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FuldaerZerlung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

51. Zahrg.

Mittwoch, 29. Oktober <924

Nr. 253

auswärts 0,80 Eoldmark.

Sei WIederbolunaen Rabatt- SoNickeckkonto Frankfurt a. M- 4051

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sind.

Fürst Bismarck dankt.

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Japanische Auswanderer»

Brasilien nimmt 3000 Japaner auf.

wtb p fl r 1 s, 28. Oft. (Tel.) Nach einer Mel­dung desJournal" aus Bio de Janeiro hak di« brasilianische Regierung der japanischen Re­gierung mitgeteilt, daß sie die Einwanderung von 3 00 0 Japanern genehmigt hak. Der erste Teil der javanischen Einwanderer werde Ende des Monats in Lio de Janeiro einfreffen.

Vie Geschlossenheit der Partei forderte, nachdem vorher Dr. Dell über Paritäts­fragen g^prochen und Prälat Dr. Schoser und Staatsrat Lensing dem Reichskanzler herzlichstes Vertrauen ausgesprochen hatten, Refthskanzler a. D. Dr. Wirth:

Es gibt bei uns WeimMgsverschredenheSen, aber wenn wir uns verstehen wollen, dann zer­stieben diese Meinungsverschiedenheiten wie Nebel- schwafren. Wir sind ja gar nicht so weit oon einander entfernt, aber wehe dem in Deutschland und außerhalb, der diese außenpolitische Linie zerstören oder gar zerbrechen wollte. Dieser Zusammenbruch würde er- folgen, wenn nicht nach außenpolitischen, sondern nach parteitaktischen Gesichtspunkten verfahren würde. Diese Außenpolitik kann nicht geführt werden unter dem Ge­sichtspunkt, wieviele Ministersitze eine Partei erhält. Nicht nach parteitaktischsn Erwägungen, sondern nur nach den Interessen, die frittiert werden durch den Dienst an dem ganzen deutschen Volke, darf hier geurteilt werden. Wir vom Zentrum müssen nach eigenem ® eift un6 nach objektivem Ermessen die Politik führen, und wir müffen uns heute fragen: Sind wir über die Gefahr hinweg, die der Außenpolitik Marx gedroht hat? Nein!

Dr. Wirth schilderte dann die Zwiespältigkeit ber Haltung der Deutschnationalen wäh­rend der letzten Krise, und namentlich auch, nachdem nun­mehr die Entscheidung für die Auflösung des Reichstages gefallen ist. Er legte an den parteioffiziösen Kundgebun­gen der Deutschnationalen Partei bar, wie heute die Richtlinien des Kanzlers, die damals von den Deutsch- nationalen vorbehaltlos angenommen worden waren, ver­worfen werden. Wir dürfen uns nur nach dem Führer Marx und nach der Linie der Politik des Kanzlers Marx orientieren. Weder Führer noch Linie dürfen wir in diesem Wahlkampfe verlassen, und sobald wir über diese Linie, einig sind, dann gibt es im Zentrum weder einen rechten noch einen linken Flügel. (Stürmische Zustimmung.) Wir müssen also in erster Linie immer wieder betonen, daß wir Politik nach eigenem G eist itnfr n ach eigenem forme ff en machen

Die Handelsvertrag - Frage.

Französische Hoffnungen.

wtb p a r i s, 28. Oft. (Tel.) Auf einer Ver­anstaltung des republikanischen Komitees für In­dustrie, Handel und Landwirtschaft hat sich gestern abend Minister Rainandel über die Handels­vertragsverhandlungen Frankreichs ausgesprochen. Lr erklärte, der militärische Friede« werde niemals Bedeutung haben, wenn er nicht durch wirtschaft­liche Abkommen unterstützt werde. Die Abkom­men, die Frankreich schon abgeschlosten habe, seien nur Etappen, so haben wir gestern mit Bolen abgeschlossen. Auch mit Portugal werden im Laufe der Woche Verhandlungen angeknüpft. Das französisch-deutsche Abkommen aber beherrsche alles. Er habe die gute Hoffnung, daß man es zustande bringen werde.

Stnieta en-Greifet flleitueUe (Colonel) lokal 0,15 Goldmart auswärts 0,20 Soldmark: Reklame,eile lokal 0,60. Goldmark

Wie verlautet, beabsichtigt das französische Oben kommando, den Belagerungszustand sm das neubesetzte Gebiet aufzuheben. Gleichzeitig wird es die von ihm erlassenen Der- ordnungen in Gesamtzahl von 136 aufheben unE durch 20 neue Verordnungen ersetzen, die im We- entlichen den Ordonnanzen der Rheinlandkommis- ion nachgebildet sind. Selbstverständlich wird da- durch das Rheinlandabkommen nicht etwa die ver­tragsmäßige Grundlage der Okkupationsgeroalt im neubesetzten Gebiet, vielmehr ändert das nichts an dem außervertraglichen Zustand der dortigen Be­satzung *

Die Rheinlandkommission hat weitere Aus Weisungen zurückgenommen. Es blei- den noch 13 aus politischen Gründen erfolgte Aus­weisungen in der französischen Zone und fünf in der belgischen Zone des altbesetzten Gebiets be­stehen, bezüglich derer die deutsche Abordnung ver- handelt. Eine Reihe von Beamten wurde wieder in ihr Amt zugelassen, wodurch die Zulassungen in die Reichsverwaltungen nahezu voll­ständig erledigt sind. In der preußischen K o m- munalverwaltung sind noch etwa 10 Amtszulassungen rückständig; wegen dieser und einer größeren Zahl noch nicht zugelassener Be­amter des hessischen besetzten Gebietes dauern die Verhandlungen noch an.

Frankreich un-dieSowjetregierung.

Anerkennung de jure.

Wtb Paris, 28. Offs (Tel.) Es wurde offi ziös bekannlgcgeben, daß die Entscheidung der fran­zösischen Regierung bezüglich der de jure Anerken­nung der Sowjet-Regierung jedenfalls heute zur Kenntnis der Regierung in Moskau gebracht werde. Das erste Ergebnis diefer Anerkennung fei die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen und es sei wahrscheinlich, daß der ehemalige Außen- politikcr desImps, Herbette, die franzö­sische Regierung in Moskau vertreten werde. Der Sowjet-Sertrcler in Paris werde jedenfalls R a - k o w s f i werden. Nachdem dies geschehen sei, würden die Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen eingeleitef, um alle Frage» zu behan­deln, die sich aus die russischen Schulden und die Konfiszierung des französischen Privateigentums in Rußland beziehen.

Verantwortlich iür die Schrittleitung: Dr. Jo banne? Kramer. Anreisen: I- Darre Iler, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der : Fuldaer Acttendruckerei in Fulda. Fernidrecker Rr- S.

Monatlicher Bernssvreis: 1.50 Mk.

Das Eintreten für die Idee des Christentums hat aber so verlangt es die Entwicklung des öffent­lichen Lebens nicht nur auf diesem kulturellen Ge­biete, sondern auf dem gesamten Gebiete po­litischer Betätigung zu erfolgen. Was sich noch Christen nennt, hat zu unserer Zeit die christliche Gesinnung in erster Linie auch durch ein Christen­tum der Tat zu beweisen. Die christliche Nächsten­liebe soll nn gesamten öffentlichen Leben, besonders auch " ' jialen Leben betätigt werden.

Gefahr für Peking.

wtb Paris, 28. Off. (Tel.) Nach einer Meldung desNewyork Herold aus T i e n t f i n scheint infolge der vorbereitungeu d« Marschalls Wu-Pei-Fu, welcher Anstalten frisst, mit dem Ge­neral Feng-Juhifang die Hauptstadt zu umfassen, ein neuer Schlag P e k i n g zu bedrohen. Die Füh- rer der Volksarmee haben sich gestern verfammell und Tuau-Ehi-Jin zum Oberkommandierenden gewählt. Dr. Wang, der zum provisorischen Pre­mierminister und Minister des Aeußeru ernannt worden sei, sei hinsichtlich der Bildung einer neuen Regierung noch unentschlossen.

Der internationale Zug habe gestern abend Peking mit Ausländern verlassen, die nach Amerika und England zurückkehren wollen. Peking selbst fei noch ruhig, man fresse jedoch Der- leidig uagsvorbereituugea.

Aufgaben.

Wir werden weiter kämpfen für die Re i n h a l t u n g der Ehe und des Familienlebens, für die Reinheit unserer Literatur und unserer Kunst, des Theaters und des Kinos. Auf allen diesen Gebieten werden wir hoch bedeutungsvolle und ernste Pflichten rückhaltlos und ohne Menschenscheu auch weiterhin zu erfüllen haben.

im wirtschaftlichen und _____

Wenn nur uns als christliche Staatsbürger im besten Sinne des Wortes bewähren, wenn wir in Selbstlosig-

christlichen Schule und für die Sicherung christlicher Erziehung. Wir sind aber im einzelnen auch einge­treten für die Erhaltung und Sicherung der katho- '"'en Schule und der Sicherung einer katho- .., e n Erziehung und ich wage die Behauptung, daß abgesehen von der Bayerischen Volkspartei, keine andere Partei in sich die Gewähr bietet, daß sie für die katholische Schule und die katholische Erziehung so einzutreten gewillt und in der Lage ist, wie die Zentrumspartei. (Lebhafter Beifall.) Die Auf­fassung über Schule und Erziehung ist nun einmal anders im evangelischen und im katholischen Lager. Cs läßt sich nicht leugnen und es ist mit aller Deutlichkeit bei der Beratung des Schulgesetzes im Reichstag zu Tage getreten. Hier hat die Zentrums­partei ganz besonders wichtige und, wie ich kühn be­haupte, nur von ihr allein zu erfüllende

KWOn mi eiiheillilh in den BnWmps!

Die Parole des Zentrumsparteitages.

Wie dieDeutsche Zeitung" hört, hat Fürst Bismarck das Angebot des deutschnationalen Landesverbandes Weser-Ems, wiederum für den Reichstag zu kandidieren, abgelehnt. Der junge Fürst Bismarck hat bekanntlich zu denIa"- Sagern gehört, die dem Dawes-Gutachten zu- stimmten. _

hochverratsverfahren gegen v. Graefe.

DieBoss. Ztg." meldet aus München, daß das Hochverratsverfahren gegen den v ö l k i f ch en Führer von Graefe nunmehr eröffnet worden fei. Ein Beauftragter des Leipziger Staatsgerichts- hofes habe in der vorigen Woche den ehemaligen Staatskommissar von Kahr, den General o. Loffow, sowie Seisser, Frick und Poehner vernommen. Das Ergebnis dieser Vernehmungen habe zu der Er­öffnung des Strafverstrhrens gegen Graefe geführt.

kett der Volksgemeinschaft und unserem Staate dienen, dann werden wir die beste Verteidigung für die Wahr­heit der christlichen Lehre und die Unentbehrlichkeit des Christentums für die Gesundung und die Blüte der Staaten ausführen, dann werden wir, soweit es nach unseren Kräften möglich ist, wahrhaft christliche Kultur schassen.

lieber den kommenden Wahlkampf

sprach auf dem Berliner Parteitag in erster Linie der Vorsitzende der Reichstagsfraktion, Reichskanz­ler a. D. F e h r e n b a ch. Er betonte die lieber« einstimmung der Zentrumsfraktion in den großen Fragen während der letzten Wochen und fuhr fort:

und die politische Linie finden und gehen müssen, die den Interessen des ganzen deutschen Landes und Volkes ent­spricht. Erst in zweiter Linie müssen wir fragen, woher wir die Kräfte für diese Politik bekommen. Sind mir m dieser Frage einig, bann wird das Zentrum in Ehren aus diesem Wahlkampfe heroorgehen. Und wer uns stützt bei der Durchführung der großen politischen Lime, die wir bis jetzt inne gehabt haben, und wer an ber Außen­politik auf dieser Grundlage mitwirkt mit Klarheit, Entschiedenheit und Loyalität, der ist nicht nur unter Mitarbeiter, sondern unser Freund. (Lebhafte Zustimmung.)

Diese Linie ist gewiß mit Leiden und Opfern besät: sie entbehrt nicht eines leidenden, bitteren Zuges. Es gibt nach einem verlorenen Weltkriege keine andere Politik als die des leidenden Vorwärtsschrettens. Wir wollen in Geduld unsere ganze Kraft für die Erreichung dieses hohen Zieles einsetzen, dem Volke und dem Vaterlande zu die­nen. Treiben wir diese Politik, dann werden wir ein fest geschloffenes Zentrum haben. Wir wollen unsere ganz» Arbeit für den Dienst der Rettung des deutschen Vater­landes und für die Freiheit und neue Wohlfahrt des Volkes einfetzen." (Stürmischer Beifall.)

Justizrat Mönnig sprach dem Redner den herzlichen Dank aus und betonte, daß feine Aus­führungen allen Verdächtigungen den Boden ent­zogen hätten. Diese Grundsätze, die Wirth ver­treten habe, seien die Grundsätze, die in unserem Zentrumsprogramm festgelegt seien. (Lebh. Zu­stimmung.)

Im weiteren Verlauf der Tagung nahm Reichs- M a r x das Wort, um feinen Dank auszusprechen für ein Geschenk, das chrn aus Wittlage übermit­telt worden ist. Das Geschenk besteht in einer W indt hör st-Büste, in deren Sockel sich ein Stein befindet, der aus dem Fundament des Ge­burtshauses Windchorst stammt. Die Büste ist aus dem Holz eines über 1000 Jahre alten Eichenstam­mes geschnitzt.

Reichskanzler a. D. F e h r e n b a ch gab sodann ein Glückwunschschreiben bekannt, das der Neichs- tagspräsidenr Wallraf an den Abg. Peter Spahn gerichtet hat, der am 28. Oktober 40 Jahre dem deutschen Reichstag angehört. Der Redner knüpft daran, während die Anwesenden sich von den Plätzen erheben, den herzlichsten Glückwunsch des Parteitages. m .

Unter lebhaftem Beifall schloß der Redner da­ran noch einen weiteren Glückwunsch für den Vize­präsidenten des preuh. Landtages, Dr. P o r f ch, der in diesem Jahre gleichfalls fein vierzigjähriges Jubiläum als Mitglied und Führer der Zentrums­fraktion der preußischen Volksvertretung feierte.

Exzellenz Spahn und Dr. Porfch sprachen ihren Dank für die erwiesene Ehrung aus. Am Dienstag nehmen die Verhandlungen ihren Fort­gang.

Dr. Ltresemann

übte in einer Rede in Hamburg Kritik an dem Wahlaufruf der Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei:

Ich möchte darüber keinen Zweifel lassen, ich halte, wie ich den Linksblock entschieden ablehne, und der Meinung bin, daß er das Ende einer ver­nünftigen Entwicklung in Deutschland wäre, auch einen Rechts block nicht für wünschenswert. Was bl eiben soll, ist die Mitte. Wenn die Demokraten unter Führung Erkelenz Politik des Linksblockes treiben, scheiden sie aus der Mitte aus. Aber was viel notwendiger ist, als die schließ­lich belanglose Frage, was die Demokraten tun werden, das ist die Frage, ob das Zentrum die Politik mitmacht oder nicht. Hier stehe ich auf dem Standpunkt, daß wir zu einer Politik kommen müssen, die sich auf die mittlere Politik des Zentrums stützt, wie sie in dem Ra- m e n M a r x sich verkörpert, die sich auf dem Staat aufbaut, sich aber der ganzen kulturellen Schichtung feiner Wähler bewußt ist, sowie des Zusammen­hangs mit den rechtsstehenden Parteien. Hier und in der Deutschen Volkspartei liegt der Kern der Regierungsbildung, und hier ist die Deutsch- nationale Volkspartei anzuglie­dern, geführt von verständigen Elementen und gewillt, unter Umständen auch den Bruch mit den radiklen Elementen vorzu- nehmen."

Bus den anderen Parteien.

unglückliche Mandatssucher.

Tas Berl. Tageblatt hört, daß die Versuche der ans ber Demokratischen Partei ausgeschiedenen früheren Abgeordneten, beider Deutschen Volks- Partei Kandidaturen zu finden, gescheitert

Aus der Nede des Reichskanzlers |

Ädern Berliner Parteitag der Zentrumspartei en in Ergänzung der bisherigen Meldungen twch einige Gedanken hervorgehoben werden, weil sie mit meisterlicher Klarheit die Forderungen des Tages zum Ausdruck brachten.

Einig und geschlossen!

Die Zentrumspartei muß bleiben sie muß stark Meiben- sie muß deshalb einig und geschlossen den kommenden Wahlkampf aufnehmen und bestehen. Das mutz der Sinnspruch sein, unter dem dieser Parteitag jetne wichtigen Beratungen abhalten soll, bas muß fräs Ziel sein, bas jeder von uns bei sei- Bcr politischen Betätigung unentwegt tta Sage behalten mutz."

Eine festgefügte Weltanschauung.

Woher kommt jene ganz eigenartige Einstellung und MltwickAmg ber Zentrumspart ei?, Welche Kräfte sind je ihr lebendig und tätig?,

Strafte ber Behar rang eines gefunden Käufer- vaKven, die wertvolles Erbgut ber Vergangenheit in die Gegenwart retten wollen, die die einstige Größe Deutsch- Lands trauernd nachfühlen, die im Norden, insbesondere Preußens Ordnung nachempfinden: Preußens Stärke in ifretn fuxnn cuique.

Beiaber ber Gegenwart und ber Zu- jEnnft, die mit starker Hand und mit heißem Herzen neue deutsche Größe aufrichten wollen. Schon Freiherr B. Hewüling sagte im Jahre 1909:Wenn wir . . . unter uns die Kräfte des Beharrens haben, so haben wir ebenso unter uns Kräfte, Elemente, die nach vorwärts, nach Fortschritt drängen . .

Wir haben in der Tat unter uns die Kräfte des Landvolkes, das konservativ ist und so Deutschlands Zukunft sichern helfen will; wir haben die Kräfte des teiber gesunkenen Mittelstandes, der trotz allem wieder nach oben ringt; wir haben die Kräfte des han d- arbeitenden Volkes, bas in schwerer materieller Not lebt, das trotz aller Verhetzung nicht radikal und re- volutionär ist, das Deutschland durch seiner Hände Arbeit stark machen, bas aber auch anderen Volksteilen gleich gewertet und gleich geachtet sein will. Wir haben Kräfte der besitzenden Wirtschaft, die die Pflichten des Eigentums und ihre Verantwortung am Volke kennen, die im Zchammenbruch nicht versagt haben, und die im Verein mit ber Arbeiterschaft Deutschlands Wirtschaft wie­der stark machen wollen. Wir haben Kräfte des gei­stigen Deutschland, die in lebendiger Tradition nut' ber Geschichte unseres Volkes leben, die leider viel­fach von den harten Notwendigketten vergangener Jahre aus dem Gleichgewicht gebracht sind, die trotzdem die gei­stigen Kraftquellen unseres Volkes offengehalten und fo in Deutschlands materieller Not bie geistigen Schätze be­hütet und gepflegt haben; wir haben gesunde Kräfte ber deutschen Jugend, die oft in schweren inneren Kämpfen mit sich ringt, zumteil in den kleinsten Gruppen sich abschließt, die großenteils mißverstanden wirb, die aber in Wahrheit deutsche Volksgemeinschaft aufzubauen sticht.

Die Auhenweü bewundert ims, daß wir diese ver- ßchiedenartigm Volksgruppen in uns vereinigen können, und bah sie in unserer Partei zusammenwirken, ja in wohlgelungener Harmonie zusammen- Engen:

Hier siegt das Geheimnis ber Zentrumspartei. Es ist oft genug verkündet worben: Eine f e ft g e f ü g t e Weltanschauung bindet all die an sich aiusein- anberftnebenben Kräfte. Politische Systematik, poll- tische Problemafik zerbricht bei uns unter dem Zu- fammenBang lebendiger Volkskräfte und weltanfchau- fid) gebundener Menschen.

Was sehen rotr um uns herum? Vom stärksten Ge­fühl, vom Fanatismus, vorn Radikalismus, von ton* {tneerten Weltanschauungen getriebene verwirrte Men- lchenmaffen. Wir sind der feste Bloch im deutschen Volks- und Etaatsleben. Gerade darum haben wir auch eine besondere Aufgabe. Wir wollen uns nicht nur unserer Stärke und unserer Uebertegenfreü rMnen dann wären wir wie der Pharisäer, ber sich dessen brüstet, Keffer zu sein als die anderen wir müssen mit unserem Pfunde wuchern. Sollen wir die anderen um uns herum chrem Schicksal überlasten? Nein, wir wollen sie in un­seren Weg mit hereinziehen. Wr begnügen ans nicht damit, za jammern und zu flogen über bas fotenb unserer Tage und über bas harte Schicksal unseres Volkes, nftr rufen nicht Gottes und ber Menschen Zorn auf andere Hemd, die nach unserer Meinung fehl geben; wir ftnhen über ber Not der Gegenwart und durch sie hnchurch dem -«ckfchen Volke eine befiere Zukunft zu sichern, bas deut­sche Schicksal zu meistern.

Wir sind Optimisten: WLr glauben an bie j&raft unseres Volkes, wir gfauben an eine Zu- tanffi unseres Volkes.

Die Grundsätze des Christentums.

Wir sind aufs tiefste davon durchdrungen, daß es eine unserer heiligsten Aufgaben gewesen ist, für die Durchdringung des gesamten öffentlichen Lebens mit den Grundsätzen des Christentums mit aller Kraft ein­zutreten. Es würde anders in der Welt aussehen, wenn sowohl im Verhältnis zueinander, wie auch im Verhältnis zu den eigenen Staatsange­hörigen die einzelnen Staaten und Völker mehr darauf bedacht wären, stets die Grundsätze des Christentums zur Richtschnur für ihre politischen Maßnahmen zu nehmen. Ich < hege die Zuversicht, datz dieser Standpunkt von der Zen­trumspartei stets unentwegt festgehalten wird. Ich bin nicht so ganz davon überzeugt, daß wir bei der Be­tonung unseres Standpunktes stets auf ungeteilte und rückhaltlose Unterstützung anderer Parteien zu rechnen haben. (Sehr wahr.) Das Zentrum hat feit jeher Wert darauf gelegt, nicht als eine konfessionelle, sondern als eine politische Partei angesehen zu werden. Trotz aller Veränderungen, die die Entwicklung der letz­ten Jahre gezeitigt hat, scheint mir dennoch auch jetzt noch als die ureigenste Aufgabe der Zentrumspartei be­trachtet werden zu müffen, das tatkräftige Eintreten für die ganz eigentümlich gelagerten kulturellen Belange der katholischen Kirche und der katholischen Bevölkerung. Wir sind einge­treten mti aller Kraft feit >-> «ft di- Erhaltung der

Ich fürchte nicht, daß jemand, der bisher dem Zen­trum treu gewesen ist, bei dieser Wahl vom Zentrum ab­fallen wird. Das wäre eine politische Gedan­kenlosigkeit und eine politische Undankbarkeit, die man sich größer gar nicht vorstellen könnte. Aber die steuerlichen und sozialen Belastungen werden es sehr schwer machen, alle die dadurch betroffenen Elemente an die Wahlurne zu bringen. Hier wird mit außerordentlicher Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt ge­arbeitet werden. Ueber den Wahlausfall wollen wir nicht prophezeien. Das Zentrum steht vor einem Wahl­kampf in einer fo günstigen Situation, wie sie nach meiner Auffassung keine der übrigen Parteien hat. «Lebhafte Zustimmung.) Wir haben eine wirkliche vaterländische Arbeit gerade in diesen letzten schweren Jahren getan. Wir haben die Treue gehal­ten dem Volk und dem Land von jenem Dezember 1918 und Januar 1919 an. Wir haben in entsagungsvoller Arbeit nur dem Dienst des Volkes uns gewid­met. Wir haben Hohn und Spott, ja sogar Mord über unsere Partei ergehen lasten, nur in ver- zehrender Arbeit über unser geliebtes deutsches Vater­land. Und jetzt sollen wir in der Zeit des Aufstiegs, die unter unserem Kanzler eingesetzt hat, dieser Partei die Treue versagen? Jetzt erst recht werden wir ge- schlossen und einheitlich in den Wahl­kampf eintreten. Wir hoffen auf einen guten Wahl­ausgang, gestützt auf die Treue und Geschlossenheit unserer Zentrumswähler. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen, minutenlange Kundgebungen.)

Km dem besetzten Gebiet.

Meldungen aus Gelsenkirchen zufolge sind die gesamten Anlagen des Kokereibetriebes auf der Zeche Rheinelbe, die der Gelsenkirchener Bergwerks A. G. gehören, von der französischen Ver- Wallung geräumt und dem deutschen Eigen­tümer zurückgegeben worden. Für die nächsten Tage erwartet man die Uebergabe der drei noch von dep Franzosen und Belgier betriebenen Zechen.