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Nr. 296 vom 20. Der. 1924.
Zur Unterhaltung
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und Ritier Sans von Rosenstein mit allen Mitteln suchte sie in seine Gewalt zu bringen. So war der Ritter vor Neubronn in Gefahr, von dem mächtigenRosensteiner tnr Fehde überzogen zu werden, und dieses zu verhüten, vor ließ die Mutter insgeheim die Burg, und flüchtete, ran von dem alten Walerich und zween Reisigen des Ritter- Helmut geleitet, zu meinem Ohm am Rheine. Redlich h« der Ritter Helmut von Neubronn, wie er es beim Abschied der Mutter gelobt, die Suche nach dem verschwun- denen Kinde fortgesetzt, doch ist es leider Gottes oew Edlen nicht gelungen, eine Spur zu finden. Mein Schwe. sterlein war und blieb verschwunden. Doch hat wem liebes Mütterlein in allem ihrem Harm nm ihr zerstörtes Glück bis heute nicht die Hoffnung aufgegeben, di« Verlorene einst wieüerzufinden, und auf mich, den ihr Gebliebenen, jetzt sie rhr ganzes Hoffen. Mit aller Sorgfalt zog sie mich heran, mar eifrig nur bedacht, zu einem wackren Kämpen mich zu bilden. Auf der Ritterschule im nachbarlichen Lorch verbrachte ich meine Jugend, um sodann, gar wohl erfahren in dem Waffenhand- werk, als reis'ger Knappe im Gefolge meines ritterlichen Oheims dem erlauchten König Rudolf meine Dienste zu weihen. Hab' trotz meinen jungen Jahren schon gar manchen blut'gen Strauß bestanden in den Kämpfen, die Herr Rudolf wider die vom Stegreif führte."
Nach kurzer Pause fuhr Heinz von Horn fort: „Ich half nach Kräften dem Gewalt'gen, manche Räuberburg in Trümmer legen, und gar manchen ritterlichen Raubgesellen sah ich, der vor des Königs fürchterlichem Strafgericht mit des Seilers Tochter Hochzeit hatten mußte. Mehr als flebenzig Räuberburgen hat Herr Rudolf am Rheine gebrochen und des Friedens langentbehrte Wohltat dem Volke geschenkt. Dort zieht der Wanderer jetzt ungefährdet leine Straße — der Warenzug des Kaufherrn erreicht in voller Sicherheit fein Ziel, denn auch der verwegenste Schnapphahn wagt es nicht mehr, durch Raub und Megeiagerei den Zorn des Königs auf jein Haupt zu laden." __
Der Alte, welcher in atemloser Spannung dem Er- zähler gelauscht, schlug bei dessen letzten Worten mit geballter Faust auf den Eichenblock und rief mit starker Stimme:
„Töt' wahrlich not, daß der erlauchte Herr auch hier in Schwaben Einkehr hielte und mit eisernem Besen dar Raubgesindel aus dem Lande fege, das auf den festen Schlöffern des Aalbuchs sitzt und Land und Leute weid- lich plackt und schindet!"
(Fortsetzung folgt.)
Und den verständnislosen Blick der Jünglings gewahrend, erläuterte der Alte:
„Zur Nachtzeit hat der Gauch, als er das Wach.eramt versah und alles tief im Schlafe lag, den Mannen de- Rofensteiners das kleine Mauerpförtchen aufgejchwp-n, das nach dem Felsensteige über dem Tale hing. L°v°r wir uns zur Wehre setzen konnten, waren die Wachter des Tores von den Eingedrungenen erstochen, das ~or geöffnet, und in hellen Haufen stürmten die ^vembe über die niedergelassene Zugbrücke in die Burg. Wie em gereizter Löwe warf sich Euer edler Vater den «türmenden entgegen: grimmig wütete sein Schwert unter ihnen, doch war unser Häuflein viel zu schwach der ungeheuren Uebermacht zu wehren. Ein Streiter nach dem anderen sank blutend zu Boden, und immer weiter wurden wir nach dem Burgbau- zurückgedrängt, aus dessen Fenpern schon die Flammen schlugen und mit ihrem «chem Sas grause Bild erhellen. Den ungeheuren Schrecken nocy zu mehren, war ein Gewittersturm heraufgezogen und wütete mit Blitz und Donner um die Feste. Doch war es ihm zu danken, daß es Eurer edlen Mutter mit Hilfe Walerich--, des treuen Knechtes» in der Verwirrung gelang, auf flücht'gen Rossen mit Euch, dem »üblem und ber Amme, die Euer Schwesterlein trug, durch eine v.n- teriporte zu entkommen, gerade in dem Augenblick, als 'Herr Ottokar, Euer edler Vater, von Todeswunden ganz bedeckt, den letzten Odemzug verhauchte. Mit seinem Falle war das Schicksal der Burg besiegelt: sie wurde von den Wütenden verbrannt unv liegt noch heute m Trümmern. Die wenigen Knechte, die das Blurbad überlebten, darunter auch mich, führte der wüste Han- gefangen hinweg nach dem Rosenstein. Dort mußten wir lahrelang in hartem Frondienst an dem Brunnen graben, des Felsenschaft hinunter bis zum Grunde des Tales geht — es war ein gottserbärmlich Leben! Von Eurer edlen Mutter hab' ich nichts weiter mehr vernommen, als daß es -hr gelang, Burg Neubronn zu erreichen, wo ihr Schutz und Schirm gewährt ward, und daß sie gesonnen war, mit ihren Kindern an den Rhein zu ziehen, zu ihrem Bruder, Eurem Oheim. So erzählte e-- die Amme, das Weib Wolf Jfebrands, die nach dem Rofenstein zurückgekommen war."
Mit atemloser Spannung hatte Heinz von Horn der Erzählung des Alten gelauscht. Jetzt fragte er hastig.
,Die Amme hat erzählt, daß meine Mutter mit ihren Kindern in die Ferne zog — mit mir und meinem Schwesterlein?"
„Wie ich Euch sagte!" bestätigte der Kohler.
,So hat das Weib gelogen — wissentlich gelogen! Denn meine gute Mutter selbst vertraute mir, daß es in jener grauenvollen Nacht nur ihr und dem alten Knappen Walerich gelungen ist, mit mir, dem Buben, die Burg des Ritters Helmut von Neubronn zu erreichen. Die Amme, die mit meinem kleinen Schme- sterlein auf einem Saumtier ritt, war kurz vor dem erreichten Ziel im finstern Wald verschwunden. Alles Suchen nach ihr, das Walerich der Alte mit den Knappen des Ritters von Neubronn in der Nacht noch unternahm, war vergeblich, und auch am nächsten g.age fand sich keine Spur der' rätselhaft Verlorenen. Ihr könnt Euch die Verzweiflung meiner armen Mutter denken, könnt ermessen, wie hart es sie ankam, ohne ihr geliebtes Kind in die Ferne ziehen zu müssen. Denn auf Burg Neubronn konnte ihres Bleibens nicht fein, weil es ruchbar war, daß sie dort ihre Zuflucht gefunden hatte.
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dem er von seinem Sitze emporsprang. »Ein Horn leid | Ihr ein Sproß von dem Geschlechte, besten Stammburg drüben im Leintale in Trümmern liegt? Ist es mir bei Eurem ersten Anblick doch gleich gewesen, ais wär' mir Euer Angesicht nicht fremd'"
„Genau so ging es mir, als ich Euch sah!" erroiöerte der Gast, der sich gleichfalls erhoben hatte. »Euer Angesicht mahnt mich an meine früheste Kinderzeit!"
„Bin Waffenknecht bei Ottokar von Horn gewesen, dem edlen Herrn, der in der Fehde mit dem wüsten ttutzensleiner — Gott sei es geklagt — ein allzu frühe. Ende fand!"
»So seid Ihr Mainrad Schlicht," rief der Jünglmg freudig, „der alte Mainrad, von dem die Mutter sprach — den aufzusuchen sie mir ans Herz legte?"
„So lebt Frau Irmgard noch, und sie erinnert sich des ulken Mainrad?" erwiderte der Alte, indem er die Rechte des Gastes mit beiden Händen ergriff. „lind Ihr seid Heinz, der liebe Heinz, den ich als Buben aus den Armen trug? Ihr könnt Euch nicht verleugnen an Euren dunklen Augen, Eurem goldenen Haargelvck erkenne ich Euch wieder! Hätt' ich gedacht, daß mir in meinen alten Tagen der Herrgott diese Freude noch beschert!"
Der alte Mann .war wie außer sich vor Freude, aiv mer wieder zog er den Jüngling in den Bereich de-- Lichtschimrners, der noch durch die Fensterluken fiel, und weidete sich an dem Anblick des mit freundlichem Lächeln zu ihm Emporsehenden.
„Doch Heinz — Herr Junker Heinz — erzählt nur doch von Eurer edlen Mutter! Sie ist wohlauf — ist glücklich in jener grauenvollen Rächt mit Euch und Eurem Schwesterlein dem wüsten Hans von Rofenstein entronnen? Wie heißt die Burg am Rhein doch, wo ihr Bruder, Euer Oheim, hauset, zu dem sie flüchten wollte,?"
„Burg Fürstenberg, genüber Lorch. Dort weilt >ie noch, die gute Mutter", entgegnete der Jüngling. „Doch wackrer Mainrad, lieber Gastfreund, wollt Ihr mir nicht künden, wie alles damals sich begab? Mit ängstlicher Scheu verweigerte meine liebe Mutter, die traurige Begebenheit genau zu schildern, denn die Erinnerung daran erweckt in ihr aufs neue das schwerste Herzeleid. Nur dieses eine weiß ich, daß der Ritter Hans von Rofenstein in grimmer Fehde mit den Meinen lag und unsere Burg, das feste Horn, berannte. Es glückte ihm mit feiner zehnfach überlegnen Macht, den Widerstand der Unseren zu brechen —"
„Nicht seiner zehnfach überlegenen Macht ist es gelungen, die Feste zu ersteigen," unterbrach der Kohler mit dröhnender Stimme den Sprechenden, indem er mit der Faust auf den Eichenblock schlug. „Verrat und schnöde Tücke haben dem Schändlichen geholfen! Erinnert zchr Euch des Knappen Wolf, der dazumal in Eures edlen Vaters Diensten stand? Ein kleiner, breitschultriger Kerl mit pechschwarzen Haaren und scheelen Augen ijt s gewesen —" .
„Wolf Isebrand hieß er, doch nannte ihn die Knechte Wolf Jsegrimm!" warf der Gast ein. „Die Mutter sprach von ihm." -
„Der Schalksknecht hak, vom Gold des wüsten Hans bestochen, den eignen Herrn verraten!" fuhr der Kohler fort, „Fluch und Schande über ihn! Sitzt letzt als Burgvogt auf dem Rofenstein, der graue Schelm!"
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Burg Rofenstein.
Erne schwäbische Geschichte von Fritz Ritzel. 4) ■ -------------
Bei Erwähnung des Dakers 6er Ritter von Rofen- peiik war der Gast emporgefahren und fragte jetzt schnell:
„Der Hans von Rofenstein, er lebt nicht mehr?" " „Den hat der Gottseibeiuns längst in feinen Krallen!" erwiderte der Litte-mit grimmigem Lachen. „In seiner Sünden Blüte ward er dahingerafft durch einen Pfeil, den ein beherzter Knecht ihm durch die Bürgel schoß, als er mit feinen Spießgesellen ausgezogen war, um einen Warenzug zu plündern. Jstnochzur kaiserlosen Zeit gewesen, als man dreiundsiebzig schrieb. Wollt Gott, es fänd' sich ein beherzter Knecht, der feinen wilden Söhnen das gleiche töt'! Doch warum fragt Ihr nach dem wüsten Hans von Rofenstein, junger Herr? Habt Ihr den Alten selbst gekannt? Doch nein — Ihr seid zu jung und wäret noch ein Knablem, als ihn der Teufel holte. Ist Euch wohl Kunde von dem Ritter worden, der ja im ganzen Reich berüchtigt war ob seines schlimmen Tuns? Hat seines edlen Stammes sich gerühmt und war doch weiter nichts denn ein verruchter Strauchdieb und Wagelagerer."
Der Alte hatte sich in eine Erregung hineingespro- chen, die von seinem seitherigen ruhigen, freundlichen Wesen seltsam abstach. Fast schien es, als hege er einen persönlichen Hatz gegen den Ritter Hans von R°s-nstem- Beschwichtigend legte ihm feine Enkelm die yand auf den Arm und mahnte:
„Weckt die Erinnerung nicht, lieber Ahn; sie raubt Euch Eure innere Ruhe! Auch ziemt es sich nichtzmit den grausen Bildern der Vergangenheit unserm werten Gast die Zett zu kürzen!"
Jjaft recht, lieb Trudelein! Bei edlem Rebensaft soll man heitere Gespräche pflegen und Leid und Groll ver- gesien. Stoßt an, Herr Junker — Gott gefeg n es Luch
Hell (langen die Becher aneinander, und der All ^.Habt wohl einen weiten Weg heut hinter Euch, trenn rechtschaffen müd ist Euer braver Gaul?
„Seit dem frühesten Morgen bin i-h in dem Sonnenbrand geritten und gedachte in dem Stadtlein Heudach zur Nacht zu rasten", erwiderte der Sungling „Doch danke ich dem freundlichen Geschick, das-mch zu uq verschlagen hat, denn so traut und gastlich rote bei -my SFiS wohl in keiner Herberge ausgenommen wor- ^'.Latzfs Euch behagen, wenn es Euch gefüllt! Ist «ns hier in dieser toten Cinfamkeit ein wahres Labsal, mit einem fremden Gast zuweilen freundliche Zwiesprache zu pflegen. Kommt es fetten genug vor - denn wer verliert sich hier in unsre Berge: „
„Wenn meine Gegenwart Euch Kurzweil bietet sagte der junge Gast lächelnd, „werd ich gewiß öfters bei Euch Einkehr halten. Denn Eure schone Heimat is das Endziel meiner Fahri. Vor attem aber 'st es Brauch, daß der Fremdling, der das Recht«des Gastes genießt, dem Wirte offenbaret, wer er ist, von wannen er gekommen und wohin er gehet. Wie ich hier vor Euch litte, beiß' ich Heinz von Horn — •
„Von Horn — Heinz von Horn?" rief der Kohler, ben Sprecher unterbrechend, mit mächtiger stimme, m-
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