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Anzeiger für die Sladl und den Kreis Fulda. Amkliches Kreisblakk.

Nr. 14.

@rfc6eittt kchSmal wöchentlich. Wochenbetlasen: Illustrierte Bei­lage" und .Buchenblötter". Notarwnsvruck und verlas der Siilboei > cticrtirderei in Pttlbo. Nernkdrecher 3fn 8.

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Dienstag, 19. Januar 1926.

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53 Zahrg.

Bor der Vollendung des Kabinetts.

wichtige Zraktionssitzungen.

f Aus dem Reichstag wird uns mitgetcilt: ' " Das Kabinett Luther, das sogenannte neutrale Kabinett der Mitte, steht jetzt vor seiner Vollen- dung. Die Verhandlungen haben sich deshalb so- I lange hanausgezogen, weil die Hauptaufgabe darin

bestand, ein Kabinett zu bilden, das wirklich eine politische Neutralität auch in der personalen

* Zusammensetzung zum Ausdruck bringt.

Wenn dieses Kabinett positive Arveit leisten soll, ; dann muß es in der Tat gleicherweise u n a b h S n- g i g von r e ch ts und von links sein. Es war darum nicht leicht, die Ministerien unter die der kleinen Koalition angehörenden Mittelparteien, d.e Deutsche Volkspartei, die Bayerische Dolkspartel, das Zentrum und die Demokraten, aufzuteilen. Es waren insbesondere bei dem Kampf um das Innen- jninifterium weniger Personenfragen als Fragen der prinzipiellen Einstellung zum heutigen Staat vorherrschend. Der Kampf um dieses Mini­sterium, auf das sowohl die Deutsche Volkspart« wie die Demokraten Anspruch erhoben und der | zeitweise die Gefahr eines völligen Scheiterns ' der Aufgabe Luthers und feiner Bemühungen zei­tigte, ist nun dadurch ausgeglichen worden, daß die Deutsche Volkspartei auf ihren Anspruch zugunsten der Demokraten verzichtete. Dafür sind ihnen aber neben dem Außenminister noch zwei weitere Mini- sterien und zwar das Verkehrs- und Voraussicht- sich das Ernährungsministerium zugeteilt.

Die Zusammensetzung des neuen Kabinetts wird etwa folgende fein: Kanzler Luther (keiner Partei zugehörig). Die Deutsche Volkspartei besetzt das Außenministerium mit Strefemann und das Der- kehrsminifterium mit Krobne und das Ernährungs­ministerium, dellen Kandidat noch nicht bestimmt feftfteht. Gemeldet wird als Anwärter der Lanr- bundführer Hepp. Die Demokraten beleben das Innenministerium, doch steht die Persönlichkeit da­

für noch nicht fest. Koch als Innenminister begeh- net bei der Bayerischen Dolkspartei noch Bedenken, die noch nickt ausgeräumt sind. Eine endgültige Entscheidung darüber wird erst im Laufe des Mon­tag stattfinden. Außerdem wird den Demokraten das Finanzministerium in dem sächsischen Finanz- minister Reinbolt zufallen. Für das Zentrum kommt in Frage das Justizministerium zugleich mit dem Ministerium für die besetzten Gebiete mit Marx, das Arbeitsministerium für Brauns, und das Wirt- schaftsministerium für den jetzigen Direktor des Schaffhauser Bankvereins in Köln, Dr. Bürgers. Geßler bleibt als Wehrminister, wird aber keiner Fraktion mehr zugeteilt. Die Bayerische Volkspar­tei wird dann in dem Postministerium mit dem be­währten Fachminister Stingl weiter vertreten fein.

Reichskanzler Luther wird am Montag die Ver­handlungen noch weiter führen und die Minister­lifte seststellen, über die dann am Montag abend 6 Uhr in Verbindung mit den Parteivertretern end- gültig Beschluß gefaßt werden soll. Bis dahin kön­nen sich allerdings noch Verschiebungen in dem einen oder anderen Ministerium namentlich bezüglich Finanz, Ernährung und Wirtschaft ergeben.

V. D. z. Berlin, 18. 3an. (Eig. Funkm.) 3m Reichstag traten heute die beiden Fraktionen der Bayerischen Volkspartei und der Deuk- fdien Volkspartei um 11 Ahr norm, zu Sihuuaen zusammen. Der Fraktionssitmng der Bayerischen Volksparkei mißt man enkscheidene De- deukuna bei. Dis Fraktionen des Zentrums und der Demokraten freien erst um 7 Uhr ab en d s zusammen. Die Besprechunaen des Reichskanzlers D r. Luther mit den Varteifüh- rern werden um 6 Ahr weiter fort ge­führt

vom Zaschistenfimmel.

Amtliche Jtalianisirung von Familiennamen.

Ein Dekret, welche? am Freitag im Amtsblatt erschienen, aber bisher von keinem Blatt aboe^rudf worden ist. ordnet an, daß in der Provinz Trient sämtliche Familiennamen, die lateinischen oder italieni'cken Ursprungs sind, aber in andere Sprachen überseht wurden, nunmehr die italienische Form annehmen muffen. Familiennamen mit fremdsprach­licher Enduna oder Orthographie muffen gereinigt werden. Familiennamen, die au? alten Ortsbezeich- nungen abgeleitet sind, sowie Adelsprädikate müssen italianisiert werden. Rein fremd prachige Namen können auf Antrag italianisiert werden. Dieses De­kret kann auch auf andere Provinzen ausgedehnt werden. Für Z uwiderhandlungen sind Geld­strafen von 500 bis 5000 Lire angesetzt.

Die Prügelgarde Mussolinis.

In der Sitzung der römischen Kammer am Samstag waren drei demo-soziale und etwa 25 Abgeordnete der Popolaripartei erschienen. Unmittel­bar nach der Sitzung stürzten sich einige Fascisten auf einige Mitglieder der Popolaripartei und schlugen auf sie ein. Drei Abgeordnete sollen mißhandelt ein vierter Abgeordneter verwundet Wo-den sein.

In der Kammersitzung am Sonntag war kein Vertreter der Aventinopposition anwesend. Die katholische Voltpartei hat in einer Mitteilung er­klärt, daß sie nach den bekannten Mißhand­lungen von oppositionellen Abgeordneten der Kam­mer fernbleiben müsse. Mussolini ergriff nach der Verlesung des Sitzungsproiokolls das THo-t und er­klärte, er bebaute, daß die Aventinopposition die Trauerfeier für die Königinmutter benutzt hätte, um in bet Kammer zu erscheinen. Die Aventinopposition müßte, so führte er aus, bevor sie in der Kammer «scheine, erstens die faScisiische Revolution öffent- sich anerkennen, zweitens ihr Bedauern aussprechen über die gegen den Fascismus geführte Kampagne, drittens jede Gemeinschaft mit den italienischen Emigranten abbrechen. die im Ausland gegen die Regierung hetzten. Solange er am Ruder sei, werde eS den Aventinparteien niemals erlaubt sein, die Kammer zu betreten, wenn sie diese Bedtngungen nicht erfüllen.

DieBrennerwacht*.'

Der Maler Marinetti hat an Farinocci ein Telegramm gesandt, in dem er namens der von ihm gegründetenBrennerwacht" für die radikale Jtalionisierung der italienischen Gren­zen eintntt und dem Sekretär der Faschistiichen Partei die Grüße der Generalversammlung entbietet Farinaeci antwortete in einem Danktelegramm, daß « die Gründung billige.

varbarische Nriegsführung.

JReuter berichtet auS Damaskus, daß verschiedene Dörfer in einem Umkreis von 15 Meilen um die Stadt wegen Unterstützung von Banden, die die Veirutbahn unterbrachen, von den Franzo en ein* geäschert wurden. Dix Franzosen versammeln, wir es heißt, Truppen in Esraa, um bei gutem Wetter «nen Angriff gegen den Dschebel DruS zu unter­nehmen. ______________________

Bom belgischen Kabinett. Wie Hadas auS Krüssel berichtet wird, wird Ministerpräsident Boul!et selbst intertmtftfcb das Ministermm für M nationale Verteidigung übernehmen

Amerika als Gläubiger.

wtb. London, 16. Januar. (Eig. Funkmeld.) Einer Blättermeldunq zufolge erklärte Mellon über ble Frage der Auslandsschuld bei den Derei- nintrn Staaten n. Amerika muß die Zahlungs­fähigkeit jeder Sckuldnernatisn in Betracht ziehen. Die gesamte Auslandsschuld ist für das amerika­nische Volk nicht so viel wert, rote ein gedeihendes Europa als Abnehmer. Wenn die Finanzen Euro­pas nicht wieder hergestellt werden, seine Wäh­rung nicht auf eine gesunde Grundlage gestellt wird und seine Böller nicht in der Lage sind, zu verdienen und auszugeben, wird Amerika nicht seine überschüssigen Erzeugnisse in Lebensmitteln, Roh- stosseu und Waren verkaufen können. Mellon führt in seinen Beispielen auch Deutschland an, das im Jahre-1923 für 149 Millionen Dollar amrrika- kanische Baumwolle eingeführt habe. Mit dem Dawesplan und einem richtigen Finanzsystem sei die Danmwottausfnhr im Jahre 1924 auf 233 Millionen Dollar gestiegen und habe in den ersten 10 Monaten des Lahres 1925 bereits 198 Millio­nen Dollar betragen. Mellon erklärte weiter, Amerika müsse mit Kapitalüberschuß durch private Anleihen in Europa für industrielle Zwecke helfen. Diese neuen Anleihen machten eine amerika­nische Ausfuhr möglich.

Demonstrationen in Paris.

Die gewerkschaftlich organisierten staatlichen und ftäbtischeii Beamten, Angestellten und Arbeiter hatten in Paris eine Kundgebung anberaumt, um für die Erhöhung ihrer Löhne gemäß der Entwertung deS Franken einzutreten. Die Kundgebung ist, tote bereits angekündigt, verboten worden, Trotz diese? Verbots und trotz strömenden Segen3 versammelten sich auf dem Place de la Concorde, wie HavoS be­richtet, etwa 4000 Manifestanten. Ein starkes Aufgebot von Polizei und Republikanischer Garde wurde in der Nähe des Platzes und länge der großen Boulevards bereit geha.ten. AIS die Manifestanten einen Zug bilden wollten, griff die Polizei ein. ES kam in oer Nähe der Tuillerien zu einem Zusammen­stoß, eben o später auf dem Opernplatz, wo die Manifestanten wiederum einen Zug formieren wollten. Dort Wurden einige Polizeibeamte leicht verletzt. Es gelang dann dem Sicherheitsaufgebot jedoch, die Menge zu zerstreuen.

Die im Verlauf der Kundgebungen von bet Polizei fcftgenommenen vier Personen wurden nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen. Im ganzen sind bei den Zusammenstößen zwischen Manifestanten und Polizei 16 Poltzeibeam te leicht verletzt worden.

* Die holländische Kab nettskrise. Wie halb­amtlich verlautet, sind die Versuche des christlich- historischen Führers Dr. de Visser, ein parlamentarisches Kabinett der Rechten zu bilden oder mindestens ein sich auf die Rechte stützendes Geschäftsministerium, in dem alle Minister des augenblicklich demiffionären Kabinetts einen Sitz haben sollten, endgültig als mißglückt anzusehen. de Visser will jetzi noch versuchen, em rein außerparlamentarisches Kabinett zu bilden.

Prof. Anton klavacek f. Am Samstag ist in Wien der Nestor der Wiener Landschaftsmaler, Prof Anton Klavacek, tm Alter von 84 Jahren gestor­ben.

Mischer Schritt wegen -er Mtzungstarke.

Die Nachrichten deSDaily Telegraph" über die endgültige Regelung der Stärke der Besatzungsarmee und über die Umgruppierung der Truppen haben der Reichsregierung Anlaß gegeben, diplomatische Schritte beidenNegierungendet Besatzungsmächte zu unternehmen, um eine Klärung der Lage herbei­zuführen. Hierbei wird seitens der deutschen Bot­schafter nachdrücklichst auf den Widerspruch hin- getoiefen werden, der zwischen der angekündigien Herabsetzung der Beiatzungstruppen auf 75000 Mann und den offiziellen Zusicherungen der Note der Bot- schasierkonferenz vom 16. November v. Js. besteht, in der eine Verminderung bet Truppen aufchiffres normeaux versprochen worden mar. Unter diesen chifire? normeaux kann auf Grund der mündlichen Abmachungen in Locarno und London nur die Zahl der Friedensstärke verdeutschen Truppen verstanden werden, die bekanuttich 45000 in der 2. und 3. Zone ausmachte. Rechnet man gewisse, Sonderformationen noch hinzu, so winde d-e künftige Zahl der Besatzungstruppen auf etwa 80000 Mann kommen.

Der engsische Derichk.

wtb London, 18. 3an. (Gig. Funkm.) Der diplomatische Derichterstatter desDaily Tele­graph" schreibk, der deutsche Botschafter habe wah­rend des Wochenendes im Rainen Stresemanns dem Unterfiaakssekretärs im englischen Auswärtigen Amt eine wichtige Mitteilung gemacht. Gleichzeitig mit dieser Demarche hätten solche in Varis und Brüssel stattgefunden. 3hr Zweck sei in erster Linie gewesen, die Absicht der Besetzungsmächte be­züglich der Stärke der militärischen firäfte zu er­fahren, die sie in der 2. Zone (Koblenz) und in der 3. Zone (Mainz) nach der Räumung der 1. (Köl­ner) Zone aufrecht zu erhallen beschlossen habe. Gegen den Beschluß der Botschafterkonferenz, daß die gesamte Garnison der Alliierten in der 2. und 3. Zone 75 000 Mann (60 000 Franzofen, 8000 Engländer und 7000 Belgier) betragen soll, hat Strefemann einen energischen Protest erhoben, da

dieser Beschluß dem Artikel 429 des Versailler Ver­trages widerspreche und mit dem Geiste des Lo- carnopafies unvereinbar sei. Dem Korresponden­ten zufolge ist dem deutschen Votschaster mitgetcilt worden, daß der Beschluß richtig roicbergegeben worden fei. 3n der anschließenden Erörterung habe der deutsche Botschafter die unglücklichen Rückwir­kungen bargetegf, die ein solcher Beschluß auf die innerdeutsche und die internationale Lage haben könnte. Der Berichterstatter erfährt, daß Berlin äußerste Anzufriedenheit mit der Antwort der MCiierfen zeige. Der Korrespondent oer- sucht auseinanderzusetzen, daß keine stichhaltige Begründung für die deutsche Ansicht zu bestehen scheine, wonach Artikel 429 des Versailler Vertra­ges verletzt worden sei, denn dieser Artikel bezieht sich allein auf die Besehungsperloden und nicht auf die Stärke der Vesetzungstruppen im besetzten Rheinland oder in einer bestimmten Zone. Dies sei eine Frage der Vereinbarung unter den alliier­ten Mächten. Andererseits werde in London ein beträchtliches Maß von Sympathie für die deutsche Ansicht ausgedrückt, daß der Locarnovertrag viel mehr zu einerunsichtbaren- Besetzung hätte füh­ren müssen, als zu einer größeren Dichte der Trup- pen in irgend einer Gegend, vor einigen Wochen hat sich die britische Diplomatie vergebllch dafür eingesetzt, um eine Lage, wie sie setzt entstanden sei, abzuwenden. Sie habe es für selbstverständlich an­gesehen, daß die Zurückbemfung von etwa 15 000 Mann britischer Truppen durch die Zurückziehung einer entsprechenden Zahl französischer Truppen beantwortet werde. Bei der Sparsamkeit im all­gemeinen dürfe keine Gelegenheit für eine baldige Verminderung der misitärischen Ausgaben ver­säumt werden. Rach der Räumung einer so wich­tigen Jone wie der Kölner Zone müsse der frühere Höchstbetrag von 240 Millionen wesenlich herabge­setzt werden können.

Ir. Stresenmn über die politische Lage.

Reichsaußenminister Dr. Strefemann sprach am Sonntag in München im Rahmen einer von der Deuffchen Volkspartei veranstalteten Reichs­gründungsfeier. Unter Bezugnahme auf dir Ausführungen des bayerischen Staatsrats Dr. Schmelzle, der Bismarcks Klugheit in der Behänd' lung der Bundesstaaten gerühmt hatte, sagte der Reichsaußenminister: Bismarcks Ausspruch:An einem zufriedenenBayern undSachsen liegt mir mehr als an hundert Paragraphen!- gelte auch für die Gegenwart. Rur solle man auch daran denken, daß diese Zufriedenheit ebenfalls nichtdurch Para- g r a p h e n allein zu erreichen sei, sondern aus jenem Gefühl der Zusammengehörigkeit des Reiche» und der in ihm vereinigten deutschen Stämme, was uns als wichtigstes Artivum aus dem verlorenen Krieg geblieben fei. Die Aufgabe der Gegenwart fei, in Deutschland das Instrument von Staat und Volk in der Einheit zu erhalten, um es für die Er­reichung einer besseren deutschen Zukunft Einsetzen zu können. Dazu gehört eine einheitliche nationale Politik. Wer die nationale Einheit wolle, dürfe nicht zwei Deutschland formen, von denen das eine dem andere das nationale Empfinden abspreche.

In feinen weiteren Ausführungen gab Reichs- außenminister Dr. Strefemann eine Darlegung der Grundgedanken, die zum Dawesabkommen und zu Locarno geführt hätten. Wer heute die Arbeits­losigkeit, das Elend und die Kreditnot auf das Da- wesgutachten zurückführe, fälsche bewußt oder unbe- mußt die geschichtliche Entwicklung. Wenn die frü­here Willkür der von Deuffchland erzwungenen Reparationen aufrecht erhalten worden wäre, hät­ten wir wahrscheinlich diesen Winter überhaupt nicht überstanden. Ohne das Dawesabkommen wäre die deutsche Währung nicht zu hakten gewesen. Weder das Dawesabkommen noch Locarno seien endgültige Lösungen für alle Zeiten, aber sie seien wichtige Etappen auf dem Wege zu einem Frieden. Der Pessimismus, der unsere Lage als unverbesser- bar ansieht, fei, gemessen an der Entwicklung der

Hus dem Reichsrat.

Der Reichsrat genehmigte zwei neue Verord­nungen zur ErwerbSlosenfüriorge. In der ersten wird bestimmt, daß für die beitraakpflichtigen Land- und Forstarbeiter als BefreiungSgrund für die Beitragszahlung gilt, wenn es sich zwischen ihnen und ihren Arbeitgebern nicht allein um einen schrift­lichen Arbeit vertrag, sondern um einen Tarifver­trag mit halbjähriger Dauer handelt. Durch die zweite Verordnung will die Reichsregierung dafür sorgen, daß die Beiträge im Reichsgebiet nicht in zu verschiedener Höhe erhoben werden und daß in Zeiten der Not den Gegenden, die unter besonders hohen Beiträgen leiden, ohne ihrer Pflicht zur Für­sorge damit voll genügen zu können, ein Ausgleich geboten wird. Zu diesem Zweck soll eine Reichs­ausgleichskasse errichtet werden, in die ein Teil der Beiträge abzuführen ift und aus der nachher wieder ein Ausgleich stattzufinden bat durch Gewährung von Zuschüssen an die überlasteten Gegenden.

TaS Gesetz über die Einbeziehung der höher bezahlten Angestellten in die Erwerbslofen- fürsorge kann nunmehr veröffentlicht werden, nach­dem der Reichsrat von dem Reichstagsbeschluß KeuntnL genommen hat, ohne Einivruch zu erheben.

letzten Jahre, ungerechtfertigt und km übrigen auch geeignet, uns im Auslande zu schaden anstatt zu nutzen.

Der wankende Glaube an die endgültige Lösung der Reparationsfrage durch bas Dawesabkommen fei im übrigen im Auslande stärker verbreitet als im Inland. Ob Locarno für die weitere Entwick­lung des Verhältnisses Deutschlands zu den anderen Staaten die Vorteile bringe, die davon erwartet werden, könne in dieser Stunde von niemand gesagt werden. Die Räumung der nördlichen Rheinlaad- zone solle man nicht nur vom Standpunkt der da- durch geschaffenen Erleichterungen für diesen leit des besetzten Gebietes, sondern auch vom geschicht­lichen Eesitspunkre der damit erfolgten Erschütte­rung und Wendung der einst von Foch und Clemen- ceau betriebenen Rdemlandpolitik würdigen. Man könne wohl betonen, daß die Aushebung des Dele- giertensystems und die damit in Aussicht gestellte weitgehende X$eimlnberung der Gendarmerie und viele andere Erleichterungen anerkennenswert feien, wie auf der anderen Seite die deutsche Regierung keinen Zweifel darüber lassen könne, daß sie eine Lösung der Frage der Stärke der Defatzungsttup, pen in der vomDaily Telegraph* angebenen Stärke nicht annehmen könne.

Der Reichsaußenminister bezeichnete bann bas Eintreten Deutschlands für die deutschen Minderhei­ten in Europa als eine Pflicht des Deutschen Reiches.

Wir werden, so schloß Dr. Strefemann, weiter kämpfen müssen, Tag für Tag, und Schritt für Schritt. Aber ein Recht, diese Politik zu kritisieren, hat nur der, der andere Wege zu weisen vermag. Wer das nicht kann, aber jede Aktivität lähmt, würde unsere Außenpolitik zu jener passiven Plan- lofigfeit verurteilen, wie sie Bismarck mit Recht als untragbar für ein Land In Deutschlands Sage schon zu Zeiten erklärte, da diese Lage eine bessere gewesen ist als die, in der wir leben."

Die Versammlung spendete dem Redner stürmt- scheu Beifall.

* Fürstenabfindung und Volksentscheid Der Vorwärts" meldet, baß bet sozialdemokratische Parteivorstand beschloß, die organisatorische Vor­bereitung für einen Volksentscheid über die Fürstenabfindung zu treffen. Der Beschluß des ParteivorstandeS ist, wie das Blatt schreibt, unter dem Emdruck der Tatsache gefaßt worden, daß nach der bisherigen Eniwickiung der Dinge wenig Aus­sicht besteht, im Reichstag eine Löii'ng zu erzielen, die dem Rechtsempfinden deS Volkes einigermaßen entspricht. Zu der Meldung einiger Morgenbiälter über das Zustandekommen einer Verständigung zwischen den Mittelparteien übet die Füriten- abfindnng erklärt dasBerliner Tageblatt", daß votläufig nur Verhandlungen übet die Schaffung eines besonderen Schiedsgericht» beim Reichs- gericht schweben.

* Der Akkoholfchmuggel in Amerika. AuS Dashing. ton wird gemeldet: Der Justizministez erklä'te, daß vom l. Juli 1925 bis 1. Januar 1956 24 ausländische Schiffe, die verbotene alkoholische Getränke geladen batten, beichlagnahmt worden sind. Darunter ronen 20 englischer Herkunft, zwei aus Cuba und zwei ouS Frankreich.