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Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 275.

BerantworUrch ür bie Siirirtleitunci: Dr- 3»banneJ Kramer- Anzeigen: I. L arretier, Fulda. StotalionSDrud und Verlag der Zrildaer $ dirrtirdne: m Fcitd. NernlvreLer Rr. 9.

Monatlicher Be-u-SvrciS: 1.50 Mk.

Mittwoch, 26. November 1924.

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51. Zahrg.

Ztaatrsberhailpt und Wahlkampf.

Der Kanzler

triff für gute Sitten im Wahlkampf ein.

In einer stark besuchten Wahlversammlung in Bonn wandte sich Reichskanzler Dr. Marx ent­schieden gegen die Schärfe des Wahlkampfes, wobei er insbesondere die Versuche zurückwies, die Person des Reichspräsidenten in den Wahlkampf zu zerren. Eingehend legte er dar, daß die Behauptung der Rechtspresse, es sei verfassungs­widrig, daß Reichspräsident Ebert noch im Amt sei, unrichtig und unbegründet ist. Er schilderte, wie der Reichspräsident seit 1920 wiederholt auf die Neuwahl gedrängt habe, die jedoch immer wieder aufgeschoben worden sei, zuerst wegen der Verhält­nisse in Oberschlesien, auf dessen Mitwahl man nicht verzichten wollte, und später im Oktober 1922. Als die Neuwahl bereits für den 3. Dezember in Aus­sicht genommen war, wurde vom Reichstag mit überwältigender Mehrheit von 314 von 391 Stim­men beschlossen, die Amtszeit des Reichspräsiden­ten bis zum 30. Juni 1925 zu verlängern. Trotz­dem verlangte dieser im Februar 1924 mit aller Entschiedenheit, daß ein Antrag der Deutschnationa- len Dolkspartei auf gleichzeitige Wahl des Reichs­tags und Reichspräsidenten noch im damaligen Reichstag zur Verhandlung gelangte, der dann aber mit großer Mehrheit abgelehnt wurde.

Der Reichskanzler stellte außerdem fest, daß die neuerdings im In- und Ausland verbreitete Be­hauptung, vier große politische Organisationen seien an den Reichspräsidenten herangetreten, um eine N e u w a h l des Staatsoberhauptes zusammen mit den bevorstehenden Reichstagswahlen zu erreichen, unrichtig ist. Desgleichen wies er den andern Dorwurf, daß der Reichspräsident in die Regie- rungsgeschäfts eingreife, als unwahr zurück, wo­bei er nochmals feinem Bedauern Ausdruck gab, daß die Person des Reichspräsidenten in einer Weise in den politischen Kampf gezerrt werde, die in einem andern Lande einfach undenk­bar wäre. Das Staatsoberhaupt müsie unbe­dingt aus dem Wahlkampf herausgelassen werden.

Das alliierte Schuldenproblem.

Nach demTemps wird die auf der Londoner Konferenz vorgesehene Beratung der inter­alliierten Finanz mini st er nicht vor Mitte Dezember stattfinden. Die alliierten Finanz­sachverständigen, die die Finanzbilanz der Ruhr­besetzung aufstellen und einen Verteilungsschlüssel für die erste Annuität nach dem Dawesplan festzu­legen haben, haben, obwohl sie seit Wochen tagen, noch kein Ergebnis erzielt. Die amerikanische Regierung wird auf der Finanzministerkonferenz im Dezember doch offiziell vertreten fein, da sie das Verlangen gestellt hat, an den aus dem Da­wesplan geleisteten Zahlungen gleichfalls beteiligt zu werden und zwar einmal, um die R ü ck z a h - lung der Besatzungskosten und zweitens, um die Entschädigung der Sachschäden zu erlangen, die amerikanische Staatsbürger wäh­rend des Krieges erlitten haben. Was die letztere Frage anbetrifft, so ist, wie jetzt bekannt wird, ein Abkommen zwischen der Regierung von Washing­ton und den alliierten Regierung getroffen worden, nach desien Wortlaut Amerika den Ersatz der effek­tiven Kriegsschäden, die amerikanische Staatsbürger erlitten haben, verlangen kann, jedoch nicht berech­tigt ist, eine Entschädigung für Pensionen sowie Witwen- und Waisenzuwendungen zu fordern. In welchem Tempo die amerikanische Regierung ent­schädigt werden soll, bleibt abzuwarten, da hier­über die Konferenz der Finanzminister im Dezem­ber zu entscheiden hat.

Neugestaltung des Steuersystems.

Von parlamentarischer Seite wird uns ge­schrieben:

Wie notwendig eine völlige Neugestaltung des heute geltenden Steuersystems ist, haben die amt­lichen Veröffentlichungen der letzten Zeit mit aller Deutlichkeit erwiesen. Man muß übrigens auch feststellen, daß in diesen amtlichen Darstellungen sich recht ausfallende Widersprüche befinden. Als die übrigens sehr mäßige und in ihren Wirkungen kaum nach außen erkennbare Milderung gewisjfr bestehender Steuern bekannt gemacht wurde, ward das mit den erheblich höheren Eingängen begrün­det, die in der Tat über Erwarten groß sich ge­stalteten. Wer über diese Dinge näher unterrichtet ist, weiß, daß das tatsächlich der Fall ist. Nun aber, nachdem in diesen Tagen der Abschluß des Reichshaushalts für 1924 amtlicherseits bekannt wurde, sprach man geradezu denwnstratio wieder­holt von Fehlbeträgen, obwohl in dieser sel­ben Darstellung mitgeteilt wurde, daß man hoffe, daß die Ueberschüsse das Defizit alsbald beseitigen würden.

Ob wohl der Herr Reichsfinanzminister der Mei­nung war, daß die Steuerzahler wegen der An­kündigung von Steuermilderungen übermütig wer­den? Es ist in der Tat gründlich dafür gesorgt, daß es keinem deutschen Staatsbürger dieser Steuer­pflichten wegen zu wohl wird! Aber zu b u n t ist dieses Steuernetz schon lange. Die Reichsregierung selber mußte in ihren verschiedenen amtlichen Be­kundungen zugeben, daß wir uns in einem Steuer­wirrwarr befinden, der noch erklärt urch in etwa gerechtfertigt werden konnte durch die Wirrnisse der Inflationszeit, der aber jetzt so rasch als möglich verschwinden muß.

Wir haben heute noch eine ganze Reihe von Steuern, die unter dem Zeichen der Inflation, also vor über einem Jahr in der Tat unerläßlich waren, um unter allergrößter Einschränkung das Reich und seine Wirtschaft vor dem völligen Zerfall zu retten. Es hat sich damals darum gehandelt, vor

Das englische Vorgehen gegen Aegypten.

Die englische Regierung hat aus Anlaß der Er­mordung des englischen Oberbefehlshabers in Kairo mit aller Schärfe Genugtuung verlangt. Vielfach wird daran erinnert, daß die in ultimativer Form gestellten Sühneforderungen mit der österreichischen Note an Serbien nach der Ermordung des Thron­folgers Franz Ferdinand große Aehnlichkeit hätten. Die Aegypter, die sich nicht wehren können, mußten auf der ganzen Linie nachgeben. Bedeutsam ist vor allem der Rücktritt des bisherigen ägyptischen Premierministers Z a g l u l Pascha, der sich um die Unabhängigkeit des Nillandes große Verdienste erworben hatte. Er hat, um schwere Gefahren für sein Land abzuwehren, seinen Rücktritt erklärt. Dieser Rücktritt und die erfolgte Uebernahme des Amts des Premierministers durch Z i w a r Pascha scheint die Krise in Aegypten zu einem zeitweiligen Stillstand gebracht zu haben. Man hält es für wahrscheinlich, daß die politische Lage sich neu gestaltet und weitere britische Maßnahmen nicht notwendig werden. Ziwar ist als ein ge­mäßigter Mann bekannt und allgemein beliebt. Er war in mehreren Kabinetten und früher Ge­sandter in Rom. .....

Die Zahlung der E n t s ch 8 d i g u n g s s um me von einem halben Million Pfund durch die ägyp­tische Regierung ist erfolgt. Gleichzeitig wurde eine Protestnote überreicht, die sich gegen die Zu­rückziehung der ägyptischen Truppen aus dem Sudangebiet und gegen die Forderung des Auf­gebens allen Widerstandes, sowie hinsichtlich der Wünsche der englischen Regierung in der Frage des Schutzes der ausländischen Interesien in Aegypten wendet. Diese Forderungen werden als unge­rechtfertigt bezeichnet. Da diese Forderungen nicht angenommen wurden, erhielten die britischen Truppen Befehl, das Zollgebäude in Alexandria zu besetzen.

Die englischen SchlachffchiffeIran Sufe" und Malaya" haben Befehl erhalten, sich v o n M a l t a nach Alexandria bezw. Port Said zu be­geben. Der leichte Kreuzerffaroboc", der sich in den griechischen Gewäsiern befindet, und zwei Zer­störer sind nach Suez entsandt worden.

Die Havasagentur veröffentlicht folgende Er­klärung halbamtlichen Ursprungs: Die franzö­sischen diplomatischen Kreise folgen mit großer Aufmerksamkeit der Entwicklung der englisch-ägy- tischen Krise und hegen die Hoffnung, daß der Kon­flikt dem Schiedsgericht des Völker­bundes unterbreitet werden könne, obgleich Aegypten noch nicht Mitglied des Völkerbundes sei, könnte dieses Verfahren vorteilhafterweise einge­schlagen werden, wie dies auch in dem Konflikt von Wilna geschehen fei, mit dem sich der Völkerbund befaßt habe, obzwar Litauen damals auch noch

nicht zugelassen gewesen sei. Was die französische Regierung betreffe, so sei sie durch den Vertrag von 1904 hinsichtlich der Aufrechterhaltung des engli­schen Protektorats über Aegypten gebunden. Sie werde sich also vollkommen außerhalb des Konfliktes halten.

Protest Aegyptens.

wtd London, 25. Rov. (Tel.) Der2!lor- ningpost" zufolge hat die ägyptische Kammer in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, Proteste gegen das ägyptische Vorgehen an alle Parlamente zu richten. Der Genfer Korrespon­dent desDaily Telegraph" meldet, in Kreisen des Völkerbundes werde es nicht für wahrscheinlich gehalten, daß irgend ein Mitglied des Bundes im Völkerbundsrat eine Intervention in der ägyptischen Angelegenheit beantragen werde, da die ägyptische Frage als eine innere Angelegenheit an­gesehen werde, die nicht unter die Befugnisse des Völkerbundes falle.

Die Ansicht in London.

wtb London, 25. Rov. (Tel.) DieDaily Mail" schreibt, es fei unwahrscheinlich, daß die bri­tische Regierung irgend eine scharfe Maßnahme beschließen werde, bevor die neue ägyptische Regierung die ablehnende Antwort Zaghlul Paschas einer Nachprüfung unterzog. 3m Hinblick auf die Möglichkeit einer ausführlichen Er­örterung der Lage in Aegypten im Anter Haus werde Lharnberlain feine Absicht, an der Tagung des Völkerbuudsrafs in Rom feilzunehmen, auf­geben.

Die Räumung des Sudans.

Wtb C 0 n b o n, 25. Rov. (Tel.) Reuter meldet aus Kairo vom 24. Rov. 8.15 Ahr abends: Die Räumung bee Sudans durch die ägyptischen Offiziere und Mannschaften sei planmäßig im Gang. Da» ägyptische Parlament hat einen Aus- schuß ernannt, um die von der Opposition und von den Anhängern Aaglul Paschas unterbreiteten Anträge zu prüfen und eine Protestkund­gebung zu veranstalten, die dem Hause vorge- legt werden soll.

In Port Said.

wtb London, 25. Roo. (Tel.) Die «Daily Mail" meldet aus Kairo vom 24. Rov. 7.15 Ahr abends, in Port Said hätten sich einige A n - Zeichen von Unruhen bemerkbar gemacht. Britische Flugzeuge seien an Ort und Stelle er- schienen, woraus sich die Menschenmassen zer­streuten.

allen Dingen die Notenpreffe sttllzulegen, um die ungeheure Geldzeichenvermehrung, die immer wei­ter das Geld verschlechterte, aufzuhalten. Es hat sich damals weiter darum gehandelt, mit robusten Mitteln den Ausgleich im Haushalt in Ausgaben und Einnahmen vorzunehmen und beides sollte dann die Stabilisierung der Währung und der neu geschaffenen Rentenmark bewirken. In der Tat hat diese Eisenbart-Kur auch geholfen und es er­möglicht, daß wir heute in der Tat nicht nur eine Balancierung des Reichshaushaltes, sondern auch recht erhebliche, bereits in die Hunderte von Millio­nen in Gold gehende Ueberschüsse im Reichshaus- halt haben.

Infolgedessen wird nun jetzt und auch das Reichssinanzministerium könnte in diesem Punkte etwas beweglicher sein an die Schaffung eines wirklichen Steuer systems, an bie Herstellung einer Steuerorbnung und an bie Verein­fachung unseres ganzen Steuerwesens hinsichtlich der Veranlagung wie ber Erhebung der Steuern herangetreten werben. Die Vorarbeiten dafür sind allerdings schon seit längerem im Gang, aber man ist offenbar etwas zu ängstlich in der Ergreifung von Maßnahmen, die allerdings einen entscheidenden Bruch mit ber Steuerpolitik des letz­ten Jahres bebeuten müßte, wobei allerdings fest- gestellt fei, daß diese Steuerpolitik bie einzig mög­liche war, um uns vor dem gänzlichen Verfall zu retten. Nachdem aber heute andere Voraus­setzungen sind, hat der deutsche Staatsbürger den Anspruch, daß ein offenbares Unrecht beseitigt wird und auch im Steuersystem die Grundbedingungen der G e r e ch t i g k e i t und dessozialenAus- gleichs erfüllt sind.

Beefsteak mit Spinat.

Ein Leser schreibt derFrankfurter Zeitung": Warum sollte ich nicht bekennen: Ich esse lei­denschaftlich gern und beliebig oft Beefsteak nut Spinat. Man wolle ann-hmen, daß mir aus diesem Grunde beifpielsmetle eine von ber Regierung geplante Ueberfühcung bes landwirt- aj/uchen Kleinbetriebs in große Guter unftjm- pach sch wäre, weil hierdurch der Gemüsebau, also auch die Produktion des begehr en Spinats zuruck- i*nfc ber Preis für bas Wunderbare in die Höhe g nee, auch bie Rindvieh Produktion nackließe. Trotzdem würde ich mich zu der Selbstbeberrschung für verpflichtet halten, keine Partei derjenigen zu gründen, die für Beefsteak mit Spinat ihre Erstgeburt zu verkaufen bereit wären. Ich unter­lasse die Gründung nicht deswegen, weil ich glaube, die Zahl derer, die Huhn mit Reis bevorzugen, sei

so groß, daß meine Werbetrommel umsonst trom­melte. Ich wäre gewiß, eine Partei mit mehr als 60 000 Stimmen auf die Beine zu bringen. Ader es würde mir einfallen, daß es vielleicht noch wichtigere Dinge geben könne und daß die Wahlparole, alles zu ausreichender Produktion von Beefsteak und Spinat zu tun, nicht wohl zu einer Politik ausreiche. Vielleicht könnten sich diejeni­gen Staatsbürger, die wegen der Aufwertung einer Hypothek oder wegen der Niedrighaltung der Mieten ober aus sonstigen Spezialgründen, (in Hamburg z. B. weil sie eine Wohnung suchen), Spezialparteien angehören und hierfür ihre Stimme abgeben, diese Erwägungen einmal durch den Kopf gehen lassen. Vielleicht könnten sie sich überlegen, ob es zweckmäßig und würdig sei, aus einem einzelnen Gesichtspunkt heraus einen Abge­ordneten zu wählen, der in allen anderen Fragen ausdrücklich f r e i e Sj a nb hat. Beschämend müßte es für einen alten ober neuen Konservativen fein, einem Vertreter der Mieterpartei seine Stimme zu geben, der zwar gegen den Abbau bes Mieter­schutzes stimmt, im übrigen aber mit der Sozial­demokratie geht, beschämend für einen guten De­mokraten, einen Mann von dem Monstrum ber Aufwertungspartei zu wählen, ber etwa außen­politisch ben gefährlichen Weg der Deuffchnationa- ien geht. Lieber kein Beefsteak mit Spinat, lieber bann in Gottes Namen Schnitzel mit Kartoffeln, lieber auch dreimal in der Woche Erbsenbrei.

Tariffragen.

-- Sentca'e £of)poerbanb?ungtw Der .Vorwärts" bringt eine Mitteilungen und Gemeinde» un6 Staats arbeit er verband, wonach bte Lohnver- Handlungen in Reichkfinanzminisierium für die Betriebs- und VerwaltungSarbciter des Reiches gestern nachmittag ;um Abschluß gelangt sind. Die Lohnerhöhung, die vom 16 November ab gilt, beträgt zwischen 9 und 12 Prozent. _

= Die »atstlichen kiachs-lulen sind nunmehr den Uni- versitöten, technischen, landwirts taftlichen und tierärzt- lil-en Hochschulen gleichgestellt und können den Titel eines Toklo>S dec Forstwissenschaft verleihen.

Richt durch Krieg und ne1 en Umsturz, nur durch Arbeit kommsn wie zur Freiheit und dauerndem Frieden.

Reichskanzler Marx.

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Die Verhandlungen in Paris.

Die Bedeutung der deutfch-franzöfischen wirfschaflsverhandlungen. -

wtb Paris, 25. Roo. (Tel.) Der ehemalige Minister Loucheur hat einem Mitarbeiter des 3ournal inbuffrid erklärt, Deutschland hat eben- safehr ein Interesse daran, daß die Sandelsver- fragsverhandlungen rasch beendet würden. Deuffchland könne für feine Industrie das Recht zu leben verlangen, aber Frankreich habe für ferne Interessen das gleiche Recht. Die wirtschaftliche Rivalität der Schwerindustrie könne für die beiden Völker eia Element wirtschaftlicher Beun­ruhigung und dann^ruch der Vorläufer poli­tischer Beunruhigung werden, trotzdem fei er der Ansicht, daß man biefe Frage nicht allein mit Deutschland behandeln dürfe. Verhandlungen über die Kohlen- und Sfahlfraae dürften zwischen Frank­reich und Deuffchland nicht ohne Beteiligung von Belgien und England siattfinden. Man müsse sich auf wirtschaftlichem Gebiet auf das gleiche Terrain begeben, auf das man sich hinsichtlich des politischen Friedens in Gens be­geben habe.

Llsatz-Lothringen.

wtb Paris, 25. Roo. (Tel.) Wie die Morgen­blätter berichten, ist gestern im Lause der deutsch- französischen Verhandlungen über den Abschluß eines Handelsvertrags auch die elsaß- lothringische Frage besprochen worden. Man sei noch zu keiner Lösung gekommen, sei aber geneigt, daß das Studium dieser Frage im Laufe der Verhandlungen über die Metallwaren, Eisen, Textilien, weine und Rahrungsmittel jeweils wie­der besprochen werde. 3m ganzen glaubt man, daß die Konferenz noch etwa 5 Wochen dauern werde.

* Dr. Eckener in Berlin. Am Montag abend gegen 11 Uhr ist Dr. Eckener von Bremen kommend, im Auto in Berlin eingetroffen. Etwa 100 Personen, bte sich vor dem Hause am Kurfursien- bamm, wo Dr. Eckener abgeftiegen ist, ongesommelt hatten, brachten ihm Ovationen dar. Dr. Eckener gedenkt bis Anfang nächster Woche in Berlin zu bleiben. .

* Ein schweres Explosionsrmgluck trug sich tm Orte Königsbrunn bei Augsburg zu. Der Landwirt HanS Frisch batte ojne Genehmigung tn seinem Hause zu BeleuchtungSzwecken eine Ace thlenan- läge eingerichtet, die anscheinend schadhaft getootben war, sodaß sich in dem Raume, indem sie sich be­fand, Gase bildeten. Plötzlich erfolgte eine schwere Explosion. FrischS Sohn und Frau wurden schwer veiletzt, das Anwesen selbst stürzte teilweise ein. Da da« Haus ziemlich frei lag, wurden wettere Ge» bände nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Die Spanier in Marokko.

Aus Hendaye wird gemeldet: Nach den allmäh- sich au§ Spanien durchsickernden Nachrichten über die Sage in Marokko soll sich die Zahl der bei-dem spanischen Rückzug am 19. November g-fallenen und verwundeten spanischen Offizieren auf 25, batumer General Ferrano und ein Oberstleutnant, belaufen. Es sei zu befürchten, daß der Rückzug von Suk-El- Arba auf Tetuan sich unter noch schwierigeren Be­dingungen vollziehen werde, da das zwischen den beiden Punkten liegende ungefähr 30 km breite Ge­lände fast überall mit Schluchten und steilen Ab­hängen besät ist. ___________

Kameruns Versteigerung.

In London hat im Winchesterhouse in der Broadstreet die Versteigerung des frühe­ren deutschen Eigentums im jetzige» Bri- tisch-Kamerun stattgefunden. Der Versteigerer teilte bei Eröffnung der Auktion mit, das zu verstei­gernde Eigentum werde auf Anordnung des Ver­walters des feindlichen Eigentums für die bri­tische Regierung verkauft. Die Beteiligung an der Auktion war groß; die Hälfte der Plätze war vorbestellt. Die Frage eines Anwesenden, ob er das von ihm gekaufte Eigentum an einen Deut­schen weiter übertragen könne, bejahte der Versteigerer; dagegen protestierte jedoch der Frage­steller, was Heiterkeit unter den übrigen Anwesen­den heroorrief. Auf eine weitere Frage aus der Versammlung, ob ein Käufer EnglandsS ch utz genießen werde »antwortete der Auktionator, das verstehe sich von selbst. Es wurde alsdann zuerst ein Besitz von 34 550 Acres. 6 Meilen wesllich von Viktoria, für 9000 Pfund verkauft. Als ein An­wesender um Bekanntgabe des Namens des Käu­fers bat, erklärte der Auktionator, wie bei allen würden auch bei die Versteigerung feine Na­men genannt. Weiter wurden verkauft eine Geb palmen- und Gurnmivlantage von 5005 Acres für 2500 Piund; eine ähnliche Pflanzung für 2000 Pfund; ein Besitz von 32 000 Acres für 32 500 Pfund; ein weiterer von 14 000 Acres für 10 000 Pfund. Ferner wurden gezahlt 8000 Pfund für 6000 Acres, 3000 Pfund für 824, 1100 Pfund für 1200 und 100 Pfund für 2% Acres. Eine aus drei Räumen bestehende Fabrikanlage wurde für 50 Pfund verkauft. Die Victoria-Molyko-Desisiung von 31 000 Acres wurde ür 78 000 Pfund verkauft. Im Auktionssaal waren zahlreiche Deutsche anwesend. ________ d

Ter ewige Haber in Mex ko. Eine Nachrichten- aaentur berichtet aus Newyork, ein Telegramm aus Mazatlan besagt, daß Generae Angel FloreS gegen die mexikanische Regierung r ev o l 11 er t habe. General Angel Flores war der Gegenkandidat des General Calles, der zum mexikanischen Präsidenten gewähL worden ist.