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Für Weihnachien!

Weissweine

Süssweine

JOSEPH SC H i' ITT, Wemgrosshandlung, FULDA

Zur Unterhaltung

§ uldaer Zeitung

Hr. 297 vom 21. Der. 1924.

der

Rücksicht auf die traurige wirtschaftliche Lage und aus einem Streik erwachsenden Schädigung der dustrie vor Weihnachten Abstand zu nehmen.

mit der Jn-

Der heiligenstock.

Von Karl Winter.

Herbsttage. Sonne fiegt wie Mutterhändc auf ster I benden Wäldern. Glanz, Goldglanz über allen Fernen I Man möchte wandern immerzu, querfeldein, über di I Höhen an Waldsäumen hin und die roten Dächer de» I Dörfer herüber leuchten sehen. Und dann über Stop I pelhügel und Feldwege zwischen Hecken, in denen di I roten Beeren glänzen. Leicht ist unser Schritt. Es ft I kein Gehen. Cs ist ein Schweben hinein in einen Der I klärten Frieden. Am Waldrand brennen Kirschbaum I und Ahorn. Schmal, grasbewachsen führt der Weg in I den Herbstwald. Ich streife rechts und links mit Schul- I fern und Armen buntes Gesträuch. Rot, gelb, gold- I braun hängt es über den Weg. Ich bringe hinein, immer tiefer. Doch wie weit sich auch der Waldweg windet, ich finde kein Ende von all der Pracht. Ein paar Häher schreien auf und stieben plärrend ab. Im tiefen Frieden strahlt der Wald. Büsche lodern. Fest­lich leuchten die Buchenkronen. Ich halte meine Schritt» an. Stehe. Lausche. Schaue. Schaue stumm in biej ses Leuchten. Lausche versunken in diese Stille. Heilig Land stammelt meine trunkene Seele.

Sinnend schreite ich weiter. Eine Glockenblume stehl ! versteckt unter dem Gesträuch. Eine letzte verspätete. Leise, wie ich sie pflücke, klingt ein blauer Sommertag auf. Vorbei. Vorbei.

Rechts hinauf biegt der Weg über grünes Moos in die hohen Tannen und hinaus ins Freie. Ich atme auf. Auf Waldwiesen mitten zwischen den Wäldern stehe ich. Nicht weit vor mir liegen am Waldrand ein paar Bauernhöfe. In den Wiesen hütet ein Knabe feine Kühe. Ich gehe über die Wiesen hinüber, trete drüben, wo der Weg aus dem Nachbardors herauf kommt, wieder in die Tannen. Und da kaum bin ich ein paar Schritte gegangen, unheimlich ist der Ort, stehe ich vor einem uralten Heiligenstock.

Wie kommt er dahin, wo selten eines Menschen Fuß hergeht? Ich trete näher an ihn heran. In der rund- bogigen Nische steht eine kleine weiße Muttergottes, wie man sie in den Stuben der Armen findet. Hinter chr ans Holz geheftet das halbzerfetzte Bild einer Heiligen. Sie trägt die Zeichen der Marter: Krone und Schwert. Am Fuß des Bildstockes sind ein paar Tannenzweiglein in die Erde gesteckt. Zwei Sträußlein Heidekraut liegen verwelkt am Boden.

Wer ist die kindlich-fromme Seele, die soviel Liebe in diesen entlegenen Waldwinkel trägt?

Hier wurde einst ein Unschuldiger erschlagen, er­hängte sich in derselben Nacht der Mörder, im Angesicht seiner verruchten Tat.

Es dämmert. Graue Herbstnebel quellen zwischen den Wäldern. Die Bauernhöfe versinken. Kalt weht der Nordwind die Talschluchten herauf, gerade auf die weiße Muttergottes und spielt mit dem welken Heide­kraut am Boden. Mich schauert. Ich hültttz.mich fester in meinen Mantel, wende mich ab, schreite, langsam heimwärts.

An drei Menschenseelen denke ich: an eine kindlich- fromme, an eine unschuldig erschlagene und an die armq arme Seele des Mörders.

nahmen zu einem großen Film zu machen. Nicht der erste und nicht der letzte, der eigenft über den Ozean gon= beit, um Wiens Schönheit auszubeuten.

Die Hausse ist vorüber auf allen Gebieten. Auch bie Elite-Restaurants fühlen es. Der Besitzer eines der bekanntesten und vornehmsten Restaurants im Innern der Stadt, Franz Hopfner, bei dem die feudale alte und die gut angezogene neue Gesellschaft verkehrte, steht nun im Ausgleichsverfahren. Der Betrieb florierte hauptsächlich zur Zeit der Wiener Börsen-Konjunktur, wurde aber durch Eröffnung zweier neuer Etablissement; und durch die erhöhten Regien zugrunde gerichtet. Mit diesem Zusammenbruch verliert Wien eines seiner ange­sehensten und stilvollsten Luxus-Restaurants.

... Ein selten humanes Testament hat der kürzlich verstorbene Herr Albert Kätscher hinterlassen. Er ver­machte darin fein aus zwanzig Milliarden bestehendes Vermögen vier Wiener Wohltätigkeitsinstituten, und zwar den Blinden, den Taubstummen, den Waisen und der ©reifinnenfurforge. Der Verstorbene war kinder­los. Es ist dies seit Jahrzehnten der erste Fall, daß in Wien ein so bedeutendes Vermögen Humanitären Zwecken zur Verfügung gestellt wird.

Der frühere Minister Johann Chlumecky ist in Bad Assee im 91. Lebensjahre gestorben. Er war ein be- deutender Staatsmann aus dem alten Oesterreich und Führer der Deutschen und Liberalen. Nach einer rapi­den Karriere brachte er es zum Ackerbauminister. In die Zeit seiner Tätigkeit fällt auch die Errichtung der Hochschule für Bodenkultur in Wien. Er war ein hoch- angesehenes Mitglied des Herrenhauses und hat die Berständigung zwischen Deutschen und Tschechen in Mäh­ren herbeigeführt.

Gerüchten zufolge soll Profesior Eugen Steinach, der Schöpfer der berühmten Verjüngungstheorie, die Absicht hegen, seine Vaterstadt Wien zu verlassen, um einem Rufe nach Paris ober Amerika zu folgen, da er in Wien die zur Fortsetzung seiner Arbeiten nötigen Mit­tel und die volle Anerkennung seiner Leistungen nicht gefunden haben soll. Dieses Gerücht soll den Tatsachen jedoch nicht entsprechen; denn von unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß Professor Steinach weder die ihm zur Verfügung stehenden Geldmittel vom Unterrichts­ministerium in Anspruch nahm, noch die Absicht hegt, Wien zu verlassen. Soll die ohnehin arm gewordene Stadt nun auch den großen Gelehrten verlieren? Man will es nicht glauben. Wenn aber doch ein Körnchen Wahrheit darin wäre, so hätte die Stadt Wien vielleicht doch ein wenig Schuld an diesem Domizilwechsel des Mannes, dessen Erfindung die ganze Welt angeht. Denn der alte Satz:Ein Prophet gilt nichts in seinem Va­terlands" scheint leider ewig jung zu bleiben gerade­zu, als hätte er sich der Steinachschen Verjüngungskur unterzogen. Wilhelmine Baltinester.

I durch vereitelt, baß den Pharrnazeu-en ohne Riick- I sicht auf die Zahl ihrer Diensijahre eine Erhöhung I der Gehälter um 11 Prozent zugebilligt wurde; die Avo- I fheker haben sich verpflichtet, diese Erhöhung für die I nächste Zeit aus eigenen Mitteln zu bestreiten, ;edoch I ohne Preissteigerung der Arzneitaren.

Wiens feit dem Kriege berühmt schlechte Stra- I ßenbeleuchtung wird :-r den nächsten Tagen durch neuen I Kraftstrom aus Öpponig, besten Anlage bereits fertig. I gestellt wurde, eine wesentliche Besserung erfahren. Wiens I Lichthunger ist begreiflich, warum sollte man gerade in I der Stabt der schönen Frauen am Abend zwanasn-rise I blind an Schönheiten norübergehen"

Die Wiener Radio-Industrie, die in der letzten Zeit einen ungeheuren Aufschwung nahm, steht durch den Mangel an Kopfhörern vor einer Krise, die immerhin ein Lächeln hervorruft, wenn man bedenkt, wie schwer­wiegend die Krisenprobleme anderer, jetzt brachliegen­der Industrien sind. ,

Der Wiener ist bekanntlich mit ziemlich viel Gemüt­lichkeit begabt. Dabei hat er bas Glück, sich in einer der angenehmsten Gegenden Europas zu befinden; ein ! Ausflug in die Alpen nimmt von Wien aus zwei Stun­den Bahnfahrt in Anspruch. Aber das ist noch immer nicht genügend gemütlich. Jetzt taucht gar das Projekt für eine Seilbahn auf den Rax auf. Jedenfalls eine angenehme Aussicht für Leute, die sich die Berge sonst nur von unten ansehen!

Die Wiener Theaterluft hat noch immer den triften Schimmer verstimmender Traurigkeit. Und man atmet auf, wenn man günstigere Gerüchte vernimmt. So sollen , die beiden größten Barieteebühnen Wiens: Ronacher- und Apollo-Theater, demnächst wieder eröffnet werden. Das feit dem Frühjahr dieses Jahres geschlostene Ro- nacher-Theater wird unter der Leitung des früheren Direktors Rosner und eines Amerikaners namens Chlif- forb Fischer wieder eröffnet werden. Das Apollotheater wird von einer englischen Gesellschaft übernommen und I im Januar seine Spielzeit beginnen.

Die Wiener Kino-Enthusiasten erwarten mit Neu- I Vierde den für das Frühjahr angetünbigten Besuch Ha­rald Lloyds, der aus der amerikanischen Filmstadt Hollywood an die Donau reifen will, um hier die Auf- |

Was so eine kleine Bergkirche an Glanz und Pracht um diese mitternächtige Stunde dem Herrgott geben kann, gibt sie in tausend Freuden. Es ist nicht viel, aber dies Wenige wird so naiv, so grundehrlich, voll tiefer Erlebnisfurcht, schrankenlos freudig dargebracht, daß es mächtig ans Gemüt faßt. Die Kinderaugen brennen vor Glück und die Erwachsenen erleben ein großes Wunder wieder von Neuem: Das Christkind ist geboren!

Als der Pfarrer am Altar dasVere dignum et justum oft" mit alter, müder Stimme intoniert, ist's grab, afe verstünden bie Bergler bas große einfache Wort. Sie schauen voll tiefer Innigkeit in ben Kerzenjubel. Manch altes Weib opfert da ihren Sohn auf, den ihr d» Krieg gefreffen, unb mancher geftanbene Bauer vergißt feinen Streit mit dem Herrgott, bers zuge- laffen hat, baß jetzt ein Dirnbl den Hof übernehmen muß. Die Liebe Gottes ist unendlich groß, viel zu groß, als daß sie der größte unb reichste Bauer über­haupt begreifen könnt. Wohl manch einem zuckt bas Empfinden jetzt durch bie Seele. So wie Tirol in dem grauslichen Krieg draufgezahlt hat, ist nit leiebt ein Land.

Der Kirchenchor jubelt endlich dasStille Nacht, heilige Nacht" hinaus. Unb bann war's aus . .

Doch nit ganz, jetzt brängen die Leut zum Krippele. So richtige tiroler Bauernkrippen in ihrer köstlich gro­ßen Naivität und ihrem Humor sind eigen, ganz eigen. Da ist so viel tiefehrliche Glaubensfreude, so viel heim­liche Neckerei, so viel Größe und so viel Lust, daß man sich die längste Zeit nit satt dran sehen tarnt.

Wieder im nächtlichen Freien fangen die vielen Fackeln ihren neuen Geisterschritt an. Lautlos, einfach, unb boch jebes einzelne armselige Lichtlein, das da im Gelände verschwinden will, ist nichts als der Urquell der Bergpoesie. Eine heimliche Herrlichkeit voll Freude und Winzigkeit.

Das wenigstens hat der Fidi Harms heute nacht be­griffen und drückt dem Kameraden dafür bie Hänbe . . .

Wiener Kleinigkeiten.

Die Sfabf des Streiks.Mehr Licht". The­ater- und fUnofenfafionen. Lin humanes Te­stament. Das Rätselraten um Steinach.

Die Sonauftabt steht in dieser Zeit der wirtschaft­lichen Sorgen welche bie Freude an den Weihnackits- feiertagen verdöst.-rn vor einem r euen Rätsel: dem Sch illing. Am ersten Januar des neuen Jahres wird diese neue Währungskorm eingeführt: der Schil­ling entspricht zehntausend österreichischen Kronen. Die­sem erzwungenen Abschied von der guten alten Krone steht der konservative Wiener mit grämlichem Miß­trauen gegenüber; man befürchte: Teuerung, die fim in allen Ländern bemerkbar machte, wo ohne innere Basis hochwertige Währung eingesührt woide.

Doch schon droht eine zeitweilige Schließung ... Apotheken, peroorgevufen durch die Forderung nach Gehaltserhöhung, die die Pharmazeuten energ^ch ein- brachten. Die Apo:hfter haben bei der Regierung vm eine Erhöhung der Rezeptarbeiten und der Warenpreise angesucht, jedoch abschlägige Antwort erhalten, weshalb der Streit unvermeidlich erschien. Er wurde nur da-

3n der Ski-Hütte.

- Von Hans Schrott-Fiechtl.

Sidi Harms hat in Innsbruck ein so vrachtvolles Sommerfemefter verlebt, daß er auch noch den Wmt-r dran gab. Vater wollte ja immer, er solle als Nord­deutscher im Süden studieren. Seine krasseste Fuchsen- zeit hak er drum in Freiburg verlebt, wo er den gan- Sen Schwarzwald auf den langen Bretteln ausgemessen. Nun ist der Vater tot, und die Schiffswerft in Flens- bürg führt der ältere Bruder, der Ingenieur. Sobald er selbst mit seinem Jus fertig ist, soll er die innere Ver­waltung übernehmen.--

Das Land liegt im tiefsten schönsten Weihnachts- schnee, und das verwühlt, vergrämt den Flensburger arg. Zum Glück kommt fein einziger Freund unb Kom­militone, der Sepp Eufbauner. Ganz plötzlich steht er im Zimmer.

Servus! Fährst bu heim, Fidi?"

Quatsch! Was ich wohl daheim täte. Meine junge Schwägerin kenne ich ja kaum. Ah was! Weihnachten, weißt du, ist ekelhaft, man wirb närrisch vor Rührselig­keit. Der Welt bavonlaufen rnöcht ich!"

Kannst du. Aber bitte mit mir."

Hellverwundrrt schaut der Holsteiner auf. Er, wenn er noch Eltern hätte . . .

Ich geh nicht nach Meran, seit es welsch ist!" schreits der Tiroler blitzwütig heraus.

Aenderst du damit was?", ist der nüchterne Ein­wand des andern. $

Sei still! Daß es verrückt, ist, weiß ich ebenso gut. Aber hilf dir, gegen das Empfinden gibts fein Kraut. 3ch will im einsamen Berg allen Leuten weit, weit aus- weichen."

Wo wär' das möglich?"

In der Wildschönau. Wir richten uns eine Ski­hütte ein und werden Einsiedl."

In der einbrechenden Dunkelheit waren die beiden Freunde schon in Alpach. Unb der nächste Tag war klarharsches Winterwetter. Cs ist der Heilig' Abend. Die Beiden mühen sich arg ben Berg hinan. Hebers Hösl, bem feinen kleinen Paß, in bie Wildschönau, gehts, und der Holsteiner hat viel gescholten, denn bessere Ter­rains gibts bald wo.

»Sind wir erst droben, wirst du schon Augen machen, mein Lieber", freut sich der Sepp. Da gibts Flächen, die der Herrgott eigens für uns geschaffen hat." Unb wirklich, über die Almen und Bergweiben gings bann auf Flügeln. Dazu die Unberührtheit bes winterlichen Berges in seiner Holdseligkeit unb dem frohstillen Far- benfpiel. Nie ist der Berg schöner als im tiefen Winter.

Der Himmel war schon voller Sterne, als sie end- lich auf der Aachentaler Alm die Hüttentür in der Hand hatten. Bald war Feuer am Herd, unb nun galts zu­erst das Festmahl. Eine Gullaschbüchse mußte dran glauben, unb der Flensburger brachte heimatliche Herr­lichkeiten, Lübecker Marzipan, echte holsteinische Pfef­fernüsse. . . .

Stiefelfexe und Mei-ernarren.

Ms großer Stiefelfexer galt seinerzeit ein preußi- icher Prinz, bem nachgesagt wurde, daß er zu einem zwölfstündigen Aufenthalt in einer anderen Stadt 21 Paar Stiefel mitgenommen habe. Den Namen des Prinzen nennt unsere Quelle (von Boehn,Menschen und Moden im 19. Jahrhundert", bei F. Bruckmann in München) leider nicht. Der Schwankbichtrr Gustav von Moser scheint noch schlimmer gewesen zu sein.- Er hatte., wie Paul Lindau erzählt, Hunderte von Stiefeln!Ich stehe,' sagt er selbst,zu jedem Paar in einem per­sönlichen Verhältnis, feines sitzt". Ein Kra:o-a 11 c n- n a r r war Robert be Mvntes-Ouion. Er befaß mehrere ijunbert Stück dieses Artikels, die, in Vitrinen über- sichllich verwahrt, auf den Moment warteten, wo sie ihren Herrn schmücken sollten. Der tolle Marquis of Anglesey hatte 600 Phantasiewesten, um in feine 300 Anzüge einige Abwechselung zu bringen, und zwölf Gar­nituren von Diamant-Knöpfen! Dieser Klei­bernarr machte aber bankerott und alles wurde ver­steigert. Wie er danach das Leben noch ertragen hat, wird leider nicht berichtet.

Die ewig streikende Stabt ist einem Televhonftreik glücklich entronnen. Nach tcgelangen Verhand ungen, die nur zu einem teilweisen Einverständnis sühnen, Hot die technische Union beschlossen, von einem Streik

Es ging schon gegen elf, als man bie Ueberbleibfel sorgfältig verpackte.

®°' fftbi, jetzt sollst bie Poesie des Tiroler Berges genauer kennen lernen. Wir fahren zur Christmette", versprach der Tiroler.

Staunend sahen sie eine Weile später zum tiefdunk­len Himmel auf. Völlig wolkenlos war bie Welt. Da- für leuchteten die Sterne innig und schufen ein herr­liches Helldunkel. Ja, es war, als ob sie die Kälte mildern wollten, denn die Luft war ruhig; alles lag in laulloser Stille. Ader der Holsteiner wunderte sich, die Bauernhäuser an den Lehnen unb brunt im Talgrund waren noch lebendig. Ueberaö sprang aus ihren Fen­stern Heller Lichtschein heraus. Sie glitten die Berg­lehne hinüber, unb bald schon sahen sie, wie über Fel­der, Wiesen und kleinen Waldbeständen Fackeln zitter­ten. Und immer mehr Fackeln tarnen, immer mehr. Sie geisterten lautlos dahin, stetig und in ruhiger Freude. Wie herrlich das ist, wenn mitten in der Nacht mit einem Mal so viele Lichter wandern und wandern . . . alle einem Ziele zu.

"Da gehen die Bauern zur Mette," erklärt der Sepp.

Von den höchsten Höfen wandern Lichter talab, aus ben Seitentälern kommen sie daher und warten im Tal­grund aufeinander, grüßen sich und wandern weiter, weiter, immer dem einen Ziel zu.

Diese hundert Lichter und Fackeln in der Bergnacht finb wandernde Seelchen, sind Grüße aus einer andern Welt fast. Wie sie die Lehnen umglitzern . . . Unb je näher sie bem Dorf kommen, es werben immer mehr unb mehr. Der Schnee strahlt sie wieder, und das gei­stert viel Herrlichkeit in die enge Welt.

Da rufen die Glocken.--- <

Die beiden Freunde knipsen ihre Laternen an und faufen talab. Das geht so pfeilgeschwind die Lehne hinunter, daß die Bauern auf der Straß grab schauen.

Immer mehr Fackeln und Laternen geistern zu Tal, n.nd die Glocken rufen so hell und freudvoll. Ueber der Well liegt ein Zaubermanfel. Keiner weiß, was es eigentlich ist, aber verzaubert fühlt er sich doch. So rein gar nichts Großes, Bedeutungsvolles ist vorhan- ! den, und, dein Herz ist doch voller Ehrfurcht. Panz I merkwürdig. Selbst die Bauern fühlen das. Es ist I eine freudige, heimliche Ruhe in ihnen, die drangvoll | cheen Herzen den Weg zur Kirche weist.

Dorf wirft jedes kleine Bauernfenster den L»u- ten fein Licht vor die Füße. Cs wird lebendig in der kleinen Welt, von allen Seiten strömen die Leut her­bei. Ungewollt ist etwas schmucklos Weihevolles in den abgearbeiteten Menschen, die nun an der Kirchhofmauer die Fackeln verlöschen und die Laternen ausblafen. Da sind ganz alte Leute, wieder reine Kinder und große Leute, kurz, alles was Dorf und Tal eben aufweist.

Die Kirche strahlt in einem Lichtermeer unb ist voll I bis auf die letzte Bank. Die Orgel setzt ein, und bie Mette beginnt.

verfallene Mazartstätten.

Die Gräber von Mozarts Gattin und Mozarts I Daker in Salzburg der Zerstörung preisgegeben.

Die Stabt Salzburg, bie sonst einen liebensmürbigen I unb anerkennenswerten Mozartkult treibt, hat es unbe­greiflicherweise unterlassen, sich ber Gräber ber nächsten Angehörigen ihres großen heimatlichen Komponisten, I seiner Gattin unb seines Baiers anzunehmen. Ton- I stanze Mozart in zweiter Ehe vermählt mit bem dänischen tiegatinnsrat Nissen,. unb ber fürsterz­bischöfliche Hofkapellmeister Leopold Mozart liegen auf bem St. Sebastian-Friebhof in Salzburg, der sich in I der Nähe des Mozarthauses befindet, begraben. Dieser Friedhof, ber auch anbere berühmte Grabstätten, wie die von Paracelsius, enthält, ist vollkommen bem Ver­fall preisgegeben. Er ist von Unkraut überwuchert, die Grabsteine sind teilweise schon zerstört, die Inschriften überall unleserlich. Auch die beiden Mozartgräber kön­nen ohne Führung nicht entdeckt werden. Außer ber Stabt Salzburg selbst sorgt eine große Mozartgemeinde tn Salzburg dafür, daß das Andenken des Meisters geehrt werde und baß feine Werke immer aufs Neue i die Menschheit erheben. Um fo unverständlicher ist es, daß niemand daran dachte, die Erinnerung an die lie­benswürdige Frau Constanze, die so vieles tat, das Dasein des Lebenden zu verschönen und die Erinne­rung an den Toten zu beleben, dadurch lebendig zu er- ' halten, daß man ihr Grab pflegte und schmückte. Es ist Zu hoffen, daß sich nunmehr Mozartfreunbe genug fiaben, die schleunigst dafür sorgen, die verfallenen Grä­ber der gänzlichen Zerstörung zu entreißen. M. F.

* aus aller Welt

I vogelfchuhgesehe. Die Regierungen fast alle I Kultnrstaaten haben ben praktischen und erzieherischen I Wert ber Dogelfchutzbestrebringen längst anerkannt unb I deshalb Bogelschutzgesetze geschaffen. Recht zur Wirkung I kommen könnten diese freilich erst, wenn sie internatio- I nale Geltung erhielten. Dor dem Krieg war man ja auf | bem besten Weg dazu; aber durch die seither eingetre- | tene Völkerverhetzung ist in absehbarer Zeit an den I Abschluß internationaler Bogelschutzgesetze wohl kaum I noch zu denken. Trotzdem muß dieser Plan weiter Der« I folgt werden. Unsere deutsche Vogelschutzgesetzgebung ist I in den letzten Jahren vielfach verschärft worden und im I allgemeinen ja durchaus nicht schlecht. Nur hat sie ber | großen Fehler, daß sie eigentlich nur auf dem. Papie' I steht, und namentlich gewissenlose Jäger kümmern sick I nicht im geringsten darum, sondern schießen nach roi I vor jeden harmlosen Raubvogel oder jeden durch Farben« I Pracht ausgezeichneten Vogel herunter, um ihn bann zum I Ausstopfer zu schleppen. Hier müßte einmal mit einigen I exemplarischen Bestrafungen rücksichtslos durchgegriffen | werden. Die Präparatoren wären auch zu kontrollieren.

Sehr begrüßenswert ist es, daß neuerdings in Württem­berg dem Jagdschein ein besonderes Vogelschutz- blatt beigegeben wird, das dem Jäger die notwendige [ Aufklärung erteilt, denn sehr viele sündigen ja weniger aus Rohheit und Gefühlslosigkeit als aus Unkenntnis.

Woran sind die Mumien gestorben? So seltsam die Frage klingt, sie läßt sich beantworten wenn man unter Mumie den Menschen, der die Mumifizierung hat über sich ergehen lassen müssen, versteht. Professor Elliot Smith von der Londoner Universität hat nach- gewiesen, daß die Mumien noch die Male der Krank­heit, die zum Tode geführt hat, an sich tragen. Sei einer Pharaomumie läßt sich deutlich erkennen, daß der Pharao an Arterienverkalkung gestorben ist. Bei Ramses V. läßt sich feststellen, daß er an einer pockenartigen Hautkrankheit gestorben ist, deren Spuren noch in ber Mumie enthalten sind. Auch Krebs läßt sich oft festsüKlen. Spuren von Schwind- sucht sind nur in wenigen Fällen vorhanden, ebenso selten sind Mumien, die die Kennzeichen der Lepra- krankheit aufweisen.

Allerlei Weisheit. In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es noch über 305 Millionen Hektar herrenloses Land. Die Hälfte davon liegt in Alaska, da? übrige in Newada, Montana, Neumexiko und tr