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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Julda.

* 51. Zahrg.

Donnerstag, 4. Derember -924

Nr. 2S2

3et SM-eiGW WWmlW unterjeidjnet

SergarbeiterstreiK im Elfatz.

wtb patis, 3. Dez. (Tel.) Wie dempetil parificn aus Mühlhausen gemeldet wird, haben die Gewerkschaften der Kohlenbergwerke für Mittwoch vormittag fürdieVergwerkedesPezrrks Oberrhein den Streik angekündlgk, da die Verhandlungen über die Lohnerhöhungen ge­scheitert sind.___________

Der Ucmzler in Hagen.

wtb Hagen, 3. Dez. (Tel.) In einer Wahl­versammlung der Zentrumsparlei führte Reichs­kanzler Marx u. a. aus: Es ist unrichtig, wenn von gewisser Seite immer der Vorwurf erhoben wird in der Weimarer Verfassung würden die kul­turpolitischen und kirchlichen Interessen vernachlässigt. Die Weimarer Verfassung stützt diese Interessen weit mehr als die frühere Verfassung: sie enthüll Be­stimmungen über den Schutz des Gewissens, der Religionsfreih-ik, der Feiertage, dec Ehe, dec Fa­milie. des Erziehungsrechtes und des Religions­unterrichts, die weit günstiger sind als die ehemali­gen. Gewiß, das Wort »Gott" kommt in der Wei­marer Verfasiung nicht vor, ist es aber in der alten Verfassung genannt gewesen, wenn man von der Stelle:BJit Wilhelm von Gottes Gnaden" ab­sieht? Kommt in dem Sah:Eigentum ver­pflichtet und Gebrauch fall zugleich Dienst sein am allgemeinen Besten" nicht eine eminent christliche Idee zum Ausdruck? Wo ist dergleichen in der allen Vec- fafiung zu finden gewesen?

Es ist leicht, heute die Parteien zu kritisieren, die im Iahre 1919 in des Reiches schwerster Rot diese Verfassung schufen. Die Kritiker von heute lehnten es damals ab, positiv an der Wie­derherstellung der Ordnung in Deutschland milzn- wirken. Ihre Schuld ist es gewesen, wenn die B e- stimmungen über die Schule nicht ganz so ausgefallen sind, wie wir es wünschten. Das Zen­trum legt Werl darauf, daß die Schüler von Lehrern ihres Bekenntnisses im Geiste ihres Bekenntnisses unterrichtet werden, eine Forderung, die die Deutsch- nationalen sich in dieser Klarheit bis heule noch nicht zu eigen gemacht haben.

allen .die die Funktionen des Wirtschaftskorpcrs tn ihren Zusammenhängen betrachten und beurteilen wollen, aufmerksam in allen ihren Regungen Er­folgt werden. _________________

Aufsehenerregende Wendung in der Mordsache in ksaiger.

(Siehe zweite Seite).

Verantwortlich iür die Schriitleitung: Dr- Jobanner Kramer- Ameisen: I. P arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer SSdicrirrdtrei in Fulda. Fernlvrecher Rr- 9- Monatlicher Bsrugsvreis: 1.50 Mk.

Aureigen-Breiic: Kleiazeile (Colonel) lokal O. Goldmart auswärts k),20 Soldmark! Reklamereil« lokal 0.60. Soldmark auswärts 0,80 Goldmark. -

Bei Wiederbolungen Rabatt- Poiticheckkonlo Firankkurt a- M- 4

Das Neueste.

1250 eingeschriebene Briefe gestohlen.

Wtb Jom, 3. Dez. In Turin drangen gestern während der Mittagspause Diebe in das poftami ein und st ahle n, ohne daß der Abteilungsanfteher, der die Aufsicht führte, es merkte, etwa 1 2 50 eia-

\ geschriebene Briefe.

Eine stürmische Ucbersahrt.

utb Vewyork, 3. Dez. (Tel.) Der Ozean j dampserLeviathan" ist mit 24stündiger Ber- spStung nach der stürmischsten Ueber- f al)r_f, die das Schiss se erlebte, hier cingetrosscp Fünfzehn Passagiere sind verletzt.

Krassin in Paris.

wtb Paris, 3. Dez. (Tel) Der russische B o t s ch a f t e r in Paris,Krassin", wird morgen in Paris ankommen, mit ihm nur ein Teil des Botz'chasterpersonals, im ganzen 25 Personen, die ihn begleiten. Zum Botschaftsrat wurde Chiapinikow ernannt, erster Botschaftssekretär wurde Wolme. Leiter der Vresseabteitnng Adossew

Nilland und Sudan.

Wie Reuter aus Kairo meldet, wurden beider Bekanntgabe der Nachricht, daß die ägyptische Re- oieruna auch die andere Hälfte der britiichen ^orve- runaen angenommen habe, im Tewfikta-College v o n 800 Studenten Kundgebungen veranstaltet, wobei von den Demonstranten revolutionäre Ruse ausoestoßen wurden. Die Ernennung Tewstk-Paschas -um Unlerrichtsminister wird als e'.n Anzeichen da- für aufgefaßt, daß das Parlament wahrscheinlich aufgelöst wird, da der neue Minister keiner der beiden Kammern augehört, während sein Vorgänger Vt;>» Präsident des Parlaments war.

Wie Reuter erfährt, ist den letzten Nachrichten zufolge imSudan alles ruhig. Der AbtranS- Port der ägyptischen Truppen schreitet zur Zufrieden, heil fort. *

Das FlugzeugmutterschiffEadle" ist mit grup­pen von Malta nach Port Said in See gegangen.

Halbamtlich wird gemeldet: Die Verhandlungen über einen Handels- u. Schiffahrtsvertrag zwischen Deutschland und Großbritannien wurden am 2. De­zember in London zu Ende geführt. Der Vertrag wurde in Foreiqn Office in London durch den deutschen Botschafter in London und Ministerial­direktor von Schubert für Deutschland sowie dem britischen Staatssekretär für auswärtige Ange­legenheiten und Lord Dabernon für Großbritan­nien unterzeichnet. Der Text des Vertrages wird in Deutschland und England am 5. Dezember vormittags veröffentlicht.

Ferner wird halbamtlich mitgeteilt: Die deutsche und die englische Regierung haben gelegentlich der Handelsvertragsverhondlungen in London verein­bart, daß die praktischen« Möglichkeiten der Einfüh­rung einer anderweitigen Erhebungsme- thöde der 26prozent. Reparations­abgabe, bei den Zahlungen von Seiten der ein­zelnen Kaufleute nicht erforderlich werden, von dec deutschen Regierung mit dem Generalagenten und dem Tcansferkomitee erörtert werden. Wenn eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird wird die britische Regierung, geleitet von dem ernsten Wun­sche, zu einer gegenseitigen Verstände- dung zu kommen, sich bemühen, zu Vereinbarun­gen über eine Aenderung der jetzigen Erhebungsart zu gelangen, die die Einnahmen dec britischen Re­gierung nicht vermindern wird. .

Für das deutsche Wirtschaftsleben ist bte Tat­sache, daß eine Einigung mit England auf handels­politischem Gebiete erzielt worden ,st, ein. großer Vorteil. Ein neuer Erfolg der Regie- runa Marx-Stresemann ist herangereist. Weitere Abschlüsse von Handelsverträgen, vor allem mit Frankreich, Belgien, Italien werden an- qeftrebt. Die deutsche Wirtschaft kann sich auf fester Vertragsgrundlage einrichten. Wenn es iveiter m dieser Richtung vorangehen soll, muß am De­zember der Fortbestand der Regierung Marx- Stresemann gesichert werden. Dec vernuns-

t i g e Staatsbürger kann die Zusammenhänge gar nicht mehr verkennen.

Zu der Unterzeichnung des deutsch-englischen Handelsvertrags bemerken die Berliner Blätter, daß damit Deutschland jetzt mit zwei Groß­mächten, den Vereinigten Staaten und Großbritannien, handelspolitisch einen Zu­stand erreicht hat, der auf dem Grundsatz der all- I gemeinen, uneingeschränkten gegen sei­st gen Meistbegünstigung basiert. Die gegenseitige Meistbegünstigung werde gewährt bezüglich der Zölle, der See- und Küstenschiffahrt, des Nieder- lastungsrechtes fremder Staatsangehöriger, der An­erkennung von Handelsgesellschaften, des Konsu- lawwesens usw. Bemerkenswert ist, dag sich in dem deutsch-englischen Handelsvertrag em Schieds- aerichtsparagraph befindet, demzufolge alle otrei- stqkeiten, die sich bei der Auslegung des Vertrages ergeben könnten, einem Schiedsgericht unter­breitet werden sollen. Der Vertrag gilt für tuns Jahre mit einjähriger Kündigung. In Kraft tritt der Vertrag erst nach der Ratifizierung durch das deutsche und das englische Parlament. Dem Ver­trag ist ein Protokoll beigegeben, in welchem die beiden vertragschließenden Möchte Übereinkommen, unter formaler Wahrung der Meistbegunstrgungs- klausel keine Zollpolitik zu treiben, die für die andere Macht besonders schädlich wäre. Sollte sich dennoch aus bestimmten Zollmaßnahmen em be­sonderer Nachteil für eine der beiden vertragschlie­ßenden Parteien ergeben, so sollen neue Verhand­lungen aufgenommen werden, um derartige Schä­digungen zu beseitigen.

Zur Frage der 26prozentigen Exportabgabe, die bekanntlich nur im Einvernehmen mit dem Gene- rawaenten für die Repaartionszahlungen und dem Transferkomitee geregelt werden kann, bemerken die Blätter, daß man nach den bisherigen Bespre­chungen der deutschen Regierung mit den genann­ten beiden Instanzen des Dawesgutachtens auf eine baldige vertragliche Lösung auch in dieser Frage rechnen könne.

dem Anleihemarkt, aber auch ein Bröckeln der. Kurse.

Daß dieses saft ausschließlich von der Speku­lation beherrschte Marktgebiet in die zweite Reihe nunmehr gedrängt wurde, ist auch ein Zeichen für die langsam wiederkehrende Uebertegung. Bisher war der Aktienmarkt wesentlich ins Hinter­treffen geraten. Man hatte sich auf diesem. Felde so ziemlich der gegenteiligen Stimmung hingegeben wie auf dem Anleihemarkt. Während man bet letzterem Hoffnungen auf immer weiter sich stei­gende spekulative Gewinne nährte, verbreitete man gegenüber den Aktien die Auffaffung, daß sie sa doch keine Rentabilität abwerfen und daß angesichts mancher Kapitalumstellungen auch für lange Zeit eine solche Rentabilität nicht zu erwarten wäre. Auch dieser Pessimismus, war übertrieben. Es ist richtig, daß einige Kapitalumstellungen sehr schroff sind und für den Augenblick die Aktienbesitzer schwer bedrücken. Aber ebenso richtig ist, daß im Laufe einer weiteren Entwicklung die Vorteile aus einer im Augenblick vielleicht etwas allzu vorsich- tigen Disposition sich ergeben werden. Aber dieser nun einmal auf dem Aktienmärkte eingerittene Pessimismus führte dazu, daß nicht nur die schwa­chen Hände die Mittel für die Sicherung ver Exi­stenz brauchten, sondern auch aus Kreisen des Großkapitals und der Groß-Unternehmungen Ma­terial auf den Markt geworfen wurde, iodaß teil­weise eine schroffe Unterwertung der Aktien zu be­obachte,! ist. Es hat sich auch hier das Extrem ge­genüber der Inflationszeit bei tsgebildei. Damals suchte jeder eine Aktie zu erhaschen, um erneu Sachwert sich zu sichern. Nach dem inneren Wert ter Papiere oder gar nach Rentabilitätsaussichten wurde überhaupt nicht gefragt. Nachdem die Mark stabilisiert war, konnte man die Schäden der Jn- I Kation erst allmählich überschauen. Gar bald er­gab sich, wie sehr man Begriff und Wert der Sub- | stanz überspannt und wie wenig man die wirk- | liehen Verluste durch die Inflation in Rechnung gestellt hatte. Nun setzte eine Flucht aus diesen Werten zu jedem Preise ein, und diese Bewegung wurde noch begünstigt durch Mangel an flüssigem Kapital.

In allen diesen Dingen scheint sich nun eine grundsätzliche Wandlung vorzubereiten. Wir beobachten und zwar unter führender Beteili­gung von Banken, die übrigens schon seit geraumer Zeit im stillen die zu niedrigem Kurs an den Markt kommenden Werte an sich gebracht haben, eine neue Aufkaufstätigkeit, und auch dos Publikum selber wird wieder anregungslustiger. Was aber be- I sonders ins Gewicht fällt, das ist die Anteilnahme des Ausl a n desan dieser Kaufbewegung. Das I beweist, daß man die innere Kraft der deutschen I Industrie wie überhaupt der deutschen Wirtschaft, I vor allem aber die Aussichten für Oie künftige Ent­wicklung der deutfchen Produktion im Auslande I durchaus günstig ansieht. Man hält bei den ge­genwärtigen Kursen den Zeitpunkt jür gegeben, j um nicht nur in der Hoffnung auf Kursgewinne, I sondern vor allem auch auf eine gute Rentabilität in Gold sich zu engagieren.

Das olles wird auf die künftige Gestaltung der Börsengeschäfte von außerordentlicher Bedeutung fein. Än den Vorgängen bei der Börse sind nicht nur die unmittelbaren Börsenbesucher interessiert, sondern die Börse als ein wichtiger Faktor unserer Wirtschaft, gewissermaßen als Wictfchafts-Baro- 1 meter muß auch von den Laien, muß jedenfalls von

Die bolschewistischen Weltbrandstifter

Von einem unserer außenpolitischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Die kommunistischen Putsche, die jetzt zu gleicher Zeit in Estland wie in Jugo-Slamen in Szene ge­setzt, aber alsbald mit bewaffneter Gewalt nieder­geschlagen worden, haben wieder einmal ganz deut­lich die Rolle beleuchtet, die die bolschewistischen Weltbrandstifter spielen. Die kommunistische Inter­nationale, mit der in unmittelbarer Verbindung zu stehen, die russische Sowjetregierung allerdings leugnet, geht ganz offensichtlich darauf aus, insbe- fondere auf dem Balkan, dieselben Machenschaf­ten ins Werk zu setzen, die der russische Zarismus und Imperialismus dort als Störer des Friedens Europas und des Friedens der Welt immer wieder beliebte. Nur sind die Methoden, mit der die Bol­schewisten vorgehen, noch viel brutaler unb frivoler, und die Vorgänge in Estland zeigen, daß auch die­ses Gebiet von den Bolschewisten als ein geeigneter Zentralplatz für ihre auf die Weltrevolution ge­richtete Agitation angesehen wird.

Der Putsch in Estland ist heroorgerufen wor­den durch die allerdings grausamen Strafen, die m dem großen Prozeß gegen die estländischen Kom­munisten verhängt worden sind. In diesem Pro­zeß sind die Vläne zur Ausrufung Estlands als Sowjet-Republik entdeckt worden und der Aus­gang des Prozesses ist ganz offensichtlich daraus ab­gestimmt worden, die Kommunistenbewegung unter I allen Umständen niederzuringen. Schon mehrfach I ist von den Kommunisten ein Befreiungsoerfuch ihrer eingekerkerten Führer unternommen worden, dessen Ziel aber immer auf die Ergreifung des Be- | fitzes der Staatsgewalt ging. Nach dem neuesten Fehlschlag dürfte es den Koinmunisten sobald nicht mehr möglich sein, ihre Ziele durchzusetzen. Wieder einmal hat die kommunistische Internationale eine ganze Reihe ihrer Mitglieder ins Verderben gezagt.

I Es gilt aber, die weit über die lokalen Vorgänge I hinaus ragende politische Bedeutung dieser Vorgänge zu erkennen. Daß eine internatio­nale Propaganda zur Vorbereitung

I der Weltrevolution von der kommumst. I Internationale betrieben wird, ist offenbar und wird I auch nur von der Sowjetregierung geleugnet, die I aus bestimmten außenpolitischen Gründen natürlich ein Interesse daran hat, nicht als unmittelbarer

I Förderer solcher Bestrebungen in die Erscheinung zu I treten. Hier liegt ja auch der tiefere Grund des I jetzigen Gegensatzes zwischen Rußland und Eng- I land, nachdem England sich veranlaßt gesehen hat, 1 den mit Macdonald geschlossenen englisch-russischen I Vertrag nicht anzuerkennen, weil es in der Haltung I der russischen Sowjetregierung keine Garantie für eine absolute Abwehr bolschewistischer Propaganda im Ausland sieht. Auch Deutschland war I lange Zeit wohl für eine der bestenZellen" für I die Vorbereitung der Weltrevolution auf der I Grundlage einer vorangegangenen Bolschewisterung I des deutschen Staates und der deutschen Wirtschaft I angesehen worden, aber die Fehlschläge der kom- I munistischen Agitation haben mehr und mehr die- I sen Faktor aus den Berechnungen der russischen I Internationale ausscheiden lassen. Wird es, wie I mir hoffen, beidenWahlenvom7. Dezbr. I zu einer vernichtenden Niederlage der Kommunisten I kommen, dann würde auch der schärfste Schlag I gegen die bolschewistische Weltrevo- I lutionspropaganda von Deutschland aus I geführt werden.

Wissenschaft und Forschung.

I --- Pfarrer Kneipps Nachfolger. SanitStSrat Dr. I Alfred Baunmarten, der Schüler, Nachfolger und Er- I Halter des Werkes der Seilmethode Pfarrer KneipPS, I ,>t in Wörisbofen plötzlich geworben. Von vielen : I Gegnern rmgefeindet, hat er das Kneippsche Unter-

I nehmen zu seiner heutigen internationalen Bedeutung : I geführt.

Ausland.

* Tas Nobelkomitee hat beschloffen, den Frik- I denspreis für 1924 nicht zu verteilen, sondern I den Betrag für das nächste Jahr zuriickzulegen

* Wahlen in der Schweiz. Der Nationalrat in Bern wählte mit 142 von 149 gültigen Stimmen zu seinem neuen Präsidenten den bishengen Vize­präsidenten Dr. Albert Mächler anS St. Gallen. Der Ständerat wählte zu feinem Präsidenten nut allen 36 Stimmen den Vizepräsidenten Andermatt (kalholisch-konst).

Reichseisenbahn

und Londoner Abkommen.

Immer wieder wird in hetzerischen Wahlreden Behauptet, die deutsche Eisenbahn sei durch den Dawesvertrag an das ausländische 5t a p t - I tal verschachert worden. Demgegenüber l dürfte es zweckmäßig fein, einmal daran zu er­innern, daß auch die Regierung Cuno im Mai 1923 in ihrem Reparationsangebot die deutschen Eisen- I bahnen als Reparationsobjekt anbot. Viel in­teressanter aber noch ist es, den seinerzeitigen Plan des Reichsverbandes der deutschen! Industrie auf Ueberführung der Eisenbahn in Privatbesitz der Stellung unserer Reichsbahn nach dem Dawesvertrag gegenüberzustellen.

Der Reichsverband wollte die Eisenbahn ganz I in Privatbesitz überführen. Das Dawesabkommen läßt 85 Prozent des Anlagekapitals in Form der 13 Milliarden Stammaktien in Händen der deut­schen Regierung. Der Reichsverband der Industrie wollte jährlich einen Uederfchuß von einer M i l l i a r d e für die Reparationen aus den Eisen­bahnen herauswirtschaften und beanspruchte dafür uneingeschränktes Eigentums- und Ausbeutungs­recht.

Der Reichsverband beanspruchte T a r i f h o h e it ' ohne Schranken. Das Dawesabkommen läßt dem Reiche nach Aufbringung von 660 Millionen tue Tarifhoheit in weitestem Maße. Die Tarifgestal- tung ist abhängig von der Genehmigung der Reichsregierung. Sie kann Tarifermäßigungen verlangen und ihr Einspruchsrecht ermöglicht ihr, ausländischen Absichten, durch hohe Tarife die deut­sche Wirschaft wettbewerbsunfähig zu machen, ent­gegenzutreten.

Nach dem Plane des Reichsverbandes hätten die Beamten der Eisenbahn ihren Beamtencharakter zum größten Teil verloren. Das Dawesabkommen hat die Möglichkeit gelassen, die Rechte der Beam­ten auftechtzuerhalten.

Im Verwaltungsrat der Reichseisenbahn-Ge­sellschaft ist für die Deutschen die Mehrheit gesichert, fünf von neun Mitgliedern.

Gegenüber der ursprünglichen Fassung des Dawesplanes sind auch hinsichtlich der Effenbahn in London ansehnliche Erfolge errungen worden. Die Schreier, die in Bausch und Bogen das alles als Bagatellen hinstellen wollen, dürften in vielen Fällen das Londoner Abkommen übcrh.upt nicht näher kennen.

Der überwundene Pessimismus.

Don unserem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter.

Die Börsentätiakeit der letzten Tage läßt er­kennen, daß der lange Zeit auf der gesamten Wirt­schaft ruhende, vielfach freilich übertriebene Pessi­mismus zu weichen beginnt. Die Gesundung aus diesem Marktgebiete ist auch darin zu erblicken, daß man wieder sowohl in der Auswahl der Pa­piere, wie auch in der Form der Anlage der Ka­pitalien zu disponieren beginnt. Die Sucht nach spekulativem Gewinn, wie sie sich auf dem, von Aufwertungswünschen und -Hoffnungen bewegten Anleihemarkt herausgebildet hat, hat mernup nach­gelassen. Die berufsmäßige Spekulation lost schon feit langem im stillen ihre Dispositionen auf diesem Marktgebiet, die auch nur eingegangen waren in Ausnutzung der mtt den Wahlversprechungen ver­schiedener Parteien und Abgeordneten getriebenen Agitation. Jetzt, nachdem die Wahlen vor der Ture stehen, sieht man diese Dinge viel realer an, und Me gnfyy davon ist ein Rückgang des Umsatzes auf

Soziales. .

= Starke abnahmt der,Zahl der Lhefchliehungen Soeben verösfenlticht die Statistische Korrespondenz, das Publikationsorgan des preußischen Statistischen Landesamts, die Ziffern für die standesamtlichen Hand- langen beä zweiten Lahresguartals, -uabet ist besonders auffällig die geringe Zahl der Eheschließungen. <=ie beträgt 74 715. Das Amt selber fuhrt zum Vergleich die Zahlen für dasselbe Vierteljahr des verfloßenen Jahres 1923 an. Sie betrug 103 471. ES ist also eine Abnahme um 27 Prozent zu verzeichnen Man gebt wohl nicht fehl, wenn man in dieser Abnahme zunächst einmal den Fortfall der sogenannten Inflation steht. Bei den mühelosen Ynflationsgewinnen schritt so mancyer junge Mann zur Ehe, ohne eine ausreichend gesicherte Existenz zu haben. Die Existenzgrundlage bildete die Inflation. Auf der anderen Seite mag die groge Verschärfung de? Existenzkampfes, den die Periode der Gesundheit mit sich brachte und immer ,"och nnt sich bringt, die Kabl der Eheschließungen beemflutzt haben.