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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Mittwoch, 3. Dezember 1924

Nr. 281

yerontroorUKo mr die Schrntieuung: Dr. Jokanues Kramer- Anreisen: I- Barre Iler, Fulda. Rotationsdruck und Verlag,-der : Fuldaer SctienLruckerei in Fulda. Fernivrecher Rr- 9.

Monatlicher Bezugsvreis: 1.50 Mk.

Bischof Vornewaiser mit den kl- Slcrbeiakramen- fen versehen. Bischof Fran; Rudolf Bornewosser von Trier wurde am Samstag, 6 Uhr, mit dien hl. Sterbe­sakramenten versehen. Der Zustand des hohen Kranken ist ernst, aber nach Ansicht dec Aerzte nicht hoffnungslos.

Frankreich stehe. Die Münchener Polizeidirektion hat daraufhin das öffentliche Auftreten des Redners in München.verboten mit der Be­gründung, daß die Münchener Bevölkerung über die beabsichtigte Vortragsreise des Generals nach Frankreich äußerst erregt sei.

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DasBerl. Tagebl." meldet aus Dresden, daß gegen den sozialdemokratischen Polizeiobersten S ch ü tz i n g e r, der vor einem Jahre vom Reichs­wehrkommando seines Postens enthoben worden war, aus noch unbekannten Gründen ein Diszipli­narverfahren eingeleitet worden ist.

Die Handelsverträge.

Der Fortschritt der Verhandlungen in Paris und London.

In Paris Hot eine Vollsitzung der frauzösi- schen und deutschen Handelsvertragsdelegicrtsn un­ter dem Vorsitze des Ministerialdirektors Lcrruys stattgefunden. Der Sitzung wohnten die deutschen und französischen Delegierten der eisenverar­beitenden I n d u st r i e und der Elektro­technik bei. Es wurde beschlossen, daß die Dele­gierten unter, sich weitere Sitzungen abhalten sol­len. Am Dienstag findet wiederum eine Voll­sitzung statt unter Hinzuziehung der deutschen und französischen Delegierten für die Schwerindustrie. Für Donnerstag ist beabsichtigt, in eine Diskussion über die die Landwirtschaft betreffenden Fragen einzutreten.

Aus London wird gemeldet: Das Reitter- sche Büro erführt, daß auf dem Handelsamt eine weitere Sitzung der deutschen und britischen Ver­treter, die über den Handelsvertrag verhandeln, ab­gehalten wurde. Man glaubt, daß der deutsche Vertreter die Bemerkungen seiner Regierung be­treffend den von der britischen Regierung in der Frage der Methode der Erhebung der 2 6= prozentigen R e p a r a t i o n s a b g a b e ein­genommenen Standpunkt bekanntgegeben hat. Wie bereits mitgeteilt, ist über den Wortlaut des Ver­trages eine Einigung erreicht außer in einem Punkte. Die endgültige Unterzeichnung wird nncrhalbder2bis3Tagestattfinden.

Vor dec Unterzeichnung.

wtb £ o n b o n,2. Dez. (lei.) Der diplomatische Berichterstatter des »Daily Telegraph" erwartet die Unterzeichnung des Entwurfs des deutsch- englischen Handelsvertrag es und des wichti­gen daran geknüpften Protokolls f ö r h e u t e. 3n 3n diesem Falle würde die deutsche Kommission heute abend in Berlin absahren. Er sei jedoch möglich, daß von einer ober von beiden Seiten ein Vorbehalt gemacht werde, durch den die end­gültige Ratifizierung des Vertrags durch das briti­sche Parlament oder der Reichstag von der Rege­lung der Frage der Ausfuhrabgabe abhängig ge­macht werde, in welchem Falle der Vertrag als ein vorläufiger modus vivendi angesehen wird.

crbietig gegen einenköniglichen Runkelrüben» kommissionsassessor" benahm oder gar ausfallem gegen Minister, Reichskanzler oder einen Landes» sürften wurde. Staatsanwalt und Gericht sargten dafür, daß derartige Sünder prompt bestraft wur­den. Wie oft haben wir früher den Kopf geschüt­telt über Urteile, die wir mit unserem Untertanen- verstände nicht begreifen konnten'. Ebenso oft fin­den viele Staatsbürger von heute es unbegrelfttch, daß diese heimtückische Kampfesweise gegen Manner in verantwortlicher Amtsstellung den Justizbehör­den keine Handhabe gibt, einmal rücksichtslos anzu- qreifen. Auch hier kommt es nicht auf den Buch­staben an, sondern aus den Geist und die Gesin­nung und die Absicht. Wer sich beharrlich weigert, anständig und ehrenhaft zu kämpfen, der muß dazu

Bolschewistenangriff aus Estland

Die Nommurnstengefahr in den östlichen Nandstaaten.

Sühne des Mordanschlags auf Dr. Seipel.

3awcuck wird zu 3 3ahreir 6 Nkonalen Kerker verurteilt

InWien wurde jetzt der Arbeiter Jawruck, der sich durch aufhetzende Reden in Versammlungen zu einem Mordanschlag auf den damaligen österreichi­schen Bundeskanzler Dr. Seipel hatte verleiten las­sen, abgeurteilt. Jawruck zeigte große Reue. In einem Bries, den er am 2. Oktober an Dr. Seipel gerichtet hat, bittet er um Verzeihung und Gnade für seine Tat und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß Dr. Seipel noch lange leben und gesund blei­ben möge. Bei Verlesung des Briefes bricht der Angeklagte in Tränen aus. Der Angeklagte Jawruk wurde zu drei Jahren und sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt; die Untersuchungshaft seit dem 1. Juni wurde in die Strafe eingerechnet. Als erschwerend wurde die Verletzung des Opfers, als mildernd das Geständnis des Angeklagten sowie seine geistige Minderwertigkeit und Empfänglichkeit für Beeinflußung anerkannt Der Angeklagte erbat Bedenkzeit Dr. Seipel, der als Zeuge vernommen wurde, deutete an, daß er keinen Groll gegen den verführten Täter hegt und zum Verzeihen bereit sei.

vom Wahlkampf.

Eine Rundfunkrede, die Großadmiral von Tirpitz in Leipzig halten wollte, ist vom Reichsminifter des Innern verboten worden, da die Benutzung des Rundfunks für Wahlreden unterlagt ist.

Mehrere Blätter melden aus München: General von Scksirenaich wollte hier auf Veranlassung der Friedensgesellschaft sprechen. Bon völkischer Seite wurden Demonstrationen angekundigt mit der Begründung, daß General von Schvenaich vor einer ' pazifistischen Propagandareise durch

8kW die polUMtu WMer im WWM Kbwehr des Oberpräsidenten fibg. Gronowski-Münfter.

erzogen werden.

Der persönliche Kampf ist aber auch sündhaft -dumm; denn das Ausland liest unsere Bücher, Zei- ungen und Flugblätter aufmerksamer als wir. Mit Geringschätzung schaut der Ausländer auf uns herab, weil wir nicht so viel Selbstachtung besitzen, um wenigstens die Repräsentanten des Reiches und Staates zu schützen gegen Schmutz und Gemeinheit. Richt nur die Personen und Par- teien, denen der Reichspräsident, der Reichskanzler oder die Minister angehören, werden herabgewur- digt, sondern auch das ganze deutsche Volk und die deutsche Republik. Wenn Deutsche die rechtmäßig bestehende Staatsform besudeln, dann könne» diese nicht verlangen, daß die nationalistische Presse des Auslandes uns gerecht oder gar wohlwollend beurteilt. Wir Deutsche müssen lernen, uns gegen­seitig zu achten, dann werden wir auch im Aus­lande an Achtung und Bedeutung zunehmen. Aber auch innerpolitisch betrachtet, ist es eine^ Dumm­heit, durch persönliche Anpöbeleien der führenden Männer die Stimmung in Deutschland zu vergiften. Nichts »hat Ewigkeitswerte auf dieser Erde: Der« fassung, Gesetze, Regierung, Repräsentanten. Staatsfonnen, alles ist stetem Wechsel unterworfen. Diejenigen Kreise, die die politische Macht durch ihren häßlichen Kampf erstreben, sollten doch be­denken, daß wenn sie einmal ein Reichsoberhaupt oder einen Kanzler stellen sollten, leicht an ihre Kampfesweise der letzten 6 Jahre erinnert wer­den können. Auch mit der D u m m h e i t soll kein Mißbrauch getrieben werden, und für die ge­meine Kampfesweise gegen die Führer des deut­schen Volkes werden wir durch einen Zentrums- stimmzettel eine recht fühlbare Quittung geben.

Der Landtagsabgeordnete, der Oberpräsidcnt Gronowski-Münster nahm am Sonntag in 4 sehr stark besuchten Zentrumsversammlungen in Bochum gegen die Gistmischerei im politischen Wahlkampf Stellung. Seine Ausführungen ver­dienen es, ausführlich weiteren Kreisen zur Kennt­nis gebracht zu werden.

D i e l e tz t e W o ch e vor der Wahl laßt nut er­schreckender Deutlichkeit erkennen, daß alle Ermah­nungen zur Führung eines fachlichen Wahlkampfes bei den Flügelparteien rechts und links auf ganz unfruchtbaren Boden gefallen find. K l a t f ch, B e r- drehungen, Verächtlichmachung und Verleumdung scheinen beliebte Werkzeuge die­ser Parteien zu sein. Was ihre Redner sich schließ­lich doch noch schämen zu sagen, das wird durch die Zeitungen oder Flugblätter hinausgetragen. K e i ne Gemeinheit ist gemein genug, um nicht als Waffe gegen den politischen Gegner benutzt zu werden. Das sind die Piraten der öffentlichen Mei­nung, die politischen Giftmischer, denen die Rot des Reiches und Volkes nichts, die Herrschaft ihrer Parteien alles ist! Nicht für jede gegen den politi­schen Gegner geschleuderte Gemeinheit mache ich die Parteien verantwortlich; aber eine Abschüttelung der Verleumder und Hetzer ist bisher nicht erfolgt. Und darum dürfen mir glauben, daß diese Par­teien sich eine solche Unterstützung mit Schmunzeln gefallen lassen. Es wird die höchste Zeit, daß den haßerfüllten Angriffen gegen den Abgeordneten Dr. Wirth u. a. ein entschiedenes Halt geboten wird: denn diese Hetze, wie sie jetzt betrieben wird, hat eine verblüffende Aehnlichkeit mit der gegen Erz- berger und Rathenau.

Dieser persönliche Kampf ist nicht nur g e m c i n, sondern auch dumm zugleich. Gemein deshalb, weil die Beschimpfung und Verächtlichmachung des politischen Gegners, insbesondere führender Per­sönlichkeiten im Reiche und Staate nichts mit an­ständiger Gesinnung zu tun hat. Nur morsche und schiffbrüchige Charaktere ober geisteskranke Fana­tiker vertauschen den Boden sachlicher Gegnerschaft .mit persönlicher Gehässigkeit. Wer national und deutsch denkt, der wird die recht­mäßige Staatsautorität stützen und stärken und die persönliche Gegnerschaft oder gar Feindschaft zurück­stellen bis Volk und Vaterland wieder gesund sind und atmen können unter einem freien deutschen Himmel. Viele von den Zeitgenossen, die heute den politischen Kampf vergiften, waren früher sehr zart­fühlend. Wehe einem Staatsbürger, der sich unehr-

Marx ein Zahl Kanzler.

Eine neue Kfbe des Reichskanzlers.

wtb Dortmund, 2. Dez. (Tel.) 3n einet sehr gut besuchten Versammlung der Zentrums­partei Dortmund-Hörde sprach Reichskanzler Rlarx im Fredeubaumssaale. Er führte u. a. aus, heule vor einem 3ahr habe er das Am t des Kanzlers des Deutschen Reiches übernommen, nicht leichten Herzens, denn damals fei die wirt- schasiliche und politische Lage so verzweifelt gewesen, daß kaunr noch Hoffnung bestanden habe, Reich und Volk vor dem gänzlichen Chaos zu be­wahren. Damals fei kein deutschnationa­ler Führer zu ihm gekommen, der ihn gebeten habe, doch freundlich den Deutschuationalen den Kanzlerposten zu über lassen. Der Reichskanzler bezeichnete es als ein Ruhmes­blatt in der Geschichte des Zentrums, daß es feit 1919 die Lasten der Regierung kei­nen Augenblick von seinen Schultern auf andere ge­wälzt habe. Es habe gemeinsam mit den Demo­kraten, der Deutschen Vostspartei und zeitweise auch mit den Sozialdemokraten am Wiederaufbau Deutschlands gearbeitet. Die Früchte dieser Arbeit begännen jetzt zu reifen. Die Bevölkerung, von Dortmund könne am besten beurteilen, was von den Behauptungen rechtsstehender Kreise zu halten sei, das Londoner Räumungsversprechen sei nichts als eine schöne Geste.

Der Reichskanzler betonte, daß eine der vor­nehmsten Aufgaben des neuen Reichstags darin be­siehe, für eine gerechte Verteilung der Steuerlasten zu sorgen. Wenn wir den wirk- schastlichen Wiederaufbau Deutschlands erstreben, so dürfen wir es nicht zu unnötigen Kämpfen zwi­lchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kommen las­sen, wodurch der gesamten Volkswirtschast Gefah­ren erwachsen. Der Kanzler erklärte, ohne zu den einzelnen Fragen im Bergbau Stellung zu nehmen, der Unzufriedenheit der Bergarbeiter mit den gegenwärtigen Arbeitsbedingungen volles Ver­ständnis entgegenzubringen. Unter billiger Be­rücksichtigung der Wirtschaftslage gebühre dem Ar­beiter nicht nur ein angemessener Lohn für seine | jchwerc Arbeii.stmdLLw.er. bahe .au* ein Anrecht darauf, von seinem Arbeitgeber als ein unentbehr­liches Glied des Wirtschastsbetriebs behandelt und betrachtet zu werden.

Die Rede, die oft von stürmischem Händeklatschen unterbro^n wurde, erntete zum Schluß einen außerordentlich lebhaften Beifall.

bet. Ein größerer Ueberfall mit Handgranaten wurde auf die Kadettenschule unternommen, wo der wachthabende Kadett getötet und ein zweiter schwer verletzt wurde. Dieser ist bereits seinen Wunden erlegen. Im Domschloß wurde der Be­fehlshaber der Wache hinterrücks ermordet. In das Haus des Staatspräsidenten drang eine Bande ein. Auch gegen das Haus des früheren Ministers des Innern Einbund wurden Handgranaten ge­schleudert und Gewehrfeuer eröffnet. Einbund ent­kam wie durch ein Wunder. Auf den Bahnhöfen wurden die wachthabenden Beamten ermordet. Eine Gruppe unbewaffneter Offiziere wurde auf dem Wege zu einem militärischen Kurse durch eine Bande festgehalten und zum Erschießen ausgeklei- det. Weiter wurden durch die Aufständischen cin- genommen die Hauptpost und das ßebäube der Fliegerdivision, wo zwei Flugzeuge zum Aufstieg gezwungeir wurden. Eines von diesen ist in der Gegend vo» Narwa gelandet, lieber das zwecke liegen feine Nachrichten vor. Drei Polizeireviere wurden von den Aufrührern eingenommen. D;e Gefängnisse blieben dagegen unberührt. Auch in Offizierswohnungen drangen die Aufrührer ein.

Getötet wurden insgesamt 5 Offiziere, 3 Ka­detten, 2 Soldaten, 5 Polizisten und 4 Privatperso- nen. Schwer verwundet wurden 5 Offiziere, 7 Ka­detten und 3 Soldaten. Die Gesamtzahl der Ver­wundeten beläuft sich auf etwa 40. Verhaftet wurden bisher 60 Personen. Der Ueberfall wurde in äußerst verwegener Weise ausgeführt. Als Waf­fen dienten Handgranaten, Gewehre und Bomben. Die Aufrührer waren zum Teil als Militär- xerfonen verkleidet. Außerhalb von Re­val versuchten die Aufrühren die Eisenbahn zu sprengen, wobei eine Brücke zwischen Kehra und Aegw'iidu beschädigt wurde. Die Lage ist allgemein ruhig, wenn auch in manchen Kreisen eine erregte Stimmung herrscht. Die Feldgerichte sind bereits in Tätigkeit und haben eine Anzahl Schuldige verhört. ,.. .

Auf Antrag des der Arbeiterpartei angehorr- fien Abg. Anderkopf sprach sich das Pariament ein­stimmig für die Erteilung außerordentlicher Voll­machten an die Regierung aus und hieß die -Pro­klamierung des Kriegszustandes sowie die Ernen­nung von General Leidener zum Oberkommandie­renden gut.

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Aus Reval bringt der Telegraph Kunde von bedenklichen Unruhen in Estland. Dort versuchten die Kommunisten, sich der Regierungsgewalt zu bemächtigen. Zu diesem Zwecke hatten sie Banden von 5 bis 10 Mann organisiert, die sich, mit Ge­wehren und Handgranaten bewaffnet, zu gleicher Zeit der Bahnhöfe, der Regierungsgebäude, der Posten der Polizei und der Telephonzentrale be­mächtigten. Im Verfolg des Putschversuchs wurden eine Reihe von Personen getötet. Die Truppen haben den Auf st and unterdrückt und stell­ten die Ordnung in zwei Stunden wieder her. Die Zähl der Opfer übersteigt wahrscheinlich 50; unter den Toten befindet sich auch der Vcrkehrs- minister Kark. Im ganzen Estland ist der K r i e g s z u st a n d proklamiert. General Dcck- baner ist zum Oberkommandierenden mit außer­ordentlichen Vollmachten ernannt worden. Die Re­gierungsgeschäfte nehmen ihren normalen Fort­gang. Die Stadt ist wieder ruhig.

Einer weiteren Meldung aus Reval ist noch fol­gendes zu entnehmen: In Reval sand eine außer­ordentliche Sitzung des Parlaments statt. Staats­präsident Akel machte Mitteilungen von den außer­ordentlichen Maßnahmen der Regierung, dis zum Teil der Zustimmung des Parlaments bedürfen. Der Staatspräsident führte in feiner Rede aus: Banden der 3/Internationale haben einen bewaffneten Aufstand organisiert. Unter den Opfern befindet sich auch der Verkehrs­minister Kark. (Das Parlament ehrt fein Gedächt­nis durch Erheben von den Sitzen.) Kommu­nistische Banden sind im ganzen Lande in T ä- : i g k e i t. Daraufhin wurde der Kriegszustand tm ganzen Staate proklamiert und die Militärgewalt rit in die Hönde einer einzigen Person gelegt wor­den. Wenn die Regierung und das Parlament ein­mütig zusammenstehen, so schloß' der Präsident, können wir getrost der Zukunft entgegensehen.

Der neuernannte Oberkommandierende, General Leidener, berichtete über die Lage und die deider- -eitigeu Opfer. Er teilte mit, daß u. a. das Ge- läi'bc de-- Kriegsministeriums überfallen wurde, wo drei starke Bomben geschlendert wurden. Ein Soldat wurde dort verwundet. Auch der Stab des 10. Infanterieregiments wurde angegriffen und es wurden drei Offiziere im Schlafe ermor -

Das Problem der Kufwertung.

Ein beachtenswertes Urteil des Berliner Kammer- gerichks.

Das Berliner Kammergericht hat einen Beschluß gefaßt, wonach der § 7 der ersten Durch­führungsverordnung zur dritten Steuernotoerordnung, der die Aufwer­tung der persönlichen Forderungen, von einigen Ausnahmen abgesehen, auf 15 Prozent beschränkt, für ungültig erklärt wird. In der Be- i gründung wird gesagt, daß der § 7 der Durchfüh­rungsverordnung das Gegenteil von dem bestimmt, was § 3 der dritten Steuernotoerordnung festlegt, nämlich, daß hier die allgemeinen Vorschriften, d. h. die Vorschriften des allgemeinen bürgerlichen Rech­tes Platz greifen sollten, aus denen sich die Auf­wertung rechtfertigt. Damit sollte nach der Absicht der dritten Steuernotverordnung, anders, als bei den dinglichen Forderungen, deren Aufwerung auf 15 Prozent beschränkt wird, der Behandlung der persönlick-n Forderungen freie Bahn gelassen werden.

Die Gärung i« Mgypten.

Der englandfreundliche neue Mniskerpräsideuf fühlt sich Hdrohk.

Aus Kairo wird gemeldet: Die Polizei hat besondere Vorsichtsmaßnahmen zum Schutze des Premierministers getroffen. 20 Polizeibeamte ha­ben Auftrag erhalten, die von dem Premierminister benutzten Straßen zu bewachen. Die Wachtposten des britischen Residenzgebäudes haben in der letzten Nacht zweimalFeuergegeben, als sie ver­dächtige Geräusche hörten. Es wurden Fußspuren sestgestellt. Im übrigen hat sich nichts weiter er­eignet. Die Annahme der übrigen britischen For­derungen durch die ägyptische Regierung umfqßt die Anerkennung des britischen Schutzes der frem­den Interessen und die Beibehaltung der juristischen und finanziellen Ratgeber Großbritaniens sowie die Beibehaltung des Postens eines britischen Direk­tors einer europäischen Abteilung für die öffent­liche Sicherheit.__________

Luftfahrt über den Stillen Ozean.

Wie Reuter aus S i d n e y meldet, befinden sich gegenwärtig Pläne für die Einrichtung einer Reihe von Luftfahrtlinien über den Stillen Ozean in Vorbereitung. Die ersten Flüge wer­den wahrscheinlich von den Luftstreitkräften des Heeres und der Marine der Vereinigten Staaten im nächsten Jahre gleichzeitig mit dem Besuch der amerikanischen Kriegsflotte im Stillen Ozean statt­finden. Man erwartet, daß mehrere andere Lan­der zusammen mit den Vereinigten Staaten hierbei mitwirken werden. Bezugnehmend auf den Flug des 3 .R. 3 von Deutschland nach Amerika erklärte Sir Keith Smith, in einigen Jahren werde es mög­lich fein, Reisende mit ihrem Gepäck nach L o n- d o n ober Rewyork in zehn lagen für 160 Pfund Sterling zu befördern und zwar mit der gleichen Pünktlichkeit, mit der die Eisenbahnen und Dampfer verkehren. _______________

Technik und verkehr.

Der Ausbau der Untermains. lieber den künftigen Ausbau des Untermains sprach dieser Tage vor ge­ladenem Kreise Dr. Boehlsen vom Frankfurter Wirt- | schaftSamt. Der Main soll nach den neuesten Planen .-zwischen der Mündung und Frankfurt statt der «- sprünglich vorgesehenen fünf letzt «cht Staustufen be- kommen Rach dem Ausbau wird Frankfurt nach Durs- bürg und Mannheim den größten .Rheinhchen» besitzen Nach der Durchführung des Rhein-Main-Donaukanals kommt Frankfurt als Umschlagshafen eine ragende Bedeutung zu. Auch der Plan des Fulda-Kinzig-Kanals erlangt für Frankfurt gleichfalls nennenswerte Vorteile. Zunächst kommt aber der Ausbau des Untermains für die Nheinschisffahrt, die Durchführung der Kanalisation des Overmains und die Main-Weserverbindung tn Frage und Fluß. Die Geschichte lehrt, daß stets nach großen Kriegen die Ausführung großer Verkehrswege einsetzte, und daß gerade in Zeiten schwerster wirtschaft­licher Not bedeutende Verkehrspläne zur Durchführung, gebracht werden konnten. _____________