Fuld aerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.
Donnerstag, 30* Oktober 1924
Nr. 254
Monatlicher BeruosvreiS: 1.50 Mk.
»erantwortli» tür die Schriitleitung- Dr. JobanaeS «ram er. Ameigenr I. B arreller, Fulda. Rotationsdruck und verlas der : Fuldaer Sctiendruckerei in Fulda. Fernivrecher Nr- 9.
wirtschaftliche ttampfbewegungen.
= Vie hafenarbelterschast Sroh-hamburgr hat nach einer Meldung des Bert. Tagebl. das mit dem Hafen, betriebsverein abgeschlossene Lohnabkommen ge» kündigt. Die vor dem Schlichtungsausschutz bisher gepflogenen Verhandlungen sind ergebnislos verlaufen. Es sollcn jedoch diese Woche neue Verhandlungen statt, finden, um einen Streik au verändern.
Kurland.
* Englische Expedition nach SowjetRutzland. Nach einer Meldung des „Star" wird der britische Gewerkschaftskongreß am 7. November eme Mission nach Rußland entsenden, um sich über,die Lage derdortigenGewerkschaf tsorganrf ationen und über die allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Rußland Klarheit ,u verschaffen.
• Vernünftige österreichische Monarchisten. Der dritte Parteitag der Oesterreichischen Monarchisten hat die Unwandlung der Partei in eine Kons er- vative Volkspartei beschlossen, die es nicht ablehne, in der R e p u b l i k als Heber gang s form mitzuarbeiten, um die Heimat vor Schaden zu bewahren.
Set neue erfolg SMklWMs., Der Bürgerkrieg.
ivtb Paris, 29. Off. (Tel.) Dec Nervyork Herald" meldet aus Schanghai, daß das Gerücht umlaufe, Feng-hu-fiaag, der sogenannte christliche General, sei ermordet worden. Eine Bestätigung dieses Geräts fei bisher noch nicht möglich gewesen, da jede Verbindung mit Peking abmarschiert sei, um auf die Armee des Herald gemeldet, daß General Feng-hu-siang von Peking abmarschiert sei, und aus die Armee des Generals Vu-Pei-Fu zu stoßen, der fein Hauptquartier vorübergehend in Tientsin gehabt habe. Die Schlachlwerde etwa in der Mitte zwischen Tientsin und Peking siattsinden. Im Verlause eines Interviews hat Tschang-su-lin erklärt, daß die Uneinigkeit der drei Provinzen verschwinden werde. Er empfehle die Deportation Wu-Pei-Ius nud bietet sich selbst an, die Kandidatur des srüheren Premierministers Tuan-Ehi-Üui
Die Anerkennung durch Frankreich.
Das Telegramm der französischen Regierung an | die Regierung von Moskau, in der die Anerkennung I der Sowjetregierung ausgesprochen wurde, ist a n Tschitscherin gerichtet und am Dienstag nach Moskau abgegangen.
Wtb p a r i 6. 29. Oft (Tel.) Aus Moskau wird gemeldet, das Telegramm der französischen Regierung an Tschitscherin und Rykow kündige die de! jure Anerkennung der Sowjetregierung an und sei im Laufe des gestrigen Abends in Moskau c n- gekommen. Da der Text im Verlauf der Üebermittlung verstümmelt wurde, find Rückfragen in Paris notwendig geworden. Der endgültige Text fei erst 8 Uhr abends in Moskau einge- troffen. Die Antwort der Sowjetregie, rung an Herriot fei im Laufe der Rächt abgegangen.
Verhandlungen in Paris.
Wtb Paris, 29. Oft (Tel.) Dgs Telegramm, das gestern herriot an den Volfskommiffar für Auswärtiges Tschitscherin abgehen lieh, hat bis zum Avgenblick noch keine Antwort gefunden. Das Telegramm vom Ouai d'Orsay kündigt an, daß Frankreich die Sowjets bedingungslos anerkennt und fordert schließlich Rußland ans, über die Regelung der Schuldenfrage zu verhandeln, die die Schulden und französische Interessen im Ausland betrifft. Ais Ver- handlungsort wird Paris empfohlen. _
Anretgen-Preise: Kleinreile (Colonel) lokal 0,15 Goldmart aurwärtS 0.20 Soldmark; Reklame,eile lokal 0.60. Goldmark I Kl IrthrQ auswärts OSO Goldmark. -r ! v 3
Bei Wiederbolunsen Rabatt- Postscheckkonto Frankinrt a- M- 4051
Die polnische Flotte.
Der Pariser Berichterstatter des „Manchester Guardian" berichtet, der lange Besuch des polnischen Kriegsministers Sikorski in Frankreich habe die Bedeutung, daß Polen zu einer Flotte n m a ch t gemacht und von Frankreich mit einer Flotte von modernen Unterseebooten, Zerstörern und Wasserstugzeugen versehen werden soll. Der neue polnische Hasen Gdingey an der San» ziger Bucht, wo riesige Bauten im Gange feien, solle zu einer starken Flottenbasis ausgestaltet werden und zwar der stärksten, über die Polen in Kriegszeiten verfügen würde. Strategisch sei dies von unverkennbarer Bedeutung und könne als Ausdehnung der französischen Flotten- madit auf ber Dftfee angesehen werden. Zur Begründung dieser Maßnahme werde Polens e x - panierte Stellung zwischen Deutschland und Rußland sowie die Notwendigkeit angeführt, eine Bereinigung der deutschen und russischen Flotten zu verhindern.
Es sei jetzt klar, daß die vor einigen Wochen in der französischen Presse veröffentlichten falschen Berichte über gemeinsame Flottenmanöver der deutschen und russischen Geschwader in der Ostsee Propagandazwecken dienten. Man muffe sich fragen, wie diese Entwicklung in Einklang gebracht werden könne mit der Begeisterung, die angeblich in Polen und Frankreich für das Genfer Abrü- stungsprotokoll herrsche.
Deutsch« Reich.
♦ Nm das Berliner Stadtparlament. Die Berliner Stadiverordnetenversammlung beschäftigte sich mit einem demokratischen Antrag, das Stadt- Parlament aufzulösen und die Neuwahlen am Tage der Reichstagswahlen vorzunehmen. Der Antrag wurde in der Debatte unterstützt von Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und den Kommunisten. Die Abstimmung über den An- trag wurde auf Donnerstag vertagt.
'* Das Wahlalter in Bayern. Meldungen aus München zufolge hat der Verfassungsausschuß des bayerischen Landtags einen bauernbündlerischen An- trag auf Hinaufsetzung des Wahlalters auf 25 Jahre und der Wählbarkeit auf 30 Jahre angenommen. _ .... „
* In dem Prozeß gegen die Drgamfatum „Konsul", aus deren Reihen bekanntlich der Erzberqer- Mörder hervorgegangen ist, wurde das Urteil gesprochen. ^Hoffmann, Killinger, Kautter und Müller werden zu je acht Monaten Gefängnis verurteilt, die anderen Angeklagten zu je 3 bis 6 Monaten Gesanges. Die Verurteilung erfolgte wegen Geheim- Kunde lei. Den Verurteilten wird jein Teil der Untersuchungshaft angerechnet.
Der Zenlmmparlei-Tag ist am Dienstag abend zu Ende gegangen. Am Mittwoch findet der Parteitag der preußischen Zentrumspartei statt. Das Ergebnis der Aussprache war die einstimmige An- nähme folgender
Entschließung:
„Der Reichsparieitag der Deutschen Zentrumspartei spricht dem Reichskanzler Marx und der Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages, die sich geschlossen hinter ihn gestellt hat, fein volles Vertrauen aus und gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Emigkeit und Geschlossenheit unserer Wähler dazu beitragen wird, der bewährten Politik der Mitte auch im zukünftigen Reichstag Achtung und Führung zu verschaffen.
Ausgehend von den erstrebten hohen Zielen der Volksgemeinschaft fft die Zentrumspartei gewillt, mrt allen Parteien die Regierungsverantwortung zu tragen, die bereit sind und die Gewähr dafür bieten, daß die vom Reichskanzler Marx verfolgte innen- und außenpolitische Linie eingehalten wird."
Das Schlußwort sprach der Reichskanzler. Die Außenpolitik ist das Erste und das Letzte unserer ganzen Einstellung. Nachdem ein gewisser Ruhestand mit den anderen Staaten eingetreten ist, darf nicht wieder ein Mißtrauen Platz greifen, ob es uns auch ernst ist mit dem Willen, die Lasten abzutragen. Wir erstreben Verstänbi- gun mit den übrigen Völkern und die Verständigungspolitik hat Erfolg gezeigt; deshalb muffen wir unbedingt an diefer Politik festhalten. Der Kanzler stellte bann ber Fraktion bas Zeugnis aus, baß sie stets mit ganzer Treue in allen schwierigen Tagen hinter ihm gestanden habe und feiert endlich den abgeschlossenen Parteitag als Partei- t a g d e r E i n i g k e i t. Das alte Märchen vom Wirtschen Flügel sei abgetan. Das Zentrum gehe in den Wahlkampf für Wahrheit, Freiheit und Recht. (Stürmischer Beifall.)
Nach einem Hoch des Iustizrats Monmg auf die Zentrumspartei, den Reichskanzler und das Vaterland fand sodann der Parteitag mit dem Gesang des Deutschlandliedes sein Ende. .
Worte der (Ermutigung.
Der treffliche Führer der deutschen Kacho- liten auf dem heißen Boden der Ostmark, in Ober- schlesien, Pfarrer U l i tz k a, hat auf dem Zentrums- Parteitag in Berlin Ausführungen gemacht, die besondere Erwähnung verdienen, weil sie den Ge- treuen der Zentrumspartei aus dem Herzen gesprochen sind. Pfarrer Ulitzka hält es für notwendig, daß, nachdem bisher zur Einheit gesprochen worben ist, nun auch Worte zur Ermutigung gesprochen werben sollen.
Wenn jemand die Reichstagsauflösimg und Me Reu, wählen als lästig empfindet, dann müßten wir Ober- I schlesier es sein. (Heitere Zustimmung.) Mr haben vor vier Wochen gewählt, und imsere Abgeordneten I sind noch nicht ein einziges Mal im Reichstag gewesen. I Wir gehen aber frohgemut in den Wahlkampf. I Wir haben bei der Wahl in Oberschlesien wieder em- mal ein Hochgefühl in der Wählerschaft, ein Gefühl dafür wahnehmen können, daß es ein Stolz und ein, | Ehre ist, Zentrumsmann zu fein. (LAHaste, I Bravo.) Wir müssen in diesem Wahlkampf ein Geständnis I ablegsn zum Kabinett Marx und das Bekenntms des Willens, an dieser Pol« fest,zuhalten. Wir muffen den I Mut zu diesem Willen haben. Wir werden mr Wahlkampf zweifellos vor die Frage gestellt, wie wir uns die Re- | gierungsblldung vorstellen. Wir müssen bann den Wut haben, zu erklären, daß wir von ,eder Partei, die, m» uns den Weg gehen wA, klar und enfthredm und ek^üch I wissen wollen, wie sie sich zu der Mittelpoläck stellen.. Wir I wollen keine Redensarten, sondern positiv I bindende Erklärungen haben. (Sehr nch-
tig!) Die Parteien, die mit uns gehen wollen, muffen regierungsfähig fein. Die Partei aber, he sich jetzt in die Regierung drängen wollte, war nicht re. »ierungsfLM. (Sehr richtig!) Bei dem Zufwnmenbruch stand die Frage nicht so, ob wir ums nach links orten- tirren wollten, sondern einfach so: Wollen wir den Mannern von der Revolution den Staat allein überlassen oder nicht. (Sehr richtig!) Jetzt aber haben wir eine derartige Position durch unsere verantwortungsvolle Mil- arbeit am Staat erlangt, daß wir das Recht haben, zu prüfen, und zu wählen, diejenigen, mit denen wir zusam- mengehen wollen. Wir müssen eine ehrliche und loyale Durchführung der Londoner Abmachungen ver- langen. Wir müssen aber auch verlangen, daß in ehrlicher Arbeit irrst uns die Verfassung geschützt wird Wir müssen aber auch roetier verlangen, daß die sozialen Belange gewahrt bleiben. (Sehr richtig!) Es grka aber auch andere, die nicht aus Gründen der politischen Notwendigkeit, sondern nach Stimmungen des Herzens sich r-ichten. Da fft zunächst ruzugeben, daß die k ul- turellen Fragen auf der rechten Serie im allgemet- neu besser gewahrt sind, aber was unsere speziellen koch. Fragen angeht, die Stellung M den Fragen der katholischen Schule, vor allem auch unsere Stellung zu der katholischen Kirche, dann werben diese Interessen bet der Rechten nicht unbedingt restlos gesichert fein. (Lebhaftes Sehr richtig!) Vergessen wir nicht, daß auf die- ser Seite die alten Kulturktzrnpfer sitzen, und daß dort die Quelle des Evangelischen Bundes sich be- findet. Und wir haben m diesen Kreisen oftmals eine größere Feindschaft gegen die katholischen Auffassungen gefunden, als bei manchen Sozialssten. Namentlich gibt es aber auch viel Akademiker, welche sich form, lich nach der Stunde sehnen, wo sie diesen Leuten wieder Vasallendienste leisten können. (Stürmisches Sehr richtig! — Heiterkeit und Händeklatschen.) Ulitzka erinnerte an die Worte Professor Lauschers am Akademikertag aus Anlaß des letzten Reichsparteitages, in welchen er diese Sehnsucht als eine Instinkt-Entartung bezeichnete und die beüalichen Kräfte kennzeichnete als Verfechter und Nutznießer der Imparität. Und das ist damals von den Akademikern mit stürmischer Zustimmung unterstrichen worden. Vergessen wir das nicht. Ich glaube nicht, daß es besser werden würde, wenn die Wünsche gewisser Kreise auf unmittelbare. Heranziehung jener Leute bald tn Erfüllung gingen. Der Parteitag zeigt, daß die von gewisser Seite erwartete Zersplitterung nicht emgetreten ist. Wir stehen so einig ba nie noch nach jedem Parteitag. (Sehr richtig!!) Dem Mutigen gehört die $8eit. Gehen wir in den Wahlkampf mit Vertrauen auf unser Programm, dann ryerd»- wir Jieaen. (Stürmischer BÄiM.)
zu unkersiühen.
Neuer Ludendorff-prozetz.
Den Blättern zufolge wurde bas Verfahren gegen die Führer bes Frontbanns wegen Ge- heimbünbelei nunmehr nach Auflösung bes Reichstages auch auf Lüben borff, den Hauptmann R o e h m, Hauptmann Weiß und den Chefrebak- teur des „Völkischen Kuriers" ausgedehnt.
*
Der Landtagsabg. P o e h n er hat sich nach der „München-Augsburger Abendzeitung" v o n j e d er Tätigkeit im Völkischen Block zurückge- zogen. ________________
Die zweite Ausgabe des deutsch- nationalen Wahlaufrufes
ist soeben erschienen. An die erste, die in der Presse der Deutschen Volkspartei als vorzeitig bekannt gegebener Entwurf betrachtet wurde, hatte sich bekanntlich ein lebhafter Meinungsaustausch ge- knüpft, weil man namentlich im Lager ber Deutschen Volkspartei nicht glauben wollte, daß sich die Deutschnationalen vorbehaltlos dem völkischen Wortgeklingel verschreiben wollten. Die zweite Ausgabe ist in manchen Punkten gemildert: es ist nicht mehr von dem Kampf gegen die Judenherrschaft die Rede, auch nicht mehr von dem Kampf gegen den demokratischen Kapita - li smus. Der Ausruf erklärt: „Die beste Staatsform ist für das deutsche Volk konstitutionelle Erbmonarchie. Das deutsche Volk wird zu gegebener Zeit auf gesetzlichem Wege über die Staatsform entscheiden." Also Abkehr vom Putschismus. Politische Bedeutung hat auch ber Satz: „Die Dawesgesetze sind jetzt bin- ! dendes Gesetz. Ihre Ausführung, die die Notwendigkeit der Milderung unserer Lasten er« weisen wird, verlangen wachsame, mannhafte Vertretung bes beutschen Standpunktes, bamit Reich und Volk nicht im wirtschaftlichen Elend ver- sinken und unsere tapferen Brüder und Schwestern im besetzten Gebiet endlich wieder die Freiheit erlangen." Damit erkennt die deutschnationale Partei die Dawesgesetze an, deren Annahme bekanntlich ja durch die deutschnationalen Jasager erst ermöglicht worden ist.
Die in langjähriger Praxis erprobten Grundsätze bes Zentrums auf dem Gebiete der sozialen Fragen finden erfreulicherweise ein Echo, wenn es heißt: Der Handarbeiter ist für uns gesellschaftlich und politisch vollberechtigter Staatsbürger. Arbeitgeber und Arbeit- | nehmer müssen im Geist wahrer Arbeitsgemein, schäft zusammenstehen.
Der Schluß des Aufrufes richtet sich gegen die Sozialdemokratie.
Der Kampf gilt vor allem der marxistischen Sozial- | demokratie und deren Helfershelfern und Schleppen- Sern. Eine Vorbedingung aber muß vor allem erwerben, wenn der 7. Dezember der Anfang zu I einem Aufstieg in Deutschland und in Preußen werden soll: Keine Zersplitterung im nationalen Lager! Der Wegweiser, vor dem das Deuffche Volk am 7. Dezember im Reiche und in Preußen steht, hat nur zwei Arme. Der erste zeigt nach rechts und der andere nach stnks. Rechts: Christentum, Vaterland, gesunde Wirtschaft. Links: Unglaube, revolutionäre Wirrnisse und wirtschaftlicher Ruin. Links: Schwarz-Rot-Gelb. Rechts: Schwarz-Weiß-Rot. Wählt Deutsche!
I Deutschnational ist Schwarz-Weiß-Rot.
Statt EinigungallerdeutschenMen- I scheu im Sinne opferbereiter Vaterlands- I Hebe wird hier also der Aufmarsch in zwei I Heerlagern gepredigt, die sich bann mit grim- I miger Wut gegenüberstehen unb im geeigneten Augenblick an bie Kehle springen werden. Hoffentlich wird die Gefährlichkeit dieser Parole in den I weitesten Kreisen der deutschen Wählerschaft er= I kannt. Das wäre unserem lieben Vaterlande von I Herzen zu wünschen.
Mussolini und die Schwarzhemden.
Aus Rom wird gemeldet: In feierlicher Weise leistete vor den Generälen den kommandierenden Offizieren und den Behörden die Miliz dem Könige den Eid der Treue. Ueberall marschierten Miliz- und Heeresabteilungen vor den begeisterten und jubelnden Menschenmengen vorbei. In Mailand hiA M u s s o l i n i auf dem Domplatz inmitten ber hohen Offiziere der Garnison vom Pferde aus eine Ansprache an die Schwarz- Hemden, in der er die Miliz und das Heer pries unb bie Anwesenden zu einem von der Menge begeistert aufgenommenen Hoch auf den König und auf Italien aufforderte.
herum aus den Taschen der Steuerzahler erfolgen muß. Soweit die Geldorganisationen unter be- j sonderen Gesetzes- ober Verwaltungsprivilegien I stehen, wird bie Rückkehr zur früheren Ordnung der Dinge unerläßlich fein.
4) Diese ganze Entwicklung zeigt, daß mit den i vorhandenen, an sich bescheidenen Kapital- | ersparnissen unwirts chaf tlich umge- I gangen wird. Mit prohibitiven Maßnahmen allein ist hier nicht geholfen; vielmehr wird es Aufgabe der Gesetzgebungsfaktoren sein, diejenigen Kapital- ! erjpcrniffe unb sonstigen Selber, bie sich unter be« I sonderem behördlichen Schutz ober behördlicher I Kontrolle entwickeln, in ihrer richtigen Verwendung zu beeinflussen, wie dies vor dem Kriege durchweg der Fall gewesen ist. Dies gilt insbesondere von den Sparkassen- und Versicherungsgeldern und von den Geldern gewisser öffentlicher Kassen, die keinesfalls in einem risikovollen kurzfristigen hochverzinslichen Kreditverkehr, sondern in mündelsicherer, langfristiger hypothekarischer Anlage insbesondere für die vom Hypothenkre- bit nahezu völlig entblößte Landwirtschaft verwandt werden müssen. Das ganze Volk, ! insbesondere jeder, ber mit Geldausleihen zu tun hat, muß einsehen, daß es in einem verarmten Lande unmöglich ist, durch gegenseitige hohe Zins- und Provisionsbelastung bas Verlorene in kurzer Frist wieder zu gewinnen, sondern daß es einer langensystematischen Arbeit bedarf, um durch eine internationale leistungsfähige Produktion das Nationalkapital wieder aufzubauen«
5t. SNA Her die Mmg. >
In einer Sitzung des Zentralaus- I fchuffes ber Reichsbank, der ersten nach ! ber Neugestaltung, erstattete ber Vorsitzende, Reichs- I banfpräfibent Schacht, Bericht über bie Maß- I nahmen, welche im Zusammenhang mit der lieber- I leitung der Bank auf bie neuen Verhältnisse ge« I troffen worden sind. Er machte zur währungs- I politischen Lage folgende Ausführungen:
Mit dem Inkrafttreten des Bankgesetzes und I der Durchführung der großen Anleihe find die I Maßnahmen für bie deutsche Währungsform fürs I erste abgeschlossen. Die Rentenmark j hat ihre Aufgabe als Brücke zur Wiederherstel- I lang ber Goldwährung erfüllt. Jetzt wird es I darauf ankommen, die deutsche Wirtschaft in ber I Zahlungsbilanz dauernd aktiv zu machen. Größte I Sparsamkeit im Innern und Verbilli- I gung der Produktion sind hierfür Bedin- | gung. Dadurch gewinnt bas Preisproblem I heute die stärkste währungspolitische Be- I beutung. Ich möchte hierbei mich auf eine Er- 1 örterung derjenigen Maßnahmen beschränken, die I bie Reichsbank in erster Linie angehen:
1) Die Bereitwilligkeit des Aus»! .taubes zur Krebitgewährung an j Deutschland wird gelähmt durch bas system - | lose Hinterherlaufen hinter dem auslän- I bischen Kapital seitens eines Heeres von unberufe« I neu Vermittlern, ferner dadurch, daß ausländische I Kredite nicht nur für lebensnotwendige unb wirk- I lich produktive Zwecke gesucht werden, sondern auch insbesondere von öffentlichen Körperschaften, bie int Interesse ber deutschen Wirtschaft besser auf eine Verwendung ausländischer Gelder verzichten sollten. Soweit diese Körperschaften ihre Einnahmen aus Steuern und Abgaben, nicht aber aus wirtschaftlichen Betrieben ziehen, istdieallergrößteZurückhaltung in der Ausnahme ausländischen Kapitals dringend geboten. Erst bann wird auch das ausländische Kapital nicht auf hohe einmalige Provisionsgewinne sehen, sondern auf eine bauernde gefunbe Anlage bei wirtschaftlich vertretbaren Zinssätzen.
2) Für kommunale Wohlfahrtszwecke ist nur soweit Raum, als die eigenen Ersparnisse bes Landes dies erlauben. Ich halte es deshalb für dringend erforderlich, daß zentral geleitete Maßnahmen ergriffen werden, um bie Verschulbung öffentlicher Körperschaften, insbesondere an das Ausland, unter wirksame Kontrolle zu nehmen.
3) Wenn bie Stabilisierung ber beutschen Währung nur burch einen entschiedenen Bruch mit allen Jnflationsaufsassungen gelungen ist, so werden wir die Konsequenzen dieser Politik, insbesondere auch da ziehen müssen, wo die Inflation mit am stärksten geschadet hat, nämlich auf dem G e- biete des Bank- unb Krebitwefens. Ich stelle mit Genugtuung fest, baß bie Reichsbank bei ihren Bemühungen, bie Zinssätze herunterzubrin- gen, nirgenbs auf bösen Willen gestoßen ist. Dagegen besteht auf dem Gebiet des Bank- und Kreditwesens heute noch eine UeberprobuJtion, die leider naturgemäß dem Herabbrücken ber Zinssätze entgegenwirkt. Der Umstanb, daß neben den üppig ins Kraut geschossenen privaten Neugrünbungen der Inflationszeit zahllose kommunale Bankorganisationen mit einem teueren Betrieb neu entstanden sind, daß eine große Mehrzahl aller Sparkassen heute sich mit Kredit- unb Kreditoermittlungsgeschäften befaßt unb baß jede staatliche ober Reichsanstalt, bie über öffentliche Gelber verfügt »ber mit öffentlicher Unterstützung (Selber an sich zieht, sich für berufen hält, der deutschen Wirtschaft mit Krediten unter die Arme zu greifen, bewirkt bei dem schreienden Mißverhältnis von Wollen u. Können eine Verteuerung ber Zinssätze unb ber Provisionen, bie für' bas Wirtschaftsleben unerträglich sind. Diese Verhältnisse führten außerdem, wie die-Ereignisse der letzten Wochen und Monate' zeigten, dazu, daß infolge ber Unerfahrenheit und Leichtfertigkeit Verluste enfftanben, die unter ber straffen Organisation ber Vorkriegszeit niemals möglich gewesen wären und deren Deckung zum großen Teil wie-