§uldaer Zeitung
Esperanto, die internationale yilfssprache.
Die wirtschaftliche uni) geistige Blockade der Kriegs- jcchre ist überwunden; es mehren sich die erfreulichen Zeichen dafür, daß die klar und ruhig denkenden Männer allr Nationen die Entwicklung der vielgestaltigen Jnter- essen der Gesamtmenschheit wieder höher zu stellen be- tzinnon als die einseitig-egoistischen Gedankengänge einer hypernationalen Einstellung.
Man beginnt wieder zu begreifen, daß kein Volk auf hem Gebiete der Wirtschaft, des Geisteslebens, der Kunst ufw. ohne große Gefahr seins Grenzen absperren und ssür den materiellen und ideellen Güteraustausch verschließen kann.
Ehe der Rrteg Sic Schranken zwischen Volk und Volk I errichtete, war der Eharakter der Kultur in seiner Ent- 1 wickllmg immer mehr international geworden. Der inter- mativnote Menschen- und Warenm.lstm.rsch beherrschte das Wirtschaftsleben. Die Wissenschaft hatte die Denker umd Forscher aller Lander zu gemeinschaftlick^er Arbeit zusammengeführt. Die Bekenner der Religionen hatten sich zu Weltoerbänden zusammengeschlosien. Auf Weltkon- greffen und in Weltorganisationen wurden Ideen ausge- tauscht, Programme geschaffen, Problems gestellt. Und überall wurde die Dielsprachigkeit der Völker als lästige Hemmung und schweres Hindernis empfunden.
Durch solche Beobachtungen und Erlebnisse gedrängt. Hatton sich anläßlich der Pariser Weltausstellung (1900) führende Männer aus den Kreisen der Wissenschaft, der Industrie, des Handels, der Kunst ufw. zufammengeftm- Hen, um die Frage der Schaffung. eines internationalen Derständigungsmitteks einer ernsten Prüfung zu unter- ziehen. Das Resultat dieser Aussprache war die Schaffung der „Delegation für die Einführung einer internationalen Hilfssprache". Im Jahre 1901 erließ diese Delegation folgende Erklärung:
I. Es ist wünschenswert, daß eine internationale Hllfssprache eingeführt werde, die,, ohne die nationalen Sprachen im inneren Leben der einzelnen Völker ersetzen zu wollen, dem schriftlichen und mündlichen Verkehr zwischen Personen von verschiedener Muttersprache zu dienen geeignet ist.
II. Eine solche internationale Hilfssprache muß, um ihre Aufgabe erfüllen zu können, den nachstehenden Bedingungen genügen:
1. Sie muß ebensowohl den Bedürfnffsen des täglichen Lebens, wie den Zwecken des Handels und Verkehrs, wre endlich den Aufgaben der Wissenschaft zu dienen imstande sein.
’ 2. Sie muß für alle Personen von durchschnittlicher Elementarbildung, msbesondere für die Angehörigen der «iropäischen Kulturwelt, leicht erlernbar fein.
3. 6te darf keine der lebenden nationalen Sprachen fein.
Befassen wir uns zunächst mit der letzten Bedingung dieser Erklärung: „Sie darf keine der nationalen Sprachen fein." Die Geschichte berichtet uns ja doch auch schon von „Weltsprachen". Im 2. Jahrtausend v. Ehr. war die babylonische Sprache und Schrift über ganz Asien, ja sogar bis nach Aegypten verbreitet. Rach den Tel el-Amarna-Täselchen fBirnen wir Babylonisch als die Diplomatensprache jener Zeit bezeichnen.
Unter Alexander und in der Diadochenzeit eroberte sich die griechische Sprache den Osten; sie erhielt sich, bis
Nr. 265 vom 13. Nov. 1924. |
Zur Unterhaltung
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— । •« Die Butter wird etwas erwärmt und
ZLUD6 TGlTUnQ, schaumig gerührt. Dann gibt man allmählich Zucker und Vanillin-Zucker hinzu.. Hierauf em El und etwas Puder, der vorher mit Backm gemischt wurde. I»t dieses gut verrührt, wieder em Ei und etwas Puder, hw die Eier und der Puder verbraucht sind. Zuletzt wird der Kakao unter die Masse gerührt und diese in eine mit Butter ausgestrichene Form gegeben und bei mittlerer Hitze rund 1 Stunde gebacken.
"ÄrÄÄ“-“* Dr.A.OeKer,»iMellwlil.BieIeselb
*) Eingetretene Preisschwankungen sind zu berücksichtigen
250 g Zucker Pld. ca. 0.45 ......
200 g Gustin (225 g Mk. 0.29) .....
4 Eier St. ca 0.19 ... . . • » .
1 Teelöffel voll v. Dr. Oetker’s Vanillin-Zucker
1 Teelöffel voll von Dr. Oetker’s „Backm
50 g Kakao.............
250 g Margarine, ungesalzen od. gewaschen.
Pfund ca. 0.90 ........Mk. 0.45
Vater by seiner Tochter die Zeit noch nicht für Wkom- men, wo die Mädchen „reif zur Lrebe sind. uÄ f» suchte er eines Abends bei Mientze die fußen gefühle mit einer tüchtigen Tracht Prügel nuszutreiben. Die Gezüchtigte ^rt®,.8 Q g— ihre Klagerufe drangen bis zum MchbarhaufewoJa am Fenster stand und dem grausamen Bater Rache
Als dieser nun gar selbst bei ihm erschien, E dem jungen Mann „ein für allemal den Umgang mit seiner Tochter zu verbieten", da zog Jan KurzerhandZ einen Revolver und begann auf den Hartnacktgen Schwieg vater in spe zu schießen. In der Aufregung schoß er aber so stark daneben, daß er mcht einmal die Pfeife Les Mannes traf, der erschreckt in seine Wohnung zurück 'IU oTbie Schießübungen Jans dem armen Mientse eine neue Tracht Prügel einbrachten, ist unbekannt.
Dem schießlustigen Jan dürfte aber wohl durch einen längeren Aufenthalt im Kittchen Gelegenheit gegeben worden zu sein, zu der Erkenntnis zu kommen daß Re. nolverschüsse nicht das richtige Mittel sind, um die uer- steinerten Herzen künftiger Schwiegereltern geneigt zu machen. ....
Heileres.
Mißverstanden. Dame zum Gärtnerburschen: „Friedrich ziehen Sie sich mal ein bißchen anständig an zu heute nachmittag, es kommen einige DEN zu Besuch in den Garten." — Der Bursche: „Danke schon, gnädige Frau, ich habe aber schon eine Braut."
Ein Dutzend weiterer Paffanten, ebenso befragt, gab reundlich den gleichen Bescheid.
Hieraus erhellen zwei Dinge: 1. Es ist heute fchon beinahe ein Kunststück, einen Holländer zu finden, der einen Deuffchen „niet verstaan" kann. Im Gegenteil, die Holländer sprechen zum großen Teil sehr gut deutsch — zumindest die Großstädter. 2. Selbst wenn es gelingen sollte, einen zu finden, der kein Deutsch versteht, so würde er höchstwahrscheilnich fragen: „Wat be- doelt U?" („Was meinen Sie?")
Auch von dem Märchen vom reichen Kanmtverstan gilt also das Wort: Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden.
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Ein deutscher Reisender, der die Geschäfts seiner Branche abklapperte und überall nach „Mynheer fragte, empfing zumeist die eigenartige Antwort „Myicheer is böse!" Obwohl er seinen holländischen Sprachschatz für ziemlich groß hielt, konnte er sich doch diesen eigen- artioen Bescheid nicht erklären. Er fragte daher abends einen' noch bester holländisch sprechenden Bekannten, wieso überall die Chefs auf ihn böse seien, er kenne sie doch gar nicht und habe ihnen nichts getan.
Sein Bekannter klärte ihn lachend auf: Das wie „böse" klingende Wort schreibt sich „bezig" und bedeutet „beschäftigt".
Daran, daß er nichts los werden konnte, war also nicht die schlechte Laune, sondern die — angebliche Arbeitsüberlastung der Geschäftsinhaber schuld.
Ein humorvoller Landsmann, der an mehreren Haustüren las: „Zweimal bellen", ließ jedesmal seinen Hund in Funktton treten, wenn er Einlaß begehrte. Man bedeutete ihm schließlich, daß „bellen" hier gleich „schellen" sei. Die Klingeln bellen, imd die Hunde „blaffen in Holland.
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Die Kaltblütigkeit des Holländers, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen läßt, ist schon sprichwörtlich. Heine erzählt bekanntlich in den „Memoiren des Herrn von Schnabelewopski", wie in einem Lokal eine Rauferei entsteht, wobei einer auf seinen Gegner einen Pistolenschuß abgibt. Die Äugel schlägt aber dem, der gemeint ist, nicht den Schädel, sondern lediglich die Pfeife entzwei. Gemächlich wendet sich da- Opfer des Attentats an feinen Nachbar: „Jan, eene meuwe pyp! („Jan, eine neue Pfeife!")
Der Utrechter, der letzthin beim Zeitungslefen auf der Straße von einem Auto überfahren wurde, sich aber sofort erhob und ruhig weiter, in seine Zeitung vertieft, seines Weges ging, gehörte sicher auch diesem holländischen Menschenschlag an, dem Heine ein Denkmal dauernder als Erz gesetzt hat.
Es gibt aber auch hier heißblütige Naturen. War da jüngst in Den Helder ein einundzwanzigjähriger Arbeiter, der sein Buge auf seine Nachbarin Mientje geworfen hatte. Mientje war zwar erst dreizehn Jahre — aber das ist gerade das Alter, in dem die Neigung der holländischen Damen zu üppiger Körperfülle sich sozusagen noch im angenehmsten Anfangsftadium befindet. Mientfes Reize ließen Jan nicht schlafen — und Jan spielte in Mientjes Träumen die Hauptrolle. Ein tiefes Wasser befand sich nicht zwischen den Nachbarhäusern — so konnten die Liebenden also sehr gut zusammenkommen. Bald verbrachten ftejeben Abend gemeinsam und durchschwärmten voll süßer. Hoffnungen die alten Straßen und Grachten. Leider hielt Mientjes
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sie von der Flut des Islam weggeschwemmt wurde. Roms Herrschast bedeutete für den Westen die Annahme der lateinischen Sprache. Einen Teil der Weltherrschaft ihrer lateinischen Mutter trat im 18. Jahrhundert die französische Sprache an, die als Sprache der Höfe, der Diplomaten und der sogenannten höheren Gesellschaft die Oberhand gewann und das g e i st i g e Europa verband; in Deutschland verlor das Französische diese Stellung erst am Anfänge des 19. Jahrhunderts. Im Jahre 1807 erschien der letzte Band der Abhandlungen der Berliner Akademie in französischer Sprache. Auf dem Gebiete des Handels und Verkehrs trat an ihre Stelle das Englische, während als Sprache der Wissenschaft vor dem Kriege das Deutsche in den Vordergrund getreten ist.
Aus diesem kurzen Ueberblicke ersehen wir, daß nationale Sprachen wohl vorübergehend durch politische oder andere Einflüsse in eine vorherrschende Stellung gelangen können, die sie aber wieder verlieren, sobald sich die Verhältnisse ändern.
Man hatte auch schon an das Lateinischen oder Umformungen des Lateinischen gedacht (Langue internationale n6olatine, Nov Latin, Naove Eoman, Reformlatein, Latine sine flexione und andere mehr); aber das Lateinische schaltet als zu schwer erlernbar auS, und die modernen Umformungen, die ja letzten Endes auch künstliche Sprachen darstellen, haben sich als nicht zureichende Lösungen des Problemes erwiesen.
Wollen wir etwas Dauerndes schaffen, das politischen und anderen Einflüsfen nicht unierworfen ist, dann müssen wir verlangen, daß die Welthilfssprache in keinem Zusammenhang stehe mit politischen und nationalen Angelegenheiten; mit anderen Worten: Wir können das Bedürfnis nach einem internationalen Verständigungsmittel nur befriedigen, durch eine ad hoe konstruierte Neutralsprache.
Welche Forderungen müssen wir an eine solche Sprache stellen? Sie muß leicht erlernbar sein für alle Völker in Wort und Schrift. Das Wörterbuch muß möglichst viel internationale Stämme enthalten. Die Grammatik muß einfach sein und darf keine Unregelmäßigkeiten aufweisen. Die Sprache muß wohlklingend sein. Der Satzbau darf keine Schwierigkeiten bieten. Sie muß anwendbar sein auf allen Gebieten.
Wir kennen bis heute ungefähr 60 Weltsprachentwürfe. Von diesen eroberte sich in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts das Volapük (ein vereinfachtes Englisch) eine größere Anhängerschaft, wurde aber von dem „Esperanto" des Dr. Zamenhof-Warfchau verdrängt.
erfüllt nun Esperanto diese Voraussetzungen? Darauf wird in einem weiteren Artikel die Antwort gegeben werden. Dr. L. Herz.
holländische Eindrücke.
Von L. W an d o w.
(Nachdruck verboten.)
Ein Deutscher, der sich auf einer Vergnügungsreise durch Holland befand, wollte einmal feststellen, ob der Dichter nicht geschwindelt hat und taffächlich alles hier dem Herrn Kannitverstan gehört. Er stellte sich atfo in Amsterdam vor das Reichsmuseum und fragte einen Passanten: „Entschuldigen Sie, wem gehört birg schöne Gebäude?"
„Das ist das Reichsmuseuml" erfolgte die prompte Antwort.
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