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nr. 251.
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
VerantwortltL ür die Echriitleilun»: Dr. JobanneS Kramer. Rnrclge«: I- $ (mellet. Fulda. Rotanonrdruck and Setlaa 6er : Fuldaer Sfdieafcrudetei in Fulda. Feruivrecher Nr- 9. !
Monattiiber Bern»rvreiS: 1.50 Mk.
Sonntag, 2b. Oktober 1924.
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51. Zahrg.
England und Rußland.
Lnglischs Kritik an den Bestrebungen der Dritten Internationale.
Das englische Auswärtige Amt richtete an den Geschäftsträger der Sowjetrepublik ein Schreiben, dem die Abschrift eines von Sinowjeff unterzeichneten Briefes ües Präsidiums des Exekutivkomitees der dritten Internationale an das Zentralkomitee der britischen kommunistischen Partei beigefügt ist. Dieser Brief enthält I n - struktionen zu einer gewaltsamen Beseitigung der bestehenden britischen Staatseinrichtungen und der Zersetzung der königlichen Wehrmacht als Mittel zu diesem Zweck. Das Foreign Office erklärt, die britische Regierung könne eine solche Propaganda nicht gestatten und müsse Derartiges als eine Einmischung .in die inneren britischen Angelegenheiten betrachten. In dem Schreiben heißt es weiter:
Die Handlungsweise des Präsidiums der dritten Internationale stellt nicht nur eine erhebliche Abweichung von den Regeln des internationalen Herkommens dar, sondern auch eine Verletzung einer bestimmten und in feierlicher Weise mehrfach wiederholten Zusicherung. Der Premierminister erinnert daran, daß sowohl das Abkommen vom 4. Aug. 1923 wie auch der jüngst mit der Sowjetregierung abgeschlossene Vertrag dies bewiesen. Die britische Regierung sei der Meinung, daß solche Vereinbarungen dem Buchstaben und dem Geiste nach ausgeführt werden müßten und daß sie es nicht gestatten könne, daß eine politische Körperschaft, die ebenso mächtig sei wie sie selbst, Propaganda triebe und mit Geld und in Verletzung abgeschlossener Verträge solche Propaganda unterstütze. Entweder habe die Sowjetregierung !die Macht, solche Vereinbarungen abzuschließen oder sie habe sie nicht. Wenn die Sowjetregierung die Macht habe, dann habe sie auch die Pflicht, solche Verträge auszusühren und darüber zu wachen, daß keine Täuschungen vorkommen. Wenn aber die Sowjetregierung diese Macht nicht habe und wenn die Verantwortlichkeiten, die in andern Ländern dem Staate gehören, in Rußland privaten und unverantwortlichen Körperschaften zufallen, so sollte die Sowjetregierung keine Vereinbarungen treffen, von denen sie ganz genau wisse, daß sie sie doch nicht ausführen könne.
Am Schluffe des Schreibens spricht der Premierminister die Bitte aus, ihm die Bemerkungen der russischen Regierung in dieser Angelegenheit unverzüglich zukommen zu lassen.
In dem Schreiben des Präsidiums der Exekutive der dritten Internationale wird u. a. die Bildung von Zellen in allen Truppeneinheiten, Munitionsfabriken und Militärdepots gefordert. Im Falle der K r i e g s g e f a hr fei es dann möglich, alle militärischen Vorbereitungen der Bourgeoisie abzuschneiden und den imperialistischen Krieg in einen Klassenkampf zu verwandeln. Die militärische Abteilung der britischen kommunistischen Partei müsse Gruppen bilden, die künftig Führer für eine britisch« rote Armee heranbilde.
Paris und Moskau.
wtb Paris, 25. Off. (II.) Die Ernennung von Jean (j et beite zum Botschafter in Moskau fleht nunmehr fest. Der Zeitpunkt dieser Ernennung ist noch unbestimmt.
* Der Staatsrat hat in einer Sitzung cm Frei tag der vom Landtag beschlossenen Aenderung des LandeswahlgesetzeS und dem Entwurf einer Wahlordnung für den preußischen Landtag zugestimmt.'
Der Krieg in China.
Die vernichtende Niederlage der Zentralregiernng.
wtb Paris, 25. Off. (Tel.) havas meldet ans Mulden, daß ein Lommunique des Hauptquartiers von Ifchangsulin das Ende der Feindseligkeiten mit der chinesischen Regierung au- kündige.
Die „Chicago Tribüne" meldet aus Peking, daß General Feng und Marschall Tschangsulin überein- gekommen sind, Tunan-Ehi-Jin zum Präsidenten der Republik auszurufen. Die Armeen werden ihre gegenwärtige Stellungen beibehalten, bis der Friede endgilkig geschloffen sein wird.
Nach einer amtlichen Meldung hat sich Präsident Tsaokun in das Gesandtschaftsviertel von Peking geflüchtet. Wupeifu befindet sich in voller Fluch i. Der Rückzug der Truppen der Zentralregierung ist bei Schanhaikwan abgeschnitten worden.
Reuter meldet aus Tokio, daß die s a p a n i s ch e Regierung beschlossen habe, zwei Zerstörer aus Tientsien und 200 Mann Truppen nach Schang-Hai- kwan abzusenden. Von der weiteren Entwicklung in China wird es abhängen, ob Japan es für nötig hält, seine Streitkräfte in Uebereinstimmung mit dem Boyerprotokoll zu erhöhen.
England und Mexiko.
wtb Jlcrotjotf, 25. Oft. (Tel.) Die an» Mexiko gemeldet wird, hat der Außenminister die Schließung der mexikanischen Konsulate in London, Liverpool und Glasgow sowie aller mexikanischen Konsulate in Großbritannien ungeordnet. Das bedeute einen völligen Bruch der mexikanischen Handelsbeziehungen zn Großbritannien. _________________
Französische Sorgen.
wtb Paris, 25. Ott. (Tel.) Um den Kamps gegen die Lebenrmittelteuerung zn begünstigen, hat Finanzminister Llementel beschlossen, daß alle lebenswichtigen Produkte, namentlich Lebensmittel, von der Umsatzsteuer ausgeschlossen werden. _
Die Landeswahl in Bremen.
wtb Bremen, 25. Okk. (Tel.) In der gestrigen Sitzung der Bremer Bürgerschaft wurde der sog. Fünfzehnerausschuß gewählt, der die neue Dahl des Senat» vorbereiten soll. Ihm gehören 8 Bürgerliche, 5 Sozialdemokraten und 2 Kommunisten an. Die neue Dahl des Senats muß bis zum 15. November vollzogen fein. Darauf wurde die Einführung de» Hausknechtparagraphen gegen die Linke angenommen. Der Antrag auf Aufhebung der Fremdensteuer in Bremen fand ebenfalls gegen die Linke Annahme. Ein Antrag der Kommunisten auf Auflösung der Bürgerschaft wurde mit allen Stimmen gegen die der Kommunisten abgelehnt.
* Das ungarisch« Asyl der Erzbergermörders. DaS Verl. Tazeblait meldet aus Budapest, daß der Mörder Erzberger« Schulz, der sich noch in Polizeigewahrsam befindet, neuerdings den Wunsch auSgeiprochen habe, in Ungarn bleiben zu dürfen. Wie dem Bialte zufolge verlautet, toll er demnächst freigelassen werden und wieder in der Villa deS Ab- geordneten Gömgös Wohnung nehmen, da er nach- getoieien habe, daß er bei dem Abgeoidneten Be- jchäfligung finden werde. Er muß sich jedoch wöchentlich auf der Polizei meiden.
3m Zeichen der Wahl.
Die Vorgänge, die gegenwärtig in den Parteilagern sich vollziehen, geben ein anschauliches Bild über die Verwirrung, die dort herrscht. Inmitten dieses Strudels steht der Z e n t r u m s t u r m fest und aufrecht. Aber das gerade ist es, was den Gegnern nicht gefällt. Und so krittelt die „Deutsche Allg. Ztg." und mit ihr der ganze Troß der Mißvergnügten an dem Zentrum herum, sie schnüffeln hinter den Kulissen und an den Türen des Fraktionszimmers und wollen um jedetl Preis etwas herausbringen über Unstimmigkeiten, Zerwürfnisse und Zwistigkeiten im Zentrum. Daß es auch in der Zentrumsfraktion angesichts der letzten Vorgänge nicht immer glatt abgegangen ist, daß auch hier Meinungsverschiedenheiten bestehen, versteht sich ganz von selbst. Aber die klare grundsätzliche Linie, auf der sich alle Auffassungen immer wieder trafen, die Linie der Politik der Mitte, ist in keinem Augenblick vom Zentrum verlassen worden, und innerhalb der Zen- trumsfraktion sind die Meinungsverschiedenheiten in Formen ausgetragen worden, von denen gerade diejenigen Parteien, die jetzt darüber nur sehr schlecht ihren Aerger verhüllen, etwas hätten l e r- nen können!
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Die „Rewyork World" meldet, daß Graf Westarp mit dem früheren Kronprinzen Wilhelm über eine etwaige Spitzenkandidatur bei den Deutschnationalen bezw. wegen einer Erklärung zur Unterstützung der Partei verhandelt habe. Der „Berl. Lokalanz." erklärt, daß an der Meldung kein wahre- Wort sei.
Die Nerven Ludendorffs.
Von dem ehemaligen deutschnationalen Abgeordneten Clemens v. Delbrück, dem kaiserlichen Staatssekretärs und Chef des Zivilkabinetts, sind nun Denkwürdigkeiten erschienen, die auch die Rolle Ludendorffs beim Zusammenbruch einwandfrei beschreiben. Clemens v. Delbrück als gewiß unverdächtiger Zeuge sagt über die Ereignisse im Oktober 1918 folgendes:
„Herr o. Berg . . . wolle wegen Bildung eines alle Parteien umfassenden Koalitionskabinetts verhandeln, im Augenblick fei er beim Prinzen Max, um eine Uebereilung der Friedensaktion, auf die die Oberste Heresleitung fortgesetzt dränge, zu ver- hindern. Aus alledem ergab sich, daß die Oberste Heeresleitung unsere Lage plötzlich für äußerst bedrohlich, den Krieg für verloren ansah und, um eine militärische Katastrophe zu vermeiden, Schritte verlangte, die uns in eine schwere politische Ka- tastrophe hineinführen mußten oder schon geführt hatten. Dabei blieb völlig im Dunkeln, welche Ereignisse und Erwägungen diese Sinnesänderung und das stürmische Borgehen der Obersten Heeresleitung veranlaßt hatten. Die Ansicht, daß der Krieg verloren und alsbaldige Friedensverhandlungen notwendig seien, konnte doch nur auf der Erkenntnis beruhen, daß die Zahl u. Beschaffenheit unserer Truppen sowie das verfügbare Kriegsmaterial nicht ausreichten, um unseren Gegnern weiterhin mit Erfolg Widerstand zu leisten. Diese Erkenntnis konnte aber der Obersten Heeresleitung unmöglich erst von gestern auf heute gekommen sein! . . . Wenn man sich alles das vergegenwärtigte, mußte man zu der Annahme kommen, daß General Ludendorff vorüber- gehend die Nerven verloren habe."
* P obeabstimmung zur Präsidentenwahl in Nordamerika. Aus Newyork wird gemeldet: Bei einer Probeabstimmung erhielten von 2300 484 Summen Coolidae 12^3378, Lafollette 496006 und Davis 487 782 St-mmen.
Wiener Momentaufnahmen.
Don Wilhelmine Daltinestrr.
Der Jackie-Coogan-Rummel. — Sensation! — Luxussteuer. — Zusammenbrüche. — Das ermüdende Musik- und Theaterfest.
Der Iackie-Coogan-Rummel ist zu Ende. Der kleine Filmschauspieler aus Amerika war euch bei uns. Nun hat auch Wien den Dorzug europäischer Großstädte genossen; schon beim Empfange des genialen Kindes durften sich auf dem Bahnhofe etliche Neugierige fast zerdrücken lassen. Der gute Junge mochte die Liebenswürdigkeit der Wiener etwas peinsich empfunden haben, denn sie verfolgten ihn mit den Beweisen ihrer eminenten Begessterung so intensiv, daß sein Automobil bei vielen Ausfahrten nicht von der Stelle kam. Das Wunderkind mußte einen förmlichen Appell an die Leute richten, damit es sich freier bewegen könne. Und so wird Jackie, der Vielgeliebte, den Eindruck mitnehmen, daß die Hauptstadt Oesterreichs furchtbar übervölkert sei. Und wenn er einmal seine Memoiren schreibt, die sein rühriger Papa sicherlich dem meistbietenden Verleger überlassen wird, findet Wien wohl etwa folgende Erwähnung: „Wir sahen auch eine Stadt, in der die Menschen Verkehrshindernisse für Automobile sind." Damit werden Jackie» Memoiren kulturhistorischen Wert bekommen, denn der Eingeweihte weiß, daß in Wien der Fußgänger allerdings ein Verkehrshindernis für manchen Chauffeur bedeutet — was die zahllosen Unglücksfälle der letzten Zeit übrigens haarscharf beweisen.
Der Wiener braucht Sensationen. Früher hatte er fte täglich, da gab es Ausfahrten der Kaisers und etlicher Erzherzoge,-denen man loyal zujubeln konnte; dann die LBurgmufit", bei der das Herz des echten Wieners höher Gchlug. Jetzt sind es kleine Filmkönige, welche die zum Berliebtfeln bereite Stadt auf die Beine bringen.
Sensationen ... Da hat sich unlänaft auf dem Penzinger Friedhose, an der Peripherie von Men. eine JBttee .obarfyielt Ein Wü.h.io hrl.e. bas Grrächt ver.
breitet, daß dort ein „Geist" hause. Und eines Abends versammelten sich etwa dreitausend Personen vor dem Friedhofstor, um den „Geist" zu sehen. Die nüchterne Aufforderung der Polizisten, sich unverzüglich zu zer- streuen, verhallte ungehört. Ein paar Jugendliche ris- kierten sogar ihre Freiheit, widersetzten sich dem Gebote der Wache und kletterten auf die Friedhofsmauer; sie wurden wegen Nichtfolgeleistung arretiert Schließlich zogen die Leute ab und keiner war befriedigt ... Immerhin sst so ein „Gespenst" ein harmlose» und billiges Vergnügen, denn die allgemeine wirtschaftliche Lage zwingt jetzt die meisten dazu, für Unterhaltung wenig auszugeben.
Die Wirkung dieser notwendigen Einschränkung zeigt sich auch in katastrophaler Weise bei den Luxusbetrieben, also vor allem Dars, Konzertcafes und Variet-bühnen. Und eben erhalten wir die Nachricht, daß ein altrenommiert» Eliteetablissement in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei. Bei Danken — großen und kleinen — wäre die» nichts Neue»; aber dort, wo ein Klavier leichtbeschwingt Seine sich im Tango krümmen und winden läßt, wo mondainer Frohsinn herrscht, klingt das doppelt traurig. Ursache dieses Zusammenbruch» und der großen Krise sämtlicher Konzertlokale ist die enorme Besteuerung dieser Betriebe. Achtzehn bis dreißig Prozent — je nach Umsatzhöhe — von den Bruttoeinnahmen nur für Steuern abliefern zu müssen, tötet die Lebensfähigkeit solcher Luxuslokale, die jetzt auch besonders unter dem Mangel an Fremden leiden. Der einheimische Besucher allein, der heute sparen muß, genügt nicht mehr, um die bedeutenden Ausgaben dieser Lokale zu decken. Was soll aus den vielen, nun brotlosen Angestellten werden? Jüngst hat erst der Elendsruf der Beamten jener Banken, die zusammenbrachen, die Oesfentlichkeit erschüttert. Es ist ein schweres Jahr, ein Jahr der I innem Erdbeben. Finanzthrone — in Form geschmack- j los riesenhafter Bankpalais —liegen in Trümmern auf ; dem Loden; Insolvenzen werfen düstere Schatten, der Abbau de» Luxusbedürsnisses schädigt gewisse Berufs« klassen. Und die Demerkuna eines Journalisten, bafr
die Ausgleichsverwalter jetzt das beste Los haben, ist ungemein zutreffend.
Das „Musik- und Theaterfest" Wiens, das kürzlich zu Ende ging, dauerte zu lange, um ein Fest zu sein; denn vier Wochen lang kann in unserer Zeit keine Feststimmung anhalten. Das fügt sich durchaus nicht in den Stil der Zeit und bedingt vor allem die Anwesenheit einer internationalen Gesellschaft.
Und doch bereitet Wien seinen Bewohnern als Abschluß des „Musik- und Theaterfestes" eine neue Freude vor. Das schöne gotische Rathaus, das eine prachtvolle Lage an der breiten Ringstraße Hai, soll kunstvoll illu- miniert werden, ein Anblick, der bei der Bauart des Hauses in hohem Maße pittoresk fein dürfte. Wie man- ches krisenmüde, steuergeplagte Gemüt wird da wohl im rauschenden Lichtmeer doppelt schmerzlich die eigene Lichtlosigkeit empfinden. Und zum Rathause empor — dorthin, wo die städtischen Steuern ausgebrütet werden — wird die Stimme des Bürgers bringen: „Ihr Stadtväter — mehr Licht!"
Neues vom Rundfunk.
Zo» im Rund unk.
Die ersten Tierkonzerte der englischen Rundfunkstellen lassen nicht vermuten, welche ergötzlichen Dinge sich bei der Aufnahme der Tierstimmen im Londoner Zoo ab- spielten. Lassen wir die englischen Zeitungen sprechen: „Old Bill, da» Walroß, war nicht wiederzuerkennen. Man durfte seiner ganzen Veranlagung annehmen, daß man es bei ihm mit einem Sänger der pathetischen Schule zu tun habe. Weit gefehlt. Er führte sich als ■ tragischer Sänger ein. Sobald er das Mikrophon sah, ! erschrak er fürchterlich und fing an zu seufzen und zu heulen. Er schwamm ganz verzweifelt in seinem Bassin, kam schliesslich wieder an die Oberfläche und heulte weiter. Die Ausnahme war entsprechend: alle Welt, die sein Heulen im Apparat hörte, mußte der Meinung sein, daß er mißhandelt werde. Das Gegenteil war der i Fall. Der Wärter versuchte ihn mit allen möglichen Leibgerichten zu beruhigen, aber Old Bills Schmerz war
Bit WMM im MM.
Für di« Mißtrauensvoten stimmen nur Deutsch- nationale und Kommunisten.
Zum Schluß der Tagung des preußischen Landtages fand die Abstimmung über die Mitz- trauensanträge statt, die von den Deutschnationalen zu Demonstrationszwecken eingebracht waren. Außer den deutschnationalen Antragstellern stimmten für das Mißtrauen nur noch die Kommunisten. Im Einzelnen wurden die Mißtrauensvoten gegen den Ministerpräsidenten B r a u n mt 192 gegen 79, gegen den Innenminister S e v e r i ng mit 205 gegen 80, gegen den Handelsminister S i e r i n g mit 198 gegen 79 und gegen den Landwirtschaftsminister Mendorfs mit 197 gegen 82 Stimmen abgelehnt. Rach der Schließung der Sitzung warf von der Publr- kumstribüne ein junger Mann mit lautem Zuruf einen großen Stoß kommunistischer Flugblätter ui den Saal. Die Tribünen wurden geräumt.
Das neue Grtsklassenverzerchms.
Halbamtlich wird mitgeteilt:
Im Reichsfinanzministerium wurde im Benehmen mit den Ländern ein neues Ortsklassenverzeichnis für die Beamten auf der Grund lag eder Wohnungsmiete aufgestellt, das dieser -tnge im Reichsbesoldungsblatt veröffentlicht wird. Das bisherige aus dem Jahr 1922 stammende Verzeichnis war auf den Teuerungsverhältnissen aufgebaut. Es hat sich nicht bewährt, weil praktisch die Unterschiede der Teuerung von Ort zu Ort nicht zu erfassen sind und das Verzeichnis mangels einer festen Grundlage nirgends Befriedigung und Beruhigung auslöste. Don allen Seiten wurde damals die Rückkehr zum früheren System des Wohnunasgelder verlangt. Insbesondere hat sich auch der Reichstag in mehrfachen Entschließungen für die beschleunigte Einführung eines Ortsklassenverzeichnisses auf der Grundlage der Mieten ausgesprochen. Es war beabsichtigt, den ganzen Fragenkreis im Reichstag zur Erörterung zu bringen. Durch die Auflösung des Reichstags wurde dies verhindert.
Da es wegen der fortgeschrittenen Angleichung der Mieten an die Friedensmieten und den weiteren Steigerungen nicht mehr möglich war, mit der Umgestaltung des Systems noch längere Zeit zu warten, mußte das neue Verzeichnis i m Wege der Ermächtigung in Kraft gesetzt werden. Die Unterlagen für das neue Verzeichnis wurden durch Erhebungen innerhalb der Beamtenschaft gewonnen. Die Erhebung erstreckte sich insgesamt auf etwa 600000 Beamte; die Unterlagen sind also denkbar breit und haben es ermöglicht, die Einstufung der einzelnen Orte auf eine durchaus sichere Grundlage zu stellen. Die unterste Klasse E fällt künftig fort. Andererseits mußte für einzelne Orte eine besondere Klasse geschaffen werden. Herabstufungen ließen sich bei der Umstellung des ganzen Systems natürlicherweise nicht vermeiden. In solchen Fällen werden die Beamten eine besondere Entschädigung erhalten. Uebrigens kommen in zahlreichen Fällen auch abgesehen von dem Wegfall der Klasse ^Höherstufungen vor.
Gleichzeitig mit dem neuen Verzeichnis gelangt eine neue erhöhte Wohnungsgeldskala zur Einführung, die das Wohnungsgeld den zu erwartenden Mietssteigerungen anpaßt. Mit den De- amtenoerbänden ist er leider zu einer Einigung nicht gekommen, da die Verbände trotz der Mangelhaftigkeit des bisherigen Verzeichnisses für die Beibehaltung des alten Systems waren.
zu groß und tiefgehend. Erst als der Aufnahmeapparat weggebracht wurde, fing er an, sich zu beruhigen. — Die Hyäne verhielt sich musterhaft; als man ihr das „Essen brachte, fing sie unaufgefordert an, zu „singen", nach Beendigung ihres Diner» war sie dann allerdings zu keinem Da capo mehr zu bewegen. — Die Seelöwen schließlich waren dabei, ihre Fischportionen zu verzehren, tote hoben ein großes Gebell an, zumeist im tiefsten Daß, und der Rest vergnügte sich damit, hellere Töne anzufchlagen. Dazwischen tauchten sie auf und ab."
In Londoner Krankenhäusern brachte man die Km- der an den Lautsprecher und erklärte ihnen mit Hilfe von Bilderbüchern das Aussehen der einzelnen Tiere, deren Stimmen sie hörten. mi-
Störungen des Empfangs durch Funkstationen.
Nach einem Bericht der „British Broadcasting Com pany", der aus Hunderten von Beschwerden zufammen- gestellt worden ist, ergibt sich die überraschende Ta:sache, daß 78 Prozent aller Störungen auf fahrlässige Schwingungen von Sende- und Empfangsapparaten, deren Besitzer nicht damit umzugehen wußten, zurückzufuhren sind. 12 Proz. Störungen rühren von amtlichen und osjent- lichen Sendestationen her; 1 Proz. ist Liebhabersendern zuzuschreiben; 6 Proz. haben verschiedene Ursachen, die nicht alle mit der drahtlosen Telegraphie zusammen- hängen; nur 8 Proz. sind beabsichtigte Schwingungen. Diese Feststellung, die in ähnlichem Ausmaß wahrschein lich mich auf andere Länder jutnfft, hat 'n England Anlaß gegeben, die Liebhaberstationen einer schärferen Beaufsichtigung zu unterziehen und auch den Liebhaber- fenbern gegenüber dem bisherigen Zustand außerordent- lche Einschränkungen aufzuerlegen, zu welchem Zweck man eine neue Lizenzordnung Klaffen bat. Sie verfugt u a daß die Liebhaberfender Nachrichten nur an solche Stationen in Großbritannien senden dürfen, die nut den Berfudjen des Lizenzinhabers in Verbindung stehen; auch dürfen die Nachrichten sich nur auf die Versuche beziehen. Die Benutzung der Sender für allgemeine Anrufe, desgleichen die Uebermittlung von anderen Nachrichten, Ankündigungen und bergt ist ausdrücklich verboten.