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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 250.

verantwortlich ,ür die Schriitleitun«: Dr- JobanneS Kramer. Anzeigen: I-D arretier, Fulda. Rotalionddruck und Verlag der Fuldaer ArtiendruSerei in Fulda. Fernsprecher Nr- 9. :

Monatlicher BeruasvreiS: 1.50 Mk.

Samstag, 25, Oktober 1924»

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51. Zahrg.

s resemann über die deutsch- französischen Beziehungen.

wtb Paris. 24. Off. (Tel.)/ Der Sonder, beiichlerstatter des „Petit Parisien" Haffe eine Un- ferredung mit dem Reichsaußenmini st er Sfresemann. Dieier erklärte, die französisch- dcufschen Beziehungen häffen sich v e r b e s s e r f. Mit der so r f sch re i f e n d e n Räumung des Ruhrgebiefs würden sie sich noch weiter verbessern. Doch gebe es in den Beziehungen der beiden Länder eiwas, was ihm mißfalle. Man verstehe nicht vollkommen in Frankreich die deutsche Denkweise, da man alles durch die sranzösi- sche Drille zu befrachten pflege. Die Deutschen häf­fen wie alle anderen Völker ihre Vergangen­heit, die ihnen in Fleisch und Blut übergegangen sei. Wie könnte man jetzt vergessen, was noch vor 10 Sichren war. Der Berichterstatter erklärte, daß Sfresemann sich auch dahin ausgesprochen habe, daß augenblicklich in Deutschland niemand mit Ausnahme einiger Exaltierten an dieWiedereinführungderMonarchie denke. Politische Gründe, abgesehen von interna­tionalen Schwierigkeiten, ständen der Wiederein­führung der alten Monarchie entgegen. Schließlich erklärte Sfresemann, Frankreich müsse mit den­jenigen in Deufschland in Verbindung treten, die die Ration führten, mit den I n d u st r i e l l e n, Geschäftsleuten und Intellektuellen.

E a i l l a u x.

Wtb London, 24. Off. (Tel.) Der Berichf­erstatter der „Times" fchreibt über den Umschwung, der in der französischen Politik skakksand und über die neue Haltung gegenüber Deutschland. Der Händedruck zwischen General Gourand und Eail- laux bei der Beerdigung von Anatole Franye sei ein Zeichen der großen Veränderung in der poli­tischen Lage, die in Frankreich eingetreten sei und die als die Rückfehr zu den Vorfriegsverhälknilsen bezeichnet werden könne. Jetzt, wo Herriot Pre­mierminister wurde, sei sein intimer Freund Lail- taux wieder ein wichtiger Faktor in der Politik. Die Bestrebungen zugunsten Deutschlands nehmen wieder zu. Feste, dauernde Abmachungen mit Deufschland und wirfschasfliches Zusammenwirken der deutschen mit der französischen Industrie, beson­ders der metallurgischen, beginne hervorragenden französischen Staatsmännern als unvermeidlich zu erscheinen. /

Amerika und Völkerbund.

Wtb W a s h i n g t o n. 24. Ott. (Funkspruch.) Präsident Eoolidge hat in der Handelskammer eine Rede gehalten, in der er seine Stellung zum Völker­bund nochmals betonte und hervorhob, daß Amerika bisher nicht beigetrelen sei, um nicht in die inter­nationalen Angelegenheiken, an denen Amerika nicht unmittelbar beteiligt sei, verwickelt zu werden. Dies schließe aber nicht aus, daß Amerika sich an den internationalen Konferenzen beteilige, sofern hierdurch nicht eine Einmischung fremder Staaken in einer amerikanischen Angelegenheit zu besorgen sei.

Die Befreiung.

Durch die Koblenzer Verhandlungen ist die Rück­gabe der Staatsforsten an die Länderregie, rungen nunmehr vollzogen. Den Abmachungen zufolge werden für die Freigabe des von den Alliierten veräußerten Holzes die Siaaisforstverwaltungen vom Reich und die Holzßirmen aus der Pfänderkassr ent­schädigt werden. Geschlagenes Holz, das veräußert ist, ist zur Abfuhr freigegeben, soweit sich die Käufer durch ordnungsmäßige Holzfuhrscheine ausweisen können. ______________

Böswillige Phantasie.

Ein neues Beispiel für die systematische Hege, die von ausländischen chauvinistischen Zeitungen gegen Deutsche betrieben wird, ist die auch von Pariser Zeitungen weiterverbreitete Meldung der Warschauer Militärfachschrift „Polska Zbrojna", die besagt, daß am 6. Septbr. ein deutsches und ein russisches Ge- schwader in der Nähe der polnischen Küste g e - meinsame Uebungen abgehalten und daß polnische Funkstationen den drahtlosen Verkehr der beiden Geschwader abgehört hätten. Wir sind in der Lage demgegenüber festzustellen, daß weder gemeinsame Manöver der deutschen und russischen Flotte jemals stattgefunden haben, noch auch, daß deutsche Seestreitkräfte, in den letzten Monaten russische Kriegsschiffe gesichtet haben. Auch em Funkverkehr zwischen deutschen und russischen Kriegsschiffen hat niemals stattgefunden, ■otn übrigen mag darauf hingewiesen werden, daß am 6. September sämtliche deutsche Kriegsschiffe, mit Ausnahme eines Linienschiffes, das sich auf hoher See befand, in den Häfen lagen.

Der Preußische Landtag

hat den gesamten Haushalt in der Schlußab­stimmung gegen die Kommunisten verabschie­det. Am Freitag soll noch die Abstimmung über das Mißtrauensvotum der Deutschnatio- Mlen stattsind en-

Vor öen Barteitagungm.

Zur Neichstagsauflösung

schreibt man uns noch aus führenden parlamentari- Kreisen:

Die erste Ursache des bitteren Ausganges eines siebenwöchentlichen Ringens liegt weiter zurück als beim Kampf um den Londoner Pakt. Eigent­lich begann die Regierungskrise schon a m 4. M a i, als das deutsche Volk einen Reichstag wählte, der zur positiven Arbeit zum Wohle des Vaterlandes von vornherein unfähig war. Unter den 472 Abgeordneten waren nicht weniger als rund 100 Radikale von rechts und links, 62 Kommunisten, 32 Völkische, 4 Anhänger des Knüp­pel-Kunze, welche den Parlamentarismus über­haupt verneinen und in der Sabotage der Gesetz­gebung in der kurzen Lebzeit dieses Reichstages Ungeheuerliches geleistet haben. Um diese radika­len Flügelgruppen schlossen sich rechts und links starke Parteien von je 100 u. mehr Abgg., die zu der Regierungskoalition der Mitte, die über nur 138 Mandate verfügte, in mehr oder weniger scharfer Opposition standen. Davon war die stärkste Frak­tion, die Deutschnationalen, seit 1919 ununterbrochen außerhalb der verantwortlichen Mitarbeit gewesen. Zwar gelang es, für die Annahme der Londoner Beschlüsse unter dem gewaltigen außen- und innen­politischen Drucke eine Mehrheit zu finden, sogar die für das Eisenbahngesetz erforderliche verfassungs­mäßige Mehrheit. Aber dann war es aus. Man hätte die notwendige Volksentfcheidung noch einige Monate hinschleppen können — zu Anfang des Jahre 1925 wäre sie sicher gekom­men. Die Wahl vom 4. Mai 1924 war eben ein F e h l f p r u ch. Das deutsche Volk muß sich auf sich selbst besinnen und in einer neuen Wahl beweisen, daß es für die politischen Lebensnotwendigkeiten Deutschlands mehr Verständnis gefunden hat.

Nun gilt es, für den Wahlkampf zu rüsten! Die Zentrumspartei wird ihn unge­schwächt überstehen, wenn sie in der a l t b e w ä h r- ten Einigkeit, mit fest zusammengeschlossenen Reihen in die Schlacht geht. Zur rechten Zeit tritt in wenigen Tagen der Reichsparteitag zusammen. Möge er in dem Ergebnis ausklingen, daß alle Zentrumsanhänger unter der ruhmvollen Fahne der Partei sich zusammenscharen zum Kampf für die Fortsetzung der bewährten Politik der Mitte unter dem vom Vertrauen des In- und Auslandes getragenen Kanzler Marx.

Deutschnationale und Deutsche Volkspartei.

lieber die Aussichten, die ein von den Deutsch- nationalen angestrebter W a h l b l o ck mit der Volkspartei hat, unterrichtet eine Auslassung der parteioffiziösen deutschvolksparteilichen „Zeit". Das Blatt, das Stresemann nahe steht, schreibt zu dem hier schon erwähnten Auftuf der deutschnationalen Reichstagsfraktion:

„Die Deutsche Volkspartei hat Veranlassung genom­men, sich mit aller Entschiedenheit gegen die Anspielungen dieses Aufrufes zu wenden, die sich auf sie beziehen, und wir bürfen wohl erwarten, daß eine Rich­tigstellung des Entwurfs nach dieser Richtung erfolgen wird, nachdem sie durch ein Abendblatt am Dienstag angekündigt worden ist. Aber die Art, wie die den Deutschnationalen gegebenen Versprechungen behandelt werden, ist nicht dasjenige, was uns an dem Aufrufe am wenigsten gefällt. Der ganze Aufruf steht in v o l» lern Gegensatz zu der Politik, die die Deutschnatio- nale Partei und Herr Hergt gerade in den letzten Wo­chen getrieben haben. Verstehen wir ihn recht, und ist er mehr als eine Zusammenstellung von Schlagworten, bann ist er eine Absage an den Parlamentarismus über­haupt. Das geht aber nicht an. Man kann nicht gleich­zeitig unter Berufung auf die Stärke der Partei den Anspruch auf die Zuteilung von Minister- sitzen erheben und den Parlamentarismus überhaupt ablehnen. Man kann sich auch nicht bereit erklären, mit Parteien zusammenzugehen, die in bezug auf die Stel­lung zum Staate eine bejahende Haltung einnehmen und den Staat dann derartig angreifen, wie man es hier getan hat. Wir bedauern auch unsererseits außer­ordentlich, daß in dem Aufruf derKampfgegendie Judenherrschaft als Ziel des Wahlkampfes hinge­stellt wird. Das alles erschwert die Durchsetzung der Ideen, um derethalben der Kampf der letzten Wo­chen gegangen ist. Dabei braucht nicht erst betont zu werden, daß die Deutsche Volksvartei als liberale Partei besonders mit dem Gedanken der Reli­gionshetze und der Rassenhetze nichts zu tun hat. Wir hoffen, daß die offizielle Parteileitung Ver- anlastung nehmen wird, in ihrem Aufruf das Einigende mehr zu betonen, als das Trennende. Und wir wie­derholen die Warnung, die wir gestern ausgesprochen haben, daß man sich hüten möge, durch die M e t h o d e n des Wahlkampfes das-zu verderben, was die Verhand­lungen der Parteien in den letzten Wochen der Erfül­lung nähergebracht haben."

In einem weiteren Artikel über den aufsehen­erregenden Aufruf spricht das Blatt Stresemanns die Meinung aus, der Aufruf mache den Eindruck

* Der preußische Sfaafsraf ist am Freitag zu- fammengetreten, um zu den Beschlüssen des Land­tags über das Landeswahlgesetz Stellung zu nehmen. Der Landtag hat nämlich beschloßen, einige Bestimmungen zu treffen, die das Auftreten der Zwergparteien erschweren sollen.

* Dr. O'ann f. Der Sohn des früheren national­liberalen Führers, der gleichfalls liberale hessische Parlamentarier Iustizrat Dr. Osann in Darm­stadt ist dem Schlaganfall, den er vor etwa zwei Monaten erlitten hat, im Alter von 62 Jahren er= lwi-n. Der Verstorbene gehörte feit dem Jahre 1906

als sei er von irgend einem jungen Abgeord- netenvonvölkischer Richtung als E n t- w u r f verfaßt und ohne Korrekturprü- fungandieOeffentlichkeit gebracht wor­den. Bezüglich der Deutschen Volkspartei ist die Korrektur jetzt auch bereits vorgenommen worden. Spaltung bei den Deutschnationalen?

Seit der Abstimmung der Deutschnationalen vom 29. August gährt es in dieser Partei. Man wußte damals schon, daß ein Teil der Neinsager mit Spaltungsgedanken sich trug und zwar weniger aus eigenem heraus, als gedrängt von den auf schroffe Agitation eingestellten örtlichen Or­ganisationen. Nun haben, wie das national­sozialistische „Deutsche Tageblatt" mitteilt, bereits seit einiger Zeit Verhandlungen zwischen den deutschnationalen Neinsagern und dem Vor­sitzenden des Alldeutschen Verban­des. Iustizrat C l a ß, stattgefunden, bei denen man sich mit der Frage beschäftigte, ob die mit der Lei­tung der Deutschnationalen Volkspartei unzufrie­denen Kreise nicht in eine neue Rechtspartei zusain- mengesaßt werden könnten. Diese Verhandlungen werden damit begründet, daß es nur auf solche Weise möglich fei, diese Neinsager vor dem Uebertrrtt zu den Nationalsozia-- listen abzuhalten.

Damit, kämen wir in neue Parteizer- splitterungen hinein, während es doch ge­rade die Aufgabe dieses Wahlkampfes ist, jede Par- teizerfplitterunz hinanzuhalten.

Dr. Hergf

ist jetzt in aller Form von der Leitung der Deutsch­nationalen Partei zurückgetreten. Mit der Parteiführung wurde bis zur fatzungsgemäßen Neu­wahl der Parteiinstanzen (Ende dieses Jahres) der Vorsitzende der preuß. Landtagsfraktion W i n ck - l e r betraut. Zugleich wurde der Großadmiral von Tirpitz einhellig zum Mitglied der Parteileitung er­nannt. Der neue Führer Winckler ist bereits 68 Jahre alt und wird als Platzhalter betrachtet, bis ein geeigneter Mann gefunden ist.

Die Demokraten.

Im demokratischen Klub in Berlin wurde im Anschluß an eine Rede des Reichsministers a. D. Koch über das Thema „Ein neuer Wahlkampf", in der Koch ein ausführliches Expose über die Politik der Fraktion "in den vergangenen Wochen und über ditz Haltung der Partei im Wahlkampfe gab, eine Entschließung angenommen, in welcher der Leitung der Deutschen demokratischen Partei Dank und Vertrauen für die zielbewußte Führung ausgesprochen und erklärt wird, daß die Partei in den Wahlkampf mit dem stolzen Bewußtsein trete, daß sie in den schweren Jahren nach dem Kriege ihre vaterländische Pflicht in vollem Maße erfüllt habe.

Aus der deutschdemokrakischen Partei find die bekannten Abgeordneten Dr. Schiffer, Dr. Gerland und Keinath ausgetreten.

Wie mehrere Blätter melden, hat Reichsminister Hamm der Wahlkreisorganisation der demokrati­schen Partei für Oberbayern und Schwaben, die ihm erneut die Spitzenkandidatur angetragen hat, mitgeteilt, daß er mit Rücksicht auf feine durch die aufreibende politische Tätigkeit der letzten Jahre stark angegriffene Gesundheit die Kandidatur ab­lehne. Er sei jedoch bereit, der demokratischen Sache nach wie vor seine Kraft zu leihen.

Neichstagskandidat Ludendorff.

In der völkischen Presse selber war nach der Reichstagsauflösung gefordert worden, daß Ludendorff nicht mehr für den neuen Reichs­tag kandidiert und Max Maurenbrecher hat dieses Verlangen damit begründet, daß Ludendorff nicht dem Parteikampf ausgesetzt werden solle. Man kann diesen Wunsch begreifen, wenn man er­lebt hat, wie niederdrückend es wirkte, wenn im Reichstag die Nationalsozialisten mit Ludendorff an der Spitze sich durchweg mit einem Katz und H öl- lein und dem ganzen Troß der Kommunisten er­hoben, um gegen d i e Regierung und ihre Maßnahmen Sturm zu lausen.

Nun wird aber von der Presieleitung der Na­tionalsozialistischen Freiheitspartei mitgeteilt, daß Ludendorff auch diesmal wieder als S p i tz e n k a n d i d a t auf die Nationalsozialistische Reichsliste gesetzt werde. Und Ludendorff selbst er­läßt in militärischem Kommandoton einen „21 pell", in welchem dazu aufgefordert wird, daß „das deutsche Volk doch noch von den furchtbaren Sklavenketten der Dawesgesetze" sich be­freie!

dem Hessischen Landtag an, von 1907 bis 1912 war er Neichstagsabgeordneter. Er spielte besonders im Finanzausschuß des hessischen Landtags durch Sach­kenntnis und Erfahrung eine Rolle.

* Unabdänunk-itsieier in Südamerika. Auf eine Einladuna der Regie unn von Peru begibt sich eine vom P p st aus mehreren 3?-ätaten ernannte Komminion, begleitet von zwei Nobelgardisten, nach Sudamerila, um an bei Gentenorfeier von Ayrcucbo teilzunehmen, wo die Unabl änoigfeit bet Süd- amerikanischen Republiken erklärt worden ist. Unter ben Mitgliedern dieser Kommtzsion befindet sich auch Mons. Testa.

vom chinesischen Krieg.

Wtb Paris, 24. OH. (Tel.) Die »Chicago Tribüne" meldet aus I i e n t f i n, daß die erste Di> vision der nationalen Armee unter General Feug- hu-siang, dem sogenannten christlichen General, re­voltiert und die Stadttore beseht habe. Die Stadt sei wie im Jahre 1900 vollkommenisoliert.

Wtb Tokio, 24. Off. (Funkspruch.) Rach einer Agenturmeldung aus Tientsin ist Tsaokun, der Präsident von China, mit unbekanntem Ziel ausPekinggeslohen.

Kttentatsgerüchte.

wtb Ü0N staatinopel, 24. Oft. (Tel.) Tür­kischen Blättern zufolge ist ein Ä o m P l o f t von ö Armeniern zwecks Ermordung von Prä- fident Kemal Pascha entdeckt worden. Die Armenier seien ans Athen gekommen und bereits verhaftet worden . Von der Polizei wird die Nach­richt in Abrede gestellt, die Blätter bleiben jedoch dabei, daß sie wahr fei.

ausland und Zentrumspolitik.

Von einer bef anderen im Auslände weitenden und mit den ausländischen Verhaitnisjen vertrauten ZentrumS- persönlichkeit wird uns im Hinblick auf den kommenden RelchSparteitag unö die auch auf ihm eine hervor» ratende Rolle zpietende Stellung desZentrum zur A utz en Politik folgendes geschrieben:

Keiner Partei bet uns schenkt man im Auslande eine solche Beachtung wie der deutschen Zentrums­partei. Wiederholt hat man es — und namentlich aus Anlaß der letzten parlamentarischen Kämpfe — dort lesen können, die Zentrumspartei sei die einzige, die wirklich politischen Instinkt besitzt. Insbesondere ist der Name Marx, der geradezu ein Bertrauenskapitel Deutschlands gegenüber dem Auslande darstellt. Das bedeutet keinesfalls, daß das Zentrum unter allen deutschen Parteien dem Willen des Auslandes am meisten entgegengekommen sei, wenn darin auch unbedingt liegt, daß das Zentrum in all den wech- feloollen Lagen der letzten Jahre dem Auslande gegenüber die am meisten fachliche Politik ge­trieben habe. Nicht gesagt ist damit leider auch, daß die große Masse des Zentrumsanhanges immer die rechte Ein- und Abschätzung des Auslandes be­weist. Denn auch bei uns find bedauerlicherweise das Verständnis für Auslandsfragen und die nöti­gen Vorkenntniffe noch sehr in den Anfängen. Aber d a s ist offenbar die Meinung, daß das Zen­trum auf Grund seines Gesamtcharakters und seine, politischen Führerschaft bte größere Gewähr fü, eine zielbewußte, stetige und maßvolle Politik geoe^ Die anständigen, besonnenen und einsichligen Kreist des Auslandes haben ein sehr klares Gefühl dafür, daß eine deutsche Politik keine solche zu sein braucht, die das Ausland verletzen, herausfordern oder gar schädigen müsse.

Worauf es außenpolitisch ankommt, ist die Wiederherstellung des Gleichgewich» t e s in der Völkergemeinschaft. Die Periode, in der man glaubte, nur einige Hauptkonkurrenten aus» schalten zu brauchen, um die allgemeine Wohlfahrt der übrigen Welt zu fördern, darf als abgeschlossen angesehen werden. Das Problem, das innenpolitisch Volksgemeinschaft heißt, heißt außenpolitisch „Völkergemeinschaft". Gemeinschaft ist aber nicht in erster Linie eine Frage der Organi­sation, sondern der inneren geistigen Einstellung. Gemeinschaft kann daher nicht von jeder x-beliebi- gen Interessen- ober Parteigruppe angebahnt und hergestellt werden. Ene Partei, die alles vergesell­schaften will, ist dazu jedenfalls nicht tauglich. Sie kann wohl Brücken zu Gleichgesinnten im Auslands schlagen, kann auch für eine Art ruhiger Diskussion in internationalen Fragen wirken, aber Gemein­schaft unter den Völkern kann sie nicht Herstellen. Und andererseits kann eine Partei, die den Staat vergöttert, die das reine Machtprinzip in der In­nen- und Außenpolitik anbetet, keine Grundlage dafür abgeben. Sie kann für den Staat einen ge­wissen korrekten und kühlen Respekt erreichen, aber herzliche Gerneinschastsbande lassen sich auf diesem- Wege nicht knüpfen.

Anders mit dem Zentrum. Es ist bekannt als Partei, die ernst macht mit ihren christlichen Grundsätzen. Das Zentrum hat Raum für alle Stände und Berufsschichten. Es ist in sich bereits Volksgemeinschaft! Es muß in sich beständig jenen Ausgleich zwischen allen Interessengruppen Her­stellen, der für das Reichsganze als Ideal ange­strebt wird und von dem ein recht großer Teil ver­wirklicht werden muß, soll das Deutsche Reich wie- dererstehen.

Das Zentrum ist weder Marx noch Wirth oder Stegerwald, noch Herold, oder wen man will, jeder für sich — sondern eine Gemein­schaft aus ihnen, eben Volks gemeinschaft. Die häßlichen Auswüchse der Parteipolemik sieht man vorn Auslande aus kaum; was man beachlet, ist jene immer wieder überraschende Lösung der deutschen Krisen zunächst durch den Ausgleich innerhalb des Zentrums und mit ihm als Mittel­punkt innerhalb der deutschen Parteien. Aber darin liegt zugleich, daß das Zentrum sich unter kei­nen Um ständen in irgend eine politi- s ch e Flanken st ellung manöverieren lassen darf. Denn das bedeutet Aufgeben des Charakters der Zentrumspartei und damit zugleich gewaltig« 1 Einbuße an Vertrauen nach innen und außen.