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51. Zahrg.

Sonntag, 16. November 1924

lir. 26$

Zas Problem des europäischen Wedens

iionen

Seit

Deut

I das 6

gus dem Saargebiet.

wtb Saarbrücken, 15. Ttovbr. (Tel.)

Nicht nur für einzelne Klassen, Stände oder Be­rufe, fondern für das gesamte Volk wollen wir politisch denken und politisch tätig fein.

Nicht was uns trennt, wollen wir in den Dordergrund stellen, sondern was uns eint und stark macht, um wieder zu früherem Wohlstand und Blüte zu gelangen.

Reichskanzler Marx in Münster.

«erantworUich ür die SchrttUettun«: Dr- 3"bo«nel Kramer- Anreise»- I. « arretier. Fulda. Kototiottfernd und «erlas bet Snlbaer »dirittnvdttei tti Pulfca. Neitilvtechet Kt. S- Vonatlilbet Se:ttr86reil: 1«M Mk.

einiger Zeil sind die aus dem Ruhxgebiel entlassenen Micum-Arbeiter und Beamten in grätzerer Anzahl in, Saargebiet verbracht wor­den, wo sie die bevorstehende Wohnungsnot und Arbeitsnot noch verschärfen, ganz besonders da­durch, daß für sie besondere Wohnungsgelegenheit zur Verfügung gestellt wird. Die Stadtverord- netea-Berfammlung von Neunkirchen hat gestern zu diesem Borgehen der Bergwerksleitung eine Lut- schliehung angenommen, in der die Regierunge- kommisflon ausgesordert wird, mit allen Mit- teln den weiteren Anzug von Wienm- LeuteG zu verhindern. Falls die Regie­rungskommission versagt, sollen Schritte beim Bölkerbund unternommen werden.

auSmitti 0L0 »olbmatt. Äetlameieiie lokal 0.60. ®oibmoti auSmittS 080 »elbmert «

yet SBieberbolmtflen Rabatt- Bolvckeckkon'o FranNuri a- M 4051.

MMerands gktion.

Wtb B a t i s, 15. Roo. (IeL) Der ehemalige Präsident der Republik, M i t l e r a nd, hielt gestern abend in der christlichen Bereinigung junger Leute in Paris einen Vortrag. Den ersten Vortrag in dieser Vereinigung hat vor acht Tagen Professor Förster gehalten. Mllerand erörterte alle für Frankreich gegenwärtig aktuellen Fragen der inne­ren und Meten Politik. Er erinnerte daran, daß er als Präsident der Republik den Au^'ien des Triebens und der Versöhnung habe begruben ton­nen, eine Aussöhnung, die für Frankreich w-itzch sei, seit Lsiatz-Lothringen wiedergewonnen fei, ober die nicht möglich fei, insofern die friedlichen 2tpstei­fen nicht jenseits des Rheins auf eine gleiche Loya­lität und auf die gleichen friedlichen Absichten stötzen. Schlietzlich ging Miüerand sehr einsehend auf die finanzielle Lage ein und besprach Schluß die Religions- und Schulfr Er mihbilliate die Aushebung der Bot chast b.iw

I Vatikan und trat für die Erhaltung der freien Schule ein. Er nahm für sich die Ehre in n- kpruch im Iahte 1920 die Wiederaufnahme Bei Beziehungen zum hl. Stuhl gefördert zu baden. Aus welchen Gründen wolle man sie letzt abichaf- fen? Etwa aus Gründen der Süßeren Polmk? Keineswegs, sondern lediglich aus innerpo-',.:fchen Gründen, um gewissen übertriebenen Forderungen entgegenzukommen. Das Gesetz bedeute eme Pro- oozieninq der Katholiken Frankreichs Mivetaud trat schließlich für ein geeinigtes Frankreich ein.

was Deutschland bezahlt.

wtb Paris^. Roo. (Tel.) Senator Libers« hat an Ministerpräsident hettiol eine Anfrage ge­richtet, um zu erfahren, was Deutschland in Ausführung des Londoner Abkom­me n s bis jetzt bezahlt habe, herriot antwor­tete, Deutschland habe am 1. und 11. September in bar zusammen 40 Millionen Goldmark be­zahlt. Die alliierten Mächte hätten auf Grund ihrer eigenen Einnahmen zwei Zahlungen geleistet, die eine im Betrage oon 300 000 Mark und die andere im Betrage von 5% Millionen Goldmark, wozu noch die Einnahmen aus der belgisch-französische« Zollverwaltung und die der Regie im Betrage von etwa 6 Millionen Mark kämen. Der Zahluugs- agenf habe schon im ganzen 54 800 000 Gold­mark erhalten. Dazu kommen die Erträge aus dem englischen Recovery-Akt, requirierte Markbe- träge in höhe von 5 400 ÜLO Mark, ferner die mo­natlichen Zahlungen einzelner Requisitionen auf Grund des Rheinlandsabkommens zirka 2 laut, Sachlieferungen und Erträge der Sachlieferungeu aus der Ruhrbejehung und schlieblich die Kosten für die Reparationskommiffion. Daraus gehe her­vor, daß der Zahlungsagent eine höhere Summe erhalten habe als eine Monatsrate von der ersten Jahresrate in höhe von 1 Milliarde Goldmark, die der Dawesplan Vorsicht.

Di« deutsch-französischen Wirtschastsverhandlungeu haben zurzeit eine U-iterbiechuna erfahren Der Intranligeant" glaubt aufgrunv von F-ttstellungen in oifisiösen Knien mitteilen zu können, Baß bei Eindruck vorherrsche, daß die untetb'odrnen deutsch französischen Handelsvertrag-Verhandlungen rech bald wieder ausgenommen werden konnten.

Unsere christlichen Zrauen wollest nicht Haß sondernVerständigung undFrreden; nicht Klaffenkampf, 'ondein Aus gleich d er Gegen-

sätze und wziale Reformen;

nicht Entsiitlichung deS öffentlichen Lebens, sonder» seine Durchdringung mit den Grundsätze» des Christentums;

nicht Gefährdung der christlichen Erziehung, sondern die Sicherung der christlichen Schule.

»raue'» ***** Marte» iit daS Renitam*

Hus der Wahlbeweguag.

Der Parteivorstand der deutschen Zentrums, partei stellte für die Reichstagswahl folgende Reich», liste auf: 1. Staatsminister a. D. Dr. Spahn, Derlm, 2 Hedwig Dransfeld, Werl (Westfalen): S fiauptW-ft- (eiter Adam Röder, Karlsruhe; 4. Frau Mmistermlral Helene Weber, Berlin; 5. Oberlehrer Hofmann, Ludwig Wen- 6. Ministerialrat Wegmann, Oldenburg, 7. Rech, anivalt Lammers, Berlin; 8. PMsekretar Koch, Esten. Der Landesausfchutz der preußischen Zentrumspartei trat am Donnerstag vormittag im vreuBif^en ßanbtag zu lammen um folgende Landesliste ststöhsthen. 1. Geh. Justizrat Dr. Felix Porfch, Breslau; 2. Frau Stu. dienrat Gertrud Wronka, A«ensterm ^ Präsident m D des Landesiinanzatnts Dr. Adolf Schmedding, Mumre, i. W.; 4. Regierungsrat a. D. und Generaldirektor Dr Paul Hager, Berlin-SchSneberg; 5. SQmmerfleri*1?rtf Dr Schmidt, Berlin; 6. Oberbahnmeister Saft, Berlin 7. Frau Direktorin Dr. Amave Lauer Köln: 8. Lan^ gerichtsrat Cramer, Hamm i. W.; S. MlNlIter!alü.rekro- a D Dr Heukamp, Berlin; 10. Ministerialrat a. D Karl Eabrink Berlin; 11. Gewerkfchaftssekrelar Wilhelm Sauer Bersin; 12. Oberpostinspektor Przibylla B« 13. Kaufmann Gotthardt, Limburg a. d. Lahn. 14. Mag» (trat Dr. Linanau, Stettin; 1. Kaplan und Feneralfekre. tör der kathol. Schulorgan,sation Dr. Osfenstem, Dudel­dorf; 16. Oberarchivrat a. D. Dr. Kis.y, Anholt t. 53.,

I Z7. Drogist Matthias Becker, Koln-Trutzenberg.

Die Stimmzettel am 7. Dezember.

AnS einer ministeriellen Verfügung betreff? die Reichstags- und Landtaaswable« wird mitgeteilt:

Die Stimmzettel für den Reickst ag tragenden AufdruckReickStagswadi", die für den Land ag den AufdruckLandtagSwahf, barunter tft bei be ben der Name des WrhlkreiieS, alw z. B. »Wahlkreis Skffen-Nossau pesttzt. Tie Nummer des Wahlkreises wird nicht ansgedruckt, um Pe»Wechslungen mit den Nummern der Wahlvorjcklage vorzubeugen. D.e W a h lv or sck l 5g e der einzelnen Parteien werden nicht wie bei der ReichstagSwabl am 4. Mai 1924 in neben, und untereinander geordneten Feldern auf­geführt, sondern in Querstrelfen unteremanber ge- stell. Die für die Reichslagswahlen bestimmten S.immzetlel muffen aus weih em oder weißlichem Pav,er die für die LanviaaSwadlen bestimmten da- aegen auf rötlichem Papier gedruckt werden. Tem bei Einfühlung der amtlichen Stimmzettel verfolgten Qroerf würde es w der precken, wenn den Parieien gesiatiet würde, den amstichen etimm;eitel nachzu- druck n, um ihn mit emer eni prechenden Eintragung an ihre Anhänger zu versck'cken oder zn verteilen. Tes leichen wäre eS mit den Da strechtsvor chrstten nickt vereinbar, die amtlichen Stimmzeitel gegen Kosiener atz an die Paiteileilunren au8;u'eben, da- mit der Summiettel auherhald des Abst mmungs» taumei Daiteimäim beraerichtet werb« «ma-

wie folgt: Rheinland 436, Westfalen 531, Hanno­ver (Provinz) 974, Hannover (Stadt) 1888, Olden­burg 54, Bremen 28, Hamburg 57, Lübeck 8, Schleswig-Holstein 9, Mecklenburg-Schwerin und -Stretch 12, Brandenburg-Berlin 123, Pommern 10, Westpreußen (Grenzmark) 12, Vschreußen 15, Danzig 12, Schlesien 76, Sachsen (Freistaat) 5, Sachsen (Provinz) 179, Thüringen 13, Braun­schweig 33, Lippe 14, Waldeck 1, Mn Freistaat- 107, Hessen (Proninz) 29, (diese kleine Zahl unserer Heimatprovinz muß künftig erhöht wer- den) Anhalt 1, Oesterreich 5, Tschechoslowakei 1, Italien (Rom) 4, Frankreich 2, Ungarn 2, Holland 3, Schweiz 2, Polen 2, Spanien 1, Luxemburg 1, Indien L

wirtschaftliche Namyfbewegungen.

= vom Berliner Verkehrsstreik. Am Freitag wurde <mf der Berliner Hckck- und Untergrund- bahn auf der Strecke Nürnberger PlatzThielplatz mit ArbeitswiNqen em Not betrieb m-fJenommen^r erweitert werden soll, da die Meldung des arbestswmrgen I Personals fortfchrettet. . I

Streikdrohungen der Musiker. Eme Bertreterkon- kerenz des deutschen Musikeroerbmides hat eme Ent- schliehung angenommen, m der Deutschen Dühnenverems mit dem Reichskartell demscher Bemfsmusiker abgelehnt imd der^ Verbaadsvorstand beauftragt wird, eine Seneralfperre über alle deuffchen Bühnen zu verfangen und eme Urabstimmimg über einen eventuellen Orchesterstreikzu veranstalten, falls mäst bis zum 1. 12. ein dm Forderungen des Musikerverban- des Rechnung tragender Tarifvertrag zustande kommt. I

* Der Muttermörder. Die die Deutsche Allgem. 9ta. aus Heidelberg meldet, erfcklua in Z o s s e u h e > m a d Bergstr. der Kteinbrncbaibeiter Apfel ferne Mutter mit einem Beil. Apfel wurde sofort ver- haftet.

* Bepflanzung einer Wanderdüne auf Sylt. Im Norden der Landungsbrücke Hörnum auf der Insel Sylt befindet sich eine große Wanderdüne, bte für bie Brücke eine große Gefahr zu werden droht. Denn ständig rückt die Düne weiter vor und verflacht das Wasser an der Brücke, io daß, falls nicht ungesäumt entqeßenqfarbeitet werden würde, dre Landung von Dampfe, n in absehbarer Zeit tn lstitellt wäre. Aus diesem Grunde wird die Hamdurg-Amerika-L'nie die Düne durchBepflanzunazum stehen bringen. Die Bepflanzung von 150 000 Quadratmeter soll in Kürze vorzenomrnen werden.

* Bei Bari sind zwei Schnellzüge aufeinander gestoßen. Eine Person wurde getötet, 19 verletzt. Es befindet sich unter diesen kein Ausländer.

* 220 Liter Wasser täglich für den Londoner. Rach einer Mitteilung des Londoner Dasseramls entfallen auf jeden Londoner 220 Liter Wasser täglich bei einet BersorgungSjahl von 6900066.

Lin Rückblick aus den Katholikentag.

Das Hannoversche Lokal kam i t e e des Katholikentages hat in einer Schlußsitzung über den Erfolg der hannoverschen Tagung Bericht er- stattet. Oekonomierat Steiger gab einen lieber- blick über die ganze geleistete Arbeit und die Ta­gung selbst. Die Einnahmen haben bte Ausgaben voll gedeckt, so daß der Garantiesonds von 50 000 Mark, den die Katholiken Hannovers aufgebracht hatten, nicht in Anspruch genommen zu werden brauckt. Don allen bisherigen Katholikentagen ver- zeichnet Hannover mit 4910 die größte Z ahl von verkauften Mitgliedskarte n, deren Er­trägnis bekanntlich die Haupteinnahme der Katho- likentaae ist. Man hatte in Hannover einen P o st- merbeftempel, für den die Post 7400 Mark erhielt, als Propagandamiitel benutzt. Die Post hat auf Grund eines Antrages des deutsch- nationr'en Abgeordneten Sic. Mumm das Wei­terlaufen dieses Stempels vertragswidrig einge­stellt und ist deshalb wegen eines wesentlichen Nachlasses der vereinbarten Gebühr angegangen worden. Merkwürdig klingt die Stelle des Be­richts, daß infolge des Einspruchs der Stempel ge­rade in Süddeutfchland nicht weiter angewandt i worden ist. Ihrer Heimat nach verteilen sich die I Mitglieder des Katholikentages (nicht die Besucher, 1 NN denen, die größte Zalfl nur laaestarten löltel

Fuld aerZeitung

machen. _

3m ganzen ist die Lage Europas zur Zeit schlimmer, als sie unmittelbar nach dem Krieg war. Aber das ist vielleicht ein Vorteil. Europa hat nun allmählich fo viele Dummheiten gemacht, daß jetzt alle 3U begreifen be­ginnen, wie dumm das alles war. Die Illusionen beginnen zu weichen. Der Dawes-Plan ist der erste Schritt in der rechten Richtung: er tft em De­menti dessen, was vorher gemacht woitzen ist; er ift eine Annäherung an die nüchterne Wirklichkeit.

Europa hat eigentlich nur zwei Arten von Sändern; solche die sich selbst versorgen können wie Rußland und Frankreich, und solche, bte auf einen umfassenben Warenaustausch angewiesen sind, um existieren zu können. Zu biefen gehören Italien und Norwegen, aber auch England. Für diese Länder gilt Der Satz: Ohne lebhaften Handel kein Wohlstand. Und das ist nur das Gefährliche am jetzigen Zustand der Dinge, daß die Lander, die vor allem auf Handel angewiesen sind, es am schlechtesten haben, und zwar deswegen, weil eme riesige Devclkerungsmenge in Mitteleuropa feine Kaufkraft mehr hat. Aufs Ganze gesehen kann man wohl sagen, daß die Verhältnisse tn chlandentschetbend fein werden für ch»cksal Europas.

Don besonderer Seite wirb uns geschrieben:

Der bekannte italienische Staatsmann Francesco N i t t i hat jetzt in Kristiania vor bet norwegischen Studentenschaft einen Dortrag über bas Problem bes europäischen Stiebens gehalten, m bem er unter anderem auch auf die ewige Diskussion uoer die S ch u l b f r a g e zu sprechen kam.

Der Vertrag von Versailles legt die Schuld aus­schließlich auf Deutschland, ich behaupte dasegen,daß der Krieg eine Notwendigkeit war, an der alle europäischen Nationen in gleichem Maße schuldig sind. Da war das stets beleidigte Frankreich, da war England, besseri em- .jae Chance, als seefahrende Nation von Deutschland nicht überholl zu werden, die Vernichtung der rmrffchast- lichen Blüte dieses Landes war. Da war Rußland, Oesterreich-Ungarn und Deutschland, deren Geschicke den Launen einzelner Diplomaten anoertraut waren. Alle Völker Europas sind somit schuld am Kriege auch mein eigenes Land. Der Krieg war eine Notwendigkeit. Der Versailler Traktat lügt, wenn er die Schuld auf Deutsch, land legt. Man hat uns nun einst gesagt »ß di-fer Krieg der letzte sein werde. Aber was hat er für folgen gehabt? 10 Millionen Menschen sind auf dem Schlacht- selbe gefallen, 20 Millionen sind an den Folgen des Krie- ges gestorben, darunter die beste Jugend der Lander. &nb nun stehen in Europa eine Million Mann unter den Waffen, mehr als vor dem Kriege. In Italien sind die Militärausgaben relattv höher als vorher. Die Kriegsentschädigungen sind so geordnet, daß nlch nur setzt lebende, sondern auch die kommenden Generationen unter den Folgen des Krieges zu leiden haben. Guropa, das früher aus 25 Staaten bestand, zählt jetzt deren 35 und ist keine ökonomische Einheit mehr, wie vor dem Kriege. Deutschland und Ungarn wollen ihre neue ®ren- zen nicht anerkennen. Oesterreich, das zweimal Europa gerettet hat, ist an mehreren Stellen amputiert Die Arbeitslosigkeit zerfrißt Europa, die Produktion istum

I 40 Prozent, der Verbrauch um 30 Prozent gesunken.

Was bie Reparationszahlung anlangt, fo meint Nitti, daß es für Deutschland unmöglich sei, mehr zu leisten, als es bereits geleistet habe. Man sei auf ben abfurben Ausweg verfallen, für die Reparationen Selb zu leihen. Aber bas werbe nicht zum Ziele führen.

Deutschland habe manche Fehler begangen be der Kriegführung, aber wir haben uns vielmal versündigt durch Uebertretung des Friedensvertra­ges z. B. in Oberschlesien. Ein dauernder I Friede kann nur geschaffen werden.,wenn r le ka- tionen gleiches Recht erhalten. Die gegenseitigen

Der Kanzler in Breslau.

Gegen Beleidigungen des Staatsoberhauptes.

Im überfüllten Saale in Breslau erschien auf Einladung der Zentrumspartei der Reichskanzler. Er wurde mit großem Beifall empfangen und führte nach den einleitenden Begrüßungsworten bes Vorsitzenden der Zentrumspartei, Universitäts- profeffors'Dr. Most, der in kurzen Worten noch­mals die Abtrennung Oberschlesiens vom Reiche I berührte und darauf hinwies, daß Breslau zum I zweiten Male in diesem Jahre den Reichskanzler in seiner Mitte begrüßen dürste, etwa folgendes

Kürzlich wies ich darauf hin, baß bas Zufarn- I menardeiten von Deutscher Dolkspartei, Zentrum und Demokraten sich bewährt habe unb betonte, daß diese Parteien auch fürderhin einen fe st en I Kern in der Regierung unb im Parlament darstcllen müssen. Es ist dezeichnenb, baß ein rechtsstehendes Blatt diese Aeußerung mit ben Worten kommentiert: Marx wird immer gefähr­licher. Glaubt man denn auf dieser Seite allen Ernstes, in Deutschland nach der Wahl mit emer Rechtsregierung weiterzukommen? Stichproben, die in den letzten Wochen in Mecklenburg, Hamburg unb Anhalt 'stattsanden, scheinen mir nicht gerade dafür zu sprechen, daß am 7. Dezember ein über- I wältigender Sieg der Parteien der Rechten zu ver­zeichnen sein wird, sodaß selbst die Parteien b e r Mitte nicht einmal mehr zur Regierunasbildung benötigt narben. Ich betone auch heute wieder, und das gilt für jede Partei, bie nicht grundsätzlich in der Opposition verharren will, baß eine g e w t f f e Mäßigung in der Führung des Wahl­kampf e s notwendig ist, wenn der neue Reichstag nicht von vornherein wieder zur Un- 'ruchtbarkeit verurteilt fein soll, denn die Verwil­derung der politischen Sitten im Wahlkampf ka-n nicht ohne Folgen bleiben für die Sitten des Par­laments, das aus dem Wahlkampf hervorgeht. Die Erfahrungen mit dem letzten Reichstag sind doch traurig genug. Wer immer und immer wieder die Auswüchse bes parlamentarisch-demokratischen Systems beklagt, sollte vor allem sich selbst vor schweren Entgleisungen hüten. Eine schwere Entgleisung ist «ber, die Person des Reichspräsibenten in den Wahlkampf hineinzuzerren, dazu noch in solch gehaffiaer W(use, wie es zur Zeit sieschiebt. Der ReichspraMnt steht, folanae er auf fernem Posten ist, über den Parteien. Die Parteien sollten diese Stellung resvektieren. Das ist einfach ein Gebot des politischen Anstandes, aber auch Klugheit, denn was jetzt dem Reichs- Präsidenten Ebert widerfahrt, kann fpciter anderen widerfahren. Mit solchen, überdies durchaus gegenstandslosen Angriffen auf den Reichsvräsidenten, schädigt man auch das dent- c* o An setzen in der Welt. Lerder ist es notwendig, an diese Selbstverständlichkeit die Par- feien zu erinnern, die ihre Opposition so gerne als national bezeichnen.

Garantietraktate, wie sie jetzt in Gens auf bie lagesorbnung gesetzt worden find, ruhen auf einem ganz absurden Gedanken. Sie wurden näm­lich nichts anderes bedeuten, als daß alle Mitglie­der des Völkerbundes sich für bie Verewigung der n Versailles festgesetzten Grenzen verbürgen Jollen. Das ist jedoch völlig ungerecht unb unvernünftig. Don derartigen Gedanken muß man loskommen. Man muß vielmehr ben Friedensoertrag auf eine paffende Weife r e o i b i e r e n unb eine Beilegung von Streitigkeiten zwischen ben Völkern burch Schiedsgericht anorbnen. Dann, aber auch erst bann, wirb Amerikabem Völkerbunb beitreten. Ueberhaupt ist der Völkerbunb in seiner letzrgen Gestalt durchaus ungeeignet, seine Ausgabe der Sicherung des europäischen Friedens zu erfüllen. Seine Paragraphen 5, 6 unb 10 müssen verändert werden. Denn sie sind nichts anderes als ein Ver- such, den Völkerbund zum Gendarm Europas zu

Weitere Räumung.

Nach einer Mitteilung der Besahungsbehörde an die deutsche Verwaltuag in Bonn wird nm Mitter­nacht vom 17. zum 18. 11. da» Gebiet geräumt, dar vor dem 11.1. 1923 nicht besetzt hm. Es sind da« vor ollem die Städte Hon n es und KönrgSW int er, ein Teil bet Bürgermeistereien Ruppichtroih und Diuch.

Zur aufwertungsfrage.

LnlschNekuna bes Rcichsparleivorsiandes der Deut­schen Zentrumspartei in der Sitzung vom 13. Roo.

In der sogenannten Auswertungsfrage tritt der Reichsparteivorstand auf den Boden des Be­schlusses des Reichskabinetts, wonach das Reichskabinett entschloffen ist, über bie Vor- schlage des Reichsfinanzministers im Auswertungs­ausschuß bes Reichstages hinauszugehen.

Der Beschluß bes Reichskabinetts lautet:

Die Wiederherstellung der wirtschafllichen Em- heit Deutschlands, bie Hereinbringung der Aus­ländsanleihe von 800 Millionen Mark, d,e Wieder- crlangung der handelspolitischen Freiheit des Rei­ches, endlich die Tatsache, daß die uns vom Ausland auferlegten Lasten jetzt einigermaßen übersehen werden können, haben nunmehr bte Mo^ichkett geschaffen, auch ber Milderung der burch den I Kriegsausgang und bie Geldentwertung hervorge­rufenen Nöte näher zu treten. Dabei kann nun­mehr über die früher in Aussicht genommene Be­grenzung auf bie bebürftigen Kreise im Rahmen des wirtschaftlich Möglichen hinausgegangen werden. Diesbezügliche Vorschläge unterliegen der Prüfung ber Reichsregierung. Spekulative Ge­winne sollen badet ausgeschloffen werben.

Amtlicher Anzeiger für ben kreis unb die Sfabf Fulda._________

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