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M 1.
Klag, 1. Januar 1926.
Som Tarifvertrag.
Hnann Wilhelm Reutz-Hamburg.
In b. roirtsä-aftlichen Interessenkämpfen der Gegenwc spielen Tarifverträge eine bedeutende Rolle, j Kampf um ihren Abschluß wirkt häufig bis in feinste Hütte, — aber auch auf dem ganzen Weiarkte kann er für Industrien, die von ihm besten werden, von geradezu katastrophalen Folgen t. Das rechtfertigt das große Interesse, das mahm auf allen Seiten entgegenbringt.
Wo^ beruht diese Bedeutung des Tarif ver- trages?Lir haben sie uns zum Teil klar gemacht an feinMirkung —, daß er aber diese ungemein große lrkung ausüben, daß er so weite Kreise ziehen M, liegt in seinem Wesen begründet.
Dies Wesen des Tarifvertrages beruht darauf, daß erlgemein und über die Köpfe der Einzel- perfonchinweg die Bedingungen der gegenseitigen Abmachgen von vornherein in den Umrissen sest- legt in einen Ersatz der privaten Einzelkonkurrenz u Einzelabmachung durch kollektive Regelung dstellt. Er stellt die geschlossene Arbeitneh- mersch dem geschlossenen Unternehmertum ein« heitllchegenüber.
Büeilen pflegt man den Tarifvertrag auch „Lohrnfvertrag" zu nennen. Das könnte zu der irrigeAnnahme führen, als ob ihm lediglich auf die tztlöhnung bezügliche Streitfragen ae- regelt'ürden. Wenn das Interesse an der Höhe des Lues, der Art feiner Bemessung und der Zeit seinerahlung auch den Hauptbestandteil des Tarif- vertres darstellt, so darf man doch noch nicht über« sehenpelche sozialpolitische Bedeutung dem modern Tarifverträge beizumefsen ist.
A der Seite der Arbeitnehmer dient er häufig als L>fe im Kamvs um eine ge vi'ie Regime ter Arbsstättrn, um Wohlfahrtseinrichtungen, Fort- bilditzsangelegenheiten und dergleichen. Den Un- ternmer schützt er vor wilden, plötzlichen und ziel- lofenvtreiks und bringt dadurch ein Moment der Ording und der Ruhe in den Produktionsbetrieb, wodich eine unbestreitbare Förderung der Difpo- sttioitätigkeit und eine Erhöhung der Wahrscheinlichst aller geschäftlichen Kalkulation bewirkt wird.
tß ti'otz dieser beiderseitigen Vorteile häufig aufuden Testen mit den durch den Tarif geschaf- fem Zuständen Unzufriedenheit herrscht, dürfte deneste Beweis für die ausgleichende, sachliche Teienz der Tarifverträge sein.
er Arbeiter, der zu den Zeiten des Koalitions- vevtes isoliert der wirtschaftlichen Uebermacht des Unrnehmers gegenüber stand, mußte naturgemäß uw dem Drucke der Not dessen Forderungen er« Hep: durch den Zusammenschluß der Koalitionen undos daraus h-'rvorgehende gemeinschaftliche Tanzbären setzt er dem in Unternehmer oder *m Kxell monoveiisierten Kap.tai das Monopol de: crinzenden Produktionselementes, die Arbeit, erb gcfn. Dadurch münzt der Tarifvertrag das rohe ur 'n dieser Form schlecht vern endbare Edelmetall de „Gleichheit vor dem Gesetze" in eine wenigstens «nähernde „Gleichheit der Machtverteilung nach" ui
Juristisch betrachtet stellt der Tarifvertrag einen bonderen Vertragstypus da: er ist nickit etwa ein Abeitsvertrag, zu dessen Wesen das Versprechen dc Arbeit gehört, er ist auch nicht etwa ein „Dor- nrtrag zu einem Arbeitsvertrag", da er keinen Ab- siluß eines Arbeitsoertrages in Aussicht stellt. Er lldet vielmehr nur eine Grundlage, auf der je gesonderten Einzelverträge zwischen Arbeitgeber Nd Arbeitnehmer getätigt werden. Allerdings legte ( diese Verträge ihrem Inhalte nach in den Häuptlingen wenigstens von vornherein fest, so daß sich ler einzelne Vertragsschluß bei tariflicher Regelung ls eine Anwendung eines durch den Tarif gegebenen, einbeittichen Schemas auf einen besonderen fall darstellt.
Eine einschneidende Bedeutung für die Tarifver- räge besitzt die Verordnung der Volksbeaustragten om 23. Dezember 1918.
Tarifverträge sind in der Regel schriftlich. Richt christlich abgeschlossene Verträge sind jedoch wegen ‘es im Bürgerlichen Gesetzbuch anerkannten Prin- sps der Vertrags- und Formfreiheit gleichwohl gütig und regeln sich nach diesem. In besonderem Sine gesetzmäßig, d. h. schriftlich zustande gekom- nene Tarifverträge bestimmen sich nach der Tarif- lertragsordnung. Ihre Dauer regeln sie gewöhn- ich selbst, fehlt eine diesbezügliche Bestimmung, so inb sie wie der Gesellschaftsvertrag jederzeit kündbar. Die kontrahierenden Parteien sind in der Regel Verbände: Arbeitnehmer- und Arbeitgeber- trgonifationen. Daß diese Verbände nicht immer Rechtspersonen sind, hat zu mancherlei Unzuläng- ■^teiten geführt, dis durch ein zu erwartendes Ge-
Des Geschickes Mächte.
Roman von Erich Bonde.
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Festen Schrittes, den Knotenstock hart auf die Erd« stampfend, steuerte Berger auf die Ecke zu. Allerdings, eine ansprechende Gesellschaft war das eigentlich nicht, mit der Büren dort dem Spiele oblag.
Berger kannte die Leute, und er wußte genau, daß man nicht mit Unrecht allerlei dunkle Dinge über die Ge- kellschaft, die an dem Ecktische versammelt war, sprach. Auch über Büren raunte man sich allerlei Dinge zu, aber das hielt Berger für böswilliges Geschwätz.
In der Ecke wollte er sein Maß zu sich nehmen. Er fetzte sich neben Büren nieder; die übrigen Leute an dem Tische kümmerten ihn ja schließlich nicht.
Berger gewahrte bald, daß das Spiel um beträchtliche Einsätze ging. Die Nerven der Spieler waren angespannt. Aus aller Augen leuchtete die Gier nach den, Besitz des Gefährten.
Joseph Büren grüßte kurz und knapp und wandte dem Spiel wieder seine volle Aufmerksamkeit zu.
Berger sah mißbilligend auf die hin- und herflie. genden Karten und verfolgte verständnislos, wie das Glück im Kreise umhersprang und bald bei diesem, bald bei jenem seine trügerischen Gaben ausstreute. Nur seinen Nebenmann, den Büren mied es; er war seit Beginn des Spiels im Verlust und versank darin immer tiefer.
Mehrfach fuhr er mit nervös suchenden Fingern in die Brusttasche und zog neue knisternde Geldscheine her- vor, um sie an die glücklichen Mitspieler zu verteilen.
Einmal wandte er sich an den Buchenbauern und flüsterte ihm mit seiner heiseren Stimme zu:
„Ich habe heute einen unglücklichen Tag. Unglück ht der Liebe und Unglück im Spiel! Ganz ae.aen alle jprichwörtirch geewrSem Erfahrung!"
Fuldaer Zeitung
setz über die Erleichterung der Erlangung der Rechtsfreiheit dieser „Berufsoereine" behoben werden sollen.
Es ist keineswegs immer selbstverständlich gewesen, daß solche Berufsvereine anerkannt ws-.» den; vielmeh-- bedurfte es eines langen geschichtlichen Werdeganges, bis die Voraussetzung für den 12 der Gewerbeordnung geschaffen war, der in seinem Absatz 1 dem Prinzip der Koalitionsfreiheit zum Durchbruch half. Allerdings hat der Absatz 2
Wissenschaft und Forschung.
— Die Bibliothek in Löwen in Belgien soll jetzt wieder aufgebaut werden, nachdem der hierzu bestimmte Fonds die vorgesehene Höhe von 1 Million Dollars erreicht hat. Vorsitzender des Komitees zur Wiederherstellung der Bibliothek ist der amerikanische Staatssekretär Hoover.
Mit einem recht brenzlichen Oelgeruch im Mossulgebiet, mit einem sehr gefährlichen Soldatenspielen in China, mit einem unbestimmten Gerede von Belagerungszustand in Deutschland, mit einer Diktatur in Zivil in Spanien, mit einem Zäsuren- versuch in Italien, mit einem riesigen Defizit in Polen, mit Staatskrisen in Frankreich, mit einer stärkeren Radikalisierung der Arbeitermassen in England, mit einem halben Bankerott der Industrie, mit einer Dreiviertelpleite der Landwirtschaft mit Erwerbslosenfürsorge und Arbeiterentlasiungen, mit unerreichbaren Krediten, mit zum Himmel schreiender Wohnungsnot, mit diesen also und ähnlichen schönen Dingen beginnt das neue Jahr. Prosit! Wir machten früher zur Jahreswende wohl allerlei Familienpläsier und ließen das Alte Jahr noch einmal erscheinen. Es kam meistens als Greis. Es sprach einen Dank nach allen Seiten und besonders nach oben, gab allerlei Mahnungen und legte sich dann würdig zur Ruhe. Und dann kam das neue Jahr hereingetanzt oder aber, wir schleppten es heran in einem Sack. An diesen Sack mußte ich eben denken. Wahrlich, so schlimme Dinge wie bei diesem Silvester sind selten darin gewesen. Wenn wir heuer Prost Neujahr sagen, so wollen wir uns wünschen gute Nervenkraft und einen Glauben. der Berge versetzt.
Ich höre nun im Geiste, wie es vom großen Turme zwölf Mal schlägt. Die kleinen und kleinsten Glocken folgen nach. Raketen platzen. Männer brüllen. Alkohol strömt. Mir aber ist ganz feierlich zu Mute, denn ich blicke zu den Sternen und versenke mich in ihren stillen Gang. In eine Stille, die lauter ist als aller Lärm der Silvesternacht. Ueberwöltigend wirkt auf mich das große Mysterium, das mich umweht im Weltraum und noch gewaltiger die mächtige Uhr darin, die Zeit. Und da ist mir auf einmal eine Art Widerspruch bewußt zwischen der Zeit, die mit den Sternen kreist und dem Stundenzeiger, der rmfer Dasein normiert. An jenen Augenblick mußte ich denken, von dem Spengler spricht, wenn er erzählt, rote es wohl gewesen fein mag, als in Europa die ersten Turmuhren an zu schlagen fingen. Von da ab war ein neuer Geist in all unser Tun gefahren. Denn diese Schläge, waren sie nicht eine immer wiederholte Mahnung: Weiter, weiter, nur immer zu! Europa hat keine Zeit. Es muß wirken, es muß bauen, es muß verdienen, es muß Fortschritt fein und niemals Stillstand. Und diese ehrwürdige Uhft die in einem so frommen Turme hängt, scheint mir auf einmal der Einfall eines Teufels zu fein. Denn was taten wohl die Menschen in alten Tagen, wenn sie „nach der Uhr sehen" wollten? Nun, sie schauten auf zu den Sternen und das ist doch zugleich ein Aufschauen zum lieben Gott. Und alle Zeitmesser, die es gab, mußte man immerfort stellen nach der Sonne und ihren leuch« tendetn Trabanten. Ein trotziger Prometheus hist einst das Feuer aus dem Himmel gestohlen, und das war ein Verbrechen, das furchtbare Folgen batte. Ein nicht minder frecher Prometheus hat damals die Zeit gebrcudit und hat sie cingefperrt in rostige Turmgitter und in rasendes Räderwerk, und da sitzt sie nun und tickt und tickt und läßt niemanden in Ruhe. Wahrhaftig die Unruhe des Teufels ist in dieses Europa gekommen, das sich ins Joch dieses unruhigen Gesellen begeben hat. Wo aber die Menschen noch nach den Sternen schauen und aus ihnen Zeit und Richtung zu erforschen suchen, da ist affe ihrer Unruhe immerfort eingebettet in die große Ruhe von Erhabenheit und Größe. Darum war es auch, daß tiefsinnige Menschen, die des Treibens müde waren, immer wieder zum Sternhimmel blickten. Zu ihm hat Kant hinaufgeschaut, afs er das Wort sprach vom Sternhimmel über uns und dem moralischen Gesetz in uns. Zu ihm sann Ignatius hin. wenn er seufzte: Wie ekelt mich die Erde an, wenn ich in den Himmel betrachte. Aus solcher Schau gewannen sie dann
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Ackieudruckerei, Fulda.
An der Jahreswende 1925 und 1926.
(Ein netter Anfang. — Silvestergedanken. — Ticktack und Sternenzelt was steht in den Sternen?
desselben Vai agraphen ebenfalls viel Anlaß zu ernsten Bedenken gegeben, da er durch die Freistellung de-- jederzeitigen Rücktritts von solchen Vereinigun- goit „ohne Klage ober Einrede" den Koalitionen eine bedenkliche Schlüpfrigkeit verlieh, indem sich aus biete Meise jeder unangenehmen Konsequenzen einheitlich getätigter Lerrrage entziehen konnte. Die Rechtssprechung des Reichsgerichts stellt sich fedoch neuerdings auf den von der Praxis schon früher immer wieder geforderten Standpunkt, daß dies den
großen, herrlichen Mut. Sobald man sich einmal von dem Ticktack befreit und seiner ewig pe-tzcyen° den Hast, kommt die große Zeit über uns und alle ihre Geheimnisse. Sie erfüllt heute noch die Aufgabe, die ihr der Schöpfer gegeben „Sie ist dec heilsame Balsam der menschlichen Seelen foJagt ber alte Pfarrer in der schönen neuen Erzählung non Heinz Steguroeit, „Lanzelot auf dem Dorfe. Und er sagt es zu einem Menschenkinde, bas Schreckliches leiden muß.
In der Tat, die Zeit ist ein Heilmittel für alles. „Es gibt eine Zeit für bas Gebären, und eme 'Seit für das Sterben . . . Es gibt eine 3ctt für das Töten und eine Zeit für das Heilen Es gtbt eine Zeit für das Einrerßen und eme Zelt für das Bauen Es gibt eine Zeit jur das Weinen und eine Zeit für das Lachen... Es güt eme Z t bes Krieges und eine Zeit des Friedens. Das sagte beÄebensttuge Prediger, der es vom Herr- ffbtr selber erfahren hat. So muß es denn wohl fein und ich denke daran im Anblick der goldenen Sterne, die immer so friedlich sind m all den^ungeheueren Katastrophen, die auch ihre Welt woh erschüttern. In den großen Rhytmus aller Ding füae ich mich ein. Aus unfern Tranen erwachst das Lachen eines kommenden Geschlechtes. Aus unferm Lew nimmt es feine belferen Erfahrungen Meine Träne wird in ihrem Lachen fein und meine Lw ihrer Erlösung. Wieder .schlägt es vom Turm, ernst und feierlich- Run ja, bas ck doch noch eine Uhr, die etwas naher an den Sternen hängt. Darum hat ihre Stimme noch etwas wenigsten; von oben. Die Zeit von ben Sternen gemahnt zur Ruhe, zum langsamen Scoreiten zum starken Fühlen, zuL heiligen Emst und zu fünfter Freude. Sie hat immer das Ganze, und das versöhnt mit den Teilen. Sie setzt nicht den Sekundenzeiger von Strich zu Strich. Denn das ist es immer, was mich niederdrückt. Das Heute, das Ticktack der Gegenwart. Je hoher ich bücke, um so mehr fühle ich das Gestern und auch da-i Breit und alles in Eins, und bann 'st doch nach viel Schönes auf der Welt. Die Sonne fit doch da und der Lauf der Jahreszeiten. Die Kräfte der Natur bauen immerfort, und sie bauen schneller, als wir zerstören.
Es geht meist besser als man glaubt. Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen- Am Ende geben die Türken doch noch nach. Am Ende besinnen sich Tschang und Feng. Am Ende schenken uns die Herren Abgeordneten nach glücklich vollbrachten Weihnachtsferien doch noch eme hübsche Regierung. Vielleicht werden die englischen Arbeiter vernünftig bleiben. In Frcmkreich hilft womöglich doch noch der amerikanische Onkel.. Pnmo de Rivera gelangt am Ende doch noch friedlich m eine bessere Zeit, und Mussolini wftd am Ende nach feiner Operation-ein neuer Mensch. Unö von Polen sagt ein schöner Vers: Noch ist Polen nicht verloren. Wer kann es wissen? Ich frage den Orion, und er droht mir wie ein Faschist, aber bann geht mein Blick zum großen Bären, und der trollt so friedlich am unsichtbaren Band um den Pol, wie die weidende Kuh um ihren Flock. Aus ben Sternen kann man alles lesen, und vor allem dieses, daß man ein ganz kleiner Wicht ist, der fern ganzes Leben laufen könnte und bann noch nicht im Monde angekommen wäre. Nehmts nicht fo wichtig, alles, was hier kreucht und fleugt. Raum für alles hat bie Erde. Nehmen mir ein biffel Vernunft an im Neuen Jahr, und bann kann alles noch gut werden ... Ja, und nun zurück zum Ticktack. In der Nähe raffelt eine Kuckucksuhr . . Und wir wollen uns gewöhnen in unserer eiligen Kultur, von Zeit zu Zeit ganz ruhig zu sitzen wie der spanische Schafhirt bei feinen Merinos. Wollen uns ein wenig an die große Zeit halten, die immer Zeit hat — und alles wird wieder gut. Prost Neujahr!
Der Mann im Monde.
Grundsätzen von Treu und Glauben widerspricht und überdies als durch die entgegenstehende Bestimmung der Reichsverfasiung in Art. 159 auf- gehoben zu betrachten fei.
Tarifverträge Haden im allgemeinen nur für die Bertragsparüien berechtigende und verflichiende Wirkung „ _ _
Weil diese Regelung aber zu einer Zurücksetzung der beteiligten zugunsten Nichtbeteiligter führen kann, enthalten oft die Tarifverträge die Befttm- mung, daß auch mit Außenseitern nur zu den Bedingungen des Tarifvertrages abgefchloflen werden darf Eine solche Regelung enthält z. B. der Reichs- tarifoertrag für das Baugewerbe.
Wie alle arbeitsrechtlichen Fragen, fo bietet auch ber Tarifvertrag eine Fülle von Problemen. Die Stellung zu ihnen wechselt — wie immer — mit bem Standpunkt ihres Betrachters. Das eine aber muß selbst der unentwegteste Individualist zugestehen: der Tarifvertrag schafft ein Stück Ordnung im Reiche der Willkür, er gibt den Parteien — Mar nicht den Frieden, den nicht eine Form, son- bern nur die Gesinnung geben tarnt — so doch wenigstens einen Waffenstillstand, wenn auch einen „bewaffneten" — wie manche meinen.
4. Iung-Land-Nursus
veranstaltet vom
Volksverein für bas katholische Deuffchlanv im
Volksvereinshaufe zu Paderborn
Inselbad, Fürstenweg 11 vom 23. bis 30. Januar 1926.
Wie im vergangenen Jahre veranstaltet der Volks- verein in der Woche vom 23. bis 30. Januar einen Jung-Land-Kursus. Zwar haben im vorigen Jahre alle Teilnehmer gewünscht, der Kursus möge mindestens 14 Tage dauern. Aber infolge der ungünstigen wirtfchast- lichen Derhältnifse haben wir uns wieder für eine achttägige Arbeitsgemeinschaft entschloßen. Gleichwohl werben die einzelnen Fragen eingehend behandeü und in Aussprachen weiter geklärt.
Folgende Themata werden festgesetzt:
1. Wie die Dorfgemeinde aus dem Genosienschafts- geist erwuchs und vom Christentum geadelt wurde.
2. Durch welche Mächte die deutsche Dorsgenofsen- schäft geftört und der Gefahr des Zerfalls ausgeliefert wurde.
3. Wie die Erneuerung des Geistes von der Familie und ihrer Pflege ausgehen muß.
4. Was die Dorfgemeinde ist und wie der Dauer sich für sie mitverantwortlich fühlen muß.
5. Wie der Bauer seine Heimat ansehen und pflegen muh.
6. Wie der Bauernstand ein Glied des ganzen Dol- kes werden kann.
7. Was der Bauer hn Vokksganzen wirtschaftlich, politisch und kulturell zu leisten hat.
Jedes der angegebenen Themata entsaft die Leitgedanken, die den Besprechungen zugrunde gelegt werden sollen. Im Rahmen dieser Besprechungen bleibt genug Raum, auch die heute für die Landwirtschaft fo wich- tigen wirtschaftlichen Fragen, etwaigen Wünschen der Teilnehmer entsprechend, zu erörtern.
Wir wenden uns nunmehr an alle jene jungen Bauern, denen der drohende Zerfall unseres guten alten Bauerntums zu Herzen geht, und die berest sind, an der Wiedererweckung des echten bäuerlichen Gemeinschaftslebens m ihrer Heimat mitzuarbeiten.
Lehrer und Hörer bilden für die Dauer der Schulungstage eine Arbeitsgemeinschaft, die Gelegenhett zu vertrauter Aussprache bietet. Auch in der freien Zeit halten Lehrer und Hörer rege Fühlung miteinander.
Die Borträge beginnen am Samstag den 23. Januar, abends 8 Uhr. Die Teilnehmer sind gebeten, im Laufe dieses Tages ht Paderborn einzutreffen. Gebühren werden von den Hörern nicht erhoben; diese tragen mir die Reise, und Ausenthaltskosten; für Unterkunft und Verpflegung im Volksvereinshause sind für die Dauer des ganzen Kursus 30 RM. zu zahlen.
Anmeldungen sind tunlichst bis zum 15. Januar zu richten an das Volksvereinhaus in M.-Gladbach, Sandstraße 5—11. Das Volksverein-(Kursus-)Haus in Paderborn liegt Fürstenweg 11, etwa 20 Minuten vom Bahnhof entfernt: der Weg führt längs der elektrischen Straßenbahn in Richtung Neuhaus-Senne bis zur Haltestelle Fürstenweg.
M.-Gladbach, den 15. Dezember 1925
Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland.
Mit einem häßlichen, muhen Lachen bekräftigte es seine Worte.
Das Spiel ging weiter, ohne daß das Glück sich wenden wollte. Beim Zusehen allein wurde dem Bu- chenbauer unheimlich zu Mute. Die Verluste Bürens waren enorm. Bisher hatte Berger geglaubt, Spieler, denen eine unselige Leidenschaft Verstand und Vernunft raubte, gäbe es nur in der blühenden Phantasie der Romanschriftsteller; jetzt bewies ihm fein Nebenmann, daß solche Naturen wirklich Fleisch und Blut annahmer..
Dabei trank und trank der Büren, sodaß der Wirt alle Augenblicke den Maßkrug zum Neufüllen abholen mußte.
„Man sollte in der Tat den Alten holen, damit er den Jungen zur Raison bringt", überlegte Berger.
Draußen war es inzwischen völlig finster geworden. Sturm hatte sich erhoben und klatschte dichte Regen- m aff en gegen die Fensterscheiben.
In diesem Augenblicke, als der Buchenbauer nahe daran war, sich zu erheben nud dem Hof am Moor einen kurzen Besuch zu machen, um den alten Suren zu veranlassen, seinem vom Spielerpech verfolgten Sohne Feierabend zu bieten, ging die Tür auf und eine schlanke, elastische Gestalt, in graugrünem Lodenmantel gehüllt und mit einem grünen Jägerhütchen auf dem Kopfe, betrat die Schankstube.
Es war Franz Entzinger.
Hut und Mantel des Eintretenden waren vom Regen durchweicht und die hohen Schnürstiefel von unten bis oben mit Schmutzspritzern bedeckt.
Entzinger war augenscheinlich von dem Unwetter, das draußen tobte, in der Nähe des Dorfes überrascht worden und hatte das Gasthaus aufgefudjt, um zu warten, bis die Elemente sich beruhigt hätten.
Mit einer schnellen Bewegung schob er die Jagdflinte vom Rücken und blickte sich in der niedrigen, in bläu
lichen Rauch gehüllten Stube um. Sein Auge traf den Buchenbauer am Ecktische und ein erfreutes Lächeln huschte über das Gesicht des jungen Jägers. Es war ihm sichllich angenehm, hier einen näheren Bekannten vorzufinden. ,
Eilig näherte er sich dem Tische, an dem der Buchen- bauer saß und streckte diesem zum Gruße seine Rechte entgegen.
Ser Bauer erkannte rechtzeitig die Absicht des sich Nähernden, machte eine schnelle Bewegung und wandte sich starr nach dem Spieltische hin.
Da bemerkte auch Büren seinen Nebenbuhler und Berger gewahrte, wie es in dessen grünlich schimmerndem Auge aufflammte, wie in den Augen eines Raubtieres, das im Begriffe steht, sich auf ein ahnungsloses Opfer zu stürzen. Eine Flamme glühenden baffes, vielleicht verstärkt durch die Aufregung des Spieles, schoß aus dem Auge und ließ den Buchenbauer innerlich erschauern. ,
Dann konzentrierte auch Büren scheinbar alle Aufmerksamkeit auf das Spiel, um von dem Ankömmling keine Notiz nehmen zu müssen.
„Guten Abend, Herr Berger!" rief der Ankömmling, indem er dicht vor den Buchenbauer hintrat, in der Meinung, daß der Bauer ihn in dem Dunst von ätzendem Tabak- und Zigarrenrauch vorefft nicht erkannt habe. ,
„Haben Sie auch Unterschlupf vor diesem Hundewetter "suchen müffen?" fragte er lachend.
Berger preßte einen unverständlichen Gruß durch die Zahne und sagte unwirsch und mit ärgerlicher SRicnc’
„Mir soll das Wetter recht fein; ich fitze hier schon länger." „ ... ,, ,
Dann stierte er wieder unverdrossen auf die blanke Tischplatte, auf der Büren eben wieder jedem feiner Spielgegner einen namhaften Betrag ruschod.
Der junge Entzinger entledigte sich des tropfenden Regenmantels, hing Hut, Mantel und Gewehr an den Haken und nahm neben dem mißmutigen Dauer Platz, indem er bei dem dienstbeflissen herbeieilenden Wirt ein Maß Bier bestellte.
Erst nachdem er sichs den Umständen entsprechend bequem gemacht hatte, sah er sich stn Kreise der Anwesenden slüchttg um.
O, da saßen sie ja alle beim eifrigen Kartenspiel, die Herren Wildschützen, der Büren, der Anführer der Bande, allen voran, und um chn seine Helfer und Hel- fershelfer.
Wenn man das geahnt hätte, hätte man sich den Weg über die fiebrigen und gründlich durchweichten Waldwege und Schneisen sparen können. Er betrachtete seine Stiefel, an denen in dicken Klumpen die Wald- erbe klebte und dachte bei sich:
„Gott fei dank, daß ich dem Vater diesen ®eg~heute abend abgenommen habe."
Ein neuer Anlauf, mit dem Duchenbauer ms Gespräch zu kommen, scheiterte abermals an der Einsilbigkeit des neben ihm Sitzenden.
"Nun, man kann schließlich niemanden zur Gesprächigkeit zwingen, sagte sich der junge Mann und verschränkte schweigend die Arme auf der Brust, um in Ruhe die behagliche Stubenwärme zu genießen und habet feinen Krug schäumenden Bieres zu trinken.
Der Zuwachs, den der Tisch bekommen hatte, schien nicht nur dem Buchenbauer wenig erfreulich zu fein, sondern auch den Spielern. Sie wurden unruhig und orängten auf Abbruch des Spieles.
D» Gewinner steckten ihre Gewinne in die Taschen, beglichen ihre Zechen und verliehen die Gaststube. An dem Ecktische blieben der Buchenbauer, Büren und Entzinger zurück.
(Fortsetzung folgt)