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■ i Fuldaer Zeitung ■ ■ «■■■■■■■■■■■■■■■■eeeweee■ ■ I Eine traurige Kulturfcan# I Erinnerung.
Die .^rierische Landeszeitung" veröffentllcht eine be- «chtenswerte Erinnerung aus der Kulturkampfzeit. Ein Augenzeuge ruft dort folgenden lehrreichen Vorgang in das Gedächtnis der allzu vergeßlichen Mitwelt zurück:
Am Allecheiligentag sind 50 Jahre verflogen, seitdem sich m der Trierer Liebfrauenkirche ein Er- eignis abgespielt hat, das für die Augenzeugen unvergeßlich bleiben wird. Am Allerheiligenfest (1. November) 1874 wurde der damalige Kaplan an 11. L. Frauen und St Laurentius, Herr Schneiders, wegen „maigesetzwidriger Amtshandlungen" (Messelesen, Sakramentespenden usw.) in der Liebfrauenkirche vom Hochaltar weg durch ein großes Aufgebot von Polizei und Oenbarmen verhaftet und in das Gefängnis, „hinter dem Dom", abgeführt.
Nachdem Kaplan Schneiders wegen „maigesetzwidriger Amtshandlungen" wiederholt bestraft worden war und eine Gefängnisstrafe von acht Monaten verbüßt hatte, wurde er am 23. Oktober auf dem Wege nach der Christenlehre wieder verhaftet und über die Grenze des Regierungsbezirks Trier nach Lutzerach transportiert Zwei Tag« später, am Sonntag, 25. Oktober, traf er wieder hier ein und hielt um 9 Uhr das Hochamt. In einem Schreiben hatte er der königlichen Regierung mitgeteilt, daß er seinen Posten als Kaplan an der Liebfrauen- vrche, wohin ihn sein Bischof berufen, wieder eingenommen habe. Nach dem Hochamt war er verschwunden und man konnte des „Verbrechers" nicht habhaft werden. Anders acht Tage später, am Werheiligenfest. Zu Beginn des Hauptgottesdienstes schritten die Metzdiener an den Hochaltar. Daselbst trat, mit den priesterlichen Gewändern bekleidet Kaplan Schneiders hinter dem Altar hervor in ihre Mitte, worauf das feierliche Hochamt begann. Nach dem Evangelium ging eine große Bewegung durch die Gläubigenschar. Von der linken (Sa- kristei)-Seite dringen drei Gendarmen, die Polizeikommissare Schneider und Weihrauch, denen sich später noch einige Polizisten zugesellten, teilweise mit Helm und Mütze in die Kirche und suchten sich dem Altar zu nähern. Da die Gläubigen befürchteten, man werde den Kaplan während des heiligen Opfers am Altar verhaften, verließen sie die Bänke und stellten sich vor dem Chor auf. Schon vor und nach der heil. Wandlung herrschte eine ungeheure Aufregung. Die Orgel war "verstummt. In derselben Weise, wie die Gendarmen und PoÜzisten gegen den War vorrückten, rückte auch die Volksmenge vor und bildete so vor der Kommunion- ■ bank und dem Altar eine lebendige Mauer. Plötzllch
stürzte die herrliche Kommunionbank, ein Meisterwerk aus weißem und schwarzem Marmor, in Trümmer. Eine | ungeheure Aufregung bemächtigte sich der Menge. Wei
nen und Wehklagen, Rufe „Hinaus mit der Polizei, hier ist ein Gotteshaus, hier kommt ihr nicht durch", tönten aus der Menge. Trotz des furchtbaren Tumultes und der Aufregung konnte der verfolgte Priester das hell. Meßopfer zu Ende führen. Als der Gottesdienst beendet war, begaben sich die Meßdiener nach der Sakristei, während Kaplan Schneiders auf der rechten Ak- tarseite die priesterlichen Gewänder ablegte und, oben auf dem Altar stehend, der Dinge wartete, die da kom- men sollten, während die Menge bis zum War hinaus den Priester zu schützen suchte. Plötzlich zog der Polizei- kommisiar Weihrauch feinen Säbel, welchem Beispiel die übrigen Poüzeibeamten folgten. Die Gendarmen standen schon mit der blanken Waffe in bei Hand da. -Durch die dichtgedrängte Menge mit der Waffe in der Hand stürmte dann Polizeikvnnnifsar Weih- • rauch die Stufen des Altars hinauf und riß den Kaplan mit den Worten: „Sie find verhaftet!" die Stufen des Altars hinunter. Mit den Waffen in der
1 Hand, die Helme auf dem Kopf, die Schuppenketten imterm Kinn, in ihrer Mitte Kaplan Schneiders, führten sie diesen durch die Kirche über den Domfrechof, die Windstrahe dem Gefängnis zu. Die Straßen in der Nähe des Gefängnisses wurden durch Soldaten sofort abgefperrt. Die Liebftauenkirche wurde geschlosien.
3m Lause des Tages wurden dann Bäckermeister Streng, Kaufmann Peter Marx, Schieferdecker Albrecht, Drechslermeister Loch und Fräulein Herrig (eine Nichte des Domvikars Herrig) wegen Widerstandsleistung verhaftet und später von dem Schwurgericht in Saarbrücken, wohin die Verhafteten verwiesen wurden, zum Teil zu längerer und kürzerer Freiheitsstrafe verurteilt. Pastor Ckassen von St. Laurentius wurde, weil er feinen gesperrten Kaplan in der Kirche hatte amtieren lassen, und wegen falscher Anzeige gegen die Polizeibeamten, die am 1. November bei dem Tumult in der Webfrauenkirche eingeschritten waren, zu einem Monat Gefängnis
Zur Unte
verurteilt. Später wurde er vom Gerichtshof für kirch- lichs Angelegenheiten als Pfarrer von Liebfraurn abgefetzt und nach Verbüßung von 12—13 Monaten Gesang- nis ausgewiesen. Als er später, durch die Verhältnisse gezwungen, auf die Pfarrei St. Laurentius verzichten mußte, wurde er zum Pfarrer an der St. Laurentius- kirche in Saarburg an der Saar berufen, wo er vor einigen Jahren gestorben ist, von seinen alten Pfarr- kindern in dankbarem Andenken behalten.
Kaplan Schneiders verbüßte «eitere 9 Monate Gefängnis für die Kirche in Gemeinschaft mit dem Bekennerbischof Eberhard und vielen anderen treuen Priestern. Dann wurde er von einem starken Polizeiaufgebot durch die Stadt nach dem alten Bahnhof auf der linken Moselseite geführt, per Dahn über die Grenze nach Wasierbillig gebracht und dort freigelassen. Tausende der Pfarrkinder und sonstige Freunde besuchten den Verbannten daselbst und dankten ihm für seinen Opfermut. Später trat Kaplan Schneiders in den Franziskanerorden ein und wurde ein eifriger Mifflons- prediger. Auf einer Missionsreise in der Pfarrei Longuich an der Mosel wurde Kaplan Schneiders vom Schlage getrosten und starb. Der Dank des katholischen Volkes für solche opfermutige treue Priester wird unvergeßlich sein.
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Lin barmherziger Samariter.
(Aus Mungo Park*) Dom Gambia zum Niger.)
Am nächsten Tag fiel mein Pferd, als es am Rand eines Brunnens graste, in diesen hinein. Es gelang jedoch den Einwohnern, es mit Pflanzenstricken wieder heraufzuziehen, die ein in den Brunnen hinabgelassener Mann ihm um den Leib band. Das arme Tier war indes nur noch ein Skelett, und es war bei der Beschaffenheit der teils felsigen, teils mit Schlamm bedeckten Wege unmöglich, mit ihm weiterzureisen. Ich schenkte es dem Mansa und war froh, es in den Händen eines Mannes zu wiflen, von dem ich hoffte, daß er für das Tier Sorge tragen würde. Ich bat ihn, Sattel und Zaum dem Manfa von Sibidulu zuzusenden als Dank für die Mühe, die er sich gegeben hatte, um mir Pferd und Kleider wieder zu verschaffen.
Mein Wirt beschenkte mich zum Abschied mit seinem Speer und einem Ledersack für meine Kleider. Meine zerrisienen Halbstiefel hatte ich in Sandalen verwandelt, auf denen ich viel bester marschierte. Obwohl ich mich krank fühlte, brach ich auf, um meinem Wirt nicht weiter zur Last zu fallen. Auch in den nächsten Dörfern, durch die ich kam, herrschte große Rot, und ich sah, wie alle Menschen beinahe vor Hunger vergingen. Ms ich hungernd bei starkem Regen in einer Hütte saß, erschien ein Neger, ein bedeutender Handelsmann, bei mir und brachte mir etwas Speise, versprach mir auch, mich am folgenden Tag in feinem eignen Haus zu Kinjetu aufzunehmen. Da ich mir auf dem Weg dorthin den Knöchel verletzt hatte, dieser anschwoll und sich stark entzündete, so daß ich weder ohne Schmerzen auftreten noch gehen konnte, lud mich mein Wirt gütig ein, einige Tage bei ihm zu bleiben. Am 14. konnte ich mit Hilfe eines Stabes wieder gehen und brach auf, sehr dankbar gegen meinen Wirt für seine große Sorgfalt und Aufmerksamkeit In Gesellschaft eines jungen Man- nes gelangte ich noch Djiridjcmg, besten Mansa für den mächtigsten Befehlshaber im Mandingolande gilt lieber Desita kam ich nach Mansia, einer ansehnlichen Stadt, wo auch etwas Gold gesammelt wird. Der Weg, der über einen hohen Felsenhügek ging, hatte meine Kräfte vollkommen erschöpft, und ich erreichte den Gipfel mir unter äußerster Anstrengung; der Mansa sandte mir Abmdessen, aber nicht, ohne etwas zu verlangen. Als ich ihm versicherte, daß ich gar nichts von Wert mehr besäße, sagte er gleichsam im Scherz, mein weißes Fell solle mich nicht schützen, wenn ich ihn belogen hätte. Dann zeigte er mir eine Hütte zum Uebernachtea, nahm mir aber meinen Speer weg. Dieser Umstand machte mich mißtraustch gegen den Mansa, von dem ich ohne- An nicht viel Gutes gehört hatte, und ich bat heimlich einen Eingeborenen, der Bogen und Pfeile besaß, bei mir in der Hütte zu schlafen. Um Mitternacht hörte
♦) Mungo Park, der Sohn eines schottischen Pächters, reifte 1792 im Auftrag der aftikanifchen Ge- sellschaft nach Afrika, um dieses Land vom Gambia aus zu erforschen. Cs gelang ihm, bis zum Niger vor- zustoßen und das Dunkel über Afrika, feinen hochentwickelten Handel und fein Staatswefen zu lüften. Der fesselnde Bericht „Vom Gambia zum Niger" (Alte Beifen und Abenteuer, Band 12) ist schlicht und wahr ge- schrieben. Wir bringen unfern Lesern die obige in- tereffante Textprobe mit freundlicher Genehmigung des Verlags BroWms.
ich auch jemand an die Tür kommen und sah beim Schein des Mondes einen Mann sehr vorsichtig über die Türschwelle schreiten. Ich griff sofort zum Bogen, aber das dabei entstehende Geräusch ließ den Eindringling sich sofort entfernen. Mein Eingeborener, der ihm nachsah, behauptete, es sei der Mansa selbst gewesen und riet mir, bis zum Morgen wach zu bleiben. Ich verschloß nun die Tür und stellte ein großes Stück Holz dahinter. Kurz danach drängte jemand aufs neue so hart gegen die Tür, daß der Neger sie kaum zuhalten konnte. Da ich ihm aber zurief, er solle ausmachen, entfernte sich der zudringliche Gast
Am nächsten Morgen ließ ich mir meinen Speer durch den Neger vom Mansa holen. Er sagte mir, der Mansa schliefe noch, imd so brach ich sofort auf, ehe er erwachte, damit dieser unfreundliche Mann nicht ein Mittel fände, mich zurückzuhalten.
Gegen 2 Uhr tarn ich nach Kamalia, deren Einwohner Gold in großer Menge sammeln. Die Buschrins wohnen hier abgesondert von den Kafiren und haben auch einen eignen mit Baumstämmen eingefaßten viereckigen geebneten Platz, auf dem sie ihre Andachten verrichten und den sie Missura oder Moschee nennen. Nach Osten hat dieser Platz einen kleinen Dorsprung, wo der Marabu oder Priester steht, wenn er das Volk zum Gebet ruft.
Einer von den Buschrins namens Karfa Tara, ein Bruder von dem, besten Gastfreundschaft mir m Kinjetu so wohlgetan hatte, nahm mich bei sich auf. Er saß bei meiner Ankunft in seinem Baluhu mit mehreren Slatis, die einen von ihm gekauften Zug Sklaven nach der Regenzeit zum Gambia bringen sollten, und las ihnen etwas ans feinem arabstchen Buch vor. Er fragte lächelnd, ob ich es verstände, und bat, als ich es verneinte, einen von den Slatis, doch das kleine wunder- liche Buch herbeizuholen, welches aus dem Westen hier- hergebracht fei. Ich öffnete es und war erfreut, das gewöhnliche englische Liturgienbuch in der Hand zu haben. Karfa freute sich sehr, daß ich darin lesen konnte, denn einige von den Slatis, welche an der Küste Europäer gesehen hatten, wollten, als sie meine von der Krankheit gelb gewordene Haut, meinen langen Bart, meine zerrisienen Kleider und mein armseliges Aeußere mit dem Aussehen dieser verglichen, nicht zugeben, daß ich ein Weißer sei, sondern hatten zu Karfa gesagt, sie hielten mich für einen verkleideten Araber. Meine Lese- feriigfett zerstreute nun seine Zweifel, und er sagte mir gütig jeden Beistand zu, den er mir würde leisten können. Er riet mir, bei ihm zu bleiben, bis er selbst, sobald die Flusse passierbar und das Gras abgebrannt sei, mit einer Karawane nach Gambia ginge, und mich ihm dann anzuschließen. Für einen einzelnen Weißen sei der Weg durch die Djallonkawildnis ein unverantwortliches Wagnis. Ich gab das gern zu, machte ihn aber darauf aufmerkfmn, daß ich gänzlich mittellos fei. Darauf bot mir Karfa an, wenn ich die landesübliche Kost »ertragen könne, bis nach dem Ende der Regenzeit bei ihm zu bleiben. Er wolle mir während dieser Zeit Lebensrnittel genug und auch eine Hütte zum Nacht- quartier geben. Hätte er mich dann sicher an den Gambia gebracht könne ich ihm geben, was ich für gut hielte. Ich fragte, ob der Wert eines Sklaven erster Güte ihm genug wäre, und er antwortete bejahend, ließ auch gleich eine Hütte für mich zurechtmachen.
Ich fand in der Hütte einen Mann, einen irdenen WasterkrUg und eine kleine Trinkkalabasie. Karfa schickte mir aus seiner Wohnung täglich zweimal zu essen und befahl seinen Sklaven, mich mit Brennholz und Wasser zu versorgen. Aber weder Karfas Güte noch die Bequemlichkeit, die ich genoß, vermochten dem Fieber Ein- hatt zu tun, das mich von Tag zu Tag mehr besnruhigte. Ich verbarg meine Krankheit nach Möglichkeit, aber als ich am brüten Tag nach meiner Ankunft mit Karfa einige feiner Freunde besuchen wollte, befiel mich unterwegs ein Schwächeanfall, ich wankte und fiel in eine Grube, aus der man Lehm zum Bau einer Hütte geholt hatte. Karfa warnte mich, ins Feuchte zu gehen, und riet mir, meine Hütte nicht zu verkästen. Aber noch fünf Wochen wurde ich vom Fieber gequält und war sehr krank. Selten besuchte mich jemand mit Ausnahme meines gütigen Wirtes, der sich täglich nach meinem Befinden erkundigte, und ich brachte die ewig langen Tage allein und traurig zu. Erst als der Regen nachließ und das Land trocken wurden verließ mich das Fieber. Aber ich war noch fo schwach, daß ich nur mit Mühe meine Matte unter einen in der Nähe meiner Hütte stehenden Tamarinenbaum tragen konnte, um den erquickenden Duft der Kornfelder zu genießen und meine Augen am Anblick der Gegend zu weiden. Endlich hatte ich aber doch die Freude, zv sehen, wie ich genas, wozu die ein- fache Lebensart und das Lesen in Karfas kleinem Buche nicht wenig beitrug.
Nr. 259 vom 6. Nov. 1924. |
Aus aller wett.
— Die Katar im November. Als Uebergangszett vom Herbst zum Winter zeigt sich der November (wie alle Uedergangszeiten) von der schlechtesten Seite. Cs herrscht regnerisches, unangenehmes Wetter und fo schleppen sich die Tage und Wochen durch den ganzen Monat, nur selten unterbrochen von hellen, sonnigen Stunden. Hat der Oktober noch mit der Entlaubung der Bäume gezögert, so schafft der November um so nachdrücklicher; die meisten Bäume stehen nackt und kahl, laublos starren die Aeste gen Himmel. Nur die „Immergrünen" widerstehen und geben nächst den Nadelhölzern der Natur eine anheimelnde Färbung und der eintönigen Landschaft eine angenehme Unterbrechung. Die Beeren und Früchte sind als willkommene Beute der Vögel fast ganz verschwunden. Einsam liegen jetzt Wald und Flur, denn bei dem häßlichen Wetter beschränkt sich das Leben von Säugetier und Bogel (die niedere Tier- weit ist so gut wie ganz verschwunden) auf das aller- notwendigste, und wenn nicht nordische gefieberte Gäste einträfen, wären außer Krähen, Rebhühnern, Meisen,. Zaunkönigen, Goldammern, Grünlingen, Finken, Kreuz- schnäbeln nur wenig Vogel zu sehen. Die Vierfüßler sind noch weniger bemerkbar; es ist Jagdzeit, da weicht dem Menschen alles aus, was ihn zu fürchten hat, und nur der Zufall oder List bringen ein od-w das ander» vor Gesicht, ober die Treibjagb vor b- 'hr.
heileres.
Frauenlogik. „Liebste Frau Müller, bitte, leihen Sie mir doch Ihren neuen Hut für heute nachmittag?" — „Beste Frau Schulz, ich will ihn doch selbst aufsetzen. — „Aber, bei dem schlechten Wetter werden Sie doch nicht den feinen Hut tragen!" *' ' '' " "
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Iteue Geographie. Lehrer: „Wo fliegt Dresden?" - Schüler: „Links von meinem Papa! — Lehrer: „Wie kommst du darauf?" — Schüler: „Papa sagt immer, et läßt auf seinen Reisen Dresden links liegens" —
kunstsinnig. Eine Dame, die zu spät in das Konzert kommt, fragt den Türschließer: „Was wird jetzt gespielt?" — „Die vierte Sinfonie, meine Dame." — „Schon die vierte? Ach, ich glaubte nicht, daß ich so spät gekommen wäre."
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Mißverständnis. Die zehnjährige Hilde sah tn einem illustrierten Blatt das Blld eines Dichters. Auf einmal fragte sie ihren Vater, ob denn der Dichter gestorben sei. Auf dessen erstaunte Frage, wie sie denn darauf komme, erwiderte sie: Unter dem Bilde steht ja „Nach dem Lehen gezeichnet". Also muß er doch tot sein. .
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Äisabe Nasmus.
Novelle von Felix Neumann.
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„Nein — nein, Herr Temmler, mein Entschluß ist unumstößlich. Wir werden noch abwarten, wie sich die Angelegenheit meines unglücklichen Bruders entwickelt und dann — als Geächtete in die Ferne ziehen, wo uns niemand kennt, wo wir sicher sind vor dem vernichtenden Urteil der Welt." Sie hatte nun jede Schwäche des Augen- blicks, die sie übermannte, überwunden und war wieder die stolze Dulderin, die alles mit Fasfimg zu tragen weiß. Semmler, der einfache, schlichte Mann, war rote vor den Kopf geschlagen. Cr vermochte Jlfabes Gedanken nur zum Teil zu folgen, denn er begriff nicht, warum sie seine Hilfe ablehnte, nachdem sie ihre Liebe frei m b offen bekannte. Er stammelte: „Das ist Ihr Ernst, das ist wirklich Ihr voller Gruft?" Noch vor wenigen Augen- kckicken glaubte er sich dem Ziel, das er fo heiß erprobte, nah, und mm sollle alles aus fern, alles! — Ganz gebrochen stand er da und murmelte nur: „Wie können Sie so sprechen?" Jlsabe aber trat näher und suchte ihn zu berühren.
„Das Schicksal ist starker als wir. Sie werden ein- sehen, daß es nicht anders geht. Quälen wir beide uns nicht länger. Ich darf kein Opfer von Ihnen annehmen, das über Ihre Kraft geht. Warten wir — vielleicht wendet sich noch olles zum Guten."
®te seufzte schwer. Zu glauben vermochte sie nicht daran, aber an welche dünnen Fäden knüpft nicht oft der Mensch seine ZuHmstswünsche und erwartet, daß sie trotz des Sturmes halten sollen, der das Leben durch- brauft.
Zu anderen Zeiten hätte sich Ilsab'e Rasnms niemals trügerischen Hoffnungen hmgegeben, aller ihre Festigkeit war «fckftittert, sie fühlte, daß sie ovr Ereignissen stand, deren Lösung wett über die Leistungsfähigkeit chrer zar- fen Hände hinaus ging und — sie begann auf Wunder zu warten, von denen sie wußte, daß sie nie in Erfüllung gehen würden. Semmler blickte sie an.
„Darf ich wenigstens die Hoffnung hegen, daß mir istelleicht eine glücklichere Zukunst in den Schoß wirft, was Mr die mißgünstige Gegenwart versagt?" Da legte sie
Hand auf feine Schulter, leicht und doch liebevoll.
Zwischen uns sicht bfe Tat meines Bruders. Ehe da rckcht Klarheit geschaffen wurde, kann ich Ihnen nichts versprechen, und nun nochmals innigen Dank!"
Ihre Stimme Bang weich und rührend. „Immer werde ich dieser Stunde gedenken, sie war zugleich die schönste und schwerste meines Lebens. So reichen sich oft höchstes Glück und tiefstes Leid die Hand."
Er ergriff ihre Rechte und führte sie an die Lippen.
„Also später, Fräulein Jlsabe —?"
„Ich wage nichts mehr zu hoffen."
Sie sprach es im Tone vollster Mutlosigkeit unb ließ das Haupt {intern. Da ertönten auf dem Flur Schritte und sie fuhr erschreckt zusammen.
Drunten km Arbeitszimmer Rödenbecks spielte sich indeflen eine erschütternde Szene ab. Willenberg hatte vor einiger Zeit rnen Privatdetekio mit der schwierigen Aufgabe betraut, dem Dieb nachzuspüren, der die Tageskasse um erhebliche Summen erleichterte.
Am heutigen Tage mm hatte sich der Ring der Be- roetsfüfp-ung so dicht um Georg Rasmus geschloffen, daß es gelungen war, den jungen, leichtfertigen Menschen zum Geständnis zu zwingen. In Rödenbecks Gegenwart war btes geschehen, sonst ahnte im ganzen, Hause noch niemand etwas von dem Ereignis.
Unter dem Einfluß der beiden Männer, die ihm ernst, aber liebevoll zusprachen, erwachte Georg aus demTraum, der ihn im Banne gehalten haste. In grausamer Rüch- ternhett sah er plötzlich das Leben ovr fich, und er erkannte, daß hie Schande ihre knöcherne Hand nach ihm ausstreckle.
Eine ganze Weile bauerte es, bis der Jüngling seine Fasiung soweit wiedergewann, daß es Rödenbeck wagen konnte, den Sünder hinaufzuführen, um ihn der Schwester gegenüberzustellen. Cs gab da noch manches aufzu- klären, Dinge vielleicht an den Tag zu bringen, die die Angelegenheit in einem milderen Lichte zeigten. !Wan wühle ja im Geschäft, in wie dürftigen Verhältnissen die Geschrnffter leften. Diese Klärung aber konnte nur in Gegenwart der Schwester geschehen. Schweren Schrittes stieg RödÄibeck hinter Georg die teppichbelegten Stufen zum Prioatkontor des Chefs hinauf. Der alle Wann hatte in seinem Leben schon manchen sauren Gang getan; heute kam es ihm vor, als oh er zu einer Beerdigung
hinter einem Sarge schritt, in dem das Glück einer ganzen Familie ruhte.
Einen Augenblick durchzuckte ihn der Gedanke, oh hier nkcht vielleicht etwas verheimlicht werden könne, aber dann schüttelte er das Haupt. Jkßalle Rasmus wäre schon einer solchen Tat, die gegen Treu und Glauben verstieß und ihn zum Mitschuldigen machte, wert gewesen, aber es ging nicht. Es war unmöglich; nur die Milde des Ehefs konnte das Unheil abwenden, daran aber glaubte der Buchhalter nicht.
Auf dem Treppenabsatz blieb er stehen, atmete schwer unb ergriff Georg am Arm Er starrte dem jungen Manne in das bleiche, angstverzerrte Gesicht und stieß hervor: „Ahnen Sie denn gar nicht, was Sie angerichtet haben?"
Da schluchzte Rasmus nur kurz auf, aber er antwortete nicht.
Vor dem Zimmer des Chefs horchte Rödenbeck einen Augenblick. Er vernahm Semmlers und Jlfabes Stimme und wußte, daß Willenberg noch nicht gekommen war.
Die Tür öffnete sich, und Georg stand vor feiner Schwester. Es war ein herzzerreißendes Wiedersehen. Die beiden Männer waren tief erschüttert, und in Semmler begehrte ein maßloser Zorn auf,1 der ihn fast veranlaßt hätte, dem jungen Rasmus eine Züchtigung zu erteilen. Jlsabe blieb auch in dieser Stunde die, die sie immer gewesen war. Sie umschlang den Bruder, richtete sein gesenktes Haupt empor und sagte bebend: „Georg, was tatest du der armen Mutter, was mir, was unserem ehrlichen Namen an!"
Der Bruder verharrte stumm und ftarrte nur vor sich hin, während es in seinem Antütz zuckte.
„Wo hast bu das Geld gelassen, daß du an dich nahmst?"
Cr hob die Achsel, und Semmler hörte die geflüsterten Worte: „Ich weiß nicht, wie es mir unter den Fingern zerronnen ist, die anderen haben mich dazu verkettet."
Da schrie Jffabe schmerzlich auf. „Die andern! Deine Freunde, mit denen du die Nächte durchschwärmtest. Und dir Tränen der Mutter, meine Bitten galten dir nichts?" Da brach über Georg die Verzweiflung herein.
„Ach Jlsabe — Ihr verstehet mich ja alle nicht. Was wißt ihr Frauen vom Leben, was sind denn die paar Groschen, die man in zehn Stunden am Taae ersitzt."
Und er begehrte wttd auf, schüttelte die Fäuste, drückte sie gegen die Schläfen und keuchte: Sollte mir denn alles Glück verschloffen bleiben, durften nur die anderen sich ihres Lebens freuen, ach, ihr habt mich durch eure kleinliche Pfennigfuchserei zur Verzweiflung gebracht!" Jlsabe brach in Tränen aus. Zu allem Unglück nun noch diese Vorwürfe, es war zu viel selbst für dis Kraft dieses mutigen, tapferen Mädchens. Semmler trat mit hartem Schritt an Georg heran, der erschreckt aufblickte.
„Sie sollten sich schämen, so etwas zu Ihrer Schwester zu sagen, aber freilich, andere für die eigenen FeMer verantwortlich zu machen, bas ist so bequem."
Und er wandte sich dem jungen Mädchen zu. „Sßetirn Sie nicht, Fräulein Rasmus, so ein Knabe weiß uich^ was er spricht."
2.
Lothar Wilkenberg erhob sich in seinem Rauchzimmer oom Divan. Er hatte um drei Uhr mit einigen Freunden gespeist, war bann nach Hause gefahren unb tränt bei der Lektüre ber Zeitungen und eingelaufener Privatbrisfe den Kaffee. ,
Auf dem Kaminsims schlug die Uhr im Silbergehause die vierte Stunde. Es war eigentlich Zett, daß er zum Geschäft ging, aber gerade am heutigen Tage hielten ihn noch einige Angelegenheiten auf, die erledigt werden mußten. Auch hatte bas Mittagsmahl länger als sonst gedauert, denn Lothar Willenberg erhielt unmittelbar vor. her ein Amtsschreiben, das ihm seine Ernennung zum schwedischen Konsul anzeigte.
Man feierte das Ereignis em wenig, und Senator Jensen, der als Junggeselle dem täglichen Mtttagsttsch im Hotel Kaiserhof beizuwohnen pflegte, erhob das Glas, zwinkerte mit den Augen und sagte: „So, Willenberg, bett Konsul haben Sie m der Tasche, nun wollen wir einmal auf den künftigen Senator anstoßen."
Es war kein Geheimnis in der Stadt, daß Lothar Dillenberg, ber reichste Kaufherr, zu ben erfolgreichsten Anwärtern auf einen freiwerdenden Senatorpostm ge- hörie.
Man war überzeugt, daß dieser tüchtige Mann mit' der gewaltigen Arbeitskraft und dem vornehmen auftreten eine Zierde bes Senats werden würde.
(Fortsetzung folgt.)