; \ Zuldaer Zeitung •
Zwischen zwei Jahren.
Von Ilse Franke.
Bald brennt ihr mir zum letzten Mal, Ihr Lichtlein bunt am grünen Baum. Das Fest ist aus. Es losch sein Strahl. Versunken ist der Weihnachtstraum.
Noch weht harzholder Waldesduft Im Zimmer, wo das Fest geblüht. Ein Liebeshauch geht durch die Lust, Der mit dem Herzen nicht verglüht.
Es liegt wie meiner Mutter Hand. Wie Segen mir auf Stirn und Haar. Ich träume mich ins Kinderland, Wo ich noch heil und selig war.
Das Altjahr legt verwelkt und bleich Die Bürde der Gezeiten ab.
Bald tritt das Iungjahr in sein Reich, Mit frischem Mut und grünem Stab.
Muß meine Straße mit ihm gehn Und bin doch oft schon müd und bang. Ich kann des Weges Ziel nicht sehn, Weiß nicht wohin, wozu, wie lang!
Laß deines Lichts, du grüner Baum, Ein Helles Scheinen mit mir gehn.
Mir ist, so muß im ewigen Raum Ich treuer Sterne Heimgruß sehn.
Lotteriegewinue.
Das fangt man mit seinem Gewinn an? — Der zurückgegebene Haupttreffer. — Eile mit Weite. — Der teuere Lotteriegewinn.
Bei der Lotterie kommt es immer anders als man Lenkt; denn nicht jeder kann gewinnen, und auf einen Hieb fällt kein Baum. Von 300 000 Losen können höchstens 30 nennenswerte Gewinne bringen, und so ist es unausbleiblich, daß 299 970 hinterdreinblickenl Doch schließlich ist das Hoffen auf einen großen Gewinn im gewissen Sinne auch ein Vergnügen; denn man kann wochenlang die Gedanken mit der Möglichkeit spielen lassen, daß, wenn ein Gewinn kommt, man dieses oder jenes anschaffen, besuchen, unternehmen oder sich leisten könne. Die Enttäuschung verstimmt gewiß; allein unser heutiges Leben ist so reich an Verstimmungen, daß es ouf eine mehr nicht ankommt!
Ich denke da an einen spaßigen Fall: Mein Hauswirt kaufte im vorigen Jahre ein Los zur Sächsischen Landeslotterie. Er hatte sich die Nummer bereits ins Notizbuch aufnotiert, als er merkte, daß die Zahl nicht durch die sieben teilbar war. Er gab darum das Los zurück und wählte ein anders, das in der glückbringenden Sieben aufging. — Als zweiter Haupttreffer tarn bei der zweiten Ziehung das zurückgegebene Los mit 100 000 Mark heraus!
In derfelben Lotterie spielte ein Bekannter und kam mit dem Einsatz heraus. Der Kollekteur schickte ihm ein Ersatzlos, um dies noch in den folgenden vier Ziehungen zu spielen. Der Bekannte gab seiner Frau den Auftrag, das Los am folgenden Tage zurückzuschicken und statt des Loses den Betrag zu erbitten. Als er nach einigen Tagen nachfragte, war das Los noch da und sollte bestimmt am nächsten Tage von der Gattin persönlich zurückgegben werden; doch auch das wurde verbummelt. Da kam das Los mit 20 000 Mark heraus und die Bummelei war mit einem Gewinn belohnt worden.
Der Onkel eines meiner Bekannten spielte vor acht oder neun Jahren in der Preußischen Klassenlotterie zum 25. Male dieselbe Nummer, ohne bisher einmal her- auszukommen. Als er auch diesmal nichts gewann, gab er es auf. Beim 26. Male fiel auf das Los der Hauptgewinn.
In einem Harzstädtchen spielte kurz vor dem Kriege jemand in einer Hannoverschen Landwirtschaftslotterie und gewann ein Pferd. Nachdem der Gewinn drei Tage lang gehörig begossen worden war, beratschlagte man, was mit dem Pferde zu beginnen sei. Das dauerte einige Tage. Inzwischen kam aus Hannover ein Schreiben über das Pferd, das bei einem Pferdhändler eingestellt worben fei, verfügen zu wollen. Ein Freund riet, in Halberstadt einem Kürassierleutnant das Pferd zum Kauf an- zubieten. Der Offizier war bereit, sich das Pferd an» zusehen, fuhr nach Hannover, war aber unbefriedigt und ließ sich vorerst die Kosten ersetzen. Unterdessen war die zweite Aufforderung aus Hannover gekommen, und nun wurde telegraphisch der Verkauf des Pferdes erbeten. Als Erlös kamen etwa 400 Mark auf. Die Kostenrechnung der Pferdehandlung belief sich auf 402,40 Mk. Um die Einsendung der 2,40 Mk. wurde gebeten. Die angestrengte Klage war ergebnislos und verursachte außerdem 60 Mk. Kosten!
Launenhaft und unberechenbar zu fein, ist ein im- vräuherliches Vorrecht der Lotterie . . . und allen Tüf-
Burg Rosenstein.
Eine schwäbische Geschichte von Fritz Ritzel.
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Jetzt erschien auf der Höhe der Freitreppe wieder der Vogt und ersuchte den jungen Ritter mit einer einlaben, ben Handbewegung, näher zu treten. Heinz von Horn stieg die Stufen empor. Das Stimmengewirr in der Halle war verstummt; wahrscheinlich sahen die Zecher infolge der Mitteilung des Vogtes voll Erwartung dem Erscheinen des Gastes entgegen. Als der Ritter die Schwelle der Tür überschritten hatte, sah er sich in einer mächtigen, von Säulen getragenen gewölbten Halle, die ein gedämpftes Licht durch drei spitzbogige, buntverglaste Fenster empfing. Um einen in der Mitte des Raumes zwischen den Säulenreihen stehenden, mit Trink- und Eßgeschirren bedeckten Tisch sahen etwa zwanzig verwegen aussehende Männer, deren geröteten Gesichtern man es ansah, daß sie dem Wein schon tüchtig zugesprochen hatten. Etwas Hämisches schien dem Ein- tretenden in den Blicken zu liegen, mit welchen ihn die Zecher betrachteten, besonders in denen der an der Kopf, feite der Tafel sitzenden beiden Männer, die allem Anscheine nach hier Herrenrechte besaßen.
Ein unangenehmes Empfinden bemächtigte sich beim Anblick der beiden des jungen Ritters. Das waren also Haug und Jörg von Rosenstein, die Brüder der schönen Walburga? War es möglich, daß Sprößlinge des nämlichen Geschlechtes einander so unähnlich im Aeußeren sein konnten? Diese beiden wüst aussehenden Gesellen mit den breiten, gewöhnlichen Gesichtern, ben aufgestülp- ten Nasen und ben unheimlich funkelnden Augen erinnerten aber auch mit keinem Zuge an ihre liebliche Schwester! Man hätte glauben können, daß sie Nachkömmlinge jener wilden, asiatischen Horden wären, die dreihundert Jahre früher die deutschen Lande überschwemmt hatten und von dem großen Otto auf dem Lechfelde vernichtet wurden. „Der wüste Hans von Rosenstein hat ausgesehen wie ein Hunn', und seine Söhne Laug und Jörg gleichen ihm", batte der alte
Zur Unterhaltung.
\ Nr. 301 vom 28. Dez. 1924
teteien, Berechnen, Ausrechnen und Forschen zum Trotz wird es habet bleiben. Herausgefunden hat man bisher nur, daß es unter den fjunberttaufenben von Losen der Preußisch-Süddeutschen Klasienlotterie zwei Lose gibt, die noch nie herausgekommen sind sowie eine Anzahl, die periodisch mit größeren Gewinnen kommen. Allein was will das angesichts der Menge der Lose besagen? Hat man durch eifriges Studium der Gewinnlisten der letzten 30 Jahre wirklich eine absolut gewinnsichere Zahl ermittelt, so ist sie gewiß nicht frei! Man spielt dann not- gedrungen eine andere, um eine Niete zu haben — ober gerade mit ihr zu gewinnen. Je nachdem. Man kann es nie vorattssagen bei der Lotterie. K. L.
Umwälzungen im ZttaßLNhau.
Anfchwellen des Straßenverkehrs. — 3n einem Iah.,- 38 Prozent Vermehrung der Kraftfahrzeuge. — Der Fußgänger ein Verkehrshindernis. — Phantastische Pläne für Hochstraßen.
In wenigen Jahren hat sich der Straßenverkehr in den Großstädten der Erde gemaltig verändert. Das Auto hält einen Siegeszug, an den vor einem Jahrzehnt wenige auch nur denken konnten. Wenn die Entwicklung so weiter geht — und daran ist nicht zu zweifeln —, wird in Bälde der Fußgänger auf der Straße das Verkehrshindernis sein, während früher das Auto als Belästigung des Straßengängers angefcr n wurde. Europa hat vorerst nur einen Vorgeschmack von der künftigen Entwicklung bekommen. Amerika dagegen hat mit Riesenschritten einen Stand des Kraftwagenverkehrs er« reicht, der nur in traumhaft anmutenden Zahlen sich ausbrücken läßt. Was soll man bazu sagen, daß — wie ein eben heimgekehrter Amerikafahrer berichtet — an der Ecke der 5. Avenue und 42. Street in Newyork jeden Tag im Durchschnitt 42000 Auto vorüberrasseln! Oder daß eine einzige Gesellschaft, die Western Electric Eom- pany, allein über 10 000 Lastkraftwagen besitzt! Die Anhäufung der Geschäftshäuser in der inneren Stadt brachte einen ungeheuren Strom von Angestellten und Arbeitern von ben außen bclegenen Wohnbezirken in die Geschäfts- üiertel. In Newyork ist bie Anzahl der auf öffentlichen Verkehrsmitteln beförbertcn Personen in ben letzten Jahren auf bas Doppelte gestiegen. In London ist das Verhältnis in dem gleichen Zeitraum noch erheblicher.
Die deutschen Großstädte weisen in den Jahren nach dem Kriege ungefähr den gleichen Verkehr auf wie in der Vorkriegszeit. Erst das Jahr 1924 bringt ein Anschwellen, das allen Anzeichen nach 1925 feiste Fortsetzung finden wird. Wir in Deutschland sind noch nicht so weit, daß jeder Angestellte und Arbeiter sein eignes Auto hat. (In Amerika bestehen tatsächlich heute schon diese Verhältnisse.) Lange wird es jedoch nicht mehr dauern, dann ist das „Volksauto" da. Die Bemühungen der deutschen Automobilindustrie, ein kleines, dauerhaftes und dabei billiges Auto zu schaffen, beweisen, daß das Bedürfnis danach bereits besteht. Und wer einmal bei ben Polizeibehörden sich erkundigt, wieviel Anträge auf Ausstellung eines Führerscheins täglich einlaufen, wird über die Anzahl erstaunt fein. In allen größeren Städten sind die Polizeibehörden tatsächlich gezwungen, die mit der Prüfung der Führerschein- Anwärter betrauten Dienststellen im Personal zu ver- mehren, da sonst der täglich wachsende Andrang mcht bewältigt werden kann.
Die Vermehrung des Straßenverkehrs hat eine er- hebliche Vermehrung der Straßenunfälle mit sich gebracht. In den europäischen Großstädten vergeht kaum ein Tag, der nicht tödliche Unfälle steht, ganz abgesehen von den kleineren Zusammenstößen, bie leichtere Verletzungen oder lediglich Materialschaden nach sich ziehen. Wie die Unfälle möglichst verhütet werden können und wie der immer stärker anwachsende Verkehr ohne Zeit- unb Materialverlust reibungslos zu regeln ist, bas ist gegenwärtig Mittelpunkt ber lleberlegungen unb Versuche vieler Verkehrstechniker unb Städtebauer. Vorerst begnügt man sich in ben deutschen Städten noch mit ben zunächst wohl ausreichenden Mitteln: Schaffung von Verkehrsinseln, Markierung ber Uebergangsstel- len an Straßenkreuzungen für Fußgänger durch weiße Striche auf dem Pflaster, Aufteilung von großen Plätzen in genau abgegrenzte Fahrbahnen. Eine wichtige Aufgabe hat der heutige Verkehr der Polizei zuge- teilt: die Ausbildung von Verkehrsposten, bie mit eisernen Nerven zugleich bie Gabe schneller Uebersicht unb schnellen Entschlusses vereinen müssen. Ein ungeeigneter Beamter, der den Aufgaben nicht gewachsen ist, wird leicht zum Verkehrshindernis statt zum Verkehrs- förberer. Dann der Derkehrsbamte soll nicht lange Kolonnen zum Halten ober durch unklare Signale zur Verwirrung bringen. Der Verkehr ist überraschend schnell angewachsen, baß heute noch längst nicht genügend durch- gebildete und erfahrene Beamte zur Verfügung stehen.
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Köhler gestern abend noch erzählt, und Heinz mußte zugeben, daß Mainrad einen treffenderen Vergleich nicht hätte ziehen können. Ohne sich von seinem Sitze zu er- heben, rief ber eine der Ritter von Rosenstein dem Ein- tretenben entgegen:
„Seid willkommen auf Burg Rosenstein, Herr fahrender Sänger! Ist eh geraume Zeit verstrichen, daß einer Eures Gelichters hier Einkehr hielt! Man meidet unser Felsennest. Welcher Wind hat denn Euch zu uns geblasen?"
„Der Drang, mit Lied und Wort, die Herzen zu erheben, hat mich hierher geführt!" erwiderte Heinz, indem er einige Schritte näher trat.
„Dis Herzen, die erhebt bei uns ber Wein!" rief einer der Zechgenoffen, ein noch jugendlicher, hochgewachsener Mann, lachend dazwischen.
Ohne dem Einwurf Beachtung zu schenken, fuhr der junge Ritter fort: „Zuvor jedoch erlaubt, daß ich Euch meinen Namen künde — Heinz von Fürstenberg nennt man mich."
„Von Fürstenberg — von Fürstenberg?" wiederholte der Ritter von Rosenstein fragend. „Nicht fremd klingt mir ber Name, doch weiß ich im ganzen Schwabenlande kein Geschlecht, das Fürstenberg geheißen. Nach Eurer Art zu sprechen, kommt Ihr wohl aus dem rheinischen Lande?"
„Ihr habt's erraten, Herr Ritter — am Rhein ist meine Heimat."
„Nun, dann werdet Ihr auch einem herzhaften Trunk nicht abhold sein. Legt Eure Wehre ab und laßt Euch nieder. „Zeigt uns, daß Ihr des Sanges Kunst versteht!"
Wenn auch in der ganzen Sprechweise des Ritters etwas Wegwerfendes lag, so war die Einladung doch in aller Form gestellt, so daß sich Heinz als nicht unwillkommener Gast betrachten durfte. So ließ er es ruhig geschehen, daß ein auf ben Wink des Ritters von Rosenstein herbeigeeilter Knecht ihm ben Harnisch abschnallte, und nahm neben dem vorherigen Sprecher Platz, ber sich als Haug von Rosenstein au erkenne» gab
Wie in ben verschiebenen Städten beobachtet werben konnte, haben aber die mafjgebenben Behörden sich mn besonderem Eifer dieser neuen Aufgabe angenommen.
Auf die Dauer werden aber diese Mittelchen nicht ausreichen. In Berlin ist man schon dabei, einen Signal» türm zu errichten. Natürlich nach amerikanischem Muster. Die entgültige Losung wird aber dem Städtebauer zufallen, der die Stadt der Zukunft nach andern Gesichtspunkten einzurichten haben wirb, als es bis vor kurzem noch geschah. Pläne liegen allerlei schon vor. Amerika geht auch hier voran. Hier hat man die alten Straßen derart überbaut und unterkellert, daß in der 6. Avenue z. B. schon 5 Straßen übereinanderliegen, in denen der Hochbahn-, Straßenbahn- und Fußaänger- verkehr sich getrennt abwickelt. Der Praktiker Turner hat neuerdings neue Pläne ausgearbeitet, in denen zwei breite Straßen — in sich wieder abgeteilt — für den Wagenverkehr vorgesehen sind. Ein Engländer schlägt für London Hochstraßen vor, bie auf riesigen Viadukten den Haupioerkehr über die Dächer Hinwegleiten.
Für Deutschland sind — abgesehen von ganz wenigen Verkehrsmittelpunkten der größeren Städte — solche Um» wälzungen noch nicht so brennend. Wenn aber die Entwicklung im Tempo des letzten Jahres weitergeht, bann ist die Zett ber Notwendigkeit größerer Umbauten auch nicht mehr fern. Don Mitte 1923 bis Mitte 1924 hat sich in ganz Deutschland die Anzahl der Kraftfahrzeuge um 38 Prozent vermehrt. Daraus wirb auch ber deutsche Städtebauer Rücksicht zu nehmen haben. R.
Der Soldpznzer Dietrichs von Bern.
Die „Süddeutsche AntiquitSfen-Zeitung" meldet aus Italien, daß vor kurzem zu R a v e n n a aus dem bärtigen königlichen Museum der berühmte und außerordentlich wertvolle Panzer des Ostgotenkönigs Theo- dorichs des Großen (493—526) entwendet wurde.
Der golbausgelegte Panzer dieses Herrschers von Italien — auch Dietrich von Bern genannt — wurde um die Mitte des vor. Jahrhunderts bei Ausgrabungsarbeiten in der Darsema zutage gefördert. Unredliche, habgierige Arbeiter, denen es selbstverständlich nur um den Goldwert des altertümlichen Stückes zu tun war, richteten damals an dem Panzer Verwüstungen an, in- bem sie bie am reichsten mit Gold ausgelegten Stellen herausbrachen und vergruben. 3m Laufe ber Zett kam Stück auf Stück wieder zum Vorschein und gelangte in den Antiquitätenhandel. Die Bemühungen der Mu- seumsoerwaltung zu Ravenna bas gesamte Prunkstück allmählich wieder zusammensetzen zu können, waren end» lief) von Erfolg gekrönt.
Italienische Blätter berichten, daß man den Stäubern jetzt auf der Spur ist. Bei bem Einbruch in bas Museum würbe das lichtscheue Gesindel übrigens gestört, sonst hätte es auch noch eine kostbare und reichhaltige Münzensammlung mitgehen heißen.
Theodorichs Leichnam wurde — wie noch anschließend an diese Mitteilung bemerkt fein möge — zu Ravenna in einer prächtigen Grabkapelle beigesetzt, die der große Ostgote selbst erbauen ließ. Die Kapelle ist heute noch vorhanden. Don dem Palast des Herrschers zu Ravenna stehen heute noch Ueberrefte. H- R.
Der lOOOfte Planetoid.
Seit 1801 taufend kleine Planeten entdeckt. — Planetoiden und Taufnamen. — Ein entdeckter und wieder verfchwundener Planet.
In wenig mehr als einem Jahrhundert hat sich die Zahl der Planeten in unserem Sonnensystem um über eintausend neue Mitglieder vermehrt. 1801 wurde der erste von der großen Zahl der zwischen Mars und Jupiter kreisenden kleinen Planeten entdeckt. 1846 Neptun al^ der vorläufig letzte große Planet in unserem Sonnensystem. — Dann in rascher Folge die kleinen Planeten. — Cs gab eine Zeit, in ber bie Astronomen einen richtigen Wettbewerb in Planetenentdeckungen aufstellten, besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Photographie in größerem Umfange für astronomische Forschungen verwendet wurde. — Wer heute einmal nach einem Taufnamen in Verlegenheit ist, braucht nur bei bem „Astronomischen Recheninstitut" in Berlm-Dahlem anzufragen; er wirb unter den tausend Planetennamen schon einen finden, ber ihm zusagt unb ber bann gewiß auch nicht alltäglich ist. — Der Ruhm, ben taufenbften kleinen Planeten entdeckt zu haben, gebührt bem Heidelberger Astronomen Dr. K. Reinmuth auf der Sternwarte auf bem Königsstuhl bei Heidelberg. Der Planetoid wurde am 12. August 1923 auf photographischem Wege entdeckt. Unterbeffen ist er aber wieber verloren gegangen. Es ist möglich, daß er wieder aufgefunben wirb unb als der tausendste Planetoid erkannt wird; aber es tarnt auch möglich
unb bie Namen der anderen Zechgenoffen nannte. Die Becher würben aufs neue gefüllt, unb man drängle den Gast, zu erzählen, was es Neues am Rheine unb im Reiche gebe. Ob es wahr fei, daß ber Habsburger ein so strenger Herr fei, der eine neue Ordnung im Reiche einführen wolle, durch welche die Rechte des Ritter- fianbes verkümmert werden sollten. Vorsichtig gab Heinz auf die an ihn gestellten Fragen Antwort, wobei er selbstredend verschwieg, bah er selbst in königlichen Diensten gestanden unb mitgeholfen hatte, das Rittertum zu bekämpfen. Seit geraumer Zett sei er der Heimat fern, erklärte er, unb wisse nur vom Hörensagen, daß König Rudolf eine größere Anzahl Burgen am Rhein ge» brachen und die Besitzer derselben an Leib und Leben gestraft habe.
Warum ist es bem Habsburger gelungen, ber Bur- gen Herr zu werben?" rief da ber Ritter Jörg von Rosenstein, ber sich seither ziemlich schweigsam verhalten hatte, indem er mit ber Faust auf ben Tisch schlug. „Weil bie Ritterschaft am Rhein in ewigem Zwist und Hader miteinander lag! Keiner stand bem andern bei, als König Rudolf mit feinen Scharen vor die Festen zog, unb einer nach dem andern mußte da der Uebermacht erliegen! Soll nur nach Schwaben kommen, ber Habsburger! Hier gibt es härtere Nüsse aufzuknacken! Wir halten fest unb treu zusammen, wir Ritter von ber schwäbischen Alb, unb schicken alle, bie uns unsere ritterlichen Rechte nehmen und eine neue Drbnung bringen wollen, mit blutigen Köpfen heim!"
„Wird sich wohl hüten, mit uns anzubinden, ber Habsburger!" rief ein anderer. „Der weiß, wie schwer der Schwaben Streiche fallen!"
Johlend fiel ein dritter dem Sprecher in bie Rede — es war ber hühnenhaste junge Ritter, ben Haug von Rosenstein vorhin Kurt von Lauterburg genannt hatte.
„Er soll nur nach dem Schwabenlande kommen, der Habsburger, und seine lange Nase in Dinge stecken, die ihn nichts scheren. Wir wollen ihm die Lust, ein neues Recht uns aufzuzwingen, schon versalzen. Mich juckt es in der Faust, in fein zusammengewürfeltes Kriegs- n°lf zu fahren unb es zu paaren zu treiben."
werden, daß er erst nach lehr langer Zeit wieder gefunden wird, dann aber nicht mehr wiedererkannt wird, weil er unterdessen feine Bahn um die Sonne, die seine einzige Erkennungsmarke ist, grundlegend geändert har. So kann ber Subiläumsplanet später einmal zu der seltenen Ehre kommen, zweimal getauft zu werden. — Die Cntdeckungsperiode der kleinen Planeten ist bamil nicht abgeschlossen. Ein Verbesserung der instrumentalen Hilfsmittel wird auch das Auffinden neuer Pia»
Sus aller Welf.
ei» fliegender Frosch. Bei manchen auf Säumen lebenden Wirbeltieren ganz verschiedener Klassen sind Organe zum Schweben oder Fliegen vorhanden. So unter den Säugetieren, außer bei den Fledermäusen auch bei dem Flugbeutler (Petaurus), bei dem fliegenden Eichhörnchen (Pteromys) und beim Flattermaki (Ga- keopithecus Dolans); unter den jetzt lebenden Reptilien bei bem fliegenden Drachen (Draco volans) und bei dem Gecko (Ptychozoon), unter den fossilen Reptilien bei den Flugsauriern (Pterosauriern); außerdem sind bie siegenden Vögel aus Reptilien hervorgegangen. Selbst unter ben Amphibien gibt es einige Arten, die mit Flughäuten versehen sind unb ein Schweboermögen besitzen. Dazu gehört auch der japanische Flugfrosch, der beftän- big auf Bäumen und Sträuchern lebt unb an bieses Leben ausgezeichnet angepaßt ist. Er klettert gewandt auf ben Aesten umher und kann sehr weit springen. Zwischen den langen Zehen sind große Schwimmhäute vorhanden, die beim Sprung Verwendung finden. Das Tier kann auch auf ebenem Boden 1% bis 2 Meier weit springen, wobei es sich allerdings in flachem Boden höchstens nur etwa 20 Zentimeter über bie Erbe erhebt. Beim herabspringen von ben Bäumen hat ber Frosch anfangs eine wagrechte Richtung und beschreibt dann in der Luft einen Bogen, ber unter spitzem Winkel den Boden berührt. Im Wasser dienen die „Flughäute" dem Tier als Ruder. Ein ins Wasser geworfener Flug- stosch vermag gut zu schwimmen und durch einen mit ben ausgebreiteten Hinterfüßen geführten Schlag auch ziemlich hoch aus dem Wasser herauszuspringen. Beim Klettern auf ben Zweigen ist es von Wichtigkeit, daß der Frosch sich an den Blättern gut anhesien kann. Dies wird ihm auf der meist sehr glatten Oberfläche der Tropenpflanzblätter durch eine die Adhäsion unterstützende Ausscheidung aus den Bauchdrüsen erleichtert, während gleichzeitig die Brust- und Bauchmuskeln die Bauchhaut stark anipannen und die Abhäsionsfläche ver- größern. Die Vorder- und Hinterbeine eines ruhenden Tieres sind fest an den Körper gepreßt, die Finger unb Zehen unter bem Rumpf verborgen. Alle grün gefärbten Körpertelle finb dabei nach oben gerichtet und die anders gefärbten, besonderes die helleren, unter dem Bauch oder zwischen den Falten der Gliedmaßen versteckt. Von oben sieht ber Frosch daher wie ein grüner Klumpen aus, und man muh schon genau beobachten, um ihn von bem grünen Blatt, auf bem er fitzt, zu unterscheiden.
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Väter unb Söhne. Karl: „Gestern sind wieder zwei Autos verunglückt." — Vater: „Ich fahre schon 62 Jahre mein zweibeiniges Auto und bis auf einige Zwischen- fälle bin ich stets noch immer mit heiler Haut davongekommen." (Er begibt sich zu Bette.) — Mutter: „Karl, weißt du, wo ber Vater ist?" — Karl: „In ber Ga- rage." (Jugend.)
Astronomie in Ungarn. Vizegespann: „Bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, daß Mond ist wichtiger als Sonne. Mond scheint bei Nacht, wo man braucht Beleuchtung, — Sonne scheint bloß bei Tag, wo ist hell so wie so!"
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Die Prahlerei und die verächtliche Art, mit welcher ber Sprecher ben hochverehrten König erwähnte, trieben Heinz von Horn das Blut in bie Wangen. Unwürdig und feige wäre er sich vorgekommen, wenn er hier geschwiegen hätte, deshalb erwiderte er rasch: v
„Ihr wähnet, des Königs Mannen wären ein zu- fammengewürfelt Volk, Herr Ritter Kurt von Lauterburg? Da seid Ihr falsch belehret! Die Blüte deutscher Ritterschaft folgt Herrn Rudolf auf feinen Heeresfahrten. Wer die zu Paaren treiben will, der sehe zu, daß aus dem Treiber nicht der Betriebene wird!"
„Gott's Tod — Ihr bläst in das Horn des Habsburgers?" rief Kurt von Lauterburg aufbrausend. „Und Ihr vermesset Euch, her in unfern Kreis zu kommen?"
„Ist es Vermessenheit, ein freies Wort zu sprechen? — Zu widerlegen das, was Irrtum ist?" entgegnete Heinz fest. „Dies Recht laß ich mir von Euch, Herr Ritter, nicht verbieten!"
„Und wenn ich's dennoch Euch verbiete, was werdet Ihr dann tun?" fragte Kurt von Lauterburg, indem er sich langsam erhob.
„Ich werde Euer lachen und den Rat Euch geben. Eure großen Worte nicht prahlend zu verschwenden!"
„Höll unb Teufel, das fordert Blut!" schrie der Ritter Kurt von Lauterburg, kirschrot vor Zorn, indem er sein Schwert zog und sich anschickte, um die Tafel zu. eilen, aber die ihm zur Seite sitzenden Zecher fielen ihm in die Arme, und Haug von Rofenstem rief, sich er- hebend mit gebieterischer Stimme:
.Halt, Kurt von Lauterburg! Du alter Streithahn, mußt du zu jeder Stunde Händel suchen? In dieser Halle wird kein Schwert gezückt! So lange Heinz von Fürstenberg im Frieden der Burg Rosenstein verweiset, verwehr ich dir, ihm feindlich zu begegnen!"
Die Mahnung, Frieden zu halten, hätte vielleicht nichts gefruchtet, beim Ritter Kurt von Lauterburg suchte sich mit Gewalt aus den ihn umschlingenden Armen zu losen, wenn sich in diesem Augenblick nicht eine Setten» für geöffnet hätte und Walburga von Rosenstein, begleitet von einer ölten Dienerin, in die Halle getreten wäre. (Forts, folgt)