Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
Nr. 269.
BeranlworUiL Ür bie SLrntleitu»»: Dr- 3o6anneS Siamef Ameisen: 3- D arreller, Fulda. Sotationsonitf und Bertas der Fuldaer Sctikndrnüerei in Fulda. Fernidrecher Nr- 9.
Monatlicher LerneSVreiS: 1.50 Mk.
Dienstag, IS. November 1924-
Änzeiaea-Preiie ßieuueile (Uolonei) total u.iö »oibmati aurmLrts 0.20 Soldmark: Reklame,eile lokal 0.60. Soldmarl auswärts 0.80 Soldmark. ::
Bei Wiederholungen Rabatt- Bott'checkkonw Frankfurt a- M 4051.
51. Zahrg.
Die Aushebung der Regie.
Wieder ist, dank der Politik des Reichskanzlers Dr. Marx, ein Stück der Bedrückung Deutschlands, die mit der Ruhraktion anhob, rückgängig gemacht worden. In der Nacht auf Sonntag ist die Regieverwaltung der Lahnen im besetzten Gebiet aufgehoben worden. Daß die Errichtung dieser Regie ein schwerer Verstoß der Franzosen und Belgier gegen Recht und Vertrag war, steht fest. Die Bedeutung der Rückgängigmachung kann aber mit dem 'Hinweis auf das Unrecht der Einführung nicht herabgesetzt werden. Die Presse der Rechten, z. B. der „Berliner Lokalanzeiger", sucht auch die Rückgabe der Eisenbahnen ebenso wie die Befreiung einer Reihe von Städten im Ruhrgebiet als unbeträchtlich erscheinen zu lassen. Sie stellt es ihren Gläubigen so dar, als ob eine Rechtsregierung nicht nur die Regie beseitigt, sondern jetzt auch noch von den Franzosen Entschädigungen sür die Zeit der Besetzung durchgesetzt haben würde. Liese Selbsttäuschung ist nicht mehr zu überbieten. Sie ist vom Fluch der Lächerlichkeit bedroht.
*
Wie uns von der Reichsbahndirertion Frankfurt a. M. mitgeteilt wird, hat sich in chrem Bezirk die Uebernahme der Regiebahnen in den Betrieb der deutschen Reichseisenbahn glatt vollzogen. Auch im Reichsbahndirektionsbezirk Köln ist die Ueberleitung des Regiebahnbetriebes in den Reichsbahnbetrieb infolge der umsichtigen Vorarbeiten seitens der Reichsbahndirektion Köln glatt vonstatten gegangen. Aus Essen wird gemeldet: Die Uebergabe der Regiebahnen an die deutsche Reichsbahn erfolgte überall reibungslos, ohne daß eine Störung des Betriebes erfolgte. Die deutschen Beamten und das deutsche Publikum begrüßten die Uebernahme der Bahnen durch die deutsche Verwaltung überall freudigst.
Die MMarkontrolle.
wtb London, 17. Rov. (Id.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, es sei befriedigend zu erfahren, daß mit Ausnahme des letzten Zwischenfalls in 3 n - golstadt trotz verschiedener im Umlauf befindlichen Gerüchten in britischen Kreisen die Ansicht ver- treten sei, daß die Inspektion der deutschen Rüstungen durch die internationale Kontrollkommission glatt von statten geht.
Die deittsch-französ. Verhandlungen.
Tie Besprechungen, die der Staatssekretär Trenbelenburg in Berlin über den Siand der Verhandlungen über das deutsch-französische Wirtschaftsabkommen führt, sind nun abgeschlossen. Trendelenburg reist mit neuen Instruktionen nach Paris. Die Verhandlungen weroen im Laufe der Woche wieder ausgenommen. Die Schwierigkeiten, die sich ergeben haben, sind nicht grundsätzlich er Art, aber die Bestrebungen, die offenbar unter dem Einfluß verschiedener Großindustrieller in Frankreich sich geltend machten, nötigen zu einer unmittelbaren Fühlungnahme zwischen den deutschen Vertretern und der Reichsregierung.
Der frühe Winter.
wtb Freiburg, 17. 7kov. (Tel.) Infolge des Vorbringens de» nordwestlichen Hochdruckgebiets ist auch im südlichen Schwarzwald die Temperatur stark gesunken. Während die letzten Rachtlempera- turen 3—4 Grad betragen hatten, wurden Henle morgen ans dem Feldberg 11 Grad gemessen. In der Rheinebene ist die Temperatur gleichfalls stark gesunken.
wtb Wien, 17. Roo. (Tel.) heute ist hier der erste Schnee gefallen.
Die Mossulfrage.
wtb Paris, 17. Roo. (Tel.) Rach einer Slgenturmeldung aus Konstantinopel hak die türkische Regierung dem englischen Vertreter in Konstantinopel bekannt gegeben, daß die t ü r k i s ch e n Truppen Befehl erhallen haben, die kürzlich besetzten DifiriktevonMossul in räumen and sich in die durch das englisch-türkische Abkommen von Drüssd vorgeschriebene Linie znrückzn- ziehen. _______________
Ausland.
• Rußland und die Schweiz. Die „Neue Züricher Zeitung" und einige katholische Blätter sind in der &age, von einer Anfrage zu berichten, die die Sowjetregierung an den Bundesrat gelangen ließ, ob die Schweiz zur Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Rußland bereit wäre. AlS Vermittler der Rus. stn habe der frühere Professor der Baseler Umber« Mt, Prof. L. Stein in Berlin gedient.
Ludendorff.
Ein MünchenerSonntagsblatt'meldet, daßGeneral Ludendoiff beabsichtige, in der nächsten Zeit von München wegzuziehen. Ludendorff wohnt in seiner Villa ouf Ludwigshöhe.
Die Völkerbundfrage.
Eine bemerkenswerte Rede Lord Grey's
Sn einer Rede in Newcastle erklärte Lord Grsy, die Reparationsfrage fei ein großes Hindernis für den Eintritt Deutschlands in den Dölkerbund gewesen. Das Londoner Abkommen stelle jedoch einen großen Schritt zur B e f e i t i g u n g dieses Hindernisses dar. Die Anwesenheit Lord Cecils in der Regierung sei ein klarer Beweis dafür, daß sie eine Völkerbundspolitik verfolgen werde. Grey erklärte weiter, er sehe jetzt, was er 1914 nicht gesehen habe, nämlich, daß ein Krieg unvermeidlich war. Er sei zu dem Schluß gekommen, daß, welches auch immer die Schuld Deutschlands gewesen sein möge, den Krieg in jenem Jahr herbeigeführt zu haben, bas 2t n ro a ch- sen der Rüstungenes gewesen sei, w a s d e n Krieg wirklich unvermeidlich gemacht habe. Der n ä ch st e Krieg würde dasEndeder Zivilisation bedeuten.
Bezüglich des Völkerbundes müsse sowohl Frankreich als auch Deutschland und den Vereinigten Staaten noch vieles klar gemacht werden. Deutschland könnte sagen: Angenommen, ich trete bei und bekomme dann Schwierigkeiten mit einem anderen Land und stehe zum Völkerbund und bin bereit, den Streit von ihm regeln zu lassen, und eine andere Nation lehnt dies ab. Was wird dann Großbritannien tun? Wird es zu mir stehen? Grey er- klärte, wenn man diese Frage nicht beantworten könne, so werde Deutschland sagen: Wenn ter Völkerbund für mich keine Sicherheit bedeutet, dann werde ich erwägen müssen, ob ich nicht meine Rüstungen wieder aufbauen soll. Grey fuhr fort, wenn Großbritannien den Völkerbund zu einer Wirklichkeit machen wolle, so müsse es erklären, daß es nicht sür Sonderbündnisse eintreten werde, die schließlich zu einer Rivalität zwischen den Nationen führten. Diese und andere damit zusammenhängende Fragen müßten beantwor- tet werden in Verbindung mit der Unterzeichnung des Genfer Protokolls. Grey sagte schließlich, er werde niemals dafür eintreten, daß die britische Flotte in den Dienst eines auswärtigen Tribunals gestellt werde.
Mussolini
hat in der Kammer in einer längeren SRebe erklärt, in Gens würde jetzt eine der schwierigsten Fra»,«« diskuiiert, nämlich ba8 Schiedsgerichtsproblem. Ehe Italien sich durch seine Unterschrift verpflichte, müßten zunächst mehrere prakiische Fragen zur Lösung gebracht worden fein. Italien brauche einen Abfluß für seine überflüssigen Arbeitskräfte «nd brauche Rohstoffe. Ohne die Erfüllung dieser Bedingungen werde der Friede nicht ein Friede zwischen freien Völkern sein, sondern ein Friede, bei dem ein Teil der Völker dem anderen gegenüber als ProfoS austreten. Mussolini fuhr fort, Italien müsse sich ferner auf den Abschluß einer Handelsvertrages mit Deutschland vorbereiten. Diese Frage sei nicht ein Ressortproblem, sondern eine Frage der Außenpolitik. Italien werde auch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund freudig begrüßen und werde auch dafür eintreten, daßDeutsch« land einen Sitz im Völkerbund erhalte. Mussolini bezeichnete den Handelsvertrag mit Deutschland als den ersten in einer Reihe ähnlicher Verträge und alS einen wichtigen Schritt auf dem Wege zur Schaffung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Völkern. ___________
Die Abwehr des Nulturkampfes.
Die neue Partei der kakhollfchen Elsaß-Lothringer.
wtb Paris, 17. 1?ov. (Tel.) Dor einiger Zeit haben sich elsaß-lokhringische Deputierte zu einer demokratischen Fraktion zusammengeschloffev. Gestern wurde diese Fraktion zu dnet Partei erweitert. Zn Anwesenheit von 300 Delegierten ist die demokratische Dolkspartd gegtfinbd worden. Aum Programm hat sie die politische Freiheit, Durchführung der sozialen Gerechtigkeit und des sozialen Friedens, entschlossene Außenpolitik, die die Forderungen der Gerechtigkeit nicht trennt von den Dorteilen der internationalen Zusammenarbeit. Endlich, und das ist das wesentliche der neuen Partei, fordert sie, daß der Respekt vor den religiösen Kräften die Grundlage der ReorMlnisation des Landes fdn müsse.
von den Hochschulen.
= 3ubi5um der Danziger Technischen Hochschule Die Technyche Hochschule in Danzig duckt in die.em Herbst auf ihr fünfzigjährige« Bestehen zurück An« dieiem Anlaß sinder in der Aula der Ho-Usckule eine $eier statt, zu der zahlreiche Koiyp,äen bet Wissen- schart aus deuisven und nichideuiichen Ländern er. wartet w-rden. Die Hochschule ist m den letzten Jahren au? Grund n, die tn der nnnmehiipen politischen Selbständigkeit Danzi 8 liegen, bedeutend erweitert worden. Nachdem erst vor karz-m eine volliiändige mathematisch-physikalische Fakultät, die den llniversitäts- fakultäten rn Rang und Berechtigungen gleich estellt ist, eingerichtet worden ist, ist der Hochschule seit Beginn dieses Semesters nunmehr auch e ne landwirtschaftliche Abteilung angeglieeert worden.
Kus der „Deichte eines deutschen Prinzen".
Der „Völkische Nachrichtendienst" veröffentlicht in feiner Nr. 9 vom 11. November einiges aus einem soeben erschienenen Buche „Politische Beichte eines deutschen Prinzen". Der deutsche Prinz bekennt in dieser politischen Beichte sehr offen seine Ansicht über Rom, Jesuiten und Zentrum. Was dieser Prinz schreibt, würde als Ansicht eines jedenfalls recht unbedeutenden Privatmannes wenig interessieren, wenn nicht die Nationalsozialistisch« Freiheitspartei mit diesen Bekenntnissen eine Wahlpropaganda betriebe, die im Interesse des konfessionellen Friedens bedauerlich ist, aber nicht unbeachtet bleiben darf.
Schwere Jahre liegen hinter uns, sagt der Prinz, doch das Schwerste stehe uns noch bevor. Er meint die Auseinandersetzung mit Rom, den Jesuiten und dem Zentrum. Nach einem Rückblick auf die Inquisition klagt er: „Das Rom der Inquisition lebt In den Jesuiten weiter . . .. Die „jesuitische Zentrumspartei habe sich im November 1918, als alles zusammenbrach, mit den „Ballonmützen" verbündet. Nach der Schilderung eines Erlebnisses im „pechkohlrabenschwarzen Münster" bringt dieser deutsche Prinz folgenden Herzenserguß über die Jesuiten und den Katholizismus:
Die lieben Jesuiten, diese schneeweißen Un- schukdslämmchen, haben sich tieftraulich einge- nistet, mit Kräften, reich an Listen, in allen deut- schen Gauen: heimlich unheimlich, von Königsberg, der Stadt der reinen Vernunft, bis Freiburg, der Stadt der Unvernunft eines Fehrenbach und
Daß der liebe Orden — cum Jesuitis non rum Jesu itis — nicht etwa zur Vertilgung der verruchten Ketzer gegründet, las ich gestern noch in der Zeitung, die sich „Germania" zu nennen wagt. .
Da wurde auch belehrend erwähnt, was ein Pro« fessor Mausbach in rührender Einfall auf einer Zen» irumstagung erklärte: Wie sollten die Jesuiten Zeit und Lust haben, das Schwert des konfessionellen Haders aus- ^Nun" eine solch droMge Auffassung der Geschichte ist von dieser Seite nicht weiter überraschend ....
Die Jesuiten sind gerade heute zur größten Gefahr geworden. Mll dieser Regierung drehen sie jebe» ^"Dte'Eg r"ö ß te" Dreistigkeit ist doch der Feldruf dieser Zentrumsteute: Für Freiheit, Wahrheit und Recht. . , ,
f» hif Hühner, wenn sie die schwarzen Füchse so schwindeln hörenl ' ,,
Ich achte die katholische Glaubenslehre. Doch ich verachte die politischen Maulwürfe, die unter dem Deckmantel christlicher Bestrebungen das protestantische Deutschland unterwühlen.
Falschheit, Dein Name ist Zentrumsparter!
Ich weiß, den Zentrumsturm erschüttert nichts von lucherischer Getto. Die Bitte des Biberach's ist erfüllt: Herrgott, laß Dummheit regnen übers Land .... Der Reich-gründ er sah den Tag kommen, da die Jesuiten die Führer der Sozialdemokra- t i e sein werden. Die schauerliche Stunde ist da ... .
Ehe nicht der letzte Jesuit und der letzte Marxist von der Germania heiligem Grund entfernt sst, wird nicht Friede im Land! Das muß der o ö l. lische Staat beherzigen, gerade um des Friedens im Glauben willen ... ,
Dem Evangelischen Bund« aber rufen wir zu: Schläfst Du, Brutus?
Der protestantische Norden wird sich bis zum äußersten wehren .... Das Volk eines Goethe, Schiller, Schopenhauer und Bismarck will romfret werden..." „ ~ „
Nach einem Loblied auf die Los-oon-Rom-De- wegung in Oesterreich heißt es:
„Ein ganz anderes Deutschland bringt sie hervor.
Nach dessen Siegesstunde gibt es keine Zentrumspartei mehr. Wir erwarten viel von der akademischen Jugend.
Kein wissender und denkender Deusscher sst dann noch Geistesknecht der drei Einheiten von heute: Schwarze, rote und goldene Internationale ....
Kommende Jahrzehnte bringen uns die Deutfch- kirche.
Daran glaube ich heute fester denn je. An dem un- glückstage, da Bonifatius die erste Wotanseiche fällte, wurde die Axt an die Wurzel unserer völkischen Eigenart gelegt. Wir verrömelten geistig."
Und so geht es weiter. Nur schade, daß der Pressedienst der Nationalsozialistischen Freiheitspartei den Namen dieses deutschen Prinzen verschweigt.
* wie viele Bienen gibt es in Deutschland? Nach dem neuesten Brockhaus gibt es in Deutschland 2V* Millionen Bienenvölker. Jedes Volk zu 25 000 Stück gerechnet, würde das eine Anzahl von 6271 Milliarden Einzelbienen ergeben. Je 2000 Cinzelbienen bringen 1 Pfund Honig zusammen. Wie groß die Gesamt erzeugung von Bienenhonig in Deutschland ist. kann sich jeder selbst ausrechnen.
• Don einer Handgranate zerrissen wurde in E r f u r t der 13jährige Schulknabe Hans Wagner. Er spielte mit anderen Kindern mit einer Hand- granate, die er zur Entzündung brachte. Die Kinder liefen weg, als sie die Granate zischen hörten, während Wagner mit der Granate in der Hand stehen blieb. Nach einem heftigen Knall fanden die Kinder ihren Gespielen tot. Dem Knaben war die linke Hand vollständig abgerissen worden, der Brustkorb durch Sprengstücke durchlöchert und die Halsschlagader durchgeschnitten.
wühl in Schwerin.
Neuer Mißerfolg der Rechts- und Link-radikalen in Anhalt.
Am Sonntag fanden in Schwerin Stadt» oerordnetenwahlen statt. Gegenüber den Reichstagswahlen vom 4. Mai stieg die Zahl der demokratischen Stimmen von 1687 auf 2698 und der sozialdemokratischen, von 6353 auf 6628. Die von den Deutschnationalen und der Deutschen Dolkspartei gebildete Wirtschaftliche Einheitsliste erzielte 9739 gegen 11547 Stimmen. Die völkischen Stimmen gingen gleichfalls zurück und zwar von 4313 auf 1398, die der K o m m u n i ste n von 1230 auf 689. Auf die Wirtschaftliche Einheitsliste entfallen damit 23 (28), auf die Demokraten 6 (4), auf die Sozialdemokraten 15 (15), die Kommunisten 2 (3), die Nationalsozialisten 3 Sitze und auf eine Angestelltenliste ein Sitz.
Hk
Bei den Gemeindewahlen in Anhalt, die am Sonntag der vorausgegangenen Landtagswahl folgten, büßten die Flügelparteien die Völkischen und Kommunisten beträchtlich an Stimmenzahl ein. Die übrigen Parteien dürften dem „Montag" zufolge wohl ihren Besitzstand nach den bisher vorliegenden Nachrichten behaupten. ________
Unerhörter Ausfall dsr Ureuzzeitung
Unter der Ueberschrist „Roter Vorstoß in der Hedwigkirche in Berlin?" hat die „Kreuzztg.", das führende deutschnationale Organ in Berlin, chren Lesern folgende Weisheit aufgetischt:
DaS Lied .Großer Golt, wir loben dich» erklang, wie uns aus katholr;chen Streiten geschrieben wird, am Mederkehrstag des Beginns deutscher Schmach (9. No. vember) m der Hedwigskirche zum Schlug der letzten Messe mit den Drei ersten Strophen von der Orgel Peinliche Befremdung dreier; denn nach bestem Wissen und Kirchenblatt kein lirchlrcher Anlatz. Die kirchlichen Behörden handeln nach der Weisung des Papstes, die erst noch am Allerheiligen Feste lautete: Nur lerne Politik.
Es müssen, so schreibt dazu die „Germania", wirklich recht merkwürdige katholische Kreise fein, die durch das Singen des Tedeums am Sonntag vor acht Tagen in der Hedwigskirche peinlich berührt waren. Wir möchten fast behaupten, daß es überhaupt keine Katholiken waren, die den „Roten Vorstoß in der Hedwigskirche" erdichteten, sondern Söldlinge deutschnationaler Demagogie, die beauftragt waren, neuen Stoss zu Wahllügen und zur Wahlhetze zu liefern. Denn wären es Katholiken gewesen, dann hätten sie gewußt, daß die Hedwigskirche an diesem Tage das Kirchweihfest feierte und daß lediglich aus diesem Anlaß das bekannte Kirchenlied gesungen wurde.
Wenn es sich nur um einen Irrtum handeln würde, so läge kein Grund vor, über diesen Hereinfall der „Kreuzzeitung" viele Worte zu verlieren. Jeder blamiert sich eben so gut er kann. Diese bewußte Jrresührung ist jedoch erfunden worden mit dem ausgesprochenen Zweck, einerseits zu beweisen, daß der katholische Klerus das Haus Gottes zu politischen Demonstrationen mißbrauche, was selbstverständlich völlig unstatthaft ist, anderseits um die Zeptrumspartei als Beschützerin der kach. Kirche zu verdächtigen, daß sie die Macht der katholischen Kirche parteipolitisch ausnützt. Der Beweis ist in diesem Falle jämmerlich mißglückt.
Nichtsdestoweniger hat der obige Angriff der Berliner Hetzpresse in katholischen Kreisen die tief st e Entrüstung ausgelöst. Kanzel und Altar sind uns Katholiken so heilig, daß wir sie von den profanen Dingen der Politik sreigehalten wissen wollen und eine Verhöhnung unserer heiligsten Güter mit flammendem Protest zurückweifen.
Wir erwarten von jedem Katholiken, daß er die dem Mare schuldige Ehrerbietung zollt auch von den deutschnationalen Katholiken Berlins, deren Sprachrohr die „Kreuzzeitung" sein will. Wir können nicht annehmen, daß es wirklich katholische Kreise sind, die dem Artikel der genannten Zeitung nahestehen, denn dann verdienten sie die Ehrenbezeichnung „Katholiken" nicht. Wir möchten es uns aber verbitten, daß man unsere heilige kathol. Kirche zum Gegenstand von Wahllügen macht.
Hus der wahlbervegimg.
Senatspräsident Dr. Heldmann im Wahlkreis Hessen-Nassau, der von der deutschnationalen Dolkspartei als Spitzenkandidat für die preußischen Landtagswahlen' im Wahlkreise Hessen-Nassau nominiert worden war, hat seiner Partei mitgeteilt, daß er nicht in der Lage sei, das Mandat anzuriehmen.
— Germann Herder, 69 Zähre alt Am 14. Novemde» feierte der C es derHe'oerchen VertagZanstalt rn Freiburg, Geh. Kommerzienrat Dr. h. c. Hermann Herder, seinen 60 Geburtstag. Er ist der Sohn von Benjamin Herder, der den Verlag zu seiner Grütze emporsührte. 1888 folgte Hermann Herder seinem Barer in der Leitung des VcrlagShautes, das durch ihn in stetiger Entwicklung zu feiner heutigen führenden Stellung anSgebaut wurde.
alot Wer wt MW Mud 8 W m Asdtsstl.