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Buldaer Fettung

M 278.

Samstag, 29. November 1924.

2. Blatt.

Truck der Fuldaer Aetieudruckerei itt Stilb»

Berliner Kursbericht

Reichstagswahl und Handelspolitik. |

Eine Lebensfrage des deutschen Volkes für die nächste Zukunft ist eine gesunde Außenhan­delspolitik. Ihre Richtlinien sind zum groß0 ten Teil gegeben durch die derzeitigen Bedürfnisie der deutschen Wirtschaft und des deutschen Volkes, die nach dem verlorenen Kriege wesentlich andere sind als in der Vorkriegszeit oder etwa an der Jahrhundertwende, als der heute noch geltende deutsche Zolltarif geschaffen wurde. Drei Ge­sichtspunkte müssen vornehmlich Wesen und Richtung der demnächstigen Handespoliiik be­stimmen.

Erstens: Der Versailler Vertrag hat eine Verminderung deutschen Gebietes um nahezu 13 Prozent der vorkriegsmäßigen Gesamtfläche und den Verlust von hervorragenden landwirtschaft­lichen Ueberichußgebieten gebracht; diesem Ausfall steht heute ein Bevölkerungsrückgang durch die ter­ritorialen Veränderungen von nur 5 Prozent der früheren Gesamtbevölkerung gegenüber. Die Ab­tretung der landwirtschaftlichen Ueberschußgebiete hat einen Rückgang der durchschnittlichen Anbau­fläche für Brotgetreide von über 30 Prozent im Gefolge gehabt. Zu dem Zwang einer vermehrten Einfuhr ausländischen Vrotaetreides tritt nun auf der anderen Seite dieVerschiebunqderin- dustriellen Rohstoff - Versorgung. Deutschland hat durch die Abtretung von Elwß- Lothringen und Oberschlesien. durch das Ausschei­den von Luxemburg aus der Zollunion in Verbin­dung mit der Besetzung des Rubrgebiets ^3,8 Vroz. der ' Roheisenerzeugung 35,2 Prozent der Fluß- stahlproduktion, 33,8 Prozent der Walzwerkerzeu- gung, 79,5 Prozent des Erzvorkommens und 24,4 Prozent der Kohlenlager eingebüßt. Die für die chemische und metallverarbeitende Industrie wichti­gen Zinkerzlager in Oberschlesien sind restwr an Polen gefallen. Die Verringerung des Kohlenbe­darfs infolge des Ausscheidens der Industrien Elsaß-Lothringens, des Saargebietes und Luxem­burgs ist demgegenüber nur auf 15 Prozent abzu- fchStzen. Und auch die Tatsache, daß ein Verlust von nur 5 Prozent der Maschinenherstellung und kn ähnlich geringem Umfang anderer verarbeitender Industriegruppen im Nahmen der deutschen Volks- wirtschaft stärker als früher hervortreten läßt, wirkt mit in der Richtung des verschärften Zwan­ges zur Rohstoffeinfuhr. (Dgl. Schriften des Reichsverbandes der deutschen Industrie, Heft 23.) Die Beschaffung der landwirtschaftlichen wie ge­werblichen R o h st o s f e aus dem Ausland ist aber nur aus einem Ueberschuß der Volkswirtschaft zu bewerkstelligen, der seinerseits hinwiederum durch eine Steigerung der Warenausfuhr zu erzielen ist.

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Zweitens: Auf dem heutigen verkleinerten Eebietsraume wohnen verhältnismäßig mehr Ein­wohner als vor dem Kriege. Infolge der Abtretung wertvoller landwirtschaftlicher Ueberschutzgebrele hat sich ein scharfes Mißverhältnis zwilchen den beiden Faktoren Wirtschaft und Bevölkerung tn der Weise gebildet, daß unsere durch die Nachwir­kungen des Weltkriegs verstümmelte Volkswirt­schaft nicht mehr in der notwendig parallelen Ent­wicklung zur Bevölkerungsdichte verläuft, daß der Nahrungsspielraum unserer Bevölkerung demnach stark beschränkt ii't. .

Eine Finanzierung der Einfuhr, wie wir ne I der der Inflationszeit betrieben hoben, d. b. durch I Verkauf von Papiermark, ist in Zukunft nicht mehr möglich. Die Deckung der für die Volksernah- rung notwendigen M e k r e i n f n h r ist nur mög­lich ' durch eine Ausfuhr st ei gerung. <4 diese nicht zu erreichen, so wird sich das deutsche Volk weiterhin mit einer gegen früher herab- gedrückten Lebenshaltuna begnügen müssen. (Dgl. Dortragsskizze 81. M.-Gladbach, Volksvereinsver- log.)

Drittens: Richt zuletzt auch bedingt eine Ausfuhrsteigerung die Durchführuna des Sach­verständigengutachtens (Dawes-Planek des Londoner Abkommens vom Jahre 1924. Nach dem Willen des Sachverständigengutachtens sind d:e Revarationen aus einem Wietfchoktsi'berlchuß ZU, zahlen.Sie Reoarationszahlunaen selbst können und werden nur durch einen Ausfuhrüberschuß finanziert," so beißt es hier wörtlich. Em solcher Ausfuhrüberschuß macht ober eine gewaltige Stei­gerung der deutschen Leistungsfähigkeit sowie eine ebensolche Vergrößerung seines Außenhandels zur unabweisbaren Notwendigkeit. Eine Reparations­politik, wie sie das Londoner Abkommen vorsicht, ist nur durchführbar aus einem Ueberschuß der Erzeugung, der ins Ausland zu übersührcn ist. Eine Reparationspolitik, die aus andern Duellen schöpfen wollte, würde die mühsam stabilisierte Währung wieder in Unordnung bringen und die ganzen Dawes-Pläne über den .Kaufen werfen.

Diese Beispiele beleuchten die gewaltige Be­deutung einer Außenhandelspolitik mit dem Ziele der völligen Wiedereinschaltung Deutschlands in Weltverkehr und Weltwirtschast. An der Lösung wird auch der Reichstag mitarbeiten müssen, und er wird mit um so mehr Erfolg diese Ausgabe erfüllen können, wenn P a r t ei e n in ihm ent­scheidend sind, die für eine von gro- ßenGeslchts punktengetragene Wirt- schaftsvolitik Sinn und Verständnis heben. Das werden am ehesten die Parteien der Mitte fein. Deshalb sollten gerade sie auch am 7. Dezember verstärkt aus dem Wahlkampf her­vorgehen

Vermischtes.

Generalleutnant Freiherr von Reichlin-Meldeggd »Hernals Frstungskommandant von Ingolstadt unr «ommandeur einer Landwehrbrigade im Kriege, be­vor einiger Zeit als Novze in den Franzis­kanerorden eingetreten ist, hat in der FranziS kaner-Ordenskirche zu Dietfurt als Frater Antonius «ein Klostergelübde abgelegt.

* Aus der schönen blauen Dono«. In dem Torfe WeidS a. d. D. batte ein Maur er sich reichlich an dem guten Gersteniaft gelabt und wollte dann mit einem Kahn des Nachts noch über die Donau fahren. IIS er in der Mitte de§ Flusies war, entsanken dem müden Zecker die Ruder. Er schlief ein und wurde, von den Wellen H nach Wörth getrieben. Tort fing man den Kahn auf und brachte ibn ans Land. Tie Angehöiigen deS Mannes waren in größer Aufregung und batten ibn bereits bei der Regens- burner Polizei als vermißt angemeldet.

* Die Seuchenkakastrophe in Dänemark. Mit reißender Geschwindigkeit verbreitet sich in Däne­mark die Maul- u n d K l a u e n s e u ch e, die, wie angenommen wird, mit den aus Rußland cingeführten Futtermitteln ein geschleppt ist. Die Seuche wütet mit bisher nicht erlebter Heftigkeit in allen Teilen des Landes, das Amt Kopenhagen ist mit am stärksten heimgesttcht. Die Epidemie begann in West-Jütland. Seit dem 8. Oktober wurden 840 Fälle gemeldet. Auf dem Ko­penhagener Viehmarkt, in Esbjerg und Hadersleben mußten Notschlachtungen in großem Um- . fange bei solchem Vieh vorgenommen werden, bei dem Ansteckungsgefahr vorlag.

* Eine teure G burtstagsieier sie kostet 2.5 Millionen Goldmark! hat sich der japwsiche Baron Okura in Tokio-zlich zur Feter seines 87. Geburtstages geleistet. Der £>-tr Baron fing 0I8 kleiner Angestellter einer Apotheke an, war aber tücktia, wendete sich später der Industrie zu und ,st fetzt einer der reichsten Männer seines Landes. Zur Feier^ des Taaes halte er über 5M0 Freunde zu einer Soiree und zu einer Vorstellung in dem von ihm auf seine Kosten vollständig renovierten Theater iv Tokio eingeladen.

GoLtesdienftordnung.

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 30. Nov. Fulda Vormittags SV» W ffi-'r. Weber ltzl. Abendmahl). Nachm. 6 Uhr sup. Ruht. Ämtswote: Pfarrer Weber.

Mittwoch, 3. Dezember. Fulda. 8 Uhr abends Bibelstunde Gemeindehaus (Kleinkinderfchuie).

Lvanqel. landeskirchl. «rmelnichast, Hulda, vnttlarKr 17

Sonntao, den 30. November. 2 Uhr nachmittags «inderl und. Abends 8 Eoangelisation, Dienstag abends 8 Blbelstunde fpfr. Weber). Mittwoch abends o iikr Gelanastunde. Donnerstag abends 8 ^ir-enö bund - Zreita-, abends 8 Bibel- und «cbetftunbe

Evan'-elischer Frauenbund. Sonntag 4 Uhr Gr- mcindehau

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