Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladk Fulda.
Nr. 272.
BeraiUwortlüb ür die Schriitlsitung: Dr. Johanne» Sramer Smeteen: I- $ atieller, Fulda. Rotalion»vruck und Verlag der , Fuldaer krtiendruSerel in Fulda. FernWreLer Nr- S- Monatlicher BerngsdreÄ! 1.50 Mk.
Samstag, 22. November 1924-
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51. Zahrtz.
Das Ziel der Wahlen.
Don einem parlamentarischen Mitarbeiter.
' Die Wahlbewegung kommt nunmehr, nacktem ter Wahltermin immer näher rückt, stärker in Fluß, lieber den Streit der Parteien hinaus ist es notwendig, sich Rechenschaft zu geben über d a s Z i e I, das diese Wahlen haben und das erreicht werden muß, wenn wir nicht in dieselben Schwierigkeiten wie nach den Maiwahlen kommen wollen.
Diese Wahlen vom 4. Mai waren feine Verstandes-, sondern Gefühlswahlen. Die furchtbare Nöte, die die Inflation dem ganzen Volke geschaffen, die alle entwurzelt und verarmt hat, mußte stimmungsmäßig bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck kommen. So wurde der Reichstag vom 4. Mai gewissermaßen ein Inflations-Reichstag. Das ist auch der tiefere Grund, warum er sich nicht länger halten konnte und ebenso wie alle Jnflationserscheinungen in der Zwischenzeit teilweise unter Nachhilfe beseitigt worden sind und beseitigt werden mußten, wenn wir zu geordneten Verhältnissen wieder zurüükehren wollten, ebenso war es notwendig, diese politische und parlamentarische Jnflationserscheinung, wie sie der verflossene kurzfristige Reichstag bot, auszuschalten. Wenn es aber nun nicht gelingt, bei den Wahlen vom 7. Dezbr. wirklich dem politischen Verstand zum Siege zu verhelfen, dann freilich werden die letzten Dinge schlimmer werden als die ersten.
Daß die Beruhigung der Geister zwischenzeitlich Fortschritte gemacht hat, können wir trotz allem immer mehr feststellen. Heute kann die Reichsregierung auf greifbare Erfolge ihrer Politik Hinweisen. Heute ist es so manchen Parteien nicht mehr möglich, mit Schlagworten zu arbeiten, die bei dem Stande der Dinge vom 4. Mai noch suggestive Kraft hatte. Heute ist es ein leichtes, Vorhalte u. Annahmen aus« »träumen, eben unter Hinweis auf die in der Zwischenzeit errungenen tatsächlichen Erfolge der Politik nach innen unb außen. Jede Politik gilt aber, was sie zustande bringt. Jeder Politiker und jede Regierung sind abhängig in ihrem Streben von den 6r folgen ihrer Tätigkeit. Unb wenn auch gewiß noch unsere Lage keineswegs allen unseren berechttgien Wünschen entspricht, wenngleich wir auch jetzt noch einen furchtbar harten und zermürbenden Kampf um unser Recht, um unsere Freiheit und Gleichwertigkeit gegenüber anderen Völkern zu führen haben, so kann sich doch niemand beim Vergleich zwischen der Lage von heute gegenüber der vor einem Jahr der Erkenntnis des gewaltigen Wandels entziehen. Daß es die Politik der mittleren Linie war, die zu diesem Ergebnis führte, ist ja auch anerkannt worden von demjenigen Teil der D e u t f ch n a t i o n a l e n, der entgegen aller programmatischen und taktischen Stellungnahme vor den Wahlen vom 4. Mai am 29. August der Politik der Reichsregierung durch seine Haltung zum Siege verhalf. Das bedeutete einen nicht nur tatsächlichen, sondern auch ungeheuren moralischen Erfolg für die Politik der Mitte. Und man kann es nur bedauern, daß es unter dem Einfluß einer überradikalen Strömung diesmal noch nicht möglich war, die fortschreitende Erkenntnis durch eine unmittelbar aktive Teilnahme der Deutschnationalen an der Regierung zu fördern. Gerade das ist aber auch das Ziel dieser Reichstagswahlen, die gemäßigten Elemente unter Ausschluß des radikalen Flügels für eine gemeinsame positive Mitarbeit für die Politik der Mitte zu gewinnen.
Erst wenn dieses Ziel erreicht wird, fei es durch eine Stärkung der Mittelparteien auf dem Wege eines mandatmäßiaen Zuwachses, sei es durch Schwächung der radikalen Flügelparteien, dann erst
Dämon Ehrgeiz.
Roma« von Karl Lütge.
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Dieser war bei einem Auftreten im Zirkus Busch verunglückt, so daß der linke Arm amputiert werden mutzte.
Fred McmMer war gegen Helmut sehr freundlich imd erbot sich, gegen geringe Entschädigung seine Ausbildung zn leiten.
Da begann unter der Leitung des mit allen Kniffen vertrauten Künstlers Helmuts Aufstieg. Er lernte rasch und leicht. Nach drei Monaten trat er bereits vor Georgias hin und bot chn, im nächsten Spielplan feine Stummer als Radkünstler auszunehmen.
Georgius war überrascht und fragte erstaunt: „Sind Sie denn schon so roeit?"
„Ja! — Fred Mautner war mein Lehrmeister!"
Da flog über Georgius Gesicht ein leichtes Lächeln der Befriedigung. „So, so! — Na, also ab ersten! — Im Schützenhaus zu Moabit!"
Helmnck Brand nickte glückselig, jawohl, Herr Direk- teil"
Am folgenden Morgen zur Probe sand sich Georgius ein und sah die von Helmut zu'ammengestellten Nummern an. Auch die übrigen Mitglieder der Truppe waren anwesend. Mit atemloser Spannung verfolgte man die halsbrecherischen Kunststücke des jüngsten Mitgliedes unter chnen.
Als Helmut nach Beendigung feines Aktes erschöpft aus dem Sattel sprang, schüttelte man ihm von allen Seiten die Hände und gratulierte zu feinen vorzüglichen Leistungen. Selbst der in letzter Zeit sehr verschloss ne Linden ging aus sich heraus und sagte Helmut e*nig- anerkennende Worte. Pitta Li« druckte ihm heiß die Hand und sagte leise: „Es war c.oßartig!"
fielmut nickte ihr glücklich lächelnd zu. „Werde ich auch tzeim großen Publikum damit bestehen?"
»Eicherlichj."
Seipels Nachfolger.
Bundeskanzler Kämet vor dem Nationalrat
Der von Dr. Seipel als Nachfolger vorgeschlagene Dr. Ramek hat ein Kabinett gebildet und vor dem Nationalrat sein politisches Programm dargelegt. Er erklärte: Die Grundlage der Politik der Regierung, dis sie durchaus im Geiste der bisherigen Regierung weiter führen wird, bildet das Genfer Protokoll vom Jahre 1922, das Wiederaufbaugesetz und die von der Regierung Seipel mit dem Völkerbund seither getroffenen Uebereinkom- men. An dieser Politik wird die Regierung mit unverbrüchlicher Konsequenz feschalten.
Abg. Dr. Renner (Soz.) führte dazu aus: Die Sozialdemokraten sähen in der neuen Regierung vorläufig keinen Abschluß des Alten und keinen Anfang von etwas Neuem. Ramek fei nur ein Pseudonym für Seipel. Abg. Seipel führte aus: Die Christlich-Soziale Partei billigt die Regierungserklärung und wird die neue Regierung unterstützen. Das einzige, was die Christlichsoziale Partei von dieser neuen Regierung verlangt, ist, daß sie die große Linie jener Politik festhält, die durch die Erfordernisse des Volkes und des Vaterlandes allein bestimmt ist, und daß sie bei keiner Entscheidung, die ihr bevorstehen mag, sich etwa von dieser Linie abdrängen läßt. (Lebhafter anhaltender Beifall rechts.) Abg. Dinghofer stellt fest: Die Großdeutschen wollen das kleine Oesterreich als selbständigen Staat so lange erhalten, bis die Idee der nationalen Gerechtigkeit und bis die nationale Freiheit den Sieg errungen haben werden. Wir werden die Regierung unterstützen. (Lebhafter Beifall bei den Großdeutschen.)
Damit ist die Debatte über die Regierungserklärung beendet. Nächste Sitzung voraussichtlich Anfang Dezember.
Das bayerische Konkordat.
wtb München, 21. 7kov. (Tel.) 3n bezug auf die Gesetzesvorlage über das Konkordat fehle sich die bayerische Bolksparlei alsbald dafür ein, daß die Vorlage ohne Verzug im Ausschuß beraten werde. Don deutschnationaler Seite wurde darauf hingewiefen, daß die zur Verabschiedung notwendige Mehrheit gefährdet fei, wenn die Vorlage nicht sofort erledigt werde. Schließlich kam man überein, daß vor dem 7. Dezember das Konkordat nicht beraten wird. Der Landtag wird diesem Beschlüsse gemäß seine Arbeiten am Ende dieser Woche einstelken und vor dem 7. Dezember keine Sitzung mehr abhallen. Sofort nach den Keichs- kagswahlen soll dann die Beratung über das Konkordat beginnen, zu welchem Zweck bereits für den 7. Dezember der Verfaffungsausschuß einberufm ist.
werden wir den Beginn der inneren Gesundung erkennen. Denn der nächste Reichstag wir- aller Voraussicht nach für einen mehrjährigen Zeitraum das Schicksal des deutschen Volkes zu bestimmen haben, und darum ist es auch notwendig, daß der Volkswille, dem in dieser Zeit der Reichstag Ausdruck geben soll, bei den Wahlen vom 7. Dezember sich in absolut klarer Form kündet. Nur bann' wird es möglich sein, dem Reichstag zu derjenigen Arbeitsfähigkeit zu verhelfen, deren er als bestimmender Faktor der gesamten Politik nach innen und außen bedarf. Das Volk selbst, jeder einzelne Wähler und jede einzelne Wählerin, hat es in der Hand, zur Erreichung dieses Zieles beizutragen.
Helmut war so glücklich wie noch nie in feinem Leben. Auch der Direktor hatte ihm die Hand geschüttelt imd anerkennende Worte zu feinen Leistungen gesagt, überhaupt alle Kollegen. Selbst der etwas sarkastisch«, Komiker Meyerhofs sagte, nacktem sie bereits vorn im Cafe sahen: „Es war sogar sehr gut, Vrandow! Alle Achtung! Bei der kurzen Ausbildungszeit!"
Pitta Sie saß neben Helmut und drückte ihm oftmals verstohlen die Hand.
Helmut wurde ein wenig verwirrt. Er wußte nichts Rechtes zu sagen. Obwohl er nun nahezu vier Monate in der Truppe war, hatte er sich noch nicht recht in den Kreis, in dem er jetzt lebte, hineingewöhnt. Er fühüe sich heute, da er als Held bes Tages im Mittelpunkt des Interesses stand, unsicherer denn je.
Linden, der wenig sprach, aber alles vortrefflich beobachtete, sagte vertraulich und nur für ihn bestimmt:
„Ich will Ihnen Ihren Erfolg nicht streitig machen, Brandow! Er war entschieden ein solcher! Sie haben am Ende auch das Zeug und die nötige Energie, weiterzukommen! Aber — ganz offen! — ein wirklicher Künstler, das heißt: als Mensch, werden Sie meines Eracht, ns nicht! Da fehlt Ihnen etwas! Das liegt vielleicht cm dem Beamtentum, dem Sie entstammen I"
Obwohl Linden nur halblaut gesprochen hatte, schienen fast alle seine Worte gehört und verstanden zu haben. Ein allgemeiner Sturm der Entrüstung brach los. DR kleine Pitta Sie schrie erbost: „Neidhammel! Nichts weiter! — Er gönnt ihm seinen Ersolg nicht!"
Auch di« Ahrens stimmte vorwmfsvoll ein: „Das ist Unsinn, Linden! Sie werden dem Bvandow doch nicht die Liebe zur Kunst nehmen wollen?"
Linden, der es gewöhnt zu sein schien, von feinen i Kollegen nicht verstanden zu werden und der es jetzt auch : einsah, daß er es ungeschickt angefangsn hatte, unmittelbar nach dem ersten Erfolg Helmut Brand.nos in Gegenwart der anderen als Warner auzutreten, wehrte ab: „Kinder — keine Aufregung! Ihr ve,steht mich nicht!"
Pitta ließ ihn nicht ausreden und rief böse; „lind wie! Rur zu gell verstehen will"
Der Sachverstündigenpla«.
Wtb Paris, 21. Nov. (Tel.) Swen Doung, der bisherige Generalagent für die Reparationszahlungen, hat dem „Petit Parifien" zufolge bei feiner Rückkehr nach Amerika Journalisten gegenüber erklärt, daß der Skichverständtgenpi«« mit größerem Erfolge durchgeführt worden fei als feine Schöpfer gehofft hätten. Der Plan werde das Vertrauen zu Deutschland wiederherstellen. Deutschland werde im nächsten Jahre eine neue Anleihe nicht aufzunehmen brauchen. Er gab schließlich feinem Optimismus Ausdruck, daß die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas in kürze beendet fein werde.
DieHandel^VsrLrags-VerhLnölMMN
Die gegenwärtig zwischen Deutschland und den verschiedensten Mächten schwebenden Handelsvertrags-Verhandlungen haben eins über das wirtschaftliche Gebiet weit hinausreichende p v l i t i f che Bedeutung. Bei diesen Verhandlungen, die uns nach mehr als zehnjähriger Ausschaltung vom Weltmarkt wieder zum gleichberechtigten Wettbewerber machen, haben wir Trümpfe in die Wagschale zu werfen, deren Kraft sich auch die Gegenseite nicht zu entziehen vermag. Es ist darum auch erklärlich, daß diese Verhandlungen einen wichtigen Bestandteil in dem Kampfe Deutschlands um die Erringung seiner Freiheit darstellen. Und darum spielen hinter den Kulisien der gegenwärtigen Beratungen die Probleme des Versailler Vertrages, die Bindungen, die man uns dort nach der wirtschaftlichen Seite hin aufsrlcgt hat, eins große Rolls. Und das alles erklärt die Hartnäckigkeit, mit der diese Verhandlungen, insbesondere nach der Pariser Seite hin geführt werden müssen. Denn man muß sich bewußt sein, daß es sich bei den kommenden Abmachungen um langfristigeVer- träge handelt, und daß wir darum von vornherein ein Interesse daran haben, nach der grundsätzlichen Seite hin keine neuen Bindungen einzn- geben, vielmehr Fesseln, die nach unserer festen Üeberzeugung der freien Entwicklung des gesamteuropäischen Handels- und Verkehrslebens auf die Dauer in stärkstem Maße hindern würden, abzustreifen suchen. Das ist der tiefere Sinn der jetzigen Wirtfckaftsbsratungen, hinter denen sich, wie gesagt, auch die Behandlung großer polstischer Probleme verbirgt.
Die deutsche Delegation in London.
wtb. London, 21. Nov. (Tel.) Der parla- mentarische Berichterstatter deS „Daily Telegraph" schreibt, wenn die deutsche Delegation für die HaudelsoertragSerörterungeu am Sonntag in London eintreffe« sollte, so werde die erste Konferenz am Montag ftattjinde«. I« der Frage der 26 prozentigen Abgabe werde die brUischo Regierung aus keinen Fall rrnchgsben.
Das Schuldenproblem der Alliierten.
Wtb Parts, 21. Nov. (Tel.) Wie der „pelit periften“ ans Newyork meldet, haben hohe Beamte in Wafhinglon erklärt, daß bei der nächsten Finanzkonferenz i n p a r i s, die sich mit der F r a g c d er Verteilung der aus den Repatafions- zahlnngen herrührenden Summe beschäftigen wird, die amerikanifchen Vertreter sich weigern würden, die Frage der inler- olliierken Schulden zn diskutieren.
Der Direktor legte sich ins Mittel: „Linden dürfte zu wett gegangen sein! Brcmdom ist noch jung und noch Neuling unter uns, rote Überhaupt in Künstlerkreisen. Es ist nur das allgemeine Gefühl der Unsicherheit, das alte befällt, &e das erstemal in fremde Streife kommen."
Helmut Brand saß oertegen und ratlos. Stumm ließ et die Erregung der anderen vorübergehen. Er sagte nichts, er entschuldigte nichts an sich und versprach auch keine Aenderung. Anscheinend teilnahmslos saß er . . . Aber es schien nur so . . . Angestrengt dachte er über die Worte Lindens nach. Und das eine fühlte er dumpf, daß Linden ihn genauer kannte als er sich selbst . . .
Um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, sagte der „schöne Adolf": „Na — Herrs hasten, nun laßt uns mal vernünftig von etwas anderem reden' Also, wie steht's mit M-abtt, Direktor? Bestere Aussichten als hier im Osten?"
Georgius, der eine günstige Gelegenheit sah, die Bande seiner Truppe, die sich zu lockern begannen, zu festigen, sagte: „Ja — etwas vorteilhafter! — Am Ersten reden wir noch darüber!"
Die anderen blickten sich an und nickten emanbtr verständnisinnig zu. Pitta Cie sagte vorlaut: „Na, Direktor, aber ordentlich!"
Georgius wehrte ab: „Ich werde nicht knausern!"
Dann brach man auf. Helmut ging mit Pitta und Linden. Linden entschuldige sich des unliebsamen Vorfalls halber noch einmal, aber Helmut wehrte verlegen ab: „Ich habe es schon beinahe vergessen!"
Pitta nahm die andere Seite und sagte vorwurfsvoll: „Cs war nicht schön von dir, Linden!"
Helmut bat nochmals, das Thema fallen zu lasten und begann von anderen Dingen zu reden. Bon früher, cis er noch ein kleiner Lehrling war und mit vielen Zahlen und verschnörkelten Buchstaben zu tun hatte. Er redete lebhafter als sonst und mit gewisser Begeisterung. Als er davon sprach, schien ihm die früher trockene, reizlose Deschäftigl-r- Mereffant und voller Abwechslung. ; Er lebte orbentlil' jaf. . . . Nachdenklich gestimmt ging ; er mit seinen Begleitern die sonntäglich belebten Straßen entlang.
Vas Attentat von Miro.
Dec Tod des Siredars.
Der englische Militärbefehlshaber in Aegypten, der dort den Titel Sir ab ar trägt, ist den Verletzungen, die er erlitten hatte, erlegen.
Vor einer drastischen Aktion.
wtb £ 0 B b 0 n, 21. Nov. (Tel.) „Daily Expreß" erwartet, daß der Tod des Siradsrs weitreichende politische Folgen herben werde. Eine starke Aktion der Regierung, die beschloß, Teile der Mitkelmeerfloile von Malt« nach Alexandrien zu senden, fei wahrscheinlich.
Wie die „Times" aus Kairo berichtet, hoffen die Ausländer in Aegypten, daß die britische Regierung eine drastische Aktion sowohl in Aegypten als auch im Suban unternehmen werde.
Das Urtel! gegen Nathusius.
In den Verhandlungen vor dem Kriegsgericht in Ltüe gegen den deutschen General v. Nathusius ist dis Anklage für das unbefangene Urteil völlig zufammengebrochen. Die Belastungszeugen haben nichts vorgebracht, was die Schuld des Generals beweisen konnte, dagegen haben mehrere Zeugen überaus vorteilhaft über den General sich geäußert. Trotzdem ist Nathusius verurteilt worden. Es ist ein Tendsnzurteil, wie schon so viele andere. Mit der Gerechtigkeit hat es nichts zu tun. Nach den langwierigen Verhandlungen erklärte der Gerichtshof, der sich aus französischen Offizieren zusammensetzte, daß gemäß dem französischen Militärgesetz über die vom Vorsitzenden gestellten Fragen geheim abgeftimmt wurde.
Die erste Frage lautet: „Ist General von Nathusius schuldig, gewisse Gegenstände, darunter Pelze, Kleidungsstücke usw., im Werte von 5500 Francs, gestohlen zu haben?" Antwort: Nein! Mit vier gegen drei Stimmen.
Zweite Frage: „Ist General van Naibusius schuldig, Teppichs, Seidenwaren usw.. im Werte von 2630 Francs gestohlen zu haben?" Antwort: Nein! Mit vier gegen drei Stimmen.
Dritte Frage: „Ist General von Nathusius schuldig, Küchengeräte und ein Tafelservice im Werte von 500 Francs gestohlen zu haben?" Antwort: I a ! Mit sechs gegen eine Stimme. Dem General wurden mildernde Umstände nicht zugsbilligt.
Er wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt. Gegen bas Urteil kann innerhalb breier Tage Revision angemelbei werben. Das Urteil würbe ohne jebe Manifestation ausgenommen.
Das fragliche wertvolle Tafelservice ist, wie von Nathusius öussagt, von ber Ortskommanbantur kn Roubaix für bas Offizierskasino ordnungsgemäß requiriert worben, v. Nathusius bat persönlich damit nichts zu tun gehabt, weiß auch nicht, wo es geblieben ist. Bemerkenswert ist die Zeugenaussage des Pfarrers von Thionville, wo Nathusius mehrere Jahre in Garnison gestanden hatte, daß dieser sich dort noch h-i?te wegen seiner Gerechtigkeit und der Lauterkeit ferner Gesinnung ber größten Achtung der gesamten Bürgerschaft erfreue und daß man dort in den weitesten Kreisen ber Auffassung fei, daß Nathusius bte ihm zur Loft gelegten Diebstähle unmöglich begangen haben könne.
* Dir Teuerung in Frankreich. Wie die „Liberte" melbet, ist b:e Departementskommission zur Bestimmung bes Mehlpreises zusam- mengetreten. Da der Eetrcidevreis ständig stieg, habe bte Kommission den offiziellen Preis für das Mehl von 152 auf 154 Franken erhöht. Man werde auch binnen kurzem einer Erhöhung des Drotpreises näher treten müssen.
7. Kapitel.
Linden wohnte nicht wett. Er verabschiedete sich nor feinem Hause kurz.
Helmut ging mit Pitta allein weiter. Sie wohnten in der gleichen Straße. Füi den Anfang gingen sie wortlos nebeneinander her. Nur als Litt den gegangen mar, hotte Helmut gefragt, ob sie mit der Untergrundbahn fahren wollten.
Pitta hatte abgewehrt und gemeint: „Ich laufe lieber! In der Untergrundbahn ist es schrecklich voll!" Dann raren sie wieder stumm nebeneinander hergeschrttten.
Pitta brach zuerst das Schweigen. Sie fragte: „Wo essen Sie zu Mittag? — Soll der gute Erfolg nicht durch ein besonders festliches Begehen gekrönt werden?" Sie sah Helmut dabei helb schelmisch, ha'b kokett an.
Helmut dachte über ihre Worte nach. Dann sagte er in leichtem, lustigem Ton, der ihn ganz seränirrt' „3a, Pitto! Und ich lade Sie dazu ein!"
„Wo gehen wir hin?"
„Es ist einerlei. Irgend wohin!"
„Ich weiß ein kleines, nettes Lokal! Es -st ba sehr gut! In der Königstraße!"
Helmut entWed kurz: „Gut, ich weiß sowieso nicht Bescheid!"
Da saßen sie denn in dem kleinen, vornehmen Restaurant. Pitta war lustig und übermütig wie immer. Helmut wurde von ihrer Lustigkeit angesteckt. Er ging aus sich heraus und plauderte von allen möglichen Dingen. Er war ganz verändert.
Pitta wurde allmähüch offener zu Helmut. Sie gab es auf, ihn als „dummen, kleinen Bub", wie sie ihn den andern gegenüber, wenn er nicht dabei mar, genannt hatte, zu behandeln.
Helmut merkte es gar bald und empfand plötzlich Sehnsucht, diese Menschenseele zu ergründen. Er sagte schließlich leise und mit vertraulichem Beiklang in der Stimme: „Wo sind Sie eigentlich her, Pitta?"
„Interessiert es Sie sehr?"
„D ja!"
Koryetzum» foIaO