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Zur Unterhaltung.

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Zuldaer Zeitung

Lieder vom Zierden.

Von Dr. Hagemann - Münster.

(Nachdruck verboten.)

Allerseelen! An einem solchen Tag, an dem die Der- gSnglichkeit alles Irdischen wie nie sonst zu uns redet, wird der Mensch naturgemäß mit doppelter Gewalt von dem Gedanken an den eigenen Tod erfaßt. Der eine sieht im Tode den großen Slcichmacher alter irdischen Werte, ein Gedanke, den jeder von uns schon einmal durchdacht hat, den wir aber in unserer menschlichen Armseligkeit so oft und so gerne vergessen:

Alles ist oergängllch. Mähret kurze Zeit, Die Armen und die Reichen Müssen einander gleichen In der Ewigkeit.

Keiner wird verschonet. Keiner kommt davon: Fürsten, Potentaten Finden keine Gnaden, Muffen alle dran.

Ein anderer ziebt die letzten Folgerungen aus diesem Gedankengang in einem Lied, das von der Vergänglich­keit wie son der Stimmung eines öden Novembertages durchweht ist und dessen letzter Schluß in der bitteren Erkenntnis des alten Weisheitslehrers Salomon besteht: Sag, was Hilst alle Welt mit ihrem Gut und Geld? Alles verschwindet geschwind, wie der Rauch im Wind. Was hilft der hohe Thron, das Szepter und die Kron'? Szepter und Regiment hat alles bald ein End'.

Was hilft sein hübsch und fein, schön wie ein Röselein? Schönheit vergeht im Grab, die Rosen fallen ab.

Was hilft das gülden Stück, von Gold, Zier und Gefchmück?

Gold ist nur rote Erd', die Erd' ist nicht viel wert. Alles ist Narretei und alles Phantasei.

Manche Lieder sind erfüllt von einem niederdrücken­den Peffimismus, den kein Glaube erleichtert, keine Hoff- nung versöhnt. Ganz anders klingen di« der Dichter, denen das Christentum eine feste Weltanschauung mit ihrem unerschütterlichen Glauben an ein Jenseits bedeutet. Denn sie wissen, daß ihnen ein Erlöser lebt, sie kennen den starken Helfer, der sie aus der Nacht des Grabes in das Licht des ewigen Lebens führt.

Das gewaltigste Sterbelied mit einem solchen christ- ächen Geiste ist die lateinische Antiphon:Media vita in morte sumus", die dem St. Gallener Dichtermönch Notker Balbulns (9. Jahrhundert) zugeschrieben wird und zu der er bin Anregung erhalten haben soll, al, er beim Bau der hoch über einer Schlucht errichteten Mar- tinsbrücke die furchtbare Gefahr der über dem Abgrund schwebenden Werkleute sah. Schon bald wurde Notker, Lied in St. Gallen auf Bittfahrten und an Gedächtnis- tagen für Verstorbene und in Zeiten schwerer Bedräng­nis gesungen, verbreitete sich von da auch durch Deutsch- land und über ganz Europa, wurde dann verschiedent­lich übersetzt und während des Mittelalters ein allgemei- nes Volkslied, »as sowohl in der Kirche als auch in blutiger Schlacht und auf stürmendem Meere ertönte. Eine deutsche Uebertragung im Gesangbuch Walthers AS2ch, des musikalischen Beraters Luthers, lautet:

Mitten wir im Leben sind Mit dem Tod umbfangen: Wen suchen wir, der Hülfe thu, Daß wir Gnad' erlangen? Das bist Du, Herr alleine. Uns reuet unsere Missetat, Die Dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herr« Gott, heiliger starker Gott, eiliger barmherziger Heiland, Du ewiger Gott, Laß uns nicht versinken

In des bittern Todes Roth. Kyrie eleison.

Notker, oder wer nun immer der Dichter fein mag, )at die Nichtigkeit und Hinfälligkeit des menschlichen Lebens so stark, so unmittelbar empfunden, daß ihm das tiefe Erlebnis dieses Gedankens die unvergleichlich schön und wuchtig gestalteten Worte eingab:Media vita in morte sumus". Aber dieses Wissen, daß der Tod jeden Augenblick nach uns greifen kann, hat ihn alle Schauer der Angst durchleben lassen, daß er, seiner eigenen Hilflosigkeit eingedenk, nach einem mächttgen Helfer sucht, den er im barmherzigen Sott findet. Und nun klammert er sich an ihn, fleht zu ihm: Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, so inbrünstig, daß es wie ein Aufschrei der geängstigten Menschenseele klingt, mit sol- cher Heftigkeit, daß man den Geist vorn Seifte Jakobs SU spüren vermeint, der mit dem Engel rang und sagte: -2ch lasse Dich nicht Du segnest mich bann!'

Es ist kein Wunder, daß dieses gewaltige Lied von jeher die Menschen tief ergriffen hat. Immer und über» aH in Trübsal und Not ist es gesungen worden, in die ersten katholischen und evangelischen Gesangbücher ist es ausgenommen, Luther und auch Dehl, der Heraus­geber des frühesten kacholsschen Gesangbuches (1587), haben es um je zwei Strophen erweitert, während unser obiger Text nicht von Luther herrührt, wie man früher glaubte, sondern erstmalig in einem Baseler Werk vom Jahre 1514 gedruckt ist und von Luther nur abgeändert wurde.

Wesentlich verschieden von dem Gesänge des St. Gal- lener Mönches ist das folgende Lied, in dem keine seelische Erschütterung durchklingt, sondern eine ruhige, fromme Ergebung, die sich in dem großen, heiligen Willen gesichert und geborgen fühlt und nichts Besseres verlangt:

Ich hab mein Sach' Gott heimgestellt, Er machte mit mir, roies ihm gefällt! Doll ich allhier noch länger leben, 'ich! widerstreben,

Jrinem Willen tu ich mich ergeben.

Mein' Zeit' und Stund' ist, wann Gott will: Ich schreib ihm nicht vor Maß und Ziel. Es sind gezählt all Härlein mein, Seit), groß und klein.

Fällt keins ohn' feinen Willen.

Auf denselben Ton gestimmt ist das schönste der protestantischen Sterbelieder, das bekannteJesus, meine Zuversicht", das heute eines der beliebtesten Kirchen- lieber, früher ein wahres Volkslied war, da es über 200 Jahre lang bei Begräbnissen in vielen Gegenden Deutschlands vorn Volke gesungen worden ist. Auch m diesem Lied, bas man fälschlicherweise der Äurfürftin Luise Henriette (16271667) von Brandenburg zuge­schrieben hat, die es gedichtet haben soll, als sie ihr einziges Kind verlor, hat der Tod keine Schrecken mehr:

Jesus, meine Zuversicht

Und mein Heiland, ist im Leben: Dieses weiß ich, sollt ich nicht ^arum mich zufrieden geben? 3as die lange Todesnacht ir auch für Gedanken macht. Jesus, mein Heiland, lebt, h werd' auf das Leben schauen. Sein, wo mein Erlöser schwebt. Warum sollte mir dann grauen? Löstet auch ein Haupt sein Glied, Welches er nicht nach sich zieht?

Das freudige Sterben, dem die gläubige Menschen­seele in Sehnsucht entgegenharrt, hat feinen innigsten

Ausdruck gesunden in einem Liede, das sich unter den Gesängen des frommen Priesters Heinrich Lauten­berg (15. Jahrh.) fand:

Ich wollt, daß ich daheime wär Und aller Welte Trost entbär! Ich mein daheim im Himmelrich, Da ich Gott schauet ewiglich.

Daheim ist Leben ohne Tod Und ganze Freud ohn' alle Rot. Ade, Welt, Gott gesetzen dich! Ich vor dahin gen Himmelrich!

Dieses Lied schlägt jenen tiefen Ton an, der nicht für beute und morgen, sondern für die Ewigkeit erklingt. Solche Klange tönen wie Glockenrufe aus der Höhe in die irdische Vergangenheit hernieder: sie geben Kunde von einem Wesen, das in sich gefestigt und in sich ruhend eins geworden ist mit Gott und schon zu Leb­zeiten eingegangen ist in die Ewigkeit.

Sterben ist und bleibt die höchste Weisheit.

Brief ass Sapporo.

Der Tod des Frauziskaner-Missionars P. Timolheus Ruppel, jSropräfeN wen Lappor»,

Gefallen auf dem Felde des Kampfe« um Seelen.

Nachdem bereits vor mehreren Wochen der plötzlich« Tod des Franziskaner-Missionars P. Timotheus Ruppel gemeldet worden ist, können heute Mc näheren Umstande seines allzufrühen Todes mitgteilt werden. Wir lassen hier den Bericht folgen, den uns der Missionar P. David Miehach santzte, Melchor zuerst an die Unglücksstepe kam.

Es war am 4. September gegen 12 Uhr mittags, als plötzlich die telephonische Meldung an unser Missions- fpital kam, in Pamahana, einem neu angelegten Stadt­teil von Sapporo, der Hauptstadt von unserem Mission», gebiete Hokkaido, fei ein Missionar umgefallen und tot liegen geblieben. Welch ein Schrecken für uns! Es konnte kein anderer Mttbrudcr fein, Äs unser Heber P. Timo­theus, zu dessen Miffionsbezirk die Unglücksstätte gehörte und wo er schon seit vielen Jahren mit unermüdlichem Eifer wirkte. Sofort machte ich mich mit einem Spezial- arzte auf den Weg, um den Toten oder Verwundeten möglichst bald zu finden. Die telephontsche Nachricht hatte nämlich die Unglücksstelle sehr unbestimmt beschrie. dem Der neue Stadtteil ist so ausgedehnt, daß er selbst wieder eint neue Stadt bilden könnte. Nach einer recht bangen und ahmmgsschweren Fahrt von einer Stunde auf der Jinriksha tarnen wir endlich auf der Stelle an. Als ich die Strohmatte, Ne über den Verunglückten aus- gebreitet war, weg nahm, bestätigte sich meine bange Ahnung: Da lag, vom Blitzstrahl getroffen, schon bleich, doch ruhigen Antlitzes unb mit geschlossenen Äugen, den Rosenkranz halb um den Hals gelegt, mein fieber Mit­bruder, P. Thtmotheus.

Ich rief ihn an, doch feine Antwort mehr! Das .Herz stand sttll. Denn auch fast hoffnungslos, spendete ich chm doch bedingungsweise bte Absolution unb hl Oelung. Der Arzt machte Wi^erbelebmrgsversuche, doch leider umsonst. Er mußte ganz plötzliche Herzlähmung feststellen. Die wettere Untersuchung sollte später zu flaufe vorgenommen werden.

Nach Aussagen von Augenzeugen und de» bald her- beieilenden P. Hugo!in Stell, seines Mitarbeiters, war P. Timotheus morgens nach einem Dersehgang unb anderen seelsorgüchen Arbeiten gegen 10 Uhr bei prächtigstem Weiter aus dem HaUfe gegangen, um, wie immer vor dem ersten Herz Jesu-Fveitage,' bte Kranken in dem Stadt» teil yamahema Beicht zu hören und die dortigen Kacke- chumenen zu unterrichten. Am Herz Iefu-Frettag selbst brachte er den Kranken dann immer bte hl. Kommunion. P. Timotheu» wollte eben zu einem allen Manne, als ihn ein sehr starker Gewitterregen überraschte. Da er nur einen Stock bei sich hatte, suchte er eben Schutz un­ter einer kleinen Baumgruppe, die am Dege ftcmd. Hier sah ihn eine heidnische Frau stehen, dre trat ihrem Kinde vorüber eilen wollte. Doch kaum war sie einige Schritte an ihm vorbei, als ein unerwarteter Blitz, begleitet von einem furchtbaren Donnerschlag, sie blenbete unb be­täubte, jedoch nicht verletzte. Sie härte noch, wie der Europäer, den sie dort hatte stehen sehen, lautlos um­fiel. Sie setzte ihren Weg, so gut es ging, fort, schaute aber nochmals um, als sie sich wieder etwas erholt hatte, und sah den fremden Mann wirklich daliegen. Statt zu helfen, ßef sie vor Schrecken davon in ihr nahes Haus, kchrte aber bald zurück, um nach dem armen Ausländer zu sehen. Doch er schien bereit» tot zu sein. Sie meldete es telephonisch der nächsten Polizeistation. In der Nähe wohnte auch der alte Mann, den P. Timotheus gerade hatte besuchen »ollen. Auf bte Kunde »cm dem ®e- schchenen eilte er sofort mit seiner Schwiegertochter her­bei. Er brachte dem Pater die erste Hilfe, doch ver- geblich, denn als er ihn anrief unb ihm auch einige Ge­bote »orsprach, erhielt er keine Antwort mehr. So er­zählte der Mann nachher unter vielen Tränen.

Sie Teilnahme an dem Unglücksfalle war eine allgemeine. Bon allen Setten kamen Beilettebriefe, auch von den Missionaren anderer Missionen, u. a. auch fran­zösischen. Alle betonen den schönen Tod des Paters, der mitten in der Arbeit eines Missionars von Gott abberu­fen sei: Gefallen auf dem Felde des Kamp­fes um Seelen.

Besonders die Christen der beiden Missionsbezirken der Stadt betrauerten den Toten aufs tieffte, ja sie wetteiferten förmlich in der Bezeugung ihres Schmerzes über den Verlust ihres Missionars unb in Beweisen auf­richtiger Verehrung unb Liebe zu ihm. Auch seiner Seelenruhe gedachten sie. Außer einzelnen Messen be- stellten die Christen jeder der beiden Miffionsstattonen der Stadt je eine gregorianische Messe. In großer An­zahl versammelten sie sich jeden Abend in den beiden Jfirdjen zum Gebete für den Toten. Sehr viele tarnen auch in das Leichenzimmer des Missionsfpitals, wo seine Leiche mehrere Tage aufgebahrt lag. Manche blieben lange Zeit vor der Leiche, weinend und betend.

Als die Leiche an der Unglücksstelle auf gefunden war, kamen auch bald einige Christen aus feiner Gemeinde oon auswärts, von Freunden durchs Telefon benach- richttgt, herbeigeeilt. Ohne Scheu vor den staunenden Heiden zeigten sie hier ihren großen Schmerz über den herben Verlust unb beteten auf den Änieen für feine Seele, selbst reiche unb angesehene Leute. Ein vorneh- mer Christ konnte des anderen Tages bei feinem Bei­leidsbesuch bei dem hochwürdigften Apostolischen Prä­fekten vor Schmerz kein Wort äußern, er weinte laut und heftig. Mehrere langjährige Sünder, um deren Bekehrung sich Pater Thimotheus bisher mit Eifer, aber ohne Erfolg bemüht hatte, kamen jetzt ohne Aufforde­rung; sie konnten dieser stummen Predigt des Todes nicht widerstehen. Bei der Hausbeichte eines Kranken sagte dieser und seine Frau:Äir haben den ganzen Tag nur gemeint, denn es ist zu viel, was wir dem verstorbenen Derbtyifen." Der jetzige Chefarzt des Missionsspitals, der noch Heide ist, sagte nach der ärzt- lichen Untersuchung, als die Schwestern bemerkten, Pater

Timotheus sei wie ein Märtyrer gestorben:Wie. nur rate ein Märtyrer? Nein, er ist ein Märtyrer im Dienste seiner Mitmenschen. Ich schätze mich glück­lich, daß ich ihn noch vor einigen Tagen kennen lernen konnte." Solange die Leiche noch im Spital war, ging der Chefarzt morgens unb abends allein in das Zim- mr, schloß die Türe hinter sich und blieb dort geraume Zeit in Gebet und sttller Betrachtung, wie man beobach­ten konnte. Obgleich er augenblicklich sehr beschäftigt ist, nahm er sich doch Urlaub für Montag morgen zur Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten.

Es ließen sich noch viele Beispiele erzählen, rote die- fer tragische Tod einen großen Eindruck auf Heiden wie Christen gemacht hat, sowie von deren herzlichen Teil- nähme, die uns zeigt, rote angesehen unb beliebt unser lieber Mitbruder bei Christen unb Heiden gewesen ist. Selbst von weiter (Entfernung eilten die Leute zu der Beerdigung herbei.

Obgleich Pater Timotheus bereits am Donnerstag gestorben war, hatte der Apostel. Präfekt die Beerdigung doch erst auf den Montag festgesetzt, damit möglichst alle Patres unserer Mission daran teilnehmen könnten.

Am Sonntag abend gegen 6 Uhr wurde die Leiche vom Krankenhaus zu der Kirche überführt, wo der Der- storbene die letzten sieben Jahre so vorbildlich gewirkt hatte. Kirche und Altar waren von den Schwestern und den Christen mit Trauerflor und grünen Pflanzen aufs reichlichste geschmückt worden. Eine große Anzahl Chri- sten zog der Leiche entgegen. Langsam und schweigend bewegte sich her Zug durch die Straßen der Stadt, be­gleitet von den still betenden Christen. Ob des unge- wohnten Anblickes bei den heidnischen Begräbnissen geht es immer laut unb mit vielem Lachen zu traten viele Heiden aus den Häusern hervor. Sobald der Zug nahte, wurden alle still, einen so tiefen Eindruck machte der lautlose Zug auf die empfänglichen Gemüter der Heiden.

Dor dem Kirchenportale erwarteten di« Christen in Ernst und Schweigen den Leichenwagen. Unter dem Geläute des Glöckchens wurde die Leiche zur Kirchen- türe gebracht, wo die Missionare sie erwarteten. Nach den kirchlichen Gebeten fangen die Patres ein mehr­stimmiges Miserere. Alsdann wurde die Leiche in die Kirche gebracht unb vorn im Chor aufgebahrt. Nach dem Totenofsizimn ber Missionare beteten die Christen ge­meinsam für ihre« lieben Toten. Und noch bis abends 11 Uhr gingen sie abwechselnd ht die Kirche zu frommem Gebet.

War schon in diesen ernsten Tagen der Andrang zur hl. Kommunion außerordentlich stark, so ganz besonders am Begräbnistage. Alle wollten die hl. Kommunion aufopfern für ihren guten Missionar.

Nach dem Traueramte, das ber hochwürdigste Apost. Präfekt sang, hielt Pater Hilarius Schmelz (aus Barsch bei Gessa) eine packende japanische Trauerrede. Daraus setzte sich durch die Straßen der Stadt ein christlicher Trauerzug in Bewegung, wie ihn die Stadt Sapporo noch nie gesehen hat. Wohlgeordnet bewegte sich der große Zug, bestehend aus Christen unb fleiben, zuerst schweigend, bann laut betend, quer durch die ganze Stadt.

Gegen 11 Uhr kamen wir auf unserem schönen, hoch angelegten Friedhof an. Nach den Gebeten und Seg­nungen der Kirche fangen die Patres nochmals das Miserere. Als man dann die Leiche in die Erde senkte, erhob sich ein so allgemeines Weinen und Schluchzen, daß die darauf folgenden japansschen Gebete und Ge­sänge mehrmals unterbrochen werden mußten.

Zum Schlüsse sangen die Missionare dem von allen so heißgeliebten Mitbruder ins Grab hinein zum Ab- schied das stimmungsvolle, ergreifende Lied:Trauemd senken wir die Hülle nieder In die Erde', zu welchem unser Pater Franziskus Vergott noch eigens zwei Strophen hinzugedichtet hatte.

Möge wcchr werden, was sich so oft im Liebe wieder­holte unb uns noch jetzt dn Herzen klingt, daß der teure Verstorbene ausruhe von feinen vielen Mühen und Opfern, und einst ein ewiges Wiedersehen ohne Iren- nung uns mit ihm am Herzen Jesu vereine.

Pater Timotheus Ruppel war geboren zu Reuhof, Kr. Fulda, am 13. Juli 1884, am 20. April 1904 in den Franziskanerorden eingetreten, hatte am 1. Juni 1912 die hl. Priesterweihe empfangen und reifte am 13. Juki 1918 in die Mission nach Japan ab. R. L p.

Schlaglichter.

Aphorismen von Slops Christ. Wilsmann.

(Nachdruck verboten.)

Die Dinge der Welt muß man suchen, um sie zu finden: Gott aber muß man immer erst finden, um ihn zu suchen.

Wer alles bejaht, verneint auch alles.

So mancher geht daran zu gründe, daß er vor lauter Möglichkeiten die Notwendigkeit, vor lauter Zielen das Ziel übersieht. So mancher kommt eben vor lauter Tätigkeit nicht zur Tat.

Selbstbewußssein ist nichts anderes als die Erkennt­nis feiner innersten Aufgabe.

Das Ziel unseres Lebens liegt nicht außer uns, son­dern in uns. Ziel ist Berufung, nicht Beruf.

Menschen, die nach der Zukunft fragen, haben be­reits keine Zukunft mehr; denn Zukunft ift kein Schick­sal, keine dunkle Form, in die es uns treibt, sondern sie ist nichts als Erfüllung und Enthaltung unseres Lebenszieles. Wer aber hat noch Zukunft, der fein Ziti mehr hat?

König fern, heißt Grenzen haben. Dadurch unter­scheidet sich der König vom Bettler.

Eine tote Puppe hat mehr Seele als eine lebendige.

Alle Frauen sind in ber Tiefe ihres Wesens Weib; aber die wenigsten Weiber sind Frauen.

Der Weg zum Sinn des Lebens führt für manchen durch die ttefften Sinnlosigkeiten. Es ist schon wahr: gar »st ist ber Umweg ber kürzeste Weg.

Herkunft -er Schattenspiele.

In Deutschland sind jetzt künstlerssche Beftrebungen im Sange, um die aßen Schattenspiele Wiederaufleben zu lassen. In Stuttgart wurde unter Mitwirkung von Mtt- Gliedern des Landescheaters ein orientalisches Schatten- spielDas Krokodil" unter großem Beifall des Publlkmns aufgeführt, unb in Köln sollen sogar Kurse für künftige Schattenspiel-Direktoren" abgehalten werden In Nord- deusschland hat num vor fünf Jahren ähnliche Versuche gemacht man führte im Kleinen Theater zu Berlin All-Nürnberger Schattenspiele auf, sie vermochten sich aber dort nicht einzubürgern. Wo die Schattenspiele zu. erst eufgetreten sind, ist mA Sicherheit nicht festgestevt. Wahrscheinlich aber sind sie aus dem Osten zu uns ge­kommen, aus China, dessen Literatur sie bereits im 11. Jahrhundert erwähnt. Auf Jawa kannte man sie aller- binas Ende des 10. Jahrhunderts. Verbreitung fanden

\ Nr. 256 vom 1. Nov. 1924. !

die Schattenspiele vor allem in Aegypten. Schattenspiel, komödien aus dem 13. Jahrhundert, die aus Aegypten flammen, sind uns noch heute erhalten. Ihren ersten ge­krönten Mözen fanden sie in dem türksschen Sultan Selim I der an seinem flofe ein richtiges Schattenspiel. Theater errichtete.

In Deutschland ift das Schattenspiel-Theater hn sieb­zehnten unb vor allem im achtzehnten Jahrhundert recht volkstümlich geworden. Zuerst brachten sie italienisch« Trupps auf die großen Messen m Leipzig und Frankfurt mit. Später fanden auch die Höfe an dem Schattenspiel Gefallen und stehen ihm ihre Unterstützung. In dein von Goethe gegründeten Weimarschen Liebhaber-Theater, bei dem die Herren und besonders die Damen des Hofes persönlich mttwtrkten, spielte das Schatten-Theater eine groß« Rolle. Die Aufführungen wurden bald im Schloß zu Weimar, bald in Ettersburg, bald in Tieffurt veran­staltet. Die Tiefstirter Bühne wurde am 28. August 1782, am Goethes Geburtstage, mit dem Schattenspiel Minervas Geburt" eröffnet. Herzog Karl August spielte den Hephästos, der mtt wuchtigem Hammerschlag b-n Schädel des gewaltigen Zeus zertrümmert, woraus dann Minervav (Corona Schröter) zuerst als flomimtula, dann durch optische Vorrichtung immer größer werdend, er. steht. Den Schluß bildet eine Apoihese Goethes, dessen Namen von einem geflügelten Genius in die Sterne em» porgetrogen wird.

Kein drückender Schuh mehr.

Das Pedoskop.

Aus Amerika brzw. England kommt eine praktische Neuerung zu uns, welche berechtigtes Aufsehen erregt dasPedoskop". Bisher war, wie dieTechn, Nachr." (Beilage derDüsseld. Nachr." schreiben, di, Auswahl eines wirklich passenden Stiesels sowohl für den Käufer wie auch den Verkäufer mit wirklichen Schwierigkeiten verknüpft. Man war allein auf dar Gefühl angewiesen, um beurteilen zu können, ob bei Stiefel brückt ober sonstige Unbequemlichkeiten verur­sacht. In ber Hauptsache konnte man bisher nur fest­stellen, baß ber Ballen bes Fußes richtig sitzt, babei kam es aber häufig vor, baß trotz ber guten Lage des Bal­lens bet Schuh oder Stiefel über den Zehen zu kurz ge< nommen wurde, weil es dem Verkäufer durch die in dem Stiefel befindliche Steifkappe unmöglich war, zu fühlen, wie weit die Zehen reichen, was von ganz be. sonders großer Wichtigkeit ist bei Schuhwerk, welcher hohe Absätze hat. Jetzt tritt ber Kunde, welcher einet neuen Schuh anprobiert, auf den sinnreich konstruierte« Apparat, basPedofkop", ber Verkäufer schattet de« Sttom ein, unb sofort bietet sich dem Auge das klare Röntgenbild bes Fußgerüstes bar. Der Käufer sieht gleichzeitig bie Form des Stiefels und bei Fußknochen unb kann selbst feststellen, ob der von ihn gewählte Schuh bte richtige Länge unb Breite hat. Di, Röntgenstrahlen sinb bekanntstch eine deutsche Ent. deckung. Da es mit ihrer Hilfe auf der ganzen Well mm bald keine schmerzhaften Füße mehr geben wird, ist anzunehmen, daß bie ganze Welt auch eher bereif fein wirb, mit Deutschland wiederauf gutem Fuße" zu leben! mf.

»

Aus aller wett.

von ber Prosa des Posthorns. Das Posthor. ist dn Laufe ber Zeit mit soviel Poesie umwoben wor. den, daß es uns schwer fällt, uns auf seineProsa" b. h. auf ben praktischen Zweck, den es erfüllte, zu be sinnen. Alte Verordnungen geben uns darüber Auf schluß. Danach wurde bas florn dem Postillon an du Seite gegeben, damit auf feinen Klang hin die 1. Ton und die Zoll- und Brückenschranken sich zur Nachtzeö öffneten, 2. damit jedes Fuhrwerk, das der Post ent gegentam, pflichtgemäß stillhiett und auswich, 3. bamil diejenigen, die Briefe mitzugeben hatten, von der An­kunft der Post benachrichtigt wurden, 4. damit diejenigen, bie Briefe unb Zeitungen erwarteten, sich einfanden, um sie abzuholen, 5. damit bei Unglücksfällen bie Leute zur Hilfeleistung herbeieitten, wozu sie bei strenger Straf« verpflichtet waren. An alle diese Zwecke sollte bei Postillon benken unb sich barauf einrichten. Eine ganz« Reche verschiedener Signale mußte er blasen können: er wurde vor ber Einstellung in ben Postdienst darauf­hin geprüft. Die preußische Postordnung vom Jahre 1812 schürft ben Postillonen den richtigen unb wohl­klingenden Gebrauch bes Posthorns ausdrücklich ein. U. a. wird bestimmt, daß ber Postillon auf dem ganzen Wege von bem Siabttor bis zum Posthof zu blasen hatte. Da ift es kein Wunder, baß bas Posthorndlasen sich allmählich zu einer kleinen Kunst ausbildete, die nicht wenig dazu beitrug, bas Posthorn mtt jenem Nimbus zu umgeben, der es für uns heute zu einem so wesent­lichen Bestandteil der guten alten Zeit macht.

Rekord einer Jacht. Die Motorjacht Freder'rc Banberbilts in Kopenhagen,Vedette" genannt, ha! die 3800 Seemeilen lange Strecke von Kopenhagen in zehn Tagen unb acht Stunden zurückgelegt und bamil eine Rekorbleisttmg vollbracht. DieVedette" wurde auf ber Kopenhagener Schiffswerft von Burmeister u. Main erbaut Die Dieselmotoren ber Jacht verfügen über je 1000 Pferdestärken. Vierzehn Knoten wurden stünd­lich durchschnittlich auf der langen Reise erreicht Die Jacht hat Raum genug, um Brennstoffvorräte für ein« auf 6000 Seemeilen berechnete Strecke mitzunehmen.

Sine praktische Messe. Eine Weste mit vielen Ta­schen auf dem uns vorliegenden Bilde zählen roh 12! hat sich in Amerika eingeführt Sie wird be! sportlichen Seranftaltungen von dem Unparteiischen ge tragen und dient zum Aufbewahren ber Uhren d e> Mitspieler!

heiteres.

Auch ein vergnügen. Sauer:Aber horin Sie mal. in biesem schlammigen Wasser gibts doch keine Fische!" Städter:Mag sein, aber ich angle nicht bes Fischens sondern des Vergnügens wegen."

Ein Lob.Batet, Satti, heute hat mich ber Herr Lehrer gelobt!"So, was sagte er denn, mein Karl?" Er sagte zum Oskar Reimann: Du bist noch bümm*- als ber Karl!"

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Bei Protzens.Also Ihr Sohn hat Ihnen so viele vergernisse bereitet?"Na, ich sage Ihnen: ber ist bas Portal zu unferm Mausoleum!"

Deutlich. Geck.Ach, Sie Aermste, Katarrh! Wissen. Sie mein Fräulein, roenn ich Katarrh habe, werde ich immer ganz dumm im Kopfe."Ah, bann leihen <5te, motzl et chronischem Katarrh?,"