfahren ratifiziert.

* Der neue Generalsekretär im österreichischen Auswärtigen Amt. Die Politische Korrespondenz erfährt: Der langjährige Sektionschef im Auswär­tigen Amt, Franz Peter, wurde zum General- sekretär ernannt. In dieser Eigenschaft wird er den inneren Geschäftsgang des Auswärtigen Amtes leiten und dem Bundeskanzler bei der Führung der aus­wärtigen Politik zur Seite liehen.

* Diktatur auf den Philippine»? Nach einer Meldung der Agentur Indo-Pacific aus Sa» Fran­zisko ist daS Gerücht im Umlauf, daß Senats- vräsident Quezon auf den Philippinen-Insel» die Diktatur ausrufen wolle.

Jur Fürstenabfindung.

Am Montag überreichten Vertreter der deutschen Liga für Menschenrechte, der Kommunisti- schen Partei Deutschlands und anderer Verbände dem Innenministerium den Zulaflungsantrag auf Einleitung des Volksbegehrens für völlige Enteignung der Fürsten und legten eine-: entbre­chenden Gesetzentwurf vor. Gleichzeitig Übergaben sie dem Ministerium die beglaubigten Unterschriften von über 9000 Wahlberechtigten aus dem Berliner Stadtteil Neukölln. Weitere Listen mit über 20000 Unterschriften liegen zur Bestätigung dem Wahlamt in Neukölln noch vor-

5kn Gegenwart deS Reichspräsidenten v. H i n d e « - bürg, von Mitgliedern der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, Parlamentariern, des diplo malischen Korps, der Hochschulen ulw. fand am Montag abend im Dom in Berlin eine liturgische Andacht zum Gedächtnis der Reichsgründung statt. Oberkonsistorialrat Domprediger Richter hielt die Predigt. Der Reichspräsident wurde beim Verlaffe« de« Domes von einer zahlreichen Menschenmenge herzlich begrüßt. Bei seiner Abfahrt sang man ent- blößten Hauptes das Deutschlmwlied.

Todesfall. In Dresden starb nach langer schwerer Krankheit im Atter von 64 Jayren der Generalleutnant Hammer. Er war während des Weltkrieges zuletzt Kommandeur der 24. Jnfanterie- Diviüorr und Sitte des Ordens Pou: te MSrite.

haben bekanntlich immer die Freimaurerei bekämpft und die Abnei mng Musiolinis gegen die Freimaurerei stammt aus seiner sozialistischen Vorzeit. Die Schweizer Freimaurer, denen Musiolini während seines unfreiwilligen Aufenthaltes in der Schweiz näher trat, behaupten, die Beweise zu besitzen, daß Musiolini damals ihrem Gebeimbunde angedört habe. Die übrigen maßgebenden Führer des Faschismus, wie Farinacci und die aus der Matteottimordaffäre bekannten Ceiare Rossi, Marinelli gehörten nach­gewiesener Weise der Freimaurerei an, und zwar der- längen des sogenannten schottischen Ritus.

Vie vesahnngrstage.

.Manchester Guardian' führt ht einem Leit­artikel unter der UeberschristLocarno und das Rheinland" aus:Wenn die Haltung Deutsastands während und nach der Konferenz von Locarno uns nicht veranlaßt, unsere Garnisonen zu vermindern, so berechtigt sie uns doch sicher nicht, sie zu ver­mehren. Wenn die Verhältnisse m unserer Ar­mee uns Anlaß geben, mehr Unterkunftsraume zu verlangen, wie die Franzosen, dann wäre es ver- nünstiqer, die Truppenstärke zu vermindern und nicht die Leiden einer friedlichen Bevölkerung zu vermehren". 1

Vriands Stellungnahme.

wtb patis, 19. 3an. (Gig. Funkm.) Der Stiegsminifter und der Ministerpräsident Briand haben zn der Frage der Herabfetzung des Pe- fahungsheeres in der zweiten und dritten Zone noch nicht Stellung nehmen können, da Briand zu sehr mit dem Problem der inneren Politik befchäf- figt fei. Rach dem «Petit pariflen" ist es fedoch wahrscheinlich .datz Briand den dentfchen Pof­fd) a f f c r heute oder morgen ht dieser Angelegen­heit empfangen werde. Rach dem «Avenir" geht in parlamentarischen Kreisen das Gerücht. Mini­sterpräsident Briand werde demnächst eine Grklä- rung in dieser Angelegenheit in der Kammer abgeben.

Belgien und die Besatzungs-Stärke.

wtb Brüssel. 19. 3an. (Gig. Funkm.f Rach dem demvingtieme Siecke" hat Vandervelde ans die Vorstellungen des deutschen Gesandten we­gen der Herabsetzung der Desahungszister in der 2. und 3. Zone geantwortet, datz dieser Schritt Bel­gien nicht berühre, da die belgische Besatzung auf die tteiuste militärische Ginheit. nämlich eine 3n- fauterie-Dlvision verringert worden sei.

Die ungarische Zrantzenfalschung.

Erklärungen Graf vethlenS.

In einer Verlammluna der Einheitspartei erllärte Ministerpräsident Graf Bethlen, die Anqe- legenhett bis ans Ende geklärt werden. Die Re­gierung werde nichts im Dunkeln lasten, da sie nichts zu verhüllen habe. DaS Einzige, was die Regierung fürchte wüste, sei, daß im Ausland der Gedanken auskommen könne, die Regierung habe etwas zu verbergen. Der gute Ruf der Nation, der einzige Wert, der Ungarn geblichen sei. sei in Gefahr. Graf Bethlen fuhr fort: Wir wüsten eine Erhöhung deS Ansehen« der Nation erreichen und darauf Hin­weisen, daß Ungarn da« Vertrauen der anderen Völker verdient. Bergesten wir nicht, daß in der Nachbarschaft sich die melden, die alles daran setzen, damit wir auf der abschüstigen Bahn immer tiefer sinken. Um das zu verhüten, mästen alle Opfer gebracht werden. Ich erkläre nachdrücklich, daß die Regierung alle Vollmachten hat, um diesen Weg zu verfolgen, und alle Machtmittel, um ihren Plan auS- zufühten. Zwischen der Regierung und ollen Fak­toren bestand vom ersten Moment an Einklang. Die Partei sprach dem Ministerpräsidenten ihr Ver­trauen auS.

Bleiben zu bewegen, so kann man das nur begrüßen, berat damit ist eine der kritischsten Personalfragen an der die ganze Kabinettsbildung zu scheitern drohte, ausgeschaltet worden.

In dem gleichen Blatt wird dann Ministerprä­sident Stegerwald wegen des Falles Beh­rens und Meyer, die ihre Aemter in der Lei­tung der Christlichen Gewerkschaften bis zur Aus- klärung bestimmter Dorgänge niedergelegt haben, attackiert und ein Gegensatz zwischen ihm und den christlichen Arbeitern wie auch der Zentrumspartei zu konstruieren versucht. Alles, was darüber ge­sagt wird, ist von Anfang bis zu Ende Unsinn. Diese Leutchen sollen doch endlich damit aufhören, mit derartigen Mätzchen dos Zentrum auseinander manövrieren zu wollen. Sie sollen sich doch nicht einbilden, daß die Zentrumsvartei sich von der­artigen Dingen imponieren läßt.

* Auch tn Dänemark die Freimaurerei verboten. Das sozialistische Kabinett in Dänemark hat inen Gesetzentwurf emaebracht, durch welchen den Staatsbeamten und Offizieren die Zugehörigkeit zur ^reimauetei verboten wird, wie es in ähnlicher Weise Italien geschehen ist. Besonders interessant ist »abei die Tatsache, daß auch in Dänemark der ^regierende" König Freimaurer ist, ebenso rc:° in Italien König Viktor Emmanuel III. Es bleibt nun »bzuwarten, ob die beiden ersten Diener ihres Staates >en Gesetzen be5 Landes folgen und aus der Frei« Kauvte austreten werden. Die sozialistischen Parteien

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns ge­schrieben:

In einem der am wenigsten sympatischen Ber­liner Presseorgane, derWelt am Montag", wird in der Ausgabe vom 18. Januar einerseits über den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, anderer- seits über den Ministerpräsidenten Stegerwald und über beider Beziehungen zu der jetzigen Regie­rungskrise und zur Zentrumspartei ein Gefasel an- gestellt.

In geschmackloser Weise werden von dem ge­nannten Blatt gegenüber dem Arbeitsminister Dr. Brauns Dinge geltend gemacht, die mit den politi­schen Dingen aber auch wirklich nichts zu tun haben. Die Teilnahme des Ministers Brauns an dem ganz ungewöhnlich schweren Trauerfall, der den Wehr­minister Geßler vor einiger Zeit betroffen hat, wird nun zum Borwand genommen, um Brauns eines besonderen Einvernehmens mit Gehler zu verdächtigen". Die Teilnahme an dem Trauer­fall war für Dr. Brauns, der 5 Jahre lang mit Dr. Geßler im Kabinett zusammenarbeitete, selbst- verständlich, und sie sollte auch für jeden auslän­dischen Menschen selbswerständlich fein. Es ist einer unerhörten Taktlosigkeit vorbehalten geblieben, diese Dinge jetzt in Verbindung mit der Regierungsba- düng zu "bringen.

Es wird nämlich behauptet, Arbeitsminister Dr. Brauns Habs aus eigener Initiative undohne Auftrag" Geßler zum Bleiben im Kabinett de- wogen.

Wir stellen demgegenüber aus unmittelbarer Kenntnis der Dinge ausdrücklich fest, daß Dr. Brauns in der Zentrumsstaktion und mit einmüti­ger Billigung den offiziellen Auftrag er­halten hat, mtt Dr. Geßler eine Unterredung über den von ihm geltend gemachten Entschluß seines

Es ist eine unangenehme Aufgabe für den po­litischen Berichterstatter, überhaupt der unerquick­lichen Vorgänge bei der diesmaligen Kabinetts­krise, die von gemeingefährlichen Intriguen um­sponnen ist, immer wieder Erwähnung tun zu müs­sen. Die Lösung, die gestern gefunden schien, ist heute wieder in Frage gestellt. Der Führer der Bayerischen Volkspartei, Dr. Leicht, war am Sonntag in München und hat dort mit der Landesverwaltung der Bayerischen Volkspartei verhandelt. Das Ergebnis hat er seiner Reichs­tagsfraktion mitgeteilt und die Folge war, daß die Fraktion einen Beschluß faßte, wonach der Abg. Koch als Reichsinnenminister für sie untrag­bar fei und wonach an seine Stelle ein Fach­minister treten solle. Eine weitere Schwierig­keit ist dadurch eingetreten, daß der Volksparteiler Hepp die Uebernahme des Ernährungsrainiste- riums abgelehnt hat.

Die Haltung der Bayerischen Volkspartei muß vom Standpunkt des Zentrums mit aller Ent­schiedenheit verurteilt werden. Wohin sollen wir kommen, wenn es jeder Partei, mag sie noch so klein fein, gestattet fein soll, aus so engen Ge­sichtspunkten heraus Angelegenheiten, die die ganze Nation angehen, zu erledigen. Die Bayerische Volkspartei muß sich den Vorwurf gefallen lassen, daß sie reine Münchener Kirchturmpoli- t i k treibt. Man vergegenwärtige sich nur einmal, was aus dem deutschen Vaterlande würde, wenn das Zentrum aus ähnlichen engen Gesichtspunkten heraus seine Mitarbeit an dem nationalen Aufbau versagen würde. Eine pflichtbewußte Partei läßt sich niemals von dem Gedanken leiten, daß es viel­leicht auch ohne sie geht, sondern sie taktiert so, als wenn von ihr das Wohl des Landes abhinge.

Auf die Herausforderung der Bayerischen Volks­partei, die natürlich den Deutschnationalen riesigen Spaß macht, hat die Demokratische Partei entsprechend geantwortet. In einer Nachtsitzung wurde folgender Beschluß gefaßt:Die F r a k t i on d e r D e u t schen DemokratischenPartei ist nicht gewillt, infolge des Einspruches der Baye­rischen Volkspartei auf ihre Wünsche für die Be­setzung des Innenministeriums zu verzichten. Sie ist nicht in der Sage, ihre Ueberzeugung, daß durch sie die Führung der Innenpolitik im Geiste der Verfassung gesichert wird, vor einem unbegründe­ten partikularistischen Mißtrauen preiszugeben." Dieser Beschluß ist am Dienstag Vormittag 10 Uhr dem Reichskanzler und den anderen Partei­führern mitgeteilt worden.

Wie das Nachrichtenbüro Deutscher Zeitungs­verleger weiter hört, hat Reichswehrmini­ster Geßler erklärt, daß er ein Amt nur an= nimmt, wenn die Demokraten in der Koalition ver­treten sind.

In demokratischen Kreisen nimmt man an, daß die Bemühungen Dr. Luthers um die Bildung eines neutralen Kabinetts der Mitte als gescheitert anzusehen sind.

Jetzt wird auch begreiffid), warum die Deut­sche Volkspartei das Innenministerium an die Demokraten freigab. Sie wußte, daß mit Wi­derständen der Bayerischen Volkspartei zu rechnen war. Sie hat damit die Verantwortung über das Zustandekommen des Kabinetts auf die Bayern abgeschoben.

Die Deut sch nationalen, so heißt es in parlamentarischen Kreisen, hätten den Reichskanz­ler wissen lassen, daß sie die Besetzung des Innen­ministerium als ausschlaggebend für ihre Haltung zum Kabinett Luther ansehen. Sie würden, wenn es Koch zugesprochen würde, dem Kahinett gegen­über nicht Neutralität wahren, sondern ein M t ß- trauensootum einbringen. Tatsache bat dazu geführt, daß der Führer des Landbundes, Dr. H e p p, der für das Ernährungsministeriura in Aussicht genommen war, seinersetts Schwierig- kesten macht.

Den Parteien muß ernsthaft gesagt werden, daß ein fortwährendes Spiel für das deutsche Volk nicht mehr erträglich ist und daß man den Parlamentarismus auf diese Weise an den Rand des Abgrundes führt. Bei einer solchen Kabinetts­bildung wird keiner restlos befriedigt werden kön­nen. Wenn man allen Bedenken nachgehen wollte, danv käme überhaupt kein Kabinett zustande. Wol­len die Parteien denn wirklich, daß den antiparla­mentarischen Wünschen radikalpolitischer Drahtzieher Vorschub geleistet wird?

3nm Reidjsgrünbtmgstag.

Die Berliner Hochschulen und die einzelnen studentischen Korporationen hielten am 18. Januar ReichsqründungSfeiern ab. Bei der Feier der Berliner Universität hielt Prof. Dr. Riet? die Festrede, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die alte Tradition wieder lebendig werde und Deutschland auS Ohnmacht und Knechtschaft zur Freiheit führen werde. Diese« Ziel sei ledoch nicht zu erreichen mit Durchschnittsleistungen und einer Pflichtarbeit, sondern der Patriotismus der Tat fordere mehr. ,

Nach einer Ansprache deS Sprecher« der Studenten- schäft sprach der Rektor der Universität, Professor Dr. Compeckij daS Schlußwort.

In der Technischen Hochschule hielt bei Architekturhistoriker Professor Dr. Krencker die Fest- rede. Nach einer kurzen Ansprache des Rektors Professor Orlich sand die Festversammlung mit dem gemeinsamen Gesang deS Deutschlandliedes ihren Abschluß.

In der Handelshochschule »ahm als erster Redner der Setter Professor Dr. R'klisch das Wort und gedachte deS Schöpfers bet Reichsverfassung, HugoPreuß, der von einem Lehrstuhl der Handels«. Hochschule fort zum ersten Reichsinnenminister der deutschen Republik berufen worden sei. Er gab ferner bekannt, daß der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Franz von Mendelsohn als Erster zum Ehrenbürger der Handelshochschule er­nannt worden sei zum Dank für sein« vielfachen Bemühungen um das Wobl der Hochschule. Die Festrede hielt Profestor Dr. Tieffen über daS Thema: Deutsches VatetlandSgefühl.

WOM1NMMM.M MM. Beffre 15 M.)

Fuldaer Zettung

Der Jung-o-ZaU.

Seit einigenTagen sind, wie gemeldet, Erhebungen gegen die de« Jnngdeutschen Ordens im

Gange. Die OrdenSleitung soll bekanntltch Ver­handlungen mit ausländischen Staatsmännern ge­führt haben, so daß von einem Hochverratsverfahren die Rede ist. Die OrdenSleitung veröffentlicht jetzt folgende Erklärung:

.TS find in Wirklichkeit einflußreiche fron- «Ssifche Staatsmänner an den Jungdeut- schen Orden herangetreten, «m eine für beide Völker nützliche Wandlung de» BerhätMiffeS zwischen Deutschland und Frankreich zu erörtern. In de« Augenblick, in welchem biete Erörterungen einen »weifet- Io» ernsten Charakter annahmen und über daS Matz einer persönlichen Unterhaltung hinausgingen, haben die Unterzeichneten e» für ihre Pflicht gehalten, in persönlicher Rücksprache den Herrn Reichspräsidenten ».Hindenburg zu unterrichten. Dieses ist bereits vor längerer Zett erfolgt"

Der Hochmeister des Jungdeutschen OrdenS ist, wie Wetter mitgeteilt wird, am 4. Januar als Führer eines weitverzweigten Bundes im Rahmen der allgemeinen Empfänge vom Reichspräsidenten empfangen worden. Er hat dabei von feinen Be­sprechungen mit dem Ausland Mitteilung gemacht. Ohne sich zu diesen Mitteilungen zustimmend zu äußern, hat ihn der Reichspräsident an die zu­ständige Stelle, das Auswärtige Amt, verwiesen. Dort aber ist von einem Dorsprechen deS Herrn Mahraun niemanden etwas bekannt. Wtewett ei taktvoll und richtig seitens deS Ordens war, den Reichspräsidenten in die Sache zu verwickeln, soll unerörtert bleiben. Es hat aber die gesamte Oeffent- lichkeit ein Interesse daran, zu wiffen, welchen Gang die Ermittlungen gegen den Orden nehmen und welcher Art die Besprechungen mit auswärtigen Staatsmännern waren.