Zur Unterhaltung
ulda er Zeitung
Nr. 269 vom 18. Nov. 1924. ä
Deutscher Barock.
In der Reihe der bekannten „Plauen Bücher" P der seit acht Jahren vergriffene „Deutsche Barock" in „euer Auflage erschienen (63.-77. Tausend. Mit 100 Ubb. und 14 Grundrissen M 3.—). Lange hatte man darauf gewartet und ist jetzt sehr erfreut, das Abbil- -nngsmateric! ,'rncuert und vermehrt vorznfinden. Auch in den ßiteraturangaben sind die neuesten Forschungen berücksichtigt, ebenso in den Unterschriften der Bilder, in den Namen der Baumeister. Von Fulda sind in sehr guten Abbildungen vertreten der Dom, die Oran« gerie und die Floravase. Neu ausgenommen sind von Samberg ein Detail vom Torbogen der Rathauses, von Breslau zwei Abbildungen der Universität, die pompöse Fassade von Gnissau, eine zweite Innenansicht der Klosterkirche in Schönthal, die Fassade der Ka ' Borromäns- firche in Wien, eine Zwingeransicht von Canaletto, der Schloßhof in Ludwigsburg bei Stuttgart, die Kirche auf dem Schönenberg bei Ellwangen, von Kloster ©fffingen ein Detail aus dem prachtvollen Bibliothek- faal, von Zimmermann eine — allerdings nicht sehr glückliche — Innenansicht der Frauenkirche in Günzburg. Die Wieskirche ist nicht abgebildet, weder außen noch innen, und das ist mit Recht unterblieben. Denn es wSre zu schade, wenn dies einzigartige Juwel zu einem Ausflug-ort profaniert und degradiert würde. Glücklicherweise ist es ja durch seine Lage weit jenseits von Menschen und Zeit vorläufig wenigstens noch ziemlich geschützt. Eine Ansicht vom Chorgeftühl der Klosterkirche in Ottobeuren gibt einen Vorgeschmack von dem blendenden und entzückenden Reichtum dieser fabelhaften vomkirche des schwäbischen Eskorial. Merkwürdig nüchtern und flach muten die folgenden Abbildungen des Echloises Sanssouci und des Stadtfchlosies in Potsdam an. Man möchte sagen, sie seien preußisch gekühlt.
Pinders glänzende (Einleitung, die bekanntlich mit zum absolut Besten gehört, was auf dem Gesamtgebiete der Kunstgeschichte in den letzten zehn Jahren geleistet wurde, ist in der ursprünglichen Pracht und Glut der Sprache erhalten geblieben. Daß sie bis auf einen unwesentlichen Zusatz so unverändert übernommen werden konnte, trotzdem die kunstgeschichtliche Forschung sich in wachsendem Maße der Aufklärung der Barockzeit zugewandt hat in der Zwischenzeit, zeugt nicht am wenigsten für die vollendete Meisterschaft des Verfassers.
Jedenfalls kann man hier für einen geringen Betrag etwas ganz Köflliches erwerben, kann „mit Bewunderung die Fülle von Geist begreifen, die jene seltsame, üppige Geschmeidigkeit des Schaffens in der barocken Baukunst niedergelegt hat." Und wenn Pinder hinzu- fügt, daß es sich für die Deutschen dabei noch um etwas Besonderes handelt, „um eine der Zeiten ihrer Ge- sihichte, die die Merkmale der Genialität tragen, eine ungeheure Fruchtbarkeit, einen dichten Wuchs der Begabungen, eine hohe Zahl von Meisterwerken", so können wir dem hinzufügen, daß es sich in der Hauptsache nm die Kunst der Gegenreformation handelt, daß die Abbildungen des Buches ein gutes Zeugnis ablegen von der herrlichsten Blüte der Barockkunst, dem Bau katholifcher Kirchen, Klöster und Stifte.
Dr. K. Freckmann.
Neues vom gilt».
Die Amerikafluk. — Mmrutzland. — Pola Tlegri hat Heimweh. — Warum keine Filme aus dem
Landleben? — (Eine Schnurre.
Die amerikanische Filminvasion kennt keine Grenzen. In Deutschland wurden innerhalb des Cinfuhr- kontingei'.ts 1924 bi* zum 30. Juni Berechtigungsscheine erteilt für 111 amerikanische, 7 italienische, 7 französische, 3 schwedische, 3 englische, 2 spanische, 2 dänische Filme. Dazu kam ein weiterer Film aus Oesterreich, das überhaupt eine unwahrscheinlich minimale Filmproduktion entfaltet. Die Einfuhroerhiikinisfe liegen ähnlich und teilweise ärger in andern europäischen Ländern. Amerika voran! Da muß es wahrscheinlich an der Zeit fein, auf« zuwachen und sich an die U.-S.-Konkurrenz mannhaft und weidgerecht heranzupiirschen. In Amerika selbst werden nämlich so gut wie keine importierten Filmerzeugnisse eingeführt. Mit Füg und Recht erhob deshalb unlängst eine angesehene englische Filmfachzeitschrist alarmierende Rufe gegen die llcberfhitung Europas von Filmamerika her. Ein Zusammenschluß aller europäischen Filmindustrien, unter denen die deutsche Produktion an der Spitze marschiert, wäre wohl dringend wünschenswert. Ob auf diesem Wege aber Positives erreicht wird? Es könnte ein frommer Wunsch bleiben, und keinesfalls darf durch Bildung einer Abwehr-Organisation erst noch weitere kostbare Zeit, die hier wahrhast Geld ist, oertoren werden. Das ist auch der Standpunkt der Ufa-Verwaltung, die jetzt Mitteilen kann, daß in Newport eine Gesellschaft in Bildung begriffen tft, die die Einführung und den Vertrieb von deutschen Filmen in den Bereinigten Staaten in größerem Umfange zum Zweck hat. Im Anschluß daran beabsichtigt die neue Gesellschaft ihren Geschäftsbetrieb auch auf den Vertrieb sonstiger europäischer Filme auszudehnen. Jedenfalls ein begrüßenswerter, kurzentschlostener Auffchwung zur Tat!
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Unter der Firma Akt.-Ges. Sowkino wird von der Svwjetregierung eine Gesellschaft gegründet die die Tätigkeit aller Kinounternehmungen in Sowjetruh- land vereinigen soll. Der Gründungsvertrag ist bereits abgeschlossen worden. Die staatlichen Kinobetriebe, die sich als Einzelunternehmungen nicht als lebensfähig erwiesen haben, sollen der Gesellschaft unmittelbar einner« leibt werden, mährend mit den anderen Betrieben eine enge Zusammenarbeit angestrebt wird.
Gleichzeitig bereitet die Sowjetregierung einen großartig angelegten Propagandafeldzug für den Bolschewismus vor, indem sie einen Film über Organisation, Leben und Treiben in Sowjetrußland ausnehmen läßt. Wenn vom politischen Standpunkt das Beginnen auch keineswegs zu begrüßen ist, so bleibt doch bemerkenswert, daß eine Regierung die starke Popularität des Lichtspielwefens richtig einzufchätzen gelernt hat.
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Pola Regri, die gefeierte Filmdiva, hat plötzlich Heimweh bekommen. Polen ist das Land ihrer Träume. Bald wird sie die heimatlichen Fluren erreicht und erflogen haben. Sie befindet sich nämlich auf der Rückreise nach Europa. In ihrer polnischen Heimat gedenkt
sie einen Erholungsurlaub von mehreren Wochen zu verbringen. Ueber ihre weiteren Pläne verlautet noch nichts. In Kreisen der deuffchen Filmproduktion will man allerdings wißen, daß Pola Negris Programm auf lange hinaus festliegt.
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Der Film aller produzierenden Länder ist fast ausschließlich Gr oßstad tf ilm. Hoffentlich wird nun auch bald das Landleben einbezogen. Gründe, gewichtige, triftige, bestehen dagegen kaum. Also weshalb nicht? Doch gemach, die große Entdeckung des Landes wird auch kommen! Zage Versuche unternimmt man bereits. Wir denken dabei besonders an „O nkel B r ä- f i g s" Auferstehung. Es ist außerordentlich begrüßenswert, daß sich dieser Film einmal ausschließlich mit der Landwirtschaft und ihren Leuten beschäftigt. Gr führt den Titel „Kampf um die Scholle" und ist nach Motiven aus Fritz Reuters unsterblichem Werk „Hi mine Strom- tid" gedreht worden. Im modernen Gewände werden alle uns aus diesem klafsischen Roman bekannten Gestalten auf die Leinwand gezaubert und legen beredtes Zeugnis dafür ab, ein wie dankbares Beginnen die filmische Behandlung ländlicher Dichtungsstoffe ist. In der Zukunft werden die Filmregisseure noch gründlichermaßen Umschau halten in dem weiten blühenden Garten der Heimatdichtung, besonders aber der niederdeutschen, die sich an die Spitze dieser ganzen, breit ausladenden Bewegung zu stellen gewußt hat. Man braucht kein Prophet zu sein und kann doch auch diese Entwicklung Voraussagen.
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Bei einem Filmverleiher, der Verbindungen und Beziehungen hat, sind Reklamationen nicht nur eine alltägliche Plackerei, sondern sie wirken an manchen Tagen geradezu hemmend auf den flotten Gang der (Sefdjäfte.
Meldet sich da kürzlich ein junger Mensch bei einem Filmverleiher und bittet tun eine bescheidene Anstellung.
„Was können Sie?" ist die nervöse Frage des vfll- beschästigten Direktors.
Der junge Mensch schweigt.
„Was Sie können, habe ich Sie gefragt," istckdie nochmalige, bestimmtere Aufforderung des Direktor.
Der junge Mensch tritt jetzt auf den Gestrengen zu. „Ich bin taub," haucht er.
Die Stirne des Gebieters glättet und entwölkt sich. Er schellt und sagt zum vertretenden Prokuristen:
„Der junge Mann hier übernimmt von heute ab die Reklamationsabteilung!"
So wird erzählt. . . Johannes Schräpel.
Hms aller Welt.
— Wiederaufleben des Briefmarken. Samwelsporls. Der Briefmarkenhandel lag während der Jnflations- periode fast vollständig darnieder, was ja auch begreiflich erscheint. Aber der Eifer unter den Sammlern hatte schon in den Jahren vorher ganz besonders nachgelasien. Die Neuausgaben fast aller Staaten jagten einander wie die Wetterwolken und wechselten so oft, daß das Sammeln nachgerade kaum noch eine Freude bereitete. Man wußte einfach nicht mehr, wo anfangen und wo aufhören. Um" sich die neuen Kollektionen anzuschaffen, mußte man
ein kleines Vermögen besitzen. Tausende selbst eingefleischter Philatelisten konnten ihrem Sammelsport nicht mehr huldigen nach der Regel: „Ich sammele was ich will", sondern zogen sich zurück auf Spezialgebiete, um wenigstens hier etwas möglichst vollständiges zu besitzen. 90 Prozent aller Sammler fanden bei der Beschäftigung mit ihren Lieblingen keine Erholung mehr. Jetzt ist eine Wendung eingetreten. Man glaubt sich wieder gesicher« ten Weltverhältnissen gegenüber, und so erlebt auch die PhilateNe, wie die großen Tagungen und Börsen in Oesterreich, in der Schweiz, in Deutschland usw. zeigten, eine neue Blütezeit. Freilich sieht sich ebenso der kundige Sammler wie der Anfänger völlig geänderten Verhältnissen gegenüber. Heute muß man jede neuange« schaffte Marke erst mal auf ihre Echtheit prüfen und sodann in allen Katalogen nachschlagen, um über den Wert orientiert zu fein und sich über die tausendfältigen Ausgaben zu unterrichten. Heute ift das Sammeln keine Erholung mehr, sondern eine anstrengende geistige Tätigkeit. Das aber ist gerade anspornend! Man huldigt auch wieder dem Grundsatz: alles zu sammeln, eben weil es jetzt so sehr viele Marken gibt. Dafür sind namentlich die neuen ausländischen Ausgaben zeichnerisch nur zu oft wahre kleine Kunstwerke, die man schon deshalb gern betrachtet. Und sodann wäre nicht zu unterschätzen bas, was die kleinen Bildchen in geschichtlicher Beziehung zu sagen haben. Gar viele erinnern an Trauertage oder auch an Freudentage, alle aber bieten sie einen Spiegel des Weltgeschehens und wirken viel belehrender noch als früher. Aus diesem Grunde darf man das Wiederaufleben des Briefmarken-Sammel» fports mit Freuden begrüßen!
— England und die allen Jungfern. Huxley schreibt: „Wir Engländer halten die alten Jungfern in allen Ehren, denn ihnen allein verdankt England feinen kräftigen Menschenschlag. Der Engländer zieht seine Kraft aus dem tüchtigen Fleisch, dem vortrefflichen Rindfleisch. Dies gedeiht zumeist durch den roten Klee. Der rote Klee aber bedarf zur Samenbereitung des Besuches der Hummeln. Leider wird den Hummeln von den Feldmäusen, die ihre Nester zer- ftören, nach dem Leben getrachtet. Wer aber verfolgt die Feldmäuse? Die Katze. Und wer züchtet die Katze am besten, so daß sie zu Tausenden sich fortpslanzt? Die alten Jungfern. Und aus diese Weife verdankt England den alten Jungfern seinen kräftigen Menschenschlag."
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heiteres.
Der alle Frankfurter und die Preußen. Ein alter Frankfurter Bürger erzählt aus den Tagen, da Frankfurt preußisch wurde: „Und da kam ich an den Römer, wie se grab die neu Fahn aufszoge Howe. Ne, mer derft ja nix mache, sonst hätte se ein verhaue. Also vorne, da haw ich gelächelt. Aber hinne, hinne, da hav ich mit de Zähn geknirscht!"
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Immer höflich. Hausknecht: „Der Hinterhuberwastl ift wieder da, der Krakeeler, der will hier feinen Namenstag feiern!" — Wirt: „Unsinn! gibt’s nicht! Gratulier ihm . . . und schmeiß'n 'naus!"
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