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FuldaerZertung

Anzeiger für die Skadl und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt

Mittwoch, 13. Januar 1926.

Nr. 9

nehmen.

DerVorwärts"

Influenza genötigt, däs Bett zu hüten, ziemlich hohes Sieber und zeigt Symp- Dronchitis-Katarrh. Seine Abreise nach die heute erfolgen sollte, ist verschoben

fall von Er hatte tome für Englani», worden.

Erkrankung Chamberlains.

wtb. Rapallo, 12. Jan. (Eig. Sunkmeldg.) Der englische Außenminister Sir Austen Chamber­lain, der heute von einem Ausflug nach Pisa hierher zurückgekehrt war, wurde durch einen An­

Herabsetzung des Reichsbank-Diskonts.

Die Bemühungen um die Schaffung einer Negierung. Hindenburgs erneuter Ruf zur Bildung der Großen Koalition.

Dieser Beschluß des Zentrums und die ernste Svrache die ans ihm herausklana, blieb nicht ohne Eindruck auf die übrigen Parteien, insbesondere die Sozialdemokraten, welchen die Rüge über das Versagen in der VsrantworMchkelt und den Pflichten gegenüber Volk und Vaterland ia am meisten gegolten hat. Selbst bei Persönlichkeiten, die man als mehr oder minder linksstehend inner­halb des Zentrums ansehen kann, ist das Wort von derunverantwortlichen" Haltung der Sozial­demokratie in aller Schärfe ausgesprochen worden. Und gerade diese Vertreter haben auch keinen Zwei-, fel darüber gelassen, daß für den Fall des Schei­terns der Großen Koalition auch die Eventuali­tät einer Koalition der Mitte in Kauf ge­nommen werden müsse. Ein Beamtenkabinett da­gegen fand allseitige Ablehnung.

Die Hauptbedenken der Sozialdemokra­ten gegen die Mitbeteiligung an einer Großen Koalition liegen weniger auf sachlichem als auf persönlichem Gebiet. Die Sozialdemokraten haben es heute noch nicht verwinden können, daß sie seinerzeit durch die Deutsche Volkspartei bezw. durch dis Taktik einiger Führer, die auch heute noch in der Deutschen Volkspartei maßgebend sind, wie­der herausgedrängt wurden. Sie befürchten ein gleiches Schicksal, sobald die großen Probleme, die mit den Maßnahmen zur Linderung der sozialen und wirtschaftlichen Not unserer Tage verknüpft sind, gelöst werden. Andererseits würden sie einer Großen Koalition, die etwa unter der Führung des jetzigen Reichskanzlers Luther stände, unter kei­nen Umständen beitreten, weil sie in Luther den Vertrauensmann der Rechten sehen. Am ehesten würden sich die Sozialdemokraten noch zu einer Großen Koalition verstehen können, wenn das Zentrum die Führung übernähme und wenn auch das Zentrum den künftigen Kanzler stellte. Als solcher wird für den Fall eines Zustandekom­mens der Großen Koalition am meisten Marx genannt.

Für wünschenswert würde es gerade bei den Mittelparteien gehalten, daß auch in einem Kabi­nett der Großen Koaliton wieder Luther und Stresemann verteten wären. Stresemann würde schon durch seine Person Gewähr dafür bie­ten, daß die von ihm eingeleitete und verantwort­lich durchgeführte Locarnopolitik auch weiterhin innegehalten und damit die Stabilität unserer künf­tigen außenpolitischen Maßnahmen sichergestellt würde. Luther würde als Finanzmnister mit am besten am Platze sein, und wir glauben zu wissen, daß Luther einer Regierung der Großen Koalition in dieser Eigenschaft sich auch zur Verfügung stellen würde. Die finanz- und wirtschaftspolitischen Maß­nahmen, die Luther seinerzeit, als er das Amt des Reichsfinanzministers bekleidete, zur Ueberwin- dung der Inflationskrisis unter der Kanzlerschaft Marx unternommen hat, haben ihm gewiß manche Feindseligkeiten eingebracht, sie haben aber auch andererseits erkennen lassen, daß Luther ein ziel­bewußter, energischer und tatkräftiger Mann ist, dem solche Dinge sehr wohl anvertraut werden kön­nen. Heute stehen wir wirtschaftlich in der soge-

Erscheint 'echkmal wöchentlich. Wochenbeilagen: .Illustrierte Bei­lage" und .Buchenblätter". Swtat>onrdruck und Verlag der puldaer S ktiendiucherei in Nvlda. ssernlvrecher Nr. 9.

Monatlicher Beruarvrei?: 1.50 Mk.

wtb Berlin, 12. Ian. (Tel.). Die Reichs- bank hat den Wechsel-Diskont von 9 auf 8 und de« Lombard-Zinssuß von 11 auf 10 Prozent her­abgesetzt.

Die Herabsetzung des Diskonts, die schon seit Tagen erwartet wurde, hat für das gesamte deut­sche Wirtschaftsleben große Bedeutung.

Bei Hindenburg.

Bei Reichspräsident von Hindenburg hat am Montag nachmittag um 5 Uhr der angekündigte Empfang der Abgeordneten Dr. Koch und Feh­re nb a ch, der Vorsitzenden der demokratischen und der Zentrumsfraktion, stattgefunden. Der Reichs- vräsident legte in der Besvrechung dar, daß er mit Rücksicht auf die Fialtung der Parteien es für not- wendig halte, daß noch einmal der Versuch ge­macht werde, zu einer stabilenMehrbeitim Reichstage in der Form der Großen Koali­tion zu gelangen. Er ersuchte die Abgeordneten Dr. Koch und Fehrenbach, Klarheit darüber zu schaffen, ob die Große Koalition zustande kommen könne.

Rer Reichspräsident betonte gleichzeitig, daß es notwendig sei, möglich st bald darüber eine Entscheidung herbeizuführen, da sich die Reaie- runasbild'lng nicht länger hinauszöaern lasse. Der Reichsvräsib-'nt ließ deutlich erkennen, daß er eine endgültige Mitteilung hinsichtlich der Großen Koa­lition bis zum Donnerstag erwarte. Nach Ablauf dieses Termins werde er von sich aus von neuem die Initiative eroreifen und den Auftrag zur Kabinettsbildung erteilen.

Abgeordneter Dr. Fehrenbach machte dem Reichspräsidenten offizielle Mitteilung von dem Sonntagsbefchluß der vereinigten Zentrumsfrak­tion, den er noch eingehend erläuterte.

Syrien.

Wahlunruhen in Beirut.

Wtb Paris, 12. Ian. ((Eifl. Funkm.f Wie Savas aus Beirut meldet, hat im Verlaufe der Wahlen in Aleppo eine kundflebunfl statt­gefunden, weshalb die Wahllokale geschlossen wor­den sind. (Etwa 1300 Manifestanten feien in das Gefängnis einaedrunqen und hätten die Tore ge­öffnet. Die Ruhe fei jedoch wieder hergestellt worden. (Ein Zivilgefangener, ein Polizist und 8 Manifestanten seien getötet worden. (Ein sran- zösischer Offizier wurde verwundet.

vom deutschen Verkehrswesen.

Reichsverkehrsminister Dr. Kröhne über seine Ziele.

Reichsverkehrsminister Dr. Kröhne hielt in Esten vor der Volkswirtschaftlichen Vereinigung für die Ruhr einen Vortrag über die von ihm verfolg­ten Ziele.

Ausgehend davon, daß der Verkehrsminister auf die Reparationslasten der Reichsbahngesellschaft Rücksicht zu nehmen habe, erkannte der Minister an, daß die Wirtschaft billigere Tarife be­dürfe. Eine allgemeine Tarifsenkung würde aber zu Ausfällen führen, da eine entsprechende Der- kehrsvermehrung nicht erwartet werden könne. Bei der Gestaltung einzelner Tarife jedoch würden auch die Reparationsgläubiger einsehen müssen, daß die Reichsbahn nur aus einer lebendigen Volkswirt­schaft Einnahmen einziehen könne. Die Reichs- bahngesellschaft habe die eingehende Nachprü­fung des gesamten Normaltarifs ein­schließlich der Gütereinteilung singeleitet. Daß die Durchfuhrtarifpolitik der Reichsbahngesellschaft für die deutsche Wirtschaft Gefahren brächte, erkannte der Minister an, wies aber darauf hin, daß die Reichsbahn den ihr vom Ausland aufgezwungenen Kampf aufnehmen müsse, um nicht bei der Ver­teilung des europäischen Gesamtverkehrs den ihr zukommenden Anteil dauernd zu verlieren.

Auch für die Binnenschiffahrt mußte der Minister Dr. Kröhne die starke Wirkung des Versailler Vertrages betonen. Ge­fährlich sei die Zurückdrängung der deutschen Schif­fahrt vor allem auf dem Rhein durch die aufge- zwungene Ablieferung von Schiffsraum. Reoie- rungshilfe könne kaum entbehrt werden. Der Mi­nister erkannte die Berechtigung der Bedenken mancher Industriekreise gegen zu starke Inan­spruchnahme des Weltkapitalmarktes für Kanal­bauten an, bemerkte aber, daß ohne Zuver­sicht Wirtschafts- und Verkehrspolitik überhaupt nicht betrieben werden könne. Auch der Der- kehrsaparat müsse weiter auf die Höhe gebracht werden.

Zu diesem Verkehrsavarat gehöre die Luft­schiffahrt. Der Minister wies auf die Erschwe­rungen unserer Luftfahrt durch das Ausland hin. 317 jungen deutschen Flugschülern stünden 10 000 nach dem Krieg ausgebildete französische Piloten gegenüber. Es sei unbillig, unter diesen Umstän­den von einer militärischen Bedrohung seitens Deutschland zu reden. Der Luftverkehr könne heute nur noch durch Subventionen aufrecht er­halten werden. Reichsseitig werde man vorwie­gend die großen transkontinentalen Linien fördern, daneben auch die technische Entwicklung. Eine Entwicklung der deutschen Luftschiffahrt sei aber nur möglich, wenn die durch den Versailler Ver­trag Deutschland aufgezwungenen Bedingungen und Begriffsbestimmungen beseitigt würden.

Im K r a ftfa h r zeu g v e r k e h r müsse Deutschland den Rückstand gegenüber anderen Na­tionen aufholen. Normung und Verringerung der Typenzahl müsse Bau und Betrieb verbilligen. Die Reichsbahngesellschaft müsse mit dem Kraftverkehr Zusammenarbeiten, dürfe ihn jedoch nicht mono­polisieren. Schon die heutige Entwicklung haben den Straßenbau vor schwerwiegende technische und finanzielle Fragen gestellt. Ein Entwurf über die Neugestaltung der als Zwecksteuer gedachten Kraft- fahrzeugsteue'r liege zurzeit den gesetzgebenden Kör­perschaften vor.____________________

Kur dem fernen Osten.

Die Lage in der Mandschurei.

Wie aus M u k d e n gemeldet wird, hat Tschang- tsolin die Verbindung der Mandschurei mit Peking sowie auch alle amtlichen Beziehungen abgebro­chen.

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Das gekränkte Japan.

Aus Tokio wird gemeldet: Nach Meldun­gen aus dem Ministerium des Auswärtigen ist die japanische Regierung über die Folgen des Zwischenfalls, den der der brasilianische Botschafter am 8. 1. mit der Polizei hatte, sehr be u n r u h i g t, da die Vertreter der patriotischen Verbände im Ministerium vorsprachen, um die Abberufung des Botschafters zu verlangen. Sie weisen darauf hin, daß das Verhalten des Botschafters eine Beleidi­gung des japanischen Ka i s e r h a u s es dar­stelle. Gleichzeitig versichern sie allerdings, ihr Verlangen bedeute keine Feindseligkeit gegen Bra­silien, dem sie mit größter Hochachtung und freund­schaftlichen Gefühlen gegenüberständen. Die japa­nische Regierung hat den dringenden Wunsch, einen diplomatischen Zwischenfall zu vermeiden, und wird deshalb die Erledigung der Angelegenheit der Poli­zeiverwaltung überlasten.

Iapanischer Pessimismus über China.

Reuter meldet aus Tokio: In Anbetracht der Folgen, die sich aus der Politik des Marschalls W u P ei F u und der ihm kürzlich gemachten Vorschläge eines militärischen Bündnisses ergeben könnten, schätzt man hier die Aussichten der in Peking zusammentretenden Exterritoriali- tätskonserenz nicht sehr günstig ein. Man nimmt an, daß Fengyuhsiang bis auf weiteres in der Mongolei bleiben wird. Die japanische Re­gierung fürchtet, wie verlautet, daß die chinesi­schen Wirren sich weiter fortsetzen wer- den, da der ftühere Gouverneur der Provinz Tschili und der Anhänger Tschangffolin, Id Tichinglin, * ' kürzlich geschlagen wurde, eine neue Armee in Schantung aufstellen soll, um in Kürze die Kampf- -Ltigkeit wieder aufzunehmen.

* Faschistische Forderung an einen Fürstbischof. Der »Lokalanzeiger" meldet aus Innsbruck, daß eine Gruppe von Faschisten vom Fürstbischof von B r i x e n die Herausgabe des Schlosses Brunach gefordert habe, das in eine Milizkaserne umgewandelt iverdi» fall. Das Verlangen sei abgelehnt worden.

Zur Frage der Beteiligung der Sozialdemokraten an einer Regierung der Großen Koalition im Reiche schreibt der .Vorwärts":

. Eine entschlossen republikanisch gesinnte, den sozialen Forderunaen der arbeitenden Masten ent­gegenkommende bürgerliche Partei oder Parteien­gruppe, mit der die Sozialdemokratie eine Mehrheit bilden könnte, besteht nicht. Solange sie aber nicht besteht, bleibt jede Koalition bestenfalls nur ein Rettnngsmittel in höchster Not oder eine Der- legenbeitslösilng.

Zu den Ausführungen des preußischen Minister­präsidenten schreibt das Blatt: Die entscheidende Frage bleibt, ob es zur Zeit möglich ist, eine stabile Mehrheit zu schaffen und in ihr wichtige Arbeiter- sorderungen durchzusetzen. Aus diesem Gesichtspunkt heraus wird auch die sozialdemokratische Reichstags­fraktion ihre Entscheidung treffen.

Die .Tägliche Rundschau' sagt: Beschweren die Sozialdemokraten ihr ettoaigeS Ja mit der Last ihrer damaligen Voraussetzungen, so sprechen sie damit ein Nein aus. Notwendig ist eine sozialdemokratische Entscheidung, ob sie ebenso wie die anderen Parteien ohne parteipolitische Voraussetzungen die Verant- Wortung übernehmen will, allein in der Absicht, eine sachliche Regierungspolitik zu treiben.

Aus dem Reichstage.

Der Aeltestenrat des Reichstages wird zur Entscheidung über die nächsten Dispositionen für die Reichstagsarbeiten am Mittwoch Vormittag zusammentreten.

Der AuswärtigeAus schuß deS Reichstages, der gleichfalls am Mittwoch Vormittag zusammen- treten wird, wird die in seiner letzten Sitzung nicht mehr zur Verhandlung gekommenen Gegenstände, den Fall Stratil-Sauer sowie die Auswirkung des LocarnovertrageS, behandeln.

nanntenGesundungskrise", die sicherlich ohne schmerzliche Eingriffe nicht überwunden werden kann, für die aber eine starke Natur und eine feste Hand notwendig sind.

Wenn eine Große Koalition zustandekommt, dann ist naturgemäß die Voraussetzung, daß auf allen Seiten auf billige Agitation verzichtet wird. Es werden viele Wünsche zurückgestellt werden müs­sen, wenn man zu dem gleichen Ziele kommen will. Und dieses Ziel kann jetzt nur sein, die politische und insbesondere wirtschaftliche Notlage unseres Landes, die ungeheure Gefahren in sich birgt, mit gemeinsamen Kräften lindern und beheben zu hel­fen. Die Sozialdemokratie muß es sich von Anfang an gesagt fein lasten, daß billige Agitationsanträge, die sie oft genug stellte, eine Unmöglichkeit wären im Zeichen einer Gemeinschaftsarbeit, deren Ziel die Befriedung unserer gesamten innerpolitischen und innerwirtschaftlichen Verhältniste fein muß. Die anderen Parteien werden sich nicht dafür hergeben, solche sozialdemokratischen Agitationsanträae, weil sie einfach nicht auszufübren waren, niederstimmen zu müssen und damit den Sozialdemokraten die Freiheit zu geben, im Lande draußen Agitation gegen dieselben Parteien zu treiben, mit denen sie die übrige Politik zusammenmachen wollen.

Die Zusammenfassung der positiven Kräfte muß mit allen zweckdienlichen Mitteln erreicht werden, und wer sich dieser Aufgabe versagt, hat die schwerste Verantwortung vor dem ganzen Volke zu tragen.

Sozialdemokratische Erklärungen.

Der preußische Ministerpräsident für eine Große Koalition.

Der preußische Ministerpräsident B r au n tritt in e'nem, demBerliner Tagebl." gewährten Interview, enffchieden für die Be'eiliguna der Sozialdemokratie an der Reichsreaierung ein, die, nachdem sie fahr- rebntekcina für da« parlamentarische System gekämpft habe. e5 setzt nicht verneinen dürfe, indem sie ihre positive Mitarbeit versaae. Unter Berufung auf feine fast siebenjäbriae Erfabrnna ofS, Minister er­klärte er, die Sozialdemokratische Partei werde vieles tun können, um die Auswirkungen der gegenwärtig herrschenden furchtbaren Wirtschaftskrise erheblich zu mildern. ^VonBedingungen" undPro- "rammen" halte ich nach meiner Erfahruna nichts. Es komm' jetzt olle? daraus an, daß die vier Parteien, die die Große Koalition bilden müsten, von dem Ernst beseelt sind, unter zeitweiser Zurückstellung eigner Grundsätze und Forderungen das zu tun, was die schwierige politische und wirtschaftliche Lage unseres Volkes heischt. Die Politik der Großen Koalition auch im Reiche mehrere Jahre konsequent durchgeführt, würde ro sichtbare Erfolge nach innen und außen zeitigen, duß daran alle Verleumdungen von recht? und von UnkS wirkungslos zerschellen muffen. Deshalb muß die Sozialdemokratische Partei Vertrauen zu ihrer inneren Kratt beweisen und die Verantwortung an der Reichsregierung mitüber-

Dom Völkerbund.

Sie vorbereitende Abrüstungskonferenz.

Wie Reuter erfährt, verlautet, daß Chamberlain nicht an der Tagung des vorbereitenden Ausschusses teilnehmen, sondern erst im März zur Tagung des Dölkerdundsrates nach Genf reisen werde. Sollte die Tagung des vorbereitenden Ausschußes, wie ge­plant, im Februar ftattfinben, so werde sicherlich Lord Cecil als Hauptoertreter der britischen Regie- rung an den Verhandlungen teilnehmen.

Wie Reuter zu wisten glaubt, bestehen beträcht­liche Meinungsverschiedenheiten über die Ausdehnung der Arbeiten des vorbereitenden Ausschusses für die Entwaffnungskonferenz, dessen Zusammentritt deshalb wahrscheinlich verschoben wird. Die Vereinigten Staaten wünschen die Ab­rüstung zur See von der Abrüstung zu Lande zu trennen, während Frankreich, Italien und Japan sich jedem derartigen Trennungsvorfchlag wider­setzen.

Die Internationale Kommission für geistige Zusammenarbeit wird am 14. Januar in Paris zu ihrer 7. Tagung zusammen­treten. Bon den Punkten der Tagesordnung ist die Frage der Behandlung des Völkerbundes und feiner Ziele im Schulunterricht zu erwähnen, deren Prüfung die Kommission im Auftrage der Völker- bundsverfammlung übernommen hatte. Sodann wird sich die Kommission mit dem Statutenentwurs des Internationalen Instituts für Vereinheit­lichung des Privatrechtszu befaffen Haber«, welches in Rom zu gründen und unter der Leitung des Völkerbundes zu stellen sich die italienische Re­gierung erboten hat. Schließlich wird die Komis» sion von den Arbeiten der Unterkommission für Literatur und Kunst, die am 12. und 13. Ja­nuar in Paris tagt, Kenntnis nehmen. Im Laufe dieser Tagung der Kommission und zwar am 16. Januar wird die offizielle Einweihung des in Paris von der französischen Regierung ins Leben gerufenen Internationalen Instituts für geistige Zusammenarbeit ftattfinben, welches als ständiges Organ der Internationaler, Kommission für geistige Zusammenarbeit dienen soll.

3ur zrankenfälschungrasfäre.

Die Dank von Frankreich stellt Schadenersatzan­sprüche an den Prinzen Windisch-Grätz.

Aus Budapest wird gemeldet: Der Präsident der Staatsanwaltschaft erklärte Journalisten gegen­über, daß die Bank von Frankreich beabsichtige, im Zusammenhang mit der Fälschungscmgelegenbeit Forderungen privatrechtlicher Natur an den P r i >. zen Windisch-Grätz zu stellen.

Deutschfeindliche Ausnutzung.

Der LondonerEvening Standard" schreibt in einem Artikel: DasEcho de Paris" macht den Versuch, ohne irgendwelche Beweise für seine Behauptungen die französische Oeffentlichkeit da­von zu überzeugen, daß die ungarischen Kom­plotte in Deutschland geschmiedet wurden. Es gibt immer noch Leute in Frankreich, die be­reit sind, alles Mögliche an den Haaren herbeizu­ziehen, um gegen Deutschland Stimmung zu machen. Rückkehr des ungarischen Gesandten nach Paris. Der ungarische Gesandte in Paris, Baron Kore- anyi, der sich einige Tage in Ungarn aufgehalten hat, ist auf feinen Posten nach Paris zurück­gekehrt.

Meinungsaustausch in der Kleinen Entente.

Wie die Agentur Orient Radio wissen will, hat das rumänische Ministerium des Auswärtigen im Zusammenhang mit der Fälschungscmgelegenheit in Ungarn mit Belgrad und Prag einen Mei­nungsaustausch zwecks Maßnahmen zum Schutze der gemeinsamen Interessen eingeleitet.

Reue Verhaftungen.

Der verhaftete Dr. Schwetz ist Beamter der Landeszentralkreditgenossenschast. Er wird be­schuldigt, mit Andor in Mailand falsche Franken­noten in Verkehr gebracht zu haben. Die Polizei hat ferner den Budapester Fabrikanten Dr. Bela Mankowics, einen Bruder des im Haag vechafteten Mankowics, in Haft genommen. Er war bereits vor einigen Tagen einem polizeilichen Verhör unterzogen, aber wieder entlassen worden. Inzwischen hat die Polizei Beweisstücke gefunden, wonach Bela Mankowics es war, der am 21. Dezember, also sofort nach Entdeckung der Fäl­schungen im Haag bei einer Budapester Bank 350000 ungarische Kronen lombardierte und 150 Stück Tausendfrankennoten zurücklöste.

Wie die Blätter weiter melden, soll Prinz Windisch-Grätz bei einem neuerlichen strengen Verhör weitere Personen namhaft gemacht haben, die in der Frankenfälschungsangelegenheit verwickelt sein sollen. Die Polizei habe deshalb weitere Vorladungen und Hausdurchsuchungen an- geordnet.

Sie Rolle des Schulze.

Den ungarischen Blättern zufolge soll der im Zusammenhang mit der Frankenfälschungsangele- genheit verhaftete Gerö angegeben haben, vor meh­reren Monaten habe sich ein Deutscher na­mens Schulze bei Nadossy gemeldet und ihm mitgeteilt, daß in einer bayerischen Stadt eine völ­lige Werkstatt für die Herstellung von 500-Fran- kenscheinen eingerichtet sei. Der. angebliche Schulze habe Nadossy weiter erklärt, daß, bevor man den Druck der Noten beginnen konnte, die deutsche Po­lizei von der Werkstätte Kenntnis erhielt, sodaß die Fälscher kaum Zeit gehabt hätten, die Werkstatt in die Luft zu sprengen und die Beweisstücke zu ver­nichten. Schulze habe schließlich seine Dienste zur