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Nr. 297 vom 21. Dez. 1924. -
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und sagte:
„Euch sind' ich hier? können, denn weit und dach!"
„Es schmerzt mich.
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tagtet, das Weib des Verräters Wolf Isebrand gerne« !-n ist?" .
„Weiß Gott, Ihr könntet recht haben, lunger Herr! erwiderte der Köhler, in dem ein Gedanke aufzubiigen schien. „Die Fricdegrund, das Weib des Isebrand, war von jeher von verschlagener, list'ger Art! Ihr ist wohl zuzutrauen, daß sie mit dem Kinde heimlich entwichen ist!"
„Lebt diese Fricdegund noch? o sagt es mir!" fragte der junge Ritter dringend.
„Sie lebt noch auf Burg Rosenstein die alte Hexe, und macht ihrem Eheherrn, dem Bogt, das Leben wcu'.lid) sauer!"
„Unb wißt Ihr einen Rat, wie ich sie sehen, thr begegnen kann? Vielleicht vermag ich es, zum Reden sie zu bringen!"
„Gebt Euch ferner falschen Hoffnung hin, junger Herr!" versetzte der Alte. „Die Friedegund ist eine böse Sieben/von der sich nichts ertrotzen läßt! Wird weislich schweigen über das, was sie dereinst getan!"
„Wie meine gute Mutter mir vertraute, war die Friedegund doch eine treue Magd! Wie konnte sie da solch schmählichen Verrat an ihrer Herrin üben?"
„Treu war die Amme nie!" entgegnete der Köhler. „In ihrer Herzensgute hat Frau Irmgard Eure edle
stören. ------- — ,
Tod hat er über (Stier edles (Elternpaar gebracht, doch waren feine Rachegelüste damit noch nicht gekühlt. Das Weib, das ihn verschmäht, sollte das Aeußerste an Herzenspein erdulden, was ein Menschenhirn nur ersinnen kann. Ihr könnt (End) denken, was ich sagen will, was ich vermute. Der Schuft Wolf Isebrand und Friedegund, fein Weid, sie standen beide in dem Sold des Ro- fensteiners, und Euer Schwesterlein ward in jener Nacht mit Vorbedacht von der verräterischen Amme entführt!"
Vor Erregung zitetrnd war der junge Ritter von seinem Sitze aufgcfpnmgen und schickte sich zu einer Frage an, als der helle, von draußen hereinklingende Ton" eines Jagdhorns ihn schweigen 1 eß. Auch der Köhler hatte sich verwundert erhoben und l.nischte den sich wiederholenden Klängen, während Trudclei» ausrief: „Das ist die Surga!. Mit diesem Hörnerrufe kündigt sie sich an, wenn sie in unserer Hätte Einkehr hallen will. Lch eile ihr entgegen". Und leichtfüßig verließ das Mädchen die Hütte, während der junge Ritter nach feinem Schwerte griff und der Köhler an eines der kleinen Fenster trat um in den jetzt in tiefer Dämmerung
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edle Fräulein kommt allein und ahnt wohl ruchi, daß Ihr als East in meinem Hause weilet. Wenn Ihr vermeiden wollt, ihr zu begegnen, bann bergt Euch horten in dem Kämmerlein!"
„Das wäre feige, denn ich habe keinen Grund, den Anbück der Jungfrau zu scheuen!" entgegnete der Jüngling: „Offen will ich ihr begegnen, aber eines erbitf ich mh von Euch: Verschweiget meinen wahren Namen — nennt mich Heinz von Fürstenberg!"
3. Kapitell
Die volltönende Frauenstimme, die Heinz von Horn heute nachmittag auf der Waldwiese gehört harte, und deren Klang ihn eigentümlich durchzuckte, ließ -sich jetzt draußen vor der Türe der Hütte vernehmen:
„Schmäle mich tüchtig aus, lieb Trudelein! Ist satt ein Mond dabingcgangen, feit ich zum letztenmal btdj sich. Doch glaub' deswegen nickt, daß ich dich, liebes Ding, vergaß! An jedem Tage wollt' ich heriwerreüen, doch immer hat ein Zufall mein Kommen vereitelt!"
„Von Herzen freut es mich, edles Fräulein, wenn Ihr Einkehr bei mir haltet!" entgegnete die fünfte Stimme Trudeleins, wurde aber sofort von der anderen unterbrochen:
„Wie oft soll ich dir sagen, Trudelein, daß ich für dich kein edles Fräulein bin! Nenne mich du und Burga oder bester noch „lieb Schwesterlein", denn wie einer Schwester ist mein ganzes Herz in Lieb' dir zugetan!"
„Darf ich es wagen?" wendete Trudelein ein. „Wird Euer Stolz es dulden —"
„Bin ich bet dir, dann kenn' ich keinen Stolz!" unterbrach das Fräulein wieder. „Jetzt, Liebling, gib mir eine Schale Milch — der weite Ritt hat durstig gemacht!"
Bet den letzten Worten war die Sprechende in die Türe der Hütte getreten, fo daß sich ihre Gestalt scharf von dem glänzenden Rot des abendlichen Himmels ab- hob. Edlere Linien und Formen meinte der junge Ritter Heinz von Horn noch nie gesehen zu haben und wie heute nachmittag ergriff ihn bet dem Anblick des reizenden Frauenbildes ein seltsames, noch nie gekanntes Empfinden Es war ihm, als ginge von der Gestalt Wal- buraas von Rosenstein ein berückender Zauber aus, der fein" ganzes Denken und Fühlen in Festeln schlug, und mit aller Willenskraft mußte er sich dazu zwingen, die stolze Miene beizubehasten, die er tn Erwartung der Begegnung mit seiner schönen Widersacherin von heute nachmittag angenommen hatte.
Bei der in der Hütte nunmehr herrschenden tiefen Dämmerung vermochte die Eintretende die an dem Eichenblock stehende Männergestalt nicht zu kennen. Erst als die von dem alten Köhler entzündeten Kienspäne ihr flackerndes Licht durch den Raum warfen, schrak sie sichtlich zusammen und schien einen Augenblick im Zweifel, ob fie ben von dem jungen Ritter gebotenen Gruß er-
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findet, der zum Ziel leitet?"
„Ich weiß nicht, ob es Eurer edlen Mutter genehm ist, wenn ich Euch von der fernen Vergangenheit erzähle, begann der Alte zögernd, wurde aber fosort von dem Gaste mit den Worten unterbrochen:
„An Euch hat meine liebe Mutter ftnich gewiesen — an Euch, den Mainrad'. Hat mir geboten, daß ich in allem Eurem Rate folgen soll, wenn ich Euch fände, mich von Euch in allem unterrichten lassen soll."
„Dann darf ich Euch wohl mein Vermuten offenbaren", sagte der Alte. „Vor allem müßt Ihr misten, daß Hans von Rosenstein dereinst um Eurer edlen Mutter Hand geworben hat, als sie noch Jungfrau mar. Sie wies ihn ab, nahm Eures Vaters Hand. Das hot den Hans aufs tödlichste in feinem Stolz verwundet, er feinen ganzen Haß auf den beglückten Rebenwarf. Sein ganzes Sinnen und Trachten ist ae- das Glück, fo auf Berg Horn, wohnte, zu get« Leider Gottes ist es ihm gelungen. Jammer und
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„gern sei es mir, das Sastrecht Euch zu schmälern, zumal Ihr cor mir Einkehr hieltet! ' entgegnete die Jung- frau. „5m Frieden dieser Hütte werden wir wohl unfern Span und Streit vergessen.!"
Die Worte klangen fo freundlich, daß der junge Ritter Überrascht einen Schritt näher trat und fragte;
„So zürnt Ihr mir nicht mehr, hoch edle Jungs rau' Kollt mir mein rauhes Wesen gegen Euch verzeihen?"
„Richt ich hab' zu verzeihen, sondern Air! Daß Ihr gebührend meinen jachen Zorn begegnet seid, das war in Eurer Sage Euer volles Recht, und wenig würde ich Euch achten, wenn Ihr sklavisch zu Kreuze gekrochen wäret, wie ich es an anderen, die sich Männer nennen, gewohnt bin! Ich dank' dir, liebes Trudelein", fuhr die Sprechende dann, sich abwendend fort, indem fie die ihr von der Enkelin des Köhlers gereichte Schale Milch an die Sippen fegte. „Ha, fo ein Trank schmeckt wohl nach scharfem Reiten!"
In sprachloser Verwunderung hatte der junge Rttter die Rede der schönen Jungfrau angehört, die jetzt mit anmutigem Lächeln die Schale zurückreichte und sich wieder an ihn wendete:
„Ihr staunt ob meinen Worten findet sie wohl außer aller Weise? Müßt mich halt nehmen, wie ich bin! Weit schwerer fällt es mir, auf einem Unrecht trotzig zu beharren, als offen es den anderen zu gestehen! In wildem Groll bin ich von Euch geritten, erfüllt von Gier nach Rache, dach als Ich vor dem rasenden Gewittersturm in einer Felsenhöhle mich bergen und lange dort verweilen mußte, schien mir nach reiflichem Erwägen Euer Tun weit weniger verdammenswert, und schließlich hab' ich anerfenen muffen, daß Ihr als Mann nicht anders handeln konntet! Trum laßt uns unseren Zwist vergessen und die traute Heimlichkeit der Stunde ge« meßen! Erzählet mir von Euch!"
Mit einem kindlichen, bezaubernden Lächeln hatte sie ihm bet den letzten Worten die Hand gereicht, über die sich der junge Ritter ehrerbietig neigte.
(Fortsetzung folgt.)
„Geduld nur, wackrer Mainrad!" beschwichtigte Gast. „Herr Rudolf tut nichts halb! Auch das Schwabenland kommt die Reihe, sobald am Maine und in Thüringen die adligen Räuber gezüchtigt sind! Doch wollt' ich Euch von mir erzählen — wollt" Euch künden, warum ich auszog nach dem Aalbich, wo meine Wiege stand. Ihr habt's wohl schon erraten! Als mein Ohm und ich, mit Gunst und Ehren von unseren» könig- lichen Herrn überhäuft, nach Burg Fürstenberg zurück- gekehrt waren, da drängte meine liebe Mutter mich zur Fahrt nach Schwaben. Ein Engel sei im Traume ihr erschienen, vertraute fie mir an, der habe ihr die be- feligenbc Verheißung zugeilüsiert, daß meine Schwester lebe, und daß es mir vergönnt sei, sie in die Arme der Mutter zurück,Zufuhren. Wie hätte ich da widerstreben können, zumal ich selber vor Begierde brannte, Licht in bas Dunkel zu bringen? Ich ritt hierher, und schein' es nicht, als ob der Traum der Mutter in Erfüllung ginge? Ich finde Euch, und Ihr erzählt mir von jenem Weibe, bas in der Unglucksnacht mit meinem Schwesterlein ver- schwand und wider befferes Wissen nachher meldete, daß meine Mutter mit ihren beiden Kindern von bannen gezogen sei! Läßt das nicht vermuten, daß diese Amme em falsches Spiel getrieben hat, zumal sie, wie Ihr
Mutter, zu fest auf sie gebaut! — Wenn mich nicht alles trügt, dann hat die Friedegund auf Geheiß des wüsten Hans von Rosenstein so schändlich an ihrer Herrin gehandelt! Doch will ich nichts behaupten, was ich nicht beweisen kann!"
Der Alte schwieg und sah, nachdenklich den Kopf schutelnd, vor sich hin. Dem aufmerksam zuhöreuden Caste schien es, als ob fein Witt Vermutungen h-ze, die er sich scheute, auszufvrecken. Drum fragte er dringend: „Doch was vermutet Ihr? Wollt Ihr nicht o'fen Eure Meinung sagen, auf daß sich vielleicht ein Faden
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