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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 299.

Verantwortlich :ür d>s EÄriitteiLnng: 2r- SobcsneS Lramer. Anzeigen: I- T arzeUer, Fulda. SiotaiwnSvrack und Verlag der Fuldaer 5 rticrdivcicrei in Fvlda. Fernwrecher Rr- S- Monatlicher BemosvreiS: 1.50 Mk.

Mittwoch, 24. Dezember Z924-

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51. Zahrg,

Vie Schulden der Reicher.

Nach dem gegenwärtigen Stande beziffern sich die Schulden des Reiches auf etwa über drei Milliarden Gold mark. Von dieser Summe stammen etwa die Hälfte aus der Zeit der Stabili­sierung. Die übrige Halste setzt sich in der Haupt­sache zusammen aus den Aufwendungen für die Rentenmark mit etwa 1200 Millionen Mark und ferner aus dem Ergebnis der Ausländsanleihe mit etwa 830 Millionen Mark. Dadurch, daß die 1200 Millionen Rentenmarkkredit nicht voll in Anspruch genommen sind, verringert sich dieser Betrag an der wirklichen Schuldziffer.

Wenn man sich daran erinnert, daß das Reich mit etwa 18 Milliarden GM.-Schulden in den Well- srieg trat und wenn man sich weiter vergegen­wärtigt, daß w ä h r e n d des Krieges nicht weniger als etwa 85 bis 90 Milliarden Goldmark an An­leiheschulden ausgenommen worden sind, dann wird der jetzige Schuldenstand mit etwas über 3 Milliar­den Goldmark gering erscheinen. Man muß sich aber andererseits klar darüber sein, daß die durch Me Inflation und den damit verknüpften Wäh­rungszerfall zerflossenen Schulden des Reiches, der Länder und der Gemeinden noch einmd, wenn auch nur in geringem Umfang, zurückgezahlt wer­den müssen. Allerdings sind inzwischen durch Rück­käufe von Vorkriegsanleihen schon erhebliche Ver­minderungen dieser Schulden eingetreten. Aber mit einem erheblichen Rest und zwar in Gold ge­rechnet, werden die Reichsschulden doch noch be­lastet werden müssen. Außerdem werden die Goldmarkverpflichtungen, die sich aus den Londo­ner Vereinbarungen ergeben, die Schuldenlast des Reiches demnächst sehr erheblich vermehren.

Die Reichsbank muß bei der Finanzlage, in der sich das Reich befindet, nunmehr vor allen Din­gen auf eine starke Reservepolitik achten. Sie muß sich sichern gegenüber inflationistischen Möglichkeiten, die auch heute noch bestehen und durch den ausländischen Geldzufluß nicht verringert, sonders vergrößert werden. Infolgedessen muß vor allem darauf geachtet werden, daß auch größere plötzliche Aufkündigungen ausländischer Kredite die Reickskasse nicht unvorbereitet treffen. J,n übri­gen wird sich der Aufbau der Wirtschaft nur dann geordnet vollziehen können, wenn auch die letzten Reste der Jnflationsgesctzgebung allmählich ver­schwinden. Nur dann wird es aber auch möglich fein, wirklich alle Vorkehrungen zu treffen, um die Goldparität und damit die Goldwährung selber auf­recht zu erhalten, denn das ist ja auch die Voraus­setzung für die E n t w icklung des Spar- sinnes der Bevölkerung, der unter den Inflationswirkuilgen fast völlig vernichtet wor­den ist.

* Die Reichsregierung hat zur Klärung bet > Frage der Beteiligung Deutschlands au den kriege­rischen Zwangsmaßnahmen des Völkerbundes eine Note an den Völkerbund gerichtet, die zugleich den Regierungen der Ratsmächte mitgeteilt tourbe.

Urisenftimmung in Men.

Demonstrationen von Arbeitslosen u. Kommunisten.

Die Polizeidirektion in Wien hat eine beabsich­tigte Demonstrationsversammlung der Arbeitslosen vor dem Rathaus aus Gründen der öffentlichen Sicherheit verboten. Einzelne Versuche von Arbeitslosen, in Gruppen in die innere Stadt zu gelangen, wurden von der Polizei verhindert, ebenso kleinere Ansammlungen im Stadtilmern. Hierbei wurde eine größere Zahl von Arbeitslosen wegen Widersetzlichkeit verhaftet, darunter die kommunistischen Führer Haas und Zucker.

Line vöMsches Panama!

f Man schreibt uns:

Nun ist es also erwiesen und zwar vor dem öffentlichen Forum eines ausländischen Parla­mentes, wie es in Wirklichkeit mit dem viel dekla­mierten nationalen Ehrgefühl unserer Hakenkreuzler steht. Sie, die nicht laut ge­nug über Kapital und Geldwirtschaft sich ereifern können, sind nunmehr öffentlich festgenagelt, wie sie in der Schweiz dem schnöden Mammon nachlie­fen und dabei blamiert wurden. Während der Wahlzeit ging bekanntlich die Meldung durch die Presse, daß Hitler von der Schweiz für feinen No­vemberputsch Geld erhalten habe. In der baltischen Presse (Danzig) tauchte die Behauptung auf, daß die Hitlerleute von der Schweiz aus unterstützt wür­den. Auf eine diesbezügliche Interpellation i m Schweizer Nationalrat erwiderte nun in er Sitzung vom 18. Dezember Bundesrat Häber- ».n als Regierungsvertreter. Er schilderte den Sach­verhalt, wie er sich auf Grund der Untersuchung des Budesrates ergab. Danach habe der Sekretär Hitlers, Dr. Ganser, den angeklagten Dr. Bir­cher, der schweizer Regimentskommandeur ist, nach dem Hiüerputsch ausgesucht und sei abgewie- sen worden. Der Ängeklärie erklärte wörtlich, er habe Ganserabfahren lassen"!

Wir können der Schweizer Behörde für dieses Ergebnis nicht dankbar genug fein, zumal kaum eine Partei in finanziellen und wirtschaftpolitischen Dmgen im Wahlkampf einen größeren Pharisäis- mus an den Tag legte. So wäre also die Reise des urgermanischen Hitlerjüngers in die Schweiz nicht so erfolgreich gewesen, wie diejenige anderer Arier, die ihr schlechtes Gewissen glaubten in Ungarn zur Ruhe zu bringen, in jenem Ungarn, das neben dem Türkenreiche Kemal Paschahs zurweißen -internationale" gehört. Diese Internationale wollen wir neben der goldenen und roten Jnterna- twnale nicht vergessen!

Var heilige Jahr.

Aus Rom wird unter dem 22. Dezember ge­meldet:

Heute sind die offiziellen Einladungen für die Eröffnung der Porta Sancta bei St. P e t er durch den Papst ausgegeben worden. Sie lauten aus den 24. Dezember, 11 Uhr vormittags. Um 11% Uhr wird dem mit Eintrittskarten ver­sehenen Publikum der Eintritt in die Kirche ge­stattet, in der der Papst den Segen erteilt. Gestern ist hierzu Kardinal Mercier von Belgien in Rom eingetrossen.

Die italienische Regierung hat verfügt, daß die zum Jubeljahr nach Rom reisenden Pilger nicht mit Pässen ausgerüstet zu sein brauchen, sondern daß bei Emzelreisenden die Pilgerkarte als Ausweis an der Grenze genügt. Bei Reisegesell­schaften genügen ordnungsmäßig ausgestellte Pil- g e r v e r z e i ch n i f f eck

MMärkontroKe und Kölner Zone

Die deutschen diplomatischen Ver­treter in Paris, London und Brüssel haben im. Auftrage der Reichsregierüng den d c u t s ch c n Standpunkt in der Frage der K.ölner Zone dar­gelegt.

Der Preß Association zufolge wird in britischen diplomatischen Kreisen erklärt, daß die einzige Er­wägung, die für den Beschluß der Alliierten über den Termin der Räumung der Kölner Zone ins Gewicht falle, in dem Bericht der interalliierten Militärkontroll kommission bestehen werde.

Das Jnterallierte Militärkomitee von Versail­les hat unter dem Vorsitze des Marschalls Foch eine Sitzung abgehalten. Im Lause dieser Sitzung wurde der letzte vierzehntägige Bericht der Inter-, alliierten Kontrollkommission in Berlin besprochen. Es wurde ein Bericht verfaßt, der der Botschafter- konferenz ungesäumt zugestellt wird. 1 ck

Wie die Havasagentur erfährt, scheine es nach allen Auskünften, die man erhalten habe, daß sich aus dem Bericht ergebe, daß Deutschland noch nicht vollkommen alle Entwafs-^ n u n g s b e d i n g u n g c n des Friedensverirages erfüllt habe.

Reuter zufolge wird der Bericht der Kontroll­kommission über den Stand der Entwaffnung in Deutschland nicht vor der dritten Ja­nuarwoche erwartet.

Das bedrängte Saargebiet.

(Ein neuer Polizeiskandal.

nid Saarbrücken, 23. Dez. (Tel.) Nachdem erst gestern der Fall des ehemaligen Kommandeurs der Saarbrücker Schuhmauufchaft, lltajor Dörfferk, feine vorläufige Erledigung gefunden hat, scheint sich eine neue Polizeiskandal-Affäre vor­zubereiten. Schon feit einiger Zeit wurde in der Oesfentlichkeik gegen den Generalsekretär der ober­sten Polizeiverwaktung, Rollin, mehr oder weni­ger deutlich, schwere Vonvürfi erhoben. Heule schreibt dieSaarbrücker Landeszeitung" u. a.: (Es muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß Rol- lin derartige Spionage ausgeübt hat, dürfte wohl auch dadurch erwiesen fein, daß in Bayern bereits solche Perssnen, die Rollin zu Spionagezweckeu Material geiieferl haben, rechkskräfiig verurteilt find. Es verlautet aber noch nicht, daß die Regic- rnngskornmiffion oder der Staatsanwalt eingeschrik- ten sei. Rollin war schon im Dörfferkprozeß als Zeuge geladen, war aber nicht erschienen. Zurzeit hat er einen sogenannten Erholungsurlaub ange­treten. Rollin ist Lothringer und war früher ein deutscher mittlerer Polizeibeamier.

Das Lchlutzergebnis der Reichstags­und Landtagswahlen.

ImReichsanzeiger" werden nunmehr die end­gültigen Resultate der Reichstags- und Landtags­wahlen vom 7. Dezember bekanntgegeben. Die Zahl der Stimmen und Abgeordneten verteilt sich danach wie folgt:

Reichstag Landtag

Stimmen Maud. Stimmen Mand.

Sozialdemokraten

7 880 058

131

4575 645

114

Deutschnationale

6205331

103

4355 674

109

Zentrum

4118 190

69

3229740

81

Kommunisten

2 708 176

45

1767 932

44

Deutsche Lolkspartei

3048 138

51

1797589

45

Nationalsozialisten

908087

14

454886

11

Demokraten

1917485

32

1083523

27

Bay-. Volkspartei

1132063

19

w»

Wrrtschaftsp. Bauernb

. 1005 746

17

454409

11

Landbund

498 934

8

Deutschhannoveraner

262 820

4

259506

6

Natron. Minderheiten

92 966

87 891

2

Andere Parteien

505 00'3

313491

Zusammen

30282997

493

18350285

450

Keine französische klktion in Marokko

Die Lage der Spanier bessert sich täglich.

wtb Paritz.. 23. Dez. (Xet) Aus Tanger wird gemeldet: Offizielle fireife dementieren die Nachricht derSunday Expreß", nach der Torpedo­boote und ein Regiment, das auf Kriegsstärke ge­bracht worden fei, bereilständen, um nach Tanger abzugehen. Es werde dem zugestimmk, daß die Lage in der spanischen Zone sich täglich bessere und daß eine ähnliche Intervention keineswegs notwen­dig fei. In Tanger herrsche vollkommen Ruhe.

Jas Urteil im Magdeburger KeleidigungsproreK.

Ter Beleidiger des Reichspräsidenten wird zn drei Monaten Gefängnis verurteilt. Tie Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte.

Am Dienstag vormittag ist das Urteil in dem Beleidigungsprozeß, den der Reichspräsident gegen einen von deutfchvölrischeu Kreisen vorgeschobenen jugendlichenSitzredakteur" namens Röthardt in Staßfurt angestrengt hatte, vor dem Magdeburger Schöffengericht bekannt gegeben worden. In dem von Röthardt verantwortlich gezeichneten Blättchen war dem Reichspräsidenten Ebert im Zusammen­hang mit dem Streik im Jahre 1918 Landesver­rat vorgeworfen worden. Die Verteidiger des Röt­hardt suchten durch ein gewaltiges Zeugenaufgebot den Wahrheitsbeweis für die beleidigende Behaup­tung anzutreten. Außer einer Reihe von Zeugen, die sich während des Krieges in leitenden Stellen befanden, brachten sie auch zwei oder drei Zeugen bei. die z. T. von dem deutschnationalen Abgeord­neten Pfarrer Koch in Berlin, ausfindig gemacht, sich als überaus fragwürdige Zeitgenossen entpupp­ten. Der eine verweigerte die Auskunft, als er von einem Mitarbeiter andauernder Eisenbahndiebstähls beschuldigt wurde, ein anderer wurde als zwölfmal vorbestrafter Unterstützungsschwindler entlarvt. Es ist möglich, daß gegen diese Zeugen noch Meineids­klage erfolgen wird.. Die Kosten des Prozesses, in dem auch von der Verteidigung des als Nebenklä­gers auftretenden Reichspräsidenten zahlreiche Zeu­gen vernommen worden sind, find sicherlich ganz Mgewohnlich hoch. . Der Beleidiger ist in' diese Kosten außer seiner Strafe verurteilt worden.

Das Urteil.

wbt Magdeburg, 23. Dez. (Tel. der Fuld. Zig.) Der Angekiagle Röthardt wird in dem Leleidi- guugsprazeß wegen öffentlicher Beleidigung zu einer Gefängnisstrafe von drei Mona­ten verurteilt. Dem beleidigten Reichspräsi- denten Lbert wird die Befugnis zugesprochsn, die 'Oerurieitung bei» Angeklagten auf dessen Kosten binnen einem Monat in derMitteldeutschen Presse" auf der ersten Seife und in derMagde­burger Zeitung und imBorwarls" durch einmali­gen Abdruck des verfügenden Teils öffentlich bekannt zu machen. Die Kosten des Ver­fahrens fallen dem Angeklagten zur Last.

Dem Prozeß wurde in politischen Kreisen große Beachtung zuteil, weil man erkannte, daß er von

rechtsstehenden Kreisen benutzt werden sollte, um Ebert als abermaligen Kandidaten für den Poften des Reichspräsidenten unmöglich Zu machen. Der Ausgang des Prozesses entspricht dieser Absicht nicht. Ganz allgemein kann man sagen, daß die strenge Bestrafung des Angeklagten mit Genug­tuung erfüllt, weil es nicht angängig ist, daß das Oberhaupt des Deutschen Reiches von jedem be­schimpft werden darf, ohne daß ihn eine gebührend^ Strafe trifft.

Noch vor der Urteilsverkündung schrieben zum Magdeburger Prozeß dieBasler Nach r.": Eberts Sozialdemokratische Partei verließ den Standpunkt der Landesverteidigungspflicht, woraus sie sich im August 1914 gestellt hat, während des ganzen Krieges nicht.' Es wäre also vorweg schon sehr merkwürdig, wenn Ebert, also einer ihrer her­vorragendsten Führer, so verräterische Seiten­sprunge gemacht hätte, wie man sie ihm jetzt vor­wirft. Er konnte aber feine Gesinnung durch einen Bries, den er an seinen im Felde stehenden Sohn richtete, belegen. Der Bries kam als unbestellbar zurück, weil der Adressat auf b e in Felde der Eh re. gefallen war. Zwei Söhne Eberts sind gefallen, jedoch kein Hohenzollcrnprinz. Der dritte kehrte nach Ausheilung seiner schweren Ver­wundung im Einverständnis mit seinem Vater an die Front zurück, obwohl ihm die Versetzung in eine gefahrlose Etappenstellung nahegelegt worden war. Trotz alledem wühlt die Rechtspresse gegen Ebert unter raffinierter Benutzung von Tatsachen, wie die Teilnahme an jener Streikleitung von 1918, der sich die sozialdemokratischen Führer unmöglich ent­ziehen konnten, wenn sie ihren Einfluß auf die Ar- beitermaffen nicht an bie Spartakisten ab­geben und dadurch erst recht das Vaterland gefähr­den wollten. Wer die wahre Gesinnung der deut­schen Sozialdemokratie während des Krieges nicht verkennen will, kaum sich auf das Zeugnis keines Geringeren als des Marschalls Hindenburg be­rufen. In Frankreich baut man die Kriegspsychose gegenwärtig ab. Malo y und E a i l l a u x wer­den rehabilitiert. Ist das nun der wirklich ge­eignete Augenblick, um in Deutschland der Nach- kriegspsychose in der Person des Reichspräsidenten Ebert ein unschuldiges Opfer in den Rachen zu werfen?

Der Kampf in Albanien.

Die Unterstützung der Aufständigen durch Serbien.

Der Berichterstatter desGiornale d'Jtalia" be­richtet aus Durazzo, in Bestätigung der bisherigen Meldungen, daß die Gegenoffensive der al­banischen Truppen den aufständischen Banden Krmna wieder entrissen habe und daß hierbei eine Menge serbischer Geschütze erbeutet und drei serbische Soldaten gefangen genommen wur­den, bie gestanden haben, von ihrem Kommandeur in Prizrend den Aufständischen für bie Geschützbe­dienung zur Verfügung gestellt worden zu fein. Am 21. Dezember hat unter persönlicher Leitung von Achmed Zogul ein überaus heftiger Angriff in Rich­tung Tirana, welches sein Hauptziel zu fein scheint, stattgefunden. Er beschießt jetzt die Stadt Piskupin. Die Gegenoffensive 'der albanischen Regierungs- truppen ist im Gange. ,.

Die Stellung Griechenlands.

wtb London, 23. Dez. (Tel.) DieMorning Post" meldet aus Athen: Der Aufstand in Albanien werde dort mit Aufmerksamkeit verfolgt. Die grie­chische Regierung erklärt, strenge Neutralität zu beobachten, da es sich um eine rein innere Ange­legenheit handele._______

Balkan und Sowjet-Rußland.

In diesen Tagen haben, wie Informationen aus Rom und Varis erkennen lassen, Verhandlungen zwischen Vertretern von Bulgarien, Rumänien und Südslavien stattgefunden, mit dem Ziel, einen Bund der Balkanvölker zu schaffen, um die Gefahr der Bolschewifierung abzuwehren.

In der Tat hat die bolschewistische Propaganda sich überaus hartnäckig im Balkan festgesetzt, und vorwiegend ist es Rumänien und Bulgarien, wo sich eine sehr geschickte und raffinierte Agitation der Sowjet-Agenten vollzieht. Nun ist ober ein Balkan- dund eine Angelegenheit, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht die Balkanvölker allein angeht, sondern an der insbesondere Italien und Frank- reich ein sehr lebhaftes Interesse nehmen müssen. In beiden Hauptstädten ist man etwas mißtrauisch gegenüber den Zusammenschlußbestrebungen der gesamten Balkanstaaten. Man hält doch vielfach die bolschewistische Gefahr lediglich für einen Vor­wand, um unter dem Deckmantel einer solchen Be­gründung andere und zwar hochpolitische Gründe zu veisolgen. Das zeigt, daß man weder in Rom noch in Paris feiner politischen Sache bezw. dieser Länder absolut nicht sicher ist. Andererseits haben gerade Italien und Frankreich das größte Interesse, die weitere Ausbreitung der bolschewistischen Propa­ganda in diesen Ländern einzudämmen und damit, einen Schutzwall gegen die Infizierung ihrer eigenen Völker zu schaffen. Der Erfolg der gegenwärtigen Zusammenschlußbestrebungen der Balkanstaaten wird aber auch für die Gestaltung des gesamteuropäischen Bildes mcht ohne Belang sein.

Line Ersatzwahl in England.

Sieg der Arbeiterpartei.

wtb London, 23. Dez. (Tel.) Bei der Er- sahmahl in Dundee, die durch den Tod des Mit­glieds der Arbeiterpartei Morel notwendig ge­worden war, wurde Iohnsion (Arbeiterpartei) ge­gen dem liberalen Kandidaten mit über doppelter Mehrheit gewählt.

Nach einer Meldung derVoss. Ztg." aus Lon­don wird der frühere Zivillord der Admi­ralität im Kabinett Macdonald, H o d g e, der sich zu dieser Stellung vom einfachen Bergarbeiter emporgearbeitet hat, demnächst wieder zu seinem Beruf als gewöhnlicher Bergarbeiter zurückkehren, da seine Stellung im Bergarbeiterverband während feiner Tätigkeit in der Regierung anderweitig besetzt worden ist.

Parlamentsauflöfung in Regierten.

Aus Kairo wird gemeldet: Wie Reuter aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat sich das Kabinett endgültig entschloffen, das Parlament aufzulöfen. Man erwartet, daß das Königliche Dekret am Dienstag veröffentlicht wird. Nach den Bestimmun­gen der Verfassung sollen die N e u w a h l e n inner­halb von 6 0 Tagen nach der Veröffentlichung des Dekrets abgehalten werden. V-

* Die Sozialisten in Sachsen. Zu dem sächsischen sozialdemokrafischeu Parteistreit teilt derVorwärts" mit, daß der Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei Vertreter beider Richtungen der sächsischen' Partei nach Berlin geladen habe, um mit ihnen über die Beilegung der Differenzen zu beraten. Der Parteivorstand wird einen formulierten Einigungs­vorschlag unterbreiten.

* Die Leiche im Landwehrkanal. Zu dem Leichensund an der Königin Augustabrücke in Berlin melden die Blätter, daß die Gerichtsärzte festgestellt haben, daß der Tod des Unbekannten durch Er­trinken eingetreten ist. Die Verwundung am Kops wurde aller Wahrscheinlichkeit nach durch Schiffsschrauben verursacht. Trotzdem besteht die Möglichkeit, daß ein Verbrechen, und zwar ei» politisches, vorliegt.

* Opfer des Augustus-Forums. Aus Rom wird gemeldet: Bei der Freilegung des Augustus-Forums, die jetzt mit großem Eifer betrieben wird, sind zwei Arbeiter durch Einsturz einer hohen Mauer tödlich verunglückt.

* Der Belgierkönig in der Sahara. Wie dem Temps" aus Brüssel gemeldet wird, wird der König von Belgien jedenfalls im Monat Januar mit dem französischen Marschall Petain und dem be­kannten Automobilfabrikanten Citroen im Auto­mobil die Sahara durchqueren.