Zur Unterhaltung.
11517252 oom 28. OM. 1924. | !
Ml« vor seiner Jubelfeier. » D« HerLMmck fällt. Dichte Rebelschwaten ziehen Der die vor kurzem noch so lachenden und blühenden jeftfire. Die Natur rüstet sich zum Winterschlafe. Doch Hcht überall wird ihr ein ruhiger Schlaf beschieden sein, fitz kenne ein Städtchen mitten im Hessenland, das denkt 6t diesem Jahre an alles andere eher, denn an Winter-
fofaf. Tausend fleißige Hände regen sich und werden Lh regen, nm dem alten, lieben Städtchen ein Festtags- ^d anzulegen. Biel Arbeit gibt es noch in den, kam- eetfiien Wintermonates. gilt es doch, die 12 00 - Iahr- peier saferer lieben Heimatstadt Fritzlar tzgrdig und glanzvoll zu gestalten. Da werden alle Kreise jier BeoMerrmg Mitarbeiten mässen, denn die Zett eilt ßhneS irorbet Und t» der lachenden Frühlingszeit, am t, T. und 8. Suni 1925, wird tarnt unser altes, türm» z^röntes und rmmerbewehrtes Fritzlar seine gastlichen Lore öffnen, um alle crufzrmehmen, die kommen zum Feste: M die Weben aus naher und weiter Ferne, be- ßznders auch unsere Ausländsdeutschen, Vie anläßlich dieser städtischen Jubelfeier chre Schritte wieder einmal fcttfen werden za ihrer lieben Hekmats- und Gebmts»
fiadt, wo ihnen längst entschwundene (Erinnerungen entstehen werden.
Ifc, ein Hekmakfep soll die rMhJahrseier werden im Bt Sinne des Wortes; alte verwar^ffchaftkiche und östlich« Bande fetten aufs neue eng gSsüpst mit der tarnten Hekmat. Und all die Freunde
snserer Stadt, ihrer Geschichte and ihrer KunstdmckmBer, <6 die Freunde chrer Bewohner, alle, di, in bie^r Zeit des Egoirnnrs «nd des kragen Materialisnms fich noch ei» Herz bewahrt habe», ein echtes deutsch« Herz für ggtatiRem» und RmnaE, ste alle find «ns wiMommen. tMg^hast «nd Stadt wird es fich angelegen sein kaffen, allen frohe Frstssstundeu zn bereiten. Doch um di« *t ermöglichen, harrt noch viel ungetane Arbeit ihrer WLdlgung. Und wahrend dke Natur in märchenhaftem Zauber fich dem WtateiWkof ergibt, wird FrWkkrs Bür- gsrfchast freudig und gern all den mÄen Borbereitungs- mLeiten obliegen. Gar Sold wird die Kunde hiervon in dis SBtit dringen, wenn erst die Etakotasgen an die chemaligen FrMrer in der Ferne chr Ziel erreichen «S die Festschrift, mm kundig« Fed« verficht, Fritzlar, Vergangenheit und Geschichte nett aufleben läßt.
Lud wenn tarnt erst kcke lachende FrüWngssmrne den Winterzauber bricht, tarnt werden Fritzlars' Vorbereitungen beendet fein, mS» die Natur wird fich wundern über das Festkldd, das Frktzlor angelegt hat «nd Wer das Jubelfest, das jo manche« aus wett« Ferne zur Heivat loüt. ; * Dr. L Warstm.
Berliner Allerlei.
Son Egon H. Straßburger.
Der M>ße Tag, der kleine Mana. — Herbst in der ArolFadi. — Der „Sipo“ kommt. — Schwioger- tnatna regiert.
Str diesen Tagen war die Begeisterung groß in Berlin. Der berichmteste Mann ter Welt wurde am Anhalt« Bahnhof empfangen, Jackie Coogan. Es war dn Ereignis von „ungeheurer Tragweite“. Jeder Film» besuch« strahlte in eitel Mück und Wonne. Stcktt Coogan fommtl Die Menge bildete Spalier, die 6tpo- feute patrouillierten auf und ab, die Herzen fckMgen Wch«. 2ter große Jackie kommt. Hsrral Hurra! Hurral
Hunterke von Photographen, Surbekleuten warm an ter Arbeit. Jeter war bestrebt, fich den besten Watz M fich««, und ein« stieß den andern. Es gibt nichts als das Ideal in Fleisch und Blut vor fich W sehen. Die Leinwand übt heute ziemlich die größte Wacht auf Me meisten Sterblichen. Ohne Lefnwcmd zu leben, iß 1924 kein Vergnügen mehr. Avr diesem Grunde ist es begreifkch, daß ter Held alter Kino» mit Begeisterung und bnmsendem Jubel empfangen wurde.
gwckte Coogan kam an und zehntausend Menschen oersthlangen den jungen Mann, d« noch nicht gefrühstückt ßdtfe, mA Blicken. Sackte lächelte etwas müde und zog aas ter Tasche etwas Eßbares, ein sterbliches Butterbrot. Manchmal grüßte « auch, sofern « nicht z» sehr mit |tiner Stulle beschäftigt war. Das Auto entführte ihn «Hch und jeter Zuschauer nahm eine große, bleibende LAnnerung nnt steh nach Hause.
D« Manag« erzählt an ander« Stelle denen, Me es «Men wollten, aus Jackie Leben. Es fei kett» Reklame- rtife, Jackie reife zum Besten ter amerikanischen Wohl- fichctskommisston Mear east Relief, khm folgen Schiff»' kadungen von kondensierter Milch für bte Sttnter.
Ater Jackie bekam keine Ruhe, denn schon hatte ein Herrenbekleidnngsgeschäst ihn beim Wickel. Das Herrentekleidungsgeschäft regali erte Berlin« Sinter mit Scho- Lckade, und zwar unter Assistenz des großen Jackie. Re- Home-Schokokadel Festlichkeiten fanden statt, Reden wur- ten gchakten, man sprach dankbar von ter Annäherung
Schwester Siefelott.
Novelle von Felix Neumann.
Ss ~ -------------
Gott ruf ich zum Zeugen, daß ich alles tot, um dieses akMwenden." Albert v. Schlehdorn näherte sich mit kebeooller Zärtlichkeit ter Verweifelnten.
»Wenn es für mich überhmqtt möglich wäre, dich noch HG« zu fchätzM, als ich es stets getan, dann müßte es jetzt ter Fall fein. Mütter und ßtetente werten erst durch alle Höhen unb Tiefen des Menschentums geführt, ehe sie zu jener Ruhe gelangen, wo sie, allem Kleinlichen «mt rückt, hoch über allen Zweifeln stehen.
Wir wollen Lebensstreit« sein, Mutter und nun laß ikckh Abschied nehmen!"
Er beugte fich über den weißen Scheitel ter Men Dame ttttb streichelte liebevoll das gkänzente Haar.
Frau Taubert lehnte das Hcmpt an die Brust des großen Mannes, ter tatst dazu auserkoren schief chr ter ©tab des Alters zu werten, «nd ter mm sechst hilflos wie ein Stab war.
„Ich kehre heim in ein ftemdes Haus. Meine Tochter starb mir in diesen Stunden. Du lebst ewig in meinem Mutterherzen als mein heißgeliebter Sohn! Schenke jfiJtet LKr Genesung und — ein neues Leben!"
Ganz langsam unb behutsam führte Albert o. Schleh- sdorn die alte Dame zur Veranda.
■ „Nicht Menschenwille trennt uns, Mutier, sondern schere Fügung. Ich werte dir fpäter Meiden. Ganz heiter, weißt du, ccks ob diese Lösung etwas ganz Selbst- oerständliches gewesen wäre."
Noch einmal umarmten sich beite schweigend. In diesem wortlosen letzten Abschied ruhte die ganze Schwere des erschütternten Angenblickss.
dann trat Albert v. Schlehdorn an die Brüstung und blickte der Geheinrrättn nach, wie ste langsam und gebeugt den Parkweg eriftang schritt — Sie sah sich nicht mehr um, die triincnverdimkelten Augen waren tief, voll Sctam Md Schmerz zur Erde gesenkt.
Amerikas, wozu der große Fllmdarsteller die geeignete Persönlichkeit vorstelle.
Jackie aber hörte meistens nicht intensiv, wie es sich so gehört, zu, sondern hatte, wie im Hotel Esplanade, mehr Freude an einem großen Affen, den man ihm zur Belustigung aus dem Zoo mitgebracht hatte.
Ich möchte jedenfalls nicht Jackie Coogan sein, denn ein Jackie Coogan hat, wie man sich in Berlin davon überzeugen konnte, keine ruhige Stunde mehr auf der Well.
♦
Ed ist schon sehr herbstlich in Berlin geworden. Man merkt das immer daran, daß die Mieter energisch Zentralheizung verlangen. Bei allem schönen Wetter fängt es an, recht kalt zu werden. Die Herren und Damen haben nun Gelegenheit, ihren Geschmack zur Schau zu tragen. Die Damenvelourhüte geben den Berlinerinnen ein schickes Exterieur, ab« bei allem Schick beklagen sie sich bitter, daß so ein Hütchen vierzig Mark kostet, fof«n es vornehm unb hübsch aussehen soll. Die Herren muffen auch tief in den Beutel greifen, denn die Indexziffer st«gi. Ein Kavalier ist keine einfache Sache in ter Großstadt, denn wo sich fo viel verfeinerter Geschmack zssantmenflndet, wie g«ade hi«, ist es nicht so feW, den begehrenswerten Adonis zu spielen.
Aus ter andern Sette ist die Einschränkung bei der Arbeitslosigkeit ziemlich grcch, und man sieht arm gewordene Reiche, die nicht g«ate „fleckenlos" durch die Straßen wandern. Diese Mischung von Eleganz und von reduzierter Kleidung fiel niemals so ins Auge wie gerade in dies« Zett.
Dessenungeachtet find alle Schausenst« Berlins voller Schönheit und die Fülle ist g«adezu glänzend. Man muß fich wundern, wie herausfordernd die Fleischer- Meu unb Delikatessengeschäfte heute aussehen. Don ein« Geschästsleere ist nichts mehr zu merken, die Nah- rungsmittelgeschäfte haben Hochkonjunktur. Die Eßlust ist groß.
Man hat das Gefühl, als ob d« Großstädter darauf ausgehe, den letzten Pfennig dem Magen zugute kommen zu 'taflest. Der Berliner hat Engst aufgchört, wieder zu sparen. Er itzt und tantt, gibt ter Gegenwart alles und dentt nicht an die Zukunft. Der bekannte deutsche Sparsinn ist jedenfalls in B«kin abhanden gekommen und wird vorerst wohl nicht roiederkehren.
Herbst in Berlinl Ob man Geld hat oder keines, man fährt in den Grünewald hinaus, genießt die schönen Farben des tachenten Herbstes und amüsiert sich nach Hetzenslust. Die Zeiten haben die Menschen oberflächlich« gemacht.
Die Berlin« Schutzpolizei soll mm von ungeeigneten Beamten gereinigt werden.
Bei ter ziemlichen Roheit, die die Bürg« Berlins zutage tragen, ist es leicht «Kärlich, daß die Hüter der Ordnung ein schärferes Tempo anschlagen, um diese Herren Bürg« in Schranken zu halten. Die Roheit in ter Großstadt war noch nie fo bedeutend" wie gerade jetzt. Arbeitslosigkeit und Rot gebären Bestien. Der Spieß«, dem es wohl geht, kamt immer gut Sitten wahren. Das ist fern Kunststück.
Immerhin erlaubten fich hn letzten halben Jahr viele Schutzpolizisten Hebergriffe, die schließlich vor dem grünen Tisch« chr Ente fanden. Da die Fälle ter Ausschreitung immer mehr überhand nahmen, wird gegen solche Beamten mm sthmff Front gemacht werden. Dadurch wird sich manches Gemüt wird« beruhigen und der gute Sipomann wird genau wie der blaue Schutzmann von ehedem Liebe bei den Bürgern und Dankbarkeit fluten. Stete Vergehungen waren schuld, daß die Verehrung, die man dem Schutzmann zollte, langsam in die Brüche ging, beit kleinen Sintern droht man immer mit dem „Herrn ©tpo* und die Wirkung ist phänomenal. Möge die neue Sondierung dazu dienen, daß man den Siebten wieder mit dem Kaminfeger kommt, als mit ter Hand unb mit dem Auge des Gesetzes. D« Kaminfeger hat etwas Märchenhaftes an fich, ter Sipomann ist die o«- körperte grabfinte Prosa
Mr Wohnungsnot in Berkin hält nach wie vor an. Ehen werden bekanntlich nicht immer im Himmel, sondern auf Erden geschloffen, und junge Paar« brauchen Woh- nungen. Diese Wohnungen aber sind nicht vorhanden. Getaut wird kaum in Berlin, wenigstens selten Wohnhäuser und höchstens Sitten für die Steinreichen — also muß das neugebackene Paar bei ter Schwiegermutter dezw. bei den Schwieg«eltern wohnen. Ob unter ter Aussicht ein« Schwiegermutter sich das Glück des jungen Paares immer auf der Höhe hält, ist jedenfalls fragllch. Immerhin ist die Hetratskuft bei den Männern wie bei den Frauen groß. Arbeitslosigkeit bei dem einen ober tmtern drängt zur Beseitigung derselben. Ein Mädchen, das fich heute in ter Großstadt durchztckämpsen hat, sucht Hilfe beim Manne, der sie von allen Nebeln befreien soll. Bei den unerhört hohen Lebensmittelpreisen und der Beliebtheit der Margarine von fetten mancher Berlin« Restaurateure sehnt fich der Jüngling nach dem
Jetzt ging sie um das Beet mit blauen Astern, dann kam die große Silberkanne — noch einmal leuchtete das weiße Taschentuch auf, tas Frau Taubert in ter rechten Hand trug, dann mar däe letzte Spur von ihr verschwunden, ter Kranke wußte, daß nun ter Faden zerrissen war, der ihn art jene beiden Frauen knüpfte, die in den vergangenen Jahren seinem etafamen Leben Inhalt und Gluck „«liehen hatten. Tastefid wandte « sich um.
Langsam schritt « tas Zimmer zurück unb ließ sich schwer in den nächsten Sessel fallen.
Hier verweÄte er regungslos. Immer tiefer sank der Kranke zusammen, feine Brust hob und senkte sich in schmerzlichen Atemzügen.
„Das war übermenschlich schwer!"
Herr v. Sckflehdorn fuhr fich mit ter Hand über tee brennende Stirn Sie Merte mtt> gehorchte ihm kaum.
Dann stützte er das Haupt auf und er schüttelte ihn rote im Fieberfroft.
Da öffnete sich behutsam die Tür, die zum Nebm- raum führte. Schwester Liselottes Häubchen lugte herein.
Emen Augenblick stutzte das junge Mädchen, als sie niemanden «blickte, dann fiel ihr Auge auf den zuscmt- mmgebrochenen Mann im KorNftuhl.
Ste unterdrückte einen Schrei des Schreckens und stürzte näher.
„Um Gott, Herr v. Schlehdorn, was ist Ihnen?"
D« Kranke fuhr jäh in Me Höhe und blickte sich irre um.
„Ach — Sie sind es! — Es ist nichts, nur eine kleine Schwäche, es ist schon vorüber, es ist alles vorüber!"
Auch ein Mensch mit weniger scharfem Verstände und ffaren Augen, als Schwester Lieselott, mußte aus ter ganzen Haltuag des Leidenden und feinen Worten ersehen, daß hier foeten ein Drama feinen Abf hluß gefunden hatte
Und wieviel leichter war es zudem für die Aerfchwe- fi«, die wahre Lage der Dinge zu erraten, da sie feit Jahr und Tag in naher Beziehung zu allen Lamilten- MtKetzern stgs>> > -V" < i V
stillen Herd, besonders zur Winierzeii. Alles will wieder heiraten und alles sucht nach Wohnung.
Möblierte Zimmer sind allerdings in Menge zu haben, denn wer möchte nicht feine freien Räume vermieten, um Geld daraus'zu schlagen. Die Ausländer sind samt unb fonbers weggezogen unb haben fich in valutaarmen Lautern wie die Vampire sestgesogen. Ihr Exodus hat in den Wohnungen eine merkliche Lücke zurückgelassen, aber möbliert zu wohnen gehört nicht zu den Annehmlichkeiten dieses Lebens.
Lieber bei der Schwiegermutter, bis die Maurer wie- d« mit Eilfertigkeit und Geschicklichkeit Backsteine auf Backsteine setzen, bis die Bauaktien wieder begehrt werden, will sagen, bis sie im Surfe anziehen. O schöne Zeit, o goldne Zeit!
-------------- ■« M ------------------
Warum Gottfried Keller nicht heiratete.
Gottfried Keller machte mehrere Versuche, ein weibliches Wesen als Gattin an feine Seite zu bringen. Immer aber stand ein Unstern Üb« seinen Werbungen, an dem er freilich fetter nicht unschuldig war. Denn er konnte sich erst immer in dem Augenblick dazu ver- ftefjen, fein Herz zu eröffnen, wenn es bereits zu spät war und ein Erfolg feiner Werbung sozusagen nicht mehr zu befürchten war. Schuld daran war ein Traum, den « mehrmals in seinem Leben gehabt haben soll. Er sah in diesem Traum immer, wie er Arm in Arm mit der geliebten Person eine Marmortreppe herabging. Zu beiden Seiten wuchsen Rosen, rechts rote, links weiße. Er neigte sich mit der Geliebten zuerst den roten Rosen zu und sog den köstlichen Dust ein. Dann wandte er sich nach links, und nun erschien es ihm mit einemmal, als wenn die weißen Rosen welk und verblichen waren. Und auch die Geliebte kam ihm merkwürdig blaß und welk vor. Er griff nach ihrem Haar, das lang vom Nacken herabhing und — hielt einen Besenstiel in der Hand. Die Geliebte aber war verschwunden. Nun eilte « mit dem Besenstiel in einem Park umher und schlug wütend nach allen Seiten in die Büsche hinein, um nach der verloren gegangenen Frau zu suchen. Aus den Büschen aber schossen bann jebesmal Drachen hervor, die fauchend auf ihn zustürzten. In dem Maul trugen sie einen Zettel, auf dem ein paar Berschen geschrieben standen. Diese Verse lauteten:
„Tu's nicht, tu’s nicht, Du Jsegrimm!
Denn wird es Pflicht, So wird es schlimm! Wer sich nicht fetter tragen kann, Der fang’s erst nicht zu Zweien an." mf.
M -
wir Weit man mit einem Zentner Kohle Kommt.
Welcher Kraft man sich auch zur Beförderung bedienen mag, letzten Endes ist es doch meist die Sohle, die den zur Beförderung notwendigen En«gievorrat liefert. Bei ter Eisenbahn beträgt ter Kohlenverbrauch im all- gemeinen 10 bis 12 Kilogramm auf den Kilometer. Da ein Eifenbahnzng etwa 500 Personen befördert, entfällt auf die Person und den Kilometer nur eine Kohlenmenge von 20 Gramm. Das heißt also: mit einem Zentner Sohlen kann der Fahrgast eine Strecke von 2500 Kilometer zurücklegen, das ist etwa die Strecke von Königs- berg bis Bordeaux. Bei langsam fahrenden Zu- gen, also bei Personenzügen, ist ter Kohlenverbranch so- gar noch g«ing«. Ein Zug, ter mit einer Eeschwindig- kett von 100 Kilometer die Stunde fährt, braucht viermal soviel Kohlen wie ein Zug, der 50 Kilometer fährt.
Noch günstiger stellt sich die Rechnung für die «lek» irische Straßenbahn. Ein Zentner Kohle liefert etwa 2000 Kilowattstunden ckktrisch« Kraft. Ein Straßenbahnwagen fährt bamtt etwa 100 Kilometer. Wenn wir eine Besetzung von 30 Personen annehmen, so würde auf eine Person bei voller Besetzung eine Strecke von 3000 Kilometer entfallen, die mit einem Aufwand von einem Zentner Kohle für die Peifon gefahren werden könnte.
Die Kestel eines Schnelldampfers brauchen stündlich etwa 600 Zentiror Kohlen. Wenn das Schiff mit ter Besatzung 2500 Personen trägt und die Entfernung Bremerhafen-Rewyork in sieben Tagen durchmißt, entfallen auf den Kilometer Fahrt 14 bis 15 Zentner, d. h. auf den einzelnen Passagier etwa ein halbes Pfund. Der Paffagier eines Schnelldampfers legt also mit Hilfe eines Zentners Kohle eine Strecke von nicht viel mehr als 100 Kilometer zurück. Der Seeweg ist demnach, was den Betriebsstoff antangt, erheblich teurer als der Landweg. Das wird freilich durch andere Vorteile — Fortfall ter Streckenanlagung — reichlich aufgewogen. mf.
2tter zarte Rücksicht und Feingefühl Mosten ihr den Mund.
Sie mußte erst ten Kranken auf andere Gedanken bringen, ihn ablenken, wie es ihr früher fo trefflich geglückt war.
Als Herr v. Schlehdorn sich erheben wollte, drückte sie ihn sanft nieder.
„Nicht so viel aufstehcn, bitte; ich habe schon für alles gesorgt, dte Soffer sind gepackt, es fehlt nichts mehr!"
Ein bitteres Lächeln begleitete die Antwort: „Ich fahre mit leichtem Gepäck! Was mir noch wert war im Leben, laste ich zurück. Ein Einsamer geht in die Welt hinaus.
Und Lieselotte zwang sich zur Heiterkeit.
„Oh — nicht doch — Herr o Schlehdorn. Auch in der Fremde werden gute Freunde hier Ihrer gedenken. Und ganz allein w«den Sie doch auch nicht sein. Ihr alter Franz, die treue Seele, begleitet Sie, er wird für Sie sorgen, so gut er kann!"
Altert ö. Schlehdorn schüttelte abwehrend mit Sem Kopf. „Um mein leibliches Wohl bangt mir nicht, ater mir graut vor dem Mangel an jeglichem Trost, den tas Herz erdulden muß.
Ich bin ein toter Mann, Schwester, alles wendet sich von mir ab’.
Den Gesunden, den Starken, denen gehört die Welt. Sie erobern sich das Glück, sie zwingen das Schicksal, breitbeinig stehen sie lachend im Sturm, ter sie umbrauft, denn sie wissen, daß sie doch einst Sieger bleiben. — Ja sie greifen sogar verwegen nach ten fernsten Gestirnen unb niemand tootiet ihrer! —
Dem Schwachen ater ---was bleibt ihm? —"
Leichten Schrittes trat Lieselott näher Sie legte den Arm um des Kranken Schulter, so wie sie ihn oft gestützt hatte in fieberheißen Nachten, wenn sie ihm den kühlen Trank reichte, oder wie sie ihm beim Speisen behilflich gewesen war, als noch völlige Lähmung jede eigene Bewegung ausschloß.
Und mit der Rechten wies sie in d:n Park hinab: „Sehen Sie einmal hinaus in den leuchte: ten Herbsttag. Geradeso, wie bas Goldiaub, schön noch im Sterben, zu Loten sinkt, so nyijfen auch wst Menschen manche
Kus aller Welt.
— Seltsame Steuern. Man irrt sich, wenn man meint, baß in früherer Zeit bas Sieuerfyst-m weniger kom- pliziert gewesen sei, als heutzutage. Im Gegenteil, die Liste der steuerpflichtigen ©egenftänbe, die mir tm 18. Jahrhunbert finden, kann kaum noch übertroffen werben. Wer Kleider aus feinen Stoffen tragen wollte, mußte sich die Erlaubnis dazu gegen Bezahlung etaes Reichstalers einholen; wer außerdem Gold und Silber auf den Kleidern tragen wollte, zahlte einen wetteren Reichstaler. Sämtliche Perrücken mußten «men Steuersiempel haben, der bis zu 25 Prozent ihres Wertes kostete. Es gab besondere Beamte, die die Perrucken zu kontrollieren hatten. Nicht selten wurden den Pas- fanten auf den Straßen die Perücken vom Kopfe ge- rissen, um nach dem Stempel zu sehen. Predig«, rer und Kinder unter 12 Jahren waren von der Pe« rückensteuer befreit. Ebenso muhten die Damen sur ihren Kopfputz eine Steuer bezahlen. Auch Schuhe, Stir- fei, Pantoffeln, Strümpfe, Hüte mußten versteuert werden, und zwar wurde die Steuer vom Träger, nicht vom Verkäufer oder Fabrikanten eingezogen. Es war nicht ratsam, sich in Strümpfen auf der Straße zu zeigen, wenn man nicht den Erlaubnisschein bei sich trug. Wer Kaffee, Tee oder Schokolade tanken wollte, brauchte gleichfalls einen Erlaubnisschein, der 2 Tal« jährlich kostete. Auch jeder Wagen war steuerpflichtig. Die seltsamste Steuer war wohl die Jungfrauensteuer. Jedes Mädchen mußte vom 20. Jahre ab bis zur Heirat oder bis zum 40. Lebensjahre jährlich einen Taler in die Staatskasse legen! Man sieht daraus, daß nach der Anschau- nng jener Zeit die Schuld dafür, daß nicht geheiratet wurde, nicht wie man heute meint, bei den Männer, sondern bei den jungen Mädchen thg. Dieser Taler — nach dem bamatigen Geldwert eine bedeutende Summe Geldes — war ein mächtiger Freiwerber für den heiratslustigen jungen Mann!
— Don den tropischen weisen. Em bemerkenswerter Fisch ist der südamerikanische V u l k a n w e l s, der in den unterirdischen Seen und Gewässern, die die Täler und Abgründe des Cotopachi-Vulkans durchziehen, sein Dasein fristet. Dieser feuerspeiende Berg Ecuadors, nah« der Aequatoriinie, vermag in der Zeit erhöhter Tätigkeit einige seiner unterirdischen Wasserläufe stellenweise so stark zu erhitzen, daß hier und da die Welse in gekochtem oder zerkochtem Zustande an das Land gespült werten. In Zeiten normaler Tätigkeit des Cordilleren- Vulkans finden aber die Welse, trotz erhöht« Waff«- temperatur, ganz angenehme Lebensbedingungen. Sei dieser Gelegenheit sei an den ift ägyptischen Strömen vorkommenden sonderbaren Verwandten des eben er»' wähnten großen Weichflosters erinnert. Es ist dies der afrikanische Zitterwels (Malapterurus electri- cus). Er vermag elektrische Schläge auszuteilen, die kleine Lebewesen auf der Stelle töten, großer« aber betäuben und angriffsunfähig machen können.
-------------- heileres.
3m Examen. „Wenn Sie erst kürzlich krank waren, und sich" infolgedessen nicht entsprechend vorberetten tonnten, hätten Sie vom Examen zurücktreten sollen." - „Der Arzt meinte eben gerade, ein gutes Prüsungsergeb- ms würde einen günstigen Einfluß auf meine Gesundheit haben."
w
Guter Ral. Eine Dame ist, ohne es zu merken, in ein Raucherabteil geraten. Ms em Mann sich die Pfeife anzündet, sagt sie empört: „Mein Herr, Rauchen macht mich immer ganz krank." Jener setzt seine Pfeife ta Brand, pafft ein paar Züge unb sagt, die Dame gutmütig und teilnahmvoll anseliend: „Ja, tatsächlich Frauchen, ba will ich Ihnen einen guten Rat geben, geben Sie's auf."
*
Periodisch. „Sie sind also stark« Alkoholiker. Trinken Sie nun periodisch ober ununterbrochen?" — „Nur perio. dksch, Herr Doktor" — „Wieviel Zeit liegt nun zwischen bett einzelnen Perioden?" — „Na, vielleicht ’ne klein, hatte Stunde, Herr Doktor!"
Selbstbinder 1
Sfrkkbinder - Elegatfes - Diplomaten
Nur das Neueste!
Hosenträger - Sockenhalter - Ledergürtel
Spezialhaus
ZOLKOS
Die Spezialfirma für Qualitätsware.
Fulda. Friedrichstrasse
KMll—8BCTW ta-^.:
Träume und Wimfche auf dem großen Friedhof der Sehnsucht bestatten! — Gott bat uns vor der Natur kein Vorrecht verliehen, uns auch nicht schlechter gestellt.
Hinter dem Vergehen liegt bas neue Leben. Dort brausten, wie auch bei uns im Innern!"
Albert v. Schlehborn wandte ten Blick von der Herbstnatur Lieselott zu und blickte sie innig an.
„Ob es wohl noch Menschen auf ter Welt gib!, so stark, so gut wie Sie?--"
Unb nach einem kurzen Sinnen: „Ja — die alte Dame, die soeben mit Tränen in den Augen von mir gegangen ist, mag in ihrer Jugend so gewesen sein.
Sie haben wohl viel Schweres durchgemacht, Schwester?"
Lieselott strich ein goldenes Löckle'm zurück, bas sich aus ter Haube herausgewagt hatte unb sich über der roeir ßen Stirn träufelte.
„Nicht mehr, als viele andere Menschen auch Ich wurde früh Waise. Mittel waren nicht vorhanden. Ber- tranbte sorgten für meine Erziehung und taten das Notwendige, aber auch nicht mehr, wett sie es eben nicht konnten. — Mit achtzehn Jahren wurde ich Kranken» schwester, um auf eigenen Füßen zu stehen.
Ein recht alltäglicher Lebenslauf alfo. Nichts von gebrochenem Herzen, enttäuschter Liebe oder ähnlichen romantischen Dingen, die sich so oft als Legende um das Häubchen ter Krankenschwester winden."
Sie hatte mit lächelnd« Heiterkeit erzählt, wurde aber nun ernster.
„Unb boch muß ich gestehen, daß sich durch meine ganze Jugend eine gewisse traurige Leere und Gebe zog, die erst wich, als ich meinen Berus ergriff!"
Herr v. Schlehborn wandte den Blick nicht von ter zarten, lieblichen Gestalt Lieselottes Man mußt« dieses junge Mädchen bewundern, das ihr ganzes Sein in den Dienst einer schwer lastenden Pflicht gespannt hatte, unb bic leichten Fußes über alle Hemmnisse hinwegschritt.
„Welchen Klang vermögen boch manche Menschen in tas soviel gelästerte Wort „Beruf" zu legen! — Sie haben ihn wohl fehr lieb, Ihren „Beruf", Schwester Siejefott?" ■- - *• - * -■ - ' folgt) "