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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

| Zreilag, 28. November 1924

51. Zahrg

Nr. 277

Der Personalabbau wird abgebaut!

Einer amtlichen Mitteilung entnehmen wir:

Infolge der Auflösung des Reichstages ist der Entrvurf eines Gesetzes über eine zweite Asnde- rung der Psrsonal-Abbauverordnung nicht mehr verabschiedet worden. Die Reichsregierung hat deshalb, wie die Allgemeine Parlamentarische Kor­respondenz erfahrt, auf Anregung des Reichsfinanz­ministeriums die Frage geprüft, ob die geplanten Verbesserungen der Personal-Abbauverordnung etwa im Wege der Verwaltungsanordnung durch­führbar feien.

Zu einigen wichtigen Punkten, wie Art. 10 (Kürzung von Lersorgungsbezügen bei Privatein­kommen), Art. 14 Abs. 3 (Fürsorge für entlassene verheiratete weibliche Beamte), Art. 16 (Betriebs­rätegesetz) und gesetzliche Regelung der Bezüge wiederbeschüftigter Wartegeldempfänger hat sich eine solche Regelung wegen des zwingenden Cha­rakters der geltenden Gesetzesbestimmungen nicht ermöglichen lasten. Dagegen können andere we­sentliche Punkte schon jetzt berücksichtigt werden.

Die Reichsregierung hat infolgedessen im Ver­waltungswege bestimmt, daß der grundlegende Art. 3 der Personal-Abbauverordnung (Versetzung von Beamten in den einstweiligen Ruhestand) von dem 1. Januar 1925 nicht mehr allgemein, sondern nur noch in den Reichsverwaltungen anzuwenden rst, in denen auf Grund eines ausdrücklichen Beschlus­ses der Reichsregierung ein weiterer Personalabbau wegen besonderer Gründe ausnahmsweise noch als erforderlich erachtet wird. Darüber hinaus ist zu Gunsten der Beamten beabsichtigt, in der dem neuen Reichstag vorzulegenden Personalabbau- Novelle der Art. 3 der Personalabbau-Verordnung nur noch in solchen Reichsverwaltungen anzuwen­denist, die durch besonderes Gesetz zu Abbau-Ver­waltungen erklärt sind. Die hierüber schwebenden Erwägungen werden in Kürze zum Abschluß ge­langen. In diesem Zusammenhangs werden auch die Abbauvorschriften für Angestellte eine ent­sprechende Abänderung erfahren.

Die Reichsregierung hat ferner angeordnet, daß schwerbeschädigte Beamte und Angestellte wegen verminderter Leistungsfähigkeit die auf ihrer Be- schädigung beruht, nicht mehr abgebaut werden dürfen, daß besonders geschätzte Angestellte (z. B. schwerbeschädigte und versorgungsberechtigte) tun­lichst nicht mehr entlassen werden sollen, und daß Kündigungen von verheirateten weiblichen Beam­ten und Angestellten künftig derart zu bewirken sind, daß die Entlassung bereits sechs Wochen vor Schluß (statt bisher zum 1. des Monats) mitzutei- len ist, mit dessen Ablauf der Austritt erfolgen soll.

Die Tale» sprechen für die Mitte.

DaS Gebiet der großen Worte haben die Flügel- Parteien gepachtet.

Bist 3ix ein Maxm der Tat

und nicht der Worts»

Dann hilf die Mitte stärken, wähle Zentrum!

Verantwortlich iür bie ©cbriftlettuna: Dr. Jnbannes Sterner- Anreisen: I. D arretier, Salbo. Rotaiionsvruck und Verlag der Luidoer $ dtrrhrttcte; m S" rito. llervwrecker Rr- 9. rronaMS>er Be-imSvretS: 1.50 Mk.

Deserteure.

wtb Nürnberg, 27. Nov. (Tel.) Die dem Fränkischen Kurier" aus Miltenberg (Ufr.) berich- kek wird, wurden in der dortigen Gegend verschie­dentlich Deserteure der französischen Be- fahungskruppen, namenllich aus der Gar­nison Speier, festgenommen. Gestern wurde wie­derum ein marokkanischer Soldat aufgegrifsea uns nach Nürnberg transportiert.

«»»eiaev-Breiio RleituetU (ttolone.) ,ola> u. «o.bmor. auswärts 0,20 Goldmark: Stetlameseile letal 0.80 «oldmarl auswärts 0.30 Geldmark. :r

Sei Wiederdolanaen Rabatt- «ollicheckkon'o LlranNurt a. «k ^eu.

Die Liquidation des Krieges.

Nordamerika, Oesterreich und Ungarn.

Wtb Paris, 27. Nov. (Tel.) havas melde! aus Washington, Staatssekretär Hughes habe mit der österreichischen und ungarischen Regierung ein Abkommen betreffend die Regelung der seit dem 31. Juli 1914 entstandenen Kriegssordc- rungen abgeschlossen.

Kegypten und der Völkerbund.

Vor der Tagung in Rom. Die ägyptische Frage ist eine innere Angelegenheit Englands. Nur

Schweden protestiert.

wtb Paris, 27. Nov. (Tel.) Wie derChi­cago Tribüne" aus Genf gemeldet wird, wird der AufrufdesägyptifchenParlamenlsan den Völkerbund von dem völkerbundsfekrelariat nicht an die Mitglieder des Völkerbundes roci- kergegeben werde. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß nicht dis ägyptische Regierung, son­dern das ägyptische Parlament den Protest erlassen habe und daß Aegypten nicht Mitglied des Völ­kerbundes fei. Denn irgend eine Macht die Ange­legenheit in Rom zur Sprache bringen werde, so erwarte man, daß England hiergegen Einspruch erhebt, da es den Völkerbund nicht als zuständig ansehe, sich in ein Problem der inner» Politik Englands einzumischen. Die großen Mächte, wie Italien, Frankreich und Japan seien natürlich dec gleichen Ansicht, daß man eine Einmischung auf dem Gebiete der inneren Politik nicht dulden könne. Man erwarte, daß Frankreich auch in die­ser Hinsicht auf Belgien und die Tschechoslowake, einwirken werbe. Spanien sei in Marokko ge­bunden. Uruguay und Brasilien würden sich auch still verhalten. Schweden sei das einzige Mit­glied des Völkerbundes, das die Sache der kleinen Staaken vertreten werde, aber es werde überstimmt werden. ~ , . . -M<4-

Vor einer Rede herrwks.

wtb Paris, 27. Nov. (Tel.) Nimsisrprasi- dent herriot reist am kommenden Sonntag nach Epinal, wo er eine politische Rede halten wirb.

Unerhört.

Die persönliche Hetze gegen den Reichs» kanzl er Marx nimmt in den Kreien der am Wahl­sieg bereits verzweifelnden Parieien immer häßlichere Formen an. Die pommeriche Tagespost, ein Organ der Deutschnationalen, scheint den Ruhm für sich in Anchruch nehmen zu wollen, auf dem Gebiet persönlicher Verunglimpfungen das R edrtgste und Oidinärste zu leisten. Sie äußert sich m einer ihrer letzten Nummern über Retchskanzler Maix folgendermaßen: . , . ,,

Er ist als Rheinländer von Natur aus I eicht, sinnig und er ist sogar so leichtsinnig, daß, er, trotz­dem er nichts von Politik versieht, die Geschicke des deutschen Volkes zu leiten sich vermißt. Wenn em solcher Mann das Vertrauen des Auslandes, sogar Frankreichs genießt, dann hat das deutsche Volk allen Grund, ihm zu mißt rau en. Geradezu koMich aber ist die Bemerkung, daß ihn noch keine deutsche Zeitung angegriffen habe. Das mag stimmen, d,e deutiche Presse liebt es immer noch, nur bedei-tende Per­sonen anzupre.sen. Marx aber wird überschattet von zwei Perwnen a) dem Präsidenten Ebert, dessen Polt» tik er mit seinem Runen deckt, und b> von Reichs, auffenminister «tresemaan. Marx selbst rst ein hlt ss» loser Mann, der deswegen solange auf der Ober» fläche schwimmt, weil ein solcher Reichskanzler am w-lliähtt fften in den Händen des Reichsprairvemen rst."

Un3 ist dieie haßerfüllte Kampfesartgemein, als daß wir auch nur em Wort als Kommentar dazufüaten.

Donnerwetter Helmut Brandow Hervschaften! Der berühmte Berliner Künstlers"

Helmut lächelle über die erstaunten Gesichter, etwas goschmeiehest, daß fein Name selbst bei dieser Schmiere be­kannt war. Er lud die Gesellschaft ein, nach der Dor- Heilung im Restaurant vorn zu warten. Man nahm dankend und gerührt an. . . Dann ging es in den Zu- > schauerraum hinab, da man weiterspielen mutzte. Dem Kunstfahrer versprach Helmut noch, ihm einige Knie zu zeigen Als er in den Zwischenraum kam, applaudierte man abermals. Er empfand es plötzlich peinlich und bat Pitta, zu gehen. Sie verließen den Saal. Ehrfurchtsvoll machte man ihnen Platz.

Helmrtt bestellte vorn im Lokal einige Flaschen Wein für die Künstler und ging dann mit Pitta davon. Er mochte nicht länger in der dumpfen Lust, die er plötzlich unangenehm zu empfinden begann, bleiben.

12. Kapitel.

Sie sprachen eine Weile nichts. Erst als sie die steile Straße, die zum Ort hmaussührte, hinter sich halten und die Geleise der Drockenbahn überschritten, entschuldigte sich Helmut und erzählte Pitta die Szene hinter den Kulissen. Er schlotz:Es gereut mich jetzt eigentlich nicht, datz ich jener plötzlichen Eingebung folgend, und um ehrlich zu sein, auch von ein wenig Ehrgeiz getrieben, zur Bühne hlnaufging. Ich hebe dadurch Selbstvertrauen gewonnen! Wenn man selbst diesen armseligen Künstlern bekannt ist ..."

Pstta sagte hastig, seinen Arm nehmend:Da bist du auch bei Busch und anderen großen Unternehmungen be­kannt! Du hast es bisher nur nicht geglaubt!"

Helmut schwieg betroffen. Dann sagte er entschloßen: Morgen schreibe ich an Dusch!"

Pitta sagte lächelnd:Und ich helfe dir dabei!"

Sie halten den Wald erreicht. In dem nächtlichen Dunkel sah er gespenstisch groß aus. Die schmale Fahr­

straße, die durch ihn führte, leuchtete nur wenig. , Und rmgs im Walde war es gespenstisch still ... Sie gingen schweigsam weiter, unwillkürlich schneller ausschrettend. Helmut sagte nach einer Weile:Wir hätten in Bennecken­stein über Nacht bleiben sollen! Es sind zwei Stunden zu unserem Dörfchen. '

Mir fällt der Weg nicht schwer. Cs läuft sich nachts bester als am Tage!"

Dann kamen sie auf ihre Kunst zu sprechen . . . Ganz von selbst ... Die Zett verging dabei, daß sie erstaunt auffahen, als sie die ersten Lichter des Dorfes unten im Tal aufblitzen sahen. Aus einem Seitenweg war ein Herr gekommen und blieb wartend, als er sie kommen iah, auf der Straße stehen. Er zog den Hut und fragte höflich:Sie entschuldigen wie kommt man am schnell- ften zur nächsten Ortschaft? Ich habe mich im Walde verirrt."

Helmut war bei dem 5- r-mg der Stimme zusammen» gezuckt. Für einen Augenblick wußte er nicht, wo er diese Stimme schon gehört hatte. Dann wußte er es plötzlich. Er fragte:Sind Sie es, Herr Ludwig?"

Erstaunt fragte der Fremde:Emschuldigen Sie mit wem habe ich die Ehre? Allerküngs heiße ich Ludwig!"

Als der Mond in diesem Augenblick durch die Wolken kam, erkännte der alte Ludwig seinen einstigen Kollegen. Er streckte Helmut die Hand entgegen:Brand wirk- lief;?*

Welch ein Zufall!"

Sie gingen die Straße rorter. Ludwig neben Helmut. Auch Ferien?" fragte Ludwig.

3a, noch vierzehn Tage!"

Ich habe im ganzen nur zehn Tage! Aber ich bin zufrieden. Es fft das erstemal in meinem Leben!"

Die traurig klingende, belegte Stimme des alt m Lud­wig l> Helmuts Herz erzittern. Er fragte beklommen- :Sind Sie noch m der Maschinenfabrik von Menerbergers Sohnes"

Die deutsch-englischen Handelsvertrags-Verhandlungen.

. Die zwischen Berlin und London gegenwärtig schwebenden Verhandlungen über Abschluß eines deutsch-englischen Handelsvertrages sind in den letz­ten Tagen sehr rasch fortgeschritten. Das ist dadurch möglich geworden, daß über die Frage der 26prozentigen Ausfuhrabgabe, wegen deren die Handelsvertragsverhandlungen auch mit Frankreich auf einen toten Punkt zu geraten drohten, inzwi­schen insofern sich auszugleichen scheinen, als man ein Kompromiß zu schaffen sucht, das beiden Teilen, vor allem aber auch Len berechtigten deut­schen Wünschen gerecht wird. Insbesondere wird es sich um die Erhebungsart und Er­hebungsform dieser Abgabe handeln, um tech­nische Einzelheiten also, die allerdings die deutsche Industrie und den deutschen Handel ganz außer­ordentlich belasteten. In Verbindung damit steht die Aufhebung anderer Hemmungen, die sich namentlich auf Betätigung deutscher Unternehmun­gen und deutscher Banken in England erstreckten, und die nun ebenfalls auf dem Kompromißwege ausgeglichen werden sollen.

England hat seinerseits ein besonderes Interesse an einer besonderen Behandlung der Erzeugnisse der englischen Maschinen und Eisenindu­strie. Man muß sich klar darüber sein, daß ge­rade die Behandlung über diesen Punkt eine beson­dere Beachtung beanspruch', da ja die Ausfuhr­abgabe auf englisches Verlangen zurückgeht und Frankreich sich erst später angeschlossen hat. Wenn nun ein Kompromiß zustande kommt, der m das System dieser Abgabe eine Bresche schlägt, so wird die Rückwirkung von sehr großem Einfluß auch auf die jetzt schwebenden deutsch-französischen sein müs­sen. Frankreich wird seinen Standpunkt gegenüber dieser Abgabe nicht mehr in der gleichen Form und in demselben Umfang aufrecht erhalten können, wenn England selbst als Schöpfer dieser Abgabe den früher eingenommenen Standpunkt anfglbt-

. Lin Schritt der deutschen Gewerkschaften.

DemVorwärts" zufolge haben die Gewerkschaf­ten zum Zwecke ihrer Heranziehungzu den Handelsvertragsverhandlungen in den letzten Tagen verschiedene Schritte unternom­men. 'Jetzt wollen sie gemeinsam beim Auswar- tigen Amt vorsprechen. Wenn nötig, soll ein g e - ni e infamer Sch ritt beim Reichskabl- n e t t erfolgen.

v. Nathusius wieder daheim.

Infolge des Begnadigungsaktes der stanzösi- schen Regierung konnte General v. RathMins die Heimreise nach Kassel über Forbach alsbald -m- treten. Da wir Deutsche ja die franzossiche Mili­tärgerichtsbarkeit nicht anerkennen, Mett der Umstand, daß ein Gnadenakt und lern Rechtsakt bezüglich der zu Unrecht erfolgten Verurteilung des Generals vorliegt, nur eine untergeordnete Rolle. Um die Ehrs des Generals in jeder Hinsicht zu schützen, wird aber der Prozeß vor dem Reichs­gericht in Leipzig erneut zur Durchführung kom-

Wie Havas aus Lille berichtet, hat der General auf die Mitteilung der Begnadigung hm ertlart: Ich bin sehr glücklich, daß die französische Regre- - rung diese Entscheidung getroffen hat. Ich werde nunmehr baldigst meine Familie wiedersehen. Was man getan hat ist gerecht, denn ich bin unschuldig.

Hus dem besetzten Gebiet.

Wie Havas aus Koblenz berichtet, ist der neue Obcrkommandierende der Rheinland-Armee, der Nachfolger Degouttes, Guillaumat, m Kob­lenz eingetroffen, um sich den Mitgliedern der Rheinlandkommission vorzustellen.

Die Führung in der Politik.

Ein Berliner politischer Mitarbeiter ichreibt uns in Betrachtung des bisherigen Verlaufs der Wahlbewegung folgendes:

Der Sinn der Wahlen ist, wenn man sich das seitherige Ergebnis der Wahlagitation aus eigener Anschauung vergegenwärtigt, nicht immer mit dem nötigen Erfolg herausgearbeitet worden. 1s zeigt sich auch bei dieser Wahlbewegung, datz das poli­tische Denken weiter Schichten der Bevölkerung noch außerordenllich schwerfällig ist und datz oer poli­tische Wille immer wieder gebunden wird durch Erwägungen, bie zuweilen weit ab von den großen Lebens- und Schicksalsfragen der Nation liegen. Auch die Tatsache, daß trotz aller Geoenwehr rote- der 25 Parteien auf dem Wam-Schlachrfelo erscheinen, ist wahrhaftig kein Zeugnis für die po­litische Reise. Man kann nur hoffen, daß bie Wäh­ler selber mit diesem Spuk am 7. Dezemoer em Ende machen!

Es haben auch andere Dinge dazu beigetragen, die Wahlklarhcit zu trüben. Mau hat D i s i e r e n- z e n in der politischen Einstellung nach innen und außen innerhalb der bisherigen Regie­rungsparteien selber feststellen wollen. Tat­sächlich liegen solche Differenzen nicht vor, wohl aber ist man nicht allenthalben frei von der uns Deutschen nun einmal anhaftenden Gewohnheit, dis Dinge allzu stark unter persönlichen und zuweilen auch p ar teit attisch en Gesichtspunkten zu sehen. Unserer gegenwärtigen Lage würde emzig und allein entsprechen, wenn man die Dinge fast ausschließlich unter außenpolitischen Gesichtspunk­ten betrachten und behandeln würde. Es rackst sich, wenn danach nicht verfahren wird. Denn im Ziem­lichen sind wir ja anerkannt groß, euer wir ver­lieren dabei auch den Blick über das Große Ganze. So nur konnte es kommen, daß Sinn und Zie. der Wahlen vielfach verdunkelt wurde.

Was wir aber voranstellen müssen bei diesen. Wahlkampf, das ist die politische F ü h tu n g. Sie muß bei der Mitte bleiben. Es ft emc Frage zweiten Ranges, wer dieser Mitte sich an- schlisßt und von woher die Kräfte gewonnen r er­den, um diese Politik der Mitte zu stützen und zu fördern. In diesem Punkte müssen bie Wege offengehalten werden, denn heute schon Dm- dunoen nach der einen oder anderen Richtung ein« zugeben, ist vollständig unmöglich, aber auch un­politisch. Erst auf der Grundlsee des Wabl'raeb- nisfes selber wird man über diese Dinge sich voll­kommen Rechenschaft geben können.

Daß die Führung bei der Mitte bleibt, ist ein Gebot volitischer Klugheit nicht nur, sondern auch eine staatspolitische Notwendigkeit. Wir vergessen viel zu schnell, sonst wurden wir immer wieder uns erinnern müssen, daß die Zu­stände, die vor einem Jahr noch in Deutschland wirtschaftlich und politisch herrschten, als wir nicht nur einen Verfall der Währung mit allen seinen furchtbaren Folgen erleben mußten, sondern als wir'uns auch bedenklichen Verfallserfch-m"noen des Reichs selber man denke nur an die inner­halb der besetzten Gebiete wobl ko"m in ihrer gan­zen Größe und in ihrer gan-eu Gefahr jemals em- geschätzten Sevaratistenaufstände gegenüber* sahen, daß diese Zustände eine Lebensgefahr für Re'ch und Volk bedeuteten. Und was w'r inrw-^en außenpolitisch erlebten und wie vi->l schon vollstän­dig für überwunden holten, weil die Frauen nicht mehr oar so dränaeud sind, sollte uns doch immer wieder w.r Einkehr und zur Selbstbesimnma wah­nen. Wir kommen nur vorwärts 0f t-»n graben Weae der Mitte, wobei es selbstv^ftändlich unbe­nommen bleibt, diejenigen Kräfte sich ar^riebem, die aem-'nsam mit den Parteien der Mitte den gleichen Weg gehen wollen.

* Denkmalsweihe. Im Jnvolidenvark in Ber­lin wurde ein Denkmal für die Gefallenen des 1. Feldartillerieregiments und seiner Kriegsforma- tionen enthüllt. __

Gewiß, wo soll ich alter Mann sonst noch hin? Es nimmt einen, wenn man oft ist, niemand mehr!"

Helmick erbebte unwillkürlich, als er an die Zett in der lärmenden. rauchigen Fabrik zurückdachte. Das war Fron­dienst gewesen dort. Zwar war es später, in der An­fangszeit bei ©eorgiits, als er noch armseliger Klavier- fpteier war, säst noch ärger gewesen. Aber da hatte er den Zwang nicht so empfunden. Die Befriedigung, die ihm der Beifall des Publikums bat, lieft ihn zudem alles sonst vergessen. Jetzt hatte er sich nun emporgttchwungsnt Er ergriff Pittas Arm und drückte ihn, daß sie erstaunt aufseh.

Der alte Ludwig fragte, was er treibe.

Fröhlich antwortete Helmut:Gegenwärtig genieße ich m vollen Zügen eine sechswöchige Freiheit! Dann geht es in die Tretmühle des Alltags zurück. Nach Wiesbaden. Kleinkunstbühne William Georgius!"

Es ist Ihnen also doch gelungen?"

3a aber es war hart und schwer!"

Der alte Ludwig schwieg einen Augenblick und sa dann langsam:Das Leben ist ftartt Dch habe es empfun­den. Mir wird es keinen Aufstieg mehr bringen. Sch habe es nicht verstanden. . .*

Sie hatten den Ott erreicht. Helmut fragte, ob er bereits Nachtquartier habe.

Ich weiß überhaupt nicht, wo ich bin! Sch irre seit dem Nachmittag in den Wäldern herum Meine Harzkartt habe ich verloren"

Helmut wies auf einen Gasthof.Wenn Sie es hier versuchen wollen? Es lall ein guter Gasthof sein."

Hastig bedankte sich Ludwig und verabschiedete sich. Er fragte Helmut nur noch, ob er ihn am nächsten Morgen auf suchen bürte. Helmut gab ihm seine Ndresie. Tann | war der nächtliche Wanderer in dem Gaschos verschwun. ' den.

' Pitta fragte, als sie roeitergingen:Was war das für - ein sonderbarer Kauz?"

* ^Fortsetzung fot »

Dämon Ehrgeiz.

Roman von Sari Lütge.

11] ----------'

Pitta fließ Helmut lächelnd cm.

Helmut wehrte vergnügt ab.Abwatten!" . !

Der Akt begann. Einige mühsam gelungene, sret- bündige Rundfahrten auf der Bühne. Zweimalige such«, auf dem Hinterrad zu fahren. Stehenbieiben bet emporgehobenen Händen.

Helmut lächelte und sah Pitta an. Der Direktor fragte: .Wer versucht es von den Herrschaften?"

Helmut hielt sich nicht länger, obwohl Pitta versuchte, Ihn zurückzichatten. Er ging hinauf aus die Bühne. -3m Saal entstand eine Bewegung. Atemlose Spannung ent- ftanb, als der feine Herr aus dem Publikum das Rad bestieg und zur Probe einige Male einen Kreis beschrieb. An das Rad gewöhnt, begann Helmut feine Nummer, wie er sie im Anfang mit feiner alten Maschine gefahren. Verblüfft standen hinter den Kuliffen die Mitglieder oes Theaters und das Publikum gebärdete sich nach Schluß dieses Aktes wie toll. Er mußte zugeben. . . Wieder­holen. . . (£r tat es lächelnd.

Als der Vorhang fiel, traten der Direktor und die übrigen Herren und Damen der Gesellschaft auf ihn zu.

Das ist keine reelle Sache! Sie können keine tausend Mark bekommen. Sie sind doch mindestens Kunstfahrer.

Helmut wehrte ab.Danke, danke, Berehrtester! Für ein Gastspiel tausend Mark auszugeben, durste Ihr Unter­nehmen nicht groß genug sein!"

Der Direktor atmete unwillkürlich auf. . . Ra ja. Kan sagt eben so zum Publikum, um Effekt zu machen. Sie sind gewiß vom Bau?"

Helmut nickte gelassen imb überreichte feine Starte. tfrrhHfaf der Direktor aus.