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Nr. 288 vom H. Der. 1924
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M. 11.
stellung der gewürzten „Trachten".
Beschluß Confekte formieret als ziehrliche Bildwerke der Wartpurgk, als wie sie würklich erbawet." —
Der geneigte Leser interessiert sich vielleicht für diese alte Schreibweise und ergötzt sich an der Zusammen-
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Moierne MumienhersteSsng.
Die von den alten Aegyptern angewandte Methode zur Herstellung menschlicher Mumien, die bekanntlich Tausende von Jahren überdauert haben, war folgende: Zunächst wurden die Eingeweide durch eine Oeffnung im Unterleib hcrausgeholt; das Gehirn wurde mit Hilf- eines besonderen Instrumentes durch die Nase entfernt. Nachdem der Körper dann noch 40 Tage lang in einer Lösung von Natriumsulfat. Natriumkarbonat und Kochsalz gelegen hatte, wurde das Innere des Körpers mit Erdpech. Gewürzen, Gummi und Natron ausgefüllt; dann war er fertig zum Einbalfamieren und zur Einwicklung.
Der amerikanische Physiker Hugo Gernsback schlagt m „Science and Invention" eine neuzeitliche Methode vor, die gleichfalls Tausende von Jahren überdauern soll: er will den ganzen Körper auf galvanischem Wege mit einer Metallschicht überziehen. Um sich von der Brauchbarkeit seines Gedankens zu überzeugen, hat er die Methode zunächst an einem größeren Fisch versucht. Das Innere des Fisches wurde ausgenommen, dann wurde die Eingeweidehöhle mit Wachs gefüllt, der Fisch getrocknet und schließlich mit Graphit bestrichen, um ihn elektrisch leitend zu machen. Darauf wurde er in einem Bad verkupfert, und zwar derart, daß jede Schuppe und Flosie deutlich erhalten blieb. Keine Einzelheit ging verloren. Nachträglich wurde dann der Kupferfisch noch versilbert.
Jeder Mensch, dem es ein peinlicher Gedanke ist. daß sein Leichnam zerfallen wird, und der es lieber sehen würde, wenn dieser in einem Mausoleum auf Jahrtausende aufbewahrt würde, kann feinen Körper nach feinem Tode nach derselben Mechode verkupfern lassen.
Der Preis für die Verkupferung eines menschlichen Körpers dürfte bei einer dünnen Schicht etwa 1200 bis 1500 Mark betragen. Das Verfahren wäre etwa das folgende: Nachdem der Körper gründlich gereinigt/ getrocknet und dann zum Schutz gegen die Einwirkung der Lust desinfiziert worden ist, wird er mit einer dünnen Schicht Paraffin oder Wachs überzogen. Dieses Wachs wird dann mit Graphit bestrichen. Durch dieses Der- kahren werden die llmriffe des Körpers, die Gesichtszüge und sogar die Haare der Nachwelt aufbewahrt. Dann kommt der Körper in das Kupferbad. Die vollständige Apparatur finden wir in dem neuesten Heft der , Umschau" abgebildet. Da der Körper völlig mit einer Metallschicht überkleidet ist, kann die Lust nicht in das Innere eindringen, und die Erhaltung wird nahezu vollkommen sein.
Die Verkupferung ist lediglich wegen ihrer Billigkeit gewählt worden. Natürlich können sich reiche Leute ver- aolden, verplatinieren, oder ihren verkupferten Körper mit einem Goldüberzug versehen kaffen. Auf nach Amerika.
wiener Bilder.
Geldmangel. — Theaterfreuden und Theakerleiden — Ein Dürerfund. — Prozesse. — Bundeskanzler
Seipel und dec Attentäter.
Wieder einmal steht Oesterreich unter einer Streikandrohung, und zwar diesmal der Telegraphen- und Telephonange st eilten, welche in einem Ultimatum an die Regierung die Erhöhung der Wirtschaftsprämie von 29 000 auf 100 000 Kronen monatlich und einen dreizehnten Monatsgehalt fordern. Die Beantwortungsfrist für dieses Ultimatum läuft am 10. Dezember ab. Sollte sie ergebnislos verlaufen, so treten die Telegraphen- und Telephonangestellten in den Streik.
Eine weitere Annehmlichkeit im öffentlichen Leben bildet die Erhöhung des Straße nbahntari- s e s, die als Weihnachtsgabe den ohnehin materiell schon sehr gedrückten Wienern zuteil wird.
Der geringen Zahlungskraft der Wiener entsprechen auch die diesjährigen Vorbereitungen für den Fasching, die durch die wirffchaitlich nicht sehr erfreulichen Verhältnisse enorm beeinträchtigt werden.
Doch nicht nur der Fasching, auch die Theater leiden unter der allgemeinen Geldkrise, welche in dem Wanken des Karltheaters am besten zum Ausdrucke kommt. Die Angestellten dieser Bühne haben nach dem Rücktritte Direktor Bernaus, der die Barmittel zur Begleichung der Milliardenrückstände an Luxus- und Fürsorgeabgaben nicht mehr aufbringen konnte, nach kurzer Unterbrechung am 1. Dezember das Theater mit bet Lannerfchen Operette „Alt-Wien" wieder eröffnet. Die Hauptrolle spielt der Wiener Liebling Mizzi Z w e • renz. Obwohl die Eintrittspreise auf die Hälfte herabgesetzt wurden, ist an diesem Abend eine größere Einnahme erzielt worden als bisher. Vorläufig wird das Theater von den Angestellten weiter geführt.
An berühmten Gästen und Theaterlieblingen fehlt es auch Heuer nicht. So beginnt am 25. Dezember Tilla Durieux ihr Gastspiel am R a i m u n d t h e a t er m „Feodora", „Medea" und „Die Frau am Meere".
'Noch ein erfreulicher Bericht über unsere Theater ist die Verpflichtung Mascagnis für die nächsten zwei Monate als Gastdirigent für italienische Werke an die Staatsoper. • -
Hingegen kommen aus dem Burgtheater wieder krisenhafte Gerüchte. Der bisherige Leiter Dr. Hetterich soll angeblich einem anderen Direktor den Platz räumen, da seine Kassenerfolge die in ihn gesetzten Hoffnungen enttäuschten, und das Schönbrunner Schloß- theater geschloffen werden mußte. Es soll bereits ein Nachfolger Hetterichs in der Person eines kürzlich cm das Burgtheater zurückgekehrten Mitgliedes gefunden worden fein. Selbstverständlich erhöht der oftmalige Wechsel in der Leitung des Burgtheatcrs nicht das Einvernehmen zwischen Direktor und Künstlern, und beeinträchtigt auch das künstlerische Niveau dieser Bühne.
Ein bemerkenswerter Frmd gelang dem Direktor der Albertina, Joseph Meder, welcher einen Stich des berühmten Gemäldes von Dürer: „Adam und Eva" in feinem Erftzustande gefunden hat. Der Stich ist im Besitze eines Schweizer Dürerfammlers.
FÜ Italiens großen Toten, Puccini, veranstaltet Wien sowohl eine Totenfeier in der Staatsoper mit der Aufführung von „Tosco", als auch eine Feier in der Bolksoper mit einem anderen Werke des Meisters, die gemeinsam mit bet italienischen Gesandtschaft und unter Leitung Mascagnis stattfinden dürften.
Wien hat über einen Rekord zu berichten, der schwerlich von einer anderen Stadt Überboten werden dürfte- es wurden vom 1. Jänner bis Ende Oktober dieses' Jahres über 2490 Eh es che i dungsp r o - 3 e {f e verhandelt, Auch die Ehen leiden unter der Krise.
Aus dem Gerichtssaal kam eine Mitteilung über die in den letzten Jahren viel besprochene Milica Vuko- brankooich, welche wegen Gistmordverj» s u ch e s angeklagt war und seit dem 28. Juli 1922 ihre Strafe verbüßt. Dem Gerücht zufolge soll sie ein Gna
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Mn köstlicher Nachtisch wird stets Jung und Alt erfreuen.
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Für 4 Personen genügt:
dengesuch überreicht haben, was ihr Vertreter mit dem Bemerken dementiert, daß man ihm ent für einen späteren Zeitpunkt die günstig- Erledigung eines solchen Gesuches in Aussicht gestellt Hölle. »
Wiens jüngste Sensation bildet der Prozeß de- Spinnereiarbeiters Karl Jaworek, welcher am 1 Juni dieses Jahres auf dem Sübb-ih ih’ffe in Wien ein Attentat gegen den damaligen Bundeskanzler Dr. Seipel verübt hat und dann die Waffe gegen sich itibfi richtete. Die Bevölkerung erwanetc mit Spannung diesen Prozeß, der sich jedoch ganz gegen die Erwartung nicht als Sensct'tonsvrozeß, sondern als eine menschliche Tragödie gestaltete und mit der Verurteilung ter Angeklagten zu dreieinhalb Jahren schweren, verschärften Kerkers endete.
Dr. Seipel, welcher als Zeuge vernommen wurde, zeigte dem Allentäter und seiner Tat aegenüber eme seht versöhnliche Stimmung, und man war auf eine Aussprache zwischen dem Bundeskanzler und Jaworek vorbereitet, doch ließ es der Vorsitzende nicht dazu kommen. Der Angeklagte war sichtlich von Reue übermannt unb bot nicht das Bild eines mit vorbedachter Schlauheit handelnden Mörders, sondern das eines armen, non der Rot völlig hemmungslos gewordenen und gebrochenen Menschen," der über seine eigene Tat selbst erstaunt ist. Es wurde ein Mensch, wenn auch milde, so doch verurteilt, der sich selbst richten wollte.
Wilhelmine Baltinester.
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Die Zpeisekarte.
Die erste Speisekarte. — Eßbare Speifekarten. — Ein Wartburg-Frühstück.
(Nachdruck verboten.)
Anno Domini 14b9 erregte Herzog Heinrich der Gute von Braunschwelg-Wc Isenbüttel auf dem Reichstage von Regensburg großes Aufsehen bei Tafel. Nicht dupch Silbergeschirr ober gültrnc Becher, auch nicyt durch die fange Folge der „Trachten" und die Menge edler Weine, sondern durch „eine lat ge Zedul, die er nftermalen besah. Darin hatte ihnt der Küchenmeister alle Essen unb Trachten in der Ordnung ussgc eichnet, und kunt sich also der Herr Herzog mit dem Essen darnach richten und iynen Appelltum uff die besten Trachten sparen." Das mar die erste historisch beglaubigte Speisekarte in Deutschland.
Vordem wurde nur bei hochfeierlichen Mahlen, wenn es besonders prunkvoll zuging, jedes Gericht durch einen Herold unter Posaunen- und Zinkenschlag angekündigt, ehe es auf der Tafel erschien.
Die Speisekarte in unserem Sinne kennt weder das Altertum noch das Mittelalter. In Paris kam man zuerst darauf, geschriebene, später natürlich gedruckte Zettel neben den Teller des Gastes zu legen, und da der Pariser Hof unter Franz I. diese Sitte aufnahm, so sand sie ihren Weg zu allen europäischen Höfen. Was aber an Höfen gute Sitte war, ging bald in die Schlösser des Adels und die Häuser der wohlhabenden Bürger über. Nach dem Vorbild von Paris wurde die Speisekarte Menü — eigentlich „unbedeutend, klein, genau" getauft —. Das Menü enthielt von Anfang an genau jede Speise, die auf der Tafel erschien. Erst später setzte man zu den Speisen auch die Namen der Weine und ihre Jahrgänge — und das Programm der Tafelmusik. Die Form der Speisefolge entsprach dem Geschmack der Gastgeber und ihrer Zeit, aber auch die Form der Speisekarte wechselte mit der Mode unb der Art der Festlichkeiten.
Von der künstlerisch gemalten Tischkarte bis zu der Ungeheuerlichkeit, Fladen aus Lebkuchenteig mit Zuckerguß zu beschreiben unb solchergestalt die Speisekarte selbst genießbar zu machen, ist der Weg lang. Heute ist nur noch die einfache Tischkarte mit kräftigem Druck ober glatter Schrift in der Gesellschaft erlaubt, und diese hat selbst bei Hochzeiten, wo der Gast sonst durch die verschlungenen Initialen, Bilder der Glücklichen, ein Ballett von Amoretten und guten Engeln von der vollendeten Glückseligkeit der Neuvermählten überzeugt wurde, die Geschmacklosigkeiten früherer Zett verdrängt.
Im Orient kommen auch heute noch in der Regel alle Speisen zugleich auf den Tisch, so daß die Tischkarte dort fortfällt. Auch in Südamerika und Mexiko wirb in den echten Kreolenfamilien nie jeder Gang besonders gereicht, sondern von der Suppe bis zu den Süßigkeiten stehen alle Gerichte von Anfang an auf der Tafel, unb jeder nimmt nach seines Herzens Begehr. Auch da ist die Speisekarte überflüssig.
Zum Schluß wollen wir die Frühstückskarte wiedergeben, die am 27. Oktober 1906 zu Ehren der Königin her Niederlande unb Prinzgemahls mit künstlerischer Zeichnung auf der Wartburgtafel lag:
„Zuerst eyn schleihmig Suppeleyn von Grawpen. 3um andern: Ein rohr tracktement Astrachamschen Stöhr-Rögen mit gerösten Eyer-Küchleyn. Danach käl- bemen Rippenstücke gespickt und eingebaut, dann schon gebrannt und mit Maccoroni nach Italienischer Artt.
Em Pasteten von Aenten-Fleisch mit Lorbeer unb Zwiffel als auch in Speck unb Simonien gedampft und säuberlich garniert.
Aepffel-Turten nach des Landtgraven Wies zv- iercitt und zierlich servieret.
Ein Laib Käse nach Holländischer Doeren artt und auch anderen. Alsdann folget auff Silberne Schaalen aeleaet Weyn-Trawden und seltenes Obs, allsamb sehr gefunb und annehmlich zu verspeyffen, und fürder zum
Reiferes.
Umgekehrte Reihenfolge. „Wenn die alten Deutschen vom Streite heimkebrten, so hatten sie ihr Gelage. Wenn ich vom Gelage heimkehre, so habe ich meinen Streit.
*
Früh spitzt sich . . . Karl erhält von der Mutter zwei Pfirsiche, von denen er eine feinem kleinen Bruder Hans geben soll. Er fragt diesen: „Willst du jetzt gleich emen Pfirsich oder später viele Pfirsiche?" Hans entschied sich für Letzteres. Da atz Karl die beiden Früchte und gab dem Hans die beiden Kerne, damit er daraus „später viele Früchte" erhalte.
Versudien Sie ferner:
Dr. Oetker*: Mnkronen-Puddingpulyer
Dr. Oetker** Puddingpulver nadi rart. Art
Dr. Oetker** S<hokoladenspel*e mit Makronen
Dr. Oetker** Gala-Schokolsden-Puddlng-Pulver
Dr. Oetker'* Götter*pei*e
Der Name „OETKER“ bürgt fflr beste Qualität 1 Verlangen
Sie in allen einschlägigen Geschäften nur Originalpackungen mit der Schutzmarke „Octker’s Hellkopf“.
Dr.2l.Oetker,MhrmMWük.Biereselb
RonnefeldtsTee t/äo» 11 "■ vom 1. bis 2* Dutmbv m eJego»/»» CratisWeihnachts-Dastn Niederlagen in allen Stadtteilen
Sus aller Welt.
— Das wandern der Kontinente. So wie viele An fchauungen in neuerer Zeit erschüttert worden sind, sc hat man jetzt auch angesongen zu bezweifeln ob die einzelnen Erdteile ihren Platz auf der Erdkugel unser- rückbar beibehalten. Schiebt man auf einem Attas No unb Südamerika bis dicht an Europa unb Afrika heran, so bemerkt man, daß beide Weltteile sich auffallend gut aneinander schließen. So kam man auf den 3ebanlen, daß diese Küsten früher zusammenhingen, Professor Baschin legt im „Erdbüchlein 1925" die Grunde ver- schiedener Art dar, die für diese Theorie sprechen und er zeigt auch, wie die Möglichkeit einer genauen Nachprüfung durch astronomische Ortsbestimmungen besteht. Die Verschiebungen sollen nämlich jetzt noch fortbauern unb am größten zwischen Europa unb Grönland fern, bas sich nach Berechnungen von Wegener jährlich um 14—28 Meter nach Westen von Europa entfernt. Sie dänische Grabmessung hat nunmehr durch Messungen festgestellt, daß seit 1882 der Abstand Grönlands von Europa sich um 5,9 Zeitsekunden vergrößert haben muß was einer horizontalen Verschiebung von rund 1204 Meter entspricht.
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