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Zur unsere Frauenwelt

i Nr. 281 vom 3. Der. 1924. \

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ZuLdaer Leitung

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Dann kam der Spruch des Prsisiichterkollegium»

heimbringt, denn der schöne Ort mit seinem hochgelege­nen Schloß, seinem See, und allem und vielem, der milde Sonnenschein drunten, nichts hilft über Heimweh, das deutsche Behagen fehlte. Als ich in Frankfurt aus-

sucht bei vielen! Wer sie bekommen, weiß ich heute nicht mehr.

Nun habe ich vom Süden einen gewaltigen Sprung

NovsmbZr im Züden.

(Verblaßte Jugenderinnerung.)

Die kalten Nooembertage und -Nächte in Deutsch- .anbs rauhen Gegenden, ich brauche sie nicht zu beschrei­ben, wir erleben sie eben alle, soweit wir daheim sind. Ts gab aber einmal einen Monat wie diesen, den er­lebte ich nicht, wo ich eben seiner gewahr wurde, sondern im Süden! Im Süden! welches Zauberwort in

aufs Glatteis in Rußland getan; also ich springe wieder zurück, aber gleich in die Eisenbahn, daß sie mich wieder

stieg und auf den Zug wartete, im trüben Wetter die schmutzige Straße betrachtete, wie kam mir alles so

daran hatte, den Künstler die europäische Metsterschast erlangen zu lassen . . .

In fieberhafter Eile ordnete Helmut alles Erforder­liche. Er nahm noch einige neue Akte auf. ließ ältere

nung von ihm. Er fuhr in nachlässig ungezwungenei Haltung und verblüffender Sicherheit. Alles klappte jeder Griff, jede Kurve, jeder Steiger kein Fehler kein Hasten. Es war eine Bravourleistung. Er ernteti

Meine Mutter.

Don R. Marco.

viel Herrliches hat mir der liebe Gott gegeben; Gesundheit, frohen Mut, ein reiches, schönes Leben. Eins aber hab' ich doch am liebsten auf der Welt, Die! lieber noch, als Gold, als Edelstein und Geld Meine Mutter!

Wohl hab' ich and're lieb, ljeb auch von ganzer G^ele; Ja, glücklich bin ich, daß ich viele Freunde zähle!

Doch einer nur gehört mein Leben, Herz und Sinn, Hk geb' ich alles gern, mich selbst zu eigen hin Meiner Mutter!

Auch mir sind and're gut, vor allen aber eine; geratet ihr es nicht, wen ich vor allen meine? Im Auge liegt ihr Herz, nun, wißt ihr es noch nicht? Kus Tausenden kenn' ich der Augen strahlend Licht Meiner Mutter!

Es haben viele sich um mich viel Dank erworben, Die eine, weiß ich wohl, wär' auch für mich gestorben; Sie sorgt für mich bei Tag, des Nachts träumt sie von mir.

Mein Heil, mein Segen liegt am treuen Herzen ihr Meiner Mutter!

Lieg' ich im Bette schon, Höri ich sie leise geh'n, Bis sie am Bette kniet, und hör' sie leise flehn Sie betet dann für mich zum lieben Gott so heiß, Md fröhlich schlaf' ich ein, wenn ich sie nahe weiß, Meine Mutter!

der kalten Jahreszeit! Wie schön wäre es, einen Haus- äroplan zu haben, der einen manchmal ein bischen dahin trüge! Es war damals nur die simple Eisenbahn, aber sie gab Einblicke, die mit den Ausblicken vom Luft­fahrzeug herunter schon konkurrieren können. Die ma­lerische Schönheit der Jurabahn, z. B. Das Auge sieht sich nicht satt an den tosenden, grünen Gebirgswässern, die die Bahn anhaltend begleiten, sind wir erst von Basel her an den Rand des Gebirges gekommen. Dann ge­raten wir wieder etwas ab zum Bieler See, und dann der nächste, der weit größere von Neuenburg (NeuchLtel) ist unser Ziel. Eben ist es noch Ende Oktober; daher auch die entsetzlich vielen Stechmücken, les mosquitos, wie der französische Schweizer sagt. Ueberhaupt jetzt sind wir auf französischer Zone. Es heißt sich darnach einstellen, mit Sprache und vielen Gewohnheiten, viel­mehr Ungewohntheiten.

Man ist doch auch gekommen, nicht bloß zu schauen, sondern auch zu lernen! Damals herrschte noch keine Abneigung gegen uns durch den Krieg. Man dachte nicht daran, war aber, wie sich allmählich herausstellte, den Deutschen französisch gesinnt; machte sich gern über uns lustig, und man war, d. h. unsereiner, oft waffenlos dagegen, da man nur in der Landessprache hätte dienen können (weil Deutsch kaum begriffen wurde), und darin war man nicht gleich so fix.

Ich erinnere mich, wie man uns deutschen Pensio­närinnen eine Zeitung zeigte, mit Abbildung von Kaiser Wilhelm II., Arm in Arm mit dem türkischen Sultan: deux amis (zwei Freunde) stand darunter; und obwohl dies leicht zu begreifen, so wurde es noch mal spöttisch verdolmetscht. Doch dies bischen Politik-Feindschaft ging leicht unter in der landschaftlichen Schönheit und in- ieressanten Stadt und allem neuen und anregenden. Bloß les mosquitos stachen lustig weiter, als hätten sie es immerfort auf die armen Deutschen abgesehen, und Ge­sicht und Hals und Arme waren dick verschwollen, bis die Wärme nachließ. Bis der November kam. Aber so milde war sein Regiment, daß man morgens bei offenem Fenster seinen Körper kalt abwaschen und seine langen Haare flechten konnte. Auch Herbstausflüge gestattete er noch lang. Ein Stück Eisenbahn am See entlang, hinter dessen entferntem Ende die Schneegipfel der Alpen bei klarem Wetter auftauchten; dann Ausstieg im Jura zwffchen riesigen Buchen und großen bemoosten, mit Efeu bezogenen Steinblöcken und hell springenden Quel­len.

Bis wir hoch oben im goldenen Sonnenschein stan­den, unter uns ein Nebelmeer; und jenseits im Alpen­glühen rosenrot sahen wir die Bergkette liegen. Welch erhabenes, schönes Bild, es ist mir unvergeßlich! Glei­chermaßen der sehr schöne große See, an dessen Ufern ich oft allein stand und wandelte. Er schimmerte perl­muttern, und auf seinen leichten Wogen wiegten sich die Möven, oder sie kamen, diese schönen, weißen Vögel mit großen Schwingen 3um Fullern dicht zu uns heran auf die Uferbrüstung. Ich ging gern für mich ganz allein, alles Gebotene schauend und genießend. Derweil saßen die zwei andern, von der Pike auf bei Madame und Mademoiselle französisch lernend, zwei Schwestern, da­von die eine sich nach Rußland verheiraten wollte und

Sie warteten nun schon drei Wochen vergeblich auf Nachricht. Helmut war etwas niedergeschlagen. Er wußte nicht, was er von der Schwester denken sollte. Elisabeth wagte er kaum in die Augen zu sehen. Eines Tages bei einem Spazierganz raffte er sich endlich auf. Es waren vier Wochen verstrichen und noch immer keine Nachricht eingetroffen. Er sagte, einen plötzlichen Ein­fall vortäuschend:Ser Brief wird verloren gegangen sein; es ist nicht anders möglich:"

Elisabeth nickie.Sicherlich, sonst hätten wir längst Antwort. Wir werden morgen noch einmal schreiben!"

Am andern Morgen schrieb er noch einmal und ließ Elisabeth einige Zeilen hinzuschreiben. Als der Brief abgeschickt war, atmete er auf. Die alte Zuversicht kam über ihn. daß es noch einmal so. wie es gewesen war, zwischen ihm und der Schwester werden würde.

In fieberhafter Spannung wartete er auf ihren Be­scheid. Täglich war seine erste Frage nach dem Brief­träger nichts immer wieder nichts! Er verzwei­felte fast.

Dämon Ehrgeiz

Roman von Karl Lütge.

Helmut Arandow ist die Weltmeisterschaft als Kunst­fahrer zuzusprcchen."

(Follsetzung folgt.)

17. Kapitel.

Helmuts Stellung festigte sich rasch. Er war im Verkehr mit der Direktion wie mit den angeseheneren seiner Kollegen und Kollegirmen der liebenswürdige, vor­nehme Mann, der dem Publikum bei der Vorstellung er­schien Gegen niedere Mitwirkende und Bedienstete war er aber anmaßend und herrisch. Der verwöhnte Künst- fer trat dabei hervor.

Bon der Direktion war er von seinem ersten Auftreten an geschätzt und wurde mit vorzüglicher Hochachtung be- fianbelt. Man räumte ihm viele Freiheiten und Ver­günstigungen ein, die anderen niemals gewährt worden waren. . . . ..

In bezug auf freie Tage zu Gastspielen wurden ihm allmonatlich drei Tage bewilligt. Bereits nach der ersten Woche fuhr er zu einem Gastspiel nach Leipzig, um in ber Kleinkunstbühne, die im Kristallpalast spielte, aufzu­treten. Georgius, der von seinen Erfolgen m Berlin gelesen hatte, empfing ihn am Bahnhof und war von ausgeiuchtester Freundlichkeit. Da bis zur Vorstellung noch eine Stunde Zeit war, führte er ihn in em vor­nehmes Weinrestaurant, und bald perlte tn den wag­halsigen Gläsern ein kostbarer Trunk.

Helmut war verwundert. Georgius hatte das bisher nie getan. Seine Vornehmheit und seine Herkunft hülle ihn stets zu äußerster Korrektheit und Fernhalten von den üblichen Veranstaltungen in Künstlerkreisen abgehal­ten. Helmut empfand es wohltuend, daß ihn Georg-us nicht über feine neue Stpellung ausfragte und nicht aber­mals versuchte, ihn zurückzuengagieren. Nur betlau ig hotte er sich bei der Begrüßung erkundigt, wie es ihm in feiner neuen Stellung behage.

Danke, danke, bis jetzt tadellos," hatte Helmut ge­antwortet und sich bann sogleich nach der Kleinkunst­bühne erkundigt. Georgius deutete leise an, daß Helmu- ihm fehle, aber mir im Laufe des Gesprächs, wie es schien, ganz unabsichtlich . . . Helmut fühlte aber doch, was Georgius mit der zuvorkommenden Art, nut der er ihn plötzlich behandelte, bezweckte .. . Er lat aber Keichgüliig und nahm alles mit größtem Gleichmut auf.

stündliches, nahm er es auf -. .

Eines Tages erhielt er von einer Stockholmer Bühne das Angebot, in Stockholm ein Gastspiel zu geben. Der in Europa zurzeit berühmteste Radkünstler Mogens wollte in einem Wettstreit mit ihm seine Kunst messen. Für einen Augenblick war er verd > Dann stieg tn 'hm oas wilde Verlangen auf, noch w/:er emporzukommen!

Die zrauenwelt

hl vnt ihrer Stimmabgabe bei den Wahlen zur ütafinnotDerfammtnng den deutschen bürgerli­chen Staat gerettet Sie hat eine rein sozialistische Mehr- Alt in der Nationalversammlung verhindert. ____

Jetzt ist es die Aufgabe der deutschen Wähle­rinnen, die seitherigen Grundlagen, die einer Politik der Dölkerversöhnung und des inneren Wiederaufbaues Deutschlands zu dienen geeignet find, ficherzustellen.

Von der Stimmabgabe der deutschen Frauenwelt hängt außerordentlich viel ab. Deshalb muß erreicht werden, daß erstens keine Wahlflauheit einreißt und zweitens die Wählerinnen geschlossen für das Zen­trum stimmen.

Es ist unverkennbar eine Besserung der deutschen Wirtschaftslage im Werden begriffen. Das verdanken wir der klugen Außenpolitik des Kabinetts Marx. Bes­serung der Wirtschaftslage bedeutet für die Frauenwelt Verringerung der Familiensorgen. Erhöhung der Einkaufs Möglichkeiten, Sicherung des Farn i- jienfriedens. Verbefferung der Wirtschaftslage be­deutet aber auch erhöhte AusbildungsMöglich­keiten für die Heranwachsende Jugend, Bcirlcdi- gung der kulturellen Bedürfnisse, Siche­rung der öffentlichen Ordnung und der Stetigkeit des politischen und gesellschaftlichen Lebens. 2(066 Dinge, fcie das Lebenselement ber Mädchen und Frauen be­rühren.

Die Wählerinnen find aber ganz besonders berufen, Seite ton, Jugend und Tugend zu schützen und kcr christlichen Volispartei, dem Zentrum, zum Stege zu verhelfen. Keine Flauseti! Keine andere Partei steht der k a t ho l i s ch e n I u n g f r a u, F r a u und M u t t er näher wie die deutsche Zentrumspartei. Kein Katholiken- ausschuß irgend einer anderen Partei kann sich so wie das Zentrum auf die Vergangenheit in Wahrung ber religiösen Interessen ber deutschen Katholiken berufen.

Darum weg mit ber Wahlmüdigkeit!

Me katholischen Wählerinnen treten mit Eifer i;: bett Wahlkampf ein, sie kämpfen und wählen für die deutsche Zentrumspartei!

Die Meisterschaft tn Europa, tn der ganzen Welt wollte er erringen! Sein Ehrgeiz trieb ihn wie ein - - -----..... 9fr f,Hhprini>n Ertola.

Dämon! Er sagte sofort zu und erbat hierzu von seiner einen meempfangenen ^'therigen Er,olg

Direktion einige Tage Urlaub, da man selbst Interesse verschwanden bet diesem feinem flrojm CrfoJ. ,

die dortige Umgangssprache gebrauchte. Sie waren aus Sagem und hatten Mühe, den. richtigenaccent" zu treffen. Das war also schauderhaft langweiligda­heim" und ich suchte draußen zu lernen, wie ich es gerade traf, bei Murmel (in Fulda sagt man Schiffer) spielenden Kindern, in Geschäften, auf Ausstellungen, in Museen usw. Doch fand ich selbstverständlich auch hie und da Anhalt und Begleitung durch Madame und Mademoiselle. Letztere war ein junges, graziöses, klu- ges Mädchen, das am liebsten daheim bet hübschen Hand­arbeiten saß, zu einer späteren Aussteuer; erstere eine behäbige Dame, welche sowohl in den Unterrichtsstunden, aber auch bei Tisch den schwarzen Kater in stets erreich­barer, freundschaftlicher Nähe, meist auf dem Schoß hatte. Uebechaupt war Madame sehr fürs Sitzen. Den Haushalt, Kochen usw. besorgte eine ältere, sehr einfache Italienerin, auf welche Mlle. Mimi sehr stolz war, selb­ständig auf dem Arbeitsnurrkt gemietet zu haben. Es war gut, keinen Blick in die Küche zu tun, z. B. zur Zu­bereitung von Spinat, ober Klötzen uttb auch anderem! Die Stalienerin hatte auch die Eigenschaft, die Haare zottelig um den Kopf hängen zu haben, und da sie unsere Betten machte, so blieb nicht aus, daß ich von ihr etwas unbeabsichtigt auflas. Zum Glück merkte ich das Ungewohnte gleich und wurde es rasch wieder los. Und von da ab: größte Vorsicht! Das Essen war sonst gut und schmackhaft, wenn man nicht an diePerle" dabei dachte.

Sonntags gab es regelmäßig damit jeder zur Kirche komme Rindfleisch und Sauerkraut, das sich beides sozusagen selbst kochte. In letzterem wurde die für Seine Anpassungsfähigkeit hatte ihn rasch gelehrt, sich in alle Lebenslagen mit Geschick hineinzufinden. . . . Zur Vorstellung war Georgius wieder wie früher Direktor des Unternehmens.

Heimut trat einigermaßen beklommen in Leipzig auf. Den in Berlin gefeierten Künstlern brachte man in Leip­zig stets ein gewisses Vorurteil entgegen. Mit dem' gewohnten Lächeln und derselben Zuversicht, dic ihm im­mer mehr die Gunst des Publikums errang, trat er auf. Gr bot nicht mehr wie sonst, einige neue Akte nur, aber sonst die Nummern, wie er sie früher gefahren. . . .

Es war ein voller Erfolg . . . Helmut Brandaw bestand auch vor dem Leipziger Publikum. In gehobe­ner Stimmung fuhr er mit dem Nachtschnellzug nach Berlin zurück . . . Jetzt war dic Höhe erreicht! Er glaubte an sich! Er war Sieger! Lächelnd lehnte er sich zurück und schloß die Augen. So glücklich wie heute war er noch nie gewesen. ... Das hastende Stampfen der Räder des dahinstürmenden Schnellzuges waren Helle, jauchzende Akkorde eines brausenden Marsches, der anfeuernd und begeisternd wirkte . . . nd Helmut Bran- dow lauschte der jauchzenden Melodie, die unabläffig in gleichmäßigem Rhythmus erscholl. . .

den Abend bestimmte große, sehr fräftig schmeckende Fleischwurst gleich mitgekocht. Diese tarn dann abends wieder heiß gemacht zu Tisch: Mit Srattartoffeln. Und auf dieses sehr herzhafte Essen folgte zum Sonntag eine große Schüssel mit Schlagrahm gefülltem Gebäck. Ich konnte diese Zusammenstellung nicht gut vertragen, und kam deshalb regelmäßig um meinen Nachtisch. Abends gab es immer zu Tisch ftarten Kaffee, was ich persönlich auf die Dauer wieder nicht aushalten konnte. (Dieser Kaffee und so manches andere haben mir beizeiten Heim­weh verursacht und Sehnsucht nach Rückkehr in ein , nordisches Klima in mir geweckt). Es gab oft des bedrückend und plump vor, die hohen Bauten, die lang- Abends Maronen, welche dort wachsen; das war eher I famc Pferdebahn, wo dort, Betrieb und Licht, alles mein Fall. In der Schale wie Pellkartoffeln gekocht I schon elektrisch gewesen, patent saubere, helle Straßen, und dazu wurde Butter gereicht. Diese sowohl als der I und alles einen anmutigen Charakter getragen hatte. Käse kamen aus der deutschen Schweiz herüber, und I Dann wehte mir der Heimatwind um die Nase, die wurden mit der Briefpost in flachen, runden Blechkapseln I ich also auch einmal hinein gesteckt hatte in den süh- befördert. Das war richtiger Schweizerkäse, weich und I sicheren Winter. E. W.

saftig und leicht verdaulich, ganz etwas anderes, als I ------------------------

wir hier als solchen kennen. Ich erinnere mich, daß I

auch alle Kohlarten dort weit schmackhafter waren als | Bas Mädchen rar alles, bei uns tn Deutschland. Außerdem gab es mitunter I 1 '

Wildgemüse, das wir hier in der letzten Kriegszeit erst I ' Von L. Leßber g.

kennen lernten. Doch,wie schon gesagt ich fürchtete gg ^ch nicht lange her, da waren unsere Speisen- bei so chem stets unerwünschte Zutaten von Seiten ber ganz in französischer Sprache abge-

italienischen Köchin; ob es gelesen und gewaschen war, ' » bQ£. (am nid)t nur daher, daß wir Deuffche steht sehr dahin Mittags bekam iede ein ziemliches fBJ und Kenntnis ausländischen Wesens her-

Glas guten Rotwem der in ftanzosischen Landennichts » fonbeni haß viele der verheißenen Gericht- besonderes ist; und ine Aufgeregtheit der F 3 f I französischen Ursprungs waren. Denn die Fran»

soll wohl vom vielen Kaffee A Wem kommen, das zosen sind Feinschmecker von Alters her und selbst ihr- leuchtet jebem Kinde ein. Mlle. Mimi pflegte dann I Attentaten, Minister, Heerführer und ihre Damen hiellen jedesmal zu sagen wir drei andern nahmen uns nicht I + Würde, sich in höchst eigener Person

di- Freiheit, und wir maren's au-h nicht gewohnt - « «J* wer jre £ Spe sen zu beteiligen und ihren

mein lieber Papa -auf WM natürlich - ta ^SÄng neuer Gerichte zu setzen. So be­gibst wohl deiner kleinen Tochter noch ein z I Küche von der Pompadour, Maintenon,

Glas?", und der gute Papa, der im allgemeinen eine «'M -ne seme mi-ye » w Richelieu, Prinz

Nebenrolle spielte gleüh wie der schon ° Muni

mtmer noch em Swe.tes Glas ein. Monsieur der hebe die noch heut als Delikatessen gelten,

vierte 'mitta?/un^abends bei Tisch, und da hatte nie- Doch das sind °usgeklügelte K^E-n ^eren^emtt» f.'-»« --.-bk" 611 S»-°<bb-E- l-d-n I

nicht mehr fertig werden könnte, das so sehr zum eiser­nen Bestand unserer Küche gehört und uns als etwas so Einfaches, Naturgemäßes erscheint, daß wir meinen, die allererste Regung des erwachenden Geschmacksinnes des Urmenschen müßte es entdeckt haben nämlich die Fleischbrühe. Und doch haben sie weder die alten Kulturvölker, noch unsere mittelalterlichen Vorfahren, ober die üppige Renaissancezeit zur Verwendung ge­bracht. Selbst die Römer der Kaiserzeit mit ihrer aus bas Raffinierteste ausgebildeten Kochkunst stellten ihre berühmten schwelgerffchen Gastmähler ohne die uns so unentbehrliche Fleischbrühe her. Sie bedienten sich statt ihrer verschiedener sehr würziger flüssiger Sülzen, die sie aus dem Saft kostbarer Seetiere und aromatischer Pflan- zen gewannen. Außerdem besaßen sie das feinste Oliven­öl in Fülle und vermißten so weder den Fett- noch, Würzgehalt einer guten Fleischbrühe. Den Franzosen! stand beides nicht in dem gewünschten Maße zur Der-, sügung, und so spürte ihre feine Zunge den Wert heraus, den ein Zusatz kräftiger Fleischbrühe zur Erzielung eines erhöhten Wohlgeschmacks und Nährwertes der Speisen besitzt. Ja, sie verwendeten sie bald in so ausgedehntem Maße, daß es den Franzosen den SpottnamenScan Potage" eintrug, wie die Engländer nach ihrer Lew» speise, dem Roastbeef,John Bull" genannt werden. Unter den Ludwigs war es nicht ungewöhnlich, baß zwei Drittel des in der königlichen Küche verwendeten Flei­sches zu Kraftbrühen als Unterlage bei der Zubereitung der anderen Gerichte verkocht wurden.

unser drei erlaubten.

Schwieriger war es im allgemeinen in bet Kirche, in der es zum Teil eigenartig zuging. Der Prediger amtierte nur als solcher, alles andere, was auf der Kanzel zu sagen ober vorzulesen war, besorgte ein Herr im Frack und weißem Vorhemd. Die Kirche, eine refor­mierte, war so schmucklos, wie ich noch nie eine gesehen habe. Weihnachten feierten wir fast gerade wie bei uns, nur mit den französischen Gesängen und Liedern. Dabei fällt mir ein Weihnachtsabend im richtigen Frankreich ein, wo der Weihnachtsbaum eine gänzlich unbekannte Sache war. Doch wir Schwestern im Seuchenlazarett für Zivilpersonen wollten uns einen Herrichten, so gut wir eben konnten. Die jungen zur Hilfe beigegebenen Französinnen sahen dem fortschreitenden Werk staunend mit offenem Munde zu. In Ermangelung van anderem Schmuck haben wir Nägel mit Silberpapier zu Eiszapfen umgewandelt, besgl. fabrizierten wir Silbersterne und anderes. Wir hatten nur dies eine Material, welches uns die vielen Suppentafeln lieferten, die alltäglich in ber Diätküche verbraucht wurden. Als ber Baum fertig war, die gefpenbeten weißen Kerzen zwischen bem Silber und den grünen Zweigen leuchteten, da bekamen wir das Lob aus ftanzösifchem Munde, welches sich äußerte: tres chic, tres, tres chic!"

Dann verlebte ich einen Weihnachtsabend, zwei Jahre hierauf, in ganz anderer Zone. Kein milder Zephyr wie am NeuchLteler See! Eisiger Ostwind, glatt gefrorene Landstraßen, Laufbretter, Gariensteige. Mit Mühe und Not und öfterem Hinfallen, ein Tasten und Schwanken --------

von dem einen zum andern großen Kasernenbau. Letz- I Aber auch der französische Mittelstand hatte smn aus tes Kriegslazarett der Front im Osten. Auch hier Weih- I einer kräftigen Fleischbrühe bestehendes nationales Leib nachten. Im Ort feiern die Soldaten tn ihren Be- I gericht, den noch heut tn keinem bürgerlichen Haushalt Hausungen und Heimen und staunend steht auch hier die I fehlendenpot au feu". Tatsache ist, daß nmn nirgends gemischte Bevölkerung. Im Lazarett A versammelt sich I so gute Fleischbrühe erhalt, wie in Frankreich. Sie alles dazu gehörige im großen Kasernensaal. Schöner I wird nicht anders, aber mit mehr Sorgfalt zubereiiet, Christbauni, feierliche Ansprachen, die Küche spendet I als gewöhnlich bei uns. Das mit faltem Master ange- Punsch und Stollen. Nur die Post hat sich teilweise noch I setzte Fleisch von der besten Sorte, dem man noch gute, nicht bis hier herausgefunden. Die Liebesgaben für die I kräftige Knochen beigibt, wird unter sorgsamem Ab- Schwestern sind ausgeblieben; glücklicherweise war für I schäumen ganz langsam gar gemacht, wobei -s stets M die vielen Patienten alles erforderliche dagewesen. Ja, I Sieben bleiben, aber niemals aufkochen darf. Daß diese noch darüber hinaus! Und von dem übrig gebliebenen I Regel genau befolgt wird, spielt besonders beim pot au fegte man den Schwestern hin. Als ich mein Päckchen I feu, bei bem bas gekochte, kernig saftige Fleisch ab öffnete was fanb ich? Ein Paar wundervolle, ge- I Delikatesse mit verspeist wird, «me große Rolle. Die dieaenc Hosenträger!, auch noch anderes, aber diese I Zubereitung ist schon sehr einfach. Nachdem das Fletsch waren der Glanzpunkt, um den mich jeder beneidete, und I mit dem nötigen Salz etwa eine Stunde gesotten hat, um welchen Schatz ich später einen Einbruch bei mir I fügt man ihm eine nicht zu große, nut Gewürznelken befürchtete denn 1916 war ein derartiger Artikel in I besteckte Zwiebel, Poree, Möhren, Petersilicnwurzel. bester Ausführung ein Gegenstand unerfüllbarer Sehn- I Sellerie, ein Stückchen Pastinakwurzel, ein Bündchen - Es waren inzwischen abermals^zwei Wochen ver- I bekannte Nummern fort und strich sein Programm aus strichen . . Da schrieb er heimlich, ohne Elisabeth etwas I die besten und gefährlichsten Nummern zusammen. Er davon zu sagen, ein drittesmal! Das letztemal- schwur I übte aUmorgeiibltd) und vernachlässigte dadurch Elisabeth, er fick' Er war fasfungslos. daß die Schwester sich so I Sie sagte aber nichts und ertrug seine nervösen Launen unversöhnlich zeigte. I still und ergeben. Nur mittags sahen sie sich nn Spe.se-

Als ihn Elisabeth nach einigen Tagen fragte, ob die I lokal noch fluchtig. _

Schwester geschrieben habe, griff er zu einer Notlüge I Am letzten Tage vor ferner Abreise fegte er es ihr und saate:Ja, ein kurzes Telegramm. Sie ist krank. I endlich, daß er für einige Tage nach Stockholm reise. In den nächsten Tagen, sobald cs ihr besser geht, will I Sie sagte schlicht.Alles Gute, Helmut! Guten EB sic schreiben!" I falz!"

Es schien ihm schmachvoll gehandett, daß er Elisabeth I Er dankte kurz und wollte sich verabredet,,

belog, aber er wagte nicht, ihr die Wahrheit zu sagen I Elisabeth fragte erstaunt, ob sie ihn nicht an b-.e Bahn

. . Er machte sich jetzt auch nur noch wenig Gedanken I begleiten dürfte.

darüber. Seine Tätigkeit nahm ihn mehr berat je in | Da nickte er hastig.Gewiß, gern!"

Anspruch. Er gab kurz hintereinander in Hamburg. I Rach der Vorstellung, der Elisabeth beigewohnt hatte,

Dresden, Breslau und noch einigen anderen großen I uingen j,c zum Bahnhof. Mit dem Nachtfchnellzug fuhr Städten Gastspiele. Und immer mit dem gleichen großen t Helmut nach Norden.

Erfolge! Er wurde immer berühmter! Wurden hervor- I Kapitel

ragenöe darstellende Künstler Senamti fo wr ber Sterne : Lande:Der Deutsche

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Lächelnd und triumhierend las Helmut diese Schrecken, I Elisabeth empfing von Helmut em besondere. leie die von Unterwürfigkeit sonst starrer, unzugänglicher I gramm. Sie jubelte auf. . - Er war cm Held - - Und Direktoren zeugten. Er beantwortete nichts, nur durch I er mar ihr . . . Er wurde ihr fern.

feine Direktion ließ er einige Zeilen schreiben. Er ward I Helmut war not der Vorstellung, die >n dem grotzter dadurch bet der Direktion immer höher geschätzt. Sein I Etablissement Stockholms stattfand und die fein ferneres Gehalt war bereite nach einem Vierteljahr ohne weiteres I Schicksal entscheiden durfte, aufgeregter und nerorfei erhöht worden > . . Gleichgültig, als etwas Selbftver- I als sonst gewesen. Er fuhr als zweiter. Das Los batte 1 cs fo entschieden.

Mogens erzielte einen ungeheuren Erfolg. Er fuhr verwegene, tollkühne Nummern, aber ein wenig unfichei und erregt.

Als Helmut fein Rad bestieg, wich die nervöse '»pan