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Fuldaer Zeitung

Zum Feste der Hl. drei Könige

wirklichung arbeiten.

Musikinstrumenken-Indusirie.

allgemein als in der

Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir sind gekommen, ihm zu huldigen." So fragen und sprechen Nichtjuden, sternkundige Chaldäer, die von Osten. her zum Hofe des Königs -erodes nach Jerusalem kamen, sicher Leute von einiger Be- deutrmg, sonst hätten sie in Jerusalem nicht so viel Aufsehen erregt. Sie unterwerfen sich diesem Kö­nige, noch ehe sie ihn gesehen. Nachdem sie ihn gesehen, und Verehrung ihm erzeigt, kümmern sie sich nicht mehr um Jerusalem und seinen König von Stötner Gnaden, sondern folgen einem Traum« gesichte, in welchem ihnen ein höherer Befehl er­scheint, erlassen zugunsten des neugeborenen Kö­nigs.

.Daß dieses Kind ein König fein werde, hatte der Himmelsbote bereits vor seiner Geburt der be­gnadeten Mutter verkündet.Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; er wird herrschen im Hause Jakobs in Ewigkeit; sei­ner Herrschaft wird kein Ende sein."

Wegen seines Königtums wird dieses Kind sich eknstens vor der römischen Staatsgewalt verant­worten müssen. Die Frage des Pilatus:Bist du der König der Juden?" lehnt Jesus nicht rundweg ab, sondern belehrt ihn, daß sein Königtum zwar ein wahres, aber nach Ursprung, Wesen und Zweck -von den irdischen Königreichen durchaus verschie­denes sei.Du hast recht: ich bin ein König."

Sein Königtum soll nicht eine Scheinherrschaft, ein bloßer Titel sein. Das Bewußtsein der Voll­gewalt schickt die Herolde seines Königtums vom Oelberg hinaus in alle Welt:Mir ist alle Gewalt gegeben; darum gehet hin!"

Die Idee des himmlischen Reiches dämmert dem armen Schächer am Kreuze auf, da er Augenzeuge des Triumphes feines sterbenden Königs wird. Gedenke meiner, Herr, wenn du in dein Reich kommst!" Ms erster aller Erdenkönige, als Kö­nig der Könige und Herrn aller Herren bezeichnet der Apostel Johannes den in seiner göttlichen Herr­lichkeit von ihm geschauten Erlösers der Gläubi­gen; Paulus ist unerschöpflich im Preise des Kö­nigtums Christi, das in seiner Dauer ewig, in sei­ner Ausdehnung universal, in seiner Kraft allmäch­tig ist.

Die Ueberzeugung der ersten Christen vom Kö­nigtum Jesu Cbristi war so stark, daß die christ­liche Kunst durch mehrere Jahrhunderte hindurch nur die allgemein verständliche Sprache des Volkes

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Actleudruckerel, Fulda.

treibereien bei den Verkäufen ein, so liegt hierin eine Erklärung, daß manches kleinere Sagewerk seine Ext- stenz einbüßen mußte.

und Arbeitsaussperrungen sind nicht vorgekommen. Die Arbeitsleistungen waren normal. Der Jnlandsabsatz war in dem ersten Halbjahr ausreichend, wahrend im zweiten Halbjahr die Aufträge wesentlich nachlietzen und für einen regelmähiaen Betrieb nicht mehr ausrerchten. Wegen der hohen Preise, die die Erzeugnisse immer noch verlangen, waren Ausland-Umsäße nicht zu er« zielen. Die Rentabilität war im vergangenen Berichts« jahr sehr gering. Cs scheint aber, daß sich doch allmah- iich eine größere Stabilität in den Ein« und Verkaufs­preisen anbahnt, sodaß für das kommende Jahr die Aussichten nicht ungünstig beurteilt werden.

c) Papierv erarbeitende Industrle. Diese Industrie hatte eine sehr schwankende Konjunktur. Aus« landsaufträge waren nur sehr schwer zu erhalten und besteht auch für das kommende Jahr wenig Aussicht auf Besserung. .

Im graphischen Gewerbe dagegen dauerte der nach der Stabilisierung der Mark einseßende lebhafte Geschäftsgang auch noch in den ersten Monaten des Jah­res 1925 an. Aber schon im Frühjahr, als die Geld­knappheit schärfer in die Erscheinung trat, ließ der De- schäftigungsgrad nach, sodaß heute von einem norma­len Geschäftsgang nicht geredet werden kann. Die Preise im Druckgewerbe werden durch eine ungesunde Kon­kurrenz stark beeinflußt.

Die Lage des Zeitungsgewerbes hat sich nach einem kurzen Zeitabschnitt stabiler Verhältnisse von Monat zu Monat verschlechtert. Die Kosten für Her- jtellung und Ausstattung der Zeitungen sind durch stetige Erhöhung der Preise für Materialien, der Löhne und Gehälter und sonstigen wirtschaftlichen Belastungen (Postzeitungsgebühren) wesentlich gestiegen und haben die Wirtschaftlichkeit der Zeitungsbetriebe in roeik gehendem Maße ungünstg beeinflußt.

Gummiindustrie.

Während die Beschäftigung in den ersten Monaten des Jahres außerordentlich flott war. sodaß teilweise Doppelschichten eingelegt werden mußten, hat das Ge­schäft in letzter Zeit infolge der allgemeinen ernsten Wirtschaftskrise nachgelassen. Die Lage auf dem Roh­gummimarkt war ebenfalls das ganze Jahr hindurch sehr ungünstig und unübersichtlich. Die verschiedenen Haussen brachten ein sehr unsicheres Moment in das Geschäft, das jede Kalkulation und Disposition außer- ordentlich erschwerte, lieber die Aussichten für das kommende Jahr läßt sich zurzeit nichts sagen. Die Pro­duktion wurde im Februar d. I. durch einen Streik und Anfang November durch die allgemeine Aussperrung in der chemischen Industrie unterbrochen. Die Lohn­erhöhungen feit Januar betragen ungefähr 17 Prozent.

Industrie der Lacke und Farben.

Die Beschäftigung in der Zeit vom 1. Januar 1925 bis 31. Oktober 1925 war wohl im allgemeinen für die Lackindustrie befriedigend. Das Geschäft selbst litt wie auch überall sehr unter der großen Kapitalarmut, sodaß der Kundschaft gegenüber die größte Vorsicht geboten war. Auch in der Preisbildung stellten sich große Schwierigkeiten ein, da die ausländischen wie auch in­ländischen Rohstoffe bedeutenden Preissteigerungen un­terlegen waren, während auf der anderen Seite ein all­gemeiner Preisabbau angestrebt wurde.

Spirikuosen.

Der Abfaß im Spirituosengewerbe war von Anfang des Jahres ab schleppend und konnte nur mit größter Mühe auf der seitherigen Höhe gehalten werden. Ein Druck unter dem das Spirituosengewerbe speziell in un­serem Bezirk arbeiten mußte, waren die bekannten Maß­nahmen des Monopolamtes, das sich erst in der zwei­ten Hälfte des Jahres entschließen konnte. Alkohol gegen drei Monate Ziel abzugeben, dies aber nur unter siche­rer Bürgschaft erster Bankinstitute, deren Provisionen in Verbindung mit den vom Abgang der Waren berech­neten Zinsen das Zahlungsziel als Vorteil fast illusorisch machten. Weiterhin litt das Gewerbe unter starker Konkurrenz der Schwarzbrennerei. Auch die sonst noch bestehende, ihre Entstehung der Inflationszeit verdan­kende Konkurrenz beeinflußte das Gewerbe durch Zwangsverkäufe sehr. Es waren deshalb Preisforde- runqen am Markte, die manchmal weit unter dem Selbstherstellerpreis eines mit der gesetzmäßig belaste­ten Brennsteuer erzeugten Branntweines sagen. Die Verhältnisse für das nächste Jahr werden nicht als gün­stig geschildert.

Drauinduskrie.

Das Jahr 1925 zeigte gegenüber dem Vorjahr eine Besserung. Immerhin beeinflußte der ungünstige Nach­sommer das Gewerbe derart, daß man nur von einem mittleren Geschäft sprechen kann.

Tabakinduskrie.

Die allgemeinen geldlichen Verhältnisse ließen diese Branche im Berichtsjahr nicht zur vollen Entwicklung kommen. Dazu seßte noch als Folge einer vorcmgegan- genen Ueberproduktion eine Preisunterbietung ein, welche vielen Betrieben verhängnisvoll wurde. Seit Mitte August kam als weiterer Hemmschuh die Zoll­erhöhung von 30 M. auf 80 M. pro Doppelzentner Roh­tabak hinzu. Eine unbedingt für notwendig gehaltene Preiserhöhung der Fabrikate würde die Lage noch ver­schlechtern und ist demzufolge mit günstigen Aussichten nicht zu rechnen. ______________

Kunft und Literatur.

Kenia Lear" nicht von Shakespeare? Der be­rühmte Leipziger Philologe Eduard Sievers Peröffent« licht einen aufsehenerregenden Artikel unter dem Titel Shakespeares Anteil an König Lear", in dem er den Beweis erbringen will, daßKönig Lear" zum über­wiegenden Teil nicht von Shakespeare stammt. Das Ergebnis dieser Schrift ist kurz folgendes: Von Shake- speare ist weder der Plan noch die Sprachform des Dramas, weder Konzeption noch Diktion, vielmehr haben zwei Unbekannte, wahrscheinlich Irländer den König Lear" geschrieben, und Shakespeare hat ihr Werk nur in einzelnen Stellen überarbeitet; man könne genau unterscheiden, welche Stellen bon Shakespeare stammen und welche nicht.

M q.

Mittwoch, 6. Januar 1926,

Verhältnisse.

Was speziell das in unserem Bezirk ausgeprägte Geschäft in Harmoniums betrifft, so war in den ersten Monaten des Jahres 1925 hierin ein befriedigendes Ge­schäft zu verzeichnen. Eine Absaßminderung trat erst ab April ein. Seit dieser Zeit ist speziell der Jnlands- absatz als unter normal anzusprechen. Die nicht uner­heblichen Lieferungen nach dem Saargebiet sind durch die Zölle fast völlig geschwunden. Vor dem Zollkrieg mit Polen hatten sich wieder lebhaftere Beziehungen herausgebildet, die aber durch die Einfuhrverbote vor­erst abgebrochen sind. Nach den übrigen europäischen Ländern hielt sich der Export unter dem Durchschnitt der Vorjahre, befriedigend waren nur Italien, Holland und Oesterreich. Immerhin konnten alte Beziehungen nach Uebcrfee aufgefrsicht werden und zum Teil neue Absatz­gebiete gewonnen werden, speziell Ostasien, Südseege- biete und Südamerika, obwohl sich auch hier die engli­sche und amerikanische Konkurrenz fühlbar macht.

Papierindustrie.

a) Holzstoffindustrie zur Papierberei­tung. In der Cellulosebranche war von Anfang die- es Jahres bis Anfang September bei Tag- und Nacht- chicht volle Beschäftigung vorhanden. Der Absatz war tut und bestand infolge im Laufe dieses Jahres durchge- ührter Betriebsverbesserungen verhältnismäßig gute Rentabilität. Infolge Konzernschwierigkeiten muhte am 24. September zur Betriebseinstellung trotz der bereits genannten günstigen Momente geschritten werden.

b( Filtrier- u. Löschpapierfabrikation. Die Belieferung in Brennstoffen und Halbfabrikaien war regelmäßig und ausreichend. Lohnbewegungen, Streiks

redete, wenn sie selbst am Kreuze Christum als den sieghaften König darstellte. b

Ohne Zweifel! Zu allen Zetten, wenn der Glaube an die Gottheit Jesu Christi mdenMn schenherzen lebendig war, zwerselte man an dem Königtum Jesu Christi nickt im mindesten. Ws Gott kommt ihmdie Herrschaft als wirkliche, eigentliche Souveränität von Ewigkeit 3 , rnienf* besitzt er sie kraft der unausfp-echlich er mit ber «W»

Person. Zu manchen fetten redete man wemger vom universalen Königtum Jesu Ehr' ;

dische Könige eifersüchtig über ihr beschranktes nigtum wachten und gleich ^^«AattenkongHe rodes mit Unrecht in dem liottl'cken Weltkomg einen Nebenbuhler ihrer Herrschaft befürchteten. An die Stelle der Könige sind im Laufe der Zetten Völker, Nationen getreten Ähr N °t'°na i s m u s, richtiger nationaler Egoismus betrachtet sich wie ehemals der aufgeklärte Despotismus mJet nen Grenzen als der einzige Souverän, der auch ein geistiges universales Reich nicht neben sich dul­den ^will? er erstrebt für sich Weltherrschaft auf Kosten der schwächeren Nationen, suhlt sich keinem Höheren verantwortlich. Da war esanderZett, daß der Hüter der Wahrheit, der Heck Vater auf den aemeinsamen. über alle Nation herrschenden Weltkömg hmwies, dem we­nigstens die ch r i st l i ch e n Völker, wenn anders es ihnen ernst ist mit dem Bekenntnis zu Christus, sich in gemeinsamer Verehrung unterwerfen mus- en. Pius XI. hat Christus nicht zum König der Welt geweiht oder erhoben, wie in manchen Zei­tungen zu lesen war, sondern er hat d,e Mensckchett aufgefordert, die Jesus Christus, dem Sohne Got­tes gebührende Verehrung als dem König der ganzen Welt auch in der Tat zu erweisen er hat die christlichen Völker ermahnt, sich als gleichberech- tiqte Bürger dieses himmlischen Reiches zu. füh­len und das als ihren höchsten Chrtstuswunfch zu erachten, daß auch jene diesem Christusretche ein- verleibt werden mögen, die ihm teilweise oder noch ganz ferne stehen. Des Königs Wille, der am heutigen Tage die ersten Heiden zu feiner Krippe berufen, ist unzweideutig, daß alle eins feien, daß bald ein Schafstall und ein Hirt sein möge. Seines Königreiches treue Bürger werden, so mel an ihnen liegt, der Erfüllung dieses Wunsches keine Hindernisse entgegensetzen, sondern an feiner Ver-

$ulöaer Industrie 1925.

Dem Jahresbericht der Handelskammer, Geschäfts- stelle Fulda, entnehmen wir:

Vachsindustrie.

Die am Ende des Jahres 1924 ausgesprochene Hoff­nung für das Jahr 1925 hat '4 nur bedingt erfüllt. Im allgemeinen bestand eine gute Beschäftigung wobei die Nachfrage des Inlands allerdings infolge der bekannten Verhältnisse auf dem Geldmärkte gegenüber der des Auslandes zurückstand. Abschlüsse auf längere Zeit blieben auf dem Änlandsmarit fast ganz aus. Dem­gegenüber belebte sich auch in diesem Jahr das Äus- landsqeschäft wieder, wenn auch infolge der großen Konkurrenz bei äußerst niedrigen Preisen. Sie.lagen teilweise wie schon im vergangenen Jahr weit unter den Inlandspreisen. Erst die Ende August eintretende Saison brachte auch aus dem Inland wieder eine stär­kere Nachfrage, sodaß mit erhöhter Belegschaft und un­ter Einlegung von mehreren Arbeitsschichten produziert werden mußte. Die Rohmaterialpreise, die mit Beendi­gung des Jahres 1924 ihren höchsten Stand erreicht hatt- een, haben sich nicht wieder gesenkt, sondern haben sich wich während der stilleren Geschäftszeit im Sommer auf gleicher Höhe gehalten. Es ist dieses eine Erscheinung, die in stüheren Jahren nicht zu verzeichnen war. Von weiterem einschneidenden Einfluß auf die Gesamten!- Wickelung der Branche war die am 1. Oktober für Roh- Materialien eintretende Zollerhöhung von 30 Prozent

Die Branche wurde zu Ausgang des Berichtsjahres wegen ihrer Zugehörigkeit zur chemischen Industrie in die Lohnstreiiigkeifen dieser Branche hineingezogen und mußte gerade während der Hauptbeschäftigung zur Aus­sperrung schreiten. Die Löhne find seit Ende 1924 um rund 17,7 Prozent gestiegen.

Steine und Erden.

a) Kali-Industrie. Die feit Spätsommer ver­gangenen Jahres zu verzeichnende Belebung des Kali- abfatzes setzte sich erfreulicher Weise im lausenden Jahre weiter fort. Mit einer Abladung sämtlicher im Deut­schen Kalisyndikat vereinigten Kaliwerke von 9 337 306 Dz. Reinkali bis zum 1. September 1925, also in 8. Monaten, ist der Gefamtabsatz im Jahre 1924 von 8 420 603 Dz. Reinkali bereits überschritten. Von den» diesjährigen Absatz entfallen 68,41 Prozent auf bas Inland und 31,59 Prozent auf bas Ausland, wahrer» sich der Absatz des Vorjahres mit 59,7 Prozent auf dqs Inland und 40,3 Prozent auf das Ausland oerteilite.

Die inzwischen mit der elsäßischen Kaliindustrie er- reichte Verständigung über den gesamten Weltmarkt wird sich in günstiger Weise auf dem Auslandsmarkt ans- wirken. Man mußte den elfüßischen Werken 30 Prvz. des Weltabsatzes überlassen, wobei allerdings der In­landsabsatz in der Weise ausgenommen ist, daß er ohne Anrechnung auf den Gesamtweltabsatz der deutschen fialitnbuftrie zufällt. Die Verständigung gewährleistet ein ersprießliches Zusammenarbeiten zur Erreichung der gemeinschaftlichen Ziele.

An den Bestrebungen, der deutschen Landwirtschaft die für sie als Düngestoff so überaus wichtigen Kalisalze nu möglichst niedrigen Preisen zu liefern, wurde weiter­hin festgehalten. Trotzdem die Preise für die haupt­sächlichsten Betriebsstoffe und Materialien der Kali- inbuftrie gegenüber ber Vorkriegszeit im Durchschnitt eine Erhöhung von 50 Prozent erfahren haben, auch die Löhne und Gehälter gegenüber Vorkriegszeiten um durchschnittlich 31,5 Prozent gestiegen sind, sowie ferner die Alimentgtion ber dauernd stillgelegten Kaliwerke von den Lieferwerken getragen wird, betragen bis Kali­preise zurzeit nur 93 Prozent ber Vorkriegspreijse. Es zeigen sich hier die günstigen Wirkungen ber erfolgten Zusammenlegung ber Kalisalz-Probuktion auf -Die am wirtschaftilichsten arbeitenden Betriebsstätten und ber in den letzten Jahren durchgeführten technischen Verbesse­rungen der Werke.

Seit Anfang 1924 ist nach schwierigen Lohzkämpfen durch einen Schiedsspruch des Reichsarbeitsmr nisteriums für den gesamten deutschen Kalibergbau die Borkriegs- arbeitszeit (8 Stunden reine Arbeitszeit unter Tage und 10 Stunden reine Arbeitszeit über Tage) wieder einge­führt worden. Diese, den wirtschaftlichen Bobiirfnissen der Äatiinbuftrie entsprechende Arbeitszeit hat mit dazu beigetragen, die schwierige Wirtschaftslage, in der sich die Kaliindustrie besonders im Jahre 1924 befand, zu über­winden.

b) Kalk- und Zement-Industrie. Infolge des milden Winters fetzte die Bautätigkeft schon gleich Zu Anfang des Monats Februar stark ein urtb hielt bann stänbig an, sodaß die Nachfrage nach Vaukplk stets leb­haft war. Cs mußte fast ständig mit llebqrftunden ge­arbeitet werden, um mit den Lieferungen nachzukom­men. Auch die Landwirtschaft trat sowohl im Frühjahr wie im Herbst ziemlich lebhaft als Abnehmer für Dünge­kalksorten auf. Besonders stark war von ber Lanbwirt- Mjaft ber gebrannte, gemahlene Kalk begehrt. Unter ben bestehenden schwierigen Wirtschaftsoevhältnissen läßt sich über die Zukunft wenig sagen, wenn auch schon Mr m'kder Anzeichen dafür vorhanden sind, daß die Bautätigkeit im nächsten Frühjahr wieder lebhaft einzu- fetzen verspricht. 0

c) Sa falt inbuftrie. Wöhrenb der Sommer­monate war die Beschäftigung der Stein'mbuftrie als gut ,ju bezeichnen; besonders waren Sleinpflalterfteine ae- tragt. Im Laust des September brachpn infolge Geld- manaels der Behörden die Lieferungen jedoch sehr plötz- ftch ab; auch sanken die Preise. Infolgedessen wurde eine Anzahl, namentlich kleinerer Firmen gezwungen, ihre Betriebe sttllzulegen.

^Ziegeleien. In ber Ziegelindustrie war wäh­rend des ganzen Benchtiahres ein sehr reger Absatz zu verzeichnen. Zeitweilig konnte ber starken Nachfrage retn entsprechendes Angebot gegenübergestellt werden. Die Preise haben sich im Laufe des Sommers erhöht. Sie Branche hatte sehr barunter zu leiben, daß trotz reger

Die Nachfrage nach Musikinstrumenten war im Lause dieses Jahres wesentlich besser zweiten Hälfte des Vorjahres. Bemerkenswert ist, daß sich die Händlerkundschaft infolge der großen Geldknapp- beit mehr den BMgkeits- als dem Oualitatsprmzip zu- wendet, obwohl dieses System da in keinem Artikel die Qualitätsunterschiede größer und ausschlaggebender sind als gerade bei Musikinstrumenten ein Bauer- gefchiift unmöglich macht und daher ein direkter Scha­den für den Wiederverkäufer bedeutet. Für den Herstel­ler ist ein Streben nach Billigkeit deshalb unmöglich, da die gesamten Rohmaterialien vom Auslande kommen, während die Löhne, die das Hauptkontingent der Preis­bildung barstellen, immer noch steigende Tendenz haben. Direkte Lieferungen an Musiker und Private sind in der Hauptsache von einem langen Zahlungsziel abhängig gewesen und deshalb außerordentlich schwer auszufüh­ren. Das früher für Blasinstrumente in Blüte stehende Exportgeschäft ist heute so gut wie still gelegt. Die Gründe dafür sind: die hohen Zöll^ die französische und böhmische Preiskonkurrenz und dis Unsicherheit ber

Bautätigkeit bie hierzu verwandten Hauszin Hypotheken und sonstige Baugelder nie rechtzeitig zur Verfügung gestanden haben Die Folge davon war ein sehr lan­ges Zahlungsziel.

Holzindustrie.

Die Beschäftigung dieser Branche war durch einen Streik vom 8. Mai bis 30. Lmi unterbrochen und litt sehr unter der Kckpitalarmut des Mittelstandes. Soweit Holzschnitzereien in Frage kommen, zeitigte bie Kon­junktur im Baugewerbe auch hier günstigere Erfolge. Die Löhne sinb feit Januar 1925 um rund 84 Prozent gestiegen.

a) Möbelindustrie. Wie überall macht sich auch in dieser Industrie der Drang nach Spezialisierung bemerkbar. Die kleinen Betriebe werden mehr und mehr lahm gelegt, während große Betriebe, die zur Mas­senherstellung selbst bei hochwertigen Möbeln übergehen, voll beschäftigt sind und lange Lieferzeiten beanfprudjen. Die Möbeliendustrie steht erst am Anfang biefer Um­wälzung. Vielfach begegnet die Neueinstellung großem Mißtrauen, und besonders die Händler zeigen häufig wenig Verständnis für diese Fabrikationsart, die im Interesse niebriaer Eestehungspreise notwendig ist. So­weit diese Umstellung schon durchgeführt ist, war eine stetige gute Beschäftigung zu verzeichnen, in Qualftäts- möbeln brachte allerdings nur ber Monat April eine Be­lebung bie auch noch bis über Jghresenbe anhalten wird. Aber auch bie Spezialisierung bedingte infolge des allgemeinen Kapitalmangels noch größere Liefer­fristen, 'welche zu Ende des Berichtsjahres etwas hem­mend auf den Auftragseingang gewirkt haben. Da die Möbelindustrie abhängig von der Wohnungsfrage, bie noch ihrer Lösung harrt, ist, war ber Friedensstanb noch nicht zu erreichen.

b) Schnitzwarenindustrie. Dieser Industrie­zweig, ber vor dem Kriege in ber Rhön als Heimarbeit sehr stark verbreitet war, hatte sich in ber Inflationszeit zu einzelnen Werken zusammengeschlossen. Diese Werke machten bie Maschinenkraft dieser Holzbearbeitung dienstbar. Es war aber nicht möglich, infolge der un- günstigen Verhältnisse ber Rhön unb ihrer Prachtlage bei ber Massenfabrikation zu bleiben, sobaß wir jetzt wieder eine Rückentwicklung in Richtung der Heimarbeit zu verzeichnen haben. Diese Entwickelung wird sich infolge ber hier besonders stark auftretenben Kapital­armut weiter fortsetzen.

a) Sägeroerte. Da die Bautätigkeit im hiesigen Bezirk als nicht schlecht bezeichnet werden konnte, -war die Beschäftigung ber Sägewerke bis zu Ende des Be­richtsmonats gut. Man darf sich aber nicht darüber Hinwegtäuschen, daß die Einstellung des Staates als Hauptholzlieferartt nicht ohne nachteilige Folgen für manches Sägewerk geblieben ist. Noch immer geht er dazu über, Kaufangebote abzulehnen, wenn nicht bie von ihm verlangten, bereits sehr hoch bemessenen Min­destsätze erreicht werden. Setzten bann noch Preis-

5chlachten des UMtftrteges.

Die nachstehenben Tertproben entnehmen wir dem Band 8 ber vom Verlag Gerharb Stab ling, Oldenburg in Old., heraüsgegebenen amt­lichen Schriftenfolge des Reichsarchivs: Schlachten des Weltkrieges".

Der Fall von Rowo Georgiewsk (1915).

Trübe, mit grauen, undurchdringlichen Nebeln ver­gangen, bricht der 19. August an. Voll fiegesfreubtger Ungeduld erwarten 8 Uhr vormittags unsere zum An­griff bereitgeftellten Truppen den Befehl zum Vorgehen. Nicht die geringste Zeit soll dem zusammenbrechenden Gegner mehr gelassen werden.

Aus der Nordostfront glückt es unseren gewandt sich Dorberoegenben Schützenlinien, allmählich bis auf einige hundert Meter an die Forts 2 und 3 heranzukommen.

Mit unwiderstehlichem Dvange hatten sich die West, falen und Sachsen eng um Fort 3 geklammert, so eng, daß bie Artillerie, bie jetzt, gegen 11 Uhr vormittags, mit vorzüglicher Beobachtung schießen konnte, burch die eigene Infanterie in ber Ausnutzung ihres Feuers be- hmberl wurde. Erst jetzt, nachdem der graue, alles ein- hüllende Dunst gerflatterte, war sie imstande, mit macht- vollen, ruhelos ineinanberftutenben Donnerklängen das ernste Lied einzuleiten, bas dem einen Sieg, dem ande­ren Untergang bedeutete. Es dauert auch nicht lange, und das Feuer von den feindlichen Wällen verstummt. Es ist 1.15 Uhr nachmittags. Jetzt siird die Angreifer nicht mehr zu holten. Nun wogt es herqv von Norden und Osten, Westfalen und Sachsen. Kampflos ergreifen fie Besitz von reicher Beute« > '

Nasch ordnen sich die Verbände zum letzten Schlag. Um Fort 2 und die westlichen Anschlutzlinien wird noch gekämpft. Verschiedene Sturmversuche waren geschei­tert. Aus dem Fort selber, dem Waldstück östlich davon und dem Dorfe Kossewo spien Sturmabwehrkanonen und Maschinengewehre noch immer Feuer unb Hölle. 3 Uhr nachmittags griffen erneut unsere schweren Geschütze in ben Kampf ein. Bald glich bas ganze Fort einem einzigen breitauslabenben Quirl von Erd- und Rauch- mafsen. Der erschütterte Verteidiger leistet kaum nen­nenswerten Widerstand..... Ein tausendstimmiges

Hurra kündet den Nachbarn den Sieg.

Mit den Eroberern vom Fort 3 geht es nun vor­wärts, dem Kernwerk zu, wo inzwischen bie Russen eine neue Verteidigungsstellung bezogen haben.

Während aus ber Gegend Zakroczym lautes Hurra den Fall des letzten Forts (Fort 1) ber Norbfront ver­kündet, sieht man überall Schützenlinien, Trupps, Ko­lonnen sich aneinanber vorbeifchieben, sich überholen und wieder überholen. Die letzten Reserven schließen auf, immer dicker werden die Haufen, immer bunter das Getümmel. Zur gleichen Stimbe verläßt ein großer Freiballon in langsamer Fahrt die Festung, von unseren sofort aufsteigenden Fliegern Oberleutnant Mikulski mit Oberleutnant Benes unb Oberleutnant v. Winkler mit Leutnant Francke verfolgt Er trägt kostbare Last. Die Feldzeichen ber gespurten Besatzungstruppen von Nowo Georgiewsk. Sein Ziel, bie russischen Linien weit im Osten, hat ber Ballon nimmer erreicht. Bei ber Armee Gollwitz ist er gelandet.

Major Pusch vom Landsturmregiment 11 begibt sich als ältester zunächst anwesender deutscher Offizier zu dem im Kernwerk gebliebenen Kommandanten ber Fe­

stung, General Bobyr, und knüpft mit ihm Verhandlun­gen bezüglich ber Uebergabe an. Bobyr hatte kurz vor­her schon im Kraftwagen einen Parlamentär entsandt, der um Verhandlungen nachsuchen sollte. Der etwas später mit Teilen der 14. Landwehr-Division einrückende Oberstleutnant v. Blankensee führt die Verhandlungen fort. Noch ehe sie zum Ziele führen, kehrt der Parla­mentär mit Offizieren vom Stabe Beselers zurück. Sie bringen den Befehl, ben Kommandanten mit seinem Stabe in das deutsche Hauptquartier nach Schloß Zeg- rzinek zu bringen.

Leuchtende Blutfarbe liegt über ber näheren Um­gebung der Festung. Drüben, jenseits der Weichsel und des Narew, flammen unter Donnerkrachen Riesensträuße von Raketen auf; die unzähligen, hoch in der Luft auf- blitzeichen Sternlein sind die explodierenden Mehl- und Getreibesäcke ber von ben Russen gesprengten Prooiant- magazine.

Erst gegen 2 Uhr nachts war der Kommandant der Festung mit seinen Begleitern im Hauptquartier Schloß Zegrzinek eingetroffen. Die Uebergabeverhandlungen gestalteten sich schwierig. Der Kommandant weigerte sich zunächst entschieden, bie Kapitulation ber ganzen Festung zu unterzeichnen, da nach seinem Dafürhalten einerseits die Nordabschnitte von den Deutschen mit stürmender Hand in Besitz genommen waren und für diese Abschnitte daher keine Kapitulation mehr in Frage kam, anderseits er sich selbst gefangen gegeben hatte unb daher keinen Einfluß mehr auf die Kampftätigkeit ber Sübabschnitte ausüben konnte. Um ein weiteres Blut­vergießen zu vermeiden, ging General Bobyr schließ­lich auf die Unterzeichnung ein, nachdem man übereinge» kommen war, den Südabschnitten die Kapitulation ber

ganzen Festung auf schnellstem Wege zur Kenntnis zu bringen, zugleich mit der Aufforderung des Komman­danten, bie Feindseligkeiten sofort einzustellen.

Um 4 Uhr vormittags (20. August) wurde die Kapi- lutation unterzeichnet. Die in die Sübabschnitte gehende Aufforderung, die Waffen zu sttecken, war durch die Ereignisse überholt. Die Russen hatten sich auch hier schon frühmorgens, lange vor Ankunft ber Parlamen­täre, aus eigenem Willen ergeben.

Unermeßlich groß war bie Beute, bie uns Storno Georgiewsk bescherte. Ueber 90000 Gefangene mit allen Offizieren, herunter 30 Generale, etwa 1600 Ge­schütze, dazu noch über 350 lose Rohre unb je 500600 Lafetten unb Protzen, über 200000 Kilogramm Kupfer, Messing unb Bronze, Nahrungsmittel im Werte von minbeftens 30 Millionen Mark. Ferner riesige Men­gen von Munition, Setleibung, Ausrüstung, sowie Ge­rät aller Art. Neben diesen unübersehbaren Schätzen materieller Art war der Rücken ber Feldarmee frei, bie siegreichen Belagerer konnten ihr als begehrter Kräfte­zuwachs roieber zugeführt werben.

Ein neues Blatt war dem Kranze deutscher Stege hinzugefügt worden. Zwar ist es kein Kampf gewesen, ber mit ben großen Belagerungen unb Schlachten ber Westfront im ganzen genommen und auf eine Stufe gestellt werden kann. Der Zustand der Festung im Ver- gleich zur Wirkung unserer schweren Artillerie auf der einen, die geradezu unglaublich schlechte Führung des Gegners auf ber onberen Seite haben uns unsere Auf­gabe erheblich erleichtert. Trotzbem bleibt Nowo Geor­giewsk ein unoerwelkliches Ruhmesblatt, und ganz be­sonders, weil deutsche Landwehr und Landsturm es er­kämpft haben.