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Elternrechte —

Seit den Tagen von Weimar stehen sich in Schulfragen Weltanschauung gegen Weltanschauung hart gegenüber. Der Staat hat nicht Gewalt über unsere Seelen, wir dienen ihm als nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft. lieber die Charakter­bildung und Seelenformung bestimmen aber in erster Linie diejenigen, die für Leib und Seele ihres Kindes verantwortlich sind: die Eltern. Das Elternrecht ist unantastbar und damit' in glei­cher Weise das Recht auf die konfessionelle Schule als Bildnerin ihres Kindes. Staatsautorität für jeden Christen — aber niemals Staatsvmnipotenz zur Unterdrückung geistiger und kultureller Eigen­art! Der Kern der ganzen Schulfrage liegt für uns jetzt darin, oaß der Elternwille auck wirklich soweit Berücksichtigung findet, daß die tofi' fessionelle Schule — unser verfassungsmäßiges Recht — erhalten bleibt, wenn die Eltern es wollen. Letztere sind neben der Kirche die ältesten Erzie­hungsberechtigten. Die Schule ist eine Hilfsanstalt des Elternhauses, dem das erste und natürlichste Recht zukommt, über die Erziehung der Kinder zu bestimmen. Die Eltern wollen, daß die zu Hame begonnene Erziehung in der Schule fortgesetzt werde. Das kann aber nur in der konfessio­nellen Schule geschehen, wo die Einheit in dem Bekenntnis besteht. Der Staat kann die Eltern nicht zwingen, die Kinder in eine Schule zu schicken, die nicht im Geiste des Elternhauses erzieht. In Art 120 der R.-B. ist klar ausgesprochen, daß die Erziehung zur leiblichen, seelischen und gesellschaft­lichen Tüchtigkeit oberste Pflicht und natürliches Recht der Eltern ist, über deren Betätigung die staatliche Gemeinschaft wacht." Diese Verpflich­tung der Eltern setzt andererseits auch Rechts voraus, wie mir sie bereits oben formulierten. Sind die Eltern als die natürlichen E-zieher ihrer Kin­der anerkannt, und das tut die Verfassung, dann kaan die Staatsgewalt erst dann eingreifen, wenn die Eltern die Erziehung schwer vernachlässigen. Dann bleibt es sogar seine Pflicht, nachhelfend und ergänzend in die Erziehung einzugreifen. Das wer­den aber Ausnahmen sein. Früher war das Schul­wesen nicht Monopol des Staates, erst die neuere Entwicklung führte hierzu. Die Eltern müssen die Schulen mit schweren Opfern unterhalten, darum können sie auch eine solche Einrichtung der Schule

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Elternpflichtcn.

verlangen, wie sie für die Ausbildung ihrer Kinder die beste ist. Es ist für die Eltern nichterträg- l i ch, daß sie ihre Kinder in die staatliche Zwangs­schule schicken, die sie durch ihre St-mern erhalten müssen, daß sie aber keinerlei Einfluß auf die ihnen dort zuteil werdende Erziehung haben sollen. Diesen verlangen sie aber durch die Forde­rung nach der Schule ihres Bekenntnisses. Vor­läufig räumt der Staat den Erziehungsberechtigten höchst wertvolle Rechte ein, an uns liegt es, sie zu gebrauchen.

Ja, sind denn die Elternrechte wirklich bedroht? Es genügt wohl, darauf hinzuweisen, daß die kath. und evangelischen Eltern sich in Massenversamm­lungen Ende 1018 vereinigtest, um ihre Elternrechte dem brutalen Eingreifen der sozialistischen Kultus­minister in Preußen und in Bayern gegenüber zu verteidigen. Es soll auch nicht verschwiegen wer­den, daß liberale Lehrer behaupten, die Schule sei autonom, d. h. selbstherrlich und selbstgesetz­geberisch. Das bedeutet aber letzten Endes nichts anderes als eine Ausschaltung der Eltern von jeg­lichem Einfluß auf die Schule. Bei aller Hoch­achtung dem Lehrerstand gegenüber und bei aller Dankbarkeit, die wir ihm schulden, für das, was die einzelnen unseren Kindern an Bildung und Er­ziehung Gutes tun, dürfen wir das Recht der Eltern auf ihre Kinder in Erziehungsfragen nicht antasten lassen. Die Schule, welche die Erziehung ersetzen, ergänzen und vollenden soll, wird ihrer Ausgabe am-besten gerecht, wenn sie sich als getreue Gehilfin und Vertreterin der Familie und der Eltern be­trachtet.

Das Kompromiß von Weimar kann in feiner Fortsetzung dem Schaffen des Reichsschulgefetzes, wiederum "ein Kompromiß fein. Dabei ist aber zu verlangen, daß die Auslegung des Wei­marer Artikels in dem Sinne und Geiste zu geschehen hat, wie es den damaligen Absichten der Gesetzgeber entspricht. Es darf keine Auslegung stattfinden, die uns unsere vollen Rechte auf die von uns gewünschte Schule, die wir als Eltern und freie Bürger eines demokratischen Staates besitzen, schmälert und beschneidet. Die loyale Auslegung und volle Gewährleistung der praktischen Anwen­dung muß uns garantiert'sein. Schwerer Verhand­lungen wird es bedürfen, dieses Ziel zu erreichen.

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