Einzelbild herunterladen
 

Bettzeuge in verschiedenen Mustern

Ein großer Posten Herrenhemden aus bestem

Stück

Hemdentuch

Größte Auswahl in Kleider- u. Blusenstoffen

tBreiSIagen

Teilzahlungen gestattet.

Besichtigung der Ware ohne Kaufzwang

0.85

0.75

0.75

0.88 1.25 1.45 1.65 0.65

0.75 1.35 1.75

Zephir und Perkal Normal-Unterhosen Damen-Hemden .

gestreiftem Hemdenflanell Blusensamt in allen Farben Weiße Kopfkiffen, gebogt .

3.75

3.50

1.85

in allen

Doppelbreite Bettkattune Handtuchstoffe .... Velour........

Gestreifte Moire für Unterröcke.....

Hemden- und Blusenflanell........

------------ Mengenabgabe vorbehalten

von 0.68 an . . . 1.90

von 1.65 an

. . . 2.25 . . . 1.05 . . . 2.10 . . . 1.25 von 0.55 an

ftrat, der feine

160 cm Linon, prima Qualität.

80 Haustuch, schwere Ware

Große posten Baumwollwaren

zu staunend billigen Preisen.

WWW Ulet eist Je« M 8kW ist stilest Mel« Ist» WM tzkMesktzln Reife« W.

Gebrüder Rapp, Löherstraße 22

§ ulbaer Zeitung

Berliner Brief.

Es ist nicht ganz einfach über Berlin zu schreiben, wenn man es genau erst vier Wochen kennt. Soll man berichten von den neuesten Filmproduktionen, dem Box­kamps Körner-Cook, dem modernsten Operettenschlager oder den noch viel moderneren Revuen (Noch und noch", Das hat die Welt noch nicht gesehen",An olle"), den letzten Trabrennen oder dem Wochenprogramm der Scala"? Oder von Opern und Theatern, wo man sich alles auswühlen kann vomParcifal" bis herab zum Haarigen Affen" des Herrn . O'Neill? Das würde aber schon in das Fach der Kritiker schlagen, die dazu be­rufen sind; allerdings steht es auch geschrieben: Biele sind berufen, wenige aber auserwählt!

Aber lasse man das und schaue sich Berlin erst einmal mit Augen an, denen alles noch fremd ist und die in einem Kopf sitzen, der sich über die oben genannten Dinge noch nicht zu zerbrechen braucht. So gesehen ist Berlin ein großes Neben- und Durcheinander. Neben- einander, soweit es sich um Gebäude und Straßen han- dell. Durcheinander aber geht alles, was irgendwie kreucht und fleucht.

Wenig zu sagen ist eigentlich von den großen Ge- bäuden, denn sie sind einem schon durch ungezählte Ab- b-ldungen und Postkarten bekannt. Ausgefallen ist mir nur die Farbe, die allen gemeinsam ist: ein anscheinend traditionelles, aber säst schmutzig wirkendes Grau in Grau, das sonderbar unterbrochen wird durch die grünen Kupferiürme und -kuppeln. Auch die Straßen sehen sich ähnlich, alle find kilometerlang, breit und kreuzen sich meistens im rechten Winkel.

Nun aber das Durcheinander, das auf diesen Straßen und Plätzen flutet, kreist, wirbelt, rollt, klingelt und hupt, worauf der Berliner in allen Tonarten schimpft und heimlich doch es läßt sich nicht leugnen stolz ilt, mit einem Wort: der Verkehr. Es ist eine Tragikomödie, denn um ihn zu bewältigen, stellte man immer mehr und vervollkommnete Verkehrsmittel auf, bis man so weit kam. daß die meisten Verkehrsmittel setzt schon fast Verkehrshindernisse darstellen. Das kommt hauptsächlich daher, daß der Verkehr sich nicht gleichmäßig verteill, sondern einzelne große und gerade- kmrchgeyende Straßen bevorzugt, sodaß dort Autos, Motorräder, Pferdedrofchken, Radfahrer und die für Fuldaer Augen ungewohnten Geschäfts-Dreiräder in langen Ketten mit höchstens drei Metern Abstand sich zusammendrängen zu einem Strom, der gleichmäßig fortfließt bis zur nächsten Kreuzung, wo der SclMtz- mann steht, der ragende Fels, der es allein fertig bringt, diese« Strom zu hemmen. Er steht dauernd in Winker- Bettung, sodaß ihm wohl nach dem Dienst die Arme ziemlich weh tun muffen, gibt einmal die Straße, dann die Querstraße frei und ist außerdem das lebendige Aus- kimstsnüro für jeden Passanten. Aber der Verkehr er­füllt auch noch eine andere wichtige Aufgabe; er ist das Objekt, das unerschöpfliche Thema, das sämttiche Ber- imer Witzblätter beschäftigt. Es gibt kaum eine Num­mer, wo nicht der Schupomann vom Potsdamer Platz abgebildet ,ft auf der Kanzel neben dem halbfertigen Verkehrskurm, bewaffnet nut crem Tutehorn und y!iu.r einer Mauer von Fahrzeugen jeglicher Art, denen er bauernd das Haltesignal vo> bläst; ober die Dame, die feit gestern vormittag den Fahrdamm überfchreiten will mb nun vor Gilrhöiüiing in Ohnmacht gefallen ist; ober die überfüllte E'.ektrifii-e, wo sich um einen Platz auf dem Trittbrett an jeder Haltestelle erbitterte Nahkämpfe entwickeln. Wie stark der Verkehr ist, zeigt schön die Oberfläche der typischen Autostraßen, z. B. Charlotten- burger Chaussee und Kurfürster-damm: sie ist so glatt geschliffen, daß die Bäuwe und die Laternenpfähle sich darin spiegeln und man von den vorübergleitenden Wagen nichts mehr hört, als ein eigentümliches Singen der Gummireifen. Selbstverständlich bleiben diese Ver­hältnisse nicht ohne psychologische Folgen für den Ber- (iner und es hat sich ein ganz eigenerDerkehrston" ge- bildet, der bei der ohnehin hervorragenden Mundfertig­keit des Spreeathcners durchaus moderne Redewendun­gen hervorbringt. Nur ein Beifpiel aus einem solchen Dialog zwischen einem Droschkenkutscher und einem Trambahnsuhrer: Ick trete Dir in den Bahnhof, daß Dich sämmtliche Iesichisziege entgleisen. Du oller Kurbel- bänbiger Du! Ober zwei Berliner Jungen geraten in Differenzen; da fährt der Finger des einen an den Ge­sichtserker. verschließt die rechte Oeffnung, während sich in ber anderen hörbar eine vernichtende Explosion vor» bereitet und dazu kommt aus dem drunter liegenden Gehege der Zähne das geflügelte Wort: Mensch, geh wea, ick verbrüh Dir!

Ueberhaupt. die Nase des Berliners fühlt sich beletbtgt durch die Ausdünstungen des Verkehrs und der Magi-

Zur Unterhaltung.

Luft zu stecken verpflichtet ist, hat sich bereits mit dem naturw issenschastlichen Institut der Friedrich-Wilhelm- Umversitäi in Verbindung gesetzt, wie der zunehmenden Verschlechterung ber Berliner Lust zu begegnen sei. Das ist natürlich wieder ein dankbares Objekt, auf das sich bL Witzblätter mit Vehemenz stürzen. Eines dieser poetischen Erzeugnisse fing so an:

Verschlechtert hat sich bie Berliner Luft, Die fchlimmsten Gase werden ausgepufft;

Dagegeck wurde lange nichts getan, Krümmt sich vor Wehmut auch Dein Riechorgan!

Besonders die letzte Zeile wird mit ihrer anschaulichen Plastik einen tiefen Eindruck nicht verfehlen.---

ilnb mitten in diesem sinnverwirrenden Hasten und Treiben gibt cs auch katholische Kirchen, Kapellen, gibt es Klöster und ein katholisches Leben, bas zwar äußer­lich überhaupt nicht in Erscheinung tritt, aber in seinem Rahmen viel, sogar sehr viel bietet. Einen ganz eigen­tümlichen Eindruck hat man, wenn man zum ersten Mal in ein Berliner Kloster kommt, nicht etwa, weil sie ver­schieben finb von anberen Klostern, sonbern weil sie in einem so starken Kontrast stehen zu ihrer nächsten Nach­barschaft. Ich denke hier an das Dolninikanerstist in der Karlstrahe in nächster Nähe der Friedrichstraße, ebendort ist auch ber Mittelpunkt der kaihol. Studentenfürsorge. Acußerlich sieht man eigentlich überhaupt nichts, die Fas­sade sticht in nichts ab von der Umgebung, die Elektrische klingelt, Autos rasen vorbei, da geht man durch ein zwei Türen und ist mitten in einem stillen, kühlen halbdunklen Klostergang und Bruder Pförtner in weißem Habit fragt nach dem Begehr, sodaß man im ersten Ailgenblick zweifelt, ob man überhaupt noch in Berlin ist. Auch die Berliner Kirchen und Kapellen wirken innen sehr stimmungsvoll und beim Gottesdienst ver­mißt man nie gute ober sogar erstklassige Kirchenmusik. Zweimal im Monat spricht bort auch Prof. Guarbini zu ben kath. Akademikern. Dieser Führer ber katholischen Jugend zum ersten Mal sprechen zu hören, ist wirklich ein beinahe hätte ich geschrieben Erlebnis. Guarbini, ber als Gast an ber Berliner Universität Vorlesungen über katholische Weltanschauung hält und dessen Vorträge auch von Andersdenkenden stark besucht werden, sprach überdas Wesen der Betrachtung (Meditation); um nun zu wissen, w i e Guarbini spricht, muß man ihn selbst ge­hört haben. Er bringt die schwierigsten imb aktuellsten Probleme in einer so genial-einfachen Form, daß man glaubt, gewöhnliche Binsenwahrheiten zu hören, auf die man eigentlich selbst hätte kommen müssen. Aber auch in solchen Stunden läßt das Großstadtleben ben Men­schen nicht los: Eben hat Guarbini noch gerade von raum- und zeitlosen Dingen gesprochen, da schaut er auf bie Uhr, bricht den Vortrag sehr kurz ab unb entfernt sich eilenbs, beim es ist höchste Zeit, wenn er noch ben Zug nach seinem Wohnort Potsdam erreichen will.

Ja, Potsdam, bas haben wir besucht an einem klaren Novembertag. Es ist in ruhiges Nest, kaum baß eine Elektrische fährt, und da merkt man erst, wie weit man sich bereits an den Graßstabtbetrieb gewöhnt hat. Man Höri nämlich nach einiger Gewöhnung ben Straßenlärm überhaupt nicht mehr, genau fo wie das Ticken ber Zimmeruhr; unb wie man erst beim Stehenbleiben der Uhr merkt, daß sie gellckt hat, so vermißt man nun un­willkürlich bie gewohnten Geräusche. Auch die Häuser passen in diese Ruhe, sind einfach, nicht groß unb haben alle so etwas Gradlinig-Preußisches an sich. Man kann sich gut Dorftettcn, baß es früher einmal hier fast nur Solbaten gegeben hat.

Im Park vom Sans-souci hingen noch bie letzten rost­braunen Blätter an ben Bäumen, bie steinernen Götter- unb Heldenfiguren des Rokoko freuten sich an den letzten müden Sonnenstrahlen und in dieser melancholisch ange­hauchten Stimmung lag dasNeue Palais" von ben Berliner Schlössern unterschieden schon durch feine leb­haft rosarote Farbe; bann bie Treppen heraus zur weit- läufigen Orangerie, unb schließlich taucht hinter ben nach französischer Art verschnittenen Hecken bie historische Winbmühle auf unb daneben Sans-souci! Klein, einstöckig, zierlich, mit einem Säulenrondell unb vorn bie berühmten Terrassen mit einem wundervollen Blick auf ben Park unb bie Kirchtürme von Potsdam, deren Glocken­spiel leise bis hier herüber klingt. Das war ber Liblingssitz desAlten Fritz"; man schaut, ob nicht noch irgendwo eine Schildwache mit der hohen Zipfelmütze steht unb bas laute Sprechen dämpft sich um einige Grade.

Das Schloß selbst ist noch unverändert, aber in näch­ster Nähe knattern auf ber großen Straße schon mieber Motorräder unb Autobusse unb auch in ber Windmühle, deren ehemaliger Eigentümer ein so großes Vertrauen auf bie Herren Juristen setzte (3t y a des juges a Ber- linl't. iit. fo härte ich. nun ein durchaus modernes Kaffee.

Wenn man dann Glück hat, ist man nach eineinhalb- stünbiger Fahrt, tells mit ber Vorort-, teils mit ber Sira- henbahn wieder zu Haufe angelangt.

Zweierlei steht uns bevor: die Wahl unb Weihnach­ten. Das letztere merkt man bereits an den großen Kaufläden, die ganze Schaufenster hierauf eingestellt haben unb innen riesige Weihnachtsausstellungen aufge­baut haben für große unb kleine Kinder. Die kommende Wahl aber macht' sich bis jetzt nur durch die Plakate an dn Litfaßsäulen bemerkbar, während ber Massenangriff auf bas Publikum mit Flugblättern anscheinend auf die letzten Tage beschränkt wird. Doch sieht man auch, daß einzelne Parteien es sich auch Geld kosten lassen; so hat die Deutsche Volkspartei an einem Samstag dasGroße Schauspielhaus" vollständig in Beschlag genommen für einen Abend unter der Devise schwarz-weiß-rvt mit Ge­sang, Musik, freiem Eintritt und einer Rede des Herrn Strefemann.

Wenn das nicht zieht? Die Wahlstimmung scheint hier wenig erregt zu werden, wenigstens habe ich bis jetzt noch keinen einzigen Menschen gesehen, der in ber Bahn ober der Elektrischen auch nur von der Wahl gesprochen hätte. Man ist ruhiger geworden und läßt die Ereignisse, auch die politischen, erst mal an sich rantommen.

Ueberhaupt, der Berliner ist gemütlicher, als man sich das sonst vorstelii; unb wenn er auch im Geschäft ober Betrieb ober auf der Straße dem Fremden gegenüber weniger freundlich ist, dazu hat man gar keine Zeit so will er zuhause seine Ruhe haben. Man findet, wenn man in einer Berliner Familie, zumal in einer katho­lischen, eingeführt ist, eine ungemein herzliche Aufnahme. Und daß es hier Raub, Mord und Diebstahl gibt, habe ich bisher ebenso wie die täglichen vier Verkehrsunfälle nur aus ber Zeitung erfahren. Hoffentlich bleibt es auch dabci!

Noch etwas: lieber Leier, weißt Du, wasKnorke ist? buchstabiert: Karl, Nathan, Otto, Robert, Karl, Emil? Das ist das Schlagwort der Saison. Heber seinen Ursprung durste selbst der gewiegteste Sprachforscher im Unklaren sein unb sein Bedeutung ist bie ber unbebingten Anerkennung unb Zustimmung, wie man früher mal gesagt hätte: Donnerwetter, tabellos! Aber, wenn Du Dir die neueste Operette ansiehst und es kommt ein Bühnen­bild, dessen Ausstattung nicht mehr zu überbieten ist, ober Du sitzest bei Drossel unb es kommt eine fabelhaft elegante Dame herein ge- nicht geschwebt, sondern ge­trippelt, denn zum Schweben sind bie Röcke viel zu eng, bann sagst Du nur: Knorke! Und wenn Du dazu den einzig richtigen, unwiderleglichen Ton findest, und die stilvoll passende Handbewegung, halb Cäsarengeste, halb ein rechter Schwinger ä la Breitensträter, bann, ja bann bist Du schon ein richtiger Berliner geworben. R. D.

Neue amerikanische Erzähler.

Wie kaum in anderen Ländern ist der prakmche amerikanische Sinn stets darauf bedacht, wissenschaftliche Erkenntnisse sofrt der Wirklichkeit dienstbar zu machen. Auch die Künste sind diesem Grundsätze unterworfen, die Architektur in erster Linie ist ein Beispiel dafür und hat den Zweckmäßigkeitsgedanken zu höchster Vollendung gebracht. So ist ein typischer Stil geschassen worden, der treffenden Ausdruck im amerikanischen Hotclbau findet. Die bildende Kunst wird so dem Zwecke unter­tan, hat lediglich Bedeutung in dekorativem Sinne unb entäußert sich damit ihrerBestimmung selbstänbig zu sein.

Auch die Literatur ist nicht frei von diesen Einflüssen. Die Mehrzahl der Produktton bringt als inhaltliches Leitmotiv den Macht- und Besitzgedanken, ber sich auf allerlei Wege, durch Auge geschäftliche Manipulation, durch Abenteuer, durch Heldentum verwirklicht. Alle Literatur, die das Unwahrscheinliche, das nicht ganz Alltägliche behandelt, faßt ber Amerikaner mit dem Wort fidion" (Einbildung) zusammen. Unter diesen -Sam­melnamen, fällt auch alles romantische. Sonderbar ge­nug, bah 'gerade die als nüchtern verschrieenen Ameri­kaner gerne nach solchen Büchern greifen.Romance" ist ihnen etwas anderes, als unsere Romantik im Eichen- dorff'schen Sinne. Der Amerikaner begreift unter Ro­mantik Abenteuer zur See, in tropischen Zonen, in den Urwäldern von Cannons ber Heimat, wobei natürlich eine süße Liebesgeschichte nicht fehlen darf. Aus bieiem Gebiete tummelt sich eilt großer Teil ber Autoren als echte Kinder ihres Heimatbobens, dessen Weite und Na­tur reichste Anregung bietet, unb als echte Geschäfts­leute, die ihr Pnblckum kennen. Der amerikanische Er­zähler bindet seine Phantasie zumeist in die Form der short story" (kurze Geschichte"), eine beliebte, vom Herausgeber gewünschte Form, treu dem Grundsatz: viel Inhalt mit möglichst wenig Worten zu geben. Daß

s

es. 1

80

C5

130

= 8

T* tn

140

160

L ö 5

80

«M» 'S

100

s 5

130

cs» §

140

ö

äs

i Nr. 282 vom 4. Der. 1924. ;

daneben auch der Roman, welcher Art er auch sei, zu seinem Recht kommt, ist wohl selbstverständlich.

Romamik im deutschen Sinne, wie sie der geniale dem heutigen Geschmack so viel gebende Edgar Allan Poe, der amerikanische C. T. 21. Hoffmann schuf, kennt die neue amerikanische Literatur nicht mehr. Poe wurzelte schließlich zu sehr im kontinentalen Emp­finden seiner Zeit, hatte nicht die typische amerikont'che Eigenart, wie sie sich erst in der letzten Hälfte des ver­gangenen Jahrhunderts entwickelte. Aus dieser ragen als bedeutsame Erscheinungen einer spezifisch amerikani­schen Literatur Mark Twain und Bret Harte her­vor, die Leitsterne unb Wegebereiter heutiger Autoren wurden. Man darf die beiden als die Schöpfer der short story bezeichnen.

Beide sind unserer lebenden älteren Generation wohlbekannt unb gute Freunde. Sie haben es als erste verstanden, den Zauber Amerikas, bas unberührte Ge­biet des Westens, das sonnige Kalifornien, den gewal­tigsten Strom ber Union, ben Mississippi, anfzuschlletzen. Bret Harte war der Verkünder einer Wlrkltchkeitsroman- it, seine knorrigen Figuren leben, sind die Kinder der Savannen, der dunklen Wälder und schweigenden Schluchten des Felsengebirges. Er und der erstgenannte Humorist schöpsten aus ber ungeheuren Fülle der Er- scheinungen ihrer Epoche, wo der Mensch noch Pron.er war unb im schwelen Kampf mit den Elementen Jtane. Diese Zeiten sind vergangen, milder wurden die 2«. bensbebingungen. Ader noch immer bietet das werte Reich den Nährboden ber Romantik ber Gegenwart. Groß ist bie Zahl, die aus ihm Stoff und Kraft ziehen.

Die amerikanischen Wochen- ober Monatsschriften zeugen davon. Bedeutende wieSaturday Eoening Post",The American" usw. bringen in ihren vorzüglich redigierten Feuilletons mit ben bedeutendsten Autoren als Mitarbeiter oft hervorragende Erzählungen, die ihren Weg leider wenig zu uns finden. Langatmige Romane find kaum anzutreffen. Fünf bis sechs Foltsetzungen sind das Höchstmaß. fDleifter der kurzen Novelle sind: Hergesheimer, Sewcll Ford, der aus der Weit des Films feine Stoffe schöpft, G. A. Chamberlain, der m feinem prächtigen RomanThe Gantern on the Plow" den auf­reibenden Kampf zweier Menschen gegen wirtschaflliche Widrigkeikten malt. Ben Ames Williams, setnsNovelle The Plues" die bas Werden eines Träumers zum Mann im Ringen um ein paar alte Kiefern, das Traum­land seiner Lugend, schildert, ist in ihrer zarten Verhal­tenheit dem deutschen Geschmack besonders nahekommend, unb schließlich Roland Pertwee, der beißende Satiri­ker, ber seine Leser mit einer allerliebsten Robinsonade a Southfea Bubble" erfreute. Blauer Südfeehimmel leuchtet über einem Schiff, dessen Bewohner auszogen als moderne Argonauten, um einen Schatz zu suchen, und schließlich nach allerlei Wirrnissen zu finden, was ihnen frommt. Die Sprache ist von kristallklarer Reinheit, bestes, modernes Englisch. Vorkomnienbeslang"-Worte. sind Sprachgewohnheiten und Wendungen, die sich un­ausrottbar einnisteten unb deren Zahl Legion ist. Der englisch-amerikanische Novellist kann nicht mehr auf sie verzichten. Von ihnen besonders stark durchsetzt, tn das Gebiet des Dialekts übergehend, find Cohen's amüsante Erzählungen aus dem Negerleben, die oft köstliche Pro- ben von der Denk- und Handelswelse dieser gelungener Kerle geben.

Eine der bedeutendsten Erscheinungen der neueren amerikanischen Literatur ist Joseph Conrad, von Ge­burt Europäer, der ein Leben des Abenteuers und bit­terer Erfahrungen durchlitt, die sich in seinen vorzüg­lichen Romanen widerspiegeln. Ost bildet die mitteid­lose, reale Tropenschilderung den großgezeichneten Hin­tergrund für seine Gestalten, die sich quälen und eine Dumpfheit, Trübe des Gefühls tragen,, wie wir sie im Leben begegnen, fern von aller gefühlsseligen Helden­haftigkeit, die man häufig antrifft, ein Erbübel angel­sächsischer erzählender Literatur, deren typischster Ver­treter Burroughs'Tarzan" ist. Conrads Romane sind bet Tauchnitz in Leipzig erschienen.

Genannt sei noch neben dem obenerwähnten elegant- flüssigen Hergesheilner ber vorzügliche Kenner der Süd­see, moderner Abenteuer, Jack London, eine aner­kannte Größe, dessen Werke auch bei uns feit längeren Jahren sich eingebürgert haben, und der in feiner wahr­haft männlichen Gestaltungskraft, durch seins Einfühlung iii die Natur sich mit Recht als echter Künstler und Mei- fier realistischer amerikanischer Erzählerkunst präsentiert

R. W.-M.

L Tabletten

Sei Nullen, Heiserkeit, Katarrh