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l ZuLLaer Zeitung

Lrperanio, -rr internationale hilftsprache.

II.

(Sergi. Nr. 265 der .Fuldaer Zeitung).

Mir die leichte Erlernbarkeit des Esperanto spricht folgendes: Auf den Esperanto-Weltkongreffen, deren letzter im August d. I. in Wien stattfand, gelang eine restlose Verständigung zwischen den ungefähr 30 Sprachgebieten an -hörenden Teilnehmern. Tolstoj be- merkle, Latz erin 2 kleinen Stunden", Prof. Forel, dah er .nach 4 bis 5 Lehrstunden" im Stande gewesen sei, Esperanto-Vorträgen zu folgen.

Weitgehendste Jnternalionalität der Wortstämme: Eine kleine Auslese aus dem Wörterbuch diene als Beweis: Abato (Abt), abnegacio (Verleugnung), aboni (abonnieren), abrikoto (Aprikose), abrupt» (abrupt), absceso (Abscetz). absoluta, absolvi (freisprechen), absorbi (absorbieren), abstinenco, abstrakta, absurd», toi io (Blatt), fontano (Springbrunnen), formo (Form), patro (Vater), filo (Sohn), frazo (Satz) usw.

Einfachheit der Grammatik: Es gibt nur einen Artikel für alle Geschlechter in Ein- und Mehrzahl. 1 8. und 3 Fall des Hauptwortes sind gleich; der 4. Fall wird durch Anhängung eines d, die Mehrzahl durch Anhängung eines j gebildet; Beispiel:

Einzahl: Mehrzahl:

1. Fall la patro (Der Vater) la patroj

2. Fall de la patro de la patroj

3. Fall al la patro al !» patroj

4. Fall la patron la patrojn

Sämtliche Hauptwörter werden in dieser Form

dekliniert.

Zeitwort: Es gibt nur je eine Form für 1.3 Person Einzahl und Mehrzahl, für Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit.

Beispiel: voll wollen.

Gegenwart Zukunft Vergangenheit

Einzahl 1. H

tetfon

mi volas

volos

volle

2.

vi volas

volos

volis

3.

li volas

volos

volis

Mehrzahl 1.

e.

ni volas

volos

volis

2.

vi volas

volos

volis

3.

w

ili volas

volos

volis

Mittelwort: Gegenwart: volonta

Zukunft: volanta

Vergangenheit: volinta.

Es gibt keine unregelmäßigen Zeitwörter.

Eigenschaftrwörlrr: Sämtliche Eigenschaftswörter «idigcn auf a und werden dekliniert wie das Haupt- wort, z. B. bona gut, patra väterlich usw.

Dar Uutftan.drWsrt endigt auf 0 z. B. bone, patre, forte, nature (natürlich) etc.

Ltrigrrmig: granda, pli granda, plej »rantla groß, grSher, am größten. Auch wieder ohne Ausnahme für alle Eigenschaftswörter.

zSrwerter: ,

Persönlich: mi ich, ei dn, ti er, Si sie, |i es

Besitzanzeigend: mia eia lia Sia gia Persönlich: ni wir, vi ihr, ili sie

Besitzanzeigend: nia via ilia

Wshlv-mg: 1. Strophe des Ühlandschen Gedichtes: .Die Kapelle"

Supre staras snr la monto la silenta kapeleto;

en la valo, 6a la fonto

goje kantas paStisteto.

(Bemerkung: Sämtliche Wörter haben ben, Ton auf der vorletzten Silbe, v w, 6 tsch, g dsch, S sch.)

zxtzhmt: Der einfache Satz, .Ich werde den Apfel dem fleißigen Jungen geben, läßt sich in mindestens 12 Stellungen wiedergeben, ohne die geringste Schwie­rigkeit für das Verständnis.

Milichkeit der ÜmveNdung der Esperanto auf ölen fiebieä««: Es bestand vor dem Kriege eine Reihe von Zeitschriften allgemeinen und roissenschaftlichen^ Inhalts (soziale, religiöse, medizirnsche u. f. w. Eine Fülle von Erzählungen, Fabeln, Legenden, Gedichten usw. ist übersetzt aus dem Lateinischen, Griechischen, Hebräischen, Deutschen, Französischen, Englischen, Italienischen, Rus­sischen, Polnischen usw. ES seien hier nur erwähnt: Nebersetzungen auS der Bibel, Homers Ilias, Virgils Aeneis, Hamlet, Leibniz, Monadologie, Schiller'sche und Goethe'sche Gedichte etc.

Esperanto entsprichtalso den strengsten Anforderungen die man an eine internationale Hilfssprache stellen kann.

Älsabe Itasmus.

Novelle von Felix Neumann.

12t (Schluß.)

Sie aber stand hochaufgerichlet und blickte auf ihn wieder. Richt Zorn und Verachtung nein, grenzen­loses Mitleid und Staunen f»iecMen sich in ihrer, Augen. Und sie horte die Worts des Mannes, besten Liebe ihr mm mit ememmale offenbar wurde, wie llc Wonne glanz­voll durch dichtes Gewittergewölk bricht und itie Dunkel­heit in strahlende Helle verwandelt.

Sie vernahm, wie er davon sprach, baß sie, di- als Dienende hinausging, als Herrin wieder einziehen sollte, wie er den Bruder ins Ausland in strenge, aber tür­sorgliche Zucht geben und Mutter und Schwester be­treuen wolle. Aber sie tonnte sich dieses Trostes nicht freuen, nein, jedes Wort schnitt ihr in du Seel«, denn zwischen sie unb Lothar trat der Schatten Erwin Semm- lers.

Willenberg hatte fein Bekenntnis beendet, da hörte er zu seinen Haupte» .eine leise, traurige Stimme.Also so war es gemeint, so?"

Er sprang auf und blickte ihr strahlend vor Glück ins Gesicht.

3a, Mabe, so! Ich habe anfangs noch gekämpft gegen meine alten, vemic-biertm Anschauungen, dann habe ich sie nach imb nach als lästigen Lebensballast über Bord geworfen, und heute, heute, da ein grausames Ge- Mck mit seinen unerbittlichen Forderungen zwischen UNS trat, UNS zu trerrnen drohte, da ward es plötzlich hell in mir. Ich bin ein anderer geworden, und Sie hcchsn dieses Werk in nrir vollbracht. Nicht wahr, das hatten Eie nicht erwartet, daß der kühle, strenac L-mrn so lieben, so leidenschaftlich lieben kann."

Und er beugte sich zu ihr nieder.

Sie schweigen? Sagen Sie ja lassen Sie - f.m Lugenblick ausklingen in einen vollen Akkord gegenscü-gen Verstehens."

Ihre schönen Augen waren umflort, als sie leise nnb schonend antwortete:

Wenn ich Sie nun aber enttäuschen muß, wenn ich Ihnen sagen muß: Zu sM! Schon bin ich gebunden, ßchon griff eine andere Hand nach der meinen?"

Mit einem, hastigen Schritt trat Lothar dicht an sie heran. Sein Antlitz war bleich geworden und seine er­hobenen Hände zitterten.

ist mein Mann."

mir

Es ist darum wünschenswert, daß die Kenntnis dieser Sprache auch in Deutschland immer größere Verbreitung finde, da wir im Interesse der Entwicklung unseres wirtschaftlichen Lebens und der Verbreitung unserer geistigen Produkte uns alle die Hilfsmittel zu eigen machen muffen, die dazu dienen können, deutsches Wiffen und Können in die Welt hinauszutragen.

Dr. L. Herz.

den Schreibtisch.

In fernen Augen spiegelte sich die ganze Tatkraft, die Lothar in schwerwiegenden Augenblicken auszubringen vermockste.

So liegt Ihr Schicksal also in meiner Hand? Ich vermag zu verhindern, daß ein anderer Sie mir raubt, mein Glück nach Haufe trägt!" Seine Stimme schmoll empor und die Worte schlugen ihr wie lodernde Flammen ins Anüitz:Ich liebe Die, Jlsabe. Ich will nicht nach­geben und werde es auch nicht. Ich bin zu allem fähig um Ihretwillen, Gott verzeihe es mir. Entscheiden Sie sich er oder ich'." Keuchend ging sein Atem, als er schwieg. Seme Hand spielte mit dem Kästchen, das die Goldnadel enthielt und ihm war, als ob dieses wrfchcin- bare Kleinod eine überirdische Macht auf ihn ausübte, da er es zwischen seinen bebenden Fingern verspürte.

Langsamen Schrittes ging sie auf ihn zu. Jetzt stand sie dicht vor ihm und Lothar zlautzte den Dust ihres Haares zu verivüren.

um feinen Hals legte. Ganz behutsam und zart, uni dicht an seinem Ohr vernahm er ihre liebe, traurig, Stimme.Ich danke Ihnen für alles, Herr Willenberg. Für das, was Sie an meinem unglücklichen Bruder tun und für Herrn Semmler. Er wird sich der Auszeichnung freuen, und sie wird wahrlich einem Würdigen zuteil.

Don Ihnen aber muh ich Abschied nehmen für immer. Sie sehen mich nicht wieder, auch nicht in der Fremde. Stach dem, was heute geschehen ist, raun ich auch des andern Frau nicht werden. Ich vermag es nicht mehr, denn er soll kein Weib heimführen, treffen Herz ihm nicht mehr ganz gehört. Er wird es zu oerfchmerzen wiffen.

Ich aber will der beiden hochherzigen Männer ge- denlen, die zur gleichen Stunde um mich warben."

Und unter Tränen endete sie:Glückfelig das Weib, das soviel Liebe fand."

Und Lothar fühlte, wie sich auf feine Rechte in Dank- barfett und Liebe ein paar warme, weiche Lippen preßte«.

Dann vernahm er eitrige schnelle Schritte, die Tür schlug zu, und als er sich umblickte, war er allein.

Jlsabe!" Wie ein Schmerzensschrei entrang es sich ihm, aber sie hörte ihn nicht mehr, und er wußte, daß sie nie wiederkehren würde, well ihr Herz aus diesem Zwie­spalt keinen Ausweg fand.

Lothar sank vor dem Schreibtisch nieder, seine heiße Stirn berührte die kühle, goldene Haarnadel. Er fühlte, daß das Leben chn unheilbar verwundet hatte.

Draußen fiel ein dichter Schleier von Flocken nieder, und ein Sirenenruf von einem der Dampfer zerriß die heilige Stille, eines der Dampfer, die drüben in allen Erdteilen den Reichtum des großen Handelshauses oer- kündeten.

Anerkennung. Ein Zahnarzt muhte feine Praxis von einem Städtchen zum andern verlegen und bat zu diesem Zweck seine alten Kunden um Empfehlungsschrer- ben:Herr Zahnarzt I. hat mir acht Zähne eingesetzt, welche fämtlid) zu meiner vollen Zufriedenheit ausfielen.

*

Miurkunde.Run, Anton, was ist denn mit dir los? Du stehstKopp" in Deiner Bude? Willst Du Dich auf Deine alten Tage noch zum Akrobaten aus­bilden?"Gott bewahre, ich habe nur so eiskalte Füße, und da habe ich eben gelesen daß die Wärme in der Stube immer nach oben steigt."

*

UeinfcK. Herr (zu seiner Tischnachbarin):3a, man muß nur die Augen offenhalten, gnädige Frau, dann hat man die Künste von Sherlock Holmes bald heraus. Sehen Sie z. B. den Herrn da unten an der Tafel?. 3ch erkenne mit einem Blick, dah er Junggeselle ist. Same:Irren Sie sich auch nicht?" Herr:ausge­schlossen! Sein Kragen ist oben eingebrochen und am Rock unten fehlt ein Knopf. Wäre er verheiratet, wurde seine Frau ihn nicht so herumlaufen lassen." Dame: Ich verbitte mir jede weitere Beleidigung! Der Herr

steigernden Mitwirkung der künstlichen Zuchtwahl diese rastlose Bewegungsform der Tanzmaus w historischer Zeit ausgebildet hat und deszendenz-theoretffch erklärt werden kann, ebenso wie die gewissen, charakteristisch raschen ruckweisen Kopfbewegungen, die das Tierchen immer wieder ausführt.

Im Unterhaltungsteil unseres Blattes kommt von morgen ab zur Veröffentlichung:

Dämon Ehrgeiz.

Don Karl Lütge.

Das Schicksal eines jungen Menschen, der sich vom Kaufmann der Künstlerlaufbahn zuwendet, wird hier ebenso packend wie interessant erzählt. Der Roman bietet nicht nur angenehme Unter­haltung, er regt auch zum Nachdenken an. Die handelnden Personen sind gut gesehen und lebens- roahr gezeichnet

Die japanische Tanzmaus.

(Die degenerierte Maus.)

In Dftafien -ft dieses weiße, nur spärlich gefleckte Nagetier feit undenklichen Zeiten ein Kinderspielzeug, das in kleinen Käsigen gehalten wird und durch seine drolligen, rastlosen Bewegungen die kleinen Japaner und Chinesen unterhält. Für europäische Zoologen bil­det die japanische Tanzmaus ein sehr interessantes Stu­dium der Degeneration; bis zum heutigen Tage noch nicht restlos gelöst.

Der erste Forscher, der den merkwürdigen Lebens- aewohuheiten dieses Tierchens besondere Aufmerksamkeit schenkte, war 1893 der auch sonst um Tierbeobachtung und Tierhaltung vielfach verdiente, jetzt verstorbene Pro- feffor Landois zu Münster. Er wies darauf hin, daß dieses Nagetter durch feine lange Gefangenschaft ver­kümmert ist, seinen Bewegungsdrang immer nur im engsten Kreise betätigen konnte, und daß seine rastlosen Tanzübungen die Defekte seiner Sinnesorgane aus- gleichen. .

Nach den Befunden weiterer Forscher sind die Tcmz- tnäufe auffallend muskelschwach und haben durch ihr trauriges Leben hn Käsig die Schärfe ihrer höheren Sinne eingebüßt. Junge Mäuse vermögen nur wah­rend einiger Lebenstage zu hören, da sich ihr Gehör- gang früher öffnet als die Augen. Nachdem aber letztere funktionsfähig werden, verschwindet jede Gehöraktion. Jedoch auch der Gesichtssinn ist im Leben der Tanzmaus nur von sekundärer Bedeutung und mangelhaft aus­gebildet. Sie ist gänzlich farbenblind, wie durch sinn­voll durchgeführte Experimente festgestellt werden konnte. Auch der Geruchssinn und der Tastsinn sind wenig ent­wickelt mehr bei diesen in der Gefangenschaft geborenen Tierchen. Zugleich ergaben sich dank der Untersuchungs- methoden wertvolle Auffchlüsse über die Lernfähigkeit der Tanzmaus, über Maß und Art ihrer Erziehbarkeit. Sie ift mehr durch Strafen als Belohnungen erziehbar. Sie nimmt die neuen Gewohnheiten verhältnismäßig lang­sam an, vergißt sie dagegen rasch. Durch Nachahmung bereits geübter Artgenoffen ist sie gänzlich unbelehrbar. Nach Alter, Geschlecht und Individualität sind die Unter­schiede in der Schärfe der Sinne, mich in der Lernfähig­keit, sehr groß, die Weibchen hierin den Männchen durch­weg merklich überlegen. , .

Vor allem hat sich den Forschern in langwieriger Be­obachtung der japanischen Tanzmaus die Gewißheit er­geben, daß die eigentümlichen, oft lang ausgedehnten und btttzschnellen Tanzbewegungen um die eigene Achse, von denen sie den Namen trägt, eine durch Vererbung er­worbene Gewohnhett sind, und daß sich unter der rasch

verdiente Sühne findet"

Er schwieg imb erwartete die Ergänzung.

Und sie gab sie ihm.Sann ist alles zu End verlassen diesen Ort auf Nimmerwiederkehr!"

Da warf er ihre Hand aus der feinen und trat hinter

(Ein yan-ekpoften unter den Rothäuten.

Aus: Prinz Map zu Wied, Unter den Rothäuten.*)

Fort Union ist einer der wichtigsten Posten der Pelz­handelskompagnie, weil es als der Zentralpunkt der beiden noch höher nach dem Felsengedirge hin vorge­schobenen Handelsposten und des ganzen Geschäftes inner­halb jenes Gebirges anzusehen ift. Der eine jener Han­delsplätze, Fort Caß, liegt am Yellowstone aufwärts und ift für den Handel mit dem Stamme der Crows (Krii- hen-Jndianer) bestimmt. Der andere, Fort McKenzie, am Missouri auswärts, dient zur Betreibung des Pelz­handels mit den drei Stämmen der Blackfoot- (Schwarz- fuß-) Indianer. Dieser Poften ist seit etwa zwei Jah­ren gegründet, und da die Dampfschiffe nicht viel über Fort Union hinausfahren können, sendet man von hier Flußboote ab, durch die man die Handelsposten mit den nötigen Waren versorgt. Sie überwintern dort und bringen im Frühjahr die Peizroaren nach Fort Union hinab, von wo man sie mit dc.n Dampfschiff nach St. Louis hinabbefördert.

Der Bau des Forts Union wurde 1829 von Herrn McKenzie begonnen. Es bildet ein großes Quadrat von etwa 80 Schritt Seitenlange. Die Einzäunung besteht aus hohen, dicht aneinandergesetzten Pfeilern, an deren Spitzen man noch kleine spanische Reiter angebracht hat. An der innern Umgebung der Pfeiler befinden sich die Gebäude: das Herrenhaus, die Wohnungen der Beam­ten, der Dolmetscher und der Engages, das Pulvermaga­zin, die Vorräte von Waren und eingetaufebten Fellen, ferner Werkstätten für Handwerker, Ställe und einige Räume zum Empfang und zur Unterkunft der Indianer. In der Mitte des Hofraums ist der Flaggenbaum er­richtet; mehrere halbindianifche Jäger hatten hier ihre Lederzelte aufgeschlagen. Eine Kanone war auch auf- gestellt und mit der Mündung gegen das Tor gerichtet. Das Fort besitzt wohl 50 bis 60 Pferde, einige Maul- tiere, auch Rindvieh, Schweine, Ziegen und Hühner als Hausttere. Die Pferde werden am Tag in die Prärie hinausgetrieben, wo sie von berittenen und bewaff­neten Leuten bewacht werden, des Abends werden sie in den Hofraum des Forts gebracht, wo sie unter freiem Himmel übernachten müssen. Die Kompagnie unter- hält auf ihrem Handelsposten eine Menge Angestellte.

Während des Sommers sendet die Kompagnie starke, berittene und wohlbewaffnete Trupps unter Anführung eines erfahrenen Mannes aus, die auf Packpferden den verschiedenen, von den Flllffen entfernt stationierten Han­delsleuten die nötigen Waren und Bedürfnisse zusiihren. Dabei müffen sie immer gegen die Indianer die nötigen Maßregeln beobachten und sich im Notfall tüchtig mit ihnen herumfchlagen, was sehr häufig vorkommt. Ihren Unterhalt erlangen diese Expeditionen lediglich durch die Jagd. Alle diese Leute müssen deshalb gute Jäger fein, da sie beinahe ausschliehsich von Fleisch zu leben genötigt sind.

Die Unterhaltung eines so zahlreichen Personals, als das zu Fort Union ist, erfordert häufige Jagdexkursio- nen zu Pfei» m die Prärien. Man unterhält deshalb auch hier mehrere geschickte Jäger von halbindianischer Abkunft, die wöchentlich einmal weit in die Prärie hin-

*) Durch das Entgegenkommen des Verlags Brock- Haus sind wir in der angenehmen Lage, dem soeben er­schienenen Band 29 (Prinz Max zu Wied, Unter den Not- häuten) der bekannten SammlungReisen und Aben­teuer" einen intereffanten Abschnitt abzudrucken. Dre­ier Land ist um so wertvoller, als er uns mit dem Hauptinhalt des Neifewerks bekannt macht, das Prmz Mar zu Wied über fein Leben unter den Rothäuten schrieb. Dieses Charakterbild der Indianer, die der Prinz noch in ihrer Ursprünglichkeit hatte studieren können, fft nicht nur wissenschaftlich genau, sondern auch von höch­ster Romantik. Der Band fällt schon durch das kimst- lerische Einbandbild auf, das einen der berühmtesten Indianerhäuptlinge in den Farben seines Kriegsschmucks darstellt. _____________________

Abgeführt. Em jüdisch aussehender Herr sitzt im Zoolo­gischen Garten auf einer Bank. Drei Jünglinge fachen ihn zu hänseln. Der erste geht an ihm vorüber, zieht den Hut und sagt:Guten Tag, Vater Abraham!" Der zweite tut das gleiche mit den Worten:Gaten Tag, Baier Isaak!" und der dritte sagt:Guten Tag, Vater Jakob!" Da tritt der alte Herr auf die tret zu und sagt:Meine Herren, Sie täuschen sich; ich bin weder Abraham, noch Isaak, noch Jakob; sondern ich bin Saul und bin ausgesandt, die drei Esel zu suchen, und siche da, ich habe sie gefunden!"

ausziehen, die Bisons auflachen und mit fleischbeladenen Maultieren zurückkehren. Die Zahl der jährlich getöte­ten Tiere dieser im Innern Nordamerika unentbehr- üchen Tierart ist ungeheuer. Der Bison ift dem India­ner das, was dem Lappen das Kenntier und dem Es­kimo der Seehund ist. Schwer ist es, den Verbrauch dieser jährlich mehr verminderten und immer mehr zurückgetriebenen Tierart richtig zu schätzen. Die Für Company hat in einem der letzten Jahre 42 000 Kuh­felle den Fluß hinabgesandt. Fort Union allein konsu­miert zu feiner Nahrung in einem Jahr 600800 Stack Bifons, und alle übrigen Forts tun das ihrige. Die zahlreichen Indianer leben beinahe ausschließlich von diesen Tieren und verkaufen die Felle, nachdem sie den nötigen Bedarf für ihre Kleidung. Zelte und Lederwerk davon zurückbehalten haben. Dabei schießen die Ange­stellten der Kompagnie auf ihren Exkursionen diese edlen Tiere zu ihrem Vergnügen rücksichtslos nieder, oft ohne den mindesten Gebrauch davon zu machen, zuweilen bloß um ein paar Zungen davon als Leckerbissen zu benutzen. Ganze Herden dieser wilden Ochsen ertrinken ober ver­sinken in manchen Jahren im Missouri, ja man hat mir versichert, daß an manchen Stellen der Flüsse 1800 und mehr solcher Kadaver gezählt worden seien. Dies zu­sammengenommen läßt einen Schluß auf die Abnahme dieser nützlichen Tierart machen, die man jetzt auch ien- seits des Felsengebirges findet, wo sie ursprünglich nicht vorgekommen fein soll und wohin pe nur verdrängt wor­den ist. _ ,

Außer dem Bifon erlegen die Jäger des Forts auch Elche, Hirsche und gelegentlich das Bighorn. Alle an­dern Lebensmittel werden von St. Louis mit dem Dampf­schiff heraufgesandt. Den Mais bezieht man von den benachbarten indianischen Nationen.

Hu$ aller well.

November-Sternschnuppen. Für die astronomische Wissenschaft, sind die Sternschnuppen heutzutage tetn Rätsel messt". Noch vor fünfzig Jahren glaubte man all­gemein, in ihnen noch meteorologische Erscheinungen unserer Erdatmosphäre erblicken zu müssen, obwohl schon ältere Physiker, namentlich Cladny, einen kosmischen Ursprung annahmen. Jetzt wisien wir, daß die Stern­schnuppen Auflösungsprodukte von Kometen sind, die sich in ungezählten Milliarden im Weltenraum befinden und in Kegelschnitten um die Sonne bewegen. Ihre Schnei- ligkeit beträgt 20 bis 80 Km. in der Sekunde, sobald sie die Erdatmosphäre erreichen. In einer Höhe von 100 bis 190 Km. entzünden sie sich und verbrennen vollstan- big, wenn sie klein find, oder fallen als Meteore zur Erde herab. Dergleichen Meteore, soweit man sie ge­sunden hat, wiegen 1 bis 10 Kg., oft aber auch noch mehr. Der größte Meteorit, die sogen. Pallasma.se, im Gewicht von 140 Zentner, fiel in Sibirien nieder. Wann das geschehen ist, läßt sich freilich nicht seststellen. Außer den Einzel-Meteoren gibts aber auch ganze Meteorschwärme, die kometenartig gemeinsam ihre ge­regelte Bahn ziehen. Kreuzt die Erde auf ihrem Lauf um die Sonne eine solche Bahn von Meteorwolken, so findet ein besonders starker Sternschnuppenfall statt. Derartige Fälle kennt man im Jahreslauf insbesondere acht. Dis Sternschnuppen vom 12. bis 14. November kommen aus dem Sternbild des Löwen, die gegen Ende November aus dem Sternbild der Andromeda.

Ganz leise und ruhig klang ihre Stimme.

Nachdem ich Ihren Antrag abgewiesen habe, Herr Mllenberg, um em treues Herz nicht schwer zu frönten, besitze ich keinen Anspruch mehr auf Ihre Düte."

Während er starr vor sich ittederblickte, spürte et plötzlich ihre weiche Hand, die auf seinem Arm rul^e.

Sie wollten ein Opfer bringen, so groß und edel, wie es nur her selbstloseste Mann auf dem Altar der Liebe niederlegen kann. In einem Augenblick, da ich und die Meinen im Strudel zu versinken drohten, reichten Sie mir hilfreich die Hand. In dieser Stunde sind Sie hinausgewachsen, heldenhaft und groß, über alle Men­schen, die ich kenne. Und nun tun Sw, was ©te für re.tt halten. Nicht Jlsabe Rasmus oerroeigert Ihnen ihre Hand, sondern das heilige Gebot der -treue trennt uns! Wie Sie aber auch entscheiden mögen, diese Stunde soll Ihnen unuergeffen sein!"

Willenberg war in den Sessel gesunken imb bedeckte das Gesicht mit der Hand.

Dumps sagte er;Hatten Sie ein, jedes Ihrer Worte zerreißt mir das Herz!"

Und nach einer Pause:Es ift alles zu Ende, Fräu­lein Rasmus! Gehen Sie heim! Noch heute abend wer­den Sie von mir ein Schreiben erhcckten, in dem ich Herrn Semmler zum Leiter meines Zweiggeschäftes in Holland ernenne. Stufen Sie ihn zu sich imb teilen Sie es ihm mit. Bis er feinen neuen Posten antritt, mag er beur­laubt bleiben, ich möchte es vermeiden, ihn jetzt ober in den nächsten Tagen zu sehen.

Später wird die Zeit vielleicht Wandel lchassen, ui» lassen Sie die Sonne, die Anen bisher lächrfte, in vollem Glanze bei sich einziehen.

Sie haben es wahrlich verdient."

Er richtete sich ein wenig auf.

Sann schicken Sie mir Ihren Bruder herauf. Ich will feine Zukunft mit ihm besprechen, für dir ich auf­komme."

Lothar erhob sich wie ein Schwerk ranker, ein fahler, müder Zug grub sich um den Mund

Und nun leben Sie wohl." Er reicht ihr die Hand.

In Jahr und Tag, auf einer Inspektionsreise, habe ich wohl die Ehre, Sie im Amsterdam zu begrüßen und" ein wehes Lächeln huschte über das Antlitz des plötz­lich Gealtertendemkorrekten" Manne wird es dann möglich fein, sich neidlos an Ihrem Glück zu erfreuen.

Die Stimme versagte chm, er wandle sich ab, dem Fenster zu. Da spurte er plötzlich, wie sich Jlsabes Ann

Nr. 266 vom 14. Nov. 1924. -

Herr Semmler?" Er sagte nichts weiter, denn wie ein Sdjfeier fiel es vor feinen Blicken.

Sie nickte ftumm mit dem Kopfe.

Wann hat er mit Ihnen gesprochen?"

Dor einer halbsn Sttmde! Er warb um mich, fasticht und ieinfach, wie er sich immer gibt, und ich weiß. drH ein tiefes, inniges Gefühl ihn beseelt!"

Da lachte Wilkenberg grell auf. Ein heißer, bren­nender Schmerz durchzuckte ihn, zuin erstemnake in sei­nem sonnigen Dasein sah et einen Lebenswunsch unerfüllt, türmte sich ein unübersteigbares Hindernis vor ihm, und er, her verwöhnte Sohn des Glückes, ballte die Fauste in ohnmächtigem Zorn Er lacl-te wieder dieses verzweifelte Lochen.

Und Sie sagtenja" und ich kam ehuge Dimmen zu wät!"

Ilsab- ähnele tief auf.Sie irren! Ich rotes ihn ab, er sollte nicht ein Weib heimführen, dessen Name vielleicht befleckt wird. Nur für den Fall, daß der Bruder gerettet würde, gab ich ihm Hoffnung für die Zlckunst!"

Ein wahnwitziger Gedanke stieg in Willenberg empor. Mit hartem Griff umspannte er Jlsabes Handgelenk und blickte ihr starr in die Augen.

Mso das heißt, wenn Georg Rasmus Tat bte

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Zur Unterhaltung.