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Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

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FuldaerZettung

53. Zahrg.

Sonntag, 3. Januar 1926,

Nr. 2

Die Neujahrsempfänge in Berlin.

Die flusipradie der Nuntius und die Antwort der Reichspräsidenten

Washingtoner Zmanr-Lonferenz.

Zur Finanzkrise Frankreichs. — Zum Repara« tionsproblem Deutschlands.

wtb London, 2. Ian. (6tg. Runds.-Meld.) „Rlorning Post" meldet aus Washington: Wenn auch die Konferenz des Gouverneurs der Dank von England, des Generalagenten für die Repa­rationen und des Gouverneurs der Pundesreserve- Lank von Newyork mit Schahamtssekretar Mellon die am 31. Dezember siattfand, offiziell lediglich als höflichkeits - Bezeugung bezeichnet wird, besteht guter Grund zu der Annahme. daß die Frage besprochen wurde, wie Frankreich aus dem finanziellen Sumps gezogen werden könne und wie es D e u t s ch l a n d ermöglicht wer­den kann, seine Reparationszahlungen weiter zu leisten. Der praktische Plan scheine der zu sein, deutsche Lisenbahnbonds im Betrage von einer halben Milliarde Goldmark an ein eng­lisch-amerikanisches Sy ndikat zu ver­kaufen und Frankreich mit dem größten Teil des Lrlöfes zu ermöglichen, feine Finanzen zu stabili- fleren, während englische und amerikanische Dan­ken der französischen Regierung den gleichen Be­trag leihen würden, wofür ein Teil zur Bezah­lung der Schulden an die Vereinigten Staaten verwendet werden würden.

Line Reujahrskundgebung des amerikanischen Vizepräsidenten.

wtd W a s h i n g t o a. 2. Ian. (Lig. Rundf.- Meld.) 3n einer Neujahrs-Lundgebung erklärte Vizepräsident Dawes, Locarno bedeute eine große Leistung. Beim Eintritt in das Jahr 1926 sehen wir überall um uns Beweise des Stre­bens nach politischem und wirtschaftlichem F r l e - d e n. Das ist ein sehr hoffnungsvolles und wohl- tuendes Anzeichen.

China.

Entführung von Missionären in China.

wtb London, 2. Ian. (Eig. Rundf.-Meld.) Aus Shanghai wird gemeldet: Zwei weibliche Mit­glieder der südlichen Baptisten-Misfion aus Putschau in der Provinz Ankwai sind von Banditen entführt worden. Die Banditen hatten die Stadt vor drei Wochen angegriffen und beseht.

ThronverzichL des rumänischen Kronprinzen.

Amtlich wird aus Bukarest mitgeteilt: Da der rumänische Kronprinz Karl dem König seinen unwiderruflichen Verzicht auf die Thron­folge und alle daraus entspringenden Vorrechte mitgeteilt hatte, sah sich der König gezwungen, diesen Verzicht anzunehmen und in das Schloß Pelesch einen Kronrat einzuberufen. Er teilte seine Entschließungen mit und forderte alle An­wesenden auf, ihm bei deren Ausführung sowie bei der Proklamation seines Enkels, des Prinzen Michael, zum Thronfolger behilflich zu fein. Auf Grund der ihm von allen Seiten gemachten Zu­sicherungen wurde die Volksvertretung auf Mon­tag den 4. Januar einberufen.

Werkzeug zum Gedeih und zum Fortschritt werüen, je größere Opfer sie zum allgemeinen Besten auf sich ge­nommen haben. Dem d e u t s ch e n Volke, das unter Ihrer Wegführung in bewunderungswürdig er

Der Reichsaußemninister Dr. Str cf ernenn hat in einer Erklärung vor der Presse in dem Streit über die Genfer Stellenbesatzungen mitge­teilt, daß er den Antrag stellen werde, den Aus­wärtigen Ausschuß des Reichstagesein- zuberufen, um die gegen das Auswärtige Amt erhobenen Beschuldigungen klarzustellen.

Dar völkerbundsbüro.____

Der Streit um die Vertretung Deutschlandsim Völkerbund stnk! das Interesse überhaupt auf das Völkerbundsbüro hin. . .

Wenn Deutschland in den Völkerbund emtritt, bann kommt seine Teilnahme^ Organe des Völkerbundes in Betracht, namstch für den Völ­kerbundsrat, für die Dölkerbundsver sammlung und für das ständige ^efre* * ^De°^Völkerbundsrat tritt viermal zusammen,die Bundesversammlung einmal im Sa^e. 3m .üoi« kerbundsrat hat Deutschland emen Vertreter, m der Bundesversammlung drei. Das ständige Sekre­tariat des Völkerbundes besteht nach der Volker- bundsatzung aus „einem Generalsekretär sowie den erforderlichen Sekretären und dem erforderlichen Personal." Dem Generalsekretär, letzt Sir Erie Drumond, ein Engländer, fteljt etn stellvertre­tender Generalsekretär, setzt der Franzose Ave­no l zur Seite. Daneben sind noch zwei.Unter­generalsekretäre, jetzt ein Italiener und em Ja­paner bestellt. Das Sekretariat selbst hat zwölf Abteilungen, an deren Spitze Direktoren fteben, denen Chefs de serviee und Chefs de feetion be,- geqeben find. Diese Stellungen bestehen wieder­um aus Mitgliedern zweiter Klaffen A und B.

Wenn Deutschland ht den Völkerbund eintritt, so kann es auf Grund der bisherigen Verteilung der Posten mindestens zwanzig höhere Be- amte im Dölkerbundsrat verlangen. Voraussicht­lich werden ihm der neu zu schaffende Posten eines zweiten stellvertretenden Generalfekretars, ferner zwei Direktorenposten zufallen. England hat jetzt drei und Frankreich zwei Direktorenposten Ist den Zustellungen A unbB ist vor allem auch noch Platz für tüchtige deutsche Spezialisten auf juristischem, finanziellem, wirtschaftlichem, medizi­nischem, humanitärem und organisawrischem Gebiet. Wenn auch die deutsche Sprache im Völkerbunds­sekretariat einen breiteten Raum emniwnt, so sind jedenfalls solche Deutsche bevorzugt, die flie­ßend mehrere Sprachen, vor allem also Englisch, Französisch und Italienisch beherrschen. Für solche kommen dann auch Stellungen in der Uebersetzungsabteilung und in der Mteilung für Redaktion und Publikation in Betracht. Da­neben gibt es bann noch Raum für Hilfspersonal, Sekretäre, Sekretärinnen, Stenographinnen und Schreibmaschinistinnen, die naturgemäß mindestens auch zwei Sprachen vollkommen beherrschen müssen. Die Beamten selbst sind Angestellte des Völkerbundes, leisten dem Völkerbund den Diensteid und scheiden, soweit sie deutsche Beamte sind, aus der deutschen Beamtenstellung aus. Die Gehälter der obersten Stellung beim Völkerbunds­sekretariat find außerordentliche hoch, während die Gehälter der mittleren Stellen denen des diplo­matischen Dienstes im Auslande entsprechen.

nicht nur den eigenen Interessen, sondern der Volks­gemeinschaft dient. Daß dieser Geist der Gemeinschaft im neuen Jahre das deutsche Volk sühren und ihm nach soviel schweren Jahren des Leidens lichtere und geseg- ,totere Zeiten wahren Friedens iw Innern und nach außen bescheren möge, ist mein sehnlichster Wunsch und mein innigstes Hoffen!

Später übermittelten der Reichstagspräsident ß o cb e und die Vizepräsidenten Dr. Ri e ß n er, Dr. Bell und G r a e f die Wünsche des Reichs­tages und als Vertreter des Reichsrats und der Staatssekretäre des preußischen Staaisministeriums Weißmann, des bayerischen Reichsrats der Be­vollmächtigte von P r e g e r die Glückwünsche die­ser Körperschaften. Für die Wehrmacht erschienen General der Infanterie v. Seeckt und Konter­admiral Pfeiffer, die dem Reichspräsident die Glückwünsche des Heeres und der Marine ausspra­chen.

sagte u. a.:

Große historische Ereignisse haben ihre Anfänge in dem verflossenen Jahre. Den Völkern ist die tröstliche Hoffnung auf eine neue engere europäische Ge­meinschaft geschenkt. Das Berliner diplomatische Korps, das die Ehre hat, zu seinen Mitgliedern hervor­ragende Persönlichkeiten zu zählen, die an diesem Werke der Versöhnung und der internationalen Entspannung verständnisvoll mitgearbeitet haben, spricht den .innig­sten Wunsch aus, daß dieses Werk wirklich den frucht­baren Keim zum Glück und Frieden in |«t) trage. Möge es für die Völker ein um so machtvolleres Werkzeug zum Gedeih und zum Fortschritt werden, je

* Dom Fafzismus. Mit dem Schluß des Hei­ligen Jahres sind zwei faszistische Presseunterneh- mungen in Rom eingegangen, die von Bottai und dem Eontre-Nationale-Abgeordnete Egilberte Martire geleitete „Epoca" und fetzt auch die „Idea Nazionale", das Organ des Ministers des In­nern Federzoni, der früher Chefredakteur dieses Blattes war. Die „Idea Nazionale" wurde da­durch gerettet, daß ihr ganzer Redaktionsstab an die von faszistischen Großkapitalisten gekaufte „Tri­buna" übersiedelte, die also der Regierung jetzt ganz zur Verfüguig steht als Abendblatt, wäh­rend das muffolinische „Popolo di Roma" das of­fizielle Morgenblatt bleibt. Es hieß eine Zeit lang, daß auch dieses Blatt aus Mangel an Abonnenten seine römische Ausgabe einfteHen wolle, was jedoch bis jetzt nicht eingetreten ist. Bekanntlich ist die Hauptstadt Italiens k e i ne s w e gs fafzistisch ge­sinnt, und dieses äußert sich auch in dem wenigen Glück, das hier die Faszistenblätter haben. Auch der Stadtrat war volksparteilich-demokratisch ge­richtet, bis ihn Mussolini nach Hause schickte und einen Kommissar dafür einsetzte, der jetzt zum „Gouvernuer" ernannt worden ist und eine eigene n i f o r m in Form eines Hofkostüms mit blauem Frack, goldenen Tressen und einem Straußfeder­hut erhalten hat, worüber der „Osiervatore Ro­mano" berichtet. Das Schreiben, welches Musso­lini der „Idea Nazionale" anläßlich ihrer lieber« siedlung in die „Tribuna" übersandte, ist deshalb besonders interessant, weil es das Datum in einer neuen Zeitrechnung trägt. Im Jahre 4, was auf den Marsch auf Rom Bezug hat, der vor 4 Jahren stattfand . . .

* Die englische Luftfahrt. „Daily Telegraph" zufolge wird das Luftschiff „R. 36", das zu Anfang tiefes Jahres eine Reife nach Aegypten unterneh­men sollte, nicht wieder in den Dienst gestellt wer- dn.' Hingegen wird „R. 33" aller Voraussicht nach noch einige Fahrten machen. Das Blatt befürchtet, daß die beiden neuen Luftschiffe nicht vor März 1926 fertig gestellt sein werden.

* Die mexikanische« Eisenbahnen. Tie mexi' konischen Eisenbahnen und bisherigen Staatsbahnen sind gestern nach den Bestimmungen des kürzlich zwischen Mexiko und einem internationalen Bankiers­komitee getroffenen Schuldenabkommens wieder in private Verwaltung übergeführt worden.

Reichspräsident v. Hindenburg richtet an die deutsche Wehrmacht folgenden Neujahrserlaß:

„An die deutsche Wehrmacht!

Der deutschen Wehrmacht entbiete ich zum neuen Jahre meine herzlichen Wünsche. Ick habe im vergangenen Jahre das hohe Maß ihres Könnens, mit Freude festgestellt. Ich wünsche ihr, daß sie unter bewährter Führung fortschreiten möge in ihrer Aufgabe, unser Vaterland zu schützen.

Der Reichspräsident: gez, v. Hindenburg.

Der Reichswehrminister: Dr. Geßler."

Entschließung noch nickt Stellung genommen. Erst wenn dies geschehen ist. wird die Reichsregierung je nach der Stellung des Reichstages sich darüber fcklüssig machen können, ob ein Anlaß vorliegt, die Meinungsverschiedenheit mit Bayern über die dor­tigen Tttclverleihunaen zum Austrag zu bringen. — Hoffentlich hat die Reicksregierung in der nächsten Zeit keine wichtigeren Probleme zu lösen.

* Eine bemerkenswerte Briefkastennotiz. Der deulschnationa!-völkische Pfarrer Traub gibt im redaktionellen Briefkasten seiner Zeitschrift „Eiserne Blätter" (Nr. 25 dieses Jahrgangs) „Herrn Pfarrer F. in R." folgende Auskunft: „Sie haben ganz recht: Die „Tägliche Rundschau" kann sich rühmen, am eifrigsten für Locarno geworben zu haben. So fällt das Risiko für Locarno zum großen Teil leider auf den Evangelischen Bund. Selbstverständlich hat dieser mit Locarno nicht das Mindeste zu tun. Aber die „Tägliche Rundschau" hat sich dem eocin- gelischen Pfarrhaus angeboten nicht als Blatt Ktrese- manns sondern als Zeitung des Evangelischen Bundes. Daß nun noch Ludendorff in häßlicher Welse von der „Täglichen Rundschau" angegriffen wurde, der in Bayern als Typund Vorkämpfer des Evangellschen Bundes gilt und darum mit Dreck beworfen wird — das zählt zu den Er­scheinungen unserer Narrenzeit! Lesen Sie künftig

1 den Reichsboten!"

= Vie einstweilige Nachfolge Max von Shillings. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bat die interimistische Leitung der Staats­oper vom 1. Januar ab bis zur endgültigen Regelung der Jntenüanienfrage dem Generalmusikdrrektor Erich Kleiber, dem leitenden Oberregiffeur Prof. Hürth und dem Direktor der Generatverwaltung Geheimrat Winter unter genauer Festsetzung der gegenseitigen Kompetenzen übertragen.

Der Reichspräsident hat den Chef der Heereslei­tung, General v. Seeckt, am Neujabrstage zum Generalobersten befördert, nachdem dieser seinen bisherigen Dienstgrad seit dem 1. Oktober 1920 innegehabt hat.

Hindenburg an Dr. Schacht.

Der Reichspräsident richtete anläßlich des 50jäh- rtgen Bestellens der Neichsbank an den Präsiden­ten des Reichsbankbirektoriums Schacht folgendes Schreiben: Dem Reichsbankdirektorium und der Reichsbank spreche ich zu dem heutigen Tage des 50jährigen Bestehens meine herzlichsten Glückwünsche aus. In einer Zeit als Zen­tralnoteninstitut uid Vermittlerin des ausländi­schen Eeldverkehrs gegründet, entwickelte sich die Neichsbank immer mehr zu dem wichtigen Fun­dament der deutschen Volkswirtschaft. Das letzte Jahrzehnt stellte die Reicksbank vor die schwersten Aufgaben, die einem staatlichen Bankinstitut über­haupt aufsrlegt werden können. Sie hatte im Weltkrieg, vom Geldmarkt der Welt abgeschnitten, den deutschen Geldverkehr neu zu gestalten und die Reichs- und Staatsfinanzen den außerordent­lichen Nerhältniffen anzupaffen. Sie mußte in den schwierigen Jahren der sinkenden und zusmnmen- brechenden Währung die Staats- und Volkswirt­schaft mit immer neu zu Mästenden Umlaufmit­teln und Krediten am Leben erhalten.

Diefe fast unmögliche Aufgabe bat die Reichs­bank in anerkennenswerter Weife gelöst und damit dem Reiche wie dem gesamten deutschen Volke wertvolle Dienste geleistet, und in der letzten Zeit brachten die Wiederherstellung der Goldwährung, ihre Sickerung und Durchführung, der Geldbedarf der deutschen Industrie und die Wiederanknüvfung der Beziehungen zum Auslandspeldmarkt der Reichsbank und ihrer Leitung neue schwierige Pro­bleme der Währungs- und Kreditpolitik, die sie un­beirrt vom Streit der Meinungen in mustergül­tiger Weise gelöst hat. Durch diese Dieb aestaltige Arbeit hat die Reicksbank in ihrem 50- iähriqen Bestellen dargetan, wie unlösbar sie mit der deutschen Wirtschaft verbunden und wie unent- behrlicb sie für deren Wiederaufbau ist.

Daß es der Reichsbank vergönnt fein möge, auch der jetzt schwer bedrängten deutschen Volks­wirtschaft wirksam zu helfen und sie in naher Zu­kunft auf die Wege der Gesundung und Wieder- erftarfung und ihrer alten Geltung zu geleiten, ist der aufrichtige Wunsch, mit dem ich im Gefühl des warmen Dankes für ihre bisher geleisteete große Arbeit Sie, Herr Präsident, das Reichs- bankdirektorium und alle Beamten und Angestell­ten der Reichsbank am heutigen Tage herzlichst begrüße.

* Preußischer Staatsrat. Der verstärkte Haupt» aussckuß des Preußischen Staatsrates tritt am Montag, den 11. Januar 1926, vormittags 10 11 (;r zusammen. Gegenstand der Verllandiungen bildet der Beginn der Eiatsberatungen für 1826.

* Wiedergeburt des Titels? Zn den Titel- Verleihungen der bayerischen Regierung, die be­kanntlich nach allgemeiner Anffassung der Reichs- Verfassung widerspricht, wird amtlich mil­geteilt: Die Reicksregierung hat bisher stets die Auffassung vertreten, daß bloße Ehrentitel nach Artikel 109 Absatz 4 der Reichsverfaffnng nicht verliehen werden dürfen und bat diese Auffassung auch gegenüber der bayerischen Regierung, die die Verfaffungsbestimmung anders auslegt, zum Aus­druck gebracht. Die Reichsregierung hat aber von einer Austragung dieser Meinungsverschiedenheit, etwa durch Anrufung des Staarsgerichkshofes für das Deutsche Reich abgesehen, weil beachtliche Stim­men laut geworden sind, die eine i e n b e r u n g der erwähnten Verfassungsbestimmung wün­schen. So hat der Ausschuß des Reichstages für den Reichshaushalt im Sommer dieses Jahres ein ne Antrag der Abgeordneten D. Dr. Schreiber, Ersing und 0. Mumm angenommen, der die Reichsregie- ^ung erjuckt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Verleihung von Titeln von Rechtswegen «QtV. Das Weynm des Reichstages hat zu dieser

tung fortarbeitet, bringt das diplomatische Kon>s für das beginnende Jahr die m ä r m ft e n Wunsche dar.

Der Reichspräsident erwiderte darauf:

Mit Ihnen, Herr Nuntius, rostnsche und ersehne ich, daß die Hoffnungen der Völker, insbesondere die Er­wartungen des immer noch schwer bedrückten deutschen Volkes, nicht enttäuscht werden. Mit Ihnen, Herr Nuntius, hoffe ich zu Gott, daß aus diesem im ehr­lichen Willen zur Verständigung gelegten Keim bald der volle und wahre Friede hervo.rsprießen möge. -Ltef= durchdrungen von der in den Herzen der Menschen le­benden Wahrheit, daß mir Gerechtigkeit, Sitt­lichkeit und Freiheit die Grundsteine sind, auf denen sich das Zusammenleben der Völker aufbauen und entwickeln kann, wird das deutsche, Volk mit aller Strait unverzagt weiterarbeiten an der friedlichen Wiederauf- richtung und Festigung seines eigenen nationalen Le­bens, rote auch an der Förderung und Sicherung des Friedens, der allein der Wirtschaft und der Kultur Fort­schritt und Aufstieg bringen kann. Möge das neue Jahre unsere gemeinsamen Wünsche nach einer f o rt- dauernden Annäherung und V erständt -- anno der Völker lebendige Wirklichkeit werden las­sen. In dieser Hoffnung spreche ich Ihnen. Herr Nun­tius, und Ihnen, meine Herren, zugleich für Ihre Staats­oberhäupter, Neaiertingen und Völker im Romen des deutschen Volkes" und im eigenen Namen meine herz­lichsten und aufrichtigsten Neujahrswünsche aus.

Hierauf begrüßte der Reichspräsident die ein­zelnen Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Neuiahrswiinsche. Bei dem Empfang war u. a. Dr. Stresemann zugegen. Im Anschluß daran empfing der Reichspräsident die hier anwesenden Staatsminister und Staatssekre­täre der Reichsregierung.

Als Vertreter des abwesenden Reichskanzlers sprach Dr. G e ß l e r die Glückwünsche der Reichsregierung aus. Er sagte u. a.:

Zwar will es scheinen, als ob die bedeutsame Fort­entwicklung unserer Beziehungen zu den anderen Völ­kern Deutschland den Weg friedlicher Arbeit und fried­lichen Wiederausstiegs ebnen helfen will. Auch hat die innenpolitische Befriedung unseres Vaterlandes, nicht zuletzt dank der auf Verständigung und Ausgleich der Gegensätze hinzielenden und die Achtung von Verfassung, Recht und Gesetz gewährleistenden Führung der Ge­schäfte durch Sie, Herr Reichspräsident, weitere Fort­schritte gemacht. Aber es gilt jetzt, die gefährliche Krise, die unser gesgmtes wirtschaftliches Le­ben erfaßt hat. zu beheben. Vor uns stellt die aerool- tige Zahl von über einer Million Erwerbs­losen mit aller Not und Verzroeiflung. die sich in einer solchen Zahl ausspricht. Wir müssen uns klar vor Augen halten, mit welchen Mitteln vor allem der wirt­schaftlichen Bedrängnis abzuhelfen ist. Nur Arbeit und Sparsamkeit werden es uns ermöglichen, die Grund­lagen wieder zu festigen, die der verlorene Krieg er­schüttert hat.

Der Reichspräsident erwiderte u. a.:

Mit Recht haben Sie. Herr Reicksminister, das Ge­bot der Arbeit und Sparsamkeit als Leitspruch vor die Tätigkeit der Regierung, wie vor das Leben des ganten deutschen Volkes in diesem neuen Jghre gesetzt. Ich wünsche und heife. daß unsere Volksgenos­sen im Bewußtsein der Schicksglsgemeinschaft. die glle Deutsche unlöslich umfaßt und in varroärtsstrebendcm zähen Willen, der uns immer wieder in die Höhe ge­bracht hat. dieser Notwendigkeit sich beugen und diesem Gebote leben werden. Das wird aber nur möglich sein, wenn jeder Berufsstand und jeder Teil unseres Volkes mehr als bisher den, Bedürfnissen und Notwendigkeiten der mtberen Stände und Teile Rechnung trägt, und

Reichspräsident v. Hindenburg empfing am Neujahrstage die Chefs der fremden diploma­tischen Vertretungen. Die Glückwünsche des diplo­matischen Korps brachte der Apostolische Nuntius Mons. P a c e l l i als Doyen zum Ausdruck. Er

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Ms Südtirol.

In ganz Südtirol wird gegenwärtig nach Waf­fen gesucht. Zahlreiche Haussuchungen wur­den in den letzten Wochen vorgenommen. Die Gerichtsbehörden sind angewiesen, mit größter Strenge vorzugehen. Ein Bauer von Seien wurde vor einigen Tagen von dem Tribunal in Bozen wegen Besitzes eines Wasfenlagers, bestehend aus einem Gewehr und einem Bajonett, zu nicht weni­ger als 13 Monaten Kerkers verurtellt.

Arn 14. November wurden in Gries bei Bozen 30 junge Leute verhaftet, die in einem Weinlokal zusammensaßen und deutsche Lieder san­gen. Gegen sie wurde nun Anzeige wegen Hoch­verrats erstattet. Der Staatsanwalt wohnte persönlich den Vernehmungen bei. Mussolini selbst wird über den Prozeß auf dem Laufenden gehalten. Der größte Teil der Angeklagten ist jedoch heute noch nicht vernommen, obwohl gesetz­lich die Bernellmung innerhalb von drei Tagen nach der Einlieferung zu erfolgen hätte. Eine für die Familien der Verhafteten veranstaltete Samm­lung wurde von der Carabinerie sofort verboten und befohlen, das Geld den Spendern zurückzu­geben, widrigenfalls die Sammler eingesperrt würden.

Wirtschaftsfragen.

= yrolongat on der Llickstoffwechsel. Das Stickstoff. Syndikat teilt mit: Ein Bankenkonsortium hat sich zur Diskontierung und Prolongation der vom Handel ge» gebenen Stickstoffwechsel verpflichtet. Die Prolongation erfolgt zweimal, in Ausngbmcfällen dreimal, jedenfalls bis zum 1. Dezember 1926. Daneben bleibt der auf 4'A pCt. erhöhte Nachlaß für jede ein Drittel des Rechnungsbetrages übersteigende Barzahlung bestehen. Es wird wiederholt darauf hingewiefen, daß eine Her. abfetzung der S tick stof f pr eif - im laufenden Düngejahr nicht in Frage kommt. Sie kann umso, weniger ftattfinden, als das Stickstoff-Syndikat erneut große Opfer bringt, um die oben erwähnten langfristigen Kredite und die Finanzierung der enormen Läger zu ermöglichen, die angelegt werden mußten, damit der Landwirtschaft der Stickstoff zum Fruhjahrsbezuge be­reit steht.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: .Illustrierte Bei­lage" und .Buchenblätter". RotationSvruck und Berlag der stvldacr fcclienbredttei in gnlda. Ilern sprech er Nr. 9.

Monatlicher Bemas!: reis: 1.50 Mk.