■■■■■■
Zur Unterhaltung
$ulfcaer Zeitung
Dämon Ehrgeiz
Rontan von Karl Lütge.
Die wundervolle Einrichtung des heftigen Stoßes an der | Haltestelle wirkt leiblich auf Herz und Gemüt.
*
Nun bekommt auch der Film die hohe „Professur". I Er wird hochwissenschaftlich. Eine Privathochschule läßt 1 Thea von Goebou und Alfred Abel über den Kunstfilm I lesen. Die wichtigste Abteilung über „Filmdramaturgie «Ephraim Lessing, staune!) bearbeitet Dr. Beyfuh, den Deutschland und das Ausland vom Kulturfilm aus genau kennt. Er betrat damit ein neues, noch ungeschürfter wissenschaftliches Filmwunderland.
Der Film fängt also an, Hand und Fuß zu bekom- | men und sicher ist das kein Schaden, wenn scharfe Köpfe i sich mit einer Materie befassen, die manches Mal zu sehr in den Niederungen des Volksgeschwaders plätschert. Jedenfalls rate ich den sogenannten Filmautoren (das | Wort schmeckt nach Suppenfleisch mit Meerrettichsoße), sich diese Vorträge zu Nuß und Frommen der Kino- , besucher anzuhören.
Ein Ritter Blaubart wurde in diesen Tagen wegen seiner Vielseitigkeit im Schwindeln und in der Liebe zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt. Der verheiratete Ritter Blaubart reagierte auf ernsthafte Heiratsinserate und bestellte die Schönen in ein Cafe oder an eine Straßenecke; als Erkennungszeichen hielt er die berühmte rote Nelke in der Hand und unterm Arme befand sich eine wundervolle Aktentasche, in der meistens nichts drin war. Die jungen Damen, nach und nach waren es neun, verliebten sich auch bald in Herrn Blaubart, der sich als Generaldirektor einer großen Fabrik ausgab. Manches Mal brauchte der Herr Generaldirektor zufällig Geld und die Damen waren in ihrer großen Liebe stets bereit, das Letzte ihrem Apollo von Cöpenick-Beloedere hinzugeben (in Cöpenick befand sich seine Jllusionsfabrik). Oft sprach der Bräutigam von seiner sehr reichen Großmutter. Eine junge Dame wollte die herrliche, vornehme Frau in Cöpenick kennen lernen, da erklärte ihr der Ritter Blaubart, es fei nun nicht mehr möglich, die alte Frau sei vor einer Stunde vom Schlag gerührt worden. Pech muh man haben.
Eine andere Braut wollte einer Tages seine Fabrik besichtigen, um sich ein Bild ihrer Zukunft machen zu können. Da mußte sie die traurige Entdeckung machen, daß sein ganzes Besitztum aus einem leeren Zimmer bestehe. Bei der Gerichtsverhandlung wies der Herr Verteidiger auf den köstlichen Optimismus und auf fein leichtsntflammtes Herz hin. Der Herr Fabrikdirektor habe meistens selbst an Dinge geglaubt, die nicht vor- Händen seien. Er sei ein Rätsel und ein verliebtes Monstrum.
Das Gericht aber war ganz anderer Ansicht.
Nach Verkündigung des Urteils fanden sich die neun Bräute draußen zu allgemeiner Aussprache, zusammen und sie gingen alle in ein Cafe, wo jede einzelne bei Schlagsahne und Kuchen ihre Erfahrungen mit dem „Fabrikdirektor" zum besten gab.
Damenstrümpie
„Haferl"-Stuften — Mars-Gamaschen.
Berliner Kleinbilber.
Don Egon H. Straßburger.
Dorstadijubiläum. — 3m Zeichen des Streiks. — Klatsch. — Wissenschaft im.Film. — Ritter Blaubart.
Berlin hat ein kleines Jubiläum zu verzeichnen. Die hübsche Vorstadt Friedenau feierte ihr fünfzigjähriges Bestehen. Laut tönten die Glocken, Musik zog auf und alles schwelgte in Kuchen und Bier.
Vor fünfzig Jahren soll es in Friedenau sehr gemütlich zugegcmgen fein. Es hatte ein paar Häuser, die man damals Villen hieß. Diese paar Villen zusammengenom- tnen bildeten eine Gemeinde.
Em Omnibus war für den Personenverkehr da und dreimal besorgte ein dürrer Gaul die Verbindung zwischen Friedenau und Berlin. Ich ließ mir sagen, daß diese Equipage mit ihren Plüschsitzen allerlei Insekten beherbergte, daß sich aber die guten Friedenauer nicht abhalten liehen, täglich das grandiose Beförderungsmittel zu benutzen.
Der Columbus von Friedenau nannte sich Davio Dorn und er rief in den Gründerjahren den Landerwerb- und Bauverein auf Aktien ins Leben. David Born, alias der Columbus von Friedenau, schuf also diese reizerttre kleine Villenstadt.
Die Vorstadt Berlins atmet heute eine ganz eigene Mimmung. Unzählige Zweistockhäufer befinden sich in dieser ansehnlichen Stadt und im Frühling ist ein großes Blühen und Duften in den kleinen Gärtchen vor den Häusern. Besiedelt ist Friedenau hauptsächlich von Beamten mittleren und „gehobenen" Grades und der Kastengeist und die Klatschsucht gedeihen hier ebenso lieb- 'iich rote in den Kleinstädten der Provinz. Wer daran 'Zweifel hegt, begebe sich auf acht Tage in die Jubiläums- stadt Friedenau, in der die Frau Geheimrat genau weiß, was die Frau Tierarzt für ihren neuen Hut bezahlt hat oder absolut unterrichtet ist über die Karriere des Herrn Landgerichtsdirektors nebst Gemahlin ....
♦
Weil wir doch gerade beim Klatsch angelangt sind, Keim Grohstadtklatsch, so wollen mir des Doktor Duy- en, der jüngst in einer stillen Straße durch Kohlengasvergiftung gestorben ist, gedenken. Ganz Berlin war «oll von diesem Ereignis und alle möglichen Auslegungen fattben willig ein Ohr bezw. fanden Ohren. Lieser Man« litt an hochgradiger Schlagadernverhartung imd in seinem Blute konnten Kohlenoxydgase festgestellt «werden. Sein alter Freund, der einen Neroenzusammen- chruch bekam, wurde da und dort als Schuldiger bezeichnet. Die Itttungen waren voll von allen möglichen Mutmaßungen, aber schließlich war das Rätsel gelost, (indem festgestellt werden konnte, daß Dr. Duysen genau jo einem Unglück zum Opfer gefallen war wie tn etwas cnberer Form ein gewisser Emil Cola tn Paris. Die große Sensation, das Mystische an der Angelegenheit zerplatzte rote ein Luftballon und das Heim der beuten alten Doktoren, das von Hunderten und Tausenden umlagert war, liegt wieder still da wie jedes andere Haus in edter ruhigen Berliner Straße.
Eine ähnliche Aufregung gab es neulich irgendwo, als eine junge Dame in einem Konservatorium etnge» schlafen war und eingeschlossen wurde. Dort wurde die Feuerwehr alarmiert und wieder umstanden Tausende das Gebäude, um zu sehen, wie die betreffende junge Dame von dieser Feuerwehr „gerettet* wurde.
Wenn man so durch Berlin geht und die Augen offen hält, kann man alle fünf Minuten auf „Großstadteretg- nsise" stoßen. Einmal fällt ein Pferd zu Boden, was hochinteressant ist, ein andermal stößt ein Betrunkener einen Nüchternen, was noch interessanter ist, und schließ, sich kann man auch sehen, wie ein Verbrecher abgefuhrt wird, was wohl das Interessanteste ist.
Die Menschen bleiben eben immer dieselben und man tut den kleinen Städten Unrecht, wenn man sie mit dem Ausdruck „kleinstädtisch" beehrt. Das große Berlin ist ja hundertmal naiver und manchmal alberner tn vielen Lingen. .
Der Hochbahnstreik hat so recht wieder gezeigt, wie der Mensch ärgerlich sein kann, wenn er aus fernen tag. tuten Gewohnheiten herausgerissen wird. Es gab m diesen Tagen ein heftiges Fluchen und Wettern. Wer «wohnt ist, die Hoch- und Untergrundbahn zu benutzen und sie nicht benutzen tarnt, kann bei dieser Gelegenheit wahnsinnig werden. Ihm fehlt der Rhythmus der Fahrt, ihm fehlt die Schnelligkeft, seine Nerven fiebern, seine ^“safür’roaren die elektrischen Bahnen überfüllt und überlastet. Es gibt kein grauenvolleres Verkehrsmittel als die überfüflte Elektrische. Wenn die Menschen da- stehen rote die Heringe, sind sie dem Selbstmord nahe.
heileres.
Kleines Mißverständnis. „Arbeit suchen Sie?" — Hm die hätte ich schon!" — „Machen Sie denn nicht zu große Ansprüche?" — „Durchaus «nicht! Ich bin sogar mit sehr wenig Arbeit zufrieden."
*
Der Friseur. Der Arzt: „Sie haben sich sehr über- anftrengt und brauchen zur Erholung viel Ruhe. Vor allem dürfen Sie Ihr Gehirn nicht 3U arg anstrengen und mästen sich überhaupt von jeder Kopfaroert jern- halten." — Der Kranke: „Das ist mir leider unmöglich, Herr Doktor, ich bin Friseur."
Der Kampf gegen das Meer. Dammbau nach Sylt. — Zwischen Geest und Marsch. — wie die Halligen entstanden. — Die großen Sturmflukkatastrophe«. — Der Mensch und da« Meer. — Neue« Land.
Gegenwärtig wird von KlanKüll nach Sylt ein gewaltiger Damm gebaut, dessen Bauzeit jetzt noch auf 8 Jahre veranschlagt ist. Im Sommer haben 1000 Arbeiter an dem Werk geschafft. Dar Weltbad Sylt soll mit dem Festland durch eine Eisenbahn verbunden "°Vtelfach waren schon die Anstrengungen, dem Meere Land abzugeroinnen. Vielfach endete aber Kampf mit einer Niederlage der Menschenkraft. Wenn das Meer drallst und fich gegen das Land erhebt, dann reißt es unbarmherzig Land und Leute in ferne Tiefe. D.e Inseln Fanö, Röm, Sylt, Amrum deuten noch heute fee Linie an, die ehemals die Küste zog. In ihrem Schutz liegen Föhr, Rordstrand, Pellworm und die kleinen, nicht eingebetteten Marschinseln, die Halligen. Dichter be- cmgen sie: Storm, ßiliencron, Frensten, von Perfall, Mügpe und andere. Drinnen im Lande weiß man wenig von ihrem harten, kampf gern ahnten Leben, von ihren Schönheiten im Sonnenlicht, im Wettechurm, von dem Schwirren und Schweifen der Bogelscharen über den ^Zweimal täglich mögt, das Meer in dem umhrh^ amphibischen Gebiet auf und nieder. Das eine Mal ist alles Wasser: Die Wellen wogen an der niedrigen Kante der Halligen, wie an dem Steilufer von Sylt und Fohr und bespülen die hohen Deiche der Marschinseln, das
zember 1909, die eine feit vielen Jahren nitfe gefanrite Höfe erreichte, vermochte an den breit und trotzig hm gelagerten Seedeichen mit aller Wut und allem Schwall nichts auszurichten: und wir können nun wohl m t besserem Rechte die damals vermessenen und bald grau- sam gestraften Worte des De ich grafen von Ri- fummoor gebrauchen, der im Sommer 1 ■ fertiggestelltem Deich ausrief: „Trutz dir nun, blanke Hans!" Denn wenige Monde später kam die entsetzliche Flut vom 10. Oktober, der ein großer Teil des alten Nordstrandes zum Opfer fiel.
Zur Sicherung des Landes sind in den letzten -Jagr zehnten außer der Verstärkung und Sicherung der Seedeiche, hinter denen jetzt die Bewohner trotz Sturm un Wogenprall sicher ruhen können, noch sonstige Arbeiten ausgeführt. Dahin gehört die Bepflanzung und Fes-- legung der Dünen, der Anlegung der Bühnen an der Käste von Sylt und von Flechtwerk, Zäunen und Stem- dosfierungen auf den Halligen, um der Abbröckelung vor- zubeuqen. Aber man begnügt sich nicht, das Vorhandene 'zu sichern, sondern sucht in stetigem Kampf mit bem Meer ihm alljährlich neues Land abzugeroinnen, Ginstermann.
8) ------------
„Stäber nur bis zu einem gewissen Grade! Jetzt sind Sie ihm zu groß und zu berühmt geworfen! Da fetfrt <r Sie, Sie verdunkeln seinen Ruhm, am fern „er noch -ehrt!"
Helmut schüttelte den Kopf. *
.Ich kann es mir nicht denken!"
n__ Sie kennen sie näht, diese Kastel — Ich feae
tu alle durch! Allel Von dem scheinheiligsten, llebens- roürdigsten Direktor, fer dabei der größte Saunet ist, ins &' fern erngebillxttsten Lassen! Bon denen, d« ganz m im Kot wühlen, bis hinauf zu dem auf der höchsten tztufe Stehenden kenne ich sie!"
Helmut sah sie bewundernd an und sagte ehrlich und faote langsam: „Sie sind zu beneiden, Pitta! Sie fasten das alles so nüchtern und selbstv-rständlich aus . . ..
Die Tänzerin wehrte müde ab. „Das macht die Er- ^fielmut schauderte ein wenig. Er empfand plötzlich Fnrcht vor dem, was noch kommen würde und was ihm unausbleiblich schien. Ihm graute es, auf fer Bahn, die tr betreten, weiterzuschreiten.
Seine Begleiterin, die fest und sicher neben ihm schritt, schien seine Gedanken zu erraten. Sie sagte: ,,Man darf sich nichts daraus machen! Mcm muß sich über Ächts wundern. Alles ergeben und ruhig hmnehmen!
In Helmut stieg ein Gefühl fer Bewunderung für feine Begleiterin auf. Einer plötzlichen Eingebung sol- *ent>, ergriff er ihren Arm, drückte chn heiß und Ham- jwtte: „Wir wollen gute Freunde Weifen; Horst du.
Ja — du!" __ .
Dicht nebeneinander gingen sie. . ■ ■ Sie fachen Mcht mehr. . . . Nur der Druck ifeer Hande redete.
9. StegciteL
Sie gingen allabendlich zusammen. Selbst « Gegenwart her anderen nannten sie sich jetzt „du . Anfangs fiel es auf unS forderte Spötteleien, nament.tch fes „schönen Adolf" und der, wie es schien, etwas nerotfmen Ahrens heraus. Aber dann gewöhnte man sich daran und stmd nichts mehr dabei.
Zur Probe sagte Linden, der in letzter Zeit zu der I Sängerin Valeska Rioletti hielt, welche für fee abgegen- r^ne Ahrens eingestellt war: „Kinder - wir machen 'ne Rhemrrise! Der Direktor zahlt jedem Feriengeld!
„Famos, famos," riefen in die Hände klatschend die
Eine neue Tänzerin fragte: „Alle zusammen?" I Der „schöne Adolf" sagte abwehrend: „Ich gehe an
** Noch einige andere hatten besondere Pläne Es blieben mir sechs, die sich für eine Teilnahme an der Rhcm- reife entschlossen. . I
Linden hatte bereits alles ausgearbettet „Wir beginnen mit Köln! Ls geht über Dann, Koblenz, Goar, Bingm, rheinaufwärts «echs Wochen lang. Ganz gemüÄich, wie Leute, fee Zett und viel Geld haben. Mite Juli find wir in Wiesbaden, um Direktor Geor- zins wieder zur Derfügcmg zu stehen. „ .
Bravo bravo!" lobten dieiemgen, fee für fee Wie waren. Piiia sagte leise zu Helmut: „Setzt W umer | i -Reife plan fest! Wir reden mittag noch davon. Helmut
Als sie zu Mittag in ihrem Speisehauft saßen, das ft feit einiger Zeit gemeinschaftlich b suchten, tarn Pitta wieder auf ihre Serienreife zu spr chen.
„Ich mag in den sechs Wochen eirund nichts von dem, was man jetzt imm r um sich rum hat, fefem JLMr reifen deshalb für uns und beginnen mit unserer Rhem- rdfe in Mainz und b enden Jte m Koblenz. Don den I anderen mag ich nichts sehen!"
Helmut nickie. „Mir ist es gleich'. Du mutzt das des-
I fer als ich v rstehen!" .
I Als es heraus war, tat es ihm leid, daß er sich unselbständig gezeigt hatte. Sich verbesternd, setzt er hastig hinzu: „Das heißt, welcher Art die Reise ausgi führt wird! Ich kenn« die Gegend nichts Raum noch von fer ; Geogiaphiestunde der Schule her!
Pitta saate, seine mühsam verborgene Verlegenheit ab- sichtlich nicht bemerkend: „Ich habe bereits Retschand- bücher. Wir verroeyfen etwa 14 Tage auf den Rhein, fee übrigen vier Wochen faulenzen mir im Harz, irgendwo in einem kleinen Nest.'
! Helmut fragte: „Kennst du den Harz.
„Ja — ich war als Kind von meuter ^Vaterstadt aus, | fee nicht weitab vom Harz liegt, ost dort!, »
andere Mal ist alles Land und wette, grauFlachedie ] aber von einem Netz von Wasserläufen, den s°^Prielen durchzogen ist, wie ein anderes Land von emem Flußnetz. Hier und da bleiben Tümpel mtt a“*b ®e‘‘” „„rück. Muscheln und Schnecken liegen zerstreut herum, überall aber sehen wir die eigentümsichen, tnauelformigen Mischen des Sandpier-, eines regenwurmahnlichen Wurmes, der an vielen Orten als Köder beim Fifchf 8 I benutzt wird. Dies alles gibt reichliche Nahrung fur die Seevögel, die einst in unermeßlichen Scharen das Gebiet I bevölkerten.
Wie ist das Gebiet entstanden?
Gegen Ende der jüngeren Steinzeit hatte das Meer infolge einer stetigen, langsamen Senkung seine g^ß.e Ausdehnung erreicht. Die heutige Grenzlinie Misch » Geest und Marsch gibt den Verlauf der damaligen Küste an. Mit dem Aushören der Senkung begann das wech el- volle Spiel der aufbauenden und zerstörenden Taugk tt I bes Meeres. Die dem Hauvtanprall der Wogen ausge- t fetzten Inseln Röm, Sylt und Amram und m zweiter Linie Föhr wurden weiter von den Fluten bestürmt verkleinert, in den stillen Buchten der Küste dagegen wuchsen die Watten allmählich bis zur Hohe der ordn I nären Flut, indem das Meer hier den durch seine zerstörende Tätigkeit gewonnenen Schlamm nlederschlug. Stellenweise haben diese Ablagerungen eine Mächtigkeit oon 20 Metern. Die Menschen, die sich hier anstedelten, I suchten sich gegen den gefährlichen Nachbar, der lederzett bereit war, dos eben Aufgebaute wieder zu zerstören, dadurch zu schützen, daß sie ihre Hütten auf Werften cr- I richteten und auch für das Vieh erhöhte Platze fchuftn, I wo dasselbe bei Springflut Zuflucht sand. Je weiter die I Kultur fortschrttt, je mehr sich die Bewohner zusammen- I schlossen, um so mehr wuchs auch das Bestreben, sich noch besser gegen Ueberfälle des Meeres zu schützen, und I
I dies geschah durch Erbauung von Deichen.
"Schon im achten Jahrhundert wurden große Marsch- gebiete eingedeicht. Aber die damaligen Seedeiche, die etwa 3 bis 4 Meter hoch und sehr stark waren, vermochten auß e r ge w ö h nli ch e n S t urm f l ut e n nicht zu trotzen, und so mußte jede große Sturmflut oft mehrere in einem Jahrhundert, Unfett und Not über große Gebiete bringen. Ganz besonders ragt tn dieser Beziehung das 14. Jahrhundert, das Leidens, ah r- hundert Nordfrieslands, hervor; die Jahre 1338 und 1362 sind durch verhängnisvolle Sturmfluten ausgezeichnet. Desgleichen später die Jahre 1634, 1717
I und 1825. Der Sturmflut des Jahres 1362, von den Friesen die große Manndränke (Mensthen. ertränk,mg) genannt, sollen große Teile von Sylt mit | dem Marschdorf Steifem zum Opfer gefallen fern. Bei der entsetzlichen Sturmflut vom 10. Oktober 1634 winde
I die alte Marsch- und Moorinsel Nordstrand zertrümmert. | Etwa 13 000 Hektar Landes gingen verloren, nachdem 6200 Menschen und 50 000 Stück Vieh ertrunken und
I 1300 Häuser zerstört waren.
Aber wir dürfen nicht denken, daß das Meer das Land im ersten Ansturm genommen und behauptet yave. I Vom größten Teil des überfluteten Gebietes lief das I Wasser bei Ebbe wieder ab. Do - Land lag also, wie einst bet der Eindeichung, noch in nrutnarer Fluthohe
I Aber die Deiche waren zerstückelt, große unb tiefe Wehlen I allenthalben in den Boden gerissen und die ferch Be- ackerung aufgelockerte Grasnarbe teils verschtickt, teils abgeschält, so daß zunächst die Feldbestellung ruhte. Dazu kam der Winter mit seinen Stürmen und immer wieder-
I holten Ueberschwemmungen, bei denen sich fee ins Land führenden Wasserwege immer mehr verbreiterten. Immer mehr schälten die Wogen von der Landflache ab bis oll- mähüch das Land Watt wurde und ««geglättet fee I täglich zweimalige Wasserbedeckung über sich Ergehen lassen mußte. Lange Jahre mühten sich fee der entsetzlichen Flut entronnenen Bewohner, die Muren wieder einzudeichen. Aber bei den unzulänglichen Mitteln I konnte nichts Genügendes geschaffen werden. Und fo wurden sie müde und gleichgültig und schließlich landflüchtig. Erst den mit großen Vorrechten ausgestat- teten Holländern gelang es, einige Köge emzudelchen und dauernd zu sichern. Der aufgelöste Rest des Landes erhielt sich in Form zahlreicher Hal l t g e n, oon denen
I t «Laufe der Jahre schon viele verschwunden sind, andere nur noch dürftige Reste darstellen, fee über kurz oder
I lang dem Untergänge geweiht sind, wenn nicht I energische Hilfe kommt.
Bei diesem großen und bedauernswerten Landverlust I muß man sich nun vergegenwärtigen, daß das Meer nich neues Land verschlungen hat, sondern nur ro,eder an sich riß was ihm durch allerlei künstliche Mittel entzogen und durch Deiche begrenzt war. So können wir annehmen, daß in historischer Zett Nordfriesland nicht kleiner, sondern im ganzen eher etwas großer geworden I jst und daß ein nennenswerter Landverlust tn Zukunft nicht mehr stattfinden kann. Die Sturmflut vom 3. De-
Umut freute sichTdaß^sso gekommen war. Sie gchötte nun nur noch zu ihm. Sie war sehr peinlich darin. Mit niemand scherzte sie mehr. Sie schien chn zu I kennen und vermied es darum. I
Helmut hätte nur noch gern fett entscheidenden Schritt I getan. Aber er feiste davor zurück. 'War fes wirklich Liede, die er zu fern eigenartigen Weibe empfand. War I es am Ende nichts als pure Bewunderung, da sie seM- sächtiger und erfahrener als er war. Und siebte sie tim I denn? Würde sie nicht spöttisch auflachen, wenn er ernst und ungeschickt davon reden wittfe? la liefe «es rote es war . . . Sie waren Kollegen, aber als solche herzlich imb aufrichtig. Es war eine tiefe, schöne Freund- schnft, bte sie verband und die sie forgfam zu erhalten suchten. Sie hatten nichts als die abendlichen Spazier- gänge, fee zugleich die Wege vom Lokal nach ihren Woh- | nungen waren. Sonst bot ihnen das Lin nich s.
An den Vormittagen von elf ins zwei Uhr Probe. Der Sipelplan wurde halbmonatlich gewechselt. i-.s muhte stets Neues erdacht und geboten werden. Die Vvi,.el- lungen begannen außer am Mittwoch und Sonntag, wv keine Proben ftatlfanfen, dafür aber Nachmittagsom- stellmtgen, um 7 Uhr. Da blieb ihnen keine Zett standen in immerwährender Hast, von ihren Wohnungen ins Theater unb zurück.
Helmut kam dabei körperlich herunter. Aber erver- mied cs, daran zu denken. Das war fein felbjtgewahlter Beruf! Dem mußte er nun treu bleiben! Wenn er auch schwer war, schwerer, als es ihm damals geschienen. . . .
In seiner Kunst machte Helmut gute Fortschritte. E* blieb nach wie vor eine der Hauptnummern der Kleinkunstbühne. — .
Die Ferienzeit war infesien herangeruckt. Die Klein- kunstbühne setzte oon Juni b.s September in Berlin aus. Die Mitglieder fes Untelnehmens, fee inzwischen auf nahezu fünfzehn Personen angewaihsen wareiy hatten vom 1. Juni bis 15. Juli Serien. Vom 15. Juli bis Ende September wollte Georgius mit feiner Buhne In Wiesbaden gastieren.
Helmut hatte mit Pitta eine gemeinsame Re>fe ver- obrefet. Sie wußten c.b-r noch nicht, wohin Piim meinte: „Ich möchte an den Rl ein. Ta war ich noch nie! Aber zur Erholung wü.rfe iib den Harz rfe-r Thüringen oorziehenl Am liebsten den Harz. Em Dorschen oder eine ruMge Sommerfrische."
Aus aller wett.
— Die Lebenshaltungskosten in den nicht-deutschen Staaten. Fast alle Staaten haben tn fern letzten Sauren einen Teuerungsindex.unter Zugrundelegung der greife von 1914 eingeführi. Das Erstaunliche aber ist' daß dieser Index in sämtlichen Staaten bedeutend hoher fft als in Deutschland. Er beträgt z. B für England 172, für Schweden 163, für die Schweiz 166. Und ähnlich sind die Ziffern für die übrigen Länder. Rur das von Europa unabhängigere Spanien hat einen etwas niedrigeren Index. Demgegenüber jedoch steht m Deutschland ein Index von nur 123! Die Lebenshaltimg ist danach also in Deutschland um etwa 25 Prozent feiger als tn den anderen Ländern. Das Hauptverfeenst daran tragt jedoch die deutsche Wohnungszwangswirt chaft, fee d.e Lebenshaltungskosten im Vergleich zu 1914 um etwai 10 Prozent verringert. Nicht vergessen darf ferner werden, daß der deutsche Index nur fee leb en snot wendigst en Gegenstände enthält, während der englische -ndex auch sämtliche Luxuswaren die besonders stark tm Preise gestiegen sind, mit einbegrent. Und ganz zu- ungunsten des Deutschen verändert sich das Bild, wenn man die Einkommensverhältnisse mtt tn Betracht zieht.
- Der „ritterliche" Zopf- Wenig bekannt ist, daß bereits tm Mittelalter das Zopftragen der Mannerver- einzelt in Aufnahme kam. Freilich kam dieser Zopf au eigenartige Weise zustande, nämlich dadurch, daß fee Männer ihren lang herabwallenden Backenbart wohl auch den Schnurrbart zu Zopjen flochten und diese hm ter dem Kopf zufammenbanden. In manchen Helm waren besondere Oeffmmgen für diesen Zweck vorge. sehen. Doch auch der am Hinterkopf lang herabfallende Zopf wurde vereinzelt getragen. Für diesen Fall wurde | kn den Helm eine sog. „Z°pffch-ide ange.ugt d. , e ne scheidenartige Umhüllung aus Metall. Der Herzig Albrecht HI. von Oesterreich, der Ende des l4. Jahr^ hunderts regierte, gründete sogar eine Gesellschaft der Zopfritter, die sich wie die anderen Ritterorden fagat eine besondere Ordenstracht zulegte.
------------ ■'
Nr. 274 vom 25. Nov. 1924. j
Die Spezialfirma für Qualitätsware
Fulda Friedrichstrasse ~85)
.Ich war auch als Kind einmal dort. Es ftt fchor- lange her. Ich war elf Jahre alt. Es roar fes er|temai, daß mich meine Eltern Mitnahmen. — b
schönen Harz nicht vergessen. Das unveraleichliche Br de- tai den Brocken. — Weiter habe ich leider nichts wehe in 'Erinnerung. Nur viel hohen Wald undmiedune Täler — Später, auf meinen Radtouren, kam ich nicht recht in fee schönen Teile. Dazu war es zu weit von meiner Vaterstadt..."
Da waren sie, fee Ermerungen. Lustig plätscherten sie im Gespräch mit dahin. Alles wurde ausgekramt, sie redeten in einem fort - fes sie auffchreckend merkten, daß sie wieder einmal über die Zeit hinaus suh fest- erzählt hatten.
@ilig zahlten sie und gingen.
Hellmut wollte ein Auto nehmen, da es schon sehr spät war. w ,
Pitta wehrte ein wenig erzürnt ab: „Macht man das vor einer großen Reise? Den Luxus spart man sich auf für fee Ferien! Da schmeckt es doppelt gut.
Sie gingen bis zur nächsten Haltestelle und fuhren ! mit einem polternden und stoßenden Ommbus. Gliick- lich sahen sie sich dabei an, daß sie das teure Fahrgeld für ein Auto gespart hatten. ,
Durcheinander gerüttelt kamen sie noch kurz vor -Begum der Nachmittagsvorstellung im Theater an.
10. Kapitel.
Ferien! Lachende, lange, glückliche Ferien! Frei-
Mchestatiscy zog der stolze fRljeinfemipfer „Kaiser Wil- heim" sttomabroärts Glückliche, genußfrohe Menschen waren es, die er trug. Das Sonnendeck war voll beseht. Warm f'.;:en die strahlende Junisonne über fee dicht- I gedrängten Nienichen.
Helmut und Pitta standen eng aneinander geschmiegt unb sahen glücklich und andächtig auf fee rebenbewachse- nen Höhen, den grünschimmernden Rhein, in das prächtige Rheintal, das sie durchfuhren. „Da. — mutier rat» Burgruine! — Dort brübejr ein Schloß!
Sie sahen im Führer nach.
„Burg Sonneck — Burgrume Rollich!
.Jetzt kommt Bacharach bald, sagte Pitta.
Da legte der Dampfer mich schon in der uralte? I Stadt an.
J (Fortsetzung folgt)