Zur Unterhaltung
X Nr. 262 vom 9. Nov. 1924. !
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Zuldaer Zeitung
Das Deutsche Archäologische Institut in Rom.
Sicherlich haben unsere Leser mit Genugtuung von der neuen wiffenschaftlichen Ehrung Kenntnis genom- men, die unserem Landsmann Herrn Professor Dr. h. c. Donderau durch die Ernennung zum Korrespondierenden Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom zuteil geworden ist. Ist die Ernennung doch ein Beweis, wie hoch die Forschungsarbeit Vonderaus auf archäologischem Gebiete an den hervorragendsten Stellen der wissenschaftlichen Welt gewertet wird. Die- len Lesern ror s e- erwünscht sein, nun noch etwas nii- jheres über br: rische Archäologische Institut in Rom zu hören.
Gerade in diesen Tagen hat ein Brief aus Rom, der in der „Köln. Volksztg." veröffentlicht wurde, Einzelheiten berichte,. Unter dem Datum des 31. Oktober wird da geschrieben:
Die deuffche Kolonie Roms erlebte gestern einen Freudentag, der zugleich ein Ehrentag für die deutsche Wissenschaft c ar: das Deutsche Archäologische Institut, der Träger großer Ueberlieferungen in Kunst und Wissenschaft, hat seine Pforten zum ersten Male seit dem Kriege wieder geöffnet. Eine Pflegestätte edler Kulturarbeit an dem Menschheitsgut der Antike ist damit neu ! >s Leben getreten, und wiedererstanden ist die Fortfifl ung jener wissenschaftlichen Forschung, die in Rom n den unvergeßlichen Namen Wilhelm von Humboldts, Bartholomäus Niebuhrs und Josias von Bunseys ir n Ausgang nahm. Es war jene Zeit, in der der f nanismus seinen Aufschwung nahm und jenen best ichen, ganz der Wissenschaft, Kunst und Poesie hü. denen Typus des deutschen Jtalienpilgers der ersten Jahrzehnte des neunzehnten Jahrhunderts schuf. E .alten, die von Idealen beseelt waren und sie ausstra! > und daher wie von selbst die Synipathien Italiens und die Freundschaft vieler Männer in der weiten wiffenschaftlichen Welt auf sich zogen. Deutschland ist seit dem unglücklichen Kriege in seinem materiellen Reichtum gebrochen, aber unverlierbar, und vielleicht weit mehr als in den letzten Dezennien, tritt das geistige Erbgut des Deuffchen, das selbstlose Bemühen zur Hebung und Vermittlung der Schätze der Wissenschaft hervor.
Würdig solcher Gedanken und Bestrebungen war die schlichte d-uffche Eröffnungsfeier des Archäologischen Instituts, die gestern in dessen neuer Heimstätte in .ber via Gardrgna gehalten wurde. In den anheimelnden Räumen, die mit den Büsten bedeutender deutscher Momanisten der Vergangenheit und der des unvergeßlichen Germanfften Heinrich Brunner geschmückt waren, hatte sich eine erlesene Versammlung eingefunden. Unter Den Gästen bemerkten wir Reichskanzler a. D. Fürst Bülow, den deuffchen Botschafter beim Vatikan Dr. v. Bergen und Frau v. Bergen, den deutschen Botschafter beim Quirinal Freiherrn v. Neurath und Freifrau v. Neurath, den bayerischen Gesandten beim Vatikan Freiherrn v. Ritter, die Prälaten Apostolischer Protonotar Wilpert, Dr. David, Prof. Dr. Hudal und Baumgarten, ferner Msgr. Prinz Georg von Bayern und zahlreiche angere Angehörige der wiffenschaftlichen und schriftstellerischen Welt, darunter Marie von Bunsen, die Enkelin.des Gesandten Josias o. Bunsen. Namens bes Archäologischen Instituts begrüßte dessen erster Sekretär Prof. Dr. A m e l u n g die Erschienenen mit warmen Willkommen- und Dankesworten. Sein Dank galt allen denen, die zum Wiedererstehen des Instituts praktisch und wissenschaftlich beigetragen haben. Rückschauend gedachte der Redner der Gelehrtenwelt, die vor dem Kriege dem Institut ihr Interesse und ihre Anteilnahme geschenkt hatten. Unter ihnen nahm Pater E h r l e, der jetzige Kardinal, einen hervorragenden Platz ein. Mit der unbestechlichen Wahrheitsliebe des echten Wissenschaftlers stellte Prof. Amelung fest, daß die römische Kurie zu allen Zeiten dem deutschen Institut ihr Jntereffe und chre weitherzige Unterstützung zuteil werden ließ. Nicht vergessen konnte der Redner auch die Verdienste, die sich die preußischen Könige, der Romantiker auf dem Thron Friedrich Wilhelm IV., der ehrwürdige Wilhelm I. und sein edler Sohn Friedrich III. um diese Heimstätte deutscher Wissenschaft im Auslande erworben haben. Nach dem verlorenen Kriege habe der deuffche Botschafter Freiherr von Neurath sich in tatkräftiger Weise des Instituts angenommen, und auch der Botschafter Dr. v. Bergen habe verständnisvoll die Arbeit des Wiederaufbaues begleitet. Der frühere italienische Unterrichtsminister Benedetta Croce habe in einem ihm zu hoher Ehre gereichenden Cnffchluß im Jahre 1922 die Bibliothek des Instituts, die während des Krieges unter Zwangsverwaltung stand, wieder zurück- erstattet. Cs machten sich erfreuliche Anzeichen geltend, daß auch in den wissenschaftlichen Kreisen ehemals feind- Ucher Länder eine der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit günstige Stimmung an Boden gewinnt. Besonders zu rühmen sei die Förderung durch amerikanische Gelehrte. Prof. Amelung zeichnete dann kurz Aufgabenkreis und Zielsetzung für das Jnstiiut, das ein Mittelpunkt germanisch- »Smischer Forschungen sein müsse, eine Akademie.
Nach Prof. Amelung sprach Prof. Rodenwald, -er mit treffenden Strichen die unverdrossene Arbeit der Wiedererrichtung des Instituts, insbesondere das verdienstvolle und aufopfernde Wirken Prof. Amelungs kennzeichnete. Die Altertumswissenschaft habe auch noch heute eine Mission zu erfüllen. Anschließend an Prof. Rodenwald versicherte der Boffchafter Frhr. v. Neu- ;ratf) in der ihm eigenen verbindlich vornehmen Art Aas Institut des Schutzes und der Fürsorge der Reichs- Behörden, insbesondere der deuffchen Botschaft. 2(m Abend empfing Frhr. v. Neurath zahlreiche Gäste aus her deuffchen Kolonie Roms, Gelehrte, Künstler und Publizisten zu einem wohlgelungenen gesellschaftlichen Zusammensein, an dem sich auch die zur Eröffnung des
Archäologischen Instituts aus Deutschland eingetroffenen Gäste beteiligten.
lieber die Geschichte des Instituts unterrichtet der folgende geschichtliche Ueberblick:
Im Hause Wilhelms v. Humboldts (1802—1808 preußischer Gesandter in Rom) blldete sich das erste deuffche Zentrum archäologischer Interessen in Rom. Als Nachfolger Humboldts kommt 1816 Niebuhr nach Rom, mit ihm zugleich Bunsen, seit 1817 ebenfalls in der preußischen Gesandtschaft angestellt, seit 1823 Nachfolger Niebuhrs. Beide, unterstützt durch Kestner an der hannoverschen Gesandtschaft, setzten die Tradition Humboldts fort. 1822 kommt Eduard Gerhard nach Rom, 1823 Theodor Panofka. Beide gründen gemeinsam mit dem Bunsenschen Kreise den Verein der römischen Hyper- boräer. 1825 lernt Panofka den Herzog von Luynes in Neapel kennen. Dieser tritt in lebhafte Beziehung zu den römischen Hyperboräern, welche ein erstes Doppelheft der Monumenti antichi inediti della Societä Iperboreo-Romana publizieren. Daneben waren Hy- perboräisch-Römische Studien geplant. 1882 sind Luynes und Gerhard wieder in Rom, um den alten Plan aufzunehmen. Ende des Jahres kommt, der preußische Kronprinz nach Rom; ihn gewinnt Gerhard zur lieber« nähme der Protektion eines Instituts für archäologffche Korrespondenz.
Am 21. April 1829 tritt die konstituierende Versammlung des Istituto di Corrispondenza archeologica im Palazzo Raffarelli zusammen. Außer der Organisation in Italien wird eine französische, eine deutsche und eine englische Sektion gegründet. Die Zentralstelle in Rom beantwortet die aus dem Auslande eintreffenden Anfragen, sammelt archäologische Korrespondenzen über neue und wichtige Funde und vermittelt diese dem Ausland. In Rom außerdem interne und öffentliche Adu- nanzen. Sammlungen von Gemmenabdrücken und Zeichnungen nach unbekannten ober neu gefundenen Manu- muenten. Das Institut erhält stch allein durch den Erlös seiner Publikationen. Daneben ist auf Veranlassung des Protektors zeitweise das preußische Finanzministerium eingetreten, mit persönlichen Opfern des Herzogs von Luynes. Sehr zuvorkommend ist von Anfang an die päpstliche Regierung. Sehr bald stellen stch Mißhelligkeiten ein wegen Eifersucht zwischen Paris, Berlin und Rom. Bunsen tritt siegreich für Rom ein. Er gibt 1836 dem Institut seinen Sitz in der Casa Tarpea neben dem protestantischen Krankenhaus auf dem Kapitol. 1837 tritt eine Neuregelung in Kraft. Als Sekretäre nebeneinander gleichgestellt Braun und Lepsins. Das preußische Ministerium hilft abermals mit einem Zuschuß auf fünf Jahre. 1838 verläßt Bunsen Rom. 1841 kommt Henzen nach Rom. Infolge der politischen Verhältnisse tritt 1848 die französische Sektion zurück. 1856 stirbt Braun. An seine Stelle tritt neben Henzen Brunn. 1858 erneute preußische Staatsunterstützung, durch die -die regelmäßige Entsendung von Stipendiaten möglich wird. 1865 verläßt Brunn Rom. An seine Stelle tritt Helbing. 1867 sterben Gerhard und der Herzog von Luynes. Am 2. März 1871 wird das Institut Preußische Staatsanftalt, am 9. Juni 1873 Deuffche Reichsanstalt. Am 9. Dezember 1877 wird der Neubau auf dem Kapitol eingeweiht.
Aus demUochbuch besflpidus
Von K. Welz.
Wie wir kürzlich berichteten, haben die Forschungen des Münchener Gelehrten Fr. Vollmer zu dem Ergebnis geführt, daß das lateinische Kochbuch des Apicius wahr- scheinlich der alten Klosterbibliothek in Fulda zu verdanken ist. Ein Italiener hat hier im 15. Jahrhundert I die alte Handschrift gefunden und nach Italien, mitgenommen, wo sie dann in mehreren Abschriften verbreitet wurde. Vollmer selbst hat 1922 zusammen mit dem Italiener Giarratino eine neue, sehr sorgfältige lateinische Textausgabe in Leipzig erscheinen lassen, seine Heber« setzung ins Deutsche ist dis jetzt nicht veröffentlicht. Wenn wir daher im folgenden deutsche Rezepte des Apicius Mitteilen, so muß gesagt werden, daß sie der Uebersetzung von Richard Gollmer, Breslau und Leipzig 1909 entnommen sind,' bet ersten und bis jetzt einzigen deutschen lieber« setzung des wegen seiner vielen Fachausdrücke schwierigen lateinischen Textes.
Die Beschäftigung mit dem kultur-historisch interessanten Stoffe hat den Uebersetzer veranlaßt, in einer Einleitung mancherlei Merkwürdiges über die Kochkunst früherer Zeiten zusammenzustellen. Am meisten muß man sich über die vielen Saucen und den gewaltigen Verbrauch von Gewürzen aller Art, besonders Pfeffer, verwundern. Um eine Vorstellung von dem mannigfachen Jnhatt zu geben, will ich einige Rezepte des Apicius, die beliebig herausgegriffen sind, hier abdrucken. Jedenfalls muß dieser Feinschmecker und Schlemmer einen beneidenswert guten Magen gehabt haben, wenn et so etwas aus halten konnte.
Rezepte für Appetit-Reizungen.
Drossel-Ragout. Zerschneide weiße Rüben, frischen Lauch, Sellerieknollen, brühe davon einige Kochlöffel voll. Dann koche Hühnerhälse und zerschnittene Drosseln wie üblich, gib dies Fleisch in eine Kasserolle, lege einige Makvenblätter darüber und schütte die zerkleineren Gemüse dazu. Hierauf lasse man einige Koch- । löffel kleingeschnittene Danw- kus-Pflaum en und zerschnit- i tene Bratwürstchen mit Fischlake, Oel, Wein auskorhen. ' Wenn cs gekocht hat, verreibe Pfeffer, Liebstöckel, Jr.grmr und ein wenig Bertram, gib es in die Kasserolle und lasse wieder aufkochen. Dann gib mehrere oerklopfte Eier und was etwa noch vom Saft im Retbstein übrig geblieben ist, hinzu und lasse das Gericht dick werden. Folgende Sauce mache dazu: Verreibe Peffer und Liebstöckel mit Fischlake und Wein, gib etwas Mehl oder süßen Wein und Oel dazu, lasse durchkochen uird binde die Sauce mit Schwitzmehl. Dann gib sie über das Ragout, streue a-uch Pfeffer darüber, stelle die Schüssel ‘auf eine Servierplatte
8 und trage sie fo auf. (Nr. 186.)
Gefülltie SürKiffte. Man schneide vorsichtig aus den kleinen Kürbissen der Länge nach eine Spalte heraus, höhle sie durch die enfftandene Oeffnung aus und stelle die Kürbisse auf Eis ein wenig kühl. Nun mache man folgende Füllung: Verreibe zunächst Pfeffer, Liebstöckel, Majoran, Fischlake, gekochte Schweinehirne und oerklopfe acht Eier innig zu einer einheitlichen Masse. Mit dieser fülle man die nicht ganz weich gekochten Kürbisse und setze die ausgeschnittene Scheibe wieder ein, sie dadurch schließend; dann koche man die Kürbisse gar und lasse sie erkalten. Pikante Weinsauce dazu: Verreibe Pfeffer, Liebstöckel mit Wein, Fischlake, eingedicktem Most und etwas Oel. Dies taffe man gut durchkochen, binde es mit Schwitzmehl und streue Pfeffer darüber. (Nr. 188.)
Gebratenes Schweinefleisch. Bestreue das rohe Fleisch reichlich mit Salz, brate es im Ofen und serviere es mit Honig. (Nr. 267.)
Schweinekamm brühe ab" und gib >E Pfeffer, Gewürz, Honig, Lake in einen) Zopf, worin du ihn gar« kochen läßt. Du kannst Schweinekamm auch ohne diese Zutaten nur mit Salz braten und reichst dann das Bratenfett als warme Sauce. (Nr. 271.)
Im ganzen sind es so 428 längere oder kürzere Rezepte in 10 Büchern, deren lateinischer Text freilich nur knappe 80 Seiten füllt. Der gesamte Stoff ist nach inhaltlicher Zusammerrgehörigkett geordnet, so handelt Buch 3 von den Kräutern, Buch 5 von den Gemüsen, 6 vom Geflügel, 8 von den Vierfüßlern und 10 von den Fischm. Um auch dem Vegetarier ehren Begriff von der wache zu geben, feien noch einige derartige Rezepte ab gedruckt.
Linfenfuppe mit Kastanien. Zunächst lasse Linsen in Salzwasser kochen. Dann schäle und verreibe Maronen sehr gut und setze sie mit etwas Natron aufs Feuer. Während sie kochen, verreibe Pfeffer, Kümmel, sowie Samen von Koriander, Raute, Minze, Flöhkraut, Asant gut mit Essig, Honig und Fischlake, schütte diese Flüssigkeit zu den Kastanien, laffe sie weich kochen, nimm sie bann heraus, zerstampfe sie im Mörser, lasse bett Brei mit den Linsen kochen und schmecke die Suppe gut ab. Fehlt etwas von Gewürzen, so gib es nachtrig- lich hinein und füge, bevor die Terrine gefüllt wird, frisches Oel hinzu. (Nr. 194.)
Honig auf feine Güte zu prüfen. Tauche einen Stengel Alant in den Honig und zünde ihn an: ist der Honig nicht verdorben, fo bremst die Flamme hell. (Nr 18.)
Um kydonische Aepfel (Quitten) lange zu halten, nimm sie mit Fruchtzweig und Blättern ab, lege sie In ein Gefäß und übergieße sie mit Honig nebst abgekochtem Most. (21.)
Schneidebohnen. Grüne Baja-Bohnen schnitzle ganz fein und koche sie mit Raute, Sellerieblätter, Lauch, Effig, Oel, Salzlake, Most und etwas eingekochtem Wein. (Nr. 212.)
Schön grüne Gemüse erhall man, wenn man beim Kochen Natron hinzugibt. (68.)
Schon bei diesen wenigen Proben gewinnt man den Eindruck, es mit Zusammenstellungen zu tun zu haben, die lange Erfahrung und eme umfangreiche Literatur voraussetzen. In der Tat hat es bereits vor Apicius zahlreiche griechische Kochbücher gegeben, die indessen bis auf ganz geringe Reste (Zitate bei späteren Schriftstellern) verloren gegangen sind.
Ein Beispiel ihrer prakttschen Anwendung tft uns freilich in ganzem Umfang erhalten, das bekannte Gastmahl des Trimalchio von Petronius, in dem ein ungebildeter, reich gewordener Protz und fein raffinierter Tafelluxus verspottet werden. Das Tollste fft wohl die Geschichte von dem gewalttgen, gebratenen Eber mit Ferkeln aus Kuchen. Heich, aus dessen Bauch beim ersten Schnitt seltsamerweise lebende Droffeln herausfliegen, die sogleich wieder eingefangen werden, während aus dem Bauche eines anderen gebratenen Schweines die ausgesuchtesten Würste hevausfallen.
Von welcher Bedeutung auch für unser Vaterland Re antike Kochkunst geworden ist, fällt am meisten in die Augen, wenn man die zahlreichen, heute in jeder Küche verwendeten Produkte betradytet, deren lateinischer Name den deutlichsten Beweis Syrer Herkunft liefert. Eine Zu- fammenstellung der häufigsten findet sich bei Wohlrab- Gamer, die altklassische Welt S. 148. Es sind die etwa: coguere Kochen, coquirra Küche, cifta Kiste, corbis Korb, bicus Tisch, faccus Sack, caupo (Wirt) Kaufmann, cor- iex Kork, vinmn Wein, acetum Effig, sapa Saft, traiecto« rium Trichter, cerafus Kirsche, prtmunt Pflaume, pirum Birne, malum Persicum Pfirsich, cncurbita Kürbis, cautis colis Kohl, lens Linse, rabtr Rettich Radieschen, menta (Pfeffechnnnze, cumimun Kümmel, finapi Senf, piper Pfeffer, petrofelinon Peterfille, laurus Lorbeer, caseus Käse, pavo Pfau, phasianus Fasan, scutella Schüssel, sca- millus Schemel zum Sitzen beim Esten.
Zum Schluß sei eine Stelle angeführt aus Seiler, die Entwicklung der deuffchen Kultur im Spiegel des deutschen Lehnworts 1. Band 1913, S. 217, die anschaulich den liebergang darstellt: „Die allen Germanen hatten, wie alle primiüoen Völker nur einen einfachen, groben Geschmack. Sie legten mehr Gewicht auf Quantität als auf die Abwechslung und Zubereitung. Das wurde nun anders. Die germanischen Füfften und Edlen lernten in den römisch-gallischen Villen und Klöstern die raffinierte römische Kochkunst kennen und führten sie in ihren Haushalt ein, um sich die Freuden der Tafel zu erhöhen. Zu diesem Zwecke mußten durchgreifende Aenderungen in der Hauswirtschaft getroffen werden. Bisher war man gewöhnt, die Speisen auf der Feuerstätte im Wohn raum des Hauses zu bereiten. In den besseren römischen Haus- baltungen und in den Klöstern war dagegen für die Bereitung der Speisen ein eigener Raum, nicht selten sogar ein besonderes Nebengebäude für die Bereitung der Speisen bestimmt, die hier mit ganz anderer Sorgfalt und unter Benutzung weit zahlreicherer Geräte oorgenommen werden konnte, als in dem allgemeinen Wohnraunre. Diese Einrichtung übernahmen die vornehmen germanischen Haushaltungen zugleich mit der Besitzergreifung der römischen Häuser und Dillen."
Wie also das älteste Kochbuch, der lateinische Apicius, Fulda verdankt wird, so verdanken wir alle die Bekanntschaft mit den Erzeugnissen der Kochkunst in erster Linie mehr oder weniger den allen Römern.
Wer sich für die weitere Ausgestaltung der Kochkunst und den Tafelluxus im Mittelalter, in Frankreich, Eng- land, Italien unb Deutschland vom 16. bis zum 19. Jahr, hundert interessiert, der sei auf Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms 2. Band 1920, S. 293—305 verwiesen.
3m Wartesaal.
Von Hugo Reiße.
Ein verregneter Novemberabend.
Nach eintöniger Bahnfahrt zwei Stunden Aufenthalt im Wartesaal einer kleinen Zwischenstation.
Stimmengewirr, Tabaksqualm, Bierdunst
Zwei Stunden!
„D Königin, das Leben ist doch schön!", heißt glaube ich, irgendwo in Don Carlos.
Bor mir ein paar Zeitungen.
Neben mir zwei Damen und ein Herr.
Die eine Dame sehr gesprächig.
Mechanisch, uninteressiert überfliegt mein Auge den Zeitungsinhalt, hört mein Ohr zwischendurch unfreiwillig Telle aus der Rede der gesprächigen Dame.
In edlem Wettstreit bemühen sich Dame unb Zeitung, mir Neuigkeiten zu vermitteln.
Die Zeitung: Die Entdeckung hervorragender Batterien, ein gewaltiger Fortschritt der Wissenschaft.
Die Same: Die haben gute Spieler gefunden im Stadttheater.
Die Zeitung: Mikroskopisch wahrnehmbar . . . Blutflüssigkeit . . . Substanzen . . . dunkles Gebiet . . , rationelle Therapie . . .
Die Same: Ich möchie auch gern eine Zwiebel dran haben und ein Gürkchen.
Sie Zeitung: Musik für Pferde ... Das erste Pferd: Sarf ich bitten? Das zweite: Sie befehlen, gnädige Frau?
Die Same: Ins Kaiferkaffee? Da geh ich lieber gat nicht rein!
Die Zeitung: Sonderbar, wie viele Arten von Musis es gibt und wie ermüdend sie alle sind!
Die Same: Ich komme keine Nacht vor 1 Uhr ins Bett.
Die Zeitung: Der Wert des Mannes ist verschieden.
Die Same: Su Fritz, der Ludwig hat Wein gekauft und eine Vase zur Verlobung, ein Prachtstück.
Die Zeitung: Keine Marskanäle . . . optische Täuschungen . . . verschwunden.
Die Same: Die Vase bleibt stehen, nicht?
Die Zeitung: Weihnachtsfreude! Klavierspiel ohne Noten!
Die Dame: Das Zeug ist so fett.
Die Zeitung: Was ist Radio? . . . Primärkreis . . , Schwingungen . . .
Die Dame: Nur Geld verdienen! Ist die Hauptsache!
Die Zeitung: . . . geboren unter dem erhabenen Gestirn, in dessen Zeichen die unsterblichen Komödianten stehen, deren bloßes Dasein Glück und Gnade ist .. .
Die Dame: Kommen trockene Blumen rein?
Zwei Stunden!
O Königin, das Leben ist doch schön!
Aus aller Welt.
— Impfungen bei Itafurnölfem. Die Frage der Impfung der Eingeborenen Afrikas steht jetzt infolge der Derbrettung der Schlafkrankheit wieder int Vordergründe des allgemeinen Interesses. Der Nutzen des Impfens als Schutzmittel gegen Verbreitung von Seuchen ist schon bei den Völkern des Altertums erkannt worden. Die Inder insbesondere übten die Schutzimpfung gegen Pocken vor vielen Jahrhundetten aus. Die Naturvölker nahmen, entsprechend ihrem Glauben an Wunder, Zauber U'di Geister, ganz feltfame Impfungen zum Schutze gegen Krankheiten vor. So glaubten die amerikanischen Naturvölker, daß der in den Menschen gefahrene Dämon durch Gegenzauber oertrieben und damit die Krankheft unwirksam gemacht wird. Die Prozedur des „Gegenzaubers" wurde von dem in fantastischer Vermummung auftreten, den Medizinmann vorgenommen, dem es auch oblag, ins Blut gedrungene Fremdkörper auszusaugen Allerdings ließ sich der in hohem Ansehen stehende Medizinmann diese Tätigkett auch gut bezahlen. So erhielt bei den Navojo-Indtanern in Arizona ein Medizinmann für eine Lepraimpfung als Honorar einen ganzen Troß Pferde, unb reichliche Verpflegung. Auch viele Schutzmaßnahmen, die in der modernen Heilkunde angewandt werden, kannten berste die Naturvölker: so die Absperrung der Wohnsitze der Behafteten und ihre lleberbringung in besonderen Baracken. Sie Chinesen führten die Impfung im 11. Jahrhundert ein. Ser Impfakt wurde bei ihnen in der Weise vorgenommen, daß die trockene Kruste einer Pockeupustel zu Pulver gerieben und vermittels eines Röhrens in die Nase geblasen wurde. Merkwürdiger- weise war dabei vor geschrieben, daß es bei dem weiblichen Geschlecht in. das linke, dem männlichen ins rechte Nasenloch eingeführt werden mußte. Schließlich sei noch erwähnt, daß die allen Germanen auf besondere Art sich gegen Seuchen unempfindlich zu machen glaubten. Die bedrohten Stammesangehörigen mußten Steine oder bestimmte Kräuter mit sich Herumtragen unb galten bann gegen Ansteckung gefeit.
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