Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladf Fulda.
ilr. 262.
Verantwortlich rät die Schrittleitun«: Tr- Johannes Kram er Anreigen: I. Barreller, Fulda. Rotationsdruck und «erlas der Fuldaer Srtienbrurferei in Fulda. Fernivrecher Nr- g. Monatlicher Beru?IvreiS: 1.50 Mk.
Sonntag, 9. November 1924.
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51. Zahrg.
Arife in Oesterreich.
Rücktritt der Regierung Dr. Seipel. — Eisen- dahnerstreik.
Ganz plötzlich ist in Oesterreich, unserem deutschen Bruderlanoe und Schicksalsgenossen in schwerer Zeit, eine folgenschwere Krise zum Ausbruch gekommen. Sie hat ihren Untergrund in Lohnforderungen der Eisenbahner, die von der Direktion der Bundesbahnen bei wirtschaftlicher Gestaltung des Betriebes nicht zu erfüllen waren. Generaldirektor Günther bot der Regierung seine Demission an. In einem Ministerrat erklärte sich das Kabinett Seipel mit dem Generaldirektor der nun einen eigenen Wirtschaftskörver bildenden Bundesbahn solidarisch und beschloß, für den Fall, daß der Streik zum Ausbruch kommt, gleichfalls zurückzutreten.
Dieser Beschluß war zunächst wohl nur als ein Druckmittel für die politischen Parteien und die Gewerkschaften gedacht, weil die Bewilligung der Forderungen der Eisenbahnangestellten diese in mancher Beziehung besser stellen würde als andere öffentliche Angestellte und die Regierung befürchtete, daß eine allgemeine Lohnbewegung unter den Bundesangestellten zum Ausbruch kommen werde, umso mehr, als das Sinken der Kaufkraft der Krone im Inland anhält und von der Preissteigerung der wichtigsten Lebensmittel ausgehend eine allgemeine Teuerungswelle im Gange ist.
Die Lage spitzte sich dann weiter zu. Nachts 11 Uhr hat die Regierung Seipel demissioniert. Um %11 Uhr wurden die Verhandlungen mit den Eisenbahnern als gescheiert erklärt und abgebrochen.
Der Bundespräsident hat feinen Erholungsurlaub auf dem Semmering unterbrochen und ist im Automobil nach Wien zurückgekehrt. Die Regierung Seipel führt bis zur Neuwahl des Kabinetts durch das Parlament die Geschäfte weiter.
Der Eisenbahnerstreik.
wtb Wien, 8. Nov. (Tel.) Infolge des Scheiterns der Verhandlungen zwischen den Dundes- bahnangestellten und der Bundesbahndirektion ist de? Etfenbahnersicsik um 1 2 Uhr nachts ausgell r o ch e n. _______________
Die völkischen.
Die von der völkischen sogenannten Großdeut- fchen Volksgemeinschaft ausgeschlossenen deutsch- völkischen Führer Esser und Streicher nahmen am Freitag den 31. Oktober in München gegen die führenden Persönlichkeiten des völkischen Blocks Stellung, die sie unter Berufung auf ausführliches Aktenmaterial als „feile Subjekte, niederträchtige Verleumder und Fälscher" bezeichneten. Esser und Streicher erklärten, sie würden vor Gericht beweisen, daß sie sauber wären, während die andere Seite Dreck am Stecken habe. Die Großdeutsche Volksgemeinschaft werde sich nicht dazu heroeben, Ludendorff zu bekämpfen, aber sie müsse feststellen, daß die Ehre der K l e i n st e n in der Bewegung ebenso viel wert sei, wie das Ansehen der Höchste n. Ludendorsf werde eines schönen Tages von allen verlassen auf weiter Flur allein dastehen.
Die „Deutsche Zeitung" bemerkt zu obiger Mitteilung: „Wenn nicht jetzt noch in letzter Minute Besonnenheit Platz greift und dem anstößigen Führergezänk ein rasches Ende bereitet wird, dürste der völkische Gedanke am 7. Dezember einen Schlag erhalten, von dem er sich lange nicht mehr erholen wird."
Besonnenheit! Das ist allerdings gerade in der gegenwärtigen Verwirrung im rechtsradikalen Lager etwas zu viel verlangt. Bisher hat sich bei den Völkischen kein Mangel stärker bemerkb'ar gemacht, als der der Besonnenheit und ruhigen Ueberlegung. Das deutsche Volk wird deshalb am 7. Dezember schon dafür sorgen, daß die Katastrophenpolitiker nicht weiterhin die deutsche Politik unheilvoll beeinflussen können.
3um Sankt Mattmrtag.
Von Dr. Clemens Wagener.
Bei der Bekehrung der Deutschen zum Christentum pflegte die Kirche, wie wir wissen, vielfach altheidnische Feste durch christliche Feiern zu ersetzen. Es war das eine kluge Maßnahme, die den Heiden den Uebertritt zur Kreuzeslehre bedeutend erleichterte.
Wenig bekannt ist, daß auch der st. Marlinstag, der tm Mittelalter mit ungleich größerem, woMchem Prunk begangen wurde als heute, an die stelle eines altaermanischen Erntedankfestes getreten ist. Noch vor nicht allzulanger Zeit backte man fogenannce „Martins- Hörnchen", welche eine meist unbewußte Erinnerung an das einst den Göttern zum Erntedank geopferte Hornvieh wachhielten. Im übrigen beging man den Martinsiag im Mittelalter nicht nur durch kirchliche sondern auch durch weltliche Feier. Man hielt große Festmähler ab und probte den M ost, sowie den jungen Wein des Jahres und zwar mitunter gründlicher, als unbedingt notwendig war. Vielfach wurde der Heilige, zwar nicht von der Kirche, aber doch von dem Volk, als Patron des Weinbaues angefeljen, weshalb er in alten Schriften gelegentlich als „M o ft h e i l i g e r" bezeichnet wird. In Wahrheit hat St. Dlartin niemals mit der Weinzucht in Verbindung gestanden, es sind lediglich Nachklänge aus heidnischer Zeit, die aus der germanischen Erntedankfeier herüberhallten. Der im Mittelalter entstandene Spruch: „Wer nicht tüchtig trinken kann, ist kein rechter Martinsmann!" bezeugt ebenfalls, daß man Mfii« und da verpflichtet glaubte, dm heiligen Martin
Sie englische tzauplsorge.
wtb London, 8. Roo. (Tel.) Der diplomatische Berichterskakter des „Daily Telegraph" schreibt, es sei sicher, daß unter drn Bankiers und den Industriellen die Ansichten sehr geteilt seien, ob die wirtschaftliche Erholung Deutschlands und der vorgeschlageae französisch-deutsche Kotzten- und Skahlkonzern eine ernste Bedrohung für den englischen Ausfuhrhandel bedeute. Insbesondere unter den Bankiers bestehe Neigung, diese Bedrohung leicht zu nehmen aus dem einfachen Grunde, weil 1) Deutschland an Kapitalmangel leide, 2) die Stabilisierung der deutschen Währung die Broduktions- kosken wesentlich erhöhen werde, 3) die deutschen Gewerkschaften, bereu Fonds sich außerordentlich verminderten, sich erholen würden, wenn die Mark wiederhergestellt ist und daß sie auf dem Achtstundentag bestehen würden.
Die Reichsmark an der Rewnorker Börse.
wtb Paris, 8. Nov. (Tel.) Havas meldet aus Newyork: Gestern wurden an der Newyorker Börse die ersten Umfaße in dem neuen deutschen Geld, der nach dem Dawesplan geschaffenen Reichsmark, zu einem Nominalkurs von 23,68 Dollar für 100 Reichsmark getätigt. Man glaubt, daß die Reichsmark gradweise die Dollar- scheks in den kaufmännischen Operationen zwischen Deutschland und Amerika erreichen werde.
Vie neuen Reichsbanknoten.
Die neue Aera der Reichsbank tritt jetzt auch äußerlich in die Erscheinung durch den notwendig gewordenen Ersatz unseres Banknotenumlaufs durch neue, auf Reichsmark lautende Reichsbanknoten zu 10, 20, 50 und 100 Reichsmark mit dem Datum vom 11. Oktober 1924, die in den nächsten Tagen auf Grund deS Bankgesetzes vom 30. August 1924 in den Verkehr gegeben werden.
Tas Rerchsbankdirektortum nahm 93er« anlafsuna, die in Frage kommenden Interessenten« kreise und Vertreter der Presse über die Arbeiten für diese neuen Reichsmarknoten zu unterrichten, die möglichst bald die Billionennoten und die Renten- marlscheine, also den gesamten bisherigen Umlauf an Reichsbanknoten, zu ersetzen haben. Bonseiten des Reicksdankdirettoriums wurde dabei betont, daß der i n n e r e W e r t der Banknoten erste Vorbedingung sei. Die neuen Noten, die im VolksmunSe Gold- noken heißen, hätten sich ihren Wert noch zu erwerben, um ihn zu besitzen, doch stünden dafür die Aussichten gut. Die Voraussetzungen und Grundlagen für die dauernde Stabilhaitung der neuen Währung seien geschaffen. Die Reichsbank werde alles tun, um sie zu erhalten, und allen etwaigen Widerständen mit größter Schärfe zu begegnen. Mit der Gesamtausgabe könne zur Zeit noch nicht begonnen werden. Zu Anfang der- kommenden Woche würden die Scheine zu 10, 20, 50 und 100 Reichsmark auS- gegeben, etwa eine Woche später der Tausendmarkschein. Man hoffe, im Laufe der nächsten beiden Monate den Verkehr mit den neuen Reichsmarknoten sättigen zu können.
Die Koften der Lebenshaltung.
Die auf den Stichtag, den 5. November, berechnete Großhandelsindexziffer des statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem Stande vom 28. Oktober um 1,6 Proz. auf 126,6 zurÜckgegangen. Für den Monatsdurchschnitt des Oktober ergibt sich eine Steigerung der Großtzandels- indexziffer von 126,9 auf 131,2 oder um 3,4 Proz.
Dis R e i ch s i n d e x z i f f e r für die Lebenshaltungskosten ist für den 5. Nov. gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben.
* Riefenbrand in Indien. Reuter meldet aus Delhi, daß im Mawashabr-Haxara-Bezirk (Punjab) durch Feuer etwa 60 Läden und Häuser zerstört worden sind. Man vermutet, daß es sich um einen Unfall und nicht um Brandstiftung handelt.
als Schützer der Trauben durch sleißizes Genießen seiner Gabe zu feiern.
Die meist auf den Martin stag angesetzte Zahlung des mittelalterlichen Zehnten an Feldfrüchten und Natur- erzeugniffen anderer Art, hängt mit der Beendigung der Ernte zusammen. Geld kannte man vor taufend Jahren noch kaum im bi eiten Seite; was an Zins und Zehnten entrichtet werden muhte, gab man „in natura". Der Zeitpunkt, da man hierzu in der Lage war, fiel in den Spätherbst, nach der Reife der Früchte und dem Auf. wuchs des jungen Viehes, er fiel mit der altheidnischen Erntedankfeier zusammen. Ta diese nun durch den Festtag des christlichen Heiligen ersetzt wurde, so kam das „zahlbar zu Martini", das heute noch — besonders auf dem Lande — vielfach gilt, in Brauch.
Das an Schwänken reiche Mittelalter gibt in einer luftigen Erzählung allerdings eine andere Erklärung dafür, daß Sankt Martinstag zum Zieltag für wiederkehrende Pflichtzahlungen wurde. Es heißt da, Chkodwich, der Frankenkönig habe in der Schlacht von 33äugle dem Heiligen fein Schlachtroß angelobt, wenn er ihm zum Siege verhelfe. Allerdings behielt sich der Fürst vor, das Tier gegen eine Zahlung von 100 Gulden an die Kirche gegebenenfalls loskaufen zu dürfen. Chlodwich siegte, vergaß aber fein Versprechen. Sein Roß, das scheinbar ehrlicher dachte, versagte ihm infolgebeffen je- den Dienst. Infolgedessen kam der König seinem Gelübde nach und spendete der Kirche die gelobten 100 Gulden. Freilich soll er dabei bemerkt haben, der heilig« Martin, der auf Erden Geld und Gut verachtet habe, scheine im fummel ein sehr genauer Geldwirtschafter geworden zu sein, denn sonst würde ex laute Schuldner auf Erden
Aus dem besetzten Gebiet.
Der „Verl. Lok.-Anz." teilt mit, daß infolge der Uebergabe der Eisenbahn im besetzten Gebiet an die Reichsbahngesellschaft der S ch n e l l Zugverkehr von Berlin nach Westdeutschland vom 1. Dezember ab eine erhebliche Er - w e i t e r u ng erfahren wird. Der Zugverkehr soll in dem Umfang wie vor der Besetzung des Ruhrgebiets wieder hergestellt werden.
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Im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen zum Reichstag und preußischen Landtag hat die Reichsregierung in London, Paris und Brüssel Schritte unternommen, um die freie Durchführung der Wahlen und der Wahlvorbereitungen im besetzten Gebiet sicherzustellen. Die Regierungen der Besatzungsmächte haben daraufhin Erklärungen abgegeben, wonach mit einem u n be hinderten Verlauf der Wahlen auch im besetzten Gebiet gerechnet werden kann.
Die Kommunisten in Italien.
wtb Rom 8. Nov., (Tel.) In A n k o n a wurden gestern 15 Kommunisten verhaftet, die verdächtig sind, bei Gelegenheit des Iahreskags der Sowjetrepubliken an verschiedenen Stellen der Stadt kommunistische Fahnen ausgehängk zu haben. Auch in Genua und Rom wurde bei dieser Gelegenheit versucht, kommunistische Fahnen auszuhängen, die aber sofort wieder durch die Polizei weggenommen wurden.
Kurland.
* Das spanische Kriegsministerium hat die Entlassung aller deutschen Legionäre, deren Minderjährigkeit durch das (Äeburtszeugnis erwiesen werden kann, angeordnet. Entlassungsanträge find unter Beifügung von Geburtszeugnissen an die deutsche Botschaft in Madrid zu richten.
Kunst und Literatur.
— Die Ehrung des loten Hans Thoma. Aus Karlsruhe wird giinelbct: In der anläßlich des Todes oon Hans Thoma einberufenen außerordentlichen Stadt rats- fitzmrg wurde befchloffen, in dankbarer Ehrung des Heimgegangenen dessen Beisetzung als städtische Angelegenheit zu behandeln, einen Kranz in den Farben der Stadt an der Bahre niederzulegen und dem Entschlafenen als Ruhestätte einen Ehrenplatz auf dem Hauptfriedhos einzuräumen, deffen Schmuck und dauernde Unterhaltung die Stadt übernimmt,
Wissenschaft und Forschung.
— Nordpoiflug Amundsens. Zwei norwegische Offiziere beabsichtigen, eine Flugexpedition nach dem Nordpol zu unternehmen. Roald Amundsen hat sich bereit erklärt, die Führung zu übernehmen. Der Start beginnt mit zwei Flugzeugen im Mai von Spitzbergen aus nach dem Pol, wo gelandet wird zur Vornahme von Beobachtungen. Dann will man wieder die 1200 Seemeilen nach Spitzbergen zurückfliegen, und zwar in acht Stunden.
Katholische Welt.
— KKV-Rompilgerfahrt. Der Plan für die KKD- Rompilgerfahrt im Frühjahr 1925 nunmehr endgültig fest. Nachdem bereits weit mehr als die Hälfte der zu- gelassenen Teilnhmer ihre Anmeldung getätigt hat, kann gl als vollkommen gesichert gelten. _ Aus Grund der nmelbungen hat die Neiseleittmg befchloffen, den Sonderzug nicht ab Frankfurt a. W„ wie ursprünglich in Aussicht genommen, sondern ab Köln fahren zu lassen. Trotzdem bleiben die festgesetzten Preise (450.— M in der zweiten und 320.— Jk in der dritten Klaffe) bestehen. Diejenigen Teilnehmer, die sich auf einer der Zwischenstationen zwischen Köln und Freiburg dem Zuge anschließen, erhalten entsprechende Fahrpreisermäßigung. Der Sonderzug verläßt Köln am Montag den 16.. März, nachmttags gegen 4 Uhr, und endigt am Sonntag den 29. März in München. Der Reifeprospeki, der auch über die verschiedenen geplanten Anschlußreisen unterrichtet, ist fertiggestellt und wird den Interessenten auf Anforderung kostenfrei zugesandt. Jugendliche KKVer unter 21 Jahren können sich bei bedeutender Preisermäßigung in beschränkter Anzahl an der Fahrt beteiligen.
doch nicht durch deren Pferde mahnen lasten. — Diese dem Heiligen angedichtete Genauigkeit in Geldsachen soll, dem Schwank nach, den Grund gegeben haben, den Festtag des Heiligen zum Zieltag zu machen.
Die Kirche verehrte feit alters in Sankt Martin einen Wohltäter der Armen. Daher bildeten sich im Mittel- alter sogenannte „Martinsgenossenbruderschaften , deren Aufgabe es war, in weitgreifender Weise sich der Ze- bürftigteit anzunehmen. Ganz besonders geschah dieses zur Zett der Ernte. Jetzt konnte jeder geben, denn jeder hatte in der Regel Ueberfluß, und der bevorstehende Winter drängte mehr als sonst darauf, an die Armen zu denken.
Wie der Heilige an den Ruf kam, ein besonders weiches Herz für die Not des Nächsten zu haben, ist wohl allgemein bekannt. Jeder ke/mt die taufendmal im Bildnerwerk der Vergangenheit und Gegenwart bqrgefteUte Guttat des kriegerischen Reitersmannes Sankt Marttn. /»och zu Roste sitzend, teilt er mit scharfem Schwerst)'eb feinen Mantel, um dessen Hälfte einem nackten Bettler am Wege zu schenken, der sich ihm im Traume der nächsten Nacht als Christus offenbart.
Aber nicht nur den Armen ist der beliebte Heilige besonders Freund, sondern auch den Kindern. Er ähnelt in dieser Hinsicht dem „heiligen Mann" der Rheinlande, Sankt Nikolaus. Die Kinder verehren chn bekannt, lich vornehmlich in Nordwest- und Westdeutschland und feiern feinen kirchlichen Ehrentag mit gabenheischendem Umzug und fröhliä)em Martins'jed. Vielfach tragen sie dabei buntfarbige Papierlaternen durch den kühlen No- ■emberabenb. Es ist ein sehr alter Kinderbrauch, von .-aus zu Haus zu ziehen und eine kleine Abgabe von
Zeppelin R. III
hat Deutschlands Ansehen in der Welt mächtig gefördert.
Sein Triumph ist nur aufdemWegeharter, zäher, ausdauernder Arbeit errungen worden. Auch auf politischem Gebiete können wir nur durch die gleichen Methoden wieder hoch- kommen. Nicht große Gesten, nicht „kraftvolle" Worte schaffen es. Das deutsche Bolk muß sich am 7. Dezember für die entsagungsvolle und zähe Arbeit der Milte entscheiden, um durch sie
Deutschlands Ansehen in der Wett wsiterhm zu festigen.
Der Luftöienft in aller wett.
lieber . die Einrichtung eines Luftdienstes wie über die Ausgestaltung des Fliegerwefens gehen uns solgende neuere Informationen zu:
England.
Lnftvizemarfckall Brancker hielt vor einer Konferenz für Lustverkehrswefen kürzlich eine Rede, in der et die Pläne des Luftverkehrsministeriums im einzelnen darlegte. Er sagte, binnen zehn Jahren werde es geben: einen halbmonatlichen Luftschiffoienft nach Indien und Australien, Flugdauer 11 Tage, einen wöchentlichen Dienst nach dem Kap über Westafrcka, Flugsauer 5Vs Tage, und endlich einen Lustdienst zwischen England und Kanada, 21/» Tage, schließlich werde Westafrika mit dem Lustdienst Aegyptens in Verbindung gebracht werden. In Westindien würde durch Flugboote die Ankunft von Briefen um mehrere Wochen beschleunigt werden. Brancker teilte noch mit, daß von der Regierung zwei große Hanoelsluftschiffe bestellt worden seien.
Frankreich.
Die französische Regierung hat eine Luflfahr- mijsion nach Persien gesandt und in Teheran eine Fliegerschule gegründet.
1923 sind von fremden Mächten für 92 Mill. Frcs. Aufträge auf Flugzeuge, Motoren und Zubehörteile an französische Firmen erteilt worden. Die Bestellungen verteilten sich auf folgende Länder: Argentinien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, China, Dänemark, Estland, Spanien, Finnland, Griechenland, Holland, Italien, Japan, Persien, Polen, Portugal, Rumänren, Ruslans, Ingo-Slaw.en, Siam, Schweden und Tschechoslowakei.
Der Flugzeug-Export stellte einen Wert von 26 Millionen Franc» dar; allem Anichein nach wird diese Ziffer tm Jahre 1924 stark überschritten werden.
Holland.
Von Holland wird ein Flug nach Ostindien vorbereitet. Er soll von Amsterdam über Kon- stansinopel im allgemeinen der englischen Weltflugstrecke folgend nach Batavia gehen.
Spanien. >
Nach einer Mitteilung aus Marokko versorgen die Spanier die Garnison Bahairax, in der eine Kompagnie liegt, dadurch mit Wasser, daß sie Els, das m grobe Lemewand eingewickelt wird, aus Flugzeugen abiversen.
Türkei.
Eine türkische Fliegermission macht augenblicklich eine Inspektionsreise, um sich die luftfahrtstechnffchen Einrichtungen in England, Frankreich, Italien und Deutschland anzusehen. — Der Erfolg ihres Besuches in Frankreich bestand in der Bestellung von 40 Maschinen. — Außerdem sind 10 türkische Fliegeroff.ziere in Jstres bei Marsaillcs eingetroffen, um einen Schlußkursus im Fliegen durchzumachen. — Die türkische L us t- ist in der Neubildung begriffen. Die in Frankreich bestellten Flugzeuge sollen in der türkischen Fliegerschule in Estki Cheir Verwendung finden.
* Die Stadtverwaltung ohne Männer. In der Nähe der spanischen Stadt Tarrega liegt das Dors Talladell, das sich kürzlich eine Stadtverwaltung wählte, die nur aus Frauen besteht.
Früchten der Ernte zu erbitten, die, wie man früher wohl glaubte, unterm besonderen Schutze des gütigen Heiligen zur Reife gelangten.
Das einst allgemein übliche Verzehren der „Mar. tinsgans" ist heute aus Geldmangel ganz in den Hintergrund getreten, geriet aber auch schon in früherer Zeit mehr und mehr in Vergessenheit. Än Protestant!, scheu Gegenden, wo man auch, allerdings aus anderem Grunde, den Martinstag wohl noch feierlich begeht und den Brauch der „Martinsgans" noch pflegt, glaubt man diesen vielfach auf Martin Luther zurückfiihren zu tön- nen. Das ist eine irrige Ansicht. Das Verspeisen der Martinsgans geht auf eine weit ältere Zeit zurück. Wahrscheinlich findet der Brauch feine Begründung in einer alten Legende. Sankt Martin, der im vierten Jahrhundert als Bischof von Tours starb, soll nämlich durch die Wachsamkeit, oder wenn man will, Neugier der Gänse, seinem hohen Kirchenamte z^efiihrt worden fein. Zis nächst war er Kriegsmann, aber dann zog er sich, da dieses Handwerk im Widerspruch zu seiner christlichen Gesinnung zu stehen schien, vom Waffenberuf zurück und lebte in wettferner Einsamkeit lediglich seinem Gott. Der Ruf fernes untadeligen Lebenswandels bestimmte die Kirche, ihn zum Bischof zu erheben. In übergroßer Demut und Bescheidenheit glaubte er sich solcher Ehrung indeffen nicht würdig und verbarg sich. Umherziehende Gänse machten aber sein Versteck ausfindig und nenne en es durch heftiges Schnattern. Da nahm der Heilige d-nn das ihm zugedachte Amt an. Zum Erinnern an dies- Großtat der Gänse soll dann der Brauch aufgekommen sein, alljährlich zu Martini einen jener brauchbaren Söge’ in gebratenem Zustande auf jeden Tisch zu bringen.