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Zur Unterhaltung. snriÄH«.| \

Berliner Uleindil-er.

Don Egon H. Straßburger.

Reklamezauber. — Telephonredner au die Jront — Der „unsterbliche“ Loogan. — Der Dries- markeaspeziaNsk.

(Nachdruck verboten.)

Jetzt, da man schon die Lebkuchen durch die Schau­fenster „hindurchriecht-, machen die Berliner Kaufleute alle Anstrengungen, um das Publikum anzulocken. Ich unternahm gestern eine kleine Wanderung durch Berlin, um mich über den Zeitgeist etwas zu orientieren. Die­ser Zeitgeist, ist sichtbar an den Geschäften der Jumper» verkaufe, der Margarinefabrikanten, der Lederwaren­händler, der Zigarrendetaillisten; hier habe ich mir einige Notizen gemacht. Die Poesie des Berliners um die schöne Weihnachtszeit ist wert, verewigt zu werden und mancher Kleinhändler erreicht dadurch mehr, als diverse Dichter, die fast vor Hunger gestorben find.

„Publikum, kauf hier Glanzol, Dieses tut den Stiefeln wohl. Gibt dem Leder Glanz und Feinheit, Kaufft du's nicht, ist'» 'ne Gemeinheit.“

Ein Schneider, der offenbar zur Weihnachtszeit einige Verpflichtungen hat, schreibt in großen Lettern auf sein Schaufenster:

„Dor dem Fenster nicht verweile, Komm herein in größter Eile, And mit Liebe und sehr nett Bau ich Hose und Jackett!“

Derlassen wir die Poesie nach diesen Kostproben und gehen wir zur Prosa über.

Auf der Ladentür eines Parfümeriegeschäftes rst zu lesen:

Je feiner Sie duften, meine Herrschaften, um für so reicher hält man Sie. Also 3l kaufen Sie die bekömmliche Ananasssife.“

Ich wollte mir ein Stückchen Ananasfeife kaufen, Uber der Laden war zu voll; Herren und Damen wollten alle als reich gelten.

Eine Straße weiter. In der Auslage lächeln mir fette Spickaale entgegen. Auf einem Plakat steht ge­schrieben:

„Wie man bei der Reichstagswahl auch wählt, es ist immer falsch gewählt; wählen Sie meinen Spickaal und die Wahl ist richtig.'

In bunten Farben warten die Jumpers auf die schöne Käuferin. (Schön? Na, sie können auch häßlich fein.) Die Anpreisung ist .packend':

„Was ist der Mensch ohne Jumper? Er ist nur ein halber Mensch. Vervollständigen Sie den Menschen und puppen Sie sich ein.'

Mer die Damen gingen lächelnd vorüber und rea­gierten nicht; die Reklame war verfehlt. Vielleicht fällt dem Verkäufer nächstes Jahr (die Jumper werden sicher Ladenhüter bleiben) etwas Geistreicheres ein. Wir wünschen es ihm von ganzem Herzen.

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Es scheint also doch, als ob dann und wann abge­baut werden sollte. S„ lesen wir mit Freuden, daß die Telephonstrippe sich für die großen Schwätzer am Apparat verbilligen soll. Man hat eingesehen, daß das

Redebedürfnis feit der letzten Wahlkampagne nicht nur auf die Parteimänner übergegangen ist, sondern auch auf die gewöhnlichen Sterblichen. Was ist der Mensch für ein armseliges Wesen, wenn er nicht den ganzen Tag am Telephon hängt, hier Geschäfte macht, Liebes­schwüre von sich gibt oder über Krankheiten reden kann.

Natürlich gibt die Post nicht sofort den billigen Satz her, sondern es dauert noch ein Weilchen, bis es so weit ist. Immerhin haben die Telephon-Demosthenesse das angenehme Gefühl, bald kannst du reden, wie der Schnabel dir gewachsen ist, will sagen, bald kannst du Dauerredner spielen, ohne daß es tief in dein Porte­monnaie greift.

In Anbetracht des guten Willens der Post freuen sich alle Optimisten, daß auch auf anderem Gebiete viels behördlicherseits billiger werde. Die Optimisten sind der Ansicht, daß nur ein Anfang gemacht werden müsse und daß schon die anderen folgen werden. Aber es ist verfehlt, hier optimistisch zu denken. Beweis:

Die Vergnügungssteuer bei den Lichtsplclthsatern war bis dahin 15 Prozent, der Magistrat in seiner Güte schlägt 18 Prozent nun vor. Man sieht jedenfalls den „guten' Willen der Herren Stadtväter, die immer etwas für ihre Schutzbefohlenen „übrig“ haben und sei es auch nur ein Dergmrgungssteuerauffchlag von 3 Pro­zent. Der eine freut sich, der andere ist betrübt ... c'est la nie . . . Berlin, wie's weint und lacht.

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Ich habe in diesen Tagen mir Oliver Twist ange­sehen. Der kleine Eoogan spielt den Oliver und zwi­schen wundervollen Bildern tobt sich der Knabe Eoogan aus. Wollen wir einmal ganz ehrlich fein. Der kleine Knabe Eoogan ist ein glänzender Schauspieler, dem man viel Sympathien abgewinnen kann und der sicher den Kinoleuten viel Geld einbringen wird, aber nach und nach bekommt man die Wunderkinder int Film etwas dick und über. Dieser famtne Augenaufschlag macht einen nervös und man wünscht langsam, Stücke zu sehen, in denen Menschen spielen, ausgewachsene, richtiggehende Menschen. Immerhin ist ein Kino, das den kleinen Eoognon bringt, heute ausverkauft bis auf den letzten Platz. Diese Wunderkinder sind eben Spe­zialitäten, und Spezialitäten haben immer ein Prä, denn sie fallen aus der Mafle heraus; sie sind keine Regel­ware.

Besonders die Großstadt bevorzugt Wunderkinder, fei es auf der Geige, sei es auf dem Trapez, fei es im Oliver Twist. Bei dieser Gelegenheit sei es mir gestattet, mich über die Kinodramen etwas auszulasien: Es gibt wenig guten Aufbau und nur selten packt einen die Handlung. Das Publikum ist sicher nicht verwöhnt, denn wo Mord und Totschlag die Pointe ist, verläßt es be­geistert dieses Kunstetablisiement.

Könnte es nicht fein wie in einem guten Theater­stück, wo eine klare, logische Handlung den Zuschauer fesselt und ihn ganz und gar zufriedenstellt? Immer wieder sage ich: die richtigen Kinodramatiker müssen noch geboren werden.

Wenn man aber den kleinen Eoogan wie einen le­bendigen Floh herumhüpfen sieht, mal links, mal rechts, mal herauf, mal herunter, so denkt man doch, es ist im Theater manchmal schöner, als hier in einem kitschi­gen Stück, bei welchem der Zuschauer ptktzsich durch ein jähes Ende überrascht wird.

I *

Wie menschenfreundlich manchmal Leute sind, be- I weist wieder ein kleiner Vorgang, der sich auf einem

kleinen Postamt in Berlin abspielte. Hier verkaufte ein alter, ehrwürdiger Herr jeden Abend an das Publi­kum Zehn- und Zwanzig-Pfennig-Marken, die allerdings nicht gummiert waren. Das Geschäft ging ausgezeich- net, denn mancher begrüßte es mit Freuden, wenn er nicht eine halbe Stunde am Schalter zu warten brauchte. So verkaufte der alte, freundliche Herr aus seiner Post- filiale (siehe Hosentasche) oft für achtzig Mark deutsche Briefmarken. Er hatte sogar seine Stammkundschaft, und ich kann mir wohl denken, wie manche Donna ihrer Dame sagte: „Gnädige Frau, ich komme gleich wieder, ich brauche ja nicht lange zu warten, em alter, freund­licher Herr verkauft sie mir auf der Post.'

Der alte Herr, der nebenbei Laufbote bet einer großen Speditionsfirma war, wurde von der Kriminal­polizei, die immer recht skeptisch ist, ht Augenschein ge­nommen und mm wurde er verhört. Er erzählte, daß er ein Menschenfreund fei und daß er nicht sehen könne, daß die armen, müden Berliner fo lange vor den Schal­tern stehen müßten, ohne gleich abgefertigt zu werden. Aus diesem Grunde verkaufe er Briefmarken.

Man sieht also, daß das Alter immer noch feinere Regungen besitzt, nur wäre es in diesem Falle nötig gewesen, daß der menschenfreundliche Greis die Brief­marken gummiert verkauft hätte. Die bösen Leute unb die noch böseren Kriminalbeamten kommen sonst leicht auf den Verdacht, daß es auch böse Greise gibt, die mit den Bösen unter einer Decke stecken.

Berlin hat jedenfalls allerlei nette „Spezialitäten“ und hier kommt gewiß die Kleinstadt nicht mit.

Zlllllapp — ein norddeutscher wkihnachftbrauck.

In Mittel» und Süddeutschland kennt man Julklapp höchstens aus den Schilderungen von Theodor Storm, der ja überhaupt eine besondere Be­gabung zum sinn- und liebevollen Feiern des Ehristfestes hatte, oder anderer norddeutscher Dichter. Auf den Gaffen und Straßen besonders der kleineren Städte Rorddeuischlands herrscht am Weihnachtsabend ein selt­sam bewegtes Treiben. Menschen, die zahlreiche Pakete unterm Arm tragen, eilen eifrig hin und wieder, wobei es „Julklapp! Julklapp!“ froh durch die Nacht schallt. Die Hausglocken werden gezogen, julklapp!“ schallt es dem Oeffnenden entgegen und schon fliegen ein paar Pakete in den Flur hinein, ein Lachen klingt auf, und weiter geht es in die Nacht hinein. Die Menschen aber, die um den Baum versammelt sind in wohliger Stube, nehmen von den dienstbaren Geistern ein Paket nach dem andern in Empfang und öffnen es mit Bedacht- samkeit.

So eine Julklappe ist eine komische Sache. Cs steht etwa daraufgeschrieben: „Der lieben Frau X“. Oeffnet die Adressatin aber die Papier hülle, so stößt sie auf neues Papier mit der Aufschrift: „Dem Hausherrn“, der dann seine Hände in Tätigkeit setzt und das Paket an das „liebreizende Fräulein Tochter“ roeitergeben muß. Viel gelacht wird beim Julklapp, denn nicht nur, daß die Pakete zur Ergötzung durch zahllose Hände wandern: aus den umfangreichsten Umhüllungen wird, ost nach halbstündiger Bemühung, ein — Fingerhut oder Aehnliches hsrausgefchäll.

In Pommern an der Ostsee, in vielen nord­deutschen Gegenden ist Julklapp noch heute anzutreffen,

dieser uralte Weihnachtsscherz aus Skandinavien; stun­denlang erfreut man sich an den mannigfaltigen Gaben, bis die Hausfrau zum Karpfen ruft, der althergebrachten Speise in der Christnacht. mf.

verdandeundBündnisielmTierreich Das Treueverhälknis zwischen krebs und Muschel. — Die tierischen ArchikekkenverbSnde. — Trutz»

unb AngriffsbSndnIsse.

Unsere Staats» und Gesellschaftsformen sind nicht vielfältiger als diejenigen, die wir bei den Tieren antreffen. Wir finden bei ihnen die unglaublichsten Verbindungen unb keineswegs nur solche nach der Re» gel, daß gleich und gleich sich gern gesellt.

Von der Symbiose (dem Zusammenleben) zwischen Einsiedlerkrebs einerseits und Seemufchsl oder Schwamm andererseits hat man schon häufig gehört. Zwischen beiden besteht ein solch inniges Verhältnis, daß sie wie ein Wesen erscheinen. Der Krebs verteidigt feine Muschel gegen äußere Feinde und hält ihr die Treue bis ans Aeußerste. Oft kann er sich nicht einmal von der Schale seiner toten Freundin trennen. _

Andere Bündnisformen treffen wir bei den Tieren noch unter folgender Bezeichnung an:

Ärchitektenverbände. Hier erinnern wir uns in erster Linie an die Bauten der fleißigen Biber. Diese Tiere ziehen Dämme durch Flußläufe, sodaß flache Stauseen entstehen, in denen sie ihre Wohnhütten bauen, die mit weitläufigen Gängen untereinander verbunden sind. Große Biberniederlassungen existieren in Deutsch» land nur noch nahe Magdeburg und im Anhal« tischen (Kühnauer See).

Auch die gemeinsamen Anlagen der Murmel­tiere sind hier zu erwähnen und ebenfalls die meilen« weiten Städte der sehr wachsamen amerikanischen P r ä r i e h u n d e, bei denen oberhalb der Erde immer einzelne Wächter ausgestellt sind, die für die Sicherheit der Gemeinde mindestens dieselbe Aufmerksamkest auf­wenden, wie die mittelalterlichen Burgwächter. Die Tiere haben dasselbe Bedürfnis, sich gegenfeüige Be­suche in ihren Wohnungen abzustatten wie wir; außer­dem genießen sie allerdings den zweifelhaften Vorzug ständiger Einquartierung durch anderes Tierzeug, wie Schlangen, Eidechsen unb bergt.

Trutzbündnisse. Hier heben wir besonders die 40 000 Wapitihirsche in Uellow-Stone-Park In den Ver­einigten Staaten hervor, die für einander einsteheo wie ein Mann.

Als Unterklasse hiervon hätten wir dann noch die gemischten Trutzbündnisse zu erwähnen, wie zwischen Strauß und Antilope. Der Strauß hat ein wun­derbar scharfes Auge, aber er riecht nicht; die Antilope dagegen kann den Feind nur durch Witte­rung annehmen, nicht durch das Gesicht. Beide Tiere gleichen ihre Schwäche gegeneinander aus, indem sie sich zusammenhalten und sich so gegen jede herannahende Gefahr gemeinsam sichern.

Angriff sbünbntffe treffen wir unter vielen Tierklaffen an, befonbers bei ben Affen, die, wenn sie sich in der Mehrzahl wissen, nur zu gern zu Raub und Plünderung übergehen.

Wo die Tiere nicht die Gemeinsamkeft mit ihres­gleichen ober anders gearteten Geschöpfen zu werten

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