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Nr. 5.
Anzeiger für die Sfaöi und den kreis Fulda. Amlliches kreisblalk.
| Freitag, S. Zanuar 1926. |
53 Zahrg.
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Mussolinis Absicht auf deutscheKolonien.
Von einem besonderen Vertreter wird uns aus Rom mitgeteilt:
Die Aussprache, die Mussolini in Rapallo mit dem englischen Außenminister Chamberlain hatte, gewinnt für Deutschland eine ganz außerordentliche Bedeutung durch die Tatsache, daß bei dieser Gelegenheit auch über die Befriedung des italienischen Anspruchs auf Kolonialbesitz gesprochen worden ist. In römischen Regierungskreisen ist man über Mitteilungen in dieser Angelegenheit außerordentlich zugeknöpft, was ja wohl daran liegt, daß über diese Dinge nur einige wenige Persönlichkeiten unterrichtet sind.
Wie wir nun von besonderer Seite hören, hat Italien durch Mussolini schon seit längerem die Anregung unterbreitet, von dem ehemaligen deutschen Kolonialbesitz, der nach dem Verlust des Krieges Deutschland weggenommen wurde, einen Teil zu erhalten. Italien hat es ohnehin bisher nicht verwinden können, daß es bei der Verteilung der Kolonialmandate so stiefmütterlich behandelt wurde. Gerade in den letzten Wochen ist in der italienischen öffentlichen Meinung, insbesondere in der fasci- stischen Presse, die ja jetzt fast ausschließlich das Land beherrscht, die Forderung nach Kolonialbesitz für Italien erhoben worden. Natürlich wurde dieser publizistische Feldzug inszeniert auf Anregung der Regierung selber.
Jetzt wollen gut unterrichtete Kreise wissen, daß Mussolini Chamberlain die Anregung unterbreitet habe, das ehemalige deutsch-o st- afrikanische Gebiet als Kolonialbesitz für Italien zugesprochen zu erhalten.
Eine Bestätigung dieser Information ist im Augenblick allerdings auch in Rom noch nicht zu erhalten gewesen. Auf die römischen, von Regierungsseite ausgehenden Informationen ist ohnehin nicht viel zu geben. Man muß schon seine „besonderen Beziehungen" haben, um etwas in solchen Dingen zu erfahren. Und da hört man nun, daß tatsächlich Italien schon lange nach Deutsch- Ost-Afrika blickt, ja es soll sogar schon einmal von der italienischen Regierung der Plan erwogen worden sein, dieses Gebiet gewissermaßen den Deutschen abzukaufen. Man sprach davon, daß eine bestimmte Summe, man nannte einige hundert Millionen Goldlire, für die Erwerbung dieses Gebietes bereitgestellt werden sollen, die von den Kriegsentschädigungen, auf die Italien von England und Frankreich Anspruch hat, in Abzug gebracht, andererseits Deutschland auf Reparations- konw gutgeschrieben werden sollten. In Wahrheit würde Deutschland also für die Hergabe dieses Besitzes nicht einen einzigen Pfennig erhalten, es würde lediglich auf dem Papier eine, auch noch nicht einmal nennenswerte Entladung von seinen Reparationsverpflichtungen eintreten. Es ist sehr wohl erklärlich, daß Italien wie so manche andere Macht auf dieses, wohl am besten organisierte
Kolonialgebiet in Deutsch-Ost-Afrika begierlich ist. Dort befinden sich mit die größten deutschen Unternehmungen, Bahnanlagen, industrielle und gewerbliche, sowie Hafenanlagen, gleichzeitig mit stattlichen Gebäuden, die alle in der Abfindungssumme abgegolten werden soUen. Es wären in jenen Gebieten für den neuen Besitzer kaum größere finanzieUe wie sonstige wirtschaftliche Anstrengungen zu machen, und Italien würde das natürlich ganz besonders zusagen, da bei dem recht erschütterten Zustand seiner Währung und bei den außerordentlichen Kosten, die ihm die Durchhaltung der fascistischen Miliz aufbürdet, größere Aufwendungen solcher Art nicht möglich wären.
Es wäre interessant zu hören, welche SteUung der englische Außenminister zu diesen Anregungen Mussolinis eingenommen hat. England wird sich ja wohl klar darüber sein, daß Italien dafür, daß es durch die wiedererrungene Vorherrschaft der englischen Flotte im gesamten Mittelmeere in Bezug aus seine Seegeltung an die Wand gedrückt worden ist. ein gewisses Pflaster haben muß. Mussolini sucht ja ohnehin schon die Italiener mit Verheißungen und Versprechungen, mtt fanattschen, zuweilen geradezu vom Größenwahn inspirierten Schilderungen über die „Mission" Italiens auf Erben, bei guter Laune zu erhalten, sie jedenfalls über die mangelnde Geltung zu Wasser unb zu Laube hinwegzutäuschen.
Andererseits ist es allerdings auch richtig, baß England in Italien einen gewissen Gegenspieler sieht, den es sich nicht ohne weiteres verprellen will. So bars man als sicher anuehmen, baß jetzt bie Besprechung der beiden Staatsmänner in Rapallo dem Zweck diente, den nicht nur für England, son- dem auch Italien beunruhigenden Auswirkungen der soeben zustandegekommenen Verständigung zwischen den Türken unb Sowjet-Rußland durch einen Gegenblock die Spitze zu bieten. Es ist sehr leicht möglich, daß auf diese Weise eine Vereinigung der am Mittelmeer interessierten Staaten unter nomineller Führung Italiens und materieller ausschlaggebender Unterstützung Englands erwächst.
So sehen wir wieder die Bündnispolitik, wenn auch in neuen, sozusagen modernisierten Formen, erwachsen. Eine Kombination erzeugt die andere und eine jede ist geboren aus Mißttauen, aus Neid, aus Gegnerschaft, und eine jede birgt somit in sich hinwiedemm, gewollt oder ungewollt, Keime des Kampfes; ....
So ist es durchaus mögllch, daß einerseits das Verlangen der Italiener nach deutschem Kolonialbesitz und andererseits die Verständigung Italiens mit England über die gegenseitige Wahrung der Interessen in Asien miteinander in enger Verbindung stehen. Jedenfalls ist es notwendig, daß die italienischen Ansprüche auf die deutschen Kolonialgebiete rechtzeitig in ihrer Tendenz wie in ihrer Auswirkung erkannt werden.
Auf dem Weg zu einer Regierung.
Vor den Partei- und Gewerkschaftsfunktionären der Sozialdemokratischen Pattei hielt zu Beginn dieser Woche der bekannte Reichstagsabgeordnete Hermann Müller ein Referat über „Regierungskrise und Arbeitsgemeinschaft". Die Ausführungen, die er machte, haben einmal ihres Inhaltes wegen, zum anderen aber wegen feiner Stellungnahme zur Regierungsbildung das weiteste Interesie in Anspruch genommen.
Hermann Müller stellt sich in Gegensatz zu anderen sozialdemokratischen Führern und hält eine Beteiligung an der Regierung zurzeit für u n m ö g- l i ch. Er nahm dabei auch auf die Verhandlungen bezug, die der demokratische Führer Koch vor Weihnachten zum Zwecke der Regierungsbildung auf der Grundlage der Großen Koalition mit den verschiedenen Parteien geführt hat. Die Punkte, in denen keine Einigung erzielt werden konnte, sind nach Hermann Müller zuerst die Frage der Fürstenabfindung. Hier ist nach seiner Ansicht das „Zentrum zu stark mit seiner Vergangenheit belastet, weil für die Katholiken das keine politische Frage fei, sondern sie das Rechtsmoment nicht ausschalten lassen wollen". Die Hauptschwierigkeiten liegen aber in den sozialpolitischen Forderungen. Hier sind es insbesondere die Fragen der Arbeiterfchutzgesetzgebung und der Erwerbs- lofenfürsorge. Die Formulierung, die hier unter Koch zustandegekommen ist, bezeichnete Hermann Müller als unannehmbar. Den Sozialdemokraten, so führte er aus, genügte zur Ratifikatton des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag Frankreich und Belgien, während das Programm Kochs auch unter Zustimmung des Zen- ttums und auch der Deutschen Volkspartei auch England dabei haben wollte. Strittig blieben ferner die Frage der paritätischen Besetzung der Industrie-, Landwirtschafts- und Handelskammern und ebenso die Frage der von den Sozialdemokra- ten gefordetten Offenlegung der ©teuer- ‘tfien, die stärksten Widerspruch fand.
. Man sieht hieraus, daß Hermann Müller nach wie vor auf dem hier kurz umrissenen sozialdemv- kratischen Programm beharrt und die Richterfül- lung dieser Mindestforderungen einen Beitritt der «ozialdemokatie in eine Regierungsbildung auf der Grundlage der Großen Koaltion nach seiner Ansicht unmöglich macht. Er fand auch die Zu» Itimmimg der Mehrheit, der Funktionäre. Das kam m der Resolution des Abgeordneten Rosenfeld zum Ausdruck, die nicht nur die ablehnende Halsung der Reichstagsfraktion billigte, sondern dar- *®er hinaus und sogar der Erwartung Ausdruck «ab, „daß die Fraktion, wenn jetzt erneut der Ver
such der Bildung einer solchen Regierung gemacht werden sollte, abermals die Beteiligung an dieser Koalition ablehnt. Denn nur eine solche Haltung — so heißt cs zum Schlüsse der Resolution — entspricht den Interessen der Partei und denen der werktätigen Bevölkerung.
Ganz abgesehen davon, daß i:efe Haltung der Berliner Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre noch lange nicht der der übrigen Sozialdemokrat s im Reiche entspricht — dafür geben doch mannigfache Stimmen führender Leute wie Scheide- m a n n und Noske beredtes Zeugnis, heißt das doch schließlich keine Politik machen, wenn so eine große Partei wie die Sozialdemokratie mit ihren 131 Sitzen im Reichstag sich vorn Willen der Groß- Berliner Funktionäre eine Meinung aufoktroyieren läßt und zuschauen will, daß die übrigen Parteien des Reichstages eine Regierung zufammenbrinaen. Hermann Müller kommt im Verlauf seines Referats auch darauf zu sprechen, daß „die Beit wieder kommt, in der es zu einer Regierung der Großen Koalition komme". Er führt dabei aus: „Vorbedingung dafür ist allerdings, daß man sich über das Fundament einig ist, auf dem die Politik der neuen Regierung geführt werden soll, und schließ- lich muß auch ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis bestehen". In dieser Hinsicht könnte sich aber der sozialdemokratische Führer und mit ihm ein großer Teil der Partei, die jetzt auf ihren sogenannten Mindestforderungen beharren und die Große Koalition ablehnen, stark irren. Denn auch in der Frage der Regierungsbildung kann es leicht ein Zuspät geben, und, wie wir wiederholt nachgewiesen haben, deren Aufhalten nicht mehr in der Möglichkeit der bürgerlichen Parteien der Mitte liegt unb vor allem nicht mehr in dem Willen der Sozialdemokratie.
Unb gerade, was Hermann MMer als Vorbedingung für das Fundament der Großen Koalition und für die Beteiligung der Sozialdemokratie an ihr annimmt, das wollen auch die übrigen Parteien erfüllt sehen, außer einem gegenseitigen Vertrauensverhältnis auch ein Eingehen auf ihre Wünsche und Forderungen. Es geht nicht an, daß in einer Regierungskoalition, wo alle Parteien sich um die Regierung scharen, eine Pattei mit ihren Forderungen allein durchdringen will, wie es jetzt di» Sozialdemokratie versucht hat. Das sind zum Teil Agitationsforderungen, die wohl nach außen hin taktisch ihren Zweck erfüllen müssen, die aber für die praktische Durchführung der künftigen Regierung als unmöglich bezeichnet werden müssen. Außerdem muß in einer derartigen Großen Koalition von vornherein ein Kompromiß zustandekom-
M MlschW her WzöWen Roten in Ungarn
verbreitet, die aber keine Unterlage haben. Die Untersuchung ergab, daß außer ein ober zwei falschen Noten, die in Budapest ausgegeben wurden, nur im Haag versucht worden ist, Noten an den Mann zu bringen . Die Gerüchte, es seien falsche Noten im Betrage von 20 Millionen Franken im
Verkehr, sind daher unrichtig.
Die Havasagentur in Paris dementiert offiziell die aus englischer Quelle stammende Nachricht, daß die französische Regierung bei der ungarischen Regierung in der Angelegenheit der falschen Frankennoten Schadenersatzansprüche stellen werde.
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Prinz Ludwig Windisch-Grätz ist ein Sohn des Feldmarschalleutnants und Ritters des Goldenen Vlieses Prinzen Ludwig Joseph Windisch-Grätz und ein Enkel des ehemaligen österreichischen Feldmar- schalls Fürsten Alfred Windisch-Grätz und dessen Gemahlin Fürstin Maria Eleonore Auersperg. Prinz Ludwig ist bas brüte Kind beg Fcldmar- schalleutnants, der in Oesterreichs Geschichte eine große Rolle spielte. Er ist im Jahre 1882 in Krakau geboren. Seine Studien absolvierte er in Ungarn. Er war Hörer der Budapester Universität, wo er auch den Doktorgrad erreichte. Während des Krieges wurde er wiederholt mit verschiedenen Missionen nach Deutschland und Bulgarien betraut. Mit dem Erzherzog Franz Joseph, dem späteren Kaiser Karl, verband ihn eine intime Freundschaft. Dieser hatte er es zu verdanken, daß er bald nach dem Thronwechsel zum Ernährungsminister ernannt wurde. Dann wurde er wiederholt als Ministerpräsidentsckastskandibat genannt. Einige Tage vor dem Zusammenbruche, als Gras Julius Andrassy zum Minister des Aeußern ernannt wurde, erhielt Windisch-Grätz seine Ernennung zum ersten Sektionschef. Er wollte unbedingt sofort Frieden schließen und ließ sich auf telegraphischem Wege mit den Ententestaaten in Verhandlungen ein. Im Abschluffe eines Friedens wurde er durch bie Ereignisse im Oktober unb November bes Jahres 1918 behindert. Nach dem Umstürze veröffentlichte er fein Memoirenbuch, das seinerzeit großes Aufsehen erregte. Er war Mitglied der ersten ungarischen Nationalversammlung, bei den Wahlen zu der zweiten unterlag er mit einigen Stimmen. Seither hatte er sich vom politischen Leben zurückgezogen und lebte scheinbar ausschließlich seinen Geschäften. Wiederholt unternahm er große Geschäftsreisen nach Paris unb London, wo er überall hervorragende Beziehungen hatte. Wie in ein» geweihten Kreisen mitgeteilt wird, ist Prinz Win- disch-Grätz nicht mehr zu den Legitimisten zu zählen. Seine Beziehungen zu der legimistischen Bewegung haben völlig aufgehött. Seitdem Windisch- Grätz vor ungefähr einem Jahre den Reichsverweser auf seinem Schloß in Sarosvatak zum Jagdaast hatte, hat sich eine Umstellung in der politischen Haltung des Prinzen vollzogen unb Eingeweihte wußten schon seit geraunter Zeit, daß er in das Lager ber Erzherzog-A lbrecht-Partei, bie mit ben Raffenschritzlern zusammenarbeitet, übergegangen ist, also vollstänbia im rechtsradikalen Lager steht. So erklärt es sich, daß ietzt auf Z u- f a mm en h ä n g e zwischen den Männern bes Kapp-Putfches imb ben Kreisen des Prinzen hinge- wiesen wird. 5 '
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Der Generalinspektor der Bank von Frankreich, Colart de Hostineuet, ist in Budapest eingetroffen.
Der rumänische Kronprinzen-Skanbal 'st durch die Skandale der ungarischen Franc-Naten-Fal- schung abgelöst worden. Es wird einmal die An- sicht vertreten, daß der verhaftete Prinz Wmdisch- Grätz im Hinbück auf eine gewaltige S ch u l d e n- I a st, verursacht durch leidenschaftliches Spiel, die Fälschungen mitgemacht habe, andererseits wtrd jetzt auch ein „edlerer" Beweggrund angeführt, der Prinz und seine Genossen wollten Frankreich schaden unb handelten aus „politischen Gründen. Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit hat der ungarische Minister bes Innern ben Landespol,zei- chef Emmerich Nabossy von seiner Stelle sus- penbiert und gegen ihn wegen Unterlassungen bie Difziplinaruntersuchung angeorbnet Durch die Untersuchung ist bisher noch fern endgültiger Beweis geliefert, in welcher Druckerei die gefälschten Francnoten hergestellt worben sinb. Der Minister des Innern hat deshalb die Einvernahme mehrerer in der st a a t l i ch e n k a r t o g r a P h i s ck e n A n- st a 11. in Verwendung stehenden Beamten oerfugt. Die Nachricht von der erfolgten Verhaftung des Prinzen Ludwig Windisch-Grätz wirkte in politischen Kreisen Budapests unb in ber ganzen ungarischen Oeffentlichkeit wie eine Bombe. Minister- Präsident Graf Stephan Bethlen lud bie Führer der politischen Parteien zu einer Besprechung ein, bei ber auch sämtliche oppositionellen Parteien vertreten waren. Die Konferenz dauerte drei Stunden. Ministerpräsident Gras Bethlen erklätte, daß die Regierung entschlossen fei, sämtliche Zusammenhänge ber Francfälscheraffäre restlos aufzudecken und die Schuldigen rücksichtslos zu bestrafen. Einzelne Politiker behaupten, daß Graf Beethlen beabsichtige, abzudanken. falls die Entlarvung aller Beteiligten nicht gelingen sollte. Der Minister des Innern Rakovszky hat nach Suspendierung des Landespolizeichefs Radoffy feine Demission angeboten, die nicht angenommen wurde.
Oberst Aristid I a n k o v i ch behauptete bei seiner Einvernahme im Haag, die falschen Banknoten seien in der unter dem Kommando bes Generals ber nationalen Armee Laczkovich stehenben staatlichen kartographischen Anstalt hergestellt worden. Die französischen Detektivs, denen von den Aussagen der in Holland ertappten Geldfälscher Mitteilimg gemacht worben war, ersuchten die Budapester Polizei, in dieser Anstalt eine Hausdurchsuchung vorzunehmsn.
Das Ungarische Telegraphen-Ko ccspondenz- Bureau meldet: Das Verhör N a d o s s y s machte ein neues Verhör des Prinzen Windisch-Grätz notwendig, da sich verschiedene Widersprüche gezeigt haben, die zu klären sind. Die Untersuchung richtet sich in erster Linie auf die Feststellung, in welcher Druckerei die falschen Noten hergestellt sinb, unb woher bas zur Fälschung verwandte Papier stammt. Es ist eine Vernehmung mehrerer Beamten des kartographischen Instituts angeorbnet worben. Die Erhebungen im Sarofpata- f er Schloß des Prinzen Windisch-Grätz, das im Mittelalter gebeut ist unb viele unterirbifche Gänge und Kasematten aufweist, wurden von 25 Geheimpolizisten unb Emissären ber französischen Kriminalpolizei begonnen. In Budapest selbst sind keine neuen Haussuchungen vorgenommen worden. Da infolge bes Dreikönigstages in Budapest keine Zeitungen erschienen sind, wurden verschiedene Gerüchte über angebliche Verhaftungen
Die Lage in Griechenland.
Der griechische Diktalor General Pangalvs hat dem Korrespondenten des „Times" in Äthan gegenüber gegen die Behauptungen ausländischer Zeitungen protestiert, daß seine Rede Dom letzten Sonntag kriegerischen Geist atme und darauf hingewiesen habe, daß er einen Krieg vorbereite. Griechenland werde weiterhin eine Politik des Friedens betreiben und er hoffe, in naher Zukunft ein Balkan-Ab- kommen unterzeichnen zu können, daß eine Ergänzung deS Paktes von Locarno fein könne.
* Ter Reichspräsident hat dem Oberbürgermeister Adenauer in Köln zu seinem 50. Geburtstage telegraphisch seine Glückwünsche übermittelt.
* Nach Luppe—Hitler. Wegen der Aussagen Hitlers im Luppe-Streicher-Prozeß über die Vorgänge am 1. Mai 1923, wo die nationalsozialistischen Stoßtrupps bewaffnet aus Oberwiesenfeld zogen, ist, gegen Hitler von der Münchener Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzuna der Eidesvflicht eingeleitet worben. — Im Nürnberger Stadtrat wurde beschloffen, an die Staatsanwaltschaft zu schreiben, das Verfahren gegen Oberbürgermeister Luppe im Jntereffe der Stadt fo schnell als irgend möglich durchzuführen. Dieser Antrag würde mit allen gegen die neun Stimmen der Nationalsozialisten und der Wirtschafts- Partei angenommen.
* Reichsminister a. D. Heinze reist nach Kairo. Der Reichstagsabgeordnete und ehemalige Reichs- justizminister Dr. Heinze-Dresden hat eine Reise nach Kairo angetretrii, um als Vorsitzender des Konsularobergerichts in Aegypten die ihm übertragene Aufgabe zu erledigen. Er dürste anfangs Februar nach Dresden zurückkehren.
* Der Erzbergermörder Schul; soll wieder einmal verhaftet worden sein, diesmal in Oberösterreich. Es dürfte sich aber um einen Schwindler handeln. Die Berliner Polizei geht der Sache gewissenhaft nach.
men, das allen Wünschen der verschiedenen Parteien Rechnung trägt und nicht nur den Wünschen einer Partei. Denn schließlich haben auch die anderen Parteien vor ihren Wählern und vor dem gesamten Volke ihre Verantwortung
* Deutsche Beschwerde über die englischen Schutzzölle. Wie verlautet, ist bei der britischen Regierung eine deutsche Beschwerde über die Handhabung der neuen Jnduftrieschutzzölle auf Handschuhe, Glühstrümpfe und Messerwaren eingegangen. Die Beschwerde wendet sich besonders dagegen, daß die deutschen Schiffe bei ihrer Ankunft in englischen Häfen solche Waren verrollen mußten, während die deutschen Exporteure von dem Inkrafttreten dieser Zölle zur Zeit, als das Schiff den deutschen Hafen verließ, noch keine Kenntnis batten.
* Dr. Sfrefemann und bie Mlsonskiftung. Das „Berliner Tageblatt" melbet aus Newyork, daß die Verwaltung der Woodrow Wilson-Stiftung beschlossen haben, den für eine allrussische Tat ausgesetzten Preis für das Jahr 1925 nicht zu verteilen. Es fei ursprünglich eine Dreiteilung des Preises geplant gewesen und zwar sollten Chamber« Iain, Briand und Stresemann sich in ben Preis für ihre Derbienste um bas Zustandekom- men bes Locarnooertrages teilen. Dr. Sttesemanv habe jeboch die Annahme des Wilsonpreises abgelehnt. Das „Berliner Tageblatt" bemerkt zu dieser, von der Pariser Ausgabe der „Times" gebrachten Nachricht: Die Zuteilung des Preises war an die Bedingung geknüpft, daß die Preisträger ihn selbst in Washington am 28. Dezember in Empfang nehmen feilten. Da das für Dr. Stresemann nicht möglich war, ergab sich die Ablehnung. Der Akt des guten Willens, der in der Anfrag« des amerikanischen Komitees lag, soll darum nid}! weniger anerkannt werden. Der „Bett. Lokalanz/ schreibt zu dieser Angelegenheit ,daß der Stiftung ein ähnlicher Bescheid, wie der Dr. Stresemanus auch von den übrigen Preisträgern zugegange» fein dürfte. _
* Abreise Verengers nach Washington. Dei neu ernannte sranzösische Botschafter i» Washington, Verenger, hat Paris verlaffen und if nach Le Havre abgereist, von wo er sich nach Neu York einsckiffen wird. Er wirb am 13. Januai dort eintreffen.
* Zum türkischen Finanzproblem. Nach eine* vom „Journal des Debats" wiebergegedenen Nachrich aus Angora hat bie türkische Delegation, die an 7. Januar in Paris die Verhandlungen über di Wiederaufnahme ber Zinszahlungen beginnen sollte diese Abreise auf unbestimmte Zeit verschoben