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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 257

Dienstag, 4. November 1924

in

Der Umschwung in Spanien.

__ ~ Vor dem Ende der Militär-Diktatur.

wtb Paris, 3. Nov. (Tel.) Havas meldet aus Madrid, daß ABE erkläre in einem Artikel, alle Generäle des Direktoriums hätten nunmehr erklärt, daß die augenblickliche Organisation bald­möglichst durch ein Kabinett erseht wer­den müsse, das sich aus Zivilpersonen zu­sammensehe. _____

Das neue englische Kabinett.

wtb London, 3. Roo. (Tel.) Der politische Korrespondent des »Observer" gibt folgende mut- maßliche Ministerliste bekannt: Baldwin, Pre­mierminister, Austen Chamberlain, Aeuhcres, Lord Birkenhaed und Lord Cave Lordkanzlcr, Ne­ville Chamberlain Gesuadheitsminister.

Verhaftung eines deutschen Generals.

wtb Paris, 3. Nov. (Tel.) Einer Agentur­meldung zufolge ist der General v. N a t h u f i u s, der anläßlich des Allerseelentages nach Frankreich gekommen war, um das Grab seines im Jahre 1918 gesatleneu Sohnes, eines Fliegeroffiziers, auf dem Friedhof von Forbach zu besuchen, durch die französische Polizei verhaftet worden. General von Nalhusius soll durch das Kriegsgericht wegen an­geblichen Diebstahls von Möbeln in Abwesenheit zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt worden fein. Der General, der erklärte, von seiner Verurteilung keine Kenntnis zu haben, hat gegen die Festnahme leb­haften Protest erhoben.

Stücke zerschnitten. Es gelang noch rechtzeitig zu bremsen, bevor die letzten Wagen entgleisten. Man nimmt an, daß der Anschlag auf den wenige Minuten vorher durchgefahrenen D-Zug Nr. 112 Kopenhagen- Warnemünde-Rostock-Neustrelitz beabsichtigt war. Die Eisenbahndirektion Stettin hat sofort die Untersuchunzj eingeleitet.

* Tragödie der Kriegswitwe. Auf einem Dorfe bei Genua sollte die Leiche eines im Kriege ge­fallenen Offiziers, welche vom Kriegsschauplatz nach der Heimat überführt worden war, beerdigt werden. Die Witwe des Offiziers warf sich weinend über die Bahre, erlitt einen Schlaganfall und war sofort tot. Beide Leichen wurden zusammen aufgebahrt und unter Beteiligung der gesamten Bevölkerung zusammen beigesetzt.

wtb Frankfurt, 3. Nov. (Tel.) Infolge starker Regengüsse in den beiden letzten Tagen haben die Flüsse und Bäche des Main- und Taunus- gebiels bedeutende Wassermengen zu Tal gebracht, die weite Landstrecken überschwemmt haben. Be­sonders die Taunusebene ist durch das Hoch- waster schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Nidda hat bei Heddernheim große Landstrecken über­schwemmt. Einzelne Ortsteile sind vom Verkehr abgeschnitten. In Frankfurt selbst hat das Hoch- waffer des Mains heute morgen gegen 10 Uhr die Ufermauern überschritten, sodaß die angrenzenden Gebiete bereits vom Wasser umspült werden. Be­sonders hat auch Mühlheim unter dem Hoch­wasser zu leiden, wo bereits der halbe Ort über­schwemmt ist.

Wie mehrere Blätter aus Osnabrück mel­den, wird Fürst Bismarck doch wieder als deutsch­nationaler Spitzenkandidat für den Wahlkreis We­ser-Ems ausgestellt werden.

wirtschaftliche Kampfbewegungen.

vuchdruckerstreid in Breslau. Zwei allgemeine Buchdruckergehilfenversammlungen haben einstimmig die Ablehnung des im Reichsarbeitsministerium gefällten Schiedsspruches beschlossen. In der anschltetzenden ge. Heimen Abstimmung wurde mit 789 gegen 134 Stimmen beschlossen, sofort in den Ausstand zu treten und an den vom Zentralverband gestellten Forderungen festzuhatten. ___________________________

Berliner Rundfunk - Jahrtagsfeier.

Die festliche Veranstaltung anläßlich des einjähriger Bestehens des Rundfunks fand am Sonntag vormittag ihren Abschluß durch die Gründungsfeier der Hochschul, kurse der Funkstunde. Zu der Feier hn Vorhause hatten sich Vertreter der Reichsregierung, der Staatsbehörden, der Berliner Universität, der Technischen Hochschule sowie zahlreiche hervorragende Wirtschastsführer eingefunden Staatssekretär Dr. Bredow betonte in einer Rede die erzieherische Mrkmig des Rundfunks. Staatssekretär Schulz, der dis Glückwünsche des Reichsamts des In­nern überbrachte, erhoffte durch die neue Tätigkeit des Rundfunks eine Erweiterung und Vertiefung der wissen» fchastlichen Kenntnisse des deutschen Volkes.

* Attentat auf einen Eifenbahnzug. Laut der Montagspost" wurde auf den Vorzug 210 der Fürstenberg in Mecklenburg abends 7 Uhr 57 Minuten verlassen hatte, zwischen den Stationen Droegen und Deunenwalde ein Attentat verübt. An einem Schrankenübergang wurde eine 31/» m lange Eisen­bahnschiene, die als Warnungstafel verwendet wurde, von unbekannten Tätern quer über die Geleise gelegt. Die Schiene wurde von dem Zuge in fünf

Das Türkenparlament in Angora.

Am Sonntag mürbe die türkische Nationalver­sammlung in Angora mit einer Rede Mustapha Kemal Paschas über die innere und äußere Politik eröffnet. Er erklärte, auf wirtschaftlichem Gebiete sowie auf dem Gebiete der öffentlichen Ar- beiten seien befriedigende Fortschritte erzielt worden. Die Armee sei bereit für alle Notfälle. In der auswärtigen Politik habe die Türkei mit allen Mächten normale Beziehungen ausgenommen. Hinsichtlich der Mossulfrage erwarte die Türkei ver­trauensvoll die Entscheidung in Uebereinftimmung mit ihren legitimen Rechten. Die Beziehungen mit Frankreich würden dank der Regelung des Streites über die syrische Grenze immer herzlicher. Die Beziehungen zu Sowjetrußland besserten sich ständig. Die Türkei habe Vertrauen zum Völ­kerbund gezeigt, und ein wahrer Völkerbund würde sich als Friedensgarantie erweisen. Die Rede des Präsidenten der Republik wurde von der Mehrheit mit warmem Beifall ausgenommen.

von den Hochschulen.

= Der Sberreichranwalt als medizinischer Shren- ftohtor. Die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig hat dem Oderreichsanwalt Dr. Eb ermay er in Anerkennung seiner Arbeiten in der äiztlichen recht, taten Materie den Dottortitel ehrenhalber verlieben.

Ludendorff.

Ludendorff, mit dem 27 bayerische Generale jede Standesgemeinschaft ablehnen, droht jetzt mit Ent­hüllungen gegen den bayerischen Kronprinzen Rupprecht.

Wie die Münchener ZeitungDie Welt am Sonntag" erfährt, wandten sich Ludendorff nahe stehende hohe Kreise an den Nationalver­band deutscher Offiziere und an den Deutschen Offiziersbund mit der Bitte, beide Verbände möchten sich durch eine Solidari­tätserklärung mit Ludendorff gegen bie Acht­erklärung der bayerischen Generale wenden. Der Deutsche Offiziersbund lehnte das Ersuchen a b. Der Nationalverband deutscher Offiziere hat noch keinen Beschluß ge­faßt. Zur Entgegnung Ludendorffs auf die Erklä­rung der bayerischen Generale wird versichert, daß man in den dem Kronprinzen nahe stehenden Krei­sen den von Ludendorff angekündigten Enthüllun­gen mit Gelassenheit entgegensehe. Jede öffentliche Fesfftellung würde nur bestätigen, daß eine öffentliche Proklamation des früheren Kron­prinzen Rupprecht nach dem Novemberputsch nicht existiert habe und nicht geplant sei. _.l»_

Verantwortlich kür die SchrkMeitona: Dr. JobanneS Kramer- Anzeigen: I. B ar re Iler. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der : Fuldaer «rtiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr- 9.

Monatlicher Bezugspreis: 1.50 Mk.

Hochwasser.

Die Regengüsse, die in den letzten Tagen nieder­gegangen sind, haben, wie in unserer Heimat, auch anderwärts Hochwasser und Wasserschäden hervor­gerufen. Das Hochwasser in Saarbrücken hat ein Ausmaß angenommen, wie es feit 1882 nicht mehr zu v erzeichnen war. Der Hochwasserpegel, der normal 3,10 Meter beträgt, ist auf ungefähr 7,20 Meter gestiegen. Der bis jetzt in Saarbrücken angerichtete Schaden wird auf mehrere Mill. Franken geschätzt. Die Hafenanlagen sind voll­kommen überschwemmt, die Schiffahrt ist unter«, brachen.

Die Eisenbahndirektion Mainz teilt mit: In­folge starken Regens und von der Höhe herab- strömenden Wassers ist der Eisenbahndamm zwi­schen den Bahnhöfen Wiebelsbach und H ö ch st im Odenwald vor und hinter dem Tunnel auf die­ser Strecke zum Teil weggespült worden und ab« orutscht. Der Verkehr zwischen Wiebelsbach und Höchst i. O. Strecke Hanau-Eberbach ist infolgedessen gestört und kann auch nicht durch Um« steigen aufrechterhalten werden. Die Dauer der Verkehrsstörung ist unbestimmt.

Nordamerika wählt.

wtb £ o n b o n, 3. Nov. (Tel.) Der Washing- koner Sorrespondenk desObserver" meldet, daß die Präsidenlschafks-Kampagne gestern beendet worden sei. Der Montag wird ein ruhiger Tag sein, und den Döhlern Gelegenheit zu reiflicher Leberlegung geben. Am Dienstag wird die Dahl statkfiuden. Man glaubt, daß die Deutsch-Amerikaner, die Sozialisten und eine An­zahl Demokraten für den Senator Lafoleite stimmen werden, der bekanntlich der Kandidat der sogenannten Briten oder Fortschrittspartei ist. Doch gilt die Wahl des Präsidenten C o o l i d g e zum Präsidenten und des Generals Dawes zum Vi- jeprasidenten als sicher. ,

Von den Parteien

Die Demokraten. r-**

Der demokratische Parteitag hat Berlin stattgefunden. Den Abschluß bildete eine

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FuldaerZerlung

gischen Eisen, die ungünstige Produktionslage infolge der stärkeren Belastung der deutschen Industrie mit Steuern, Reparationsverpflichtungen usw., die Unsicher­heit der Lage, der Kreditverhältnisse und Arbeitsverhält­nisse in Deutschland. Der Schwerindustrie müsse Ge­legenheit gegeben werden, die durch Abtretung erfolgten Verluste an Produktionskraft durch Vergrößerung der Anlagen wieder wett zu machen. Die Stärkung des inneren Marktes fei dringend erforderlich."

Demgegenüber ist zu sagen, daß Deutschland durch den Vertrag von Versailles aus dem beut» jchen Wirtschaftsgebiet verloren hat:

43,8 v. H. feiner Roheisenerzeugung,

36,2 o. H. seiner Gußstahlerzeugung,

33,8 v. H. seiner Walzwerkerzeugung.

79,5 v. H. seines Erzvorkommens,

24,4 v. H. seiner Kohlenlager.

Es läßt sich zurzeit nicht übersehen, inwieweit hierdurch eine Verschiebung der gesunden Verhält­nisse von Angebot und Nachfrage in Deutschland eintritt Weiterhin läßt sich heute noch garnicht sagen, inwieweit inzwischen durch Neubauten und Betriebsverbesserungen die Abtrennungsverluste ausgeglichen sind. Auch über die Frage der künf­tigen Erzversorgung Deutschlands liegen zuver­lässige Angaben noch nicht vor.

Es ist eine bekannte Tatsache, daß wir vor dem Kriege einen sehr erheblichen Ueberschuß an Aus­fuhr von Roh-, Halbzeug und Walzwerkserzeug­nissen, der z. T. zu ausgesprochenen Dumping­preisen abgesetzt wurde, hatten. Es dürste zwei­felsohne ein Nachteil für die deutsche Wirtschaft fein, wenn diese Verhältnisse erneut eintreten.

Auf der anderen Seite leidet der künftige Eisen­bedarf der deutschen Eisen verarbeitenden Industrie unter der Verringerung der Absatzgebiete.

Es dürfte also unmöglich sein, derartig unge­klärte Verhältnisse zur Grundlage weittragender wirtschaftspolitischer Erwägungen und Entschlüsse zu machen.

Die inzwischen eingetretene Entwicklung der Preislage auf dem Weltmarkt läßt die Hauptbe­gründung der Schwerindustrie für eine Erhöhung der Zollsätze um 50 Prozent und mehr nicht mehr berechtigt erscheinen, denn die Weltmarktpreise für Eisen liegen heute nur 1525 Prozent über den Friedenspreisen. Es ist weiter anzunehmen, daß die Eisenpreise in der Welt in den nächsten Jahren dauernd weiter sinken. Es wäre deshalb ein großer Fehler, Zölle, welche die Unterlagen für die deutsche Produktion auf lange Jahre hinaus bilden sollen, auf einen ganz vorübergehenden Preisstand auszubauen. Eine Erhöhung der Zölle würde durch die Verteuerung des inländischen Preisstandes von verhängnisvoller Wirkung auf den deutschen Ex­port sein.

Es fft eine Wahrheit, die jedes Kind in Deutsch­land weiß, daß die deutsche Wirtschaft nur dann gesunden kann, wenn ein erheblicher Ueberschuß der Ausfuhr über die Einfuhr erreicht wird, wir also eine aktive Handelsbilanz bekommen.. Diese ist aber nur dann zu erlangen, wenn Maß­nahmen getroffen werden, die den Export in jeder Weise fördern. Ein hoher Schutzzoll auf Eisen, wie ihn die Schwerindustrie fordert, würde aber den Export nicht nur stark behindern, sondern fast unmöglich machen. Privatwirtschastliche, volkswirt­schaftlich? und nicht zuletzt soziale Interessen er­fordern eine starke Ausfuhr der Fertigindustrie. Die Eisen verarbeitende Industrie gibt fast einem Viertel der deutschen gewerblich tätigen Arbeiter­schaft und rund der siebenfachen Zahl der Beleg­schaft der Eisen schaffenden Industrie Beschäftigung und Lebensunterhalt. <

Aus allen diesen Gründen muß schon aus Selbsterhaltungstrieb gefordert werden, daß die deutsche Regierung bei den stattfindenden und be­vorstehenden Zollverhandlungen den berechtigten Wünschen d<c Eisen verarbeitenden ftrie in Bezug auf die Zollsrage Rechnung trä£L

Wie aus Mitteilungen in Len Tageszeitungen hervorgeht, unternimmt die Reichsregierung zur­zeit eine amtliche Preissenkungsaktion. Wirtschaft­liche und steuerliche Maßnahmen sollen getroffen werden, um das Preisniveau aller wichttgen Be­darfsartikel auf eine erträgliche Höhe zu bringen. Diese Maßnahmen sind gewiß sehr erfreulich und verdienen die tatkräftigste Unterstützung aller an dem Aufftteg des deutschen Wirtschaftslebens in­teressierten Kreise. Wenn auch viele Wünsche der Wirtschaft durch die Derbilligungsaktton noch un­erfüllt geblieben sind, so hat sie doch in Jndustrie- und Handelskressen ein Gefühl der Erleichterung ausgelöst.

Soll nun das Ziel, wonach die Wirtschaft strebt, erreicht werden, so harren doch noch gewaltigere Ausgaben der Lösung. Die ungeheuer schweren Lasten, die das Dawes-Gutachten und die daraus resultierenden Gesetze dem gesamten deusschen Volke aufbürben, sind nach Ansicht hervor­ragender deutscher und ausländischer National­ökonomen nicht tragbar. Trotzdem bleibt dem deusschen Volke nichts übrig, als den guten Willen zu zeigen, feinen eingegangenen Verpflichtungen nac^ukommen. Die Zeit wird lehren, daß sich ökonomische Notwendigkeiten nicht durch Gewalt- poliük meistern lassen.

Ein Schritt nach vorwärts im Wiederaufbau der deutschen Wirsschaft wird hoffentlich der Ab­schluß der Handelsverträge mit unseren Reparationsgegnern fein, denn es sollen durch diese Verträge die normalen wirtschaftlichen Beziehun­gen wieder hergestellt werden. Ob die Verträge für Deutschland günstig werden, hängt sehr von der Geschicklichkeit der deusschen Vertreter und vor allem aber von der Einsicht unserer Vertrags­kontrahenten ab. Im folgenden sei auf einige wichtige Dinge hingewiesen, die bei den Verhand­lungen unbedingt Berücksichtigung finden müssen.

Von größter Bedeutung fft vor allem die Be­handlung der Zollfrage. Die in den einzelnen wirsschaftlichen Verbänden zurzeit stattfindenden Beratungen haben leider noch keine einheitliche Marschroute aufgestellt. Die Interessenpolitik ist wieder einmal, wie so oft, ausschlaggebend gewe­sen, und so kommt es, daß z. B. der Verein Deut­scher Eisen- und Stahlindustrieller (Schwerindu­strie) eine Erhöhung der Eisenzölle um 50 Prozent und mehr gefordert hat. Mit Rücksicht auf die be­vorstehenden bezw. im Gang befindlichen Verhand­lungen mit Frankreich und Belgien scheint es gebo­ten, die Oeffentlichkeit darüber aufzuklären, ob diese Forderung den Belangen der deusschen Wirsschaft ensspricht. Zu diesem Zwecke ist es interessant, die Stellungnahme der Gegenseite, also der Eisen ver­arbeitenden Industrie kennen zu lernen. Ein Teil dieser Industrie (Blech verarbeitende Industrie und Walzdrahtverbraucher, sowie ein Teil der Klein­eisenindustrie) verlangt völlige Aufhebung der Eisenzölle mit Rücksicht auf die besonderen Ver­hältnisse dieser Industrien. Eine entsprechende Eingabe dieser Verbände ist der Regierung zuge­gangen.

Demgegenüber verlangt die Schwerindustrie auf die Eisenerzeugnisse des Auslandes einen Schutz­zoll im früheren Wertverhältnis, das unter Be­rücksichtigung der Weltteuerung von 50 Prozent, also durch eine Erhöhung der Zollsätze um 50 Prz. wiederherzustellen sei. Tassächlich aber bedeutet schon diese Forderung eine erhebliche Erhöhung des Zollschutzes, da die Weltteuerung auf dem Eisen­markt schon seit längerer Zeit nicht mehr 50, son­dern höchstens 2030 Prozent beträgt. Außerdem forderte die Schwerindustrie bei einer ganzen Reihe von Erzeugnissen auch noch eine Erhöhung der Zollsätze um weit mehr als 50 Prozent, so bei großen Teilen der Position Bandeisen um 100 bis 775 Prozent, dünnen Blechen 100 Prozent,, leichten Graugußteilen 114 Prozent usw. Die Eisen schaf­fende "Industrie begründet diese Wünsche wie folgt: Notwendigkeit des Schutzbedürfnisses der Schwer­industrie gegenüber dem billiger herzustellenden lothrin-

Derüsches Reich.

* Vom Thüringischen Landtag. Die kommu­nistische Fraktion des thüringischen Landtags hat einen Anttag auf sofortige Einberufung des Land­tags mit der Tagesordnung: Auflösung des Landtags, eingebracht. Die Einberufung des Landtags ist von der Unterstützung der soziawemo- kratischen Fraktion abhängig, die zu erwarten ist.

* Oberbürgermeisterwahlen. In der Bo­chumer Stadtverordnetensitzung fft in ner Stichwahl Ministerialrat Dr. R u e r«Berlin, De­mokrat, mit 19 von 49 abgegebenen Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt worden. Der Kandidat des Zentrums, Bürgermeister Dr. Geyer- Bochum, erhielt 16 Stimmen; weiß waren 13 Zettel. In Essen haben unter den Fraktionen des Rathauses erneut Beratungen über die Be­setzung des Essener Oberbürgermeisterposten statt- gesunden. Darnach ist die Wahl des Staatssekre­tärs Bracht, des Chefs der Reichskanzlei, vorbe- halüich feiner Zustimmung, zum Oberbürgermeister von Essen gesichert. Es kann angenommen werden, daß die Wahl im Laufe der nächsten Woche vor- genommen wird.

Freihandel oder Schutzzoll für üie WninWrie? von FabrNdirsttor Franz Neitzert- Fulda.

Massenkundgebung in dem überfüllten Sportpalast. Koch wies in einer Ansprache darauf hin, daß die Deutsche Demokratische Partei nicht sterbe, sondern ihre Wiedergeburt erlebe. Nach ihm legte Justizrat Falk-Köln als Rheinländer ein Bekennt­nis zum Deutschtum ab. Der badische Staatsmini« fter Prof. Hel lpach begrüßte die Versammlung als Vertreter des alten Freihandels in Baden, in dem eine natürliche Demokratie schon vor 1918 ge­herrscht habe. Das ganze deutsche Volk müßte jetzt endlich mündig werden in der Politik. Frau Dr. Gertrud Bäumer bezeichnete die Kundgebung als einen würdigen Auftakt zu dem Wahlkampf, bei dem es nicht um kleine Dinge gehe, sondern darum, die Schlüsselstellung der deutschen Republik zu ver­teidigen. Als letzter Redner wandte sich General Deimling gegen die Bestrebungen auf eine Wiederherstellung der Monarchie ober auf die Vor­bereitung eines Revanchekrieges. Er erklärte, die Ausführung solcher unverantwortlichen Pläne würde das Volk und das Vaterland in tiefstes Elend stürzen. Deutschland könne nur gedeihen auf dem Wege der Völkerverständigung, des Friedens und der Demokratte. ,

Die selbständige Deutsche Valksparlei.

In Neustadt a. H. hielt die Deutsche Volks­partei d e r P f a l z ihren von über 250 Delegierten besuchten Vertretertag, der die erste Zenttalver- sammlung darstellt, die die Pfalzpartei seit zwei Jahren in ihrer Heimat abhalten konnte. Der Vor­sitzende Abg. Burger begrüßte vor allem die vielen zum großen Teil erst in der letzten Woche Heim- gekehrten und dankte unter lebhaftem Beifall der Reichstagsfraktion und Dr. Stress- mann für die erzielten Erfolge, die die besetz­ten Gebiete wieder dem Zusammenhang mit dem Däterlande zurückgegeben hätten. Nach einem Referat des Reichstaasabge­ordneten Zapf über die politischen Ereignisse der letzten Wochen und Monate beschloß die Vertreter« Derfammlung, selbständig m den Wahlkampf eingutreten.

Zusammenstöße.

Während eines Umzuges der Reichsbanner­vereinigung Schwarz-Rot-Gold in Spandau ent­stand eine Schlägerei zwischen Mitgliedern des Zuges und drei Studenten, die Mitglieder des Jungdeutschen Ordens sind. Die Studenten trugen zum Teil erhebliche Verletzungen davon. Die Streb tenden wurden getrennt und die Studenten in Schutzhaft genommen. Nach der Auflösung des Zuges kam es noch am Hafenplatz in Spanbau zwi­schen einzelnen kleineren Trupps der Reichsbanner­vereinigung Schwarz-Rot-Gold und des Jung- sturms zu Reibereien, die aber im Keime erstickt wurden.