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AmMcher Anzeiger für den kreis und die Sfabf Fulda.

Sonntag, 28. Dezember 1924

51. Zahrg.

DieReichsjwlitik in den Weihnachtstagen

feien, zu machen, um eine große MilikSrmachk zu bilden. Die Effektivbestände seien dank der Z e i t - freiwilligen zahlreich und ausgebildet. Eine bedeutende Bewaffnung sei vorhanden und die Ausrüstung der Industrie sei eine solche, daß man diese Bewaffnung in zwei oder drei Mo­naten ergänzen könne. Die Sl a a k s p o l i z e i sei eine Miillärmachk und die Fabriken seien nicht um- gesieük. Auch die Gesehgebung des Deutschen Reiches sei mit den Klauseln des Friedensverkrags nicht in Einklang gebracht worden.

Man müsse damit rechnen, daß die englische Regierung sich weniger sest als die französische Re­gierung zeigen werde. Die Kölner Zone werde nicht geräumt werden. Ls würde opportun sein, die Rechte und Machtbefugnisse der Kontrollkommis­sion zu erweitern, um die Kontrolle wirkungsvoller zu gestalten. Es handele sich nicht darum Forma­litäten zu beenden, sondern man müsse im Gegenteil Deutschland mit entsprechenden Mahnahmen ent­waffnen. Diese Mahnahmen würden erst dann wirkungsvoll sein, wenn sie von Sanktionen begleitet seien. Die öffentliche Meinung, die jetzt aufgeklärt sei, werde keine schwache Haltung der Regierung angesichts solcher gefährlichen Verhält­nisse, wie sie festgeskellt worden seien, dulden.

Diese Sprache ist nur zu verstehen, wenn man bedenkt, daß die französischen Nationalisten in der neuen konservativen englischen Regierung Un­terstützung finden. Jetzt zeigt es sich, wie kurzsichtig es war, als unsere Deutschnationalen sich über den Sieg der Konservativen über Macdonald gefreut haben und leichtere Wege für die deutsche Außen­politik erwarteten.

Der neue Feldzug gegen Deutschland.

Die französische Rechtspresse beschuldigt Deutschland geheimer Rüstungeu. — Einwirkungen ans die Botschafterkonferenz.

* Gewalttat in Mexiko. 50 Banditen brachten bei El Cobre einen Eisenbahnzug zum Entgleisen, töteten einen weiblichen Passagier und sechs zur Bedeckung des Zuges mitgegebene Soldaten und raubten den Paketwagen aus. Während des Gefechtes, in dem die Soldaten tapfer, aber ver­geblich Widerstand leisteten, wurden mehrere Passagiere verwundet.

allen bürgerlichen Parteien angehören (Partei freunde Eberts sind bekanntlich nicht darunter), konnten im Namen des gesamten vaterlän­disch-gesinnten Deutschlands sprechen. D i e- s e s Deutschland will nicht, daß die Autorität des Staates gewissenlos untergraben wird, es will um des Baterlandes willen nicht, daß aus engherzigsten parteiegoistischen Gründen der Träger dieser Auto­rität in den Schmutz gezogen und in seiner Ehre beleidigt wird.

Die »Zeit", das Organ Dr. Stresemanns, ist über den Magdeburger Vorfall zu folgender begrü­ßenswerter Aeußerung gelangt:

„Man unterscheidet vielfach in der Rolle, die bei Reichspräsident gespielt hat, zwischen der der Abgeord neten und der des späteren Reichspräsidenten. Auch da­ist nicht berechtigt. Noch in den Spätsommertagen de- Jahres 1918 hat sich der Abgeordnete Ebert mit aller Entschiedenheit in einer Konferenz der Parteiführer dafür eingesetzt, daß der Disziplinlosigkeit in der deutschen Armee, die damals bei den Urlaubern einriß, entgegen­getreten werde. Und wer es miterlebt hat, wie Ebert als Vorsitzender des Hauptausschusses des Reichstags Mit­teilung davon machte, daß Bulgarien den Kampf an der Seite der Mittelmächte abgebrochen habe, wer es mit­erlebt hat, wie ihn bei dieser Mitteilung, in der viele den Anfang vom Ende sahen, die Bewegung überwältigte, wer die ganze Einstellung kennt die der Familienvater Ebert dem Kriege gegenüber eingenommen hat, der kann es nur bedauern, wenn man es jetzt nach Jahren ver- sucht, den Verwalter der höchsten Reichsgewalt als Landesverräter brandmark en zu wollen. Es geht hier nicht nur um eine politische Frage, es geht um das System. Die Zahl der Männer, die sich dem Reich in seiner Machtlosigkeit zur Verfügung stellen und sich der undankbaren Aufgabe widmen, aus dem Chaos und dem Zerfall zum Wiederaufbau zu kommen, ist mcht gerade groß. Wenn an die Stelle der Sachlichkeit die persönliche Verunglimpfung tritt, wenn man in dem politischen Gegner stets den ch a r ak t e r l o s e n Mann und den Landesverräter sehen will, dann wird sich die Zahl der Mutigen in Zukunft wohl noch vermin­dern. Wir müssen es uns endlich einmal a b g e w ö h- nen, wie dumme Jungen im sachlichen Geg­ner immer nur den Schurken zu sehen, zu dessen Verunglimpfung jedes Mittel recht ist. So kom­men wir nie zur Volksgemeinschaft, sondern zerklüstcn uns immer hoffnungsloser. Und wir müssen uns cb= gewöhnen, im „Regierenden" einen Mann zu sehen, der es darauf absieht, in seine Tasche zu wirtschaften. Wenn wir das nicht wollen, dann müssen wir auch das alberne Winseln nach dem „starken Mann" bleiben lassen."

Wenn das Magdeburger Urteil obige Erkenntnis gefördert hat, die schon, ehe der Erzbergermord fid; ereignen konnte, zum Gemeingut des deutschen Vol­kes hätte gemacht werden müssen, so hätte es auch eine gute Seite gehabt, für die allerdinas dem Landrichter in Magdeburg weder vom polttifchen noch historischen, noch moral-lchen Standpunkt aus das Nsrditzntt rukärne.

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In den Weihnachtstagen haben die Regierungs­geschäfte in Berlin nicht geruht. Die in den letzten Tagen in Fülle aufgeworfenen sehr schwierigen außenpolitischen Fragen haben die maßgebenden Regierungsstellen unausgesetzt beschäftigt. Der diplomatische Verkehr, insbesondere soweit er sich auf Kabel und Telegraphen erstreckt, hat an den beiden Weihnachtstagen denselben, ja vielleicht noch einen größeren Umfang angenommen als in ande­ren normalen Arbeitstagen. Das Auswärtige Amt und die Reichskanzlei kannten keine Feiertage, und Reichskanzler Marx, der nach all den Anstren­gungen des Wahlkampfes sich etwas auszuspannen hoffte, ist fortgesetzt über den Gang her Dinge un­terrichtet worden.

Diese Emsigkeit erklärt sich durch die gerade jetzt ihrer Entscheidung harrenden innen- und außen- politischen Probleme, die geradezu gehäuft jetzt auf­treten, nicht allein, daß wir mit inneren Sorgen über und über bepackt sind, — und auch während der Weihnachtstage haben die Bemühungen zur Fassung einer Basis für die kommende Regie­rungsbildung nicht geruht — außenpolitisch sind es zwei Probleme, die sehr rasch zu entscheidenden Maßnahmen drängen. Einmal ist es die Räu­mungsfrage für die Kölner Zone und zum anderen Problem der Bedingungen, unter denen Deutschland einen Eintritt in denVölkerbundfür erträglich hält.

Was die Räumung der Kölner Zone angeht, so steuert die Gegenseite offensichtlich auf einen K o m- P r0 rn i ß hin, so zwar, daß die Besetzung von Köln um einige Monate verlängert und dafür d'e Besetzung des Ruhrgebiets um den gleichen Zeit­raum verringert werde. Es ist eine Frage, die spä­ter einmal zu beantworten fein wird, ob nicht durch frü h e re Maßnahmen des Auswärtigen Amts der Versuch hätte gemacht werden können und sollen, über die Stellungnahme der Entente zu diesen Din­gen Klarheit zu bekommen und deren Regelung dann auf einen absolut einwandfreien Rechtsboden zu stellen. Jetzt schiebt die Entente alles auf Deutschland so zwar, daß dieses Schuld daran trüge, daß der endgültige Bericht der Kontrollkommission infolge der Wider­stände, die die untersuchenden Kontrolloffiziere in Deutschland gefunden hätten, nicht fertigge- stellt werden konnte. Man hat es Deutschland allerdings anheimgestellt, ckuf den. Zwischen­bericht sich einzulassen und dementsprechend die Entscheidung der Alliierten zu treffen. Aber man bat dabei darauf aufmerksam gemacht, daß ~ outschland bei dieser Sachlage zweifellos mel Ungünstiger sich stellen würde, als wenn auf Grund des Schlußberichtes eine endgültige Entscheidung getroffen werde.

Jedenfalls sind diese Dinge im höchsten Grade unerfreulich. Sie berühren, wenn es auch nicht ge­rade notwendig war, dem Auslande das in offiziel­len Vorstellungen vor Augen zu halten, die künf­tige Entwicklung unserer eigensten inneren politi­schen Angelegenheiten. Aber man darf sich auch nicht im Zweifel fein über die Gefahr, die darin liegt, daß das Ausland aus der deutschen Einstellung und aus einer gewissen Taktik des Auswärtigen Amtes den Schluß zieht, daß Dei^land sich auch vondem Dawesplan und brn Londoner Vereinbarungen freimachen will. Ganz abgesehen davon, daß das Deutschland nicht kann und nicht will, würde eine solche von nur wenigen angestrebte katastrophale Entwicklung zu demselben heillosen Chaos führen, das wir gerade noch eine Minute vor 12 vermieden haben.

Das zweite sehr tief in unsere künftige politische Entwicklung einschneidende Problem ist das der Stellungnahme Deutschlands zum Völkerbund. Die deuffche Reichsregierung hat bekanntlich an den Dölkerbundsrat eine formulierte Note gerichtet, in welcher die Unmöglichkeit erklärt wurde, daß Deutschland an einer militari- |

Amerika ist unwillig.

Präsident Loolidge und die französischen Schulden.

wtb Londo o, 27. Dez. (Tel.) Der Washing­toner Berichterstatter der „Morningpost" meldet aus Washington, daß die großen Zeitungen, in denen alle politischen Auffassungen vertreten sind, berichten. daß die letzte Role des französi­schen Botschafters über die franzöfi-

Der Sieg der albanischen Revolte.

Die Ausständigen in Tirana.

Nach einer von der Wiener „Neuen Freien Preffe" veröffentlichten Mitteilung wird die Ein­nahme von'Tirana durch die albani­schen Aufständischen bestätigt. Volona sei zur provisorischen Hauptstadt von Albanien pro­klamiert worden.

Flucht der Regierung nach valona.

wtb Paris, 27. Dez. (Tel.) Einer Dlöilenuel- dung aus Belgrad zufolge soll Achmod-Zogu bei seinem Einzug in Tirana mit Begeisterung empfangen worden sei. Fan-Roli habe sich mit seinen Anhängern nach Valona geflüchtet. S k u - l a r i werde demnächst zurHaupkstadkÄlba- niens gemacht werden.

Eifrige Tätigkeit in der Reichskanzlei und im Auswärtigen Amt. — Die Bemühungen um Vie Regierungsbildung. — Die Kölner Zone. — Deutschland und der Bölkerbnnd.

Die votschafterbonferenz

sollte am Samstag zusammentreten, um von dem Bericht des interalliierten Milttärkomitees von Versailles Kenntnis zu nehmen auf Grund der von der Kontrollkommission gelieferten T e i l b e r i ch te über die Generalinspektion in Deutschland. Es fei wahrscheinlich, daß die Botschafterkonferenz sich auf eine Demarsche der alliierten Botschaf­ter in Berlin einigen werde, die im Namen ihrer Regierungen eine Note überreichen würden, über deren Inhalt man sich verständigen werde. Diese Note werde aber jedenfalls n i ch t v o r d e n ersten Tagen des Monats Januar überreicht werden.

Großangriff der Deutschlandfeinde.

wtb Paris, 27. Dez. (Tel.) Fast die gesamte Presse sucht die Botschafterkonferenz. die heute vormittag zu einer Sitzung über die in Deutschland durchgeführte Generalinspek­tion Zusammentritt, zu beeinflussen. Es wird be­richtet, daß Ministerpräsident Herrlok gestern den Vorsitzenden der interalliierten Kontrollkommission, General Walsh, empfangen habe und daß dieser vielleicht heute vor der Doffchasterkonferenz aus­sagen werde. Ferner läßt der Quai d' Orsay mit- teilen, daß unter irgend einer Form die französische Regierung demnächst das Ergebnis des vor­läufigen Bericht» als Beantwortung einer offiziellen Rote der deutschen Reichsregierung ver­öffentlichen lassen werde.

Eine besonders drohende Sprache führt der „M a t i n“. Er kann zwar nur die angeblichen Verfehlungen anführen, von denen man seit Tagen spricht, z. B. den auch im „Ouotidien" erwähnten Fund von S t a h l r o s e n, aus denen man 40 000 Maschiuengewehrläufe Herstellen könne, die seit Mo­naten immer wieder ins Treffen geführt werden, u. die bei S r u p p gefundenen 27 000 Gewehre. Rach seiner Ansicht habe Deuffchland trotz des Friedens­vertrages und dem Einfluß von zwei hervorragen­den Männern, dem Reichswehrminister Dr. Geß- ler und dem General von Seeckt, nicht aufgehört, alle Anstrengungen, die mit seiner Lage vereinbar

Die für den gefunden Menschenverstand unzu­gängliche Begründung, die das Gericht in Magde­burg seinem Urteil in dem Prozeß gegen den ju­gendlichen Beleidiger des Reichspräsidenten Ebert gegeben hat, schadet offensichtlich dem deutsch en Ansehen im Ausland in der unerfreulichsten Weise. Es ist deshalb zu verstehen, daß außer den deutschnationalen Blättern die gesamte deutsche Presse, vor allem auch die Organe ber Deut« sch en Volk sparte i, aufs schärfste von dem subalternen Urteilsspruch abrücken. Die Wirkungen bes Urteils hat aber vor allem bie Reichsregierung selbst aufgehoben burch eine Kundgebung.

Die Kundgebung des Reichskabinetts.

In der Sitzung vom 23. Dezember, die das Reichskabinett abhielt und an der unter dem Vor­sitz des' Vizekanzlers und Reichsministers des In­nern, Dr. I a r re s (bekanntlich vom rechten Flügel der Deutschen Volkspartei), sSmüiche Mitglieder des Reichskabinetts teilnahmen, wurde einstimmig eine Kundgebung für den Reichspräsidenten beschlossen. Um dieser Enffchließung besonderen Ausdruck zu verleihen, begaben sich am 24. Dezember sämt­lichem Berlin anwesenden Reichsminister zu dem Reichspräsidenten, wobei Vizekanzler Dr. Jarres die Entschließung bes Kabinetts übermittelte. Die Kunbgebung lautet:

„Sehr verehrter Herr Reichspräsibentl Das Reichskabinett hat in feiner gestrigen Sitzung ein­stimmig beschlossen. Ihnen, Herr Reichspräsibent, bie Empfinbungen zum Ausdruck zu bringen, die uns angesichts des Schweren bewegen, das Sie in diesen Tagen zu ertragen haben. Wer an der Spitze bes Deutschen Reiches steht, hat des Vaterlandes Wohl zu fördern und zu wahren. Wir haben, zum Teil in jahrelanger Zusammenarbeit mit Ihnen, Ihr Wirken kennen und Ihre Persön­lichkeit politisch und menschlich schätzen gelernt. Auf Grund dieser Erkenntnis wünschen wir Ihnen zu sagen, daß ihre Tätigkeit stets dem Wohle des deutschen Vater­landesgegoltenhat. Lasten Sie uns Ihnen in diesem Sinne unsere besten Wünsche für ihre weitere Tätigkeit in Ihrem hohen, verantwortungs­vollen Amte aussprechen."

Der von Berlin abwesende Reichskanzler Marx hat, wie Vizekanzler Dr. Jarres mitteilte, dem Reichspräsidenten zum Ausdruck bringen lasten, daß er die Empfindungen und Wünsche des Kabinetts aufrichtig teilt..

Diese Kundgebung der Reichsregierung ist ein w i ch t i g e s p-o l i bi s ch e s E r e i g n i s. Sie wird von allen -aufrüfitig begrüßt werden, bie Staats- raison unb Staatsgesinnung über bie Bedürfnisse kleinlicher Parteitaktik stellen. Die Minister, die

Reichsregierung und Reichspräsident

Nach dem Magdeburger Urteil.

scheu Kriegsschulden von dem Präsidenten übel anfgeaommen worden sei. Denn der Botschafter nicht im Begriffe wäre, zurückzutreten u. binnen kurzem Washington zu verlassen, so würde nach dem Berichterstatter die Haltung dec amerikanischen Regierung sehrdeut- lich sei«.

Die Blätter bestätigen» daß Coolidge nicht abge­neigt sei, Frankreich gegenüber nachsichtiger zu han­deln als gegenüber England, aber es fei erklärt worden, der Präsident wünsche nicht, daß ihm die Hande gebunden würden durch künstliche Beeinflussung der öffentlichen Meinung.

* Gefängnis für Frau Dickson. Aus Paris wird gemeldet: Die vor einigen Wochen verhaftete ame­rikanische Staatsbürgerin Dickson, die vor dem russischen Botschaftergebäude Drohungen ge­gen den Sowjet-Botschafter Krassin ausgestoßen hatte und erklärte, sie habe ihn er­schießen wollen, ist vom Strafgericht zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt worben. Frau Dickson ist eine geborene Russin unb Schriftstellerin von Beruf. Sie erklärte, sie habe eine Zeit lang in Sorbjetrußland bie Stelle eines Untersuchungsrichters bekleidet. Nach Verbüßung chrer Strafe wird sie aus Frankreich ausgLwiesen werden.

I Berantwortllch iüt bie Schrntleimngr Dr. 3obanne? Kramer. Anzeigen: I- B arretier, Fulda. Rotanonddruck und «erlag der Fuldarr Srtitrtirdciei in Tulto. FerrSdreLer Rr. & Monatlicher Be-unsvreiS: 1.SO Ml.

schen Exekution gegen eine ihren Verpflichtun­gen gegen die Völkerbundsstatuten nicht gerecht- werdende Macht t e i n i m m t. Man verrät kein Geheimnis, wenn man darauf hinweist, daß es sich vornehmlich um bie Möglichkeit eines Konflik­tes zwischen Rußland und Polen han­delt. Daß bie Besorgnis nach dieser Richtung'hin nicht ganz unbegründet sind, zeigen die ganz auf­fallenden militärischen Rüstungen, bie in letzter Zeit Polen unternommen hat, die sich sogar bis zu Unterseeboot-Forderungen verdichtet haben. Wenn nun in einem solchen russisch-polnischen Konflikt die Entente sich nach ihrer Meinung vor die Notwen­digkeit gestellt sähe, gegen Polen militärisch vorzu­gehen, so müßte Deutschland nach dem gegenwär­tigen Wortlaut des Völkerbundsstatuts den Durch­zug der alliierten Truppen ohne weiteres gestatten. Es braucht für heute nicht bes näheren bargelegt werden, welche Folgen das wirtschaftlich und poli- ttsch haben könnte. Diese Dinge unb ihre Beord- nung haben aber eine weit über die innere deutsche Politik hinausgreifende Bedeutung, denn gerade dieser Punkt ist es ja, der bei Amerika die haupt­sächlichsten Bedenken gegen den Beitritt zum Völ­kerbund schon immer ausgelöst hat. Von der Ent­scheidung, bie die deutschen Vorstellungen in Genf erfahren, wird es wesentlich abhängen, ob Amerika seine demonstrativ zurückhaltende Stellungnahme zum Völkerbund aufgibt.

Wie man sieht, sind die gegenwärtigen Fragen, die die deutsche Politik unb bie Leiter der politischen Geschäfte Deutschlands bewegen, außerordentlich schwerwiegend, unb es ist zu verstehen, wenn das ganze Interesse der Oeffentlichkeit den Bemühungen der deuffchen Reichsregierung und ihren Ergeb­nissen in diesen Dingen sich trotz aller Jonft „zwi­schen den Jahren" üblichen Festtagsruhe sich zu- roenbet.

Herriot und Köln.

Der Pariser „Ouotidien", das Organ Herriots, der sich bis jetzt in der Frage der Räumung der Kölner Zone reserviert verhalten hatte, üeröffent- licht einen Artikel, in dem er erklärt, dieEntdek - kung von versteckten Waffen habe bie Räumung ber Kölner Zone unmöglich gemacht. Alle Welt werde Frankreich, England und Belgien zustimmen und verstehen, baß sie augenblicklich nicht geneigt seien, die militärischen Pfänder aufzugeben, die sie in Händen halten. Es sei sehr natürlich, baß Deutschland feine vollkommene Freiheit wieder erlangen wolle und bitter enttäuscht sei über die Verlängerung ber Besetzung von Köln. Es wäre für ein Land nicht würdig zu leben, wenn es nicht feine Integrität wieder zurückerobern wolle. Das Blatt schreibt weiter. Wir Franzosen erwar­ten ungeduldig die Stunde, in ber wir mit einer Nation wieder normale Beziehun­gen Herstellen können, die zu lange unterbrochen waren unb deren Wiederherstellung für den Frie­den unerläßlich ist. Aber normale Beziehungen können nicht wiederhcrgestellt werden dadurch, daß man den nationalistischen Geist entfacht, daß man sich bewaffnet unb bie Revanche vorbereitet. Wenn das demokratische Deutschland es nicht versteht, dem reaktionären Deutschland feinen Willen aufzuzwin­gen, dann darf man nicht damit rechnen, daß die interalliierten Regierungen bie Augen vor einer solchen Sage verschließen. Wir brauchen Sicher­heit, um wieder arbeiten zu können. Das Deutsche Reich muß erklären, ob es eine ehrliche Erfüllung ber Entwaffnungsklauseln erstreben will ober nicht. Wenn es das nicht will, bann hat es sich alle Lei­ben selbst zuzuschreiben unb bie volle Verantwor­tung für bie europäische Verwirrung wird chm auf« gebürdet werden.

Von Berliner amtlicher Stelle wird erklärt, baß von Entdeckungen geheimer Waffenlager gar keine Rede sein könne.