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r Nr. 284 vom 6. Der. 1924. i

Zur Unterhaltung

Zuldaer Zeitung

i,

Im Unterhaltungsteil unserer Zeitung erscheint

demnächst:

Elisabeth

heißen.

21. Kapitel.

Weil Sie ihn mir

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geben fie niemals!"

Helmut schwieg einen Augenblick und sagte dann zärtlich:Lu bist gewiß recht unglücklich, Elisabeth!

heiterer.

was ist Wahrheit? 'Sie sollen gesagt haben, der Kläger sei ein Betrüger. Ist das wahr?"Wahr ist es, aber ich habe es nicht gesagt!"

Von Else Schmücker-Oberhausen.

Das Werk der rheinischen Schriftstellerin ist an­läßlich eines vomEcho der Gegenwart" zu dessen 75sährigem Bestehen veranstalteten literarischen Wettbewerbs mit dem ersten Novellenpreis bedacht worden. Frauenhand zeichnet hier die seelische Entwicklung eines jungen Mädchens, das aus sei­nem ungestümen Drang nach Lebensfreude und Liebesglück durch Dulden und Opfern zum innern Frieden kommt. Die scharf umrisfene Charakteristik, der anziehende Inhalt, die fließende Sprache und die hohe sittliche Idee werden der Novelle viele Leser gewinnen. Unmittelbar daran schließt sich:

Burg Rosenstein.

Eine schwäbische Geschichte von Fritz Ritzel.

Der fesselnde Roman ist auf den geschichllichen und romantischen Boden des Mittelalters gestellt. Die dem buntschillernden Schatz schwäbischer Bolks- sagen entnommene, prächtig durchgeführte Hand­lung läßt das Interesse keinen Augenblick erlahmen, und die Lösung des Knotens erfolgt in einer den Leser überraschenden Weise. An den charakter­vollen Rittern und Edelfräuleins, festwurzelnd im anziehenden MUieu mittelalterlichen Lebens, muß man feine Freude haben. Da Fritz Ritzel auch wirkungsvoll zu schildern weiß, so steht zu er­warten, daß das vorliegende Werk eine ebenso freundliche Anerkennung finden wird, wie u. a. sein vor drei Jahren von uns veröffentlichter Roman Die Jagd nach dem Glück". ,, .z,....

Leopold Goldschmidt, Fulda

Markrtra^e 10 Cironenmannsgäf>dien.

Ich denke fast nicht mehr an das. was einmal war, Helmut! Es ist am besten so. Es hat ,a auch kernen Sinn! Ich bin eben zum Kämpfen geboren!

Sie gingen langsam den Weg zurück. Helmut sagte leise und nut glücklicher Stimme:Jetzt ist es aus mn dem Kampfe, Elisabeth! Bei uns beiden. Endgültig. Wir suchen nach dem Sturm Ruhe!"

Ja, Helmut! Und ich freue m'ck auf die Zeit, die uns nicht Uebermichungen und Gefahren, wie die, dre hinter uns liegt, bringt!"

(Schluß folgt.)

St. Nikolaus kommt!

Sßie wird mein Herz so warm und weit in süßer Kinderseligkeit, seh' ich St. Nik'laus liebes Bild, das mir noch heut' als schönstes gilt!"

(Cordula Peregrina)

Kurze, düstere Dezembertage! Sturm umtobt die Häuser des Städtchens. Schneeflocken auf Schneeflocken werden wider die Fensterscheiben getrieben. Gegen fünf Uhr schon bricht die Dunkelheit herein. Mutter sitzt nut ihren Kindern in traulichem Gespräche in der Küche um den Herd. Nur ab und zu wird die Dämmerung durch einen Feuerschein, der durch die Herdringe einen Ausweg gefunden, verscheucht.

Mutter, wir wollen Dämmerstunden hallen, sollst uns" was erzählen vom hl. Nikolaus, der morgen abend zu uns kommen will," so bitten die Kleinen. Mütterlein fährt mit der Hand durch die Locken des kleinen Hans ünd erzählt vom hl. Manne, der morgen abend weit draußen tm Walde vom hohen Himmel herabsteigen würde, und mit vielen Geschenken für brave Kinder in Begleitung von Engeln und Knecht Rupprecht im Städt­chen von Haus zu Haus gehen werde. Artige Kinder jedoch würden dem hl. Bischof Freude machen. Hänschen erwidert:Wir sind immer brav gewesen und haben Vater und Mutter keinen Verdruß bereitet, auch haben wir nie das Beten vergessen. Das weiß der hl. Mann". Ja, liebe Kinder, antwortet das Mutterlein, betet mit großem Eifer zum hl. Nikolaus, damit er euch nicht ver­gesse!"

Heute abend dürfen die Kleinen aufbleiben. Der Teig für die Nik'lausstollen soll bereitet werden, wobei ste mit ihrer HUfe nicht fehlen wollen. Ihre Unterstützung zeigt sich allerdings nicht in rühmlicher Art; denn mll dem Löffel m der Hand geht's über den armen Teig her, der beinahe sein eigentliches Ziel verfehlt hatte, wenn nicht die Mutter dazwischengetreten wäre. Nur zu rasch aehen den Kleinen die Abendstunden herum. Gar bald "ist der Teig bereitet, und Mütterlein stellt ihn vor's Fenster, damit ihn die Engel in die Himmcls- bäckerei bringen können. Draußen aber scheint der Moitd durch's Fenster auf eine beglückte Kinderschar. Klein Hans'l ist noch einmal in später Nachtstunde heimlich aus fernem Bettchen gestiegen und hat sogar zwischen den Sternen die Himmelstür zu erblicken geglaubt, durch die die Englein Herniederstetgen wurden. __

Der lang ersehnte Vorabend des Nik'lausfestes ist endlich angebrochen. Bis zu später Nachmittagsstunde fahren die Kleinen Schlitten. Hurtig geht's den Berg­rücken hinunter ins halbe Städtchen hinein. Allmählich aber wird's immer über auf den Straßen. Unsere heben Kleinen sind bei den Eltern im warmen Stübchen. Mütterlein hat sie allein gelassen, da sie noch viel dem Nikolaus zu helfen hat. Im dämmerigen Zimmer sitzen die Kleinen um den Ofen, der mit seinen roten Glutaugen ganz furchtbar dreinschaut. Die älteren Geschwlster er­zählen vom hl. Bischof. Mll geteilter Stimmung, mit Freude sowohl als auch mit Bangigkeit, harren sie seiner; denn manchem fällt wegen seines Ungehorsams das Herz in die Schuhe. Auf einmal ertönt eine dumpfe Glucke. Sankt Nikolaus steht vor der Stubeniüre, den K: echt Ruprecht, der ganz furchtbar seine schwarze Zunge^her- misstteckt, führt der hl. Mann an der Kette. Zwar .luchten die Klemen unter der Mutter Schürze; doch dies alles hilft nichts. Knecht Ruprecht tut schon tein möglichstes mit seiner Rute. Auch Sankt Nikolaus droht mit ernster Miene, läßt sich Gebete hersagen und »er. teilt Geschenke. Aepfel, Nüsse, warme Mutzen und dicke, kräftige Halstücher Welche Freude für die Kinder! Sie können sich gar nicht von den Geschenken trennen. Als Sankt Niklaus schon längst seinen Weg zum Nachbar genommen hat, betrachten sie noch immer all die schönen Dinge. 9tur mit Mühe gelingt es der Mutter, sie zu Bette zu bringen. Auch da wachen sie noch lange Zeit, bis es schließlich doch Sandmännchen gelingt, Müdigkeit in die kleinen Aeuglein zu streuen. Ein Neu-Deutscher.

Helmut hatte wieder einen Brief von dem Hausarzt der Schwester bekommen. Er war eben so kurz als der erste. *

Die Hoffnung, daß Ihnen Ihre Schwester bald selbst antworten könne, war trügerisch. Es ist noch dasselbe mit ihr. Inzwischen habe ich auch von Ihrem Mißgeschick gehört und bedauere es um Ihretwillen sehr' Man spricht hier viel von Ihnen. Schon seit einem Jahr. Hoffentlich erfährt Ihre Schwester nicht Ihr Unglück. Sie freut sich, daß es Ihnen _gui geht. Nächstens ausführlicher Bericht. Dr. Schal," Helmut empfand plötzlich Sehnsucht nach seinem Ba- terstädtchen. 3n all den Jahren des Hastens und Rin­gens war er nicht dazu gekommen, an die Heimat zu denken. Rasend schnell in gleichmäßigem Rhychmus waren die Tage dahingegangen. Er war zu keiner rech­ten Lebensfreude dabei gekommen.

" Der Dämon Ehrgeiz hatte sich feiner bemächtigt und I ihn getrieben, daß er alles andere sonst verzag; kaum daß er damals noch den Weg zu Elisabeths Herzen sand

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Es geht dir viel im Leben anders aus als anderen ] auch, wieso Sie ihn kennen?" , Srauen" gestern gezeigt haben, Herr Richter!

18] ----------

Verlassen Sie sich darauf! Ich dachte sofort daran, als ich von seinem Unglück erfuhr. Letzten Eirdes bin ich ja selbst mit Schuld daran. Ich half ihm, so schnell wie möglich Berlin zu erreichen und dann nach dem Zirkus zu kommen! Es war eine furchtbare Hetzjagd. Er wird ganz aufgeregt angekommen sein! Dadurch ge- chah dann das Unglück."

Elisabeth sah ihn erstaunt an. «Wie könnten Sie irgendwelche Schuld tragen! Es war ein unglücklicher Zufall, daß gerade Sie mit ihm zusammen zurückfuhren!"

Stenay ließ sich nicht beirren. Er beharrte:Und doch trage ich einen Teil der Schuld. Ich hätte ihn in Saßnitz zuruckhalten sollen. Er war schon da krank; aber ich half ihm, Berlin noch zu seinem Auftreten zu erreichen!"

Sie gingen langsam die Wege zurück. Elisabeth hatte nur noch kurz gebeten, daß er sich keine Vorwürfe ma­chen möge, dann sprachen sie von anderen Dingen.

Als sie mit der Stadtbahn nach Berlin zurückfuhren, kam Stenay wieder auf die Geschäftsgründung zu spre­chen. Elisabeth verstand aber das meiste nicht recht. Sie mußte sich darum einiges wiederholt erklären lassen. Dann faßte sie aber alles um so leichter auf. Als sie sich trennten, versprach Stenay« ihr schriftlich alles noch einmal ausführlicher auseinandersetzen zu wollen.

Etwas leichter ums Herz, schritt Elisabeth zu ihrer Wohnung. Ein Ausweg war gefunden. Das dichte, be­ängstigende Dunkel, das sie fett einigen Tagen umgab, war gewichen! Sie hoffte wieder! 2n Gedanken hatte sie sich bereits wieder mit der Absicht vertraut gemacht, als Sängerin oder Tänzerin auf die Bühne zu gehen. Sie empfand es plötzlich, ab sie einsah, daß es mcht nötig war, umso freudiger. Dem Leben der Hast hatte sie endgültig den Rücken gekehrt.

Als sie an einer Anschlagsäule vorüberschritt, fiel ihr Blick Plötzlich auf ein grelles Plakat vom Zirkus Buschs .Auftreten des wellberühntten Radkünstlers Mogens. Bitter lächelnd wandte sie sich ab. Das war der Lauf der Welt. Helmut Brandow war vergessen hmabge- tmicht in die Vergangenheit. Ein anderer war an ferne Stelle getreten derselbe, den er vor kurzem geschla­gen Seinen Namen kannte kaum noch jemanb, obwohl er noch vor kaum Zwei Wochen der gefeiertste und be­rühmteste Künstler der Reichshauptstadt gewesen war

Helmut Brandows Namen war ausgeloscht . . . Der bleiche Mann, der draußen in der Grünewald- Klinik der Genesung entgegenging, hieß wie früher, als er noch nicht bekannt und berühmt war. Helmut Brand __ Schlicht und einfachUnd er wurde nun immer so

und sie sich errang. Er grübelte mel m den la, gen Stunden tn der Klinik. Es ging ihm vieles durch oen Kopf. Er dachte nüchrerner über alles.

Als ihm der Arzt eines Tages vorsichtig sagte, daß das Dein steif bleiben werde, da war nur ein stuchugec Schatten über fein Gesicht gehuscht. Er fanb sich mw dieser unabänderlichen Tatsache ab. Als Stenay nach einigen Wochen weder in Berlin weilte, besuchte er Helmut wieder. Da spracken sie auch von der Zukunst. Stenay erzählte ihm, daß Elisabeth bereits alles mit ihm besprochen habe.

Helmut- Augen leuchteten auf:Sie ist ein liebes, gutes Geschöpf!"

Stenay nickte und sagte freundlich:Sie ist es.

Da kam sie. Sic trug ein weißes Kleid. Ein Früh- . lingskleid. Es war Frühling geworden. Erstaunt sah Helmut auf und blickte sehnsüchtig nach den Fenstern, die nur einen Ll'ck auf die rückwärtigen, grauen Hävser- nifaben gestatteten.

Leise sagte Elisabeth:Es ist Frühling, Helmut, -iun wirst du bald das Bett verlassen können! Der Arzt jagte es mir eben!" ,

Ja, Elisabeth! Und bann reisen wir. Sobald ich kann. Fort von Berlin!"

Stenay hatte einige Schriftstücke in der Tasche. Er fragte, ob man über bas Geschäftliche reben möge.

Gewiß, gern, Herr Stenay!" bejahte Helmut.^

Ei, saßen lange und besprachen die Zukunft. Stenay war ein umsichtiger Gefchüft-mami und hatte alles gut vorb Man stimmte ihm in allen Punkten zu. Sie io iben alles, was er ungeordnet und ausgerechnet hatte, gut.

Als sich Stenay verabschiedet hatte, sagte Helmut zärtlich zu Elisabeth:Nun brauchen wir nicht um die Zukunft zu bangen, Elisabeth! Wenn es dir recht ist, lassen wir uns noch hier in Berlin trauen und das, sobald ich gehen kann, damit wir nach unserem neuen Wohnort als ordentliche Eheleute kommen!"

Elisabeth nickte stilmm und sah ihm glückselig in die

Augen. _________,

Cs war ein warmer, sonnenklarer Frühlingstag, als Helmut das erstemal das Zimmer verlieh. Er ging an einem Stock und Elisabeth begleitete ihn. Mit Behagen sog er die frische, klare Frühlingsluft ein. Er wurde gesprächiger und fröhlicher, als er es in letzter Zeit war. Sehnsüchtig langte er wieder nach dem Leben. Er schmiedete bereits Zukunstspläne.

Ein nettes Städtchen suchen wir uns, Elisaveth! In Thüringen ober im Harz Das Geschäft bars nicht groß sein. "Nur baß ich Beschäftigung unb Befriedigung barin finbe!"

Elisabeth sagte lebhaft:Ich habe auch schon an ben Harz gedacht. Den kennen wir und schätzen ihn. Da werden wir gewiß recht glücklich!"

Zärtlich sah Helmut zu ihr auf.Also ben Harz, Elisabeth!"

3a, Helmut, Thüringen ist meine Heimat! Die erin­nert mich bann nur immer baran, daß die, bie ich meine Angehörigen einst nannte, nicht weit sind!"

Helmut verstanb sie unb sagte leise:Möchtest du sie nicht wiederiehen? Vielleicht wird doch noch einmal alles gut!"

Nein, Helmut, das wird niemals wieder gut! Man vergibt der Stabtratstochter nicht» daß sie als Tänzerin zur Bühne ging!' >

Du bist es nicht mehr, Elisabeth!"

Aber was gewesen tft, läßt sich nicht auslöschen! Ich bin es gewesen! Daran denken sie nur! Das vsr-

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Daher. Richter:Kennen Sie den Knüppel, den> hier in der Hand habe?" Angeklagter:Nein." Richter:Ihr Leugnen ist ja unerhört!" (zum Schutz­mann):Führen Sie den Mann wieder in seine Zelle!" Am nächsten Tage steht der Angeklagte wieder vor dem Richter.Kennen Sie den Knüppel, den ich hier in der Hand habe?"Jawohl, Herr Richter!" Sehen Sie, jetzt kennen Sie ihn. Nun sagen Sie mir

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