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Zur Unterhaltung

Nr. 273 vom 23. Nov. 1924.

.Wenn Sie mich ab weisen, Sen-

Freundlicher Rat.

findet man immer so

Nun, Fritzchen, wirst auch etwas zu Weih-

liebte Freier aus.Tun Sie tete die Schöne. Kleinigkeiten schwer wieder."

Auch ein Weihnachtsgeschenk.

wirft sich der Schauspieler auf ihn, doch jener ist auf den Angriff vorbereitet und salviert sich rechtzeitig. Die entsetzliche Flüssigkeit heißtMastix" und ist eine Art Harz; nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Katzenkraut, das eine Pflanze ist und von den Katzen sehr gerne gefresien wird. Nach dem ersten Schmerz gehts nun ans Sieben der kleinen und großen Bärte, letztere auchFußsäcke" genannt, wenn sie die übliche Große überschreiten. Die Perücke wird über den Kopf gestülpt und zurechtirisiert. Meist entspinnt sich über die Art der Frisur noch ein äußerst heftiger Kampf, da jede von beiden Parteien glaubt, der echte Künstler zu sein. Ter Ergänzung wegen will ich dir noch schnell über die Perrücke verraten, daß auch sie sich im modernen Zeit­alter ganz wesentlich verändert hat. Früher herrschten primstioe Wollköpfe, die nicht sonderlich der Charakteri­sierung dienten, heute ober arbeitet die Bühne mit rich­tigen Haaren, die nach den Gesetzen, die das gelbe elek­trische Licht verlangt, und je nach dem Charakter der Ralle der Einfärbung unterliegt. Die Perücke selbst be­stand noch vor kurzem aus Leder und bedeckte tief die Stirn. Beides hinderte die Ausdrucksfähigkeit des Schauspielers ganz außerordentlich. Zog er erstaimt dis Augenbrauen hoch, so machte die Perücke diese Bewe­gung mit und verschob sich nach oben. Dann kam das poröse Seidengewebe auf, das die Kopsoaut wenig ge­niert und stets Luft durchläßt, und als Krone des ganzen herrscht heute die stirnloss Perücke, deren einzige Besestigung ein Stückchen Klebstoff an den Haarwurzeln der Stirnmitte und an den Schläfen ist.

Ein schrilles Klingelzeichen unterbricht alle weitere Diskussion unter den Herren Kollegen. Die Konzen­tration ist jetzt ganz auf den Austritt gerichtet. Ein letzter Blick in den Spiegel, ein letztes Räuspern, und er ist zur Tür hinaus.

Ist der Beifall nach beendeter Vorstellung gut oder hat sich der Darsteller noch einen Cxira-Applans in sei­ner Rolle geholt, so schminkt er sich beseelt ab und geht befriedigt aus dem Theater. Er hat seine Schuldigkeit und mehr noch getan.

Lache nicht darüber, liebes Publikum. Erinnere dich an meine liebenswürdigen 10 Gebote und vergiß nicht, daß ein Mensch dir sein Bestes aus feinem Innen- leben geboten hat, um dir zu dienen und zu gefallen.

herz-Tramplantationen.

fleue Versuche in der Transplankakionswissenschafl: Verpflanzung von Herzen. Die Frösche mit den jmci Herzen. Das Verhältnis des herzens zum übrigen Organismus.

In einem Wiener Laboratorium werden gegenwär- kg Versuche angestellt, um nach den Drüsen und den Augen auch Herztransplantationen vor­zunehmen. Man hat bisher einige Versuche mit F r o sch- embryonen, Kaulquappen gemacht, die inte­ressante Ergebnisse gezeitigt haben. Es stellte sich her­aus, daß das neu eingepflanzte zweite Herz enorme Veränderungen des ganzen Organismus zur Folge ge­habt hat. Bei einem Versuch siand das eingepflanzre Herz wie eine Peule aus dem Bauch heraus. Langsam gleicht sich die Körperstärke aus, die Beule verschwindet, das Herz '.st tiefer in den Leib hineingezogen worden. Dabei wurde bemerkt, daß die Seite, an der das neue Herz eingepflanzt worden ist, abmagerte, schwächer i mürbe und in der Entwicklung stehen blieb. Bei keinem anderen Organ als beim Herzen hat man eine solche ,Erfahrung gemacht. Cs ist auch festgestellt worden, daß sich beide Herzen wohl in der Schnelligkeit des Herz­schlags einander anpaßten, keineswegs jedoch im Rhyih- nms. Einer der Kaulquappen wurde das Herz in den Kopf verpflanzt, ein Borgang, der dieses Tier in ein völliges Nervenbündel verwandelte. Das Tier wurde bei der geringsten Bewegung des Aqua­riums beinahe tobsüchtig vor Angst; während die übri­gen Aquariumsbewohnsr ruhig weiterschwammen oder lieben blieben, raste das geängstigte Tier wie gepeitscht von einer Ecke in die andere und es war lange nicht zu beruhigen. Einer anderen Kaulqrmppe, der ebenfalls das zweite Herz in den Kopf verpflanzt wurde, schwan­den mit der Zeit die Augen, die Knochen, die Muskeln; das neue Herz erwies sich als Schmarotzer, dem alle Organe des Tieres zum Opfer fielen. Diese Versuche sollen den Boden bereiten für neue wissenschaftliche Ver­suche, die der Medizin neue Wege in der Behandlung des menschlichen Organismus schaffen. Für die medi­zinische Forschung sollen sie Aufschlüsse geben vor allem über das Verhältnis der Organe zum Organismus, mf.

Du denn deinem Schwesterchen nachten schenken?"Ach, Tantchen, ich weiß noch nicht, vorige Weihnacht hat sie die Mosern von mir bekam-

Zrnfetts der Rampe.

Von Rolf G u n o l d, Berlin .

HI.

Das erste Mal, lieber Zuschauer, warnte ich dich, I tu die Geheimnisse der Bühnenwelt über die Rampe I einzudringen; ich packte dich damals noch rechtzeitig am I Rockzipfel und zog dich fort. Heilte nun ziehe ich dich I hinter mir her, um dir den richtigen Weg zu zeigen. I Du verläßt den Zuschauerraum und gehst vom Vestibül I aus auf eine geheimnisvolle eiserne Tür zu. Diese I öffnet sich und eine Notbeleuchtung zeigt dir, daß auch I noch eine zweite eiserne Tür vor dir liegt. Du stehst I nun auf der Grenze, eben jenem Illusionsfelde. In I diesem Käfig von Zement und Eisen, der nur zur Si- I cherheit errichtet ist, riecht es jedoch nicht nach Romantik. I Ich ziehe dich deshalb schnell durch die zweite eiserne I Tür über den Bühnenraum hinweg, in den Ankleide- I raum des Schauspielers, auch heute noch konservativ 1 Garderobe" genannt. Ein Stimmenmeer begrüßt dich. I Von einer Ecke her ertönt sonores Räuspern (das ist I der Mann, der für gewöhnlich die Bösewichte in Kam- I Mission hat). Dicht vor dir steigen einige tenorale Töne auf; sie finden ihren Ursprung in dem holdjungen Munde I des jugendlichen Liebhabers (dem Romeo, Max usw. der Backfische). Schweigsam und nachdenklich thront allein der Chargenspieler, für den sich die große Maste meist nicht sehr interessiert, und der doch so wichtig im Ensemble der Darsteller bleibt, (das ist der Mann, der die sog.Nebenrollen" spielt, die aber gar keineNe­benrollen" sind, und deren Darstellung eine ganz große Portton Verstand und Talent voraussetzt). Bleib: noch der Bonvivant, der, vor sich hinsummend, dem Sitz seiner Krawatte mindestens fünf Minuten widmet.

So verschieden die Charaktere der von je zwei oder drei Tischlampen grell beleuchteten Leute im Leben und auf der Bühne sind, so einig sind sie sich in der Be­handlung ihres Seelenspiegels, des Gesichts. Nachdem | sich der Redeschwall ein wenig gelegt hat, beginnen sie stumm und eifrig, mit großen Stangen in ihrem Gesicht herumzufahren und dazu ganz unmögliche Mienen zu schneiden. Es ist die Stangenschminke, die augenblick­lich ihr Gesicht bearbeitet. Lieber Zuschauer, wie lange gibt es Schminke? Schminke gibt es, solange die Welt i steht. Man hat sie vor vielen Jahrtausenden schon 'auf der Bühne und im Leben benutzt und man tut es noch heute. Die Schminkpräparate waren damals so raffiniert wie heute, nur mit einem kleinen Unterschied, den ich jedoch nur auf die letzten Jahrhunderte der Theater-Gefchichte unseres Kontinents einbeziehen möchte. Die Schminke bestand bis vor gar nicht so langer Zeit (etwa 3040 Jahren) aus Bleiweiß, einem Gift, das die Haut langsam aber sicher verzehrte. Unsere Alt­vordern auf dem Theater haben viel darunter gelitten und die Frische ihrer Gesichtshaut um Jahrzehnte früher eingebüßt. Heute herrscht die hygienisch einwandfreie Fettschminke, die sich mit der Abschminke, einem schnell flüssigen, reinen Vaselin, ebenso leicht auf- wie absetzen läßt. Sie hat auch den Vorteil, daß man mit ihr, wie der Fachausdruck lautet, besterMaske" macht. Eine gute Maske, d. h. ein Eintauschen des Darftellergestchts gegen das der Nolle, bedeutet schon halben Erfolg. Die Kunst der Ausführung einer solchen Maske läßt sich nur zum Teil erlernen, zum andern Teil ist es Talent und eine gewisse malerische Begabung in Bezug aus plastische Flächenwirkung in der Ferne, die die Maske erst eigentlich hervorzaubert. Das Gesagte gilt jedoch nur für große und mittlere Theater. Kleine Säle und Kammerspiele, wie sie die Residenz aufweist, verlangen eine ganz bedeutende Vereinfachung der Maske, da Schauspieler und Zuschauer sich fast auf der Nase sitzen. Ein Schauspieler mit einer wie oben geschilderten Maske würde dort wie ein Kannibale aussehen und du möch­test glauben, einen Clown vor dir zu haben.

Der Grundton der Maske besteht aus einem be­stimmtenTeint" oder einem Gemisch von mehreren, hierüber werden die Falten gezogen (dazu dienen be­sondere Farben) und zuletzt bleibt der Vergrößerung des Auges der wichtigste Platz vorbehalten. Cs gibt etwa 40 Teints für alle Rassen der Erde. Anfänger be­sitzen sie alle einschließlich Zinkblechschatulle, gereifte Kollegen ziehen eine Zigarrenkiste mit 2 oder 3 Teints vor, Sonderlinge arbeiten nur mit Littera K. (Teint Kainz) und ergänzen durch Farbenmischung und Anleihe beim Nachbar sehr geschickt.

Nun spukt im selben Rmmi noch ein Geist herum, der auch dir, lieber Zuschauer, nicht unbekannt ist unter dem Namen Friseur. Dieser Mann ist dazu da, eventuelle Börte zu kleben. Was es heißt, Börte kleben, kann nur ein Schauspieler ermessen. Dieses Ungeheuer naht sich hinterlistig mit einer Flüssigkeit, die die Haut gräßlich beißt und bernsteingelb aussieht. Damit fährt er_ dem armen Kerl um das frischrasierte Sinn. Laut brüllend

men.

Ehrlich. Sie:Zweifeln Sie noch immer daran, daß ich Ihnen gut bin? Ich habe doch heute dreimal mit Ihnen getanzt." Er:Darin sehe ich keinen Beweis." Sie:Nicht? Dann haben Sie keine Ahnung davon, wie Sie tanzen."

*

Boshaft. Der junge Ehemann fand abends, als er! müde vom Eekchäft heimkehrte, feine junge Frau in Trä­nen vor.Die bösen Mäuse haben den ganzen Kuchen aufgefressen, den ich dir gebacken hatte."Laß doch, Schatz, wer wird sich über den Tod von ein paar Mäus­chen grämen."

Die Liebesgabe. Man erzählt der Voss. Ztg.: E-. war während des Krieges Sitte in K., daß sich jeder, bet auch nur eine etwas hervorragende militärische Stellung bekleidete, nicht nur beim Großherzog meldete, wenn er in der Residenz weilte, sondern auch bei der alten Großherzogin. Nun kam eines Tages ein hiebe- rer ßanbfturmmajor zu ber allen Same, ber verwundet gewesen war, und wieder ins Feld ging. Sie unterhielt sich leutselig mit ihm und stellte am Schluß der Audienz die Frage:Sagen Sie, mein lieber Major, womit kann ich denn Ihren Leuten zu Weihnachten eine Freude machen?" Der Wackere antwortete ehrlich und gerade heraus:Kognak ist immer bas beste. Königliche Hoheit!" Ein wenig scharf tarn es aus dem milden Greisinnemnund:Sie meinen Taschentücher? Der Major, in der Annahme, die alte Dame höre viel­leicht doch schwer, sagte mit erheblichem Stimmenauf- wand:Nein, Kognak! Königliche Hoheit!" Und schlug strnnm und fassungslos die Hacken zusammen, als ihm mit liebenswürdigem Lächeln entgegnet wurde:Also gut, bann werde ich Taschentücher schicken! Alles Gute, mein lieber Major!"

sein scheint, daß Iagdhurnor und Jägerlatein nicht aus­stirbt, sich sohervorragend" betätigt

In einem süddeutschen Ort wurde eine Wildente be» lauscht, die in einem nicht bewohnten Storchnest ihrem Brutgeschäft nachging. Eine andere Ente zog mit ihrer halbflüggen Brut alltäglich wieder ihrem Nest im Nohrdickicht eines Weihers entgegen. Dabei mußten die Tierchen die Gleise einer vorbeiführenden Eisenbahn­linie überqueren. Da die Brut noch zu klein und zu schwach war, um das glatte eiserne Hindernis zu über­winden, faßte die Entenmutter ihre Jungenten tingeln mit dem Schnabel und hob sie über den Schienenstrang hinweg. Dieses reizvolle Idyll aus dem Leben des Federwildes wurde mehrfach beobachtet. mf.

Aus Dianens heilerem Taschenbuch.

Die schlauen Füchse. Der Esel als Iagdbsule. Die Wildenten.

Don allerlei lustigen imb sonberbaren Begebenheiten tm Leben bes Wildes imb über merkwürdige Jagb- geschehnisse weiß die Münchner IagdzeitschriftHege und Jagd" in ihren letzten Nummern zu berichten. So erzählt ein Mitarbeiter dieses Iagdblattes, daß ein Fuchs einem pflügenden Bauer seinen in ein Tuch ge­bundenen Frühstücksoorrat, bestehend in Wurst, Brot Speck und last not least dem unvermeidlichen Schnapsbuddel fortholte und mit den Leckerbisien in sei­nen Bau verschwand. Einige Tage später wollte man den roten Räuber in seinem Bau ausgraben, allein Rei­necke war nicht zu Hause. Der Bauer konnte aber sein zerfressenes und zerfetztes Tuch und das unverletzte Bud­del mit demSorgenbrecher" wieder in Empfang neh­men.

Ein süddeutscher Jäger beobachtete ein anderes Mit- gfieb der Familie Reinecke, das einem Hummelnest seine Aufwartung machte. Die aufgebrachten und erregten Hummeln wehrte der Rotrock durch heftige Schläge mit Pranken und Lunte ab; andere Vertreter der großen Hautflügler erdrückte er, indem er sich über dem Hum­melnest hin und her wälzte. Schließlich hielt ber Fuchs eine leckere Mahlzeit, inbem er Waben unb Brut gierig verzehrte. Dann näßte er und verschwand in der näch­sten Dickung.

In einem Hochwaldreviererlegte" diesen Sommer ein Sonntagsjäger in ber Annahme, ein Stück Rot­wild vor sich zu haben, in einem Haferschlage den alten, grauen Esel eines Althändlers. Meister Langohr war zum Grasen auf einen Wegrand geführt worden; sand aber den Aufenthalt int reifenden Haferkorn anspre­chender, was ihm zum Verhängnis wurde. Immerhin dürfte es sich nur sehr selten ereignen, daß ein Sonn« tapsjünger Dianens, die sehr damit einverstand.>n zu

Selifßtne hochzeitsreisende.

Von Paul Sch e f f e I.

Eine Hochzeitsreise nach Italien, oder je nach der Jahreszeii auch nach Skadinavien ober in die Alpen ist heutzutage schon nichts Besonderes mehr für Kreise, die über Mittel verfügen. Für Leute, die Zeit und Geld in besonders reichem Maße zur Verfügung haben, wird es daher immer schwerer, für ihre Reisen etwasganz Besonderes" ausfindig zu machen, umsomehr, als ja auch eine Reife um die Welt oder nach dem fernen Osten kaum mehr als etwas Ungewöhnliches gilt. Es ist ein schönes Zeichen für die sportliche Abhärtung der Geburts- und Finanzaristokratie, daß im Verhältnis so viele Hochzeitsreisen nach unwirtlichen, zum Teil ge­fahrvollen Gebieten gerichtet sind, wenngleich auch hier die Sucht, von sich reden zu machen, viel in Betracht kommen mag. Ein amerikanischer Millionär, namens Fleischman, reifte mit seiner jungen Frau auf einem eigens dazu gecharterten Schiffe in die nördlichen Polar­regionen, nicht um den Pol zu entdecken, sondern um dort einmal auf Jagd zu gehen. Einhundert Seehunde und 32 Eisbären brachten sie zur Strecke, und außerdem noch verschiedene wilde Renntiere. Sie kamen außer­ordentlich zufrieden von ihrer Hochzeitsreise heim, ob« wohl diese die Kleinigkeit von 300000 Mark gekostet hatte. Diese Geldausgabe wurde aber bet weitem über­trumpft durch ein anderes Paar, von dessen Hochzeits­reise ein englisches Blatt zu melden weiß, daß sie eine runde Million Mark verschlang. Allerdings sind in tie­fer Summe auch die 400 000 Mark enthalten, welche der Dau des Ozeandampfers kostete; und die Reife, welche bas junge Paar um bie Well führte, bauerte volle zwölf Monate. Eine Forschungsreise nach Tibet machten Graf unb Gräfin de ßesbain als Hochzeitsreise. Sie begannen dieselbe in Peking unb waren während ber 17 Monate, die sie unterwegs verbrachten, mehrmals auf längere Zeit von jedem Verkehr mit der Außenwelt abgeschlossen. Sie legten während dieser Zeit fast 8000 Kilometer zurück. Die mannigfachen Abenteuer, die sie zu bestehen hatten, beschrieb der Graf in einem spannen- den Buche. Die Kosten dieser Reise betrugennur 200 000 Mark.

Das neueste Beförderungsmittel, das Luftschiff, ist bisher freilich noch nicht von Hochzeitsreisenden in An­spruch genommen worden. Sobald aber ber schon an« gefünbigte Passagierverkehr eingerichtet fein wird, wird auch bas Luftschiff jedenfalls zum vielbegehrten Reise­vehikel für bie Reichsten werden.

Gedanken über Musikerziehung. Von Edgar Rabsch. 68 Seiten. Broschiett 1,40 Mk. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig Ra lisch untersucht die engeren Zu­sammenhänge, die zwischen Musik und den anderen un­terrichtlichen Fächern bestehen. Er weht nach, wre in allen Disziplinen, m der Deutschkunde, tm Geschichts­unterricht, in Geographie, Physik, Mathematik usw. überall die Musik bas Verständnis vertieft, häufig ja sogar erst erschließt. Wie dies Ziel zu erreichen ist, rote die Musik das ganze Schulleben durchdringen kann zur Freude unb zum Nutzen ber Jugend, wird auf Grund eigener Erfahrung m der staatlichen Bildungsanftall m Plön gezeigt.

Tierbestimmungsbuch. Von Prorektor Dr. P B r o h- mer 196 Setten. Mit 727 Abbildungen im Text und auf 16 Tafeln. In Leinenband 3,20 Mk. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. Hier wird das Bestimmen so leicht wie möglich gemacht, auf seltene Arten ist ver­zichtet, nur eine Auswahl der häufig uorEcmmencen imb wichtigen Vertreter unserer deutschen Tierwelt find aus- gonommen. Die Erfahrung des Herausgebers und der Verfasser bei den bisherigen Auflagen der Fauna er- möglichen eine didaktisch so geschickte Auswahl, dag alle Schwierigkeiten vermieden werden Die Tabellen find zu- oerlässig und so einfach wie möglich zu gestalten. Durch eine außerordentlich große Zahl guter Abbildungen tm Text unb aus 16 Tafeln wird bas Bestimmen noch we­sentlich erleichtert.

Der neue Weg im Geschichtsunterricht. Don den Studienräten Dr. B. K nm steiler, Dr. U aa cke. Dr B Schneider und Dr. O. Schlunke. 35 S G-beftej 60 Pfg. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig Es ist lehrreich und ein Genuß, wie hier >-on vier hervor, raaenden Fachmännern gezeigt wird, wie ein moderne- Geschichtsunterricht zu halten ist. Die kleine, aber außer, ordentlich tiefschürfende Arbeit muß jeder Lehrer lesen dem sem Geschichtsunterricht nm fiervn Ur

Aus aller Weit.

Die Sonne und Z. R. 3. Ein gewissenhafter Leser schreibt uns: In der Mitteilung Aus aller Welt in Nr. I 172 der Fuldaer Zeitung:Wieviel Zeit wird Z. R. 3 I gebrauchen, um bis zur Sonne zu gelangen", ist dem I Verfasser des Artikels ein Rechenfehler unter- | laufen. Er schreibt, daß der Zeppelin bei einer Stunden- I gefchwindigkeit von 100 Km. 17 000 Jahre gebrauche, I um zur Sonne zu gelangen. Da die Entfernung ber Erde von ber Sonne ca. 149,5 Mill. Km. beträgt, würde der Zeppelin sie bereits in ca. 17 0 Jahren erreichen I können. 100 Km. pro Stunde 2400 Km. pro Tag I 876 000 Km. im Jahr = 148,9 Mill. Km. in 170 Jahren. Die Venus würde der Zeppelin in zirka 58 Jahren er­reichen, da sie 42 Mill. Km. von ber Erde entfernt ist. Vis zum Monde reichten'die rechnerischen Künste des Verfaflers noch, darüberhinaus verließen sie ihn wie so manchen andern in der Millionenzeit ber Inflations­jahre.

Hebet die Dinkerfütterung der Vögel schreibt Forstmeister Karl Hänel imKosmos": Neben bem Auf­hängen von Nisthöhlen ist die richtige Winterfütterung von größter Bedeutung, unb zwar spielt hier auch die ideale Seite eine bedeutende Rolle. Die Fütterung ber hungernden Vöglein ist ja schließlich für jeden Menschen, I der nur eine Spur von Gemüt besitzt, die nächstliegende I Betätigung und zugleich anscheinend die leichteste. Frei- I (ich werden auch gerade bei ihr trotz allem gutem Willen I aus Unkenntnis oft die verhängnisvollsten Fehler ge­macht, indem Ungeeignetes, unter Umständen sogar ge- I sundheitsschädliches Futter verwendet, und dabei gleich- I zeitig unnötig Geld hinausgeworfen wird ober, indem I man bet der Darbietung unzweckmäßig verfährt, so daß I viel verschwendet wird, ober bas Futter durch Schnee­verwehung gerade dann nicht mehr zugänglich ist, wenn I es die Tiere am notwendigsten brauchen. Daheim im Garten oder am Fensterbrett muß man ja in dieser Hin­sicht nicht übermäßig ängstlich fein und wer lieber ein 1 geschmackvoll aufgemachtes Futterhäuschen als einen ein- I fachen, aber wettersicheren Kasten vor fein Fenster stellt, I selbst auf die Gefahr hin, daß Mäuse und andere un­gebetene Schmarotzer mitschwelgen, ober baß er bei Schneegestöber stündlich mehrmals den ausgefallenen I Schnee wegkehren unb frisches Futter aufstreuen muß. ber ist deswegen noch kein mtnberroertiger Mensch! I Allein draußen ttn Wald darf unter keinen Umständen I anders als unbedingt zuverlässig und wettersicher ge- I arbeitet werden.

Die deutsche Auswanderung wieder im Ansteigen 1 begriffen. Nach ber hohen Auswanderungsziffer, die bas noch unter ber Nachwirkung ber Inflation stehende I erste Vierteljahr bes Jahres 1924 brachte, machte sich tm zweiten Vierteljahr ein Abflauen ber Auswande­rungsbewegung bemerkbar. Gegen 18137 Ueberfee« Auswanderer im ersten Vierteljahr zählte das zweite Vierteljahr nur 12103. Seitdem aber macht sich wie- ber eine steigende Neigung zur Auswanderung bemerk­bar, wahrscheinlich deshalb, weil die Hoffnungen auf einen raschen Aufstieg bes Wirtschaftslebens in Deutsch­land sich nicht so schnell erfüllen. Nach ber sehr nied­rigen Juliziffer stieg die Zahl ber überseeischen Aus­wanderer tm August wieder auf nahezu 4000 Personen, und der Monat September, für den die Endzahlen noch nicht vorliegen, dürfte wahrfcheinlich eine, weitere Stei­gerung bringen. Die bevorzugten Einwanderungs­länder sind immer noch Argentinien und Brasilien. Beide Länder haben im ersten Halbjahr 1924 fast je 12 000 deutsche Einwanderer aufgenommen. Ein Land, das fast nur von deutschen Einwanderern ausgesucht wird, ist Paraguay. Don 238 Einwanderern im ersten Halbjahr waren 224 Deutsche.

(Ein seltenes Wild. Die ausgedehnten Staats­forsten im nordöstlichen Ostpreußen, zu denen einige wenige größere Privatforsten dazu kommen, sind be­kanntlich die einzigen Gebiete in Deutschland, in denen noch der Elch vorkommt. Nun ist ber Elchbestanb durch den Krieg ganz außerordentlich zurückgegangen. Das Artilleriefeuer während der Schlachten hat seinerzeit ganze Wälder hinweggefegt und eine große Zahl unbe­rechtigter Abschüsse ist in der Kriegszeit erfolgt. Des­halb wurde im Jahre 1919 eine allgemeine fünfjährige Schonzeit für Elchwild festgesetzt, die äußerst günstig auf den Elchbestand gewirkt hat. Der Friedensbestand ist allerdings immer noch nicht erreicht. Man rechnet heute, daß auf 4000 Morgen Forst ein Stück Elchwild kommt. Jnfolgedeffen haben die jagdlichen Organisatio­nen Oßpreußens Schritte unternommen, um eine wei­tere Schonfrist für das seltene Wild durchzusetzen. Ins­besondere strebt man auch danach, eine Vergrößerung bes Schutzgebietes unb bamit auch eine Vergrößerung des Verbreitungsgebietes des Elches zu erreichen.

Seeroaffet als Heilmittel. Der englische Arzt Lawson erklärte in einem Vortrage, daß bas See­wasser für verschiedene Krankheiten, besonders nervöser Art, einen wahren Lebenssaft bedeute. Das Wasier, das 20 Meilen von ber Norbwestküste von Irland ent- kernt, bem Ozean entnommen wird, wird dem Körper durch Injektion zugeführt, nachdem es durch Zusatz von Leitungswasser bas spezifische Gewicht bes Blutes er­halten hat.

Temperatur der Sterne. Die chemische Analyse ber Sonne und ber Gestirne, bie heutzutage unseren Lesern nichts Frembes mehr ist, erscheint bem natur- wissenschaftlich weniger ©ebilbeten als Phantasie ber Gelehrten. Heute wißen wir aber genau, baß bie Him­melskörper im wesentlichen aus benselben Stoffen be- stehen wie unsere Erde. Ja, es gelang sogar, gewisse Elemente auf ber Sonne eher zu entdecken als auf der Erde. Roch mehr Erstaunen wird aber die Tatsache her- vornrft-n. daß es ber Forschung nun auch gelungen ist, mit ziemlicher Genauigkeit bie Temperaturen ber Him­melskörper festzustellen. Es hat sich habet gezeigt, baß durchaus nicht alle selbstleuchtenben Fixsterne gleiche Temperatur haben. Man hat z. B. gefunben, daß ein gewisser Stern im Sternbild des Drachens etwa 2000« bat, während sich bk Temperatur eines Sternes im Perseus auf 28 000» belauft. Der Aldebaran ist etwa !o heiß rote ber elektrische Lichtbogen, ein Stern des Orions wie die Azstylenflamme. Die meisten aber stehen : weit über jeder irdischen Temperatur. Die Verfahren der Messung gehen aus ber Spektralanalyse hervor. Einesteils laßen sich aus den Absorpttonsl'nien der i Sternspektren Schlüsse auf bie Temperatur schließen,

heileres.

Sie wird schon dafür sorgen. Sie: Wenn wir erst verheiratet sein werden, teile ich alle deine Sorgen mit dir. Er: Glücklicherweise habe ich teilte Sorgen. Sie: Jetzt nicht. Ich sagte aber: Wenn wir erst v-r. heiratet sein werden.

nora, werde ich den Verstand verlieren," rief ber vor. das lieber nicht!" spot-

andererseits aus ber Verteilung ber Lichtstärken tm Sternspektrum. Die Ergebnisse beiber Methoden prü­fen sich gegenseitig unb geben ben Messungen große Sicherheit. .

Der rote Schnee ist ein Pflänzchen, eine Alge, bie in den Alpen mitten im Schnee vorkommt. Sie lebt von der Kohlensäure und den organischen wie anorganischen Stäubchen, bie auf den Schnee geweht und im Schmelz- roaffer angeschwemmt werben. In gefrorenem Schnee liegt sie still unb hält Kälte bis zu 36 ° aus, während sie schon bei 4» Wärme zugrunde geht. In dieser Ruhe­stufe trocknet sie auch ein und wird vorn Winde verweht/ denn man begegnet den roten Flecken, bie sogar Zim-! mergröße erreichen unb aus vielen Millionen Algen zu-j fammengesetzt sinb, fast überall in ben Alpen wo Schnee: liegt. Wirb der Schnee besonnt und schmelzweich, bann, leben sie auf unb bewegen sich mit Schlingern fort Mit i Recht bemerkt W. Flaig in seinem prächtigen Bilder- buchAlpenpflanzen" aus diesem Anlaß: Das organische' Leben scheint wirklich unzerstörbar zu sein!

Gewehrkugeln aus Wass-r Im allgemeinen gelten Blei unb andere Metalle als die einzigen Stoffe, aus denen Geschoße angefertigt werden können. Gewehr- kugeln aus viel weicheren Substanzen sind jedoch eben» felis imstande, zerstörende Wirkungen hervorzurusen. Eine amerikanische Zeitschrift bringt Abbildungen von 5>olz- und Bleiplatten, auf die mit Geschossen gefeuert warben ist, die nicht mit Bleikugeln, sondern mit Kugeln aus Waßer geladen waren. Das Wasser wurde in einer gewöhnlichen Patronenhülse mit der üblichen Pulver - fobuny zwischen zwei dünne Wachspropsen emgeschlossen. Dann wurde aus einem Abstande von 10 Zentimeter ein mehr als zollstarkes Brett beschossen, unb die Waßer. kugel durchschlug es glatt. Noch leichtere Geschosse, näm­lich Propfen aus fettgetränktem Filz, riefen, aus einer Entfernung von 7 Fuß abgefeuert, in einem Holzbrett noch einen Eindruck von 0,5 Zentimetern liefe hervor. In der gleichen Versuchsreihe wurde auch Holz als Ge- schoß verwendet. Zwölf Millimeter lange Holzkugeln drangen, aus einem gewöhnlichen Gewehr abgeschossen, 18 Millimeter tief in Holzbretter ein unb durchbohrten von drei hintereinander stehenden, 3 Millimeter dicken Bleiplatten zwei, während die dritte stark eingebeult wurde. Eine Stearinkerze von 15 Zentimeter Länge, die ebenfalls versuchshalber als Geschoß benutzt wurde, durch, drang sogar zwei Bretter aus Fichtenholz von 3 Zenti­metern Starke.

5ulbaer Zeitung