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Fuldaer Zeitung

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heit und das Leben begrüßen. Drohender Haßgefang

den

Gottes!

der

ruft des In don-

und ihrer Priesterin:

Zerfchmettre das Haupt des frechen Frevlers!

Räche dich Wodan! Räche dich Wodan!

Die Wahrheit siegt. Unter Lobeshymnen auf

fest. Vo­

der Heiden umbrandet in wildem Rhythmus den gefügten Akkordbau der christlichen Bittgesänge, nifatius erscheint.

Mit Gottes Gruße, Männer und Frauen, seid mir gegrüßt und mit Gottes Frieden. Sein Segen sei uns allen beschieden und ewiges Leben um des Heilands willen uns allen gegeben.

Allgemeine Stille folgt seinem Gruße. Entschlos­sen kündet er seine Absicht, die Wodans Eiche zu fällen, dem Heidengotte zum Trotze und zum Zeichen seiner Ohnmacht. Im Bewußtsein des Sieges begleiten die Christen mit feierlicher Ruhe die bedeutsame Handlung. Scharf wie Stahl schrillt dazwischen der Ruf der Heiden

Ich fühl's, es naht der furchtbare Tag der Welt­vernichtung! ,

Und mit ihm, wehe, die langgedrohte, die bang verkündete, ttostlos ewige, grauenvolle Götterumnachtung!

In dumpfer Verlastenheit stöhnt im Unisono

Heidenchor:

Götterumnachtung, Göttervernichtung, wehe, wer Hilst uns in dieser Nacht?

Weltenheiland und den in wilder Angst hervorgestoße- nen Racherufen an Wodan bricht der Baum unter furcht­barem Getöse zusammen.

Wo bleibt nun Euer Spott?

Wo ist nun Euer Gott?

Kein Wodan ftraft den Frevel; mit einem Schlage ist mehr als dieser Daum, ist eine Well von Wahn und Irrtum zertrümmert. Dumpfes Entsetzen bemächtigt sich der Heiden, deren Priesterin in die trostlose Klage aus­bricht:

Die Sonne sinkt, das Licht erlischt

der Himmel verhüllt sich

und angstvoll bebt die alte Erde dem Ende entgegen!

Hut, die Peitsche in der Hand, mich mit auf den Dock nahm, ach, ich glaub«, da war mir dieser Platz heiliger als alle Sitze der Seligen im Himmel, von denen der .Herr Pfarrer kurz vorher gesprochen. Und wie ich es nun denke, daß in der großen Stadl Berlin diese letzte traute Erinnerung an Poesie und Natur weichen mußte, wie ich vor mir sehe die letz­ten Postillone, — graue Männer sind darunter, treue Gesellen — wie sie zum letzten Male die Weih­nachtspakete vor die Häuser fahren, wie zum letzten Mal ihr Horn erklingt, um nun für immer zu wei­chen der harten Musik und dem Gerassel der Mo­toren, da werde ich über die Maßen traurig. Das Liedlein vom letzten Gottharder Postillon drängt sich mir auf die Lippen: Ich bin vom Gotthard der PosMon. Hab viel gesehen auf meiner Alpenwelt, hab viel erfahren, daß ihr mich kennt. . . . Hüpp, hüpp, mei Liefel, hüpp hüpp, im Trab voran . . . Hüpp hüpp, mei Liefet. . . Tempi passati . ..

Der Mann im Monde.

Probleme veS Parlamentarismus. — Die stabilen Ideale. — Popularität und Parte, thronte Europa. — Jugendbewegung. — Der letzte Postillon

Gefahr, die dem Wodansbaume droht und Himmels Feuer auf Walhalls Nelder herab, nerndem Unisono antworten ihre Mannen.

Das walle Wodan doch von uns wenden, Daß frecher Frevel den Gottbaum fälle!

Grimm fei und gräßlich die Rache des

Schristletter: Dr. phil. Johannes Kramer,

Wer hätte nicht gedacht, daß wenigstens Wech- ncchten auch die polittfchen Läden geschlossen blte- ben. Das ist aber nicht der Fall gewesen, obgleich man gerade den gehetzten Parlamentariern und Negierungsvertretern von heute in so schwerer Lage einigeTage derBesinnung gewünscht hätte. Man kann vollkommen auf dem Boden des Parlamentarismus stehen, um doch zu empfinden, daß dieses System in bedeutende Krisen geraten ist. In ruhigen Zei­ten, bei sicherer Mehrheit entwickelt sich alles noch erträglich. Sobald aber Tage kommen, die schnelle Entscheidungen verlangen, versagt diese sehr kom­plizierte Maschine. Auch wenn Verantwortung ge­tragen werden muß, finden sich Persönlichkeiten immer noch eher bereit dazu, als Parteien. Denn die politischen Parteien müsien immer Rücksicht nehmen auf die Interessen ihrer Wähler. Nament­lich bei notwendigen Eingriffen in das finanzielle Gebiet verrät sich das. Der Parlamentarismus /ann nur gerettet werden, wenn seine Parteien einzig nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und der Moral ihre Entschlüsse fassen. Es fehlt in der Verfassung unseres Reiches das stabile Element. So schwankt da« Regierungsschifflein hin und her. Nie­mand kann sein« Richtung voraussagen. Niemand mag sich in stürmischer Zeit ihm anverttauen. Was ist das beste Schiff ohne Steuer? Diese große Lücke in unserer Verfassung kann nur ausgefüllt werden durch «in ideales Moment. Denn die Ideale find stabil. Ewig sind sie und absolut. Keine Re­volution und überhaupt keine Menschenhand ist im­stande, ihnen den königlichen ©timreif zu entreißen. Sie sind nun einmal die Herrscher, und auch ohne Armee rächen sie sich furchtbar an dem, der wider sie sündigt, indem für sie streitet die entsetzliche Logik der Tatsachen. Ich glaube auch, daß sich die Parteien täuschen, wenn sie glauben, durch zögern­des Verhalten und allerlei Rücksichten zwesten und dritten Ranges ihre Popularität erhöhen zu können. Bei einem Regierenden macht populär doch immer nur die Gerechtigkeit, die Festigkeit, die Energie des Handelns. Schutz und Vertrauen will das Volk. Es fühlt sich wie eine Herde, die sich in Zeiten der Not um den Hirten drängt. Merkt es euch, ihr Hirten und Führer, man will F ü h r u n g von euch, nicht aber Kuhhandel, Taktik, Rechenkünste und Buhlen um Popularität. Gerade dieses Buhlen ist das unpopulärste, was ihr euch heute leisten tönnt.

Auch haben Weihnachten nicht gefeiert die chine­sischen Generale, die wiederum Tausende zur Strecke gebracht. Ebenso ist in Marokko und im Drusen­lande gekämpft worden, wenn auch dott wenigstens einige zage Friedensfchalmeien hörbar werden. Und den Krieg bereiten sie in Mofful und wer weiß wo sonst noch im geheimen. Was früheren Zeiten ge­genüber dabei auffällt, tft die vollkommene Macht­losigkeit Europas. Wir schauen zu, wo wir früher zu entscheiden hatten. Wir stehen diesen Völkern, die einst mit einer gewiffen Ehrfurcht zu uns auf­schauten, wie zu älteren Lehrern und Erziehern, nicht einmal mehr als gleichberechtigt gegenüber, sondern vielmehr als Unterdrücker, als Feinde, die man abschütteln müsse. Erst jetzt erfahren wir, was es heißt, feine Ideale begraben. Europa ist nicht christlich mehr, nachdem es doch im letzten Grunde seine Herrschaft auf die Ueberlegenheit der christ­lichen Kultur begründet hatte. Nachdem uns dieser Diamant aus dem Kronschatz unserer Herrschaft ge­nommen, haben wir nichts mehr, um den Heiden imponieren zu können. Wieder komme ich auf das gleiche Gesetz aller Herrschaft, daß sie nämlich grün­den muß in einer Idee und in einem Ideal. Sonst wird sie gebrochen werden, heute oder morgen.

Die Alten empfinden diese Wahrheit ost nicht so sehr, wie die Jungen. Dieser Tage besuchte mich ein Freund aus Frankreich. Er erzählte mir stau­nenswerte Dinge über große Teile der dortigen Jugend. So sagte >.r zum Beispiel, wie sich in den ausgedehnten Offiziersschulen in St. Cyr die Ver- hältnisie sozusagen auf den Kopf gestellt hätten.

2. Blatt.

*"♦* Druck der Fuldaer Ackleudruckerel, Fulda.

„winsridias" Jubelfest - Oratorium „Bonifatius“.

In einer Woche begeht der kath. Männergesang­verein „Winfridia" sein goldenes Jubelfest. Vor 50 Jahren, in einer für die Katholiken Deutschlands über­aus schweren Zeit, fanden sich wackere katholische Män­ner in dem edlen Vorhaben zusammen, in Winfrieds Grabeskirche den Gottesdienst durch Gesang zu ver­herrlichen. Bonifatiusgeist hat diese Vereinigung er- wectt, Bonifatiustat ist chr unerschrockenes Wirken für die Ehre Gottes zu nennen. Und diesem Geiste ihres großen Namenspatrons hat der Jubelverein bis in die jüngsten Tage unentwegte Treue gehalten. Es fei an die stets sangesbereite Unterstützung katholischer Ver­anstaltungen, an die Stärkung des Katholizismus in der Diaspora und an die reiche Betätigung im Dienste der christlichen Caritas erinnert. Gerade in der notreichen, leidvollen Nachkriegszeit hat die „Winfridia" die warme Liebe zu Heimat und Volk recht oft in seelisch er- frischende und wittschaftlich helfende Taten umgesetzt. Ein gutes Stück Arbeit an der geistigen Wiederaufrich- tung, hingebende Dienste zur Bildung der Dolksgemein- schaft sind still und selbstlos auf dem neutralen Boden des Gesanges in den verflossenen fünfzig Jahren ge- leistet.

Es entspricht durchaus diesem erfolgreichen Wirken im Sinne ihres großen Namenspattons, daß die „Win- friba" zur Krone ihres Jubelkonzertes, das am 10. Ja­nuar 1926 im großen Stadtsaale stattfindet, Heinrich Zöllners Männerchor-Oratorium „Bonifatius" erkoren hat. Hier wird das schwierige Werk der Christianisie- rung des Hessenvolkes durch den großen Apostel Deutsch­lands in wirksamer Vertonung bargeboten. Den Gipfel­punkt ber Hanblung bildet die Fällung der dem Hei­dengotte geheiligten Eiche. Bonifatius Tat, die von Wodan ungerächt bleibt, führt die Heiden unter dem Eindrücke der gewaltigen Gestalt des Apostels in die Arme des Christentums.

Dankbare Aufgaben boten sich dem Komponisten aus dem Texte dar, der aus ber Dichtung „Winfried" von W. Osterwald entnommen ist. Die sich wie Feuer und

Da ertönt in demütiger Ruhe der Chor ber sich nafjenben Christen:

O Friedefürst, Herr Jesu Christ,

Der du für uns gestorben bist!

Du milder Trost in arger Frist.

erbarm’ dich unser!

Doch diese sanfte, eindringliche Bitte rüst den Spott ber Heiben wach unb reizt sie zu gesteigertem Groll. Meisterhaft sinb die scharfen Gegensätze in den beiden Chören miteinander verwoben. Die Priesterin schwebt mit ihrem Sange über dem Ganzen, den Haß der Ihri­gen anfeuemb.

„Der Feind soll erscheinen, sich selber zum Fluch!" fordert sie die Christen heraus. Hell sttahlend klingt bas Gebet ber inzwischen nahe heran gekommenen Schar, die iw Herrn Jesu Christ den rechten Weg, die Wahr­

M 2.

Sonntag, 3. Januar 1926.

Papsttum und MMede.

Die Tore des Heiligen Jahres find geschlossen; ein überwältigendes Schauspiel nahm sem Ende: die Welt saft den Völkerbund Christi. Tausende Christen aller Nationen und aus allen Erdteilen zogen nach Rom, um ihrem geistlichen Vater zu huldigen. Im Geiste des Friedens und in der Er­griffenheit des gleichen Glaubens standen die Ver- tteter aller Länder und Kulturen zu Füßen des Nachfolgers Petti. Unter ihnen Angehörige ehe­mals feindlicher Staaten in Eintracht und Liebe! Nicht der diplomatische Att, nicht der Vertrag hatte sie zusammengeführt! Einzig die überwäl­tigende geistliche Macht des Papsttums, das ohne Schwert und ohne Heer, ohne Verhandlungen und ohne Sicherheitsgarantien die Völker eint. Das erhabenste Schauspiel der Jahrtausende!

Und im selben Jahre schlossen die Diplomaten Frieden, denn nicht der Verttag von Versailles brachte ihn. Waffenruhe ist noch kein Frieden. Der Geist der Versöhnung und des Verttauens schafft ihn erst. Ihn brachte Locarno im Heiligen Jahr. Ein merkwürdiges Zusammentteffen!

Weltfriede und Völkerversöhnung sind dem Christentum wesensgemäß. Ihren Aus- druck fanden diese Ideen in der Lehre des hl. Augustinus von der christlichen Völkersamilie, der ,.omnium christianorum una res publica"; ein Bund selbständiger Staaten und Fürsten unter dem Doppelgestirn Papst und Kaiser sollte den christ­lichen Völkern Frieden und Einheit bringen. Auf den Grundsätzen der christlichen Lehre gestützt sollte das Recht, nicht rohe Gewalt herrschen, und in dem Stellvertteter Christi, dem Papst und dem Kaiser als Sachverwalter Gottes sollten die Staa­ten Schiedsttchter haben. Zwar wurde diese hohe Idee nur unvollkommen erreicht, aber ihr Reprä­sentant, das Papsttum, war unermüdlich für die Vervollkommnung der christlichen Völkerfamilie tätig, bis die Elaubensspaltung der Einheit des christlichen Abendlandes ein Ende bereitete. Mit Recht dürfte deshalb Lingard in seiner Englischen Geschichte schreiben: „. . . Europa wäre in einen unaufhörlichen Krieg versunken, hätten nicht die Päpste fortwährend an der Erhaltung und Wieder- hefftellung des Friedens gearbeitet. Sie verwiesen den Fürsten ihre Leidenschaften und hielten ihre Lbettriebenen Anmaßungen in Schranken; ihr Cha­rakter als gemeinsame Väter der Christenheit gab ihren Vorstellungen ein Gewicht, auf welches kein anderer Vermittler Anspruch machen konnte."

In der Tat, einzig in der Geschichte schritten die Päpste Frieden stiftend durch die Jahrhunderte; selbst als ein Teil des Abendlandes sich von ihnen losgesagt hatte, als die Verwirllichung der christ­lichen Völkerfamilie unmöglich wurde, bot der Papst immer wieder seine Vermittlerhand im Streite der Nationen. In der großen Reihe der Nachfolger Petti ragen einige geradezu als Frie- denspäpste hervor. Ein Leo IV. mahnte die Völker, sich vom Krieg zu enthalten, da et auf diabolische List zurückzuführen sei; und Jnnozenz lX. schrieb an den König von Frantteich: „Der Friede ist der Ausdruck der Barmherzigkeit und der Näch­stenliebe; gibt es noch einen größeren Gegensatz zur Nächstenliebe als Menschenschlächterei?

Die Menschen der Barmherzigkeit und dem Frieden zuzuführen, ist die erste Aufgabe der Vertreter Jefu auf Erden." Wie Gregor VII. und Bonifaz VIII. sich um die Versöhnung der Fürsten bemühten, so versuchten die Rennaissancepäpste einen allgemeinen Friedenszustand herzustellen. Nicht gmndlos be­zeichnet der hl. Bernhard die Päpste als „Zuflucht der Bedrängten" und „Sitz des Rechts und der Gerechtigkeit." Eine Kette von Friedenstaten ziert die Papstgeschichte; und so nimmt nicht Wunder, daß die Fürsten und Staaten in ihren Zwistig­keiten die Päpste als Schiedsrichter anriefen.. Zahl­reich sind die Namen der geistlichen Friedens­stifter, und groß ist die Zahl der internationalen Stteitigkeiten, die sie beilegten. Mit Cantu (Well­geschichte Buch X) darf man sagen: „Es ist etwas Erhabenes in der Idee, daß ein wehrloser den weltlichen Interessen fremder Priester als Richter steht über die zwischen den Fürsten oder Völkern ausbrechenden Stteitigkeiten."

Selbst in der Neuzeit, in der ein Teil der Welt im bewußten Gegensatz zum Papsttum steht, ist seine Bedeutung als Hott des Friedens nicht ge­sunken und seine Tätigkeit für die Dölkerversöh- nung nicht erlahmt. Dor allem ließen die letzten Päpste keine Gelegenheit vorüber gehen, ohne zum Frieden zu mahnen und die internationale Ver­ständigung zu fördern. Bei Beginn des Krim­krieges erklärte Pius IX.: „Der Krieg muß bei«

wird nicht vergeblich sein und das Gewünschte findest du schnell durch eine kleine Anzeige in der „Fuldaer Zeitung“.

Während nun die Christen das neue Licht preisen, dar aus ber Nacht des Heidentums emporleuchtet, zwei­feln die Heiden noch an der Möglichkeit des Heus. Bonifatius verkündet überzeugend den Nerzagten:

Doch fürchtet euch nicht,

die Welt wird nicht mit eurem Gott vergehn, sondern in reinem Himmelslicht durch Jesum Christum fottbeftehn.

""In erhabenem Gesänge schildett ber Apostel mit dem Ehristenchor die Herrlichkeit ber neuen Welt, den Trost für bie Mühseligen und Beladenen. Erschüttert naht sich bie Priesterin bem Apostel, auch sie kann bie Bot- schäft von ber Vergebung nicht glauben. Aber auch sie tröffet Bonifatius mit den Worten: „Den Sünder nimmt er auf mit Vaterarmen." Zarte Instrumentalmusik um- windet den Gesang mit einer Ranke, die, aus der Tiefe aufsteigend, gleichsam nach der Höhe hinweist, von der die Gnade kommt. Ueberwältigt beugen die Heiden ihre Knie und empfangen die Taufe, indem sie die Se­ligpreisungen, die Bonifatius vorsingt, beantworten. Von der Liebe des Erlösers besiegt, findet sich eine große gläubige Schar unter bem Banner des Kreuzes zu- Jammen. Im Preise des einen wahren Gottes klingt das Werk aus.

Wie Zöllner in dieser knappen Form bas Vergehen einer alten und das Entstehen einer neuen Weltanschau­ung musikalisch als eine Entwicklung schildert, wie er den scharfen Gegensatz der beiden Chorgruppen immer mehr abschwächt, die christliche Bewegung, die zaghaft erst unb schüchtern auftritt, allmählich zu einer sieghaften Macht anwachsen läßt, welche den Heidengroll austilgt unb bie von ihrem Gott verlassenen Germanen zum Christentume hinzieht, bas ist die große Meisterschast des Werkes, das die gewaltige Bedeutung der Hand­lung tiefinnerlich erfaßt und erfchütternd darstellt.

Möge eine zahlreiche Konzertgemeinde im Iubel- konzett atn 10. Januar von diesem Chorwerk ergriffen werden; bann hat bie Schöpfung bes Komponisten und bie hingebende Arbeit der „Winfridia" den großen ideel­len Erfolg, den sie erstrebt und verdient.

Macht zur Beftirdung der Wett einsetzen. Oester als sein Vorgänger äußette sich Leo Xlll. aum Weltfrieden; mahnend und warnend klang sewe Stimme über die Verwerflichkeit des Krieges und die Lobwürdigkeit jeglicher Fnedensbesttebung. Immer wieder betonte er, daß es eme heilige Aufgabe der Kirche gewesen sei und bleibe, den Frieden zu hüten. Er wurde wiederholt als Frie- densvermittler und Schiedsrichter angerufen, so ins­besondere von Deutschland und Spanien im ^ahre 1885 in der Karoliuenfrage, fünf Jahre später von Belgien und Portugal, 1891 von Portugal und England. Große Erwartungen knüpfte man an seine Teilnahme an den internationalen Friedens­konferenzen, und sowohl Zar Nikolaus II. wie die niederländische Königin hatten ihn um seine Teil­nahme und Unterstützung gebeten.

Allgemein war die Enttüstung und das Be- dauern, als er wegen der Machenschaften des en er - süchtiaen Italiens nicht teilnehmen konnte.. Seht Nachfolger Pius X., war von demselben Friedens­willen erfüllt, und die moralische Macht des Papst­tums blieb unter seinem Pontifikat, ungeschwacht erhalten. In dem Schiedsvertrag zwischen Colum­bien und Peru wurde der Papst als Schiedsrichter benannt. Und des öfteren schlichtete em Schieds­gericht unter dem Vorsitz eines Apostolischen Nun­tius die Stteitigkeiten zwischen den sudameruanl- schen Staaten. Ein einzigartiges Denkmal erinnert an diese Friedensarbeit der Kirche: die riesige Christtisstatue, die in 3900 Meter Höhe auf den Anden mit ihrer Inschrift der Welt verkündet: „Eher follen diese Berge in Staub zerfallen,, als die Völker von Argentinien und Chile den Frieden brechen, den sie geschlossen haben zu den Fußen Christi, des Erlösers." Auf Anregung eures ar­gentinischen und chilenischen Bischofs wurde die Entscheidung eines Grenzsttettes beider Staaten dem König von England zur Schlichtung über­geben; aus Dankbarkeit gegen Gott und als Zeichen für die Friedensarbeit der Kirche ließen die beiden Nationen am 13. März 1904 «uf ihrem gemein­samen Friedenssest dieses Denkmal enthüllen.

Als Benedikt XV. den Stuhl Petti bestieg, stand die Welt in Flammen; vom ersten Rundschreiben an bis zu seiner letzten Lebensstunde war er rast­los bemüht, dem Blutvergießen ein Ende zu machen und einen wahren Frieden herberzufuhren. Er benutzte jede Gelegenheit, um Frredensvermitt- lungen anzubahnen; er sorgte für die Verwundeten und Gefangenen, für die Armen wie für Hw hungernden Kinder. Der Vatikan wurde tatsächlich zum Mittelvunkt der Welt; an ihn wandten sich die katholischen Belgier um Fürsprache bei den Mittelmächten und der russische Journalist de Jchi- techeweschy, der wegen Spionage m Oesterreich zum Tode verurteilt war; selbst der urdlsche Raja von Cochin erhielt durch die päpstliche Vermittlung seinen ältesten Sohn aus der deutschen Inter­nierung zurück. Der Papst sorgte für «Ne ohne Ansehen des Glaubens und der Nationalität. Er linderte die Not der Serben und Montenegriner, die ihm weniger nahe standen ebenso wie der der katholischen Völker. Es ist daher.mcht v«wu^«. lich, daß auch die mohammedanische Presse ferne Friedens- und Mildtätigkeit pries, die laut „Osstr- vatore Romano" vom 14-1-1916 schrieb: „ . - Be, dieser majestätischen Gestatt des Papstes, deffen edle Seele von so vornehm«, und erhabenen Ge- fühlen zittert, muß man sich nicht darüber wun dem, daß alle Völker den Papst als emen Wohl- tätet der Menschheit betrachten."

Rückschauend darf man mit dem Protestanten Leipniz (Ges. Werke V, 65) sagen: „Will man das goldene Zeitalter zurückführen, so muß man Zur Schlichtung der Stteitigkeiten unter den Fürsten (Staaten) einen Gerichtshof errichten und den Papst zum Vorsitzenden desselben machen, wie er denn m Wahrheit einst der Richter unter den christlichen Potentaten gewesen ist."

sich, daß er gebeten wurde, auf dem Vatikanifchen Konzil das chttstliche Völkerrecht zu formulieren, daß aus zwei verschiedenen Welten, aus England und Armenien die gleiche Bitte kam, daß Katho­liken und englische Protestanten sich in dem Wunsche fanden, der Papst möge seine ganze moralische

schwinden und von der Erde verbannt werden." 1863 stimmte er als einer der wenigen begeistert dem Abrüstungsvorschlag des dritten Napoleon zu und vor dem deutsch-französischen Krieg bot er dem König von Preußen seine Vermittlung an, um diesen Krieg zu verhindem. Es ist daher verständ-

Wasser feindlich gegenüber stehenden Gruppen, Heiden und Christen, bie mit der fortschreitenden Handlung sich fteigernbe Spannung, ber leidenschaftliche Ausbruch unb das versöhnende Ausklingen ber Gegensätze in der Heidenbekehrung, das gab prächtige musikalische Bilder, so recht geschaffen für Heinrich Zöllner.

In ber Einleitung durch das Orchester taucht bas Motiv der heidnischen Prieftettn auf. In wildem Hasse bäumt es sich unter fortwährender Steigerung immer wieder auf, um ohnmächtig in die Tiefe zurück zu fallen. Leidenschaftlichen Gebeten ber Priesterin folgt die Hul­digung ber Germanen an Wodan:

In Windes Wehen, in Laubes Lispeln, in Sturmes Saufen, in Stromes Brausen allüberall, Allvater du!

Dein Segen strömt auf unsre Saaten, dein Licht erleuchtet unser Leben, wenn wir dich willig verehren, Wodan!

Mit flammendem Sange kündet die Priesterin bie

Früher war dort jede Religion verpönt heute aber dräng, man fick dazu. Dm k'rchenftn düche Regw rung muß zuseh-n, wie General Castelnau, ver tat sächlich sein Kriegshandwerk g^zmdenD'enll eines höheren Ideals gestellt hat durch das Land zi°hl und fein Volk an Frankreichs heiligstt Guter erinnert Gerade von ihm muß man einraumen, daß er offenbar selbst jenen Chauvinismus, den wir am Franzosen kennen und schließlich verstehen aus der Geschichte heraus, wirklich b eg r ab en Hot, um nun mit seiner ordensbesaten Brust von 2er sammlung zu Versammlung zu esten emz.g zu dem Zweck, her Religion äu dienen. In Deutschland bemerken wir bei der Jugend ähnliches. Man ruft von vielen Seiten her, die^Jugendb weguns n zu Ende Das ist nicht wahr. Sie fangt vielmehr erst an. Aus dem Geschwätz sich ew'g wiederholen­der Programme ist sie heraus. Dte ^'leraten be kommen das Gefühl, daß esliteran che Ange leaenhsit mehr ist, sondern eme der Arbeit und des Lebens. Und da schweigt diese Sorte von-lttraten, für die etwas tot ist, wenn es aus dem Stadium der Sensation heraus ist. Gott sei Dank, baß sie schweigen. Laß sie auch nur ihre rfebern spchen und schreien: Die Jugendbewegung ist tot. Die­jenigen in der Jugend, die nicht Literaten sind und wissen, worauf es ankommt, arbeiten darum nicht weniger, weil nur ihre Arbeit sich mehr m der Stille vollzieht. So viel Erfreuliches habe ich ge- sehen, daß ich bei aller Nüchternheit, bie man sich bei derlei Bewegungen in der Kritik bewahren muß, doch gestehe, daß es alle Erwartungen übertrifft.

Und nun noch etwas ganz Trauriges. Nur ruhig, ich spreche nicht von Konkursen. Da schweige ich nur und bete still zu Gott, er möge den Hart- betroffenen helfen, daß sie nicht nur tn der Sorge des Lebens aus reiner Verzweiflung mit dem irdi­schen Vermögen auch den Blick auf die Sterne ver­lieren, die Sterne bes Glaubens unb der Hoffnung, dft allein auch im Elend noch leuchten. Nein, ich denke an Harmloseres, was doch mein Gemüt mit heimlicher Wehmut erfüllt. Am ersten Weihnachts­tage um 8% Uhr spielte sich auf dem Postfuhrantt in der Oranienburger Straße in Berlin eine über­aus traurige Szene ab. Auf ber einen Seite wartete eine Reihe von neuen Postautos auf ihre erste Fahrt, auf der anderen erschien eine Kolonne an­derer zu ihrer letzten. So grüßen sich Tod unb Leben fortgesetzt. Die aber hier ihre letzten Fahrten unternehmen im leichten Schneetreiben jenes Weih­nachtsmorgens, bas waren bie letzten Postillione. Ich kenne sie, wenn ich sie auch selten gesehen. Aus meiner Juaenb sind sie mir vertraut. Ich habe bas Postftirn Morgen für Morgen gehört, wenn die gelbe Kutsche an unferm Hause vorbeikam. An Festtagen habe ich auch wohl barin gesessen unb er­innere ich mich auch heute noch ber kalten Füße dabei, ei, es waren doch herrliche Fahrten. Unb wenn gar ber Postillon mit bem weithinschallenben Horn unb mit ben bem mächtigen Federbusch am