■ Z^Zuldaer Zeitung
Eine ave Beschreibung der yessenlanber.
Don Dr. K. Welz.
Gustav Freytag erzählt im 3. Bande der Bilder aus der deutschen Vergangenheit von den abenteuerlichen und wechselvollen Schicksalen, die unser deutsches Dater- ■fcjtfc und seine Bewohner während der langen Dauer Md durch die Derwüstungen des dreißigjährigen Krieges getroffen haben. Aber er vergißt nicht (S. 215 der gesammelten Werke) auch auf die Reiselust hinzuweifen, bfe als ccktererbter Zug den Deutschen aus der Heimat ßgrt und tu fremde Länder hinaus trieb. Mancher ®orbe wohl auch durch die Wechselfälle des Krieges an den Wanderstab gebracht, der sonst gern auf seiner Heimatscholle fitzen geblieben wäre.
So ist es teils erklärlich, teils wegen der schwierigen Sriegszeiten erstaunlich, daß gerade damals ein großes Werk erscheinen konnte, das sich zur Aufgabe machte, in Wort und Bild dem Leser seine nähere und weitere Heimat vorzuführen. Den Text dieser, seit 1640 in Mranksurt herausgegebenen Topographien" verdanken wir der Feder Martin Zeillers, die Abbildungen lieferte der Kupferstecher Matthaus Merian 6er Aeltere (geboren 1593 in Bafel, gestorben 1650 in Schmalbach). Nach des testeten Tode wurde das Werk fortgesetzt und brachte «S bis zum Fahre 1688 auf 30 Bände und mehr als ?000 Kupferstiche. Wenn darin, besonders in dem textlichen Teil, vieles durchaus verastet ist, so enthält es doch einen solchen Schatz alter Ueberlieferung über unsere Vorfahren, daß sich seine große Beliebtheit und Verbreitung in früherer Zeit leicht erklärt. Gute Ausgaben btefes alten Werkes waren mit der Zeit begreiflicherweise sehr selten geworden, und so ist es im Jnterefle aller Freunde der Heimatkunde sehr zu begrüßen, daß sich der Frankfurter Kunstverein entschlossen hat, in diesen Tagen eine bis in die kleinsten Einzelheiten genaue Facsdnile-Ausgabe des uns in erster Linie angehenden Bandes über Hessen herauszubringen. (Der Subskriptionspreis des stattlichen Bandes betrug 13 M, eine Preiserhöhung ist inzwischen eingetreten.)
An Jahre 1646, also noch während des dreißigjährigen Krieges, ist die erste Ausgabe des vorliegenden Bandes „Topographia Hasstae et regionum vicinarum, das ist Beschreibung der vornehmbsten Stätte und Plätze toi Hessen und den benachbahrten Landschaften, als Buchen, Nassau, Wetteraw, Westerwaldt, Wittgenstein, >Lohngaw (Lahngau), und andern Franckfurt durch Watt. Merian" erschienen. Titelkupfer, 96 große genau jnachgebildete Textseiten mit Vorrede, allgemeiner ge- Lhichtlicher und topographischer Darstellung des Landes, Beschreibung und Anführung von ungefähr 600 Orten, B Landkarten und 59 Kupfertafeln mit 121 Ansichten feer bedeutendsten Städte bilden ihren Inhalt. Die Landkarten stellen Oberhesien, Niederhessen und die Metterau dar in der Art der Zeit, die Berge und Wäl- feer in seitlicher Ansicht in das Kartenbtld einträgt. Der Gbwzpunkt des Werkes liegt in den Kupfern Merians, di« kunst- und kulturhistorisch wie für die Geschichte der Städte von unschätzbarem Werte sind. Geben sie doch noch eine richtige Vorstellung von dem Aussehen unserer Kädte zur Zeit ihres höchsten Glanzes, im mittelalter- stchen Schmuck ihrer Türme und Tore und manch anders^ inzwischen längst verfallener Baulichkeiten, Burgen und Klöster.
Bon den größeren Städten wird zugleich eine Art Grundriß und eine Ansicht geboten, so von Cassel, Frankfurt, Hanau und merkwürdigerweise auch von Megenhain. Der Grund für letzteres ergibt sich freilich sogleich, wenn man die fragliche Städteanlage besieht. Ein doppeüer Wassergraben umgibt die Stadt Ziegenhain mit ihren vier Eckbastionen, der Text berichtet von chrer Wichtigkeit „allda dcß Fürstlichen Hauses Hesien Sampt-Archiv ist." Ein doppeltes Inhaltsverzeichnis erleichtert das Aufsuchen, obwohl es fast überflüssig ist, da der größte Teil des Werkes rein alphabetisch angelegt tft, das heißt, es werden nur einzelne Orte mit ihren geschichtlichen und sonstigen Merkwürdigkeiten nach der Reihenfolge des Alphabets beschrieben, die Abbildung nebenan gestellt. Diese „Beschreibung der vornembsten Orth in Hesien und den benachbarten Landen" beginnt S. 10 mit Allendorf an der Werra und Meßt S. 91 mit Zwingenberg an der Bergstraße (zur oberen Grafschaft Catzenelnbogen gehörig!). Alles andere ist alphabetisch dazwischen gestellt.
Bon der vorausgehenden allgemeinen Beschreibung ist für uns besonders wichtig „das Ländlern Buchen, Buchonia, oder Fagonia, welches zwischen Thüringen, Francken, der Wetteraw und Hesien gelegen. Ist vor Zetten ein lauter Buchenwald unnd ein unerbawtes Lande gewesen; jetzund aber ist der Wald zimblich ge- keutert, und das Land mit Stätten, (darunter Fulda das Haupt ist) Dörffern imb Schlössern, wol erbawet. Hat viel gute Fischreiche Wasier, als fürnemblich die Fulda, die Huna, die Werra, und Olster; Viel kleine Bächlein, See, Brünne, Aecker, Wisen und Gärten, und einen so geschlachten Boden, fast zu allerley Früchten, ft> in Deutschland zu wachsen pflegen, ausgenommen daß er keinen Weinwachs hat. Der Inwohner Nahrung
Ilsabe Rasmus.
J&WCÖe von Felix Neumann,
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Warum hatte sie stch denn plötzlich nach den Wochen heiterer Aussprache mimosenhaft in sich selbst zurück- gezogen^
Ach — darüber konnte nur die MiSer Auskunft ge- der fie sich anvertraute, und die ihr Handettl recht i5te fühlte, daß sie etwas sagen mutzte, und so stam- prelle sie denn in scheuer Verwirrung und Herzensangst: gTOettn Sie meine Worte wägen, vergessen Sie nicht die Erregung des AugaESes. Ich weiß ja kaum, was ich .ftweche, ich will Sie ja nicht kränken. Nicht nur Schmerz und Kummer zerreißen mich, nein noch mehr, ich fühle Me entsetzliche Scham Ich glaube keinem Menschen mehr ins Antlitz sehen, zu können. Und so hat sich auch plötzlich Zwischen der Schwester des Diebes und Ihnen eine Scheidewand «Hoben, die uns für immer trennt."
Sie blickte ihn wieder so seltsam traurig an.
„Nehmen Sie dcmk für Ihr hochherziges Anerbieten, finfer Schicksal geht über Stein und Dorn, mir werden De Stadt verlassen müssen, es gilt alles, was jäh zufam- Menstürzte, neu zu erbauen."
Sie sah stch unruhig um.
Mh, käme doch Herr Rödenbeck mit meinem Bruder, W* quälende Ungewißheit ist furchtbar —
Ernckr horchte, es blieb alles still. Gewiß beendete ßer Detetüo seine Aufzeichnungen, um dem Chef nachher tin völKg Kares Bild unterbreiten zu können.
Much im Nebenzimmer, von wo Herr Wittenberg em- toxfen mußte, hörte man keinen Laut. Draußen schlug eine Uhr mit langgezogenen Klängen fünf. Dom Hafen Mut» her jwWvft. heulende Ton einer Damvflirene. dann
Zur Unterhaltung.
bestehet mehrertheils in dem Ackerbaw, der Viehzucht, Wollen- unnd Leinen Tuchkauff. Ihre Spraach ist lang- smnb, faul, unnd mtt Hoch- unnd Niederländischen Wör- tern vermischet." Der weiteren wird besonders auf die Einrichtung der Ketten in dem Fuldaer Land eingegangen, die so vielen Orten ihren Namen gegeben haben und auf die Anlegung von „Proviant-Behältern" zurück- geführt werden, denen ein Mönch, Propst genannt, vor- gesetzt gewesen fei. Sodann heißt es: „Es ist die Abtey groß, mächtig und reich, auch wol manchem Disthumb zu vergleichen, und hat viel ansehnliche Lehen hin und wider zuverleyhen." Schon vorher wird das rühmende Sprichwort für die Bewohner des Hesienlandes angeführt: Wo Hesien und Holländer verderben: wer wolle da Nahrung erwerben.
Die Seiten 36—40 bieten in je 2 Spalten die Beschreibung Fuldas. Der beigefügte Kupferstich muß fast als genaue Wiedergabe des Stiches bezeichnet werden, der Hans Brosamer etwa aus dem Jahre 1550 zugeschrieben wird und in seiner rechten Hälfte von Prof. Donderau in den Fuldaer Geschichtsblättern 1923 S. 42 abgebildet und besprochen wurde ' (Die Ursache der Grundrißgliederung der Ratgarbasllica). Außer dem „Paulsthor" ist auf der linken Hälfte vor allem der vollständige Wehrgang der Stadtmauer mit mehreren Türmen, von den Toren das „Petersthor" und das „Flornthor" in die Augen fallend. Sie sind durch kleine Zahlen bezeichnet, deren Bedeutung unten erläutert wird. Ebenso sit angegeben „Newberg Cape! (=- Ka- nette Neuenberg), das Schloß, Pfarrkirche (mit einem hohen Turm!), daneben: Nahthaus, Barfüßer Klafter (etwas rückwärts), das Stifft (der Dom), S. Michael und (rechts davon auf der von Osten nach Westen zu genommenen Ansicht) Weiß Kloster. Die rückwärtigen Höhen sind im Gegensatz zu Brosamer bewaldet.
Die ausführliche Beschreibung Fuldas berichtet zunächst über die Gründung der Stadt im Jahre 744, dann besonders ausführlich von der Klosterschule. „Da- hero dieselbige Closter-Schul so berümbt worden, daß man von allen Orthen die studierende Jugend gegen Fulda geschicket". Es folgen Angaben über die Aem-, ter, die zu Fulda gehörten, und über die Rechte der Aebte und viele andere Einzelheiten, auf die hier nicht eingegangen werden kann (auch über die Juden, Hexenverbrennungen u. bergt). S. 31 wird von den heute noch aufbewahrten drei Bonifattus-Handschriften erzählt, die damals in der Sakristei des Domes waren. Ferner: „Es hat allhie auch gehabt ein herrliche Bib- liothee, darinn viel auff Pergamen geschriebene Bücher, dergleichen an Atter, unnd Menge, in gantz Teutschland nicht zu finden gewesen. Ist aber in grossen Abgang kommen bey diesem langmütigen Kriegswesen, und vielen Plünderungen." Weiter unten heißt es dann: „Außerhalb der Statt ligen vier andere ansehnliche Clöster, auff sehr hohen Bergen, so von den Aebbten zu Fulda gestifftet worden seyn, als S. Johanns-Berg, Newberg, S. Petri Berg (so auch Benedictiner Ordens, gegen Morgen der Statt, und schöne eingegrabene Bilder hat) und Frawenberg, oder S. Marienberg."
Außerdem fei hingewiesen auf die ausführliche Besprechung von Frankfurt, Marburg, (Langen)-Schwal- bach, Wiesbaden mit ihrem Badebetrieb, auf die ganzseitige Wiedergabe von Marburg, Frankfurt >Main- brücke und Fluß mit regem Handelstreiben), Hanau, Gelnhausen, Schmalbach, Wißbaden (ein kleines Landstädtchen l) und viele andere, die besonders durch bürgen« gekrönte Höhen sich auszeichnen. Daß auf diesen Bildern nicht mehr alles genau mit der Wirklichkeit der damaligen Verhältnisie flbereinftimmte, auch im Text vielleicht Irrtümer sein könnten, betont die Vorrede des Werkes aus dem Jahre 1646 selbst. Wie das Beispiel Fuldas zeigt, benutzte Merian ältere Vorlagen, ba er, wie die Vorrede sagt, nicht an alle Orte selbst Hinreisen konnte. (Die Monographie über Merian von Gefärbt 1842 habe ich leider nicht einsehen können. Der Aufsatz von C. Schuchhard im 13. Bande des Centralblatts für Bibliothekswesen 1896 bringt eine Zusammenstellung und Vergleichung aller Ausgaben Merians.) So mag manches in den Städtebildern noch den früheren, un- zerstörten Zustand wiedergeben, wie er uns heute aus Städten wie Rothenburg o. b. Tauber, Nördlingen ober Dinkelsbühl bekannt ist. Auch die schriftlichen Auskünfte, um die man überall nachgesucht hatte, waren, rote die Vorrede sagt, nicht immer eingetroffen, sodaß der „Großgünstige Leser" mehrmals um Nachricht in dieser Beziehung gebeten werden muh.
' Wir werden diese Nachsicht den beiden Herausgebern des umfangreichen Werkes, Martin Zeiller und Matthäus Merian, gern zukommen lasten aus Dank dafür, daß ihr unermüdlicher Fleiß uns eine Topographie Deutschlands geschenkt hat, wie sie kein anderes Land aus vergangenen Jahrhunderten in gleicher Pracht und Großartigkett aufzuweisen hat. Aber auch dem Frankfurter Kunstverein gebührt unser Dank, daß er mit seiner hervorragenden Gabe ein fast vergessenes Dätererbe uns rote« dergeschenkt und leicht zugänglich gemacht hat in einer naturgetreuen Wiedergabe des Originals, die nirgendwo den neuen Herausgeber nennt oder sonst irgendwie verrät, daß wir es in dem schönen Bande mit einem Erzeugnis der vollendeten Reproduktionstechnik unserer Zeit zu tun haben. ______
war es wieder ruhig. Durch den schmalen Spall in den Vorhängen sah Erwin die Flocken vorübertreiben, denn draußen war es nun wirklich Winter geworden.
Jeden Augenblick tonnte der Chef kommen.
Er seufzte und fuhr sich mit der Hand über die Stirn.
„Und zu so schwerem Werke dies Wiederaufbauens weisen Sie meine Hilfe ab? Mit den eigenen, zarten Händen wollen Sie alles allein schaffen, Sie wollen sich mit Mauer und Graben umgeben und Ihr Herz ganz zu verschKeßenZ" , , i t
Traurig und gequält unterbrach sie ihn.
„Ach — Herr Semmsec, Sie deuten gewiß alles ganz Mch."
Ha kam er zu einem schnellen, festen Entschluß. Angesichts der drohenden Gefahr warf er alle Schüchternheit über Bord. Sein Lebensschiff, das sonst ernst unb schwer dahinzog, ward leicht und flott, er wurde nun auch gegenüber dem geliebten Mädchen der Mann, den Willenberg so schätzte, der Mann, der so rasch seine Entschlüsse faßte und auch in schwierigen Lagen das Richtige traf.
Er durchmaß schnellen Schrittes das Zimmer und blieb dicht vor Asabe stehen. Sie blickte ihn an, denn aus feinen Bewegungen ahnte sie, daß irgentzetwas Besonderes bevorstände. _ 1 '
Rasch und fließend sprach er, aber ohne Ueberstürzung: ,Lch hcche bisher nicht zu sprechen gewagt. Eine Scheu vor Ihrer strengen Zurückhaltung schreckte mich zurück, lieh mich Ihrer so ganz unwürdig erscheinen. Wer nun ist keine Minute mehr zu verlieren, soll mir nicht dos Glück für immer entgleiten. Sie misten, ich bin ein einfacher Mann, der vielleicht Ort und Gelegenheit schlecht einzuschätzen weiß, der aber fett Monaten mit stummen Blicken und heißem Herzen um Sie wirbt. Weisen Sie mich nicht ab, nehmen Sie den Bittenden auf in den Kreis Ihrer Familie; Ihre Not unb Ihre Sorgenvollen auch die meinigen fein, und bae, was Sie dem „Frem-
Der Höllenkrater.
Von Jos. Magn. Wehner.
Wir hatten ihn schon lange von Lipari aus betrachtet, den düstersten unter den Riesen der äolischen Inseln. Wenn die Nacht hereinbrach und der weiße Meergischt an die glasschwarzen Wände seiner Lava donnerte, dann war er, von giftigen Schwefelwolken umhüllt, wie ein Thron der Hölle und wir versetzten gern alles Böse und Feindliche, das uns damals begegnete, in die Riste, Schlünde und Sturzkrater von Dulcano. Weit schob er seine Pranken und Klippen ins Meer, steil sttegen hinter dem Hauptkrater die schlanken Windungen des Monte Saraceno aus dem Samt des Lavatales und unaufhörlich rauchten auch aus der Kruste unterhalb der Krater die grüngelben Fumarolen.
In der Frühe eines sonnenhellen Tages fuhren mein Freund, feine Frau und ich in einem roten Liparesen- boote auf ihn zu. Auf dem emailblauen Meer, besten Wogen ölig glänzten, schimmerte die Morgensonne. Die Uferfelsen, ebenfalls vulkanischen Ursprungs, jäh abge- schnitten, bestanden aus Wällen von übereinandergelagerten Lavamänteln, die in den verschiedensten Farben leuchteten. Wo ihr Saum im Meer stand, waren blutrote Höhlen, aus denen das ewige Wasser glühende Fluten wusch.
Ms wir an der Enge zwischen Lipari und Dulcano vorbeifuhren, sahen wir auf dem Meere kleine silber- graue Segelchen heranschimmern in der Größe einer Kinderhand. Es wurden ihrer immer mehr und bald waren wir von einer blitzenden Flottille umgeben, von Tausenden dieser zarten Tiere, die von den Ruderern fiore bei mare, Blumen des Meeres genannt mürben. Wir nahmen eines aus bem Wasser und entdeckten an ihm ein entzückendes Wesen. Das silbergraue, fast durch- sichtige Segelchen stak in einer ebenso geformten silber- neu Tragfläche und auf deren Unterseite saß rundherum ein Perlenkranz von violetten Saugfüßchen. Das tanzte nun in Scharen auf den großen Wogen mit seinen tapferen Lichtsegelchen, tauchte auf und unter und be- gleitete uns.
Wir fuhren an Dulcanello heran. Das sind zwei kleine, sehr regelmäßig geschnittene Kraterköpse, bereits erloschen, die mit dem Feuerberg durch eine Lavaebene verbunden sind. Sie lagern ins Meer hinein, verzerrte unb erstarrte Massen von eisenhartem Basalt, der in Würfelblöcken, fünfkantigen Türmen ober verquollenen Stümpfen aus dem Meergischt starrt. Hart und finster lagern diese bizarren Feuertropfen unter den lieblichen Farbschluchten von Vulcanello, die an Sonnehängen mit dunkler Malve bekleidet waren.
Nun hatten wir auch Vulcanello umrudert und stiegen In der Bucht unterhalb Vulcano an Land.
Im Himmel vor uns hängt der Sturzkrater. Ties- gefchluchtet, eine riesige, kaum vernarbte Wunde. Aus seinem oberen Rande schießen Schwefelrollen unb batten sich zu Wolken. Hinter ihm liegt die Mulde des Mutterkraters, unsichtbar, nur zu fühlen an den Gewöllen, die hie und da aus feiner Tiefe austauchen.
Wir machen uns gleich an den Aufstieg.
Oedes, fahstteigendes Gelände, dürftig mit Ginster bewachsen. Kleine Schluchten, die letzten Riste der großen Berstungen des Gebirgs, das vor uns hängt. Dann steigen ro-r m die verkohlte Hochwand. Schmale Ser- pentinen führen über Asche, schlackige Blöcke und knirschenden Staub. Leises Tosen beginnt Je höher wir steigen, umso tiefere Risse tun sich im Berg auf. Und was wir aus der Ferne nicht sehen konnten, erblicken wir jetzt: der ganze Berg, nicht nur der zerklüftete Sturzkrater ist furchtbar zerrissen und aus braunen, schwarzen unb roten Spalten fauchen giftige Rauch- schlangen. . _ „ _.
Der Pfad windet sich schräg durch Sturzasche. Die Hölle hängt drohend über uns. Unsere Ohren fangen an zu branden, denn aus tausend Löchern stößt die Erde ihren sausenden Schwefelatem aus. Manchmal fegt ein Windstoß giftige Rauchschwaden aus der Höhe herab. Dann stehen wir, pressen die Taschentücher vor den Mund, bis es vorüber ist.
Die Schluchten werden tiefer. Mit ungeheurer Schnelligkeit schießen Schwefelräuche über uns hinweg, zerfahren in der Luft. Manchmal unter uns ringelt sich plötzlich Dampf, brennt in den Füßen bis zum Herzen. Das Brausen wird zum Donner. Wir blicken gen H>m- mel. Keine Wolke mehr. Kein Blau. Nur fliegende SchwefÄdünste, zerslaiternd, zerstäubend. Höher hinauf in den Sturzkrater. Unter uns dampfende Tiefe. Kein Pfad mehr, wir muffen kriechen. Und Absturz droht m die Mester und Nadeln der Lava.
Jetzt donnert die Höllenwand auf. Wir sind erkannt. Blicken schnell auf: Hölle über unserem Haupt. Grüne Schwefelfäulen kochen mit Donnerton, soweit unser Auge noch zu blicken vrmag. Ungeheuerliche Glut stößt herab. Unb da: grellrotes Feuer, Flammen, dunkel, fegen und zischen die Wände herab. Der Berg siedet und zittert von flüssigem Schwefel.
Wir treten in den Boden der Wand. Es donnert hohl unter uns. Wollen weiterkriechen. — Schwefel- rauch, höhnisch, stechend, pfeilschnell von allen Seiten. Wir sind eingehüllt, können nicht mehr weiter. Die
ben" ausschlugen, werden Sie dem künftigen Gatten nicht verweigern!" Nun zitterte feine kräftige Stimme doch ein wenig, als er sich herni-ederbeugte und in den Augen zu lesen versuchte, die von den langen Wimpern bedeckt waren und auf den Boden blickten.
„Ilsabe!" „ '
Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen. Zwei Herzen, die zueinander gehörten und doch nicht zueinanber kommen sollten, schlugen,'hörbar durch die Sülle des Win- tcrabenbs.
Da sagte sie: „Herr Semmler! Warm Sie gestern gekommen, ich hätte nach ernster Ueberlegmig, dann aber vielleicht um so freudiger „ja" gefolgt. Ich weiß, wir beide sind Kinder der Not, aber wenn wir mit fester Hand unser Schicksal angepackt hätten, wir mürben es zusammen bezwungen haben!" -V, ....'
Nun ah sie ihm voll kn die Augen.
„Mit Liebe, Vertrauen und starkem Herzen! Wenn ich so zurückhaltend zu Ihnen wurde, so geschah das nur, um Sie nicht zu einem Schritte zu ermuntern, den Sie später vielleicht beredt hätten —."
„Fräulein Ilsabe!" Erwin rief es mit tiefer, innerer Erregung, „wie können Die so etwas Tagen?, Nur mit Ehrfurcht und Zagen wagte ich mich Ihnen zu nähern, und dann sollte ich Ihr Jawort, das ich ersehnte, zu bereuen haben?"
Sie wehrte chn stmst ab, weil er ihre Hand' zu er- faffen suchte.
„Lassen Sie mich zu Ende sprechen, mein Lieber. Ein armes Mädchen als Frau, dazu eine kranke Mutter, eine unmündige Schwester, das ist eine* schwere Last. Und darum verchloß ich tief, tief meine Neigung zu Ihnen. Nur einmal habe ich daheim davon erzöhtt. —"
Ihre sonst so Helle, frische Sürnrne sank saft zum Flüstertöne herab, ©ie waren an einem Sonntag-Nachmittag van uns gegangen, um noch die Abendstunden ernster Abeit Ai widmen. Es war dunkel im Zimmer ge»
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: Nr. 258 vom 5. Nov. 1924. |
Höllenorgel brüllt, blendet mit grellem Gelb unb Blut- rot. Uns ist, als ob wir bräunten imb Schwefel spien. Die Frau greift nach ihrem Herzen, kann nicht mehr atmen. Mein Freund stürzt vorwärts, ich werfe mich in die Lava, um die Stürzende aufzusangen. Da vergeht mir der Atem.
Jetzt schnelle Flucht. Hinunter ist unmöglich. Dte Tiefe wächst erstickend zu uns herauf. Der Freund faßt seine Frau, wir schwingen sie hoch, springen über etae Schlucht, ziehen uns am Stock zu einer Basaltnabel, kriechen verzweifelt. Vor uns schwarze Türme, hinter benen vielleicht Schutz ist.
Die Höllenorgel brüllt fort. Der Boden ist heiß. Weiter.
Da — endlich ein Stück Himmelblau. Wind! Wir saugen ihn wie Wein. Der heimtückisch fließende Sand hört auf. Ein Riesenblock. Wir ruhen hinter ihm.
Vor uns breitet sich schwarze Hochröde. Der Boden ist dünn und spröd wie Glas. Unter ihm dumpfe Höhlen. Aber Sonne flimmert taufendfach an ben Kanten der schwarzen Obsidicmpseiler, bte in diese weit» Höllenkruste eingeschmolzen sind.
Nachdem wir ausgeruht haben, gehen wir Über bte hitzeflimmernde Ebene zum Hauptkrater. 9m burrnen Hoben sind überall offene Schwefelmäuler, ohne Rauch, erloschen. Der Wind dreht die Gistgewötte von uns ab. Herrlich steigt der Gipfel des Monte Saraceno aus bem ©übtal. Wir sehen bas Meer im schweren Silber bes Scirocco unb bis sieben äolischen Inseln, den erhabenen Aetna über den sizittschen Gebirgen und m, weißen Schaum die kalabrische Küste.
Und wir schreiten mm an leise rauchenden, gebvrste- nen Urblöcken vorbei und werfen den ersten Blick in die riesige Mulde des Mutterkraters.
Wir stehen still. Schauen in die ungeheueren Staf- felungen hinab bis auf den Grund bes Schoßes, atmen ben stummgewaltigen Schwung von der Tiefe bis hoch zu ben an den Flanken im Lichte brennenden Hüft- kegeln, gleiten mit den Augen über die langen SchwÄ- fangen der Muldenlippen, die von der Sonne geküßt werden. ,
Und ich kann nicht anders, ich muß hinab. Meine Freunde bleiben oben. Wind weht mächtig von einer Seite und treibt die Dämpfe von mir ab. Ich steige hinunter. Bis die Steine anfangen zu glühen. Schau- bemb blicke ich gen Himmel. Unb fühle die gewaltige Wölbung des Kraters. Blauer Himmel und ein Kreis von Wolken decken mich zu. Ich stehe in der KugÄ von Himmel unb Hölle.
Wir fahren dann durch den Lavasand ab ins west, gche Tal. Goldene, schwerduftende Ginsterbäume um- blühen uns. Dann trinken wir schweren schwarM Vulcanowein.
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Alte hlmrinschnstelh
Gut machet Mut,
Mut machet Uebermut, liebermut machet Neid, Neid machet Streit, Streit machet Armut, Armut machet Demut.
«
Durch Eintracht werden kleine Dinge groß, Durch Zwietracht wird man große Dinge los.
Wer roitt mehr verzehren. Als fein Pflug kann ernähren. Der muß zuletzt verderben Und vielleicht in Armut sterben.
*
Vertrau nicht viel, halt deine Reh' in Hut, ; Denn fremder Rat tut selten gut
k * 'i r
Wer sein Zunge nicht kann im Zaume hallen, Der hat eine schreckliche Krankheit an sich.
*
Wohltat schläft gar leicht oft ein, Denn wen'ge Menschen dankbar fein.
*
©en Dukaten am Stange»,
©en Vogel am Sange, Den Menschen an Gebärden und Worten _ Erkennt man an allen Orten. ms,
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heilerer.
Schlimme Zeiten. „Sind das Zeiten! Nachts tont« men Diebe und Einbrecher, am Tage der Gerichtsvoll, zieher."
Ein gutes Her;. Erzieherin: „Was würdest du tun, Lieschen, wenn jetzt ein hungriger alter Mann herein, käme und uns essen sähe?" — Lieschen: „Ich würde ihm Ihren Kuchen geben."
worden, nur das Dfenfeuer warf sein zuckendes Licht in den Raum. Da habe ich mein Gesicht in den Schoß der. Mutter gedrückt und mich von Herzen ausgemeint. Seine Wort habe ich gesprochen und sie wußte doch, was es war. Und bann hat sie endlich nur leise gesagt: Mein tapferes Mädel! Sehen Sie, Herr Semmler, so haben wir beide stumm gerungen imb Sie haben's von mir nutz)« einmal geahnt.
Und doch wäre ich der Versuchung unterlegen!' Wenn Sie vor mich hmgetreten wären, hätte ich Ihnen bte Hände hingestreckt und gesagt: Diese Hände haben schaffen gelrent, vielleicht tragen sie dir Segen ins Haus —!" Sie hieü inne, stockte, und schmerzerstickt endete fier „Und nun ist alles so anders geworden! Unser Name ist befleckt, ein Verhängnis lastet auf uns —l"
Erwin ergriff Ilsabes Hand. Er wollte, seine Bewegung niederkämpfend, gerade sprechen, als sie noch einmal das Wort ergriff, indem sie sich chm sanft entzog.
„Ich habe diese Beichte abgelegt, well ich weiß, daß wir uns trennen werden, auf lange Zett — vielleicht für immer."
lieber Erwin kam eine furchtbare Erregun, denn er glaubte schon zu sehen, wie bas nahe Glück, bas er fast in ben Händen hielt, wie ein Schemen vor feinen Auge» zerrann.
„Niemals werde ich das zugeben," Meß er hervor. „So wett also mußte es kommen, bis Sie die richtigen Worte fanden! O Ilsabe, hätten Sie Trotzig, Verschlossene doch eher gesprochen, wieviel wäre uns erspart ge- blieben! Run aber weiß ich, daß Sie mich Ihrer nicht unwürdig halten, und bas ist mir genug. Das andere, bas Schlimme, werden wir überwinden, taffen Sie mich Ihr Mitstreiter fein!"
©a trat sie weit von ihm zurück und streckte heschwL rend die Hände aus.
lFortietzuna Wat.)